Montag, 12. Mai 2008

Josef Pieper: Prudentia (Klugheit)

Summa: Josef Pieper geht in Anlehnung an den Hl.Thomas von Aquin der Frage nach, was die Tugend der Klugheit bedeutet. Er zieht sie allen anderen Kardinaltugenden dabei als diejenige vor, die es jenen erst ermöglicht, dass sie aktiv werden. Die Klugheit zeigt die Wege auf, auf denen im Rahmen der erkannten Wirklichkeit das vom Gewissen vorgegebene Ziel gerecht, tapfer und maßvoll erreicht werden kann.

Der Klugheit gebührt der Vorrang vor den anderen Kardinaltugenden und dieser Vorrang bildet das ganze Ordnungsgefüge des christlich-abendländischen Menschenbildes. Wie das Sein dem Wahren vorausgeht, so geht das Wahre dem Guten voraus.
Landläufig hat Klugheit heute eine Konnotation von ängstlicher Selbstbewahrung und irgendwie eigensüchtiger Besorgtheit um sich selbst angenommen. Die klassisch-christliche Lehre dagegen besagt: Klug und gut ist der Mensch nur zugleich. Alle Tugend ist notwendig klug. Die Klugheit macht die anderen Tugenden erst zu solchen. Sie verleiht ihnen die Übereinstimmung mit der objektiven Wirklichkeit, die für alles tugendhafte Handeln maßgebend ist. Die in der Erkenntnis der Wahrheit vollendete Vernunft muss das Wollen und Wirken des Menschen innerlich formen und prägen.
Die Möglichkeit der Verwirklichung des Guten setzt also das Wissen um die Wirklichkeit voraus. Die "gute Absicht" alleine reicht nicht aus. Die Verbindung der guten Absicht und der Klugheit findet im Gewissen statt. Die Klugheit bezieht die Regung des Gewissens, das das Gute tun will, auf die jeweilige Situation, indem sie in ihrem Handeln sowohl Unbesonnenheit, als auch Unschlüssigkeit meidet, auch nicht die eigene Selbstbewahrung in den Mittelpunkt stellt, sondern ihren schweigenden Blick auf die Wirklichkeit richtet. Klugheit bedeutet Sauberkeit, Gradheit, Offenheit und Unbefangenheit des Wesens, erhaben über alle Verzweckungen und Unbefangenheiten des Wesens, erhaben über alle Verzwicktheiten und Nützlichkeiten des nur "Taktischen".
Die Erinnerung ermöglicht es ihr dabei, ihr Handeln mit dem Sein der Vergangenheit abzugleichen, die Gelehrsamkeit eröffnet ihr den Horizont für alle Bereiche des Seins und ihre Entschlussfähigkeit (Piper: vollendetes können) ermöglicht es ihr auch gegenüber dem Unvermuteten sachlich zu entscheiden und die Ausrichtung auf das Ziel zu bewahren.
Es ist aber auch Aufgabe der Klugheit nicht nur auf das Geschehene und Geschehende zu blicken, sondern auch auf das zukünftig geschehen Werdende. Klugheit ist auch Voraussicht. Dabei wird der Kluge sich nicht durch falsche Gewißheiten täuschen lassen, er erwartet sie nicht, wo es sie nicht gibt.
Wenn das Gut des Menschen also in seinem Sein gemäß der Vernunft liegt (wobei Vernunft alle Weisen der Wahrnehmung der Wirklichkeit umfasst), so kann die Verwirklichung des Guten nicht in der Einhaltung willkürlich gesetzter Vorschriften bestehen. Die gute Tat muss aus der Erkenntnis geboren werden, oder sie ist keine gute Tat! Wie die Klugheit die drei anderen Kardinaltugenden prägt, kann bei jedem Menschen verschieden sein. Grade in der Lehre von diesem Vorrang der Klugheit liegt der systematische Grund für die Noblesse der Zurückhaltung, der Freiheit und Bejahung, derer sich die Moraltheologie befleißigen sollte. Das unmittelbare Maß des konkreten sittlichen Wirkens ist allein der Befehl der Klugheit des sich entscheidenden Menschen. Es besteht keine Möglichkeit, die Konkretheit der sittlichen Entscheidung eines Menschen von außen her zu fassen. Die Klugheit ist der Inbegriff ethischer Mündigkeit, die Voraussetzung eines sittlichen Lebens sein muss, doch stets auch Belehrbarkeit enthält.
Wenn der Mensch aus seinem Gewissen heraus ein Ziel gewählt hat, so kommt der Klugheit die Aufgabe zu, die angemessenen Wege der Verwirklichung jener Grund-Ausrichtung zu finden. Die Ziele des Gewissens sind vorgegeben. Jeder weiß, dass das Gute zu lieben ist, jeder weiß (ausdrücklich oder nicht), daß es Aufgabe des Menschen ist, gemäß der Vernunft, also der Wirklichkeit zu leben. Jeder weiß auch, dass er gerecht, tapfer und maßvoll sein soll. Die Wege der durch das Gewissen gebotenen Verwirklichung des Guten gemäß der Wirklichkeit aufzuzeigen und dabei Gerechtigkeit, Tapferkeit und rechtes Maß walten zu lassen, ist die Aufgabe der Klugheit und erhebt sie somit auf den höchsten und umfassensten Platz der Tugenden.

(nach: Pieper, Josef - Über die Tugenden, München 2004)

Pfingstliche Propaganda

Dies als mein persönlicher Kommentar zum zur Zeit stattfindenden ökumenischen Gottesdienst.

Samstag, 10. Mai 2008

Pfingsten II: Cyrill von Jerusalem über den Heiligen Geistes

Der Heilige Geist ist etwas großes, in seinen Gnadenerweisungen etwas Allmächtiges und Wunderbares. Bedenke, wieviele ihr seid, die ihr hier sitzt, wie viele Seelen beisammen sind! In jedem einzelnen wirkt er in entsprechender Weise. Er ist mitten unter uns und sieht das Verhalten jedes einzelnen: er sieht die Gedanken, die Gewissen, was wir reden und sinnen und glauben. Schon damit ist wahrlich viel gesagt, aber doch ist es noch eine Kleinigkeit. Lasse sein Licht in deinen Verstand hineinleuchten und erwäge, wie viele Christen es in unserer ganzen Diözese gibt, wie viele in der ganzen Kirchenprovinz. Dann schaue mit dem Auge des Geistes von der Kirchenprovinz weg auf das ganze römische Reich und von da weg auf die ganze Welt, auf die Stämme der Perser, das Volk der Inder, auf die Goten, die Sauromaten, die Gallier und Spanier und Mauren, die Libyer und Äthiopier und dazu noch die Völker, die wir dem Namen nach nicht kennen; von vielen Völkern ist uns ja nicht einmal der Name bekannt geworden. Denke an die Bischöfe, Priester, Diakone, Mönche, Jungfrauen und ferner die Laien eines jeden Volkes! Dann denke daran, wie der große Führer, der Spender der Gnaden, in der ganzen Welt dem einen Keuschheit verleiht, dem anderen immerwährende Jungfräulichkeit, einem anderen Barmherzigkeit, diesem freiwillige Armut, jenem die Gabe feindliche Geister auszutreiben! Wie das Licht alles mit einem einzigen Strahl erleuchtet, so erleuchtet der Heilige Geist jene, die Augen haben. Hat einer keine Augen und wird er der Gnade nicht gewürdigt, dann tadle er nicht den Geist, sondern seinen eigenen Unglauben.

Nachdem du dir das Wirken des Heiligen Geistes auf der ganzen Welt vorgestellt hast, so beschränke dich nicht auf die Erde. Steige empor zu dem was oben ist. Steige im Geist empor zum ersten Himmel und schaue dort auf die vielen, ungezählten Myriaden von Engeln. Wenn du kannst, steige mit deinen Gedanken noch weiter hinauf. Schaue die Erzengel, schaue die Geister, schaue die Mächte, schaue die Fürsten, schaue die Kräfte, schaue die Throne, schaue die Herrschaften. Über sie alle ist von Gott als Führer, Lehrer und Heiligmacher der Tröster gestellt. Seiner bedarf unter den Menschen Elias, Elisäus, Isaias. Seiner bedarf unter den Engeln Michael, Gabriel. Keines von den Geschöpfen steht ihm an Ehre gleich. Alle Chöre und Heerscharen der Engel zusammengenommen kommen dem Heiligen Geist nicht gleich. Gegenüber der allgültigen Macht des Tröster verdunkeln sie alle. Während sie ausgesandt werden um zu dienen, ergründet der Geist selbst die Tiefe Gottes, wie der Apostel sagt: "Der Geist ergründet alles, selbst die Tiefen Gottes. Wer von den Menschen weiß, was des Menschen ist, außer der Geist, der im Menschen wohnt? So erkennt auch keiner, was Gottes ist, außer dem Geiste Gottes."
(Taufkatechese XVI)

Pfingsten I - Hymne und Sequenz

60 Jahre Israel oder: die Existenz einer unlösbaren Situation

In diesen Tagen besteht der Staat Israel 60 Jahre. Auf wackligem Konsens säkularer und frommer Juden errichtet, scheint er seine Stärke im Grunde aus der feindlichen Umgebung zu beziehen.
Wie hält man es als Deutscher mit Israel? Freundlichkeit ist angebracht. Das ist sie immer, gegenüber den Nachfahren derer, die eine Regierung unserer Vorväter gerne ausgerottet hätte, aber besonders. Kein "Schuldkult" - aber eben auch nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Eine Entschuldigung ist auch heute noch angebracht. Ich sehe es so: Wenn ich den Enkel von jemandem treffe, dem aus meiner Familie vor zwei Generationen großes Leid zugefügt wurde, werde ich ihm gegenüber stets zuvorkommend und freundlich sein, auch sagen, dass es mir Leid tut - unabhängig davon, dass ich selbst am Geschehenen keine Schuld trage. Was aus dieser Beziheung dann wird, hängt allerdings auch von der Gegenseite ab. Soviel dazu.
Der Staat Israel ist aber auch ein Zeichen dafür, dass sich in einem Konflikt kaum weiß und schwarz, gut und böse sauber trennen lassen. Jede Handlung hat ihre "Nebenwirkungen", bisweilen katastrophale, selbst wenn sie gut gemeint ist. Wer wird sagen können, wem das Land, auf dem Israel de facto existiert, wirklich gehört? Den Israelis, weil sie die Nachfahren des Volkes Israel aus dem AT sind? Den Kanaanitern, weil sie noch vorher da waren? Den Palästinensern oder Arabern, weil sie das Land zwischenzeitlich über Jahrhunderte besiedelten? Den neuzeitlichen Israelis, weil man es ihnen völkerrechtlich überlassen hat? Ganz abgesehen von den zwischenzeitlich dort auf- und wieder abgetauchten Herren. Und wie geht man heute damit um - ist es legitim eine Mauer zu bauen, die Palästinenser abzuschotten und so ihre schon stets schwache Wirtschaft ganz abzuwürgen? Aber die Terroranschläge sind seither fast auf null zurückgegangen... Ist es legitim wenn ein großer Teil der Palästinenser und anderer Araber die Israelis ins Meer zurücktreiben will? Nein - aber warum dürfen dann die Palästinenser nicht nach Israel zurück (wohl wegen ihrer hohen Geburtenrate, die bald ein palästinensisches Übergewicht bedeuten würde)? Wie wirkt es auf die Araber, wenn radikale Juden darüber nachdenken, wann sie Damaskus einnehmen?
Die Gründung des Staates Israel war keine saubere Lösung, ebensowenig das Vorgehen aller Beteiligten seither. Vermutlich kann es dort auch keine geben. Es gibt Situationen, die bis zur Unlösbarkeit verheddert sind, in denen man längst nicht mehr sagen kann, wer nun was Schuld ist. Vielleicht ist es ein besonders Zeichen, dass dies gerade im 'Heiligen Land' der Fall ist. Es bleibt die Auforderung: Wünscht Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben; Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen. (Psalm 122)

Tradition (aus "Anatevka")

Hier wird ein Aspekt des Judentums vorgestellt, der dem Katholizismus ausgesprochen wesensverwandt ist :).

Freitag, 9. Mai 2008

Einige Trivia

Borussia Mönchengladbach ist durch das 3:0 gegen Wehen wieder in die 1.Bundesliga aufgestiegen! Da diese Fußballmannschaft bei mir Gegenstand eines Restes von Lokalpatriotismus ist, freut mich das als Niederrheiner von Geburt und Jugend her besonders!










Wo ich schon grade von zu Hause spreche: Vor einiger Zeit habe ich eine Besprechung einer Sendung gelesen, in der es um den Niederrhein ging.

Schön, dass diese stets übersehen Gegend zwischen Ruhrpott und Holland mal bemerkt wird. Ich hatte viele Wiedererkennungseffekte, allerdings wird die Lage arg düster gezeichnet. Sie ist auch nicht rosig, aber der Niederrheiner an sich ist nicht so suizidal, wie er in dem Bericht erscheint. Warum auch - wir sind ja katholisch ...