Mittwoch, 23. Januar 2013

Heinrich Seuse: Der Widerstand in den Dingen

Zum heutigen Gedenktag

"Tu deine inneren Augen auf und schau, wer ich bin. Ich bin es, die Ewige Weisheit, die dich in Ewigkeit für sich auserwählt hat mit dem Umfangen meiner ewigen Vorsehung. Ich habe dir so oft den Weg versperrt, so oft du von mir geschieden wärest, wenn ich dich verlassen hätte. Du fandest in allen Dingen einen Widerstand; und das ist das sicherste Zeichen meiner Auserwählten, daß ich sie für mich selbst haben will."

Heinrich Seuse (+1366): Büchlein der Ewigen Weisheit

Sonntag, 6. Januar 2013

Simon Frank: Tragik und Harmonie des Seins

Der moderne Mensch, der sich in seinem Bewusstsein schon lange von dieser im Grunde genommen unlösbaren ontologischen Verbindung zu Gott gelöst hat, die sein eigenes Wesen bildet, neigt gleichzeitig zur Verzweiflung und zum widernatürlichen Genuss der Tragik seines Lebens. Dadurch wird der Sinn der Tragik selbst zerstört. Die Tragödie ist uns gegeben, damit wir sie überwinden; ihr eignet eine Dynamik, die zu ihrer Auflösung führt. Jede Tragödie hat einen Ausweg, auch wenn dieser im Untergang des tragischen Helden besteht - auch das ist eine Überwindung der Tragödie. Die Tragödie, an die sich der Mensch passiv gewöhnt, weil er sie für einen normalen Zustand hält, außerhalb dessen er nichts wissen kann, ist eine absurde Entstellung des eigentlichen Wesens der Tragödie. Denn die Tragödie ist der Verlust des Gleichgewichts, ein labiler Zustand, der einen Ausweg erfordert und nur in der Konfrontation mit der Ruhe und der Harmonie einen Sinn hat. Allein die Möglichkeit der Tragödie setzt jene Tiefen des menschlichen Geistes voraus, in deren Überwindung er die feste Grundlage seines Existenz in seliger, harmonischer Ruhe findet. Deshalb ist die Tendenz des modernen Menschen, in der Tragik den einzigen und ausschließlichen Inhalt des menschlichen Lebens zu erblicken, ein absurder Widerspruch, der von seiner Blindheit und Verzweiflung angesichts eines für ihn nicht erkennbaren zeitlichen Schaffensprozesses mit ständig sich wiederholenden Misserfolgen zeugt. Er ist nicht nur unfähig, die Sinnlosigkeit der Weltgeschichte zu erfassen, sondern auch seine einzige Hoffnung in die verheißene letzte und endgültige Verklärung der Welt zu setzen, die am unendlich fernen Ende der Geschichte stattfinden wird. Jede menschliche Seele, die sich ihrer Verwurzelung in Gott bewusst ist, hat in sich überzeitlich und deshalb bereits jetzt, in jedem Moment ihres Lebens, ihre Apokalypse, ihre Verklärung, ihre letzte Vollendung in der absoluten Harmonie der letzten Fülle und Seligkeit.

Semen (Simon / Simjon) Frank: Die Realität und der Mensch. Die Tragik und die Harmonie des Seins. in: Russische Religionsphilosophie des 20. Jahrhunderts. Freiburg. 2003.

Sonntag, 30. Dezember 2012

"Menschengerechte" Liturgie ...

.. erweist sich manchmal als etwas weniger menschengerecht, als gedacht.


Ich war das einzige Kind, welches nach der Erstkommunion nicht Messdiener wurde. Ich wollte nicht. "Ich dien, doch nicht dem Pfarrer" sagte ich zu meiner Mutter. "Du dienst ja auch nicht dem Pfarrer als Messdiener, sondern Gott", erwiderte sie, aber das war meiner Meinung nach damals eine Ausrede. Die ganze Messe war auf den Pfarrer ausgerichtet. Er stand hinter seinem Altar wie meine Lehrer hinter ihren Pulten, und wir mussten davor knien.  
Ähnlich war es mit der Beichte. Ich hatte eigentlich schon Lust, mal in so einem Beichtstuhl zu sitzen, aber dann mussten die Kommunionkinder ein Beichtgespräch führen, weil man den Beichtstuhl zu unpersönlich fand. Vielleicht. Ich weiß es nicht, vielleicht hatten wir in unserer Kirche auch keinen. Man hatte mir über die Beichte Ähnliches gesagt, wie über das Messdienen, nämlich, dass man seine Sünden nicht dem Pfarrer beichtet, sondern Gott, und das fühlte sich nun aber durch dieses persönliche Beichtgespräch von Angesicht zu Angesicht mit dem Pfarrer, ganz und gar nicht so an.  
Am Abend vor meiner Erstkommunion lag ich im Bett, und als ich betete, hoffte ich, dass ich Gott am anderen Morgen treffen würde in der Kirche. Wir Kommunionkinder mussten dann im Halbkreis um den Altar stehen, mit den Gesichtern zur Gemeinde. Alle sahen uns an. Jedes Kind bekam eine Hostie auf die Hand und bei "drei" (als der Pfarrer wieder auf seinem Platz stand) mussten wir sie greifen und in den Mund stecken. Irgendetwas daran verletzte meine Scham. Ich sah kauend auf meine Füße.

aus: Esther Maria Magis: Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung. Hamburg 2012, S.15/16.

Freitag, 28. Dezember 2012

Der Kindermord von Betlehem


Ein kleines Kind wird geboren, es ist der große König. Aus der Ferne werden die Weisen herbeigeführt; sie kommen, das Kind anzubeten, das in der Krippe liegt, aber schon über Himmel und Erde herrscht. Als die Weisen die Geburt des Königs verkündeten, erschrak Herodes und suchte das Kind zu töten, um seine Herrschaft nicht zu verlieren. Hätte er an das Kind geglaubt, hätte er hier in Sicherheit herrschen können und ohne Ende im ewigen Leben.
Warum fürchtest du dich, Herodes, bei der Kunde von der Geburt des Königs? Er kommt doch nicht, dich zu stürzen, sondern den Teufel zu überwinden. Aber du erkennst es nicht, du erschrickst und wütest. Um den einen zu verderben, den du suchst, ermordest du grausam die vielen Kinder. Du mordest das Leben der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz. Du meinst ein langes Leben zu gewinnen, wenn es dir gelingt, den umzubringen, der das Leben selber ist.

Aus einer Predigt des Quodvultdeus ( + Mitte 5.Jhd.) über die Unschuldigen Kinder 

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Zu Bethlehem geboren



Eines meiner liebsten Weihnachtslieder - eines, bei dem nicht nur die Stimmung, sondern auch der Text schön und tief ist!

Dienstag, 25. Dezember 2012

Ephräm der Syrer: Das Wunder der Geburt Christi


Ein neues Wunder hat Gott unter den Erdbewohnern gewirkt: Der den Himmel mit seiner Spanne mißt, liegt in einer Krippe, nur eine Spanne groß. Der das Meer mit seiner hohlen Hand faßt, dessen Geburt erfolgt in einer Höhle. Der Himmel ist voll seiner Herrlichkeit, und die Krippe ist voll seines Glanzes. Moses wünschte die Herrlichkeit Gottes zu sehen, vermochte ihn aber nicht so zu sehen, wie er wünschte. Er mag heute kommen und ihn sehen, denn er liegt in einer Krippe in Windeln. Damals wagte es kein Mensch zu hoffen, er könne Gott sehen und am Leben bleiben; heute sind alle, die ihn gesehen haben, vom zweiten Tod zum Leben erstanden.
Moses bildete das Geheimnis vor, da er das Feuer im Dornbusch sah; die Magier brachten das Geheimnis zur Erfüllung, da sie das Licht in den Windeln sahen. Gott rief im Dornstrauch mit lauter Stimme Moses zu, seine Schuhe von den Füßen zu lösen; der Stern lud die Magier schweigend ein, zu dem heiligen Ort zu kommen. Moses konnte Gott nicht sehen, wie er ist; die Magier jedoch traten ein und sahen den menschgewordenen Gott. Des Moses Antlitz leuchtetem weil Gott mit ihm geredet hatte, und ein Schleier verhüllte sein Gesicht, weil das Volk ihn sonst nicht anschauen konnte; ebenso hat unser Herr sich im Mutterleib mit dem Schleier des Fleisch umhüllt und ist dann hervorgertreten und hat sich gezeigt, und die Magier sahen ihn und brachten ihre Geschenke dar.
Groß ist das Wunder, das auf unserer Erde geschah: daß der Herr des Alls auf sie herabstieg, Gott Mensch ward, der Alte ein Kind ward. Der Herr machte sich den Knechten gleich, der Sohn des Königs ward wie ein Irrer. Das allerhöchste Wesen erniedrigte sich und ward in unserer Natur geboren; und was seiner Natur fremd war, nahm es auf sich um unser aller willen. Wer sollte nicht gern dem Wunder lauschen, daß Gott sich herabließ, geboren zu werden? Wer sollte nicht erstaunen, wenn er sieht, daß der Herr der Engel geboren ward? Glaube das ohne Grübeln und sei überzeugt, daß es sich in Wahrheit so verhält!   

Ephräm der Syrer: Hymnus auf die Geburt Christi