Montag, 24. März 2014

Franziskus - pro und contra und sic

Zu Papst Franziskus hat jeder eine Meinung.

Viele Kirchenferne finden ihn gut, weil er nicht unbedingt so wirkt, wie man sich Papst und Kirche vorstellt. Schlüsse für ihr eigenes Leben ziehen sie daraus in der Regel nicht, soweit ich das überschaue. Andere, konservative Zeitgenossen halten von ihm wenig: "Jetzt ist selbst der Papst schon so."
Mir geht es heute aber vor allem um die Katholiken, speziell des konservativen Flügels - zu dem ich mich ja auch selbst zähle. 

Die "linken" Katholiken sind meist Fans des amtierenden Papstes. Mögliches und Unmögliches wird gleichermaßen von ihm erwartet. Dass er nicht gleich alles so macht, wie sich das der Links-Katholik wünscht, liegt in diesem Denken in der Regel an der Kurie (Synonym für böse, schlecht, finster, eben Mittelalter) oder an Rücksichtnahme auf die geistesschwachen Ewiggestrigen. Oder die Afrikaner.


Der konservative Flügel weiß nicht so recht, wie er sich positionieren soll. Was Stil und Auftreten angeht, war Benedikt ihm natürlich näher. Andererseits: Er ist der Papst. Und Themen, die im konservativen Katholizismus recht lebendig sind (Beichte, Teufel usw), sie werden vom Papst oft mit Aufmerksamkeit bedacht. Außerdem gibt es mittlerweile klare Positionsmarkierungen zum Thema Priestertum und Lebensschutz. 
Was dem konservativen Katholiken - eigentlich ein unscharfer Begriff, aber ich denke, man weiß, was/wen ich meine - abgeht, dass sind die Zückerchen, die Papst Benedikt für den konservativen Flügel bereit hielt. Dieses "endlich-sagt-mal-ein-Papst-was-ich-denke-"Gefühl. Ein gewisses Maß an Enttäuschung, dass es nun keinen "ewigen Benedikt" gibt, es ist wohl verständlich.


Ich meine aber noch etwas anderes zu beobachten. Nachdem man nun also nicht mehr jedes päpstliche Rundschreiben quasi als Verlautbarung des eigenen Geistes ansehen kann,* zieht man sich in die Schmollecke zurück. Was mir bei den konservativen Franziskuskritikern so völlig fehlt, ist die Bereitschaft, sich hinterfragen zu lassen. Und dann nützt es auch nichts, dass es der Papst ist, der die Fragen stellt. Es gibt da eine geradezu kindische Trotzreaktion - auch und grade im Klerus. Die Benedikt-Party soll einfach nicht vorbei sein. 
* das konnte man schon vorher nicht, aber man konnte es sich eben so zurechtdeuten  

Ich bemerke das besonders im Zusammenhang mit Evangelii gaudium. Erstens macht man sich - besonders in Bayern - ewig über den Titel lustig und suggeriert: Muss man nicht ernst nehmen. Dann kommt der Vorwurf, die Enzyklika relativiere alles - ohne, dass man es an einem Thema festmachen könnte. Das geht auch nicht, es wird nichts relativiert. Abschließend dann der die Kritik, dass das alles Wasser auf die Mühlen "der Linken" sei. Was sich nur auf fehlende Kenntnis der Texte und Aussagen zurückführen lässt.
Zur Krönung heißt es dann noch: "Solange er kein unfehlbares Dogma erlässt .." ... ist er mir egal, soll das wohl heißen.

Mir war der Stil Benedikts auch näher und seine Perspektive zunächst vertrauter. Mir gefällt auch nicht jede Äußerung von Papst Franziskus. Allerdings: Man muss sich hinterfragen lassen, gerade auch vom Papst. Was wir Jahre lang den Linken gepredigt haben, das ist nun eben auch mal ansatzweise für uns an der Reihe. Und Franziskus ist kein Linker. Er ist auch keiner "von uns". Aber er ist der Papst. 

Es ist nicht unsere geistliche Aufgabe pro und contra für den Papst zu sammeln. Wir sollen ihn hören und das, was er sagt, achten. Zuerst leitet und hinterfragt er uns und nicht umgekehrt. Die innere Emigration dem eigenen hinterfragt werden - von der zuständigen Stelle! - vorzuziehen, ist eine unschöne Art von Schönwetterkatholizismus.    


Mittwoch, 19. März 2014

Heiliger Josef

Durchforstet man das Internet nach Bildern des Hl.Josef aus der abendländischen Tradition, findet man vor allem zwei Arten davon: Zum einen im Nazarener-Stil. Süßlich-lieblich. Ein strahlendes Jesuskind mit einem verzückt-entzückt schauendem Ziehvater. Wenn's fromm macht, kein Problem. Zum anderen findet man Bilder von geschnitzten Statuen des Heiligen. Das hat sicher seinen verborgenen Sinn, denn eine geschnitzte Figur passt zu einem Zimmermann. Gut. Aber die Bandbreite anderer Heiligendarstellungen findet man bei ihm kaum - lässt man die ostchristlichen Ikonen außer acht. Das nebenstehende Bild hier entstammt der von mir generell hoch geschätzten Beuroner Schule, lehnt sich insofern also auch an die byzantinische Ikonographie an. 

Im Evangelium erfahren wir über Josef bekanntermaßen wenig. Selbst Lukas, mit seinem Augenmerk auf die Familie Jesu, scheint nicht besonders interessiert. Josef taucht auf, er tut schweigend den Willen Gottes und er verschwindet. Als Jesus sein Wirken beginnt, ist Josef offenbar schon tot. Aber auch das wir nicht eigens in den Blick genommen oder nur erwähnt.

Josef taucht auf, tut schweigend den Willen Gottes und verschwindet. Was für ein Widerspruch zu uns. Wir wollen nicht einfach nur da sein, sondern begrüßt werden. Entweder sehr herzlich oder doch zumindest möglichst ehrenvoll. Und schweigen? "Nichts zu sagen haben" ist ja sozusagen der Vorwurf schlechthin. "In" ist und war der, der viel zu sagen hat und es setzt sich durch, wer es laut tut. - Mit dem Willen Gottes haben wir es auch meist nur begrenzt. Solange, wie es auch unser Wille ist, oder wir es doch zumindest "auch gut" finden. Vertrauen auf Gott, auch wenn wir ihn nicht verstehen, nunja... Und verschwinden? Nein, Spuren hinterlassen wollen wir und zwar unsere. Die Menschen sollen sich an uns erinnern. Sollten wir sie aber nicht viel eher an ihn erinnern?.

Wir können nicht alle Josef sein. Aber Josef kann uns ein heilsames Korrektiv sein. Uns, und unserer oftmals geschwätzigen und Ansehen heischenden Kirche. Ich nehme mich da nicht aus. 

Westliche Außenpolitik - irgendwie verpeilt?

http://www.spiegel.de/politik/ausland/referendum-pro-russland-jakob-augstein-ueber-den-konflikt-auf-der-krim-a-959058.html

Mein Problem mit der westlichen Außenpolitik ist nicht, dass sie Interessen vertritt. Das ist legitim und tut jeder in seinem Privatleben ja auch. Allerdings:

a) Welche Interessen werden hier eigentlich vertreten?

b) Ist es wirklich sinnvoll, die große Geste moralischer Überlegenheit ständig zu bemühen? Die Fassade bröckelt ja doch immer mehr. Und wer Retter des Guten, Wahren, Schönen, von Freiheit und Gerechtigkeit auftritt, kann dann kaum Kompromisse mit dem als Teufel karikierten Gegner machen.

c) Funktioniert das ständige vorschicken anderer Leute? Divide et impera ist sicherlich ein altes Motto. Aber stets, wenn "der Westen" sich bemüht andere, regionale Mächte die Arbeit machen zu lassen (Süd-Vietnam, Taliban, "Freie syrische Armee", Maidan ...) entgleitet den Sponsoren/Drahtziehern die Kontrolle.

Wäre eine Politik offen gelegter Interessen nicht ehrlicher und erfolgversprechender für alle Beteiligten?

Montag, 3. März 2014

Aus Kiew...





Der Hintergrund, aus dem dieses Video kommt ist mir unklar und erscheint obskur. Es lohnt sich aber, den Bericht zu schauen, da er ein (verschwindend geringer) Kontrapunkt gegenüber der ganz einseitigen Berichterstattung ansonsten ist.

Samstag, 18. Januar 2014

Aus dem Leben eines Landkaplans - heute: Buh-Mann

An der Grundschule, an der ich (ganz gerne) unterrichte, ist es üblich, dass man 15 Minuten vor dem Unterrichtsbeginn anwesend ist, um die eintreffenden Schüler in den Klassenräumen zu beaufsichtigen. Das tue ich auch und führe die Aufsicht während meine Schüler Phantasie-Tiere malen, Kitzel-Krieg spielen oder mich mit Fragen belagern ("Herr Kaplan, ich bekomme meinen Anorak nicht aus, der Reißverschluss ist kaputt, kannst du mir helfen?"). 
Gestern nun stattete mir die evangelische Religionslehrerin unserer Schule* einen Besuch im Klassenzimmer ab.

Ev. Lehrerin: Guten Morgen ... wir haben ja hier in den Klassenzimmern überall ein Kreuz mit Corpus. Das ist ja nicht kindgemäß. Wir wollen vor Ostern selbst in den Klassen ein Kreuz basteln und das dann mit Symbolen bekleben, mit denen die Kindern auch etwas verbinden. Sind Sie damit einverstanden?
Kaplan: Ich finde nicht, dass das Kreuz nicht kindgemäß ist, es ist ja auch dieses Kreuz dass sie sonst in der Kirche und am Wegrand sehen.

Ev. Lehrerin (mit Überrumpelungstatktik): Ja, also Sie wären aber damit einverstanden, wenn wir das in der ganzen Schule machen würden?
Kaplan: Also wenn sie das wirklich alle machen wollen, will ich ihnen dann auch nicht als einziger im Weg stehen. (Lehrerin reagiert darauf nicht, vermutlich müsste ihr "wir" aus der ersten Äußerung eher "ich" heißen...) Aber wir können gerne vor Ostern solche Kreuz basteln, für die Klassenräume möchte ich aber an den Kreuzen mit corpus festhalten. 

(Lehrerinnen-Gesicht verfinstert sich deutlich - sie macht wieder einen Argumentationsschwenk).

Ev. Lehrerin: Ja, also dieses Kreuz hier ist ja in Ordnung, aber in manchen anderen Klassenräumen sehen sie aus, als würden Arme oder Beine abfallen. (versucht es jetzt mal mit ein Lächeln)
Kaplan: Da lassen sich bestimmt neue beschaffen. Ich denke es ist wichtig, den Kindern so ein Kreuz (deutet auf das Kruzifix) als das Symbol des christlichen Glaubens in unserer Gegend zu erhalten. Wir können aber nochmal darüber sprechen.

(Lehrerin überlegt - dem Gesichtausdruck nach zu schließen - offenbar kurz, ob sie mir die Augen auskratzen soll, entscheidet sich dann aber doch dagegen - vielleicht wegen der anwesenden Schüler nicht kindgemäß? - und verlässt mit denkbar finsterer Miene grußlos den Raum)

* konfessionelle Verteilung an der Schule: katholisch: ca. 65%, evangelisch: ca. 15%, orthodox, islamisch, ohne Bekenntnis: ca. 20%.  

Warum keine Bastel-Kreuze sondern Kruzifixe in den Klassenzimmern:

Tatsächlich ist das Kruzifix das Erkennungsmerkmal des christlichen Glaubens hier im bayerisch-katholischen  "bibel belt". Aber grade auch für Kinder, die wenig Bindung an die Kirche haben, soll seine problemlose Erkennbarkeit gegeben bleiben.

Es kommt im christlichen Glauben auf Jesus Christus an. Wir werden den Glauben an ihn und die Beziehung zu ihm wohl kaum stärken, indem wir ihn verschwinden lassen, und sei es vom Kreuz. 

Glaube bedeutet generell als Religion (Rückbindung) ein sich binden an etwas was war und damit zu einem gewissen Maß vorgegeben ist. Der Glaube leidet eher daran, dass jeder meint er müsse (hier buchstäblich) etwas selbst basteln anstatt sich auf je eigene Weise formen zu lassen. Wir dürfen das Spannungsverhältnis zwischen eigener Erfahrung und der überlieferten Glaubenserfahrung nicht dahin auflösen, dass das Glaubensgut nur ein diffuser Anknüpfungspunkt und Begriffelieferant für unsere eigenen Vorstellungen wird. Freilich kann es auch nicht um Indoktrinierung von religiösen Vorstellungen ohne Rücksicht auf den Einzelnen gehen. 
In unserem Fall geht es nicht darum, 8jährige Kinder mit einer Blut-und-Opfer-Theologie zu konfrontieren, für diese sie keine Anknüpfungspunkte haben können. Wohl aber geht es darum, sie einen Eindruck gewinnen zu lassen, wie weit die Liebe für uns geht. Und dass das absolut nicht selbstverständlich ist.

Ein letztes: Der ästhetische Aspekt. Ein beklebtes Holzkreuz mag ja manchem gefallen, aber ein religiöses Symbol sollte auch einen gewissen Anspruch in der Gestaltung aufweisen - irgendwie putzig zu sein, genügt da nicht.
  

Freitag, 20. Dezember 2013

Mord

Ich bin zur Zeit etwas konsterniert. In meinem Bekanntenkreis hat sich ein schweres Verbrechen ereignet. Aus scheinbar heiterem Himmel wurde ein gleichaltriger Freund aus meinen Kindertagen - wir sind mit der Familie öfter in Urlaub gefahren - ermordet. Das geschah auf eine bestialische Art und Weise, indem ihm mit einer Eisenstange der Kopf derart zerschlagen wurde, dass die Polizei zunächst dachte, ein Geschoss hätte ihm einen Teil des Kopfes "weggerissen". Das alles geschah im späteren Abend auf einer Landstraße am Niederrhein, neben seinem Wagen. 



Seither hat es einen großangelegten Zeugenaufruf gegeben, die Polizei äußert sich seitdem nicht mehr. 
Meine Eltern haben die Eltern des Opfers am Tag nachdem der Mord (Totschlag?) bekannt wurde kurz besucht. Wie es den beiden geht, braucht wohl nicht beschrieben werden.  

Freitag, 9. August 2013

Erzbischof Zollitsch: Zum 75.Geburtstag

Foto: Schwarzwälder
Heute begeht der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, seinen 75.Geburtstag. Das ist neben dem üblichen Jubiläum auch deswegen ein besonderes Datum, weil katholische Bischöfe zu diesem Termin ihren Rücktritt in Rom einreichen. Daran, wie schnell dieser angenommen wird, kann man auch sehen, wie hoch jemand in Rom im Kurs steht. 

An Beifall, aber auch Häme für den Erzbischof mangelt es nicht. Man wird allerdings nüchtern feststellen müssen, dass der Beifall eher aus den kirchenamtlichen Strukturen kommt und teils etwas pflichtschuldig anmutet. Zollitsch hatte fraglos keine leichte Amtszeit. Niemand hatte ihn auf der Rechnung, als er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde. Nach der langen und prägenden Amtszeit des pointiert liberalen, aber auch sehr gediegenen Bischofs Lehmann aus Mainz, suchte man offensichtlich eine Übergangslösung. Da bot es sich an, nicht ein mediales Schwergewicht wie Erzbischof Marx oder gar das enfant terrible Erzbischof Meisner zu wählen. Stattdesssen kam Zollitsch zum Zug - Oberhirte einer der größten deutschen Bistümer, ein Mann der Strukturen ohne Hausmacht in Medien, Volk und Universität, unauffällig, keine signifikanten Eigenschaften. Außerdem in einem Alter, das einen Dauervorsitz - wie zu Lehmanns Zeiten - unmöglich machte. 

Was sich dann in der deutschen Kirche abspielen sollte, wußte zu diesem Zeitpunkt niemand. 

Der Missbrauchsskandal kochte hoch, die RKK wurde monatelang rund um die Uhr angegriffen und die "causa mixa" brachte das Fass zum Überlaufen. Erzbischof Zollitsch, eben deswegen gewählt um nichts besonders zu tun, allenfalls ein wenig zu moderieren, war vollkommen überfordert. Man kann es ihm gar nicht mal vorwerfen. Er sollte den Stuhl des Vorsitzenden warm halten. Und nun stand er im Zentrum als die wohl größte akute Krise der KK in Deutschland nach dem Krieg  losbrach. Jetzt rächte es sich, dass Zollitsch die Medien nicht so souverän beherrschte wie etwa Marx - der dann auch einen Teil der Außendarstellung übernahm - und schlicht keine kirchliche Hausmacht hatte. In der Bewältigung der Krise fiel der Vorsitzende der DBK praktisch aus. 

Theologisch brachte er sich mit einigen Äußerungen bei den Konservativen in Misskredit, ohne dass die Progressiven sich auf seine Seite gestellt hätten. Für viele Konservative wenigstens ein Halb-Häretiker, blieb er für die Progressiven stets der Mann der bestehenden Strukturen. Es war deutlich, dass ihm die erforderliche Wucht für Veränderungen - in die eine oder andere Richtung - völlig abging. Daran ändert auch der begonnene "Dialogprozess" nichts - er deutet vielmehr in dieselbe Richtung. 

Zollitsch - der Prototyp des treuen Verwalters. Allerdings auch ein Zeichen, dass dieser Typus für die Kirche unserer Tage kaum mehr ausreicht, an keiner Position.