Freitag, 15. August 2014

Hugo Rahner: Maria Himmelfahrt


An der Himmelfahrt der Jungfrau Maria wird einsichtig, was der ganzen Kirche zuteil werden wird, ja schon zuteil geworden ist, in Christus Jesus, dem Verklärten. Was sich am menschlichen Leibe der Frau begab, ist ja nicht so sehr eine Ausnahme, sondern eine vorwegnehmende Erfüllung der dem ganzen mystischen Leib Christi nicht nur verheißenen, sondern (wenngleich hienieden noch in den Hüllen der sakramentalen Gnade verborgenen) bereits geschenkten Rückführung in die paradiesische Verklärung des Fleisches.
Dieser „Neue Äon“ ist schon da, ist gegenwärtige Wirklichkeit (Hebr 6,5; Eph 1,21) und das Ende des „Diesseits-Äons“ ist bereits über uns hereingebrochen, die wir glauben und getauft sind (1.Kor 10,11). An der Kirche als dem Haus Gottes beginnt jetzt dieses Gericht (1.Petr 4,17). So ist denn auch die endzeitliche Verklärung, die wir von Maria gläubig bekennen, nur das Bekenntnis zu dem letzten Sinnziel der Kirche, das sich jetzt schon Tag für Tag vollzieht. Darin enthüllt sich die letzte und tiefste Beziehung zwischen dem Mysterium Marias und der Kirche.
An ihrem [Marias] Leib hat sich schon vollendet, was der Gesamtkirche noch verheißen ist: der vollkommene Sieg über Satan, die Rückgabe des im Paradies durch die teuflische Verführung von Eva verlorenen verklärenden Lebens.
An Maria hat sich dies in der Kraft des erlösenden Blutes, das sie selbst bereiten durfte, schon endgültig vollzogen – um darin ein Realvorbild zu werden für das Mysterium, das sich an der Kirche begibt. Die Kirche feiert sich selbst und ihr seliges Endgeschick, wenn sie der leiblichen Verklärung Mariens gedenkt. 

Hugo Rahner: Maria und die Kirche. Vorreden zur Sophiologie. 1960/2011.
- zitiert mit größeren Auslassungen -

Sonntag, 10. August 2014

Die Sturmstillung - es reicht ein Schritt





Im Sonntagsevangelium (Mt 14,22-23) macht es uns Petrus vor: Es reicht ein Schritt auf Jesus, auf den Herrn zu. Ein Schritt ins Ungewisse. Das erfordert Mut. Aber dieser Schritt reicht aus. Mehr verlangt Gott nicht von uns.



Mittwoch, 9. Juli 2014

Trivia - Telegramm: Der Teich

+++ Kaplan hat einen größeren Teich im Garten +++ Teich ist völlig verschlammt +++ Kaplan kauft Schlammsauger +++ Schlammsauger hat keine auf deutsch verständliche Bedienungsanleitung +++ Kaplan baut Schlammsauger eine Stunde zusammen +++ Kaplan geht im Nieselregen raus und will Schlamm saugen +++ Kaplan baut Gerät auf und schaltet ein +++ Schlammsauger saugt nichts +++ Schlammsauger saugt nur Wasser +++ Kaplan will Düse weiter in die Mitte des Teiches bewegen +++ Kaplan setzt sich auf den Teichrand +++ Kaplan findet es schwierig dabei das Gleichgewicht zu halten +++ Kaplan findet den Untergrund ziemlich rutschig +++ Kaplan hat das Gefühl gleich abzurutschen +++ Kaplan liegt im Teich +++ Kaplan steht im Teich => Moormumie +++ Kaplan überlegt: Haben die Nachbarn das gesehen? +++ Kaplan fragt sich, wie er jetzt wieder rauskommt +++ Kaplan kombiniert: Diese Seite ist sehr steil +++ Kaplan versteht: Die andere Seite des Teiches ist zum ein- und aussteigen in den Teich gedacht +++ Kaplan erkennt: Wegen des Pampasgrases in der Mitte komme ich nicht auf die andere Seite +++ Kaplan versucht sich an einem Strauch am Teichrand rauszuziehen +++ Kaplan hat den Ast in der Hand und steht wieder im Teich +++ Kaplan verkrallt sich im Efeu am Teichrand +++ Kaplan zieht sich raus: Sieg! +++ Kaplan nimmt einen Umweg durch die Bäume und schleicht ins Haus +++ Kaplan nimmt sich vor: Aber morgen!

Freitag, 27. Juni 2014

Hingabe an das Herz Jesu

Da mihi cor tumm - Gib mir dein Herz!

Herz-Jesu-Darstellung im Beuroner Stil

Heiligstes Herz Jesu,
lehre mich die vollkommene Hingabe meiner selbst.
Ich weiß, das ist der einzige Weg, mit Dir eins zu werden.
Alles, was ich in Zukunft tun werde, soll für Dich sein.
So bewirke Du, dass ich nichts Deiner Unwürdiges tue.
Zeige mir, was ich tun soll,
um zur Reinheit Deiner Liebe zu gelangen.
Du bist es ja, der mir den Wunsch nach ihr ins Herz gelegt hat.
Ich spüre in mir ein großes Verlangen, Dir zu gefallen.
Zugleich empfinde ich große Ohnmacht, dies zu können.
Ich bedarf der Wegweisung und ganz besonderer Hilfe.
Das alles kann ich nur von Dir erwarten.
Herr, lass an mir Deinen Willen geschehen.
Ich fühle, dass sich etwas in mir dagegen sträubt.
Zugleich aber möchte ich ganz nach Deinem Willen leben.
Heiligstes Herz Jesu, alles liegt darum an Dir.
Heller als der Tag wird mir deutlich:
Je mehr ich an Heiligkeit zunehme,
desto mehr gebührt Dir die Ehre dafür.
So geschieht alles zu Deiner Ehre,
und allein deshalb wünsche ich mir die Vollkommenheit.
Claude la Columbière SJ (1641 - 1682)

gefunden: http://kirchensite.de/index.php?myELEMENT=133860


Dienstag, 24. Juni 2014

Paul VI. zum Zölibat



Heute ist Jahrestag der Enzyklika Sacerdotalis caelibatus, die Papst Paul VI. 1967 verfasste. Wie alle seine Rundschreiben und Handlungen - außer Humanae vitae und der Liturgiereform - scheint sie heute völlig vergessen.

Nach einer wohlwollenden Würdigung der Einwände gegen die Zölibatsverpflichtung der Priester stellt Paul VI. seine Begründung da, aufgrund der am Zölibat festhält:




Christologisch (Nr.25)
In biblischer und theologischer "Sicht verbindet sich unser Priestertum als das seiner Diener mit dem Priestertum Christi; und aus dem Leben dessen, der sich klar und ausschließlich seinem Heilswerk hingegeben hat, nehmen wir Beispiel und Beweggrund für unsere Angleichung an die Form der Liebe und des Opfers Christi, des Erlösers."

Das ist der wohl innerste und tiefste Beweggrund. Es geht nicht nur um etwas Äußeres, es geht um ein echtes den Weg Christi suchen. Wenn wir einen geliebten und vorbildlichen Menschen kennen, dann werden wir ja auch fast unwillkürlich von der Form seines Lebens angezogen, nicht nur von seinen Worten.
Die besondere Verbindung zu Christus soll auch den Priester formen, bis in die freie Wahl des Zölibates hinein. Aus dieser besonderen Angleichung entspringen alle weiteren Gründe für den Zölibat.

Ekklesiologisch (Nr. 32)
Da "der Priester im Zölibat (...) geweiht ist, vermag er (...) auch im praktischen Leben mit höchster Wirksamkeit und bester Befähigung Denken und Streben der Seele anzuregen. So kann er beständig jene vollkommene Liebe üben, durch die er sich umfassender und eingehender allen zu widmen vermag und durch die er ganz offensichtlich in größerer Freiheit und Verfügbarkeit sein Amt ausüben und voll Liebe und Eifer in der Welt stehen kann, in die ihn Christus gesandt hat, damit er allen Kindern Gottes seine Schuldigkeit, mit der er ihnen verpflichtet ist, gleichsam auf Heller und Pfennig einlöse."
Ein schnell einsehbarer Grund: Die größere Verfügbarkeit und (hoffentlich) größere Offenheit für die ihm Anvertrauten. Im Grunde weniger ein Grund an sich, sondern ein Segen der Angleichung des Priesters an Christus.

Eschatologisch (Nr. 34)
"Bei der Auferstehung heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet, sie werden vielmehr sein wie die Engel im Himmel." In der menschlichen Gesellschaft, die zum großen Teil ganz von irdischen Sorgen beansprucht und allzu oft durch fleischliche Begierden verwirrt wird, ist die kostbare und beinahe göttliche Gabe der vollkommenen Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wahrhaft "ein besonderes Zeichen der himmlischen Güter ". Sie kündigt ja die Gegenwart der letzten Heilszeit auf Erden (...) an; sie nimmt gewissermaßen die Vollendung des Reiches voraus (...) Diese Gabe ist deshalb ein klares Zeugnis für die unentwegte Anstrengung, mit der das Volk Gottes dem letzten Ziel seiner irdischen Pilgerschaft zustrebt, und allen ein Ansporn, mit Eifer den Blick auf das Himmlische zu richten (...), bis es "mit ihm in der Herrlichkeit" offenbar werden wird.
Für viele Menschen ist dieser Grund nicht so leicht einsehbar. Es geht dabei - wie bei den beiden anderen evangelischen Räten Armut und Gehorsam - darum, einer neuen Wirklichkeit in sich Raum zu geben, einer Wirklichkeit, die auch anderen zum Zeichen werden kann. Das ist anspruchsvoll: Sowohl für den, der sich daran versucht, als auch für den, der es zu erkennen und zu deuten versucht. Aber in einer Zeit, die ganz diesseitig fixiert ist, wohl umso wichtiger.

An die Laien gerichtet wünscht sich der Papst:
Unsere Aufforderung richtet sich vor allem an jene Laien, die eifriger und inniger als andere Gott suchen und nach einem vollkommenen christlichen Leben inmitten der profanen Welt streben. Durch ihre ehrerbietige und aufrichtige Freundschaft können sie den Priestern eine große Hilfe bedeuten. Die Laien (...) können dem Priester manchmal Licht und Kraft geben, damit er im Dienste Christi und der Kirche nicht unter Umständen durch den verkehrten und verwirrenden Weltgeist Schaden leide an der Unversehrtheit seiner göttlichen Berufung. Daraus ergibt sich ohne Zweifel, daß das ganze Volk Gottes den Herrn Jesus selbst ehrt in denen, die seine Stelle vertreten und von denen er sagt: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." Er hat ja auch denen reichen Lohn versprochen, die den Boten des Evangeliums irgendwie in Liebe dienen.
Schließen wir mit einem Zitat das Papst Paul von seinem Vorgänger Papst Johannes XXIII. anführt:
Vor allem betrübt es Uns, daß ... manche irrtümlich wähnen, die katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeit, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug: denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein." 

Sonntag, 22. Juni 2014

Kommunionempfang: Handkommunion/Mundkommunion

a) Ich bin aus verschiedenen Gründen für die Mundkommunion und freue mich über jeden, dem ich die Kommunion auf diese Weise spenden darf. Ich ermutige die sich so verhaltenden Gläubigen und nehme sie auch gegen ungerechte Angriffe in Schutz. Anders als unter katholischen Bloggern ist es ja so, dass in der Pfarrei-Wirklichkeit die Mundkommunikanten vielfach unter Druck stehen.

b) Vernünftige theologische Argumente für die Handkommunion kenne ich im Grunde nicht, bin aber für Erkenntnisgewinn in dieser Hinsicht offen. Das meine ich ernst. 

c) Ich habe hier wie generell nicht vor, meine Haltung dem Rest der Welt aufzuzwingen. Sehr treffend formulierte es der damalige Joseph Kardinal Ratzinger hier:

"Zunächst möchte ich sagen, dass beide Haltungen möglich sind und alle Priester darum bitten, die Toleranz zu üben, die eines jeden Entscheidung anerkennt; ich möchte darüber hinaus Sie alle bitten, solche Verträglichkeit zu üben und nicht den anderen zu verdächtigen, der sich zu einer bestimmten Form entschieden hat. Aber Sie werden fragen: Ist hier eigentlich Toleranz die rechte Antwort? Oder ist sie nicht bei diesem Allerheiligsten fehl am Platz? Nun, wiederum wissen wir, dass bis zum 9. Jahrhundert die Kommunion stehend in die Hand empfangen worden ist. Das muss gewiss nicht besagen, dass es immer so bleiben soll. Denn das Große und Schöne an der Kirche ist, dass sie reift, dass sie das Geheimnis tiefer begreift.
  
Insofern hat die neue Entwicklung [die Spendung der Kommunion direkt in den Mund], die nach dem 9. Jahrhundert begann, durchaus als Ausdruck der Ehrfurcht ihr Recht und ihre guten Gründe. Aber umgekehrt müssen wir doch auch sagen, dass unmöglich die Kirche 900 Jahre lang unwürdig die Eucharistie gefeiert haben kann. Wenn wir die Texte der Väter lesen, sehen wir, aus welchem Geist der Ehrfurcht heraus sie kommuniziert haben. Bei Cyrill von Jerusalem im 4. Jahrhundert finden wir einen besonderen schönen Text. Er schildert in seinen Taufkatechesen den Kommunikanten, wie sie es machen sollen. Sie sollen vorgehen, ihre Hände zum Thron bilden, die rechte auf die linke legen, damit sie ein Thron für den König sei und zugleich ein Kreuz darstelle. Um diesen symbolischen Ausdruck voller Schönheit und Tiefe geht es ihm: Die Hände des Menschen bilden das Kreuz, das zum Thron wird, in das sich der König hineinbeugt.
  
Die ausgestreckte, geöffnete Hand kann so zum Zeichen dafür werden, wie der Mensch sich dem Herrn entgegenhält, seine Hände öffnet für ihn, damit sie Werkzeug seiner Nähe, Thron seiner Erbarmungen in dieser Welt werden. Wer dies bedenkt, wird erkennen: Hier ist es falsch, um diese oder jene Haltung zu streiten. Streiten müssen und dürfen wir allein um das, worum die Kirche vor und nach dem 9. Jahrhundert gerungen hat, nämlich um die Ehrfurcht des Herzens, die sich vor dem Geheimnis des Gottes beugt, der sich in unsere Hände legt. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass nicht nur unsere Hände unrein sind, sondern unsere Zunge auch und unser Herz auch, und dass wir mit der Zunge oft mehr sündigen als mit den Händen. Das größte Wagnis und zugleich Ausdruck für die erbarmende Güte Gottes ist es, dass nicht nur Hand und Zunge, sondern unser Herz ihn berühren darf. Dass der Herr in uns eintritt und in uns, mit uns leben, von innen her Mitte unseres Lebens und seine Verwandlung werden will."