Freitag, 26. Juni 2009

Edgar J. Jung: Das Bild Europas und Deutschland seit dem Weltkrieg

Diese jetzt sterbende Epoche wurde vor 500 Jahren eingeleitet durch ein neues Ich-Gefühl: aus dem demütigen Geschöpfe Gottes wird der Herr der Schöpfung. Mit faustischem Drange durchpflügt er die Weltmeere, entdeckt neues Land, hebt die Schätze der Erde, findet Naturgesetze, macht sich die Naturkräfte untertan. In rasendem Zeitmaße verändert die Erdoberfläche besonders in den letzten 150 Jahren ihr Aussehen, ein neuer technischer Zustand hebt an, grundverschieden von dem, wie er mehrere Jahrtausende hindurch bestand. Der Sinn des Lebens tritt zurück hinter der Suche nach den letzten Ursachen allen Lebens; die gedankliche Abstraktion feiert ihre Triumphe, entfernt den Menschen von der Natur und erweckt in ihm den Glauben an eine Zeit, da er willkürlich sein Schicksal gestalten könne ... .
Diese geistige Verfassung des modernen Menschen beeinflußt auch seine gesellschaftliche. Das Gefühl für Unter- und Überordnung, für Rang und Wert, in Zeiten innerlichen Zusammenhangs mit Gott und der Natur, demütig als richtungsweisend empfunden, weicht illusionärem und souveränem Verachten der ewigen Grundtatsachen allen menschlichen Seins: Die Menschen werden "gleich", sie werden "gut", sie "bestimmen ihr Schicksal selber". Der metaphysische Trieb pervertiert ins Diesseitige, die gewaltige Epoche der Säkularisation bricht an, gipfelnd in der modernen Massendemokratie, dem größtmöglichen Glück aller. Die Persönlichkeit, jener einzig mögliche Ausdruck des göttlichen Funkens im Menschen, wird gefesselt oder erstickt vom platten Wohlsein der Masse, das zum sturen Idol einer naturfremden und gottverlassenen Menschheit wird. Das geht so lange, bis die letzten metaphysischen Stützen, Erbstücke des christlichen Mittelalters, im sozialen Gebüde der abendländischen Menschheit morsch werden und zerbrechen. Damit fällt das ordnende Prinzip, das immer metaphysischer Herkunft ist, schlechthin. Die ganze aus Vernunft und Vorteil mechanisch konstruierte "Ordnung" ... zerreißt. Im Weltkrieg vernichtete sich die sinnlos aufgespeicherte Materie, so wie das jetzt sinnlos aufgespeicherte Gold die Fäden der Weltwirtschaft zerschneidet. Mit den Massenheeren, die in Materialschlachten zusammengetrommelt werden, wird der Gedanke der Demokratie ad absurdum geführt. Die soziale Ordnung, jener künstliche Ersatz der Nächstenliebe, begeht Selbstmord, indem sie die schaffende Wirtschaft lähmt und mühsam erarbeitete Güter unproduktiv verzehrt. Die gewaltigen Kollektivorganisationen, seien sie kapitalistischer oder - was dasselbe ist - gewerkschaftlicher Art, verfallen in Ohnmacht. Sie verfügen über keine schöpferische Kraft mehr, ihre Eigengesetze werden aufgehoben durch die Macht der natürlichen Entwicklung, die nur meistern kann, wer als schöpferische Persönlichkeit in Demut ausführt, was der geschichtliche Augenblick erheischt. Der "Kapitalismus", jenes mechanische Wirtschaftssystem, welches seine Gesetze statt vom Menschen vom Geld erhält, bricht zusammen. Die Demokratie gräbt sich ihr eigenes Grab. Das soziale Massenglück schlägt um in Massenelend. Der menschliche Übermut der Gottlosen rächt sich in einem wüsten Aberglauben, der die Menschen zu Wunderdoktoren und zu Moskauer Apsoteln treibt. Die Freiheit versackt in seelischer Versklavung und Herrschaft des Polizeiknüppels. Die rohe Gewalt des Versailler Friedensdiktates, verbrämt von ewigen Friedensreden wirkt gewitterbildend und läßt den baldigen Kampf Aller gegen Alle ahnen.

Edgar Julius Jung: Deutschland und die konservative Revolution. In: Deutsche über Deutschland. 1932

Mittwoch, 24. Juni 2009

Der Weg aus der Krise: Das Edelbauerntum

Das Edelbauerntum.
Von Gräfin Treuberg, Ehrwang (1932).

"Der Begriff 'der dumme Bauer' ... hat ein Gift in unser Volksleben getragen, das in seiner vernichtenden Wirkung den ganzen Volkskörper siech und krank macht: Landflucht, Arbeitslosigkeit, Verkommenheit und Verbrechen." Daher kommt das also, die Gräfin kennt sich aus! "Die Auffüllung der Großstädte, die sonst aussterben würden, durch gesundes Menschenmaterial vom Land, dient aber leider nicht zur körperlichen und moralischen Gesundung, sondern die gegen die Großstadtluft weniger gefeite Landjugend wird zu einem großen Prozentsatz bald hoffnungsloses Großstadtproletariat" Naja, dazu muss sie heute in der Regel in der Großstadt nicht erst umerzogen werden. Nun aber das Gegenbild: "Nicht Siedler, nicht Ökonomen, nicht Großgrundbesitz - nein, der Edelbauer, der stolz und selbstbewusst das Bauerntum als geheiligten Stand als seiner angehängten Lumpen entkleidet, mit klarem Kopf, hellen Augen und starken Muskeln. ... Siedlung ist Surrogat ... Bauerntum ist Erbheimat echten Deutschtums." Konkret: "Ein kleines Haus mit 2-3 Tgw. Grund ist das Eigentum und Arbeitfeld des Edelbauern, nicht in kümmerlicher Beschränktheit, sondern wie es den Bedürfnissen seiner Lebensstellung, Geburt und seines Willens angemessen ist. Edelbauer kann jeder sein... Das Haus ist neu [nungut, Gräfin Treuwang, als verarmte Adlige, hätte sicherlich auch gegen ein kleines Gut mit Tradition nichts einzuwenden...], keine Villa, ein richtiges Landhaus, so praktisch gebaut und eingerichtet, daß keine Diensboten gehalten [!] werden brauchen. Das geht heute ohne Überlastung der Hausfrau." Na, Gott sei Dank!
"Es gibt auf dem Edelbauernhof alles, von der Kuh bis zur Biene, vom Pfirsich bis zur Zwiebel - und wenn möglich ein Auto. Alles greift ineinander und alles muß verstanden und gelernt sein." Und schließlich, wir ahnen es: "Der Edelbauernhof gehört nicht vor die Tore der Großstadt, sondern in die Nähe landschaftlicher schöner, wirtschaftlich strebsamer Landstädte mit guten Schulen".

So, damit ist fast alles klar. Weg mit dem Bibliotheksausweis, her mit Spaten. Jedenfalls alle außer mir :).
PS: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen können nicht ausgeschlossen werden... :)

aus: Deutsche über Deutschland. Die Stimme des unbekannten Politikers, hg. von Edgar J. Jung, München 1932.

Dienstag, 23. Juni 2009

Armin Mohler: Medien in Versuchung

Es soll nicht behauptet werden, es gebe keine neonazistischen Gruppierungen in der Bundesrepublik (auch wenn ihre Bedeutung meist gewaltig überschätzt wird). Aber es zeigt sich auch in diesem Fall, wie schillernd alle Vorgänge im Umkreis der VB [=Vergangenheitsbewältigung] sind. Eine sich als "neonazistisch" gebärende Aktion kann echt sein. Sie kann ... von einem Desinformationsdienst getürkt sein. Und sie kann - leider - von Medien manipuliert sein. Der Schreibende weiß, was er da sagt - es ist ihm zweimal gelungen, solche von Medien versuchte Fälschungen zu entlarven. Der eine Fall ist in meinem Buch "Von rechts gesehen" (...., S.273ff) dargestellt: es ist der 1966 von der größten französischen Illustrierten "Paris-Match", unternommene Versuch, durch in Münchner Bars angeheurte und beim Kostümverleiher in SS-Uniformen gesteckte Statisten eine geheime Naziverschwörung vorzuspiegeln. Der zweite Vorgang war weniger spektakulär, aber sehr typisch und wird, in wechselnden Variationen, immer wieder aufgeführt. Er sei darum hier festgehalten. Ich war 1979 als Experte zu einer Diskussionsrunde über "Neonazismus" im WDR-Fernsehen geladen, unter Moderator Ivo Frenzel. Zu Beginn wurde ein Dokumentarfilm über "Neonazis in Berlin" vorgeführt. Da mir mit diesem Film irgendetwas nicht zu stimmen schien, fragte ich versuchsweise den neben mit sitzenden Autor des Films: "Wieviel habt ihr denn diesen beiden Deppen fürs Nazi-Spielen gezahlt?" Da er mich, wegen der Sitzordnung, für einen "vom Haus" hielt, grinste er: "165 Mark". ... Kaum war unsere Runde auf Live-Sendung geschaltet, nützte ich das, um dem Fernsehpublikum mitzuteilen, daß der Hersteller des voraufgehenden "Dokumentarfilmes" mir soeben gestanden habe, zwei Berliner Halbstarken 165 DM für das das Mimen von "Nazis" gezahlt zu haben. Der zur Salzsäule erstarrte Sünder war so erschrocken, daß er nicht die Geistesgegenwart hatte, zu leugnen - er stieß bloß mit hochrotem Kopf hervor: "Ja, aber 165 DM für beide zusammen ... " Herr Frenzel hat mich nicht mehr zu einer seiner Sendungen eingeladen.

aus: Armin Mohler: Der Nasenring. Im Dickicht der Vergangenheitsbewältigung. 1989

Samstag, 20. Juni 2009

Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche (II)

Der demütige Priester wird nicht versucht sein, mir etwas anderes vorzuhalten als Gottes Wort für mich; der eifrige wird nicht dulden, daß ich angesichts dieses Wortes auskneife. Er hält mich bei der Stange und ich kann ihm vorwerfen, aufdringlich zu sein; auf- und eindringlich in Wahrheit ist nur das Wort Gottes selbst. Wenn ich den Gesuchten finde, kann ich ihm nicht vorhalten, er trete mir gegenüber mit einer Sicherheit auf, die einem Menschen nicht zukommt. Als dürfte er nur Vermutungen äußern, in welcher Richtung mein Weg zu Gott vielleicht verläuft, müßte es mir und meinem persönlichen Gewissen überlassen, diese Vermutungen zu prüfen, sie anzunehmen oder zu verwerfen. Sein Auftrag erlaubt ihm keine falsche Bescheidenheit, vorausgesetzt, er hat seine Existenz in seine Vollmacht preisgegeben. Andernfalls wird er Autorität in der Kirche nur partiell und getrübt darstellen. Gelingt die Transparenz oder Hingabe, des gottvereinten Gebetes, der Demut im Durchgeben, dann kann auch das Wunder gelingen, daß im kirchlichen Heiligen Geist echte Weisung von Gott ergeht, die ich, so unbequem sie ist, nicht überhören darf. Dem einfältig Unbetonten allein ist die Gnade der Sicherheit anvertraut. Er darf mit den Fröhlichen fröhlich sein, mit den Trauernden trauern, aber nirgends wird ihm erlaubt, mit den Schwankenden und Unsichern aus Solidarität mitzuschwanken. Seine Erfahrung mit Gott hat ihn gelehrt, was die Dunkelheit ist, in der man sich nur noch an den Wänden entlangtasten kann, und auch diese weichen im Finstern zuweilen zurück, und dann tappt man im Leeren herum, solche Erfahrung ist dem Priester gegeben, damit er beim Bruder demütig, aber stärkend aushalten kann.

Quelle: siehe oben.

Freitag, 19. Juni 2009

Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche (I)

Zum Beginn des Priesterjahres, heute am Fest des Heiligstens Herzens Jesu, beginnt eine kleine Reihe mit Abschnitten aus dem Essay "Der Priester, den ich suche" von Hans Urs von Balthasar.

Diese erste Eigenschaft müßte er haben, der Priester, den ich suche; denn ein Priester müßte er sein, oder doch ein von oben, von Christus, Beauftragter und Bevollmächtigter, mir Gottes fleischgewordenes Wort vorzuhalten, so, daß ich sicher bin, nicht selber darüber zu verfügen, es nicht psychologisch-exegetisch-entmythologisierend vorweg so entmannt zu haben, daß es in mich hinein nicht mehr zeugen kann, was ihm paßt; so, daß ich seiner Forderung nicht entrinnen kann, weil sie mir in der Konkretheit kirchlicher Autorität entgegentritt, die im Dienst die Konkretheit der göttlichen aktualisiert. Aber es genügt nicht, daß mich jemand unerbittlich vor die Forderung des Wortes an mich stellt, um mich dann dort stehen zu lassen. Er muß mir auch helfen auszuhalten, nicht davonzurennen, indem er neben mir ausharrt, mit einer unerbittlichen Liebe. Einer schrecklichen Liebe, die mir immer wieder sagt: "Das ist es doch, was du eigentlich willst." Einer Liebe, der man im tiefsten dankt, weil sie durch gar nichts ersetzbar ist. Ein solcher gleicht, in bestimmten Stunden, dem Engel am Ölberg, der ins Alleinsein mit Gott hinein stärkt. Die Kraft, mit der dieser Mensch das tut, stammt zwar aus seinem Auftrag (der die Stärke und Unerbittlichkeit Gottes in sich hat), aber zugleich aus seiner eigenen Stärke, die ihm aus seinem Alleinsein mit Gott zugewachsen ist. Gleichzeitig aus Auftrag und aus Erfahrung kann er beides, die Unerbittlichkeit und die Liebe, die in Gottes Willen liegt, verkörpern, so daß man nicht mehr ausweichen will noch kann.

aus: Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche. In: Klarstellungen. 1971.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Jürgen Habermas als intellektuelles Wirtschaftswunder oder: Todesurteile für Ideen

Zum 80.Geburtstag von Jürgen Habermas zeigt uns Jürgen Kaube heute in der FAZ, wie er (Kaube) die intellektuelle Lage Deutschlands nach dem Ende des Krieges und des Hitlerismus sieht:

Es gab in den fünfziger Jahren nicht nur das Wirtschaftswunder, es gab auch ein Wunder in den Geisteswissenschaften. Als Deutschland 1945 selbstverschuldet in Trümmern lag, schienen alle seine intellektuellen Traditionen vergiftet. Denn fast keine, sie wäre denn von jüdischen Autoren geprägt gewesen, war vom Zugriff irgendeiner nationalsozialistischen Fraktion verschont geblieben. Es hatte nationalsozialistische Kantianer ebenso gegeben wie Hegelianer und „bewaffnete Fichteaner“ (Heinrich Heine) sowieso, Phänomenologen wie Positivisten, Romantiker wie Antiromantiker, Idealisten wie Materialisten, Lutheraner wie äußerst römische Katholiken, George- wie Rilke-Verehrer, Feinde wie Freunde des Privateigentums, der Technik, des Abendlands, der sozialen Schichtung. Von fast jeder Idee und von ihrem Gegensatz gab es NS-Aneignungen. Anders formuliert: Von fast keinem Gedanken war gewiss, ob er nicht soeben furchtbar versagt hatte.
  • "selbstverschuldet in Trümmern lag" - etwas weniger Trümmer hätten es vielleicht auch getan. Der de facto schon so gut wie gewonnene Krieg schien der willkommene Anlaß für - jedenfalls manche - Führer der Allierten zu sein, Deutschland in Trümmer zu legen. Damit wird nicht bestritten, dass Deutschland den zweiten Weltkrieg und so weiter und so fort...
  • "von fast jeder Idee und von ihrem Gegensatz gab es NS-Aneignungen." Es bleibt eine absurde Idee, dass alles, was nicht anti-nationalsozialistisch war, nun auf ewig kontaminiert wäre. Weil eine Idee irgendwie im NS verbraten wurde, muss man sie ja nicht gleich hinrichten... Das hat nun wirklich weder Hand noch Fuß und ist auch gar nicht realisierbar - daher beschränkt man sich darauf, jeweils unangenehme Ideen auf diese Weise platt zu machen.
  • Es bleibt dann ein bisschen Reden über den herrschaftsfreien Diskurs (Herrschaft gab es ja auch unter Hitler = böse, nein, geh weg!). Wirkt auf mich ein bisschen so, als würde ein spätsozialistisches Philosophieseminar sich den Himmel auf Erden ausmalen - vorausgesetzt, man hat selbst im herrschaftsfreien Diskurs das Sagen.
SiN zum 80.Geburtstag von Habermas:
Gehlen und Habermas
Das Klappern der Mühle. Habermas ist 80.

Dienstag, 16. Juni 2009

Iran - wer fälscht was? Der Schein der Erkenntnis.

Einige Gedanken:

(1.) Soweit ich sehe, gibt es seit den Wahlen keine belastbaren Indizien für einen Wahlbetrug. Dennoch haben wir in unseren Medien eine Entwicklung. Vom "Vorwurf des Wahlbetrugs", sind wir über die "vermutlich gefälschten Wahlen" nun zur "Scheindemokratie" gekommen. Es gibt aber gar keine neuen Erkenntnisse. Man kann hier auch sehr schön sehen, wie die Medien Wirklichkeit erschaffen. Mag sein, dass die Wahlen gefälscht waren - unserer Erkenntnis entspricht das nicht.

(2.) Es gab im Iran durchaus schon überraschende Regierungswechsel nach Wahlen (Chatami, Ahmadinedschad). Das heißt nicht, dass die Wahlen diesmal nicht gefälscht waren, aber wohl, dass man nicht grundsätzlich davon ausgehen kann, dass im Iran alle Wahlen von vornherein entschieden sind. Dazu kommt, dass die Mullahs Ahmadinedschad eigentlich nicht wollten - sie wollten damals Ayatollah Rafsandschani. Man sollte nicht voreilig sagen, dass sie A. - koste es, was es wolle - im Amt halten wollen.

(3.) Der Westen wollte Mussawi. Vermutlich v.a. weil er eher westlich aussieht. Ahmadinedschad sieht aus, als hätte man ihn grade vom Feld geholt und die Kleidung der schiitischen Geistlichen ist ja auch eher fremd. Aber Mussawi hätte man auch in New York rumlaufen lassen können. Man muss aber schon die Augen offen halten - auch wenn er irgendwann offenbar mehr oder weniger kalt gestellt wurde, war eher unter Chomeni acht Jahre Ministerpräsident. Ich glaube nicht, dass seine alten Kampfgefährten ihn, nachdem sie ihn als ernstzunehmenden Kandidaten erst zur Wahl zugelassen haben, dann per Wahlbetrug wieder rauskürzen.
Man kann sich auch fragen, ob eine gewisse Sympathie für Mussawi nicht die schnelle Übernahme des Wahlbetrug-Vorwurfs - ohne nähere Belege - forciert hat. Dazu gehört auch die These, Achmadinedschad würde v.a. auf dem Land gewinnen. Das mag stimmen - aber wie passt das damit zusammen, dass er Bürgermeister Teherans war?

Fragen kann man sich wie letztlich das Verhältnis und die Machtverteilung zwischen Ahamdinedschad und dem schiitischen Klerus ist und ob es denkbar wäre, dass A. die Wahl selbst hat fälschen lassen, und die Mullahs keine andere Möglichkeit haben (oder sehen) als das abzunicken. Aber wie geschrieben - es gibt, abgesehen vom Vorwurf - für eine Wahlfälschung bislang keinen echten Beweis, soweit ich sehe. Und selbst wenn - das wäre Sache der Iraner. Wenn die ihre Regierung loswerden wollen, müssen sie das selbst fertig bringen.