Maialtäre 2013 - Piusbruderschaft in Basel
vor 4 Stunden
ultramontan - reaktionär
Der moderne Mensch, der sich in seinem Bewusstsein schon lange von dieser im Grunde genommen unlösbaren ontologischen Verbindung zu Gott gelöst hat, die sein eigenes Wesen bildet, neigt gleichzeitig zur Verzweiflung und zum widernatürlichen Genuss der Tragik seines Lebens. Dadurch wird der Sinn der Tragik selbst zerstört. Die Tragödie ist uns gegeben, damit wir sie überwinden; ihr eignet eine Dynamik, die zu ihrer Auflösung führt. Jede Tragödie hat einen Ausweg, auch wenn dieser im Untergang des tragischen Helden besteht - auch das ist eine Überwindung der Tragödie. Die Tragödie, an die sich der Mensch passiv gewöhnt, weil er sie für einen normalen Zustand hält, außerhalb dessen er nichts wissen kann, ist eine absurde Entstellung des eigentlichen Wesens der Tragödie. Denn die Tragödie ist der Verlust des Gleichgewichts, ein labiler Zustand, der einen Ausweg erfordert und nur in der Konfrontation mit der Ruhe und der Harmonie einen Sinn hat. Allein die Möglichkeit der Tragödie setzt jene Tiefen des menschlichen Geistes voraus, in deren Überwindung er die feste Grundlage seines Existenz in seliger, harmonischer Ruhe findet. Deshalb ist die Tendenz des modernen Menschen, in der Tragik den einzigen und ausschließlichen Inhalt des menschlichen Lebens zu erblicken, ein absurder Widerspruch, der von seiner Blindheit und Verzweiflung angesichts eines für ihn nicht erkennbaren zeitlichen Schaffensprozesses mit ständig sich wiederholenden Misserfolgen zeugt. Er ist nicht nur unfähig, die Sinnlosigkeit der Weltgeschichte zu erfassen, sondern auch seine einzige Hoffnung in die verheißene letzte und endgültige Verklärung der Welt zu setzen, die am unendlich fernen Ende der Geschichte stattfinden wird. Jede menschliche Seele, die sich ihrer Verwurzelung in Gott bewusst ist, hat in sich überzeitlich und deshalb bereits jetzt, in jedem Moment ihres Lebens, ihre Apokalypse, ihre Verklärung, ihre letzte Vollendung in der absoluten Harmonie der letzten Fülle und Seligkeit.Ich war das einzige Kind, welches nach der Erstkommunion nicht Messdiener wurde. Ich wollte nicht. "Ich dien, doch nicht dem Pfarrer" sagte ich zu meiner Mutter. "Du dienst ja auch nicht dem Pfarrer als Messdiener, sondern Gott", erwiderte sie, aber das war meiner Meinung nach damals eine Ausrede. Die ganze Messe war auf den Pfarrer ausgerichtet. Er stand hinter seinem Altar wie meine Lehrer hinter ihren Pulten, und wir mussten davor knien.
Ähnlich war es mit der Beichte. Ich hatte eigentlich schon Lust, mal in so einem Beichtstuhl zu sitzen, aber dann mussten die Kommunionkinder ein Beichtgespräch führen, weil man den Beichtstuhl zu unpersönlich fand. Vielleicht. Ich weiß es nicht, vielleicht hatten wir in unserer Kirche auch keinen. Man hatte mir über die Beichte Ähnliches gesagt, wie über das Messdienen, nämlich, dass man seine Sünden nicht dem Pfarrer beichtet, sondern Gott, und das fühlte sich nun aber durch dieses persönliche Beichtgespräch von Angesicht zu Angesicht mit dem Pfarrer, ganz und gar nicht so an.
Am Abend vor meiner Erstkommunion lag ich im Bett, und als ich betete, hoffte ich, dass ich Gott am anderen Morgen treffen würde in der Kirche. Wir Kommunionkinder mussten dann im Halbkreis um den Altar stehen, mit den Gesichtern zur Gemeinde. Alle sahen uns an. Jedes Kind bekam eine Hostie auf die Hand und bei "drei" (als der Pfarrer wieder auf seinem Platz stand) mussten wir sie greifen und in den Mund stecken. Irgendetwas daran verletzte meine Scham. Ich sah kauend auf meine Füße.
Ein neues Wunder hat Gott unter den Erdbewohnern gewirkt: Der den Himmel mit seiner Spanne mißt, liegt in einer Krippe, nur eine Spanne groß. Der das Meer mit seiner hohlen Hand faßt, dessen Geburt erfolgt in einer Höhle. Der Himmel ist voll seiner Herrlichkeit, und die Krippe ist voll seines Glanzes. Moses wünschte die Herrlichkeit Gottes zu sehen, vermochte ihn aber nicht so zu sehen, wie er wünschte. Er mag heute kommen und ihn sehen, denn er liegt in einer Krippe in Windeln. Damals wagte es kein Mensch zu hoffen, er könne Gott sehen und am Leben bleiben; heute sind alle, die ihn gesehen haben, vom zweiten Tod zum Leben erstanden.Das Unzeitgemäße und Inaktuelle gewinnt seine Bedeutung nicht einfach in Opposition zum Aktuellen oder gar als dessen Negation, wohl aber aus entschiedener Andersheit im Verhältnis zum Aktuellen.