Montag, 15. Dezember 2014

Advent - Zeit der Umkehr: Ich mag nicht. (Hans Urs von Balthasar)

Manche Texte treffen einen wie ein Schlag ins Gesicht:

Ich mag nicht. Ich weiß, ich sollte; aber ich mag nicht. Ich stelle mich taub, ich ringle mich ein, ich weise die Borsten: keiner soll es wagen, mich anzurühren. Der Pfeil des Rufs, scharf gezielt, prallt an mir ab. Ich habe eine dicke Haut, eine eingefettete Haut; daran gleitet die Forderung ab wie Wasser an einem Entengefieder. Ich poche auf meine Rechte, mir von allerhöchster Seite verbürgt, kraft der Natur, die ich erhalten habe, die ich bin, der Triebe und der Gewohnheiten, die in mich eingepflanzt sind und die nach Leben und Entfaltung verlangen. Keiner bestreite mir diese Rechte - auch nicht an höchster Stelle. Und wagte einer es dennoch, so soll er wissen: ich mag nicht.
Leise, fast unhörbar und doch ganz unüberhörbar kommt es heran: ein Strahl aus Licht, ein Angebot von Kraft, ein Befehl der mehr ist und weniger als ein Befehl: ein Wunsch, eine Bitte, eine Ladung, eine Lockung: so kurz wie ein Augenblick, so einfach zu begreifen, wie der Blick zweier Augen. Ein Verheißen darin: Liebe, Lust und Ausblick in eine unabsehbare, schwindelerregende Ferne. Befreiung aus dem unerträglichen Verließ meines Ich. Das Abenteuer, das ich von je her ersehnte. Das vollkommene Wagnis, in dem ich sicher wäre, alles verlierend, alles erst zu gewinnen. Die Quelle des Lebens, unerschöpflich erschlossen mir, der ich Durstes sterbe. Der Blick ist ganz ruhig, er hat nichts von magischer Kraft, von hypnotischem Zwang; er ist fragend, er läßt mir die Freiheit. Auf seinem Grunde wechseln die Schatten der Kümmernis und der Hoffnung.
Ich senke die Augen, ich blicke zur Seite. Ich will es jenen Augen nicht antun, ihnen ins Angesicht Nein zu sagen. Ich lasse ihnen die Zeit sich abzuwenden, sich in ihre Höhle der Ewigkeit zurückzuziehen. Zu verdämmern, sich zu verwischen. Ich bin nicht zu Hause; der Herr läßt sagen, er ist im Augenblick nicht zu sprechen. Ich lasse ihnen die Zeit, das schwere Lid der Ewigkeit, den Vorhang sich wieder senken zu lassen. Eine Sekunde lang, ein namensloser Schmerz: das Glück ist verscherzt, die Liebe verhöhnt, niemand bringt sie mir wieder! Die Kerkertüre dröhnt ins Schloß: aufs neue gefangen. In dem, was mir so teuer, so verhaßt ist: in mir selber.

aus: Hans Urs von Balthasar: Das Herz der Welt. Einsiedeln 1988.

Samstag, 13. Dezember 2014

Die Sache mit dem Papst und den Päpsten

"Seliger Paul VI., bitte für die Kirche, dass sie der HERR aus den Verwüstungen des Modernismus herausführe und dass ER wieder gut mache, was wir alle und Du im besonderen verdorben haben."

Zu lesen in einer österreichischen Zeitschrift namens "Weiße Rose". Der Wahnsinn greift um sich, fällt mir dazu nur noch ein. 

Aber es scheint die Haltung wiederzugeben, die manche Katholiken auch heute gegenüber dem Hl.Stuhl einnehmen: Der Papst ist der Papst, aber ansonsten ist alles falsch. Außer Benedikt, das war ein wenig richtig und zu Johannes Paul II. verhält man sich neutral. 

Es ist tatsächlich, man kann es auf Facebook lesen, eine Art "Wir sind Kirche" von rechts. Motto: Die Hierarchie interessiert mich nicht. 

Nun bin ich gewiss kein ausgesprochener Fan von Papst Franziskus. Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die mir nicht gefallen: Von der Rückkehr des Volksaltares in die sixtinische Kapelle, über die Ablösung des Kommandanten der Schweizer Garde und Kardinal Burkes bis hin zu einer auf mich manchmal schon etwas demonstrativen Demütigkeit. In Santa Martha eine ganze Etage zu belegen kostet ja mehr, als die vorhandene Wohnung im Apostolischen Palast zu beziehen. Im weißen Kleinwagen durch Rio zu fahren (wobei sich der Fahrer dann auch noch verfährt), wirkt auf mich kurios, um es nicht noch deutlicher auszudrücken.

Aber kann man wirklich sagen, dass das falsch ist? Es gefällt mir nicht. Aber ist es daher auch falsch? Der Katholizismus hält seit Jahrhunderten, fast Jahrtausenden soviel Unterschiedlichkeit aus - sich darüber verwerfen, ja de facto spalten? Nein. Das wäre falsch.

Samstag, 8. November 2014

Sollen sie? Sollen sie nicht? Die "geschieden Wiederverheirateten" und die Sakramente

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Und an dieser Frage entscheidet sich oft auch, wen man in der Kirche nun für gut oder böse hält. Tatsächlich ist die Sache schwierig. Auf der einen Seite die Sakramentalität der Ehe - Gott selbst ist in diesem Bund gegenwärtig, wie immer er auch de facto ausschaut. Auf der anderen Seite die Barmherzigkeit Gottes, die den Buchstaben des Gesetzes nicht zum Tötungsinstrument der Gottesbeziehung werden lassen will.

Hier ein Zwischenruf aus der pastoralen Praxis. Ganz ohne gut und böse, aber cum granu salis.

Pharisäer und Zöllner, Lk 18

Es gibt unter den betroffenen Menschen - "geschieden und wiederverheiratet" im wesentlichen zwei Haltungen. Zahlenmäßig stärker dürfte die Gruppe derer sein, die im großen und ganzen mit sich und der Welt zufrieden sind. Zwar sind sie theoretisch natürlich der Ansicht, dass für das Scheitern einer Ehe nie nur einer die Schuld trägt. Praktisch sehen sie ihren Fall aber meist als Ausnahme: Hier trägt der Ehepartner die Schuld, sie selbst haben "eigentlich" nichts falsch gemacht. Oder nicht viel. Jedenfalls nicht soviel wie der andere. Daher sind sie "eigentlich" unschuldig. Und da sie so unschuldig sind, ist es von der Kirche boshaft, ihnen die Zulassung zu den Sakramenten abzusprechen. Wer so denkt, für den ist die gegenwärtige Haltung der Kirche wirklich das beste. Es ist Selbstgerechtigkeit die hier spricht. Ich bin selbst gerecht und spreche mir das auch noch selbst zu. Es spricht der verkannte Phärisaer an der Tempelmauer. Hier muss die Kirche "Halt!" sagen.

Es gibt aber auch andere Menschen. Menschen, die sowohl am Zerbrechen ihrer Ehe leiden, als auch am Ausschluss von den Sakramenten. Sie gestehen sich ihre Schuld ein, aber zu einem zölibatären Leben haben sie keine Berufung (Memo: Zölibat bedeutet mehr als "kein Sex"). Es sind Menschen in Not. Und Menschen in Not brauchen eine Notlösung. Es geht auch um Zuwendung, Wertschätzung - aber das sind keine Sakramente. Doch es gibt sie, die Menschen die wirklich nach der sakramentalen Gottesbegegnung verlangen, ja dürsten. Kann es hier wirklich keine Notlösung geben?
Eine Not-Lösung, also eine Lösung, die eine echte Not der Menschen löst. Aber eben eine Notlösung als Notlösung - aus der Not der Spannung zwischen Sakramentalität und Barmherzigkeit heraus. Ja, es würde bedeuten den gordischen Knoten nicht zu lösen, sondern ihn zu durchschlagen. Aber kann eine echte Not das nicht verlangen?
Eine solche Notlösung könnte nicht der Normalfall werden, jedenfalls nicht unter unseren kirchlichen Gegebenheiten. Sie könnte und dürfte auch kein bürokratischer Verwaltungsakt sein: Ein paar richtige Antworten auf ein paar Fragen, ein paar Kreuzchen und gut ist. Das geht nicht. Aber echte Not - verlangt sie nicht eine Lösung?    

Freitag, 15. August 2014

Hugo Rahner: Maria Himmelfahrt


An der Himmelfahrt der Jungfrau Maria wird einsichtig, was der ganzen Kirche zuteil werden wird, ja schon zuteil geworden ist, in Christus Jesus, dem Verklärten. Was sich am menschlichen Leibe der Frau begab, ist ja nicht so sehr eine Ausnahme, sondern eine vorwegnehmende Erfüllung der dem ganzen mystischen Leib Christi nicht nur verheißenen, sondern (wenngleich hienieden noch in den Hüllen der sakramentalen Gnade verborgenen) bereits geschenkten Rückführung in die paradiesische Verklärung des Fleisches.
Dieser „Neue Äon“ ist schon da, ist gegenwärtige Wirklichkeit (Hebr 6,5; Eph 1,21) und das Ende des „Diesseits-Äons“ ist bereits über uns hereingebrochen, die wir glauben und getauft sind (1.Kor 10,11). An der Kirche als dem Haus Gottes beginnt jetzt dieses Gericht (1.Petr 4,17). So ist denn auch die endzeitliche Verklärung, die wir von Maria gläubig bekennen, nur das Bekenntnis zu dem letzten Sinnziel der Kirche, das sich jetzt schon Tag für Tag vollzieht. Darin enthüllt sich die letzte und tiefste Beziehung zwischen dem Mysterium Marias und der Kirche.
An ihrem [Marias] Leib hat sich schon vollendet, was der Gesamtkirche noch verheißen ist: der vollkommene Sieg über Satan, die Rückgabe des im Paradies durch die teuflische Verführung von Eva verlorenen verklärenden Lebens.
An Maria hat sich dies in der Kraft des erlösenden Blutes, das sie selbst bereiten durfte, schon endgültig vollzogen – um darin ein Realvorbild zu werden für das Mysterium, das sich an der Kirche begibt. Die Kirche feiert sich selbst und ihr seliges Endgeschick, wenn sie der leiblichen Verklärung Mariens gedenkt. 

Hugo Rahner: Maria und die Kirche. Vorreden zur Sophiologie. 1960/2011.
- zitiert mit größeren Auslassungen -

Sonntag, 10. August 2014

Die Sturmstillung - es reicht ein Schritt





Im Sonntagsevangelium (Mt 14,22-23) macht es uns Petrus vor: Es reicht ein Schritt auf Jesus, auf den Herrn zu. Ein Schritt ins Ungewisse. Das erfordert Mut. Aber dieser Schritt reicht aus. Mehr verlangt Gott nicht von uns.



Mittwoch, 9. Juli 2014

Trivia - Telegramm: Der Teich

+++ Kaplan hat einen größeren Teich im Garten +++ Teich ist völlig verschlammt +++ Kaplan kauft Schlammsauger +++ Schlammsauger hat keine auf deutsch verständliche Bedienungsanleitung +++ Kaplan baut Schlammsauger eine Stunde zusammen +++ Kaplan geht im Nieselregen raus und will Schlamm saugen +++ Kaplan baut Gerät auf und schaltet ein +++ Schlammsauger saugt nichts +++ Schlammsauger saugt nur Wasser +++ Kaplan will Düse weiter in die Mitte des Teiches bewegen +++ Kaplan setzt sich auf den Teichrand +++ Kaplan findet es schwierig dabei das Gleichgewicht zu halten +++ Kaplan findet den Untergrund ziemlich rutschig +++ Kaplan hat das Gefühl gleich abzurutschen +++ Kaplan liegt im Teich +++ Kaplan steht im Teich => Moormumie +++ Kaplan überlegt: Haben die Nachbarn das gesehen? +++ Kaplan fragt sich, wie er jetzt wieder rauskommt +++ Kaplan kombiniert: Diese Seite ist sehr steil +++ Kaplan versteht: Die andere Seite des Teiches ist zum ein- und aussteigen in den Teich gedacht +++ Kaplan erkennt: Wegen des Pampasgrases in der Mitte komme ich nicht auf die andere Seite +++ Kaplan versucht sich an einem Strauch am Teichrand rauszuziehen +++ Kaplan hat den Ast in der Hand und steht wieder im Teich +++ Kaplan verkrallt sich im Efeu am Teichrand +++ Kaplan zieht sich raus: Sieg! +++ Kaplan nimmt einen Umweg durch die Bäume und schleicht ins Haus +++ Kaplan nimmt sich vor: Aber morgen!