Samstag, 8. November 2014

Sollen sie? Sollen sie nicht? Die "geschieden Wiederverheirateten" und die Sakramente

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Und an dieser Frage entscheidet sich oft auch, wen man in der Kirche nun für gut oder böse hält. Tatsächlich ist die Sache schwierig. Auf der einen Seite die Sakramentalität der Ehe - Gott selbst ist in diesem Bund gegenwärtig, wie immer er auch de facto ausschaut. Auf der anderen Seite die Barmherzigkeit Gottes, die den Buchstaben des Gesetzes nicht zum Tötungsinstrument der Gottesbeziehung werden lassen will.

Hier ein Zwischenruf aus der pastoralen Praxis. Ganz ohne gut und böse, aber cum granu salis.

Pharisäer und Zöllner, Lk 18

Es gibt unter den betroffenen Menschen - "geschieden und wiederverheiratet" im wesentlichen zwei Haltungen. Zahlenmäßig stärker dürfte die Gruppe derer sein, die im großen und ganzen mit sich und der Welt zufrieden sind. Zwar sind sie theoretisch natürlich der Ansicht, dass für das Scheitern einer Ehe nie nur einer die Schuld trägt. Praktisch sehen sie ihren Fall aber meist als Ausnahme: Hier trägt der Ehepartner die Schuld, sie selbst haben "eigentlich" nichts falsch gemacht. Oder nicht viel. Jedenfalls nicht soviel wie der andere. Daher sind sie "eigentlich" unschuldig. Und da sie so unschuldig sind, ist es von der Kirche boshaft, ihnen die Zulassung zu den Sakramenten abzusprechen. Wer so denkt, für den ist die gegenwärtige Haltung der Kirche wirklich das beste. Es ist Selbstgerechtigkeit die hier spricht. Ich bin selbst gerecht und spreche mir das auch noch selbst zu. Es spricht der verkannte Phärisaer an der Tempelmauer. Hier muss die Kirche "Halt!" sagen.

Es gibt aber auch andere Menschen. Menschen, die sowohl am Zerbrechen ihrer Ehe leiden, als auch am Ausschluss von den Sakramenten. Sie gestehen sich ihre Schuld ein, aber zu einem zölibatären Leben haben sie keine Berufung (Memo: Zölibat bedeutet mehr als "kein Sex"). Es sind Menschen in Not. Und Menschen in Not brauchen eine Notlösung. Es geht auch um Zuwendung, Wertschätzung - aber das sind keine Sakramente. Doch es gibt sie, die Menschen die wirklich nach der sakramentalen Gottesbegegnung verlangen, ja dürsten. Kann es hier wirklich keine Notlösung geben?
Eine Not-Lösung, also eine Lösung, die eine echte Not der Menschen löst. Aber eben eine Notlösung als Notlösung - aus der Not der Spannung zwischen Sakramentalität und Barmherzigkeit heraus. Ja, es würde bedeuten den gordischen Knoten nicht zu lösen, sondern ihn zu durchschlagen. Aber kann eine echte Not das nicht verlangen?
Eine solche Notlösung könnte nicht der Normalfall werden, jedenfalls nicht unter unseren kirchlichen Gegebenheiten. Sie könnte und dürfte auch kein bürokratischer Verwaltungsakt sein: Ein paar richtige Antworten auf ein paar Fragen, ein paar Kreuzchen und gut ist. Das geht nicht. Aber echte Not - verlangt sie nicht eine Lösung?    

Freitag, 15. August 2014

Hugo Rahner: Maria Himmelfahrt


An der Himmelfahrt der Jungfrau Maria wird einsichtig, was der ganzen Kirche zuteil werden wird, ja schon zuteil geworden ist, in Christus Jesus, dem Verklärten. Was sich am menschlichen Leibe der Frau begab, ist ja nicht so sehr eine Ausnahme, sondern eine vorwegnehmende Erfüllung der dem ganzen mystischen Leib Christi nicht nur verheißenen, sondern (wenngleich hienieden noch in den Hüllen der sakramentalen Gnade verborgenen) bereits geschenkten Rückführung in die paradiesische Verklärung des Fleisches.
Dieser „Neue Äon“ ist schon da, ist gegenwärtige Wirklichkeit (Hebr 6,5; Eph 1,21) und das Ende des „Diesseits-Äons“ ist bereits über uns hereingebrochen, die wir glauben und getauft sind (1.Kor 10,11). An der Kirche als dem Haus Gottes beginnt jetzt dieses Gericht (1.Petr 4,17). So ist denn auch die endzeitliche Verklärung, die wir von Maria gläubig bekennen, nur das Bekenntnis zu dem letzten Sinnziel der Kirche, das sich jetzt schon Tag für Tag vollzieht. Darin enthüllt sich die letzte und tiefste Beziehung zwischen dem Mysterium Marias und der Kirche.
An ihrem [Marias] Leib hat sich schon vollendet, was der Gesamtkirche noch verheißen ist: der vollkommene Sieg über Satan, die Rückgabe des im Paradies durch die teuflische Verführung von Eva verlorenen verklärenden Lebens.
An Maria hat sich dies in der Kraft des erlösenden Blutes, das sie selbst bereiten durfte, schon endgültig vollzogen – um darin ein Realvorbild zu werden für das Mysterium, das sich an der Kirche begibt. Die Kirche feiert sich selbst und ihr seliges Endgeschick, wenn sie der leiblichen Verklärung Mariens gedenkt. 

Hugo Rahner: Maria und die Kirche. Vorreden zur Sophiologie. 1960/2011.
- zitiert mit größeren Auslassungen -

Sonntag, 10. August 2014

Die Sturmstillung - es reicht ein Schritt





Im Sonntagsevangelium (Mt 14,22-23) macht es uns Petrus vor: Es reicht ein Schritt auf Jesus, auf den Herrn zu. Ein Schritt ins Ungewisse. Das erfordert Mut. Aber dieser Schritt reicht aus. Mehr verlangt Gott nicht von uns.



Mittwoch, 9. Juli 2014

Trivia - Telegramm: Der Teich

+++ Kaplan hat einen größeren Teich im Garten +++ Teich ist völlig verschlammt +++ Kaplan kauft Schlammsauger +++ Schlammsauger hat keine auf deutsch verständliche Bedienungsanleitung +++ Kaplan baut Schlammsauger eine Stunde zusammen +++ Kaplan geht im Nieselregen raus und will Schlamm saugen +++ Kaplan baut Gerät auf und schaltet ein +++ Schlammsauger saugt nichts +++ Schlammsauger saugt nur Wasser +++ Kaplan will Düse weiter in die Mitte des Teiches bewegen +++ Kaplan setzt sich auf den Teichrand +++ Kaplan findet es schwierig dabei das Gleichgewicht zu halten +++ Kaplan findet den Untergrund ziemlich rutschig +++ Kaplan hat das Gefühl gleich abzurutschen +++ Kaplan liegt im Teich +++ Kaplan steht im Teich => Moormumie +++ Kaplan überlegt: Haben die Nachbarn das gesehen? +++ Kaplan fragt sich, wie er jetzt wieder rauskommt +++ Kaplan kombiniert: Diese Seite ist sehr steil +++ Kaplan versteht: Die andere Seite des Teiches ist zum ein- und aussteigen in den Teich gedacht +++ Kaplan erkennt: Wegen des Pampasgrases in der Mitte komme ich nicht auf die andere Seite +++ Kaplan versucht sich an einem Strauch am Teichrand rauszuziehen +++ Kaplan hat den Ast in der Hand und steht wieder im Teich +++ Kaplan verkrallt sich im Efeu am Teichrand +++ Kaplan zieht sich raus: Sieg! +++ Kaplan nimmt einen Umweg durch die Bäume und schleicht ins Haus +++ Kaplan nimmt sich vor: Aber morgen!

Freitag, 27. Juni 2014

Hingabe an das Herz Jesu

Da mihi cor tumm - Gib mir dein Herz!

Herz-Jesu-Darstellung im Beuroner Stil

Heiligstes Herz Jesu,
lehre mich die vollkommene Hingabe meiner selbst.
Ich weiß, das ist der einzige Weg, mit Dir eins zu werden.
Alles, was ich in Zukunft tun werde, soll für Dich sein.
So bewirke Du, dass ich nichts Deiner Unwürdiges tue.
Zeige mir, was ich tun soll,
um zur Reinheit Deiner Liebe zu gelangen.
Du bist es ja, der mir den Wunsch nach ihr ins Herz gelegt hat.
Ich spüre in mir ein großes Verlangen, Dir zu gefallen.
Zugleich empfinde ich große Ohnmacht, dies zu können.
Ich bedarf der Wegweisung und ganz besonderer Hilfe.
Das alles kann ich nur von Dir erwarten.
Herr, lass an mir Deinen Willen geschehen.
Ich fühle, dass sich etwas in mir dagegen sträubt.
Zugleich aber möchte ich ganz nach Deinem Willen leben.
Heiligstes Herz Jesu, alles liegt darum an Dir.
Heller als der Tag wird mir deutlich:
Je mehr ich an Heiligkeit zunehme,
desto mehr gebührt Dir die Ehre dafür.
So geschieht alles zu Deiner Ehre,
und allein deshalb wünsche ich mir die Vollkommenheit.
Claude la Columbière SJ (1641 - 1682)

gefunden: http://kirchensite.de/index.php?myELEMENT=133860


Dienstag, 24. Juni 2014

Paul VI. zum Zölibat



Heute ist Jahrestag der Enzyklika Sacerdotalis caelibatus, die Papst Paul VI. 1967 verfasste. Wie alle seine Rundschreiben und Handlungen - außer Humanae vitae und der Liturgiereform - scheint sie heute völlig vergessen.

Nach einer wohlwollenden Würdigung der Einwände gegen die Zölibatsverpflichtung der Priester stellt Paul VI. seine Begründung da, aufgrund der am Zölibat festhält:




Christologisch (Nr.25)
In biblischer und theologischer "Sicht verbindet sich unser Priestertum als das seiner Diener mit dem Priestertum Christi; und aus dem Leben dessen, der sich klar und ausschließlich seinem Heilswerk hingegeben hat, nehmen wir Beispiel und Beweggrund für unsere Angleichung an die Form der Liebe und des Opfers Christi, des Erlösers."

Das ist der wohl innerste und tiefste Beweggrund. Es geht nicht nur um etwas Äußeres, es geht um ein echtes den Weg Christi suchen. Wenn wir einen geliebten und vorbildlichen Menschen kennen, dann werden wir ja auch fast unwillkürlich von der Form seines Lebens angezogen, nicht nur von seinen Worten.
Die besondere Verbindung zu Christus soll auch den Priester formen, bis in die freie Wahl des Zölibates hinein. Aus dieser besonderen Angleichung entspringen alle weiteren Gründe für den Zölibat.

Ekklesiologisch (Nr. 32)
Da "der Priester im Zölibat (...) geweiht ist, vermag er (...) auch im praktischen Leben mit höchster Wirksamkeit und bester Befähigung Denken und Streben der Seele anzuregen. So kann er beständig jene vollkommene Liebe üben, durch die er sich umfassender und eingehender allen zu widmen vermag und durch die er ganz offensichtlich in größerer Freiheit und Verfügbarkeit sein Amt ausüben und voll Liebe und Eifer in der Welt stehen kann, in die ihn Christus gesandt hat, damit er allen Kindern Gottes seine Schuldigkeit, mit der er ihnen verpflichtet ist, gleichsam auf Heller und Pfennig einlöse."
Ein schnell einsehbarer Grund: Die größere Verfügbarkeit und (hoffentlich) größere Offenheit für die ihm Anvertrauten. Im Grunde weniger ein Grund an sich, sondern ein Segen der Angleichung des Priesters an Christus.

Eschatologisch (Nr. 34)
"Bei der Auferstehung heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet, sie werden vielmehr sein wie die Engel im Himmel." In der menschlichen Gesellschaft, die zum großen Teil ganz von irdischen Sorgen beansprucht und allzu oft durch fleischliche Begierden verwirrt wird, ist die kostbare und beinahe göttliche Gabe der vollkommenen Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wahrhaft "ein besonderes Zeichen der himmlischen Güter ". Sie kündigt ja die Gegenwart der letzten Heilszeit auf Erden (...) an; sie nimmt gewissermaßen die Vollendung des Reiches voraus (...) Diese Gabe ist deshalb ein klares Zeugnis für die unentwegte Anstrengung, mit der das Volk Gottes dem letzten Ziel seiner irdischen Pilgerschaft zustrebt, und allen ein Ansporn, mit Eifer den Blick auf das Himmlische zu richten (...), bis es "mit ihm in der Herrlichkeit" offenbar werden wird.
Für viele Menschen ist dieser Grund nicht so leicht einsehbar. Es geht dabei - wie bei den beiden anderen evangelischen Räten Armut und Gehorsam - darum, einer neuen Wirklichkeit in sich Raum zu geben, einer Wirklichkeit, die auch anderen zum Zeichen werden kann. Das ist anspruchsvoll: Sowohl für den, der sich daran versucht, als auch für den, der es zu erkennen und zu deuten versucht. Aber in einer Zeit, die ganz diesseitig fixiert ist, wohl umso wichtiger.

An die Laien gerichtet wünscht sich der Papst:
Unsere Aufforderung richtet sich vor allem an jene Laien, die eifriger und inniger als andere Gott suchen und nach einem vollkommenen christlichen Leben inmitten der profanen Welt streben. Durch ihre ehrerbietige und aufrichtige Freundschaft können sie den Priestern eine große Hilfe bedeuten. Die Laien (...) können dem Priester manchmal Licht und Kraft geben, damit er im Dienste Christi und der Kirche nicht unter Umständen durch den verkehrten und verwirrenden Weltgeist Schaden leide an der Unversehrtheit seiner göttlichen Berufung. Daraus ergibt sich ohne Zweifel, daß das ganze Volk Gottes den Herrn Jesus selbst ehrt in denen, die seine Stelle vertreten und von denen er sagt: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." Er hat ja auch denen reichen Lohn versprochen, die den Boten des Evangeliums irgendwie in Liebe dienen.
Schließen wir mit einem Zitat das Papst Paul von seinem Vorgänger Papst Johannes XXIII. anführt:
Vor allem betrübt es Uns, daß ... manche irrtümlich wähnen, die katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeit, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug: denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein."