Dienstag, 11. September 2007

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Soziale Gerechtigkeit

Hier finden sich einige Gedanken Kuehnelt-Leddihns, die heute wirklich nahezu häretisch anmuten... Sie sind entnommen:" 'Soziale Gerechtigkeit' " in: Rechts, wo das Herz schlägt. Graz u.a. 1980, S. 67-76.

Was ist darunter zu verstehen? Sozial heißt im englischen (social) einfach gesellschaftlich oder hilfsbereit, also neuheidnisch verstanden: „gut“. Was „sozial“ ist, ist gut. So wird Moral auf das Verhältnis zur Allgemeinheit reduziert. Dies ist engstens verbunden mit dem Prinzip der Gleichheit, in deren Anliegen ja die Revolutionen des 20.Jahrhunderts überwiegend geführt wurden. Aber darf man Gleichheit mit Gerechtigkeit gleichsetzen? Wohl kaum – denn der Faule verdient es doch weniger zu verdienen, der Fleißige verdient mehr. Das Diktum Ulpians „suum cuique“ gehört zur christlichen Tradition. Dennoch erscheint die soziale Gerechtigkeit, verstanden als ungefähre materielle Gleichheit, für den Christen eine Versuchung dar, kann er doch in ihr naiverweise ein Stück aktivierte Nächstenliebe sehen. Simone Weil schrieb: „Die Falle aller Fallen ist unvermeidlich die Falle des Sozialen. Überall, immer, in allen Dingen ist das Gefühl des Sozialen eine vollendete Nachahmung des Glaubens, die restlos trügerisch ist. Diese Nachahmung hat den großen Vorteil, fast alle Bezirke der Seele zufriedenzustellen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist die Ablehnung des Sozialen für den Glauben vielleicht eine Frage von Leben und Tod.“
Gleichheit ist nicht Gerechtigkeit und gleiche Löhne sind nicht gerechte Löhne. Aber der Neid ist das Mobilisierungsinstrument der modernen Politik. So kommt es zur Idee der Neuverteilung des Besitzes als soziale Lösung. Dies hilft aber in der Regel kaum weiter, weil es meist viel weniger umzuverteilen gibt, als angenommen wird. Der Reichtum eines Volkes entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch hohes Arbeitsethos, vorzügliches Managertum, Sparsinn und wiese Investitionen. Der Neid vergisst, dass ein Reicher, der sein Geld ausgibt, es gerade so zu den Minderbemittelten durchdringen lässt. Gleichermaßen hält der Staat seine Bürger für einigermaßen unreif und beschränkt und traut ihnen nicht zu, vorzusorgen. Man nimmt ihnen viel Geld für eine staatliche Zwangsvorsorge ab und wird so quasi allmächtig. Warum dies der Staat machen muss, und nicht etwa freie Gesellschaften und Verbände ist schleierhaft. Denn so könnte der Arbeitnehmer und der Selbständige die Form der Vorsorge wählen, die er selbst wünscht. Aber der Staat drängt gerne in alle Lebensbereiche ein und „sorgt für Ausgleich“. Das gibt dem Einzelnen eine scheinbare Sicherheit, umso größer ist aber die Gefahr des Staatsbankrotts und das Elend aller.
Die soziale Gerechtigkeit zeigt also weniger das reizende Antlitz der christlichen Nächstenliebe, sondern das Gesicht des totalitären Staates. Tocqueville hat prophezeit dass der kommende Versorgungsstaat das „Volk einengen, entnerven, seines Feuers berauben und es verblöden wird, bis jede Nation schließlich nur aus einer Herde von furchtsamen und fleißigen Tieren bestehen wird, deren Hirte die Regierung ist“. Es droht der Mensch als nationalisiertes Herdentier, das gelegentlich auch, aus „sozialen Gründen“ die Ungeborenen mit staatlicher Unterstützung abschlachtet. Das aber tun nicht einmal wilde Tiere.

1 Kommentar:

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