Hier einige Gedanken aus einem Text von Siegfried Kohlhammer: Der Haß auf die eigene Gesellschaft. Vom Verrat der Intellektuellen. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. Heft 8/9 2007. S. 668-680. Ich gebe gerne zu, dass meine Zusammenfassung etwas tendenziöses hat und manche Aspekte des Kolhammer-Textes ausblendet.
Keine andere Kultur hat die Intellektuellen so gefördert und geschützt wie die westliche Moderne. Der Intellektuelle ist durch Kommerzialisierung und Anonymität des Marktes heute frei von persönlicher Abhängigkeit von Fürst und Mäzen. Urheberrecht, Meinungsfreiheit und Toleranz schützen den Intellektuellen vor den Opfern seiner Kritik. Hinzu kommt seine wachsende gesellschaftliche Anerkennung. Nie zuvor waren Intellektuelle sozial derart abgesichert und vor Verfolgung geschützt, so frei und anerkannt. Dennoch – ein erheblicher Teil der Intellektuellen im Westen vertritt eine Art Fundamentalopposition gegen dieses System und verbindet diese mit einer Parteinahme für die Feinde der westlichen Gesellschaften. So verhielten sich viele Intellektuelle sehr ehrerbietig gegenüber Gesellschaften, die Intellektuellen entscheidende Existenzbedingungen (s.o.) verwehrten. Es enstand eine regelrechte Xenophilie mitsamt einer feindlichen Haltung gegenüber der eigenen Gesellschaft, die längst ermüdend konform geworden ist. 1957 merkte Albert Camus an: „Der Ort der Konformität ist heute die Linke“. Das Vakuum der Abwendung von der eigenen Gesellschaft musste aber irgendwie gefüllt werden. Man suchte eine Art irdisches „Neues Jerusalem“ oder, wie Hollander sagte: „Der Glaube an einen diesseitigen Himmel nahm in dem Maße zu, wie der glaube an den jenseitigen schwand.“ Es ging um Religionsersatz – die Utopie einer vollkommenen Gesellschaft oder deren Projektion auf fremde Gesellschaften. Einen zentralen Platz nimmt dabei stets die Abschaffung des Geldes ein. Dem korrespondiert gewissermaßen, dass man im klassischen Gegenentwurf zur westlichen Gesellschaft – der kommunistischen – weniger ökonomische, sondern mehr immaterielle, spirituelle Errungenschaften pries: „In der Sowjetunion hat man das Gefühl, sich auf dem moralischen Gipfel der Welt zu befinden.“ (Edmund Wilson). Ein paar Millionen Ermorderte müssen der Bindung an den Kommunismus eben nicht abträglich sein. Die Gefahr des Konsumismus ist ebenfalls gebannt – es gibt ja sowieso nichts zu kaufen… Die Suche nach Sinn und Gemeinschaft bringt zuweilen eine groteske Realitätsblindheit hervor. Die eigene Gesellschaft verweigert sich aber gerade der Funktion Sinn und Bedeutung zu geben. Gerade das aber will der Intellektuelle: Gesinnungsethik statt Verantwortungsethik. Solange der Intellektuelle am welthistorischen Projekt der Säkularisierung teilnehmen konnte, fand er darin Sinn – seit ihrer Verwirklichung wird sie aber zum Problem. Für Utopien sind die westlichen Gesellschaften nicht mehr zu haben – sie fassen sich nicht als Projekt auf und lassen sich nicht so auffassen. Das Leiden am Sinnmangel rationalisiert der Intellektuelle durch stets neue Objekte seiner Kritik und am besten durch die Konstruktion eines Verblendungs- oder Unheilszusammenhangs.
Heute sieht es allerdings so aus, als sei die Nachfrage nach einer „neuen Priesterherrschaft“ der Intellektuellen eher gering. Sie haben Einfluß, Macht haben sie aber nicht. Es handelt sich ja auch im Wesentlichen um „als-ob-Utopisten“ aus recht krisenfreien, hedonistischen Zeiten. So hat sich eine - unter unseren Bedingungen - letztlich ziemlich harmlose Spezies entwickelt.
Keine andere Kultur hat die Intellektuellen so gefördert und geschützt wie die westliche Moderne. Der Intellektuelle ist durch Kommerzialisierung und Anonymität des Marktes heute frei von persönlicher Abhängigkeit von Fürst und Mäzen. Urheberrecht, Meinungsfreiheit und Toleranz schützen den Intellektuellen vor den Opfern seiner Kritik. Hinzu kommt seine wachsende gesellschaftliche Anerkennung. Nie zuvor waren Intellektuelle sozial derart abgesichert und vor Verfolgung geschützt, so frei und anerkannt. Dennoch – ein erheblicher Teil der Intellektuellen im Westen vertritt eine Art Fundamentalopposition gegen dieses System und verbindet diese mit einer Parteinahme für die Feinde der westlichen Gesellschaften. So verhielten sich viele Intellektuelle sehr ehrerbietig gegenüber Gesellschaften, die Intellektuellen entscheidende Existenzbedingungen (s.o.) verwehrten. Es enstand eine regelrechte Xenophilie mitsamt einer feindlichen Haltung gegenüber der eigenen Gesellschaft, die längst ermüdend konform geworden ist. 1957 merkte Albert Camus an: „Der Ort der Konformität ist heute die Linke“. Das Vakuum der Abwendung von der eigenen Gesellschaft musste aber irgendwie gefüllt werden. Man suchte eine Art irdisches „Neues Jerusalem“ oder, wie Hollander sagte: „Der Glaube an einen diesseitigen Himmel nahm in dem Maße zu, wie der glaube an den jenseitigen schwand.“ Es ging um Religionsersatz – die Utopie einer vollkommenen Gesellschaft oder deren Projektion auf fremde Gesellschaften. Einen zentralen Platz nimmt dabei stets die Abschaffung des Geldes ein. Dem korrespondiert gewissermaßen, dass man im klassischen Gegenentwurf zur westlichen Gesellschaft – der kommunistischen – weniger ökonomische, sondern mehr immaterielle, spirituelle Errungenschaften pries: „In der Sowjetunion hat man das Gefühl, sich auf dem moralischen Gipfel der Welt zu befinden.“ (Edmund Wilson). Ein paar Millionen Ermorderte müssen der Bindung an den Kommunismus eben nicht abträglich sein. Die Gefahr des Konsumismus ist ebenfalls gebannt – es gibt ja sowieso nichts zu kaufen… Die Suche nach Sinn und Gemeinschaft bringt zuweilen eine groteske Realitätsblindheit hervor. Die eigene Gesellschaft verweigert sich aber gerade der Funktion Sinn und Bedeutung zu geben. Gerade das aber will der Intellektuelle: Gesinnungsethik statt Verantwortungsethik. Solange der Intellektuelle am welthistorischen Projekt der Säkularisierung teilnehmen konnte, fand er darin Sinn – seit ihrer Verwirklichung wird sie aber zum Problem. Für Utopien sind die westlichen Gesellschaften nicht mehr zu haben – sie fassen sich nicht als Projekt auf und lassen sich nicht so auffassen. Das Leiden am Sinnmangel rationalisiert der Intellektuelle durch stets neue Objekte seiner Kritik und am besten durch die Konstruktion eines Verblendungs- oder Unheilszusammenhangs.
Heute sieht es allerdings so aus, als sei die Nachfrage nach einer „neuen Priesterherrschaft“ der Intellektuellen eher gering. Sie haben Einfluß, Macht haben sie aber nicht. Es handelt sich ja auch im Wesentlichen um „als-ob-Utopisten“ aus recht krisenfreien, hedonistischen Zeiten. So hat sich eine - unter unseren Bedingungen - letztlich ziemlich harmlose Spezies entwickelt.

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