Die folgenden Gedanken sind eine Zusammenfassung weiter Passagen aus einem Vortrag von Leo Kardinal Scheffczyk, der unter dem Titel: "Die wahre Kirche. Zur Motivation der Konversion J.H.Newmans" in Ökumene. Der steile Weg der Wahrheit. Siegburg 2004, S. 325-336 abgedruckt ist.Die wahre Kirche – Zur Motivation der Konversion J.H.Newmans
Der tiefste Impuls, der John Herny Newmans Lebensweg bestimmte war nicht nur das Streben nach der einen gültigen Wahrheit, wie es einem Philosophen anstünde; er bestand auch nicht im Streben nach persönlicher religiöser Erfüllung, wie sie jedem frommen Menschen zu eigen ist: Er bestand vielmehr in der Suche und in der Sehnsucht nach der wahren Kirche; denn Newman erkannte immer deutlicher, was ihm schließlich zur innersten Überzeugung wurde: Alle anderen geistigen Güter und Werte sind nur zu gewinnen, wenn es die alles umfassende Wirklichkeit und den alles tragenden Wert der Kirche gibt. So wurde Newmans Lebensweg zur Geschichte einer Seele, die sich von der geistigen Macht der Kirchen angezogen fühlte und auf manchen verschlungenen Wegen zur Einheit mit der Kirche gelangte. In ihm erfüllte sich das Wort des Origines vom Menschen als einer animia ecclesiastica (kirchlichen Existenz).
Wie bekannt ist, erwachten in Newman im Alter von etwa 15 Jahren zwei wichtige Erkenntnisse: Die Erkenntnis von der Notwendigkeit und Tatsächlichkeit feststehender Wahrheit und der Ruf und die Verpflichtung zu einem ehelosen Leben. Newman drängt es nach einer Ganzheit und Totalität der Wahrheit, deren Fehlen ihm schmerzlich bewusst war. Er war in seinem damaligen (anglikanischen) Umfeld von einer Theologie umgeben, die grundlegend ethisch ausgerichtet war und auf individualistischer Erlebnisfrömmigkeit und eigenpersönlicher Bibelauslegung beruhte. Die objektive, hierarchische, von einem Christusamt geleitete Kirche war und blieb Newman zunächst fremd.
Als erstes bewegte sich der suchende Newman dann auch auf die Kirche zu, der er angehörte, der anglikanischen Kirche. Newman verfügte über einen ausgeprägten Wirklichkeitssinn, ein großes historisches Interesse an den Kirchenvätern und die Überzeugung, dass der Kampf gegen Liberalismus und Relativismus nur in Verbindung mit einer gefestigten, geeinten Kirche bestanden werden kann. Newman wollte dazu eine Reform der Kirche aus ihren Quellen und ihrer Ursprungszeit. Im Zuge seiner Beschäftigung mit den Kirchenvätern nahm er auch die Realität der römisch-katholischen Kirche immer mehr zur Kenntnis, anfangs, ohne ihr besondere Wertschätzung entgegen zu bringen. Die anglikanische Kirche erschien ihm zunächst der zu erstrebende Mittelweg zwischen „Romanismus“ und „vulgärem Protestantimus“. Je mehr sich Newman allerdings mit dem apostolischen Prinzip und der Tradition beschäftigte, desto mehr erkannte er, dass die geschichtlichen Änderungen der römischen Kirche keine Verirrungen und kein Abfall vom Ursprung waren, sondern organische Entwicklungen der fundamentalen Wahrheit. Immer intensiver suchte er das, was er später die „Tiefe und Macht in der katholischen Religion, eine Fülle der Befriedigung in ihrem Bekenntnis, ihrer Theologie, ihren Riten, ihren Sakramenten, ihrer Disziplin“ nannte. Diese erschien ihm als „Freiheit und Stütze zugleich“. Es war die Sehnsucht nach dem Leben aus der katholischen Fülle.
Newman erlebte seine Konversion zur katholischen Kirche als zutiefst erfüllend und beglückend. Er schreibt zu seiner Konversion: „Ich habe in vollkommenem Frieden und in ungestörter Ruhe gelebt, ohne je von einem einzigen Zweifel heimgesucht zu werden.“ Newman wandte sich nun der Aufgabe zu, aus der Fülle der in der Kirche gewonnen Wahrheit zu schöpfen und die Kirche wieder zu einem Leben aus dieser Fülle anzuregen. Nur eine lebendige und gefestigte Kirche schien Newman in der Lage zu sein, dem entscheidenden Kampf gegen den Liberalismus zu gewinnen: „Es gibt keine andere Möglichkeit als Katholizismus oder Unglaube“. Auch wenn Newman zeitweise an der Kirche litt, blieb seine Überzeugung stets bestehen, dass man an der Kirche selbst nicht zweifeln kann. Newman wusste stets zwischen der übernatürlich-mystischen Wirklichkeit der Kirche und ihren äußeren menschlichen Gestalten zu unterscheiden. Die innere Herrlichkeit der Kirche, so wusste er, konnte nicht durch die irdische Gestalt der Kirche eingefasst werden. Seine Sehnsucht ging über diese irdische Wirklichkeit hinaus. Sein wirkliches Format als Kirchenmann bewies er darin, dass er dennoch nicht nachließ, das Ideal innerhalb der irdischen Schwächen und Grenzen der Kirche zu verwirklichen.
Der tiefste Impuls, der John Herny Newmans Lebensweg bestimmte war nicht nur das Streben nach der einen gültigen Wahrheit, wie es einem Philosophen anstünde; er bestand auch nicht im Streben nach persönlicher religiöser Erfüllung, wie sie jedem frommen Menschen zu eigen ist: Er bestand vielmehr in der Suche und in der Sehnsucht nach der wahren Kirche; denn Newman erkannte immer deutlicher, was ihm schließlich zur innersten Überzeugung wurde: Alle anderen geistigen Güter und Werte sind nur zu gewinnen, wenn es die alles umfassende Wirklichkeit und den alles tragenden Wert der Kirche gibt. So wurde Newmans Lebensweg zur Geschichte einer Seele, die sich von der geistigen Macht der Kirchen angezogen fühlte und auf manchen verschlungenen Wegen zur Einheit mit der Kirche gelangte. In ihm erfüllte sich das Wort des Origines vom Menschen als einer animia ecclesiastica (kirchlichen Existenz).
Wie bekannt ist, erwachten in Newman im Alter von etwa 15 Jahren zwei wichtige Erkenntnisse: Die Erkenntnis von der Notwendigkeit und Tatsächlichkeit feststehender Wahrheit und der Ruf und die Verpflichtung zu einem ehelosen Leben. Newman drängt es nach einer Ganzheit und Totalität der Wahrheit, deren Fehlen ihm schmerzlich bewusst war. Er war in seinem damaligen (anglikanischen) Umfeld von einer Theologie umgeben, die grundlegend ethisch ausgerichtet war und auf individualistischer Erlebnisfrömmigkeit und eigenpersönlicher Bibelauslegung beruhte. Die objektive, hierarchische, von einem Christusamt geleitete Kirche war und blieb Newman zunächst fremd.
Als erstes bewegte sich der suchende Newman dann auch auf die Kirche zu, der er angehörte, der anglikanischen Kirche. Newman verfügte über einen ausgeprägten Wirklichkeitssinn, ein großes historisches Interesse an den Kirchenvätern und die Überzeugung, dass der Kampf gegen Liberalismus und Relativismus nur in Verbindung mit einer gefestigten, geeinten Kirche bestanden werden kann. Newman wollte dazu eine Reform der Kirche aus ihren Quellen und ihrer Ursprungszeit. Im Zuge seiner Beschäftigung mit den Kirchenvätern nahm er auch die Realität der römisch-katholischen Kirche immer mehr zur Kenntnis, anfangs, ohne ihr besondere Wertschätzung entgegen zu bringen. Die anglikanische Kirche erschien ihm zunächst der zu erstrebende Mittelweg zwischen „Romanismus“ und „vulgärem Protestantimus“. Je mehr sich Newman allerdings mit dem apostolischen Prinzip und der Tradition beschäftigte, desto mehr erkannte er, dass die geschichtlichen Änderungen der römischen Kirche keine Verirrungen und kein Abfall vom Ursprung waren, sondern organische Entwicklungen der fundamentalen Wahrheit. Immer intensiver suchte er das, was er später die „Tiefe und Macht in der katholischen Religion, eine Fülle der Befriedigung in ihrem Bekenntnis, ihrer Theologie, ihren Riten, ihren Sakramenten, ihrer Disziplin“ nannte. Diese erschien ihm als „Freiheit und Stütze zugleich“. Es war die Sehnsucht nach dem Leben aus der katholischen Fülle.
Newman erlebte seine Konversion zur katholischen Kirche als zutiefst erfüllend und beglückend. Er schreibt zu seiner Konversion: „Ich habe in vollkommenem Frieden und in ungestörter Ruhe gelebt, ohne je von einem einzigen Zweifel heimgesucht zu werden.“ Newman wandte sich nun der Aufgabe zu, aus der Fülle der in der Kirche gewonnen Wahrheit zu schöpfen und die Kirche wieder zu einem Leben aus dieser Fülle anzuregen. Nur eine lebendige und gefestigte Kirche schien Newman in der Lage zu sein, dem entscheidenden Kampf gegen den Liberalismus zu gewinnen: „Es gibt keine andere Möglichkeit als Katholizismus oder Unglaube“. Auch wenn Newman zeitweise an der Kirche litt, blieb seine Überzeugung stets bestehen, dass man an der Kirche selbst nicht zweifeln kann. Newman wusste stets zwischen der übernatürlich-mystischen Wirklichkeit der Kirche und ihren äußeren menschlichen Gestalten zu unterscheiden. Die innere Herrlichkeit der Kirche, so wusste er, konnte nicht durch die irdische Gestalt der Kirche eingefasst werden. Seine Sehnsucht ging über diese irdische Wirklichkeit hinaus. Sein wirkliches Format als Kirchenmann bewies er darin, dass er dennoch nicht nachließ, das Ideal innerhalb der irdischen Schwächen und Grenzen der Kirche zu verwirklichen.














