Montag, 31. Dezember 2007
Pädagogik ("Der Zauberberg")
"Daß die Renaissance all das zur Welt gebracht hat, was man Liberalismus, Individualismus, humanistische Bürgerlichkeit nennt, war mir leidlich bekannt, aber ... das heroische Lebensalter Ihrer Ideale ist längst vorüber, diese Ideale sind tot, sie liegen zum mindesten in den letzten Zügen und die Füße derer, die ihnen den Graus machen werden, stehen schon vor der Tür ... Wenn sie glauben, daß das Ergebnis künfitger Revolutionen Freiheit sein wird, so sind sie im Irrtum. Das Prinzip der Freiheit hat sich in fünfhundert Jahren erfüllt und überlebt. Eine Pädagogik, die sich heute noch als Tochter der Aufklärung versteht und in der Kritik, der Befreiung und Pflege des Ich, der Auflösung absolut bestimmter Lebensformen ihre Bildungsmittel erblickt - eine solche Pädagogik mag noch rhetorische Augenblickserfolge davontragen, aber ihre Rückständigkeit ist für jeden Wissenden über jeden Zweifel erhaben. Alle wahrhaft erzieherischen Verbände haben von jeher gewußt, um was es sich in Wahrheit bei aller Pädagogik nur handeln kann: nämlich den absoluten Befehl, die eiserne Bindung, um Disziplin, Opfer, Verleugnung des Ich, Vergewaltigung der Persönlichkeit. Zuletzt bedeutet es ein liebloses Mißverstehen der Jugend zu glauben, sie finde ihre Lust in der Freiheit. Ihre tiefeste Lust ist der Gehorsam."
Sonntag, 30. Dezember 2007
Wahrheit und Wissenschaft im 'Zauberberg'
In deren [der Menschenliebe] Dienst arbeitete die Maschinerie, mit der der Konvent die Welt von schlechten Bürgern reinigte. Alle Kirchenstrafen, auch der Scheiterhaufen, auch die Exkommunikation wurden verhängt, um die Seele vor der ewigen Verdammnis zu retten, was man von der Vertilgungslust der Jakobiner nicht sagen kann. Ich erlaube mir, zu bemerken, daß jede Pein- und Blutjustiz, die nicht dem Glauben an ein Jenseits entspringt, viehischer Unsinn ist. Und was die Entwürdigung des Menschen betrifft, so fällt ihre Geschichte exakt mit der des bürgerlichen Geistes zusammen. Renaissance, Aufklärung und die Naturwissenschaft und Ökonomistik des neunzehnten Jahrhunderts haben nichts, aber auch nichts zu lehren unterlassen, was irgend tauglich schien, diese Entwürdigung zu fördern ... Die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Wissenschaftslehre, die sich mit Augustins Satz 'Ich glaube, damit ich erkenne' zusammenfassen lässt, ist völlig unbestreitbar. Der Glaube ist das Organ der Erkenntnis und der Intellekt sekundär ... voraussetzungslose Wissenschaft ist eine Mythe. Ein Glaube, eine Weltanschauung, eine Idee, kurz: ein Wille ist regelmäßig vorhanden, und Sache der Vernunft ist es, ihn zu erörtern, ihn zu beweisen ... eine Humanität, die nicht anerkennt, dass in der Naturwissenschaft nicht wahr sein kann, was vor der Philosophie falsch ist, das ist keine Humanität ... die Autorität ist der Mensch, sein Interesse, seine Würde, sein Heil und zwischen ihr und der Wahrheit kann es keinen Widerstreit geben. Sie fallen zusammen ... Wahr ist, was dem Menschen frommt ... Er ist das Maß aller Dinge und sein Heil das Kriterium der Wahrheit ... Die Menschheit ist im Begriff, zu diesem Gesichtspunkt zurückzufinden und einzusehen, daß es nicht Aufgabe wahrer Wissenschaft ist, heillosen Erkenntnissen nachzulaufen, sondern das Schädliche oder auch nur ideel Bedeutungslose grundsätzlich auszuscheiden und mit einem Worte Instinkt, Maß, Wahl zu bekunden. Es ist kindisch zu meinen, die Kirche habe die Finsternis gegen das Licht verteidigt. Sie tat dreimal wohl daran, ein 'voraussetzungsloses' Streben nach Erkenntnis der Dinge, das heißt: ein solches, das sich der Rücksicht auf das Geistige, auf den Zweck der Heilserwerbung entschlägt, für strafbar zu erklären, und was den Menschen in Finsternis geführt hat und immer tiefer führen wird, ist vielmehr die 'voraussetzungslose', die aphilosophische Naturwissenschaft.
Mittwoch, 26. Dezember 2007
Hl.Stephanus
Aus einer Predigt des Fulgentius von Ruspe (+532) am Fest des heiligen Stephanus
Gestern haben wir die zeitliche Geburt unseres ewigen Königs gefeiert, heute feiern wir das siegreiche Leiden seines Kämpfers. Gestern ging unser König, gehüllt in den Mantel des Fleisches, aus dem Schoß der Jungfrau hervor und besuchte in Gnaden die Welt, heute verließ der Streiter das Zelt des Leibes und zog als Sieger ein in den Himmel.
Obwohl er der höchste König ist, kam Christus für uns in Niedrigkeit. Er konnte nicht mit leeren Händen kommen und brachte seinen Streitern ein großes Geschenk mit. Damit machte er sie reich und stärkte sie zu siegreichem Kampf. Er brachte das Geschenk der Liebe mit, um die Menschen zur Teilnahme an der göttlichen Natur zu führen. Die Liebe, die Christus den Herrn vom Himmel auf die Erde geführt hat, hob den Stephanus von der Erde zum Himmel empor. Die Liebe, die zuerst im König erschien, leuchtete danach auf in seinem Streiter.
Um den Kranz zu gewinnen, von dem er den Namen trug, nahm Stephanus die Liebe als Waffe und siegte durch sie überall. Aus Liebe zu Gott wich er nicht vor den wütenden Juden, aus Liebe zum Nächsten betete er für sie, als sie ihn steinigten. Aus Liebe stritt er mit den Irrenden, um sie zur Wahrheit zu führen, aus Liebe betete er für die, welche ihn steinigten, damit sie der Strafe entgingen. In der Kraft der Liebe besiegte er den grausam wütenden Saulus, und der ihn auf Erden verfolgte, durfte im Himmel sein Freund werden.
Siehe, nun freut sich Paulus mit Stephanus, genießt mit ihm die Herrlichkeit Christi, jubelt und herrscht mit ihm. Getötet durch die Steine des Paulus, schritt Stephanus (zum Himmel) voraus: Paulus folgte, sein Helfer war das Gebet des Stephanus.
Sonntag, 23. Dezember 2007
O Emmanuel
Die letzte der O-Antiphonen, am Tag unmittelbar vor dem Beginn der Feierlichkeiten zum Christfest, fasst nochmals alles zusammen, worum es im Advent ging, den einen großen Wunsch der Menschheit:
O Emmanuel, rex et legifer noster, exspectatio gentium et salvator earum: veni ad salvandum nos, Domine Deus noster.
O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott.
Samstag, 22. Dezember 2007
O Rex Gentium
Heute bringt die Antiphon uns das Bild von Christus als Schlußstein, der den ganzen Bau der Kirche, aber auch der Welt, zusammenhält zu Gehör. Auf ihn läuft alles, was Gott geschaffen hat zu und auf ihn läuft auch all unser Streben zu, das von der Hoffnung getragen wird, dass Gott unsere Gespaltenheit in seinem Schlußstein Jesus Christus eint und in das Gesamte hinein vollendet.
O Rex gentium et desideratus earum, lapisque angularis, qui facis utraque unum: veni et salva hominem, quem de limo formasti.
O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlußstein, der den Bau zusammenhält: o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!
Freitag, 21. Dezember 2007
O Oriens
Heute, am 21.Dezember, stellt uns die Antiphon den Herrn, auf dessen Ankunft das gläubige Volk wartet, als das Licht vor Augen, das alle Finsternis erhellen und erlösen will.
O Oriens, splendor lucis aeternae et sol iustitiae; veni, et illumina sedentes in tenebris et umbra mortis.
O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!
Donnerstag, 20. Dezember 2007
O Clavis
Die O-Antiphon des heutigen Tages (20.Dezember) erbittet vom Herrn die Befreiung aus dem Verlies, in das der Mensch sich selbst bringt und doch nur Gott ihn befreien kann.
O clavis David, et sceptrum domus Israel; qui aperis, et nemo claudit; claudis, et nemo aperit: veni et educ vinctum de domo carceris, sedentem in tenebris et umbra mortis.
O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel - du öffnest und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: o komme und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!
O Radix
Die Antiphon für den 19.Dezember schaut besonders auf die Herkunft des Erlösers aus dem Volk Israel, dem Geschlecht Davids, von dem aus der Herr allen Völkern der Erde das Heil bringt.
O radix Iesse, qui stats in signum populorum, super quem continebunt reges os summ, quem gentes deprecabuntur: veni ad liberandum nos, iam noli tardare.
O Sproß aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: o komm und errette uns, erhebe dich säume nicht länger!
Dienstag, 18. Dezember 2007
O Adonai
Die O-Antiphon für den 18.Dezember ruft Gott besonders als den Retter und Fürsten Israels an und bringt die Bitte um Rettung vor Gott, die dieser durch die Sendung seines Sohnes zu erfüllen ersucht wird.
O Adonai et Dux domus Israel, qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedisti: veni ad redimendum nos in bracchio extento.
O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel, im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: o komm und befreie uns mit deinem starken Arm.
Montag, 17. Dezember 2007
O Sapientia
Die sieben Tage vor dem Fest der Geburt des Herrn werden in der Tradition der Kirche durch die O-Antiphonen geprägt. Ab dem 17.Dezember ist jedem Tag nach alter Tradition eine dieser Antiphonen zugeordnet, die besonders im Stundengebet (Vesper), aber auch in der eucharistischen Liturgie (Halleluja, Gemeindegesang) erscheinen.
Diese Antiphonen bitten mit Bildern des Alten Testamentes um das Kommen des Erlösers und Retters. Heute, am 17.12. wird die Antiphon O Sapientia, dt. O Weisheit gesungen.
O Sapientia, quae es ore Altissimi prodisti, attingens a fine usque ad finem, fortiter suaviterque disponens omnia: veni ad docendum nos viam prudentiae.
O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des höchsten - die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: O komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.
Sonntag, 16. Dezember 2007
Benedikt XVI: Advent - Tiefste Erinnerung des Herzens

Aus: Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Berührt vom Unsichtbaren, Freiburg 2005. S. 378.
Advent meint genau die Verknüpfung von Erinnerung und Hoffnung, deren der Mensch bedarf. Er will die eigentliche, die tiefste Erinnerung des Herzens in uns wecken - die Erinnerung an den Gott, der ein Kind wurde. Diese Erinnerung heilt, diese Erinnerung an den Gott, der ein Kind wurde. Diese Erinnerung heilt, diese Erinnerung ist Hoffnung. Im Kirchenjahr geht es darum, immer wieder die große Geschichte der Erinnerungen abzuschreiten, das Gedächtnis des Herzens zu wecken und so den Stern der Hoffnung sehen zu lernen. Alle Feste des Kirchenjahres sind Ereignisse der Erinnerung und darum Ereignisse der Hoffnung. Die großen Erinnerungen der Menschheit, die das Jahr des Glaubens verwahrt und öffnet, sollen in der Gestaltung der heiligen Zeiten durch Liturgie und Brauchtum zu persönlichen Erinnerungen werden von den großen Erinnerungen der Menschheit genährt; die großen Erinnerungen werden nur durch ihre Übersetzung ins Persönliche gewahrt. Wenn Menschen glauben können, hängt es immer auch daran, daß ihnen im Weg ihres Lebens der Glaube lieb geworden, daß ihnen die Menschlichkeit Gottes durch die Menschlichkeit von Menschen hindurch erschienen ist. Jeder von uns könnte da gewiß seine eigene Geschichte erzählen, was weihnachtliche, österliche oder sonstige Festerinnerungen für sein Leben bedeuten.
Samstag, 15. Dezember 2007
Joseph Ratzinger: Staat, Wahrheit und Moral

Montag, 10. Dezember 2007
Heinrich Schlier: Adventsbetrachtungen: Der Tag des Herrn
Sonntag, 9. Dezember 2007
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Was ist der Staat?
Nach: Freiheit oder Gleichheit - die Schicksalsfrage des Abendlandes. Salzburg 1953.Staaten können eine bestimmte Tendenz zu radikaler Vereinheitlichung aufweisen (ein Volk, eine Rassen, eine Klasse, eine Ideologie usw.). Hier deutet sich zumeist eine totalitäre Ordnung an, die auf die Nivellierung von Minderheiten oder geknechteten Mehrheiten aus ist. Hier werden dann ein bestimmter Menschentyp mit Staatsinhalt und Staatsziel vermischt. Der Staat schafft sich mittels verschiedener Operationen des 'social engineering' ein Einheitsvolk (man betrachtete die Folgen der französischen Revolution und das Vorgehen der Nationalsozialisten). Die Identifizierung von Staat und Volk gleicht so einer Einladung zum Staatsvolksuniformismus. Diese Folgerung ist nicht zwingend - doch bewahrheitet sie sich immer wieder. Der Staat ist aber ein dem Allgemeinwohl (bonum commune) in letzter Instanz dienendes, autoritätsbesitzendes gesellschaftliches Machtorgan, das grundsätzlich nicht auf einer bestimmten Identifizierung mit einem Staatsvolk beruht und beruhen muss.
Samstag, 8. Dezember 2007
Augustinus: Deine Sehnsucht ist dein Gebet
Zum 2.Advent stelle ich hier eine in der Adventszeit angesetzte Lesung aus dem Lektionar der Lesehore vor. Es handelt sich Auszüge aus einer Auslegung des Hl.Augustinus zu Psalm 38 (37):Es gibt ein anderes "Beten ohne Unterlaß", ein inneres Beten: die Sehnsucht. Was immer du tust - wenn du nach jener Sabbatruhe verlangst, dann betest du ohne Unterlaß. Willst du ohne Unterlaß beten, dann höre nicht auf, dich zu sehen. Dein Sehnen ohne Unterlaß ist deine ununterbrochene Stimme. Du schweigst, sobald du aufhörst zu lieben. Wer ist es, der schweigt? Die, von denen es heißt: "Weil die Gottlosigkeit sich ausbreitet, wird die Liebe bei vielen erkalten." Erkaltete Liebe ist Schweigen des Herzens. Glut der Liebe ist lautes Rufen des Herzens. Wenn die Liebe immer bleibt, rufst du immerfort; wenn du immer rufst, sehnst du dich immerzu; wenn du die Sehnsucht hast, suchst du in deinem Herzen die Ruhe.
"All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir." Wie kann deine Sehnsucht vor ihm liegen, nicht aber dein Seufzen? Wie könnte das sein, wenn das Seufzen die Stimme der Sehnsucht ist? Darum sagt er: "Mein Seufzen ist dir nicht verborgen." Vor dir ist es nicht verborgen, wohl aber vor der Menge der Menschen. Der demütige Knecht Gottes scheint manchmal zu sagen: "Mein Seufzen ist dir nicht verborgen." Manchmal freilich scheint der Diener Gottes auch zu lachen; ist dann etwa die Sehnsucht seines Herzens erstorben? Nein, wenn sie aber auch noch im Herzen lebt, ist auch das Seufzen da; es dringt nicht immer an das Ohr des Menschen, aber niemals entgeht es dem Ohr Gottes.
Freitag, 7. Dezember 2007
Unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria
Nach: Hahn,Scott: Die Königin des Himmels. Maria suchen und finden. Augsburg 2004.Heute, am 8.12., begeht die Kirche das Fest der Empfängnis der Gottesmutter Maria, die vor jedem Schaden der Erbsünde bewahrt wurde. So lebte Maria von ihrer Empfängnis an im Stand der Gnade, und so konnte der Engel noch vor der Geburt Jesu zu ihr sagen: "Sei gegrüßt, du Begnadete". Maria steht hier gewissermaßen spiegelbildlich für Eva, wie Kardinal Newman erläutert: "Wenn Eva durch die Einwohnung jener geistlichen Gabe, die wir Gnade nennen, über die menschliche Natur erhoben war, ist es dann kühn zu behaupten, Maria habe noch größere Gnade empfangen? ... Wenn aber Eva diese übernatürliche innere Gnade vom ersten Augenblick ihres persönlichen Daseins an zuteil wurde, können wir da noch leugnen, auch Maria habe vom allerersten Augenblick ihrer persönlichen Existenz an diese Gabe besessen?". War es nicht gebührend, dass Christus von einer sündlosen Mutter geboren wurde? Wieder Newman: "Maria hatte nicht nur einen auffälligen Platz im Plan Gottes. Das Wort Gottes kam nicht nur zu ihr und ging von ihr aus. Es ging nicht nur durch sie hindurch, so wie er uns in der heiligen Kommunion heimsucht. Der Ewige Sohn nahm nicht nur einen himmlischen Leib an ... Nein, er nahm ihr Blut und ihre Substanz in sich auf und vereinigte beides zutiefst mit seiner göttlichen Person. Durch die Menschwerdung aus ihr erhielt er auch ihre Züge und ihre äußere Gestalt als die Erscheinung, in der er sich der Welt offenbaren sollte. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit ihr war von ihm zweifellos bekannt, daß er ihr Sohn war ... War es nicht gebührend, daß sie der Ewige Vater durch eine überragende Heiligung auf diesen Dienst vorbereitete?
Das Fest der Unbefleckten Empfängnis ist seit dem 4.Jahrhundert bezeugt. Der Hl.Augustinus führt etwas später an, dass alle gesündigt haben, "außer der heiligen Jungfrau Maria, über die wir zur Ehre des Herrn, nicht sprechen sollen, wenn wir uns mit Sünden befassen. Wie sollten wir schließlich wissen, welch großes Maß an Gnade ihr für den vollständigen Sieg über die Sünde zuteil wurde, ihr, die den Vorzug hatte, den zu empfangen und zu gebären, der, wie alle zugeben, ohne Sünde war." Im Osten entstand so für Maria der schöne Ausdruck Panagia, All-Heilige; denn alles an ihr ist heilig.
Dennoch war die Frage der Unbefleckten Empfängnis nicht unumstritten, bis Pius IX. erklärte, "daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde bewahrt wurde." Das einmalige bewahrt-werden vor der Erbsünde hängt also mit der einmaligen Menschwerdung Gottes zusammen. Es handelt sich um ein Werk Gottes, nicht ein Werk Mariens. Schon die unbefleckte Empfängnis ist eine Frucht der Erlösung, die Christus erwirken sollte. Marias Erlösung bestand in einem Akt der Bewahrung, wie Gott auch heute erlöst und bewahrt. Im Akt der Schöpfung erlöste Jesus Christus seine Mutter Maria von jedem Schaden ihres Mensch-Seins und jeder Empfänglichkeit für die Sünde. Sie ist ein Geschöpf, doch sie ist auch seine Mutter; und Jesus hat das Gebot, die Mutter zu ehren, vollkommen erfüllt. Er ehrte sie auf eine einzigartig schöne Weise.
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Nation, Rasse und der katholische Christ
Der Nationalsozialismus hat im Namen von Volkstum und Rasse ungeheure Dummheiten und Verbrechen begangen. Seine ihn überlebenden linken Konkurrenten setzen sich daraufhin in den Kopf den Begriff "Nation" abzuwerten und stattdessen die Gleichheit aller Menschen zu verkünden, inklusive einer Abschaffung des Patriotismus und des nun bösen Wortes "Reich". Allerdings sind Nationen nunmal greifbare Realitäten, deren Vielfalt Gott zugelassen hat. Der Begriff der Nation ist heute sehr unscharf (mal mehr im Sinn von Staatsvolk, dann eher ethnisch), "reine" Rassen existieren sowieso nicht, auch Völker setzen sich vielfach aus Stämmen zusammen. Eine deutsche Rasse gibt es nicht. "Rassenmerkmale" sind in Europa sowieso nicht mit den Staats- und Volksgrenzen identisch. Wer Religion und Weltanschauung aus Ethnie oder Rasse herleiten will, wird scheitern, allerdings gibt es durchaus äußere und Temperamentsmerkmale, die etwa den Süd- vom Nordeuropäer unterscheiden.Mittwoch, 5. Dezember 2007
J.H. Newman: Unfehlbarkeit

2. Das allgemeine Konzil ist oberster Exponent des Lehramtes, der Papst wiederum kann als Exponent des Konzils auch alleine unfehlbare Lehren formulieren, wenn (1.) er als Lehrer der ganzen Welt (2.) im Namen und mit der Autorität der Apostel spricht und (3.) der Gegenstand die Glaubens- oder Sittenlehre betrifft. Außerdem muss er (4.) jedes Glied der Kirche verpflichten wollen seine Entscheidung anzunehmen und zu glauben.
Samstag, 1. Dezember 2007
Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.: Advent - "Dein Reich komme"
Worauf warten wir eigentlich im Advent? Auf Christi erste Ankunft? Sie liegt hinter uns. Auf seine zweite Ankunft? Wir fürchten sie, wir wünschen sie nicht. Auf Weihnachten? Das Warten auf das Fest ist aus einem religiösen zu einem kommerziellen Vorgang geworden, der hernach durch einen anderen abgelöst wird. So scheint es, daß der Christ auf nichts wartet; daß die christliche Hoffnung ein leeres Wort ist und eben deshalb dem Gesetz des Vakuums folgt, sich von anderen Hoffnungen her auffüllen zu lassen.Aber haben wir wirklich nichts zu erwarten? Es gibt Menschen, die noch vor Christus leben: denen der Gott noch nie begegnet ist, der unsere Leiden nicht heilt, indem er es beseitigt, sondern indem er es mitleidet; der das Unrecht der Welt dadurch überführt, daß er selbst unter die Opfer der Ungerechtigkeit tritt. Es gibt Menschen, die nach Christus leben - die ihn gesehen haben und weggegangen sind. Ist es nicht seliger "vor" als "nach" Christus zu leben? Darf seine erste Ankunft je einfach "hinter uns" liegen? Bleibt sie nicht in einem sehr tiefen Sinn immer "voraus"? Müssen wir nicht in Wahrheit ein Leben lang auf sie zugehen, und sollte der Advent uns nicht dazu helfen, auf diesem Wege zu bleiben? So könnte uns allmählich auch sichtbar werden, daß Warten auf die erste und auf die zweite Ankunft Jesu Christi im tiefsten ein und dasselbe ist. Beides bedeutet zuletzt nichts anderes als das Eintreten in die innere Dynamik der Bitte "Dein Reich komme".
(Benedikt XVI./Joseph Ratzinger: Berührt vom Unsichtbaren, Freibrug 2005, S.363)

