Sonntag, 24. Februar 2008

Der neue Atheismus: Die Brights und der Naturalismus

In dem sich langsam wieder legenden Wirbel, den das Buch "Gotteswahn" von Richard Dawkins verursacht hat, trat erstmals eine Bewegung in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, die sich "Brights" nennt ("Helle", "Leuchtende"). Es gibt sie mittlerweile, wenn auch nicht unbedingt in gewaltiger Größenordnung, in den meisten westlichen Ländern. Was ist nun ein Bright? Orientiert man sich an den Ausführungen unter http://brights-deutschland.de/ gibt es drei Komponenten, die einen Bright ausmachen:
- Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild.
- Das Weltbild eines Bright ist frei von übernatürlichen und mystischen Elementen.
- Die Ethik und Handlungen eines Bright basieren auf einem naturalistischen Weltbild.

Ganz klar im Zentrum steht demnach das, was man ein naturalistisches Weltbild nennt. Der zweite und der dritte Punkt erläutern ja nur den ersten. Was versteht man nun unter einem naturalistischen Weltbild? Methodisch bedeutet Naturalismus, dass die Wirklichkeit nur mit der Naturwissenschaft erklärt werden kann. Alle Formen der Vernunft gründen gemäß dem Naturalismus auf den Naturwissenschaften. Daraus ergibt sich, dass nur das, was in den Bereich der Naturwissenschaften fällt, wirklich ist. Das Wirklichkeitsverständnis wird durch die als grundlegend erachtete Naturwissenschaft bestimmt, so behauptet etwa der physikalische Naturalismus alle mentalen Erlebnisse seien mit physikalischen (neurobiologischen) Prozessen und Zuständen identisch.
An einer derartiges Weltbild ergeben sich aber Anfragen.
1)Wenn es etwa nur die empirisch fassbare Wirklichkeit gibt, was ist dann mit der Welt der unmittelbaren, inneren Erfahrungen (etwa Schönheit) oder der Gefühle? Existenz kann man ihnen offenbar nicht absprechen. Wenn also auch sie zur Wirklichkeit gehören - sie sind ja erfahrbar - , dann ist nicht einzusehen, warum sie nicht in nachprüfbaren Aussagen formuliert werden sollten. Man kann doch zum Beispiel echte und unechte Gefühle von einander unterscheiden. Es ist demnach durchaus möglich rationale, nachprüfbare Aussagen über naturwissenschaftlich nicht fassbare Phänomene zu treffen.
2) Zum anderen setzt schon naturwissenschaftliches Arbeiten Sinnzusammenhänge voraus, die empirisch nicht fassbar sind: (mathematische) Wahrheit, Logik ... Diese bieten echte Gewißheiten und sind zum wissenschaftlichen arbeiten unerlässlich.
3) Schließlich erhebt sich die Frage: Gibt es überhaupt empirisch gesicherte allgemeine Sätze? Gibt es in der Empirie nicht immer nur eine Summe von Einzelfällen, so dass man sich nicht auf diese Beschränken darf, denn wer allgemeine Fragen entscheiden will und muss hat bei einer nur empirischen Entscheidungsgrundlage niemals genügend Daten und Fakten zur Hand, sondern immer nur einen minimalen Ausschnitt, über den er gezwungen ist, hinauszugehen.
Fazit: In dem Moment, wo der Naturalismus zulässt, dass nicht nur Sinnesdaten für die Erklärung der Wirklichkeit maßgeblich sind, ist er kein Naturalismus mehr. Er kann etwa das Christentum, das seine Existenz an historischen Ereignissen wie dem Leben und Sterben Jesu Christi festmacht, nicht einfach abschreiben, weil es selbst keine naturwissenschaftliche Theorie ist und nach seinem Selbstverständnis auch gar nicht sein will. Die etwas herablassende Art und Weise, wie sich Brights daher gelegentlich über das Christentum äußern, ist ganz fehl am Platz - grade gegenüber einer Religion wie dem Christentum, das sich jedenfalls in seiner katholischen Variante stets mit großer Anstrengung um eine rationale Durchdringung des Glaubens und der Wirklichkeit bemüht hat. Es ist nicht unbedingt der näher an der Wahrheit, der sich mit dem zufrieden gibt, was ihm direkt vor Augen liegt.
Verwendete Literatur : LThK III, Artikel 'Naturalismus' (Friedo Ricken); Leo Card. Scheffczyk: Die Theologie und die Wissenschaften. Aschaffenburg 1979.

2 Kommentare:

Ludwig Windthorst hat gesagt…

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an eine Physikstunde in der Oberstufe, wo der Physiklehrer das Thema "naturwissenschaftliches Weltbild" anschnitt. Er machte den Schülern, von denen einige sich heute wohl Brights nennen würden, klar, dass die Physik ein solches Weltbild nicht begründen kann. Die waren etwas verunsichert nach der Stunde.

KJ hat gesagt…

Man sollte sie noch viel mehr verunsichern ;-). Das naturalistische Weltbild ist tatsächlich eine ziemlich oberflächliche Angelegenheit. Da man aber nicht von jedem Bürger mit einem anständigen Beruf verlangen kann, sich ständig mit solchen Fragen zu beschäftigen, wäre es wichtig, das so etwas tatsächlich öfter in der Schule oder auch mal bei kirchlichen Bildungsveranstaltungen angeschnitten wird. Ansonsten schämen sich unsere Christen heimlich und kommen sich so vor, als würden sie etwas völlig überholtes vertreten - obwohl das mitnichten der Fall ist.