Schließlich kommt der böse Feind und möchte dich zum Zweifel an Gottes Treue verleiten, indem er dir einflüstert: 'Es ist aus mit dir!' Was soll da der Mensch tun? Er soll alles, was ihn bedrückt, gänzlich in Gott hineingeben. Wirf deinen Anker in Gott hinein! Wenn die Schiffsleute in Not sind und zu kentern meinen, werfen sie den Anker in den Grund des Rheins, und das hilft ihnen. Ebenso lasse der Mensch, wenn der bösen Feind über ihn kommt, sei das innerlich oder äußerlich, und versucht und bedrückt, alles (außer Gott), ergreife den Anker werfe ihn in den Grund, das heißt, er setze sein volles Vertrauen und Hoffen auf Gott. Die Schiffsleute lassen Ruder und Steuer aus der Hand und greifen nur nach dem Anker. So sollst auch du tun, in welche Not des Leibes und der Seele du auch kommen magst. Wie der Mensch sich durch ständiges Üben die anderen Tugenden aneignet, so sollte er auch das vertrauen in Gott einüben lernen. Das würde ihm an seinem Ende zur Hilfe werden. Gott trauen heißt, daß der Mensch aus dem Grunde einer demütigen und liebenden Gesinnung anerkennt, daß er aus sich nichts vermag und daß er, tief überzeugt, sich ganz in die helfenden Hände Gottes fallen läßt. Und er soll diese Übergabe an Gott aus fröhlichem Herzen vollbringen; denn 'Gott liebt den fröhlichen Geber'. Denn mußt du nicht völlig dem vertrauen, der dir so unzählbar viele Wohltaten erwiesen hat? Schon bevor du geboren wurdest, wußte er um deine Schwächen und Anfälligkeiten, wußte, daß du sündigen wirst, und sah von Anfang an, wie du deine Sünden tilgen kannst, insbesondere durch Seinen in Würde erlittenen Tod. Tut Er dir nicht, davon abgesehen, noch heute alle Tage und alle Stunden ohne Unterlaß so viel Gutes, daß man es gar nicht zählen kann? Fasse also den herzhaften Entschluß, dich von deiner Verzweiflung abzuwenden und dich Gott zuzuwenden! Achte auf die Besonderheit dieser Versuchung: Solange du zögerst, ob du (dich Gott ganz übergeben) sollst oder nicht, läßt der Feind nicht von dir ab, ja da bist du ihm schon fast unterlegen. Willst du ihn aber überwinden, vollziehe mit wachem, mutigem Gemüt eine ganze Abkehr (von deiner Sorge um dich selbst).
[Ein] Mensch, der sich einmal vom bösen Feind überwinden läßt, ... hätte doch so tüchtige Waffen: den heiligen Glauben, das heilige Sakrament, das Wort Gottes, das Vorbild aller guten Menschen und das Gebet der heiligen Kirche.
Sonntag, 3. Februar 2008
Johannes Tauler - Lebensübergabe auf katholisch
Aus: Johannes Tauler - Gott in Dir. Taulers spirituelles Programm. Übertragen und eingeleitet von Eugen Rucker. Bonn (nova & vetera) 2005.
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