Man gibt ihm seine Kleider wieder, und das Kreuz wird ihm gebracht. "Gegrüßt, o Kreuz", sagt Jesus, "das ich so lange begehrt!" Und du, o Christ, betrachte und erbebe! O feierlicher Augenblick, in dem Christus zum erstenmal das ewige Kreuz umfasst! O Baum des Paradieses, an diesem Tage erfüllt!
Betrachte Sünder, und sieh, wie weit es deine Sünden gebracht haben. Kein Verbrechen gibt es mehr, ohne daß ein Gott darauf ist, und kein Kreuz mehr ohne Christus. Wohl ist das Unglück des Menschen groß, aber wir dürfen nichts mehr dagegen sagen, denn Gott ruht darauf, er, der nicht gekommen ist, auszulegen, sondern zu erfüllen.
Jesus empfängt das Kreuz, wie wir die heilige Eucharistie empfangen: "Wir geben ihm Holz für sein Brot", wie es beim Propheten Jeremias heißt. Ach, wie ist das Kreuz lang, wie ungeheuer ist es und wie schwer! Wie hart ist es! Wie starr! Wie drückend das Gewicht des unnützen Sünders! Wie lang muß man es tragen, Schritt für Schritt, bis man darauf stirbt! Und du will das alles alleine tragen, Herr Jesus?
Mach nun auch mich geduldig unter dem Holze, von dem du willst, daß ich es tragen soll. Denn wir müssen das Kreuz tragen, ehe es uns trägt.
Paul Claudel: Kreuzweg


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