Ein kleiner Blick über den großen Teich. [Die geneigte Leserschaft muss übrigens nicht fürchten, ich würde sie nun ständig anstelle der Gedanken wirklich schlauer Leute mit meinem eigenen Ideen belästigen, aber und zu ist das vielleicht doch zumutbar...]
Mike Huckabee. Einer von zwei Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, der noch im Rennen ist. Huckabee stammt aus Arkansas, wo er 1955 in einfache Verhältnisse geboren wurde. 1974 heiratete er seine Frau Janet und wurde später Pastor in der Southern Baptist Church. Von 1989-1991 war er Präsident der Arkansas Baptist State Convention. In höchste politische Ämter stieg Huckabee auf, als er 1993-1996 das Amt des Vizegouverneurs seines Heimatstaates Arkansas bekleidete. Von 1996-2007 war er Gouverneur von Arkansas, dies war die längste Amtszeit eines republikanischen Gouverneurs im an sich von den Demokraten dominierten Arkansas. Huckabee ist der Kandidat der religious right. Eine Gruppe, die in Deutschland politisch kaum wahrnehmbar ist, in den USA aber einen Machtfaktor darstellt, wie grade an Huckabees Erfolgen gesehen werden kann.
Huckabee ist ein Kandidat aus der Provinz, mit den Vorteilen und Nachteilen, die das mit sich bringt. Einerseits wird er relativ wenig mit dem von vielen ungeliebten Polit-Betrieb in Washington in Verbindung gebracht, andererseits fehlt ihm das Geld, dass die alteingesessenen Polit-Größen wie McCain und Romney (dieser ja auch persönlich) für ihren Wahlkampf zur verwenden können. Daher beruht dieser stark auf Mund-zu-Mund-Propaganda, was aber wohl seinen eigenen Charme entwickelt hat. Huckabee gilt als humorvolle und smypahtische Erscheinung, er wirkt authentisch - etwa im Gegensatz zum Romney.
Das die Waagschale der republikanischen Vorwahlen sich noch zu seinen Gunsten wendet ist unwahrscheinlich. Allerdings scheint ein nicht geringer Teil der Stimmen, die sonst auf den mittlerweile ausgestiegenen Romney entfallen wären an Huckabee zu gehen, auch die Anhänger des schon früher ausgestiegenen Fred Thompson dürften sich bei ihm am ehesten zu Hause fühlen. Wie dem auch sei und auch wenn es am Ende nicht für die Nominierung reichen sollte: Huckabee kämpft gut, kommt sympathisch rüber und hat sehr ordentliche Ergebnisse, besonders in den Südstaaten. Und das bei seinem begrenzten Budget. Er scheint seine Möglichkeiten wirklich auszuschöpfen.
Politisch verkörpert er die klassischen Positionen der christlichen Rechten in den USA, der sogenannten Sozialkonservativen:
- Pro: Irakkrieg und für die Truppenaufstockung 2007
- Pro: Todesstrafe
- Pro: Evolutionstheorie/Intelligent Design/Kreationismus an den Schulen
- Pro: Verstärkter Grenzschutz
- Contra: gleichgeschlechtlichen Ehe oder eingetragener Partnerschaft
- Contra: Schwangerschaftsabbrüche
- Contra: strengere Waffengesetze
- Contra: Guantanamo-Bay
- Contra: Liberale Einwanderungspolitik
In sozialen und wirtschaftlichen Fragen positioniert Huckabee sich gemäßigt. Man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, dass Huckabee seine Wählerschaft besonders aus den Evangelikalen rekrutiert. Aber auch aus katholischen Kreisen wird er unterstützt. Zu einem Papier, das die Katholische Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten herausgegeben hat gibt es bei Huckabee größere Überschneidungen als zu wohl allen anderen Kandidaten. Trivial, aber ganz interessant erscheint, dass er - während seiner Amtszeit als Gouverneuer - gut 45 Kg abnahm, da er in Diabetes erkrankt war.
Huckabees betont religiöse Positionierung ist nicht jedermann Sache, auch in den USA nicht. Aber sie findet doch nicht geringe Anhängerschaft und es scheint, als könne das Amt des Vizepräsidenten für ihn durchaus drin sein. Ich frage mich, warum das in Deutschland so überhaupt nicht geht. Es würde ja im Grunde als unmöglich empfunden. Die einzigen, die da ein wenig eine Ausnahme machen sind die Granden der CSU, wobei das dort oft schon ins Folkloristische abgeleitet. Als Bayer geht man in "Kirch", und wenn die CSU eines sein will, dann bayerisch. Naja, immerhin, da gibt es noch Bezüge. Doch dass der christliche Glaube noch eine Rolle in der Politik spielt - eigentlich kaum. Ein Erfolg für einen religiösen Bewerber wie Huckabee wäre undenkbar. Das liegt aber nicht (nur) an den "bösen Politikern" (ich kann das die-da-oben-Gewäsch nicht mehr hören), sondern meines Erachtens an einem Gesamt von drei Punkten:
1) Die CDU/CSU bindet immer noch viele christliche Wähler. Motto: "Lieber die als die anderen". Es gibt ja auch einige pointiert christlich-konservative Abgeordnete der CDU/CSU. Im ganzen erscheint die CDU/CSU aber viele eher als das geringste Übel im Bundestag und angesichts ihrer derzeitigen Entwicklung scheint der Grad des Übels immer größer zu werden. Doch können sich viele traditonell christliche Wähler von den C-Parteien schwer trennen, gleichzeitig vernachlässigen die C-Parteien das C.
2) Die Christen in Deutschland agieren relativ unauffällig. Man bekennt sich nicht oder kaum zu seinem Glauben, höchstens, wenn es nicht mehr anders geht. Das ist ein allgemeines Problem. Es kommt zu einem sich wechselseitig verstärkenden Phänomen. Gelebter Glaube verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung und auch aus der Politik. Mangels Identifikationsmöglichkeiten ist die Rückwirkung in die Gesellschaft die, sich religiös noch weiter zurückzunehmen. Ein Politiker der in Deutschland Wert auf seinen christlichen Glauben als Horizont und Motor seiner Entscheidungen legt, gilt schon als komische Figur, bevor man überhaupt weiß, was er will.
2) Die Christen in Deutschland agieren relativ unauffällig. Man bekennt sich nicht oder kaum zu seinem Glauben, höchstens, wenn es nicht mehr anders geht. Das ist ein allgemeines Problem. Es kommt zu einem sich wechselseitig verstärkenden Phänomen. Gelebter Glaube verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung und auch aus der Politik. Mangels Identifikationsmöglichkeiten ist die Rückwirkung in die Gesellschaft die, sich religiös noch weiter zurückzunehmen. Ein Politiker der in Deutschland Wert auf seinen christlichen Glauben als Horizont und Motor seiner Entscheidungen legt, gilt schon als komische Figur, bevor man überhaupt weiß, was er will.
3) Schlicht und ergreifend korrespondiert dem hohen Anteil der Getauften an der Gesamtbevölkerung keine dem entsprechende christliche Haltung in der Gesellschaft.
Alle drei Punkte durchdringen sich. Persönlich bin ich immer noch der Auffassung, dass das Wählerpotenzial bewusster und praktizierender Christen groß genug ist und bleibt um sich politisch Gehör zu verschaffen. Allerdings scheinen zur Zeit sowohl Personen und Strukturen dafür zu fehlen.
Webpräsenz der Huckabee-Kampagne

1 Kommentare:
So, danke für Deine Erläuterungen zu Huckabee - im Zweifelsfall solltest Du meines Erachtens ganz sicher häufiger mal selbst in die Tasten hauen. :)
Zu Huckabee: Das Problem bei einem "extremeren" Kandidaten ist sicher immer (nicht nur in den USA), daß er bei den Unentschlossenen wenig reißen kann. Es sei denn, er ist ein Charismatiker wie seinerzeit Reagan, und das ist H. wohl nicht.
Meine Hoffnung ist, daß dieser Abschreckungseffekt umgekehrt (also von links) bei Hillary C. greift - auf das wieder einmal eine Kandidatin von der deutschen liberalen Presse schöngeschrieben worden wäre, die es dann eben letztlich scheitert. :) Wie Sego.
Und um das zu schaffen, wäre McCain sicher der bessere Mann. Außerdem kann es nicht schaden, wenn es erstmals seit Nixon wieder einen Präsidenten mit außenpolitischen Interessen und Erfahrungen gäbe.
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