Mittwoch, 19. März 2008

Kreuzweg: 10.Station - Jesus wird seiner Kleider beraubt

Da ist nun die Tenne, wo der himmlische Weizen geschrotet wird. Der Vater ist entblößt, der Schleier des Tabernakels ist weggerissen. Die Hand ist an Gott gelegt, das Fleisch des Fleisches erzittert. In seinem Grunde bedroht, erbebt das Waltall bis in seine innersten Eingeweide! Wir aber wollen, da man ihm das Gewand und den Rock ohne Naht genommen hat, unsere Augen erheben, wollen es wagen, Jesus den ganz Reinen, zu betrachten.
Nichts haben sie dir gelassen, Herr, alles haben sie dir genommen. Sogar das Kleid, das am Fleische klebt, so wie sie heutzutage dem Mönch seine Kutte entreißen und der gottgeweihten Jungfrau ihren Schleier. Alles haben sie ihm genommen, es bleibt ihm nichts mehr, sich zu bergen, nichts, um sich zu verteidigen. Nackt wie ein Wurm ist er allen Menschen ausgeliefert und zur Schau gestellt... Was, das ist euer Jesus? Er reizt ja zum Lachen! Er ist bedeckt von Schlägen und Unrat, er gehört zu den Verrückten und ins Polizeigewahrsam. Tauri pingues obsederunt me. Liber ame, Domine, de ore canis. Er ist nicht der Christus, Er ist nicht der Sohn des Menschen. Er ist nicht Gott. Sein Evangelium ist Lüge, und sein Vater ist nicht im Himmel. Er ist ein Narr! Ein Betrüger! Heißt ihn doch reden! Heißt ihn doch schweigen! Der Knecht des Annas gibt ihm einen Backenstreich, und Kenan küsst ihn ... Sie haben alles genommen. Aber es bleibt das scharlachfarbene Blut. Sie haben alles genommen. Aber es bleibt die aufbrechende Wunde. Gott ist verborgen. Aber es bleibt der Mann der Schmerzen. Gott ist verborgen. Es bleibt mein Bruder voller Tränen.
Durch deine Verdemütigung, Herr, durch deine Schmach, habe Mitleid mit den Besiegten, mit dem Schwachen, den der Starke überwältigt. Durch die Schauerlichkeit dieses letzten Kleides, das man dir entrissen, habe Mitleid mit allen, die man zerreißt: mit dem dreimal operierten Kinde, dem der Arzt Mut zuspricht, mit jenem armen Verwundeten, dessen Verband man erneuert, mit dem gedemütigten Gatten, mit dem Sohn neben seiner sterbenden Mutter und mit dieser furchtbaren Liebe, die wir uns aus dem Herzen reißen müssen.

Keine Kommentare: