Freitag, 21. März 2008

Triduum Paschale II: Karfreitag

Man hat es eilig: Schon früh machen sich die Hohenpriester mit ihrem Gefolge auf und bringen den in ihrer Hand befindlichen Jesus zum Palast des römischen Statthalters Pontius Pilatus. Sie haben vor, von ihm ein Todesurteil zu erwirken, das sie selbst nicht verhängen dürfen. Offenbar verbreitet sich die Nachricht von der Verhaftung Jesu wie ein Lauffeuer in der Stadt. Die Leute strömen vor dem Palast des Pilatus zusammen als Jesus und seine Anklänger erscheinen. Was mag sie antreiben, Hannas, Kajaphas und ihre Leute? Schutz dessen, was ihnen heilig ist? Machtbesitz? Vermutlich eine Verbindung aus beidem.
Pilatus kommt zu den Hohenpriestern heraus, da diese für das kommende Passah unrein würden, wenn sie seinen (heidnischen) Palast betreten würden. Pilatus gibt sich gegenüber den Hohenpriestern zuerst distanziert, aber offenbar kennt er Jesus. Er weiß, dass von ihm als dem "König der Juden" gesprochen wird. Als die Hohenpriester dann das Todesurteil verlangen verhört er Jesus allein. Jesus tritt ihm, trotz des nahenden Todesurteils, mit großer Ruhe entgegen. Alle Anschuldigungen könenn ihn nicht reffen, denn er bezieht seine Ehre, seine Kraft und Sendung von seinem Vater im Himmel. Pilatus kann keine Schuld an Jesus finden - welche Gefahr für seinen Bereich, die Ordnung des Staates, soll von jemandem ausgehen, der sich nicht verteidigen lässt und der selbst sagt, er sei zum Zeugnis für die Wahrheit gekommen, doch sein Reich sei nicht von dieser Welt? Pilatus versucht es also mit einem Kompromiss. Da er jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen freilässt, schlägt er dem Volk vor, er könne ja Jesus, der derweil im Palast des Pilatus wartet, freilassen. So könnte er einerseits die Hohenpriester zufrieden stellen, indem er Jesus schuldig spricht, andererseits aber einen letzten Rest Gerechtigkeit wahren, denn er hält Jesus für unschuldig. Doch auf diese Finte lässt sich niemand ein. Barabbas, ein aufrührerischer Straßenräuber - dieser tatsächlich ein Feind des römischen Reiches - er ist es, den das Volk aus dem Kerker geholt haben will. Was für ein Sinnbild - man schickt den Erlöser ans Kreuz, doch den Räuber holt man aus dem Kerker. Pilatus lässt Jesus daraufhin geißeln. Vermutlich wollte er damit die jüdischen Führer zufrieden stellen. Wieder kommen die barbarischen Triebe derer zum Vorschein, in deren Hand Jesus gegeben wird. Sie schlagen ihn, spucken ihn an, stechen ihn, verhöhnen ihn. Und dann geißeln sie ihn. Das Blut fließt, die Wunden überziehen seinen Körper während der angebundene Jesus einen Schlag nach dem anderen mit den Geißeln ertragen muss. Entkräftet, blutig, am Ende seiner Kräfte wird er wieder dem Volk vorgeführt - zum Hohn mit Dornenkrone und Purpur. Doch dieser Hohn kündet von Ferne die Wahrheit. Hier steht nicht ein König, wie ihn sich das Märchen wünscht, kein strahlender Held aus Sagen, Legenden, heidnischen Mythen - hier steht der wahre König der Welt: Geschlagen, bespuckt, verspottet. Doch ein König. Ein wahrer König, vielleicht der einzige wahre König. Hier steht einer, der bereit ist, für das zu leiden, wofür er steht, der ganz und gar davon erfüllt ist, den Willen Gottes zu tun. Nicht, dass ihm Spott, Qual und Unglaube nichts ausmachen würde - doch es geht ihm nicht um menschliche Ehre, sondern um Gottes Ehre. Es geht darum, das Werk der Erlösung zu vollenden. Nichts kann ihn davon abhalten, er ist bereit sich für das Heil der Welt zu opfern.
Als Jesus dort nun also steht, erbarmungswürdig zugerichtet, ist es noch nicht genug: 'Crucifige' - Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm! schallt es aus der Menge. Jesus steht dort, wehrlos, den Blicken der Menge und dem Geschrei, das seinen Tod fordert ausgeliefert. Pilatus ist unentschlossen. Im Grunde ist Jesus ihm egal, aber ein Funken römischen Gerechtigkeitssinns lebt wohl doch in ihm. Die Hohenpriester aber wollen ihr Werk vollenden und Jesus ein für alle mal aus dem Weg räumen - er muss sterben. Wie schon der Hohepriester Kajaphas prophezeit hatte: "Es ist besser ein Mann stirbt für das ganze Volk, als dass das ganze Volk verdirbt." Wie recht auch er hatte. Doch wie anders seine Worte wahr sind, als er es meinte.
Die Ankläger legen nach: 'Er hat sich Sohn Gottes genannt'. Er muss sterben. Ein Hauch von Angst weht Pilatus an. Was wenn es stimmt? Was, wenn dieser so undurchschaubare und geheimnisvolle Mann, den er foltern ließ und den er hinrichten lassen soll, tatsächlich der Sohn Gottes sein sollte? Pilatus steht kurz davor, Jesus laufen zu lassen. Die jüdischen Würdenträger merken, dass es knapp wird. Sie ziehen den letzten Trumpf. Sie lassen rufen: "Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf". 'Freund des Kaiser' war ein römischer Ehrentitel über den man verfügen sollte, wenn man Karriere machen wollte. Die Drohung, dass er ihn verlieren oder gar nicht erst erhalten könnte, dreht die Lage. Was soll's? denkt sich Pilatus. Ist doch wohl ehe nur ein verrückter Wanderprediger. Sollen sie ihn haben! Er überlässt Jesus wieder den Hohenpriestern und gibt Anweisung ihn zu kreuzigen.
Nun bringt man Jesus nach Golgota, was Schädelhöhe bedeutet. Dort wird er, der Herr, ans Kreuz geschlagen und an seinem Marterwerkzeug erhöht. Zum Hohn, und als Reizwort für die Hohenpriester hat Pilatus ein Schild oben am Kreuz anbringen lassen: "Jesus von Nazareth, der König der Juden". Es ist noch immer am Morgen als der Heiland mit zerschundenem Leib, seiner Kleider beraubt am Kreuz auf Golgota am Kreuz hängt. Einzig seine Mutter und der Apostel Johannes sind am Ort des Geschehens. Wie muss er sich fühlen, der Gottessohn? Ans Kreuz geschlagen, ohne Schuld? Verlassen, wo er nie jemanden verließ?
Hier nun am Kreuz erfüllen sich die letzten Prophezeiungen - um seine Kleider wird das Los geworfen. Man gibt ihm Essig zu trinken. Doch das Ungeheurliche geht nicht spurlos an der Schöpfung vorbei. Als Jesus drei Stunden am Kreuz hängt, es ist die zwölfte Stunde, kommt eine Finsternis über das Land. Um die neunte Stunde schreit Jesus auf - und stirbt. Er, der Quell allen Lebens, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, er ist tot.
"Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heilien, die entschlafen waren, wurden auferweckt.Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!" (Mt 27)

Des Königs Fahne tritt hervor, das Kreuz steigt aus der Nacht empor,
an dem das Leben für uns starb und Leben durch den Tod erwarb.

Verwundet hing der Herr daran, aus der durchstochnen Seite rann,
vermischt mit Wasser, heilges Blut, zu löschen unsrer Sünden Glut.

Was David sah im hehren Bild, auf Golgotha hat sich's erfüllt;
das Kreuz ist des Erlösers Thron, vom Kreuz herab herrscht Gottes Sohn.

O schöner Baum, wie stehst du ganz, im königlichen Purpurglanz!
O edler Stamm, o hoher Wert, daß dich so heilge Last beschwert.

Du bist die Waage, welche hält, das Lösegeld der ganzen Welt,
an der die Siegesbeute prang, die Gott der Hölle abverlangt.

O Kreuz, durch das uns Hoffnung sprießt, in deinem Sieg sei uns gegrüßt!
Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat.

Dank sei dir, o Dreifaltigkeit, und Lob und Preis in Ewigkeit,
daß du durch Christi Kreuz und Tod uns hast erlöst aus jeder Not.

4 Kommentare:

Lamech hat gesagt…

Auch wenn in dieser Text für die Christen tief religiöse Züge trägt, so ist er dennoch ein Schlag ins Gesicht für jene Menschen die dem jüdischen Glauben angehören. Es ist bedauerlich das ein Mann wie Pilatus, der nun wirklich alles andere als gütig oder gnädig zu bezeichnen ist, so dargestellt wird, als wäre ihm Jesus egal gewesen. Wie kann das sein?
Die Juden wurden von den Römern unterdrückt, aber auch provoziert. Es brodelte an vielen Stellen des Reiches. Man fürchtete einen Aufstand der Juden. Und Jesus war gerade von den Römern als möglicher Anstifter eines solchen Aufstandes betrachtet worden.
Ich frage mich oft, wie ein offener Dialog zwischen den Religionen stattfinden soll, wenn noch immer behauptet wird, dass die Juden den Tod Jesu forderten.
Dabei ist der Dialog sehr wichtig. Das erkennt man schon an deinem Text. Kein Jude hätte den Tod eines Juden gefordert, der sich als Messias bezeichnet. In der Geschichte des Judentums gab es viele Männer, die dieses Privileg für sich beanspruchten. Vor und nach Jesus. Warum also sollte gerade er von uns ans Kreuz gebracht worden sein, wegen einer Behauptung, die nichts Außergewöhnliches darstellt?
Das NT ist voll von Aussagen, dass Jesus irgendwelche jüdischen Gesetze gebrochen oder nicht geachtet hätte. Aber das ist falsch. Er ist und bleibt seinem Glauben treu. Eine christlich religiöse Abgrenzung zum Judentum, sei durchaus erwünscht und auch notwendig. Aber muss dies nun wirklich stets zu Lasten des Volkes Israels geschehen?
Ein wenig mehr Verständnis für die Lehren des Judentums wäre meines Erachtens wünschenswert. Wer versteht, woran wir glauben, wird erkennen, das Jesus einer von uns ist.
Er lebte als Jude und starb als solcher. Getötet von den Römern, aber nicht von den Juden.
Als Messias verehrt von den Christen. So soll es sein, aber wenn möglich ohne Anklage in Richtung Judentum. Ein solches Denken passt nicht mehr in das 21. Jahrhundert.
Wir sollten eigentlich gelernt haben, dass Brüderlichkeit nur da entstehen kann, wo auch Verständnis herrscht.

Schabbat Schalom!

KJ hat gesagt…

Wir werden die einzelnen Vorgänge unmittelbar vor der Hinrichtung Jesu nie im Einzelnen rekonstruieren können. Dazu gehört auch die Haltung des Pilatus, der der Kreuzigung jedenfalls zugestimmt hat. Man kennt aber einen fast parallelen Fall, indem Pilatus den Angeklagten nicht hinrichten ließ (sondern "nur" geißeln). Dort hatte der Hohe Rat aber auch keine Hinrichtung verlangt. Es spricht viel dafür, dass er in der Regel die religiösen Strafen nach den Wünschen des Hohen Rates verhängte, der ja, wie wir wissen, ganz gut mit ihm zusammenarbeitete. Es scheint mir keine Belege dafür zu geben, dass die Juden mit der Hinrichtung Jesu nichts zu tun gehabt. Die Evangelien berichten übereinstimmend anders. Es gab auch in Jerusalem genügend Leute, die Grund hatten, vor der Lehre Jesu und ihrem wachsenden Einfluß Angst zu haben. Gewiß hat niemand seinen Tod betrieben, weil er sich "Messias" nannte, der Grund war der Titel "Sohn Gottes". Der steht bis heute zwischen Juden und Christen. Es versteht sich von selbst, dass man Juden späterer Generationen den Tod Jesu nicht anlasten kann. Aber ein Dialog zwischen Judentum und Christentum wird genausowenig wie die Untaten von Christen an den Juden ausblenden (da besteht wohl auch wenig Gefahr), wie eine bedeutende Mitschuld von maßgeblichen Kreisen des damaligen Judentums am Tod Jesu. Einen Menschen, der sich als Sohn Gottes bezeichnete, wollten sie nicht akzeptieren, konnten sie nicht akzeptieren. Das ist der Grund für seinen Tod und das ist auch der Grund, warum Jesus wohl stets Jude war, aber doch beanspruchte, die Offenbarung Gottes neu zu deuten und zwar abschließend und autoritativ. Nochmal: Jesus war und bleib Jude, daher verbindet uns Christen ein außergewöhnliches Band mit dem Judentum. Doch andererseits war er der Heiland und Sohn Gottes.

Lamech hat gesagt…

Du sprichst davon, dass es keine Belege gibt die darauf hinweisen, das „die Juden mit der Hinrichtung Jesu nichts zu tun gehabt haben“. Genauso gut kann man jedoch sagen, dass er keinerlei Belege gibt, die die andere Seite stützen. Eben jene, die behauptet, dass die Juden Schuld am Tode Jesu sind.
Du führst die Evangelien an. Das ist ok, immerhin bist du Christ. Darüber solltest du jedoch nicht vergessen, dass jene Schriften – also die Evangelien – nur für einen Christen von Bedeutung sind. Sie entsprechen deiner Sicht der Dinge (was auf einer christlichen Webseite auch logisch ist). Dennoch beinhalten sie nur einen Teil dessen, was sich Wahrheit nennt.
Und ich denke, man kann ruhig einmal eine andere Sicht der Dinge in betracht ziehen. So ist z.B. auch nicht hundertprozentig nachzuweisen, dass Jesus wirklich von einigen der Juden als Bedrohung betrachtet wurde. Seine Lehren waren nicht besonders außergewöhnlich. Wunderheiler, Propheten, aber auch Männer die mit dem Anspruch auftraten der Maschiach zu sein; es gab sie immer wieder.
Die Bezeichnung Sohn Gottes ist auch dem Judentum nicht unbekannt. Nur das im Christentum eine andere Bedeutung dahinter steckt. Eine die Jesus selbst wohl eher unbekannt gewesen sein dürfte, da er bekanntlich noch kein Christ war. Erst nach seinem Tode setzte sich ja allmählich jene Betrachtungsweise durch, aus der dann später das Christentum entstand. Das Besondere an der Person Jesu wird, so kann man es wohl sagen, erst von den Menschen zu Tage gefördert, die verzweifelt waren, weil ihr Rabbi am Kreuz gestorben war. Wieder eine Hoffnung auf Besserung die von den Römern zerschlagen wurde.
Diesen Menschen nun, die verzweifelt waren, ist der auferstandene Jesus erschienen. Jedenfalls berichten die Evangelien davon. Schriften, die lange nach dem Tode Jesu geschrieben wurden. Selbst wenn sich in ihnen der Titel „Sohn Gottes“ öfter findet als der des „Messias“, so ist dies lediglich Ausdruck und Bekenntnis jenes Glaubens, der allmählich in den Herzen der Menschen heranreifte.
Dass ich die Ereignisse um Jesus anders betrachte als du, muss ich wohl nicht besonders hervorheben. Allerdings verspüre ich keine große Lust mich mit dir darum zu streiten, wer von uns beiden nun Recht hat.
Es ist der jährlich Frust, der mich überkommt, wenn Christen Ostern begehen und die Juden als Menschen bezeichnet werden, die den Tod Jesu forderten. Erschreckend auch, das eben diese Behauptung über Jahrhunderte betrachtet jede Menge Leid verursacht hat. Selbst wenn die Unwissenheit der einfachen Menschen zu Massenmorden unter den Juden geführt hat, so kann es nicht unsere Aufgabe als Mensch sein, andere zu verurteilen. Noch dazu für etwas, was sie nicht getan haben.
„Die Juden“, das ist kein Satz der beruhigt, das ist schon fast eine leise Anklage. Und so etwas verletzt. Die christliche Religion wurzelt im jüdischen Glauben. Selbst wenn sich unsere Wege getrennt haben. So eint uns dennoch etwas: nämlich der Glaube an den einen Gott. Möge er entscheiden, ob das Leid oder das Heil von den Juden kommt…

In diesem Sinne Schalom!

KJ hat gesagt…

Ach, Lamech, was soll ich schreiben... Wir haben alles, was Jesus betrifft, nur in den Evangelien. Wenn diese für dich, als Nicht-Christ, nicht von Bedeutung sind, bleibt eigentlich vom Wissen über Jesus nichts übrig. Dass es in historischen Fragen keine 100% Wahrscheinlichkeit gibt, betrifft ja alle Ereignisse und Vorgänge.
Ich habe jetzt nicht den Elan auf alle Einzelheiten einzugehen. Sieh es mir bitte nach. Richte dir einen Weblog ein, dann können wir nach und nach ausführlicher diskutieren. Wenn dir aber wirklich etwas unter den Nägeln brennt, alss es mich wissen, dann bemühe ich mich darum, darauf einzugehen.