Samstag, 22. März 2008

Triduum Paschale III: Karsamstag

Jesus ist am Kreuz gestorben. Die Trauer bricht sich Bahn, während der Leichnam abgenommen wird. Maria, seine Mutter, die tapfer bis zum Schluß bei ihrem Sohn ausgeharrt hat, empfängt ihn aufs neue, sie birgt ihren zu Tode gemarterten Sohn in ihrem Schoß. Der Apostel Johannes ist da, ein paar entferntere Verwandte. Was muss in Maria vorgegangen sein, als sie ihn sah, als Pilatus ihn schon halbtot gegeißelt und zum Spott mit der Dornenkrone versehen vorführen ließ? Was, als sie ihn auf seinem Weg sah, als er schon zugrunde gerichtet das Kreuz nach Kalvaria schleppen musste? Was als sie die Schläge hörten, als die Nägel durch seinen Körer getrieben wurden? Was als er schrie? Was als sie das Kreuz aufgerichtet sah und ihren Sohn in seiner Qual daran? Sah sie den König der Welt, der erhöht über Jerusalem thront? Nein, sie sah ihren Sohn, von dem sie wusste, dass er von Gott stammt und dass er nichts getan hatte, weswegen man ihn kreuzigen dürfte. Nun darf Marias schneidender Schmerz in Trauer übergehen. Endlich hat die Marter ihres Sohnes ein Ende und sie kann ihn wieder in die Arme schließen. Maria ist eine tapfere Frau, aber eine Mutter wie jede andere auch. Das, was sie erlebt hat, muss unterträglich gewesen sein. Und doch hat sie standgehalten, ist ihrem Sohn bis unter das Kreuz gefolgt, während alle anderen weggelaufen sind.
Zwei Menschen, von denen in den Evangelien nur schattenhafte Umrisse deutlich werden treten nun hinzu: Josef von Arimathäa und Nikodemus. Josef, ein wohlhabender Jude mit guten Verbindungen in allerhöchste Jerusalemer Kreise, war ein Jünger Jesu, der sich aber nie öffentlich dazu bekannte, wohl, um seine gesellschaftliche Position nicht zu gefährden. Nikodemus, eine bedeutender Gelehrer, von Jesus einst als 'Lehrer Israels' angesprochen, hatte einst heimlich bei Nacht ein Gespräch mit Jesus über seine Lehre geführt, das nicht deutlich werden ließ, wie er sich selbst letztlich zu den Antworten Jesu verhalten würde. Nun kommen diese beiden Männer aus der jüdischen Führungsschicht. Josef erbittet von Pilatus den Leichnam Jesu und erhält ihn auch gleich. Josef und Nikodemus wollen ihm die letzte Ehre erweisen. Während des Prozesses haben beide geschwiegen, vermutlich hätten sie zumindest bei den Verhören vor den Hohenpriestern Einfluß nehmen können. Das haben sie aber offenbar nicht getan. Sie haben sich zurück- und rausgehalten. Nun sind sie da, nun, da Jesus tot ist. Zu spät? Vielleicht, wer mag das sagen. Aber gibt es ein zu spät? Vielleicht bedurfte es auch erst des Entsetzens darüber, was geschehen ist, um Josef und Nikodemus die Augen zu öffnen. Beide bestatten den Leichnam Jesu ehrfürchtig in dem Grab, das Josef für sich selbst vorgesehen hatte, Nikodemus bringt 100 Pfund einer Mischung aus Myrrhe und Aloe mit, mit denen Jesus gesalbt wird. Auch Maria wohnt dem Begräbnis bei. Dann wird das Grab verschlossen.
Die Trauer erfüllt den Sabbat, der sich nun anschließt. Die Frauen aus dem Gefolge Jesu beschließen, nach dem Sabbat zum Grab zu gehen, um den Leichnam Jesu die letzte Ehre dadurch zu geben, dass sie an seinem Grab all die Riten durchführen, die an seinem Todestag nicht möglich waren, da nicht viel Zeit zwischen der Kreuzabnahme und dem Beginn des Sabbats war.
Ob jemand an die Worte Jesu denkt "Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein" ? Oder daran wie, er sprach: "Reißt diesen Tempel nieder - in drei Tagen richte ich ihn wieder auf" und, wie der Evangelist schreibt, dabei "den Tempel seines Leibes meinte?"