Dienstag, 8. April 2008

Juan Donoso Cortes: Göttliche und weltliche Ordnung

In summa: Die weltliche Ordnung muss dem religiösen Glauben korrespondieren. Ohne eine Verankerung im Glauben ist keine zivilisatorische Ordnung möglich.

Meine Herren, die Zivilisation hat zwei Phasen; die eine will ich die bejahende nennen, weil in ihr die Zivilisation in Bejahung beruht; die ich auch Fortschritt nennen will, weil die Bewegungen, in denen sie beruht, Wahrheiten sind, und die ich schließlich auch als katholisch bezeichnen will, weil der Katholizismus es ist, der in seiner Fülle alle diese Wahrheiten und alle diese Bewegungen umfaßt. Im Gegensatz dazu besteht ein anderes Gesicht der Zivilisation, das ich negativ nennen will, weil es ausschließlich in Verneinungen beruht, die ich Niedergang, Dekadenz heißen will, weil diese Verneinungen Irrtümer sind, und die ich als revolutionär bezeichnen will, weil diese Irrtümer sich schließlich in Revolutionen umwandeln, die die Staaten verwandeln.
Nun gut, meine Herren, welches sind die drei Bejahungen dieser Zivilisation, die ich die der Bejahung, des Fortschritts und der Katholizität nennen will? Die drei Bejahungen sind die folgenden: in der Ordnung des Religiösen bejaht man, daß ein persönlicher Gott existiert (Lärm und Gelächter auf der Tribüne und auf der Linken) ... Es existiert ein Gott, und dieser Gott ist überall. Zweite Bejahung: Dieser persönliche Gott, der überall ist, regiert im Himmel und auf der Erde. Dritte Bejahung: Dieser Gott, der im Himmel und auf der Erde regiert, regiert absolut die göttlichen und menschlichen Dinge.
Nun gut, meine Herren: wo es diese drei Bejahungen in der religiösen Ordnung gibt, gibt es auch diese drei Bejahungen in der politischen Ordnung: es existiert ein König, der vermittelst seiner Agenten überall ist; dieser König, der überall ist, herrscht über seine Untertanen, und dieser König, der über seine Untertanen herrscht, regiert seine Untertanen. So daß also die politische Bejahung nichts anderes als die Folgerung aus der religiösen ist. Der politischen Einrichtungen, in denen sich diese drei Bejahungen darstellen, gibt es zwei: die absoluten Monarchien und die konstitutionellen Monarchien (...) Meine Herren, in diesen drei Bejahungen kommt die Periode der Zivilisation zum Abschluß, die ich die bejahende genannt, die ich die des Fortschritts genannt, die ich die katholische genannt habe.
(aus der "Rede über Europa", Januar 1850)

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