Montag, 14. April 2008

Juan Donoso Cortes: Zivilisation gründet im Christentum

Aus einer Rede vor dem spanischen Kongreß im Januar 1850

In summa: (1) Jede Zivilisation gründet im Christentum, welches in ihm die Autorität unverletztlich macht, den Gehorsam heiligt und das Opfer zur Göttlichkeit erhebt. (2) Eine idealtypische Entsprechung zwischen Priester und Soldat.

Jede wahre Zivilisation kommt aus dem Christentum. Das ist so gewiß, daß die gesamte Zivilisation sich wieder in der christlichen Zone gesammelt hat; außerhalb dieser gibt es keine Zivilisation, sondern alles ist Barbarei; und dies ist so gewiß, daß es vor dem Christentum keine zivilisierten Völker in der Welt gegeben hat, nicht ein einziges!
Kein einziges, meine Herren; ich sage, daß es keine zivilisierten Völker gegeben hat, weil das römische Volk und das griechische Volk keine zivilisierten Völker waren; sie waren gebildete Völker, was etwas ganz anderes ist. Die Kultur ist der Firnis, nichts anderes als der Firnis der Zivilisation. Das Christentum zivilisiert die Welt, indem es drei Dinge vollbringt: es hat die Welt zivlisiert, indem es aus der Autorität eine unverletztliche Sache machte, indem es aus dem Gehorsam ein Heiliges machte, indem es aus der Entsagung und dem Opfer oder, um es besser zu sagen, aus der Liebe eine göttliche Sache machte. Auf diese Weise hat das Christentum die Völker zivilisiert. Nun gut - und hier befindet sich die Lösung des großen Problems - , nun gut, die Ideen von der Unverletztlichkeit der Autorität, der Heiligkeit des Gehorsams und der Göttlichkeit des Opfers, diese Ideen befinden sich heute nicht in der bürgerlichen Gesellschaft, sie befinden sich in den Gotteshäusern, wo man den gerechten und barmherzigen Gott verehrt, und in den Feldlagern, wo man den starken Gott, den Gott der Schlachten, unter den Symbolen des Ruhmes anbetet. Deshalb, weil die Kirche und das Heer die einzigen sind, die die Begriffe der Unverletztlichkeit der Autorität, der Heiligkeit des Gehorsams und der Göttlichkeit der Liebe unbefleckt erhalten haben, deshalb sind diese zwei heutzutage die Repräsentanten der europäischen Zivilisation.
Ich weiß nicht, meine Herren, ob es Ihre Aufmerksamkeit erregt hat, wie es die meine erregte, die Ähnlichkeit, die fast völlige Gleichheit zwischen zwei Personen, die die gegensätzlichsten und verschiedenartigsten zu sein scheinen: die Ähnlichkeit zwischen dem Priester und dem Soldaten. Weder der eine noch der andere lebt für sich, weder der eine noch der andere lebt für seine Familie; für den einen wie für den anderen liegt der Ruhm im Opfer, in der Selbstverleugnung. Die Obliegenheit des Soldaten ist, für die Unabhängigkeit der bürgerlichen Gesellschaft zu wachen. Die Obliegenheit des Priesters ist, für die Unabhängigkeit der religiösen Gesellschaft zu wachen. Die Pflicht des Priesters heißt sterben, Leben geben wie ein guter Hirte seinen Schafen. Die Pflicht eines Soldaten als eines guten Bruders heißt, sein Leben für seine Brüder hergeben. Wenn Sie die Härte des priesterlichen Lebens betrachten, wird Ihnen das Priestertum als eine wahrhafte Miliz erscheinen, und es ist dies auch in der Tat. Und wenn sie die Heiligkeit des militärischen Dienstes betrachten, so erscheint Ihnen der militärische Dienst als ein wahres Priestertum. Was wäre die Welt, was wäre Europa, wenn es weder Priester noch Soldaten gäbe? (Langer Beifall.)

Kommentare:

Diego hat gesagt…

schade, dass in Zapateros Spanien Leute dieses Formats
Platz mehr haben....

KJ hat gesagt…

So scheint es allerdings, wenn ich auch kein Experte in spanischen Angelegenheiten bin.

Ich bin aber guten Mutes, dass am Ende Glaube und Vernunft das letzte Wort haben werden. Nicht heute, auch nicht morgen - aber ganz gewiss.

KJ hat gesagt…

@diego
Schade dass man dein Profil nicht aufrufen kann. So kann man einen Blog, den du eventuell hast, über den Link nicht anwählen.

Diego hat gesagt…

jam factum