Sonntag, 27. Januar 2008

Evangelikale "Theologie" und ihre Tücken...

Gestern wurde ich missioniert. Mit den Worten: "Eine Einladung für Sie" drückte mir ein freundlicher Mann mittleren Alters ein Faltblatt in die Hand. Das Deckblatt dieses Faltblattes ist zweigeteilt. Auf der oberen hellen Hälfte steht in kursiver Schönschrift "Der Sohn Gottes" auf der unteren dunklen Hälfte in Maschinenschrift "gegen die Religionen der Menschen". Die Lektüre versprach interessant zu werden.
Der Text hebt dann mit der Frage an, wie es möglich sein konnte, dass das Judentum, als sich auf das Wort Gottes gründende Religion, den Erlöser nicht nur ablehnte, vielmehr "verfolgten [sie] ihn und ließen ihn sogar kreuzigen. Wie konnte es dazu kommen?". Abgesehen davon, dass man schon kaum wird sagen können, dass "die Juden" dies taten, war das aber auch schon eine Frage, die sich die frühen Christen stellten. Die Antwort, die uns unser Faltblatt liefert, ist diese: Die Menschen haben aus der Heiligen Schrift eine Religion gemacht - "Ein Anbetungssystem mit all den Gesetzen und Verordnungen, Ritualen, Veranstaltungen und Traditionen". Da fragt sich nun der Bibelleser: Aber das steht doch alles im AT. Feste, Rituale, detailliert beschrieben und angeordnet, Überlieferungen ... das hat sich niemand neben der Hl.Schrift ausgedacht. Es gehört selbst zur Schrift. Lauschen wir aber noch ein wenig dem Faltblatt: "Gottes Verlangen war vielmehr, dass die Menschen ihn kennen lernen und Gemeinschaft mit ihm haben ... Leider hat das Volk Gottes die Schrift in ein religiöses System gezwängt", so dass es in Jesus Christus nicht den Messias erkannt habe. Nun, man wundert sich schon, warum es einen Gegensatz zwischen religiösem Leben und einer persönlichen Gottesbeziehung geben soll - und noch vielmehr gibt es zu denken, was wohl die Verfasser über die religiösen Gebote des AT denken (ob sie die Bücher Exodus, Levitikus und Numeri kennen?). Der Kern der Botschaft unserer Missionsschrift ist aber eine andere.
Schon das Ergebnis zusammenfassend erhebt sie nämlich sich mit der gar nicht suggestiven Frage: "Ist uns jemals der Gedanke gekommen, dass wir uns im Christentum nach 2000-jähriger Geschichte ebenso auf unsere Traditionen stützen und Jesus Christus, den lebendigen Gott ignorieren, ihn sogar ablehnen?" Nun, offenbar ist dieser Gedanke den Verfassern des Faltblattes gekommen. "Wie viele von ihnen [den kirchlichen Christen] haben überhaupt eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Christus und erfahren ihn in ihrem täglichen Leben?" Nicht viele, antwortet die Stimme aus dem Off natürlich. Die Frage, ob sich nicht gerade in den Traditionen, die unseren Glauben ausmachen, Jesus Christus finden läßt, ob er uns in ihnen gegenübertritt, diese stellt sich für unsere Faltblättler nicht - eigenartig, ist doch auch die Bibel Tradition, Überlieferung. Und dann mein Lieblingsterminus "eine persönliche Beziehung" zu Christus. Entweder man hat eine Beziehung zu Christus, oder man hat keine. Aber eine unpersönliche Beziehung zu Christus gibt es nicht. Mir ist diese Wendung auch im NT noch nie begegnet, im AT sowieso nicht. Erschauernd stellt man sich die Frage: Sollte es sich bei "persönlichen Beziehung" am Ende um eine evangelikale Tradition handeln. Horribile dictu! Fahren wir lieber mit der Analyse der Gegenwartssituation durch unser Faltblatt fort: "Das Christentum ist zu einer religiösen Institution geworden, vielleicht ursprünglich auf Gottes Wort im Neuen Testament gegründet, inzwischen jedoch charakterisiert durch Traditonen und Lehrmeinungen." Daraus werden die Trennungen der Christenheit begründet und eine Verzerrung in der Verkündigung. Nun stelle ich mir die Frage, wie die biblische Lehre 2000 Jahre ohne Tradition und Lehrmeinungen überleben soll. Davon abgesehen: Es gibt schon in der Hl.Schrift selbst Traditonen und Lehrmeinungen. Es gibt feste Bekenntnisse, Formeln, Riten - und diese sind auch noch samt und sonders älter als die biblischen Schriften. Die Kirche war eben vor der Bibel da. Es natürlich richtig, wenn es heißt: "Gott bietet uns ... seinen geliebten Sohn, Jesus Christus ... damit dieser uns rettet und wir in ihm ein neues Leben - sein Leben - erfahren." Dabei handelt es sich tatsächlich nicht in erster Linie um ein "theologisches System mit Riten, Regeln und Gesetzen" - aber eben auch. Schon in der Hl.Schrift selbst wird theologisch reflektiert (besonders Johannes und Paulus tun dies, aber alle anderen auch). Es gibt Riten (Abendmahl, Taufe, Salbungen, insbesondere Krankensalbung, Handauflegung zur Einsetzung in ein kirchliches Amt) - das steht doch alles in der Schrift! Was ist damit?
Es folgen noch einige Ausführungen, die sich mit dem Sühnetod Jesu am Kreuz befassen. Diese sind biblisch fundiert (ab hier gibt es auch biblische Belege, vorher bezeichnender Weise nicht) und zustimmungsfähig, bevor uns derm unvermeidliche Gebetstext zur Lebensübergabe an Jesus begegnet. Allerdings nicht ohne einen kleinen Seitenhieb: "[Gott] bietet dir keine Religion an, sondern eine wunderbare Person, Jesus Christus". Solche Einlassung proklamieren einen falschen Gegensatz. Die berühmte "persönliche Beziehung" ist ja keine vollkommen unmittelbare. Schon im NT sendet der Herr seine Apostel aus "Wer euch hört, der hört mich." Sie geben ihr Amt weiter, wie es im jüdischen Umfeld üblich ist, im Stil eines rechtlich verbindlichen Ritus. Jesus Christus hat uns nicht in allererster Linie die Bibel hinterlassen, sondern die Kirche, die Gemeinschaft seiner Apostel und Jünger. Das wissen wir selbstverständlich heute aus der Bibel. Was aber nichts daran ändert, dass das primäre tatsächlich die Gemeinschaft der Kirche war, in der dann die Hl.Schrift entstandt und in deren Schoß sie gehört. Erst dort entfaltet sie sich im eigentlichen, wirklichen, herrlichen Sinn, der ihr zusteht.
Liebe Evangelikale, ich mag euch. Aber so geht das nicht. Ihr müsst schon schauen was in der Hl.Schrift steht. Dieses Faltblatt ist das Zeichen für eine unreflektierte Tradition auf evangelikaler Seite, die in die Hl.Schrift zurückprojiziert wird. In diesen Momenten lobe ich mir die oft zurecht gescholtenen theologischen Fakultäten an den Unis.
Mein Kommentar zu dem kleinen Pamphlet: Ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer haben für Gott; aber es ist ein Eifer ohne Erkenntnis. (Römer 10,2).

[Jaja, nicht alle Evangelikalen sind so - ich weiß es. Deo gratias!]

Samstag, 26. Januar 2008

Julius Evola: Die Dämonie des Kollektivums I

Bildet den Gipfel der traditionsverwurzelten Kultur der Universalitätsgedanke, so bildet die Grundlage der modernen Kultur der Kollektivitätsgedanke.
Das Kollektive verhält sich zum Universellen, wie sich die "Materie" zur "Form" verhält, das heißt, das Kollektive wird durch das Universelle gerprägt, erhält von ihm Gestalt. Das Kollektive differenziert sich und durch die Hinwendung zu höheren Prinzipien und Interessen entstehen höhere Wesen. So entsteht auf vorzügliche und traditonelle Weise Kultur. Das Individuum prägt seiner Eigennatur ein Gesetz auf und gibt ihm eine Form. Auf diese Weise gehört das Individuum sich selbst an und nicht nur seiner sinnesbedingten Natur. Dies ist die Vorbedingung für eine höhere Natur, in welcher die Persönlichkeit nicht ausgeschaltet, sondern integriert wird. Es handelt sich um das System der Teilnahme. In ihm empfängt jedes Element, jede Funktion und jede Kraft durch die Anerkennung des ihm überlegenen und durch die organische Rückverbindung zu ihm seine rechte Bedeutung. Im Grenzfall ist das Universelle im Sinn der Krönung eines Gebäudes erreicht, dessen feste Fundamente aus den verschiedenen Persönlichkeiten bestehen, die sich differenziert und gestaltet haben, deren jede ihrer Funktion treu ist und für deren jede es entsprechende Rechte und Ethiken gibt, die sich einander nicht widersprechen, die vielmehr durch ein gemeinsames Moment der Geistigkeit und eine gemeinsame männliche Bereitschaft zu einer überindividuellen Hingabe ein solidarisches Ganzes darstellen.
Die moderen Gesellschaft ist Ausdruck des Gegenteils. Statt einer Fortbildung zum Universellen wird eine Rückbildung zum Kollektiv betrieben. Schon die moderne Wissenschaft zerstörte das Prinzip der geistigen Persönlichkeit und Universalität. Das aristokratische Prinzip des Willens wurde zugunsten der Allgemeingütligkeit zerstört. Quantität und rationalistische Empirie ersetzen die Grade innerer Befreiung und geistiger Schau, leitet sich aber doch nur aus dem sinnlich Wahrnehmbaren ab, das heißt, aus den rein tierischen Fähigkeiten des Menschen. So wurde aus dem Prinzip physischer Determination, die die Materie besitzt, wenn keine überphysische Macht eingreift, ein demokratisches Machtideal aufgestellt. Die öffentlichen Gesetze wurden nivellierend, revolutionär, liberalistisch und erhoben alsbald Anspruch darauf, den Menschen vollkommen zu beherrschen: Alles tun wird nationalisiert und sozialisiert, Haß gegen jede höhere und beherrschende Persönlichkeit wird gesät und Führer werden nur geduldet, soweit sie bloße "Exponenten" im Dienste der Kollektivität, des Volks, des Vaterlands in Gestalt von demokratischen Parteiführern oder Volkstribunen sind und sich so nennen.
Nach: Julius Evola: Erhebung wider die moderne Welt. 1935.
Fortsetzung folgt.

Freitag, 25. Januar 2008

Ernst Nolte: Vergangenheit, die nicht vergehen will

Die Rede von der "Schuld der Deutschen" übersieht allzu geflissentlich die Ähnlichkeit mit der Rede von der "Schuld der Juden", die ein Hauptargument der Nationalsozialisten war. Alle Schuldvorwürfe gegen "die Deutschen", die von Deutschen kommen, sind unaufrichtig, da die Ankläger sich selbst oder die Gruppe, sie vertreten, nicht einbeziehen und im Grunde bloß den alten Gegnern einen entscheidenden Schlag versetzen wollen. Die der "Endlösung" gewidmete Aufmerksamkeit lenkt von wichtigen Tatbeständen der nationalsozialistischen Zeit ab wie etwa der Tötung "lebensunwerten Lebens" und der Behandlung der russischen Kriegsgefangenen, vor allem aber von den entscheidenden Fragen der Gegenwart - etwa derjenigen des Seincharakters von "ungeborenen Leben" [...].
Für den Historiker ist eben dies die beklagenswerteste Folge des "Nichtvergehens" der Vergangenheit: daß die Regeln, die für jede Vergangenheit gelten, außer Kraft gesetzt zu werden scheinen, nämlich daß jede Vergangenheit mehr und mehr in ihrer Komplexität erkennbar werden muß, daß der Zusammenhang immer besser sichtbar wird, in den sie verspannt war, daß die Schwarz-Weiß-Bilder der kämpfenden Zeitgenossen korrigiert werden, daß frühere Darstellungen einer Revision unterzogen werden. Genau diese Regel erscheint in ihrer Anwendung auf das Dritte Reich aber "volkspädagogisch gefährlich": Könnte sie nicht zu einer Rechtfertigung Hitlers oder mindestens zu einer "Exkulpation der Deutschen" führen? [...] Darauf läßt sich in aller Kürze und apodiktisch antworten: Kein Deutscher kann Hitler rechtfertigen wollen, und wäre es nur wegen der Vernichtungsbefehle gegen das deutsche Volk vom März 1945. Daß die Deutschen aus der Geschichte Lehren ziehen, wird nicht durch die Historiker und Publizisten garantiert, sondern durch die vollständige Veränderung der Macht verhältnisse, und durch die anschaulichen Konsequenzen von zwei großen Niederlagen. Falsche Lehren könne sie freilich immer noch ziehen, aber dann nur auf einem Wege, der neuartig und jedenfalls "antifaschistisch" sein dürfte.
Es ist richtig, daß es an Bemühungen nicht gefehlt hat, über die Ebene der Polemik hinauszukommen und ein objektiveres Bild des Dritten Reiches und seines Führers zu zeichnen; es genügt, die Namen von Joachim Fest und Sebastian Haffner zu nennen. Beide haben aber in erster Linie den "innerdeutschen Aspekt" im Blick. [... Im Folgenden soll eine Perspektive angedeutet werden] in der diese Vergangenheit gesehen werden sollte, wenn ihr jene "Gleichbehandlung" widerfahren soll, die ein prinzipielles Postulat der Philosophie und der Geschichtswissenschaft ist, die aber nicht zu Gleichsetzungen führt, sondern gerade zur Herausstellung von Unterschieden. [...]
Es ist ein auffallender Mangel der Literatur über den Nationalsozialismus, daß sie nicht weiß oder nicht wahrhaben will, in welchem Ausmaß all dasjenige, was die Nationalsozialisten später taten, mit alleiniger Ausnahme des technischen Vorgangs der Vergasung, in einer umfangreichen Literatur der frühen zwanziger Jahre beschrieben war: Massendeportationen und -erschießungen, Folterungen, Todeslager, Ausrottungen ganzer Gruppen nach bloß objektiven Kriterien, öffentliche Forderungen nach Vernichtung von Millionen schuldoser, aber als "feindlich" erachteter Menschen. Es ist wahrscheinlich, daß viele dieser Berichte übertrieben waren. Es ist sicher, daß auch der "weiße Terror" fürchterliche Taten vollbrachte, obwohl es in seinem Rahmen keine Analogie zu der postulierten "Ausrottung der Bourgeousie" geben konnte. Aber gleichwohl muß die folgende Frage zulässig, ja unvermeidbar erscheinen: Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine "asiatische" Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer "asiatischen" Tat betrachteten? War nicht der "Archipel GULag" ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der "Klassenmord" der Bolschewiki das logische und faktische prius des "Rassenmordes" der Nationalsozialisten? Sind Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, daß er den "Rattenkäfig" nicht vergessen hatte? [Der Rattenkäfig ist nach Nolte wohl ein Element aus George Orwells "1984": Einem Verhafteten wird ein Käfig vor seinen Kopf gebracht, indem eine vor Hunger halb wahnsinnige Ratte sitzt. Der Vernehmungsbeamte droht, den Verschluß zu öffnen, was zum Zusammenbruch des verhafteten Helden führt. Es handelt sich nicht um eine Erfindung Orwells, sondern um eine verläßlich überlieferte 'Methode' aus dem russischen Bürgerkrieg, seitens der Bolschewiki]. Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit her, die nicht vergehen wollte?
Man scheut sich, [solche Fragen] auszuwerfen, und auch ich habe mich lange Zeit gescheut, sie zu stellen.Sie gelten als antikommunistische Kampfthesen oder als Produkte des kalten Krieges. Sie passen auch nicht recht zur Fachwissenschaft, die immer engere Fragestellungen wählen muß. Aber sie beruhen auf schlichen Wahrheiten. Wahrheiten willentlich auszusparen mag moralische Gründe haben, aber es verstößt gegen das Ethos der Wissenschaft.
Die Bedenken wären nur dann berechtigt, wenn man bei diesen Tatbeständen und Fragen stehenbliebe und sie nicht ihrerseits in einen größeren Zusammenhang stellte, nämlich in den Zusammenhang jener qualitativen Brüche in der europäischen Geschichte, die mit der industriellen Revolution beginnen und jeweils eine erregte Suche nach den "Schuldigen" oder doch nach den "Urhebern" einer als verhängnisvoll betrachteten Eintwicklung auslösten. Erst in diesem Rahmen würde ganz deutlich werden, daß sich trotz aller Vergleichbarkeit die biologischen Vernichtungsaktionen des Nationalsoszialismus qualitiativ von der sozialen Vernichtung unterschieden, die der Bolschewismus vornahm. Aber so wenig ein Mord, und gar ein Massenmord, durch einen anderen Mord "gerechtfertigt" werden kann, so gründlich führt doch eine Einstellung in die Irre, die nur auf den einen Mord, und den einen Massenmord hinblickt und den anderen nicht zur Kenntnis nehmen will, obwohl ein kausaler Nexus wahrscheinlich ist."

Aus: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte. 1986. Zitiert nach: Deutschland kontrovers, hg. von Eberhard Rathgeb (2005).

Montag, 21. Januar 2008

Augustinus: Weltliches Gesetz - Göttliches Gesetz

Was aber als Schandtat gilt. weil es gegen Sitten und Gewohnheiten verstößt, ist je nach den herrschenden Sitten zu meiden, damit nicht die Gemeinschaftsordnung, wie sie innerhalb eines Staates oder Volkes durch Herkommen oder Gesetz festgelegt ist, irgendwie durch die Willkür eines Bürgers oder eines Fremden verletzt werde; denn immer ist es häßlich, wenn irgendein Teil nicht zu seinem Ganzen stimmt. Befiehlt aber Gott etwas im Widerspruch mit der üblichen Sitte oder der vereinbarten Ordnung wo immer, so hat es zu geschehen, mag es dort auch nie geschehen sein, es ist zu erneuern, wenn es abgekommen war, und ist einzuführen, wenn es bisher noch nicht eingeführt war. Denn wenn es einem König zusteht, in dem Staat, den er regiert, etwas zu befehlen, was vor ihm noch keiner und bis dahin auch er selbst nie befohlen hatte, und wenn in solchem Fall nicht der Gehorsam ein Verstoß gegen die staatliche Gemeinschaft wäre, vielmehr der Ungehorsam ein Verstoß gegen das Staatsgefüge - denn der Gehorsam gegen die Regierenden ist allgemeines Ordnungsgesetz menschlicher Vereinung -, um wieviel mehr erst muß man Gott, dem Beherrscher seiner gesamten Schöpfung, in allem, was er befiehlt, sich ohne Bedenklichkeit untergeben! Wie nämlich bei den Befehlsgewalten einer Menschengemeinschaft die höhere über der niederen steht, so ist Gott über allem.
Aus: Aurelius Augustinus: Confessiones III 8,15. In der Übersetzung von Joseph Bernhart.

Sonntag, 20. Januar 2008

Benedikt XVI. - Kirche und akademische Welt

Nachdem ein studentischer Mob den Besuch des Papstes an der Universität „La Sapienza“ zu verhindern gewusst hat, richtet der Heilige Vater heute folgende Worte beim Angelusgebet and die Menge. Nachdem Kardinal Ruini, Generalvikar von Rom, aufgefordert hatte, aus Solidarität mit dem Papst zum Angelus zusammenzukommen, fanden sich über 200.000 Menschen ein. Da ich seine Worte so schön finde, durchbreche ich hier meine ungeschriebene, eherne Regel nichts zu posten, was an anderer Stelle des Internets schon steht. Der Text stammt von kath.net .
" Leider ist bekanntlich ein Klima entstanden, das meinen Besuch bei der Feier nicht opportun erscheinen ließen. Ich habe ihn schweren Herzens verschoben, aber ich habe dennoch den Text senden wollen, den ich eigens vorbereitet hatte. Der universitären Welt – die für viele Jahre die meine war – bin ich in der Liebe für die Suche nach Wahrheit, für die Auseinandersetzung, für den offenen und respektvollen Dialog über die verschiedenen Positionen [verbunden?]. Dies ist alles auch die Mission der Kirche, die darin treu Jesus nachfolgt, dem Lehrer des Lebens, der Wahrheit und des Liebens. Als sozusagen emeritierter Professor, der in seinem Leben zahlreichen Studenten begegnet ist, ermutige ich Euch, liebe Studenten und Professoren, immer respektvollen anderen Meinungen zu begegnen und mit freiem und verantwortungsvollen Geist die Wahrheit und das Gute zu suchen.“

Erich Przywara SJ: Christliche Existenz - deutsch

Existenz steht in den großen Symbolen da, die das Deutsche in Heldenbüchern und Volksbüchern sich geschaffen hat. Im Urgründigsten sind die Nibelungen. Im Hintergrund die Tragödie des Göttlichen selber: Majestät Wotans und Kraft Tors, die mit der schlangenhaft züngelnden Flamme Loki je immer neu paktieren müssen, ja sie in Dienst nehmen, ja ihr Heiliges selber als Preis ausliefern, - um mit allem Erreichten, in der Götterdämmerung, ihr Fraß zu werden. Im Vordergrund die Tragödie des Menschhaften: Siegfried und Brünhilde, die Mittler-Gestalten zwischen Himmel und Erde, beide erhofft als Erlöser, beide einander bestimmt als Paar der lichten Jugend, beide einander verratend in den Tod, beide erst eins in der Flamme des Scheiterhaufens, die ihr Sterbliches verzehrt; - und selber als verzehrende Flammen lodern sie im Menschhaften, da durch sie das Kindhafte Krimhildens dämonisiert wird zum Dämon der Rache, der das Nibelungengeschlecht in den Krater des Ostens stürzt, und da, zum Werkzeug dieser Dämonisierung, in der blinden Treue Hagens das züngelnde Loki-Erbe entfesselt wird, daß diese lügende Treue das Kind Krimhilde zum Dämon mache, um diesem Dämon zuletzt das Haupt abzuschlagen. So ist es restloses eingehen und untergehen alles Idealen in das Dunkel irdischer Existenz: Göttlichkeit der Majestät, die der List der züngelnden Flamme Lüge erliegt; jungfrische Unschuld, die in Hingabe und Unschuld geradeaus in den Kampf stürzt, um selber das Errungene zu verraten und durch Verrat der Liebsten und Treuesten zu fallen; Weltweite sich spannend vom hohen Nord des Brünhild-Felsens zu Gunthers Westreich am Rhein zu Dietrich von Bern Süden zum unendlichen Osten Etzels, um hinzubrechen in den fressenden Flammen der engen Halle. In dieser unergründlichen Nacht läßt das Symbol der Gralssage das Geheimnis der Sich ausblutenden Liebe aufleuchten: den Kelch, da hinein die Liebe Gottes sich verschwendete und die letzten Tropen des Blutes dieser Liebe vom Kreuz rannen. Dieses Geheimnis ist mitten in der dunklen Welt, und doch unzugänglich "menschlichen Schritten". Die zu ihm berufen werden müssen einfältig sein wie Parzival und doch hellsichtig zum Schmerz, und versagen und Irren ist ihr mühseliger Weg zum Heiligen Berg. Die ihn hüten, sind so wenig der Welt entrückt, daß ihr König selber vom Gift der Welt siecht und die Botin des Gral je neu den Künsten der Hölle erliegt. Ja, selbst als Mittelpunkt der Welt muß der Monsalvat die Demütigung eines Rangstreites über sich ergehen lassen: da Artus-Hof und Klingsor-Schloß mit ihm darum kämpfen. Die Erlösung der unergründlichen Nacht selber ist dieser Nacht ausgeliefert.
In dieser Nacht des Werdens des Reiches zeichnen sich die großen Herrscher-Symbole ein, die in die Volkssage eingingen. Sie stehen alle in aufgerissenen Gegensätzen, um sie ist strenge Einsamkeit gebreitet, alle gehen im Sterben in ein Warte-Dasein ein, den Traum des Reiches zu hüten. Karl der Große steht Aug in Aug zu Herzog Widukind: in beiden flammend der Ruf des Reiches, beide Granit gegen Granit, um beide zuletzt das Anheben der christlichen Gloriole des Heiligen; und der Kampf zwischen beiden mündet in den Zusammenbruch des germanischen All, und die karolingische Glorie wandert in die nächtige Höhle des Unterbergs, gewandelt in das tausendjährige Warten des Kaisers auf das Reich. Friedrich Barbarossa [der für die Volkssage mit Friedrich II. zu einer Person ward] steht Aug in Aug zu Herzog Heinrich dem Löwen, in Friedrich flammend die deutsche Weltsendung, über Nord und Ost und Süd, Deutschland, Rom, Jerusalem, der Eine Gottes-Staat, aber flammend bis zum jähen Verflammen; in Heinrich dem Löwen aufgebäumt die sorgende Treue zu deutschem Blut und Boden, Deutschland zu wahren, da die Staufer in Welthunger es verschwenden; und der Kampf zwischen beiden mündend in den Zusammenbruch des ersten deutschen Reichs, und die hohenstaufische Glorie wandert in die nächtige Höhle des Kyffhäuser, gewandelt in ein neues tausendjähriges Warten auf das Reich [...]. Dem deutschen Symbol krustet aus innerer Folgerichtigkeit das an, was die Gestalten ausdrücken, die in der Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges in die Volkssage eingehen: als ausdrückliche Formen der Zerissenheit. Das Wandertum der Götter und Helden verzerrt sich in die Gestalt des Doktor Faust, der, wie das alte Volksbuch sagt, "name an sich Adlers Flügel, wollte alle Gründ am Himmel und Erden erforschen", kraft des Teufelspaktes eilend durch alle Erde und alle Gestirne, um nichts zu ernten als verspritztes Hirn und Blut in der Wirtsstube, da der Teufel in holt. Die heldische und kindliche Einfalt Siegfrieds und Parzivals vergröbert sich in den Simplicius Simplicissimus, dessen Torentum durch ein verwüstetes Deutschland taumelt. Das doch noch ringende Lügentum Lokis wird zur komischen Selbstverspottung in Till Eulenspiegel: daß über das Elend auch noch das Gelächter schalle. Und noch schmerzlicher in den Schildbürgern: an Stelle der Tragik des All des Reiches die Komik spießbürgerlicher Enge.
[...] Deutsch ist [so] geradezu das Wort für [...] Wander-Unruhe blutender Sehnsucht, zorniger Aufstand fressener Bitterkeit, schallendes Lachen zerspringenden Herzens.
Aus: Przywara, Erich SJ: Christliche Existenz. München 1934. Imprimatur.

Samstag, 19. Januar 2008

F.Sieburg: Die Lust am Untergang (1954)

Gereiztheit, Groll und zwiespältige Gewissensregungen nehmen bei uns Deutschen der Bundesrepublik den Platz dessen ein, was man einst das Nationalgefühl nannte. Nicht, daß es uns an Liebe zu unserem Lande fehlte! Aber welches Land ist eigentlich gemeint, wo verläuft sein Umriß, welche Menschen gehören zu ihm [...]? Unser Land ist wirtschaftlich lebensfähig, das hat es in den letzten Jahren mit bestechender, wenn auch bisweilen etwas beunruhigender Deutlichkeit bewiesen. Aber es hat - um einen ganz einfachen Ausdruck zu gebrauchen - keine Seele, ihm fehlen Bewußtsein und geistige Vorstellung seiner selbst [...]. Was aus dem widernatürlichen Restgebilde herausgeholt worden ist, hat kaum seinesgleichen. Aber wir vermögen nicht stolz darauf zu sein, ja wir fühlen uns nicht einmal imstande, Dankbarkeit dafür aufzubringen. Denn uns dürstet nach Nationalgefühl. Das Bewußtsein, auf Vertrauen warten zu müssen, das Gefühl, dringend gebraucht, aber nicht im geringsten geliebt zu werden, die Gewißheit schließlich, bei jeder internationalen Meinungsverschiedenheit - mag sei bei einem Autorennen oder bei Verteidigungsplänen entstehen - an Sünden und Düsternisse unserer jüngsten Geschichte erinnert zu werden, alles das hat einen weitläufigen Komplex nationaler Übelnehmerei erzeugt und uns damit eigentlich nur die negative Seite des Nationalgefühls beschert. Wir fühlen wohl, daß wir zusammengehören, aber wir wissen nicht, um welchen Kern wir zusammengeschlossen sind. Keine Propaganda, keine Erweckung alter Ressentiments, kein landschaftlicher Bezug vermag uns darüber hinwegzutäuschen, daß dies Provisorium, in dem wir leben, keine Seele hat und keine haben kann. Alle Versuche, uns ein Gefühl von der nationalen Wirklichkeit der Bundesrepublik einzureden, sind Selbsttäuschung.
Aber versuchen wir überhaupt, Vorstellungen und Regungen dieser Art in uns zu entdecken? Ist es nicht vielmehr so, daß die meisten von uns sich mit dem seellosen Zustand abzufinden beginnen? Die Gekränktheit ersetzt den Patriotismus, der Provinzialismus schöpft aus dem föderalistischem Aufbau unseres Staatswesens eine falsche Legitimierung. Der Ruf: "Wir haben es ja nicht so gewollt!" betäubt die Gewissen, die ahnen, daß wir im Begriff sind, der Idee "Deutschland" gegenüber in Gleichgültigkeit und Egoismus zu versinken. Die Bundesrepublik ist ein Zweckverband, es ist ihr nicht gelungen das deutsche Nationalgefühl in seine Hut zu nehmen und zu kräftigen. Niemand weiß, wann die Wiedervereinigung kommen wird [...] Aber während wir auf sie hoffen, zerrinnt die nationale Substanz. Was werden wir Deutsche sein, wenn wir uns einst wiederfinden?
Aus: Sieburg, Friedrich: Die Lust am Untergang. Selbstgespräche auf Bundesebene. 1954.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Brandmüller: Galilei und die Kirche

Das geläufige Urteil über den Fall Galilei lautet eindeutig zu Ungunsten der Kirche. Sie habe jene naturwissenschaftliche Erkenntnis, die sich alsbald allgemein durchsetzen sollte und heute Gemeingut ist, verurteilt und sich somit nicht nur für alle Zeit ins Unrecht gesetzt, sondern einen allgemeinen Vertrauensschwund erlitten. Starrer, auf Machterhaltung fixierter Dogmatismus habe über den freien menschlichen Geist einen Pyrrhusssieg errungen.
So simpel liegen die Dinge jedoch nicht. Daß Galilei zunächst durch den Fortgang der Entwicklung bestätigt, die Kurie hingegen desavouiert werden sollte, hätte im damaligen Augenblick, da die Entscheidung in Rom anstand, nur ein Prophet wissen können. Galilei selbst irrte sich bezüglich seiner Argumente für das kopernikanische System, es gab zum damaligen Zeitpunkt sogar überhaupt keine stringenten Beweise für das heliozentrische Weltbild. Das war den Jesuiten, die die Kurie naturwissenschaftlich berieten, nicht verborgen. Die Forderung der Kurie an Galilei, das kopernikanische System nur als Hypothese zu vertreten, war demnach völlig berechtigt. Es gab keinen stringenten Beweise für das heliozentrische und gegen das geozentrische System.
Man mag aus heutiger Sicht kritisieren, dass die Kurie den Versuch unternommen hat, eine physikalisch-astronomische Frage mit theologischen Mitteln (der Heiligen Schrift) zu beantworten. Eine solche Kritik ist anachronistisch. Sie übersieht ganz und gar die barocke Ganzheitsvision, vor deren Hintergrund die Argumentation der römischen Theologen durchaus verständlich erscheint. Was kritisiert werden kann ist, dass die Theologen die Bibel letztlich nicht adäquat dahingehend interpretierten, dass die Bibel sich an den betroffenen Stellen bildlicher Alltagssprache bedient. Im Fall Galilei manifestiert sich eindrucksvoll die Geschichtlichkeit des Menschen und seiner Erkenntnis. Wenn immer wir Heutigen in Anspruch nehmen, gegenüber den vergangenen Generationen in der Erkenntnis vorangeschritten zu sein, anerkennen wir doch zugleich die Möglichkeit, ja Gewißheit, daß auch das von uns erreichte Maß an Erkenntnis überholt werden wird. Wieviele "kopernikanische Wenden" die Menschheit noch erleben wird, vermag niemand zu sagen. Wir Heutigen sind ebensowenig davon entbunden, unsere Gegenwartsprobleme und Fragen auf der Grundlage dessen zu lösen, was uns zu wissen gegeben ist, wie die Anhänger und Gegner Galileis. Ihnen wie uns müssen wir das Recht auf Irrtum, auf Vorläufigkeit und Fortschritt unserer Erkenntnis einräumen. Welch unerträglicher Pharisäismus wäre es, den Menschen früherer Zeiten zum Vorwurf zu machen, daß sie nicht auch schon all das erkannt haben, was uns heute selbstverständlich ist. Nur wer sich sicher ist, der Geschichtlichkeit der Erkenntnis keinen Tribut zollen zu müssen, kann sich zum Richter über die Gegner Galileis aufschwingen. Wenn sie unter den ihnen gegebenen Voraussetzungen in dem scheinbaren Dilemma die Unantastbarkeit der Bibel für ein höheres und darum schutzwürdigeres Gut hielten als ein damals nicht einmal stringent bewiesenes astronomisches Weltsystem folgten sie ihrer Pflicht als Hüter des geoffenbarten Glaubens.
Nach: Brandmüller, Walter: Galilei und die Kirche. Ein "Fall" und seine Lösung.1994

Dienstag, 15. Januar 2008

Carl Schmitt: Macht - gut oder böse?

Ist Macht gut oder böse? Die meisten Menschen werden mit größter Selbstverständlichkeit antworten: Die Macht ist gut, wenn ich sie habe, und sie ist böse wenn mein Feind sie hat. Ein Machthaber zeichnet sich in diesem Zusammenhang vor allem dadurch aus, dass er es ist, der darüber entscheidet, was ein guter oder böser Gebrauch von Macht ist.
Aber wer an den christlichen Gott glaubt, kann die Macht an sich nicht für böse oder neutral erklären - Gott ist ja all-mächtig. "Gott ist höchste Macht und höchstes Sein. Alle Macht ist von ihm und ist und bleibt in ihrem Wesen göttlich und gut." schreibt der Hl. Papst Gregor der Große im frühen Mittelalter. Im 19.Jahrhundert dagegen hält Jacob Burckhardt sie für böse: "Und nun zeigt sich - man denke an Ludwig XIV., an Napoleon und an die revolutionären Volksregierungen - daß die Macht an sich böse ist..." Seitdem Macht nicht mehr göttlich oder natürlich, sondern als menschliche empfunden wird, seit der Vermenschlichung der Macht, verbreitet sich nun unwiderstehlich die Überzeugung, daß die Macht an sich böse ist. Der Ausspruch Gott ist tot und der andere Ausspruch Die Macht ist an sich böse stammen beide aus derselben Zeit und derselben Situation. Im Grunde besagen beide dasselbe. De facto stehen wir vor dem Problem, dass menschliche Macht die Grenzen menschlicher Physis bei weitem übersteigt. Die Macht ist dem Menschen noch mehr als die Technik aus der Hand geglitten. Die Macht, die von einer Erfindung ausgeht, übersteigt die Macht des Erfinders bei weitem. Macht und Ohnmacht stehen sich heute nicht mehr als Personen Auge in Auge gegenüber. Die Wirklichkeit der Macht geht über die Wirklichkeit des Menschen hinweg. Macht von Menschen über Menschen ist weder gut, noch böse, am wenigstens neutral. Sie ist eine eigenständige Wirklichkeit und zieht jeden, auch den Machthaber, in ihre Dialektik.
Nach: Carl Schmitt: Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber. Pfullingen 1954.

Sonntag, 13. Januar 2008

R. Guardini: Taufe des Herrn

Wie Jesus zum Jordan kommt liegt hinter ihm das tiefe Erfahren der Kindheit und der langen Jahre des "Zunehmens an Alter, Weisheit und Gnade". Das Bewußtsein der ungeheuren Aufgabe und aus unergründlichen Tiefen aufsteigende Kräfte leben in ihm - die erste Gebärde aber, die wir von ihm sehen, und das erste Wort, das er spricht, sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: "Das gilt für andere, nicht für mich!" Er kommt zu Johannes und verlangt die Taufe. Sie verlangen heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott her kommen will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber tritt in die Reihe. Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich unter die "Gerechtigkeit", die für alle gilt.
Auf dieses Hinabsteigen in die Menschentiefe antwortet der Ausbruch aus der Höhe. Die Himmel öffnen sich. Die Schranke, die den allgegenwärtigen Gott in seinem Himmel, seinem seligen Bei-sich-Sein, von uns absperrt - nämlich der Mensch selbst in seiner gefallenen Geschöpflichkeit, und daß er die Welt mit sich gerissen hat, und sie nun "der Vergänglichkeit unterworfen ist" - , die Schranke tut sich auf. Ein unendliches Begegnen geschieht. Dem Menschenherzen Jesu strömt die offene Fülle des Vaters entgegen. "Während er betet", geschieht es, sagt Lukas, und scheint damit anzudeuten, daß es ein innerer Vorgang ist. Wohl wirklich; wirklicher als alle greifbaren Dinge ringsumher; aber innerlich, "im Geiste".
Der Heilige Geist hebt den Menschen über sich selbst hinaus, daß er Gott, den Heiligen, erfährt und seiner Liebe inne wird. Die Fülle dieses Geistes kommt über Jesus. Der Vater ist "allezeit bei ihm"; ja, "in ihm, so wie er im Vater ist". Was er tut, ist ein Handeln aus dem Walten des Vaters heraus; dieses Walten liegt offen vor ihm, er "sieht" es. Zugleich wird aber auch gesagt, daß er vom Vater her in die Zeit "kommt" und wieder zu ihm "zurückkehrt" - bis zu dem undurchdringlichen Wort am Kreuz vom Verlassenwerden durch Gott. So ist auch der Geist immer in ihm, denn der Geist ist ja die Liebe, kraft deren er und der Vater einander inne sind, und die Macht, durch welche er Mensch geworden ist. Trotzdem "kommt" hier der Geist über ihn, so wie er ihn einst vom Vater her über die Seinen "senden" wird. Hier versagt unser Denken - obwohl es die Wirklichkeit über aller Wirklichkeit und die Wahrheit über aller Wahrheit ahnt. Dadurch darf es sich aber nicht in ein Scheinbegreifen, in Gefühle und Worte führen lassen, hinter denen kein Kern steht. Das alles ist Geheimnis, das Geheimnis des dreieinigen Gottes in seiner Beziehung zum Mensch gewordenen Gottessohn. Wir können es nicht durchdringen, und das Bekenntnis dieser Ohnmacht muß über allem stehen, was vom Dasein Jesu gesagt werden mag.
Die Macht des Geistes kommt über Jesus, und in das überschwengliche Begegnen, in die Gottesfülle des Augenblicks tönt das Wort der väterlichen Liebe, das bei Lukas in der Form der Anrede steht: "Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen."

Aus
Romano Guardini:
Der Herr.
Würzburg 1940.

Freitag, 11. Januar 2008

R.Spaemann: Biopolitik - Wer jemand ist, ist es immer

Der Status einer Person steht und fällt damit, daß er nicht verliehen wird, sondern jede Person kraft eigenen Rechts in den Kreis der Personen eintritt. Wenn die Gesellschaft diskursiv darüber befindet, wer Subjekt von Menschenrechten ist oder nicht, dann gibt es keine Menschenrechte, denn die Gesellschaft kann dann nach belieben kooptieren oder ausschließen. Es darf weder qualitative noch temporale Kriterien für das Personsein von Menschen geben. Personalität kommt als Status einer "Natur" zu, die vernünftig ist (im Sinne von 'der Selbstranszendenz fähig'). Dabei kommt es nicht auf die Aktualisierung dieser Fähigkeit an (der Schlafende aktualisiert sie auch nicht). Es kommt überhaupt nicht auf temporal begrenzte psychische Zustände an, sondern auf Lebewesen, die ihrer Natur nach irgendwann mögliche Subjekte solcher Zustände sind. Dies entspricht auch unserem Selbstverständnis. Man sagt ja auch: "Ich wurde dann und dann gezeugt". Und nicht: "Damals wurde ein Zellhaufen gezeugt, aus dem das organische Substrat meines jetzigen Ichbewußtseins wurde." Es gibt keinen Zeitpunkt, wo "etwas" zu "jemandem" wird. Wer jemand ist, war es immer.
Die technische Möglichkeit, Embryonen als billige Ersatzteillager für therapeutische Zwecke zu nutzen, läßt das Interesse entstehen, diesen Embryonen den Personenstatus und damit den Selbstzweckstatus abzuerkennen. Dabei wird eine gewaltige Mitleidsrhetorik aufgeboten, gegen die man spätestens seit Goebbels Propagandafilm für die Euthanasie ("Ich klage an") misstrauisch sein sollte. Fragen der Gerechtigkeit können nur im Schweigen der Leidenschaften entschieden werden (Diderot), also von denen, deren Interesse nicht auf dem Spiel steht. Wenn Embryonen kein Lebensrecht haben, kann man sie selbstverständlich für therapeutische Forschung benutzen. Haben sie Lebensrecht, stellt sich die Frage nicht.
Aus: Robert Spaemann: Wer jemand ist, ist es immer. In: Biopolitik (hg. von Christian Geyer) 2001.

Dienstag, 8. Januar 2008

Liturgische Bildung - Der alte Ritus

Eine kommentierte Messe im Alten Ritus (Ostern 1941). Sehr schön.

Montag, 7. Januar 2008

Hans Urs von Balthasar: Katholisch

"Katholisch" ist eine Qualität. Es ist Allheit, Universalität und setzt, um verstanden zu werden, eine bestimmte menschliche Geisteshaltung voraus. Auch wenn die Katholizität der katholischen Kirche primär eine Offenbarung und Mitteilung der göttlichen Allheit ist, auch wenn deren Aufnahme in den menschlichen Raum primär Gnade ist: eine geschichtliche Epoche kann doch durch diese Gnade schlechthin überfordert sein, und dies scheint von der unseren zu gelten. Für uns liegt die Effizienz im Teil, in der "Partei", die Alternative dazu ist ein tolerant-ineffizienter Kosmopolitismus. Qualität geht zusammen mit Teil, Allheit zusammen mit Konturlosigkeit; man sehe zu ob nicht ein guter Teil unseres Ökumenismus auf Kosten der Qualität geht (für die alte Welt war oikumene der geographische Umkreis der bewohnten Welt, der Kosmopolis), ob er nicht ein wenig dem religiösen Synkretismus des vorchristlichen Rom gleicht: Die Catholica wird zur Unterscheidung als "römisch-katholisch" etikettiert, als ein Klan neben anderen, und es wirkt ärgerlich, daß sie sich nicht schlankweg dem ökumenischen Rat der Kirchen (der heute verständlichen Allheit) einordnen will. Ferner ist das Attribut katholisch schon so abgeschliffen, daß jede Konfession, die das alte Credo beibehält, es für sich einfordert und nach eigenem Verstande deutet. Die Catholica erhebt einen bestimmten Anspruch, der unter den heutigen Voraussetzungen kaum noch als gültig angesehen werden kann, selbst wenn es wahr ist, daß dieser Anspruch in jeder Epoche Ärgernis erregen mußte: nämlich als bestimmte historisch-soziologische Gestalt universale Relevanz zu besitzen. Dem modernen Menschen erscheint das als Torheit, Anmaßung, Intoleranz.
Der Anspruch der Catholica war in Zeiten besser verständlich, die ein vertikal gestuftes Weltbild besaßen. Das unsere ist von der naturwissenschaftlichen Denkart geprägt, die - in ihrem Bereich durchaus legitim - alle Phänomene horizontal-quantitativ aufzulösen versucht, um sie annährend durchschaubar und nachkonstruierbar zu machen. Demgegenüber bedeutet vertikal gestuft: ein Ganzes, zum Beispiel die menschliche Seele, kann sich in einer Vielheit von leiblichen Gleidern darstellen, so daß jedes dieser Glieder nur durch die übergeordnete Ganzheit existieren und das sein kann, was es in Wahrheit ist: zum Beispiel nicht irgendein Greifapparat, sondern eine menschliche Hand. Könnte die Hand denken, so verstünde sie, daß sie zum Ausdrucksorgan einer den Gliedern überlegenen Totalität gehört. Das ist nun ein hinkendes Gleichnis, weil die Kirche zu ihrem belebenden Prinzip nicht im Verhältnis eines Gliedes oder auch eines Gesamtleibes zur Geistseele steht, aber dieses Gleichnis wird immerhin von Paulus als Verständnishilfe verwendet. Warum ein wahrhaft universales Prinzip sich ein innerweltlich partikuläres Organ als (ex- und inklusiven) Ausdruckskörper erwählt [...]. Hier geht es vorerst nur um das Sehen- oder Nicht(mehr)sehen-Können, daß ein ("hierarchisch") Übergeordnetes eine untergeordnete Vielheit so durchformen kann, daß es diese in seine Einheit emporhebt, ohne sie ihrer Eigenheit zu berauben. Eine Form erwirkt sich in Materie Gestalt. Die Form, die die Kirche gestaltet, bleibt göttliches Mysterium, das zuletzt nur geglaubt werden kann: Gott in einem Menschen Jesus Christus so gegenwärtig, daß dieser real und wirksam die ganze Menschheit repräsentiert: durch sein Kreuz und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt. Das führt ins Dunkel: was geht denn in Wahrheit an jenem Kreuz vor sich? Was wird dort erlebt, durchgestanden? (Keiner hat es je sagen können.) Und wie wird die Kirche durch dieses Geschehen informiert ("ich bin mit Christus gekreuzigt", "ihr seid mit Christus auferstanden"), in das sie sich nicht eigenmächtig stellt, sondern durch das sie immer schon zu dem gemacht wird, was sie ist? (Auch das kann keiner sagen.) Die Catholica existiert nicht anders, als indem sie das Mysterium glaubt, dessen Ausdruck sie ist, und diesem Glauben dadurch zu entsprechen sucht, daß sie in Wort und Leben vom Mysterium Zeugnis ablegt. Sie hat das Maß ihrer Katholizität, die sie durchformt, nicht aus oder in sich, sondern über sich: im Mysterium Christi.

Aus: Hans Urs von Balthasar: Katholisch. Einsiedeln 1975.

Sonntag, 6. Januar 2008

Bernhard Häring: Kollektivschuld

Wir sahen die Verflechtung der Schuld, wie sie in der Gemeinschaft irgendwie ihre Quelle haben kann [...]. Dabei müssen wir auch an das Unterlassen von guten, ja heroischen Akten denken, zu denen der Einzelne vielleicht nicht nach allgemeinen Gesetzen, wohl aber kraft der ihm verliehenen Gnadengaben gehalten wäre. Gerade das Fehlen dieser guten Akte kann für eine Gemeinschaft ein schmerzlicher Wertverlust sein [...]. Der einzelne und die sozialen Gruppen können sich vom Ungeist der Umwelt auf die Dauer nur in aktivem, gemeinsamen Bemühen um einen Wandel bewahren. Wer sich nicht dem solidarischem Ringen um das Reich Gottes einreiht, liefert sich der Unheilssolidarität des Bösen aus. Zumal die Eliten [...] tragen große Verantwortung für ein gesundes Millieu und für die Gesamtgesellschaft. Aber die menschliche Gemeinschaft hat über solche individuellen Gaben und ihre schuldbaren Vernachlässigungen nicht zu richten. Dafür ist sie nicht kompetent [...]. Nur Gott kann Rechenschaft verlangen über dieses Versagen und uns im Gerichte die Augen öffnen für die Folgen für die Gemeinschaft. Auch wo es sich um eine Schuld handelt, die von Menschen beurteilt werden kann, fällt ihr Weiterwirken in die Gemeinschaft hinein nur soweit unter das menschliche Gericht, als der Schuldige die sozialen Folgen seiner Handlung absehen konnte (Verführung, Ärgernis). Es ist sinnvoll möglich, daß einer sich vor den Menschen verteidigt, er habe diese Folgen nicht vorausgesehen, und gleichzeitig [Gott um Vergebung bittet. ...].
Nur wirkliche freie Mittäter fallen unter den juristischen Schuldbegriff. Von einer Kollektivschuld könnte nur gesprochen werden, wenn jedes Mitglied der Gemeinschaft sich der gleichen strafbaren Handlung schuldig gemacht hat. Dies wäre eine "Kollektivschuld" durch die Schuld jedes Einzelnen. Wenn eine Gemeinschaft sich durch ihre Obrigkeit Verbindlichkeiten zuzieht oder schuldhaften Schaden anrichtet, so kann sie nach allgemein geltenden Grundsätzen als ganze für den Schaden haftbar gemacht werden. Aber die Einforderung der Wiedergutmachung darf nicht mit einer Diskriminierung des einzelnen verbunden werden, außer wenn nachgewiesen ist, daß der einzelne in eigener Verantwortung eine Schuld mitbegangen hat. Eine Kollektivschuld im Sinne der Nachkriegsanklage gibt es nicht. Jeder Angehörige des Volkes muß zwar die Verbrechen der Führung und großer verführter Massen seines Volkes auch vor dem fremden Volke zugestehen, er muß bereit sein, in Mithaftung nach Kräften bei der Wiedergutmachung mitzuhelfen. Aber jeder einzelne hat das Recht, sich gegen die Anklage einer Kollektivschuld zu verteidigen, wenn er nicht positiv [i.S. von: tatsächlich vollzogen] durch schuldbare Handlungen mitgewirkt hat. Vor Gott jedoch muß er sich gleichzeitig in aller Demut fragen, ob er nicht bei vollem Gehorsam gegen seinen Anruf manches Böse hätte verhindern können. Auch das Volk als Ganzes muß sich vor der Gefahr hüten, sich vor Gott zu verteidigen, wenn es die Kompetenz der menschlichen Ankläger zurückweist.

Aus: Bernhard Häring CSSR: Das Gesetz Christi. 5.Auflage Freiburg 1958. Imprimatur. S.127f.

Erscheinung des Herrn

Kommt nicht in der Tat aus dem Herzen Israels ein Licht, das die Jahrhunderte hindurch leuchtet? Die Magier des Evangeliums sind nur der Anfang einer unermeßlichen Wallfahrt, in der die Schönheit dieser Erde Christus zu Füßen gelegt wird: das Gold der altchristlichen Mosaiken, das farbige Licht aus den Fenstern unserer großen Kathedralen, der Lobpreis der Steine, das weihnachtliche Lobsingen der Bäume des Waldes gilt ihm und die menschliche Stimme wie die Musikinstrumente haben ihre schönsten Weisen gefunden, als sie sich ihm zu Füßen warfen. Auch das Leid der Welt, ihre Mühsal kommt zu ihm, um einen Augenblick bei dem armen Gott Geborgenheit und Verstehen zu finden. Freilich, wir sind heute ein wenig puritanisch geworden: Hätte man all diese Schätze nicht lieber den Armen geben sollen?
Wir vergessen bei solchen Fragen, daß die Schönheit, die dem Herrn geschenkt wurde, das einzige wirkliche Gemeineigentum der Welt ist. Welcher Gegensatz zwischen Residenzen und Kirchen, zwischen Museen und Kathedralen! Welch ein Unterschied, ob man sich durch den Louvre, die Uffizien, das Britische Museum durcharbeitet oder ob man in einer lebendigen Kirche betend in den Lobpreis der Steine einstimmt! Die Schönheit, die dem Kind von Bethlehem geschenkt ist, ist allen zugeeignet, und wir alle brauchen sie so nötig wie das Brot. Wer das Schöne dem Kind nimmt, um es in Nützliches zu verwandeln, der hilft nicht, sondern zerstört; er nimmt das Licht weg, ohne das auch alle Berechnungen kalt und nichtig werden. Gewiß, wenn wir uns der Wallfahrt der Jahrhunderte anschließen, die das Schönste dieser Welt verschwenden will, für den neugeborenen König, dann dürfen wir nicht vergessen, daß er immer noch im Stall, im Gefängnis, in den Favelas lebt und wir ihn nicht loben, wenn wir ihn dort nicht finden mögen.
Aus: Ratzinger, Joseph: Berührt vom Unsichtbaren, S.18.

Dienstag, 1. Januar 2008

Robert Spaemann: Innen- und Außenperspektive

Allen Lesern wünsche ich ein gutes Jahr 2008 unter dem Segen des Herrn und dem Schutz und Schirm der Gottesmutter.
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Über die menschlichen Dinge kann man auf zweifache Weise sprechen, aus der Innen- und aus der Außenperspektive. Das gilt auch für den christlichen Glauben. In diesem Sinn schreibt der Apostel Paulus: "Wäre Christus nicht auferstanden, dann wäre unsere Hoffnung vergeblich." (1.Kor 15,14). Hier geht es um die Innenseite des christlichen Glaubens, nämlich den Glauben an die Wirklichkeit Gottes und die Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. Aber solange sie lebendiger Glaube an diese Wirklichkeit ist, erfüllt sie zugleich vielfältige soziale und psychische Funktionen: Sie wirkt auf den Lebensstil der Menschen und auf ihre seelische Befindlichkeit zurück. Aber sie kann von diesen Wirkungen her nicht definiert werden. Sie steht und fällt mir ihrem kognitiven Gehalt: "Das ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, erkennen und den, den du gesandt hast, Jesus Christus." (Joh 17,3) und "Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntns der Wahrheit gelangen". (1.Tim 2,4).
Die Welt ist pluralistisch und war es immer. In einer pluralistischen Welt aber konkurrieren unvermeidlich Innen- und Außenperspektive miteinander. Wer den christlichen Glauben nicht teilt, wird geneigt sein, ihn durch etwas anderes als durch die Wahrheit des Gegenstandes zu erklären. Verstehen wird er den Gläubigen letzten Endes nicht. Wer in der Innenperspektive lebt, hält sich an die Worte des heiligen Paulus: "Der geisterfüllte Mensch urteilt über alles, ihn aber vermag niemand zu beurteilen." (1.Kor 2,15).
Wer aber unfähig ist, sich in die Außenperspektive zu versetzen, von der aus die christliche Religion eine Weltsicht unter anderen ist, der wird zum Sektierer oder zum Fanatiker, der sich gegen die Universalität der Vernunft verschließt. Der christliche Glaube beansprucht die gleiche Universalität wie die Vernunft. Ja, er verlangt von der Vernunft hinter ihren Begriffen nicht zurückzubleiben, und konstatiert, daß sie dahinter zurückbleibt, wenn sie die Frage nach Gott ausspart. Aber er weiß auch, daß das Urteil des "geistlichen Menschen" als universelle, jegliche Außenperspektive integrierende Wahrheit erst am Ende aller Zeiten offenbar werden wird.
Unterdessen entspricht es der Wahrheit der Dinge, die Sprache beider Perspektiven zu sprechen, je nach den Umständen, in denen wir uns befinden.

aus: Robert Spaemann: Das unsterbliche Gericht. Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne. Stuttgart 2007 (Vorwort). Dies auch als herzliche Leseempfehlung!