Sonntag, 23. März 2008

Triduum Paschale IV: Ostern

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der anderen Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Furcht zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.
Matthäus-Evangelium, Kapitel 28.


Christus ist erstanden!
O freut euch Christen, er erhebt
aus seinem Grabe sich und lebt.
Er lebet ewig, stirbt nicht mehr;
ihm bringet Lob und Dank und Ehr!
Halleluja! Halleluja!

Christus ist erstanden!
Voll Glauben beten wir ihn an,
ihn, der auch uns erwecken kann,
ihn, der uns einstens aus der Gruft
zum ewig neuen Leben ruft.
Halluja! Halleuja!

Christus ist erstanden!
Gelobet seiest du , o Gottes Sohn!
Ach gib, daß wir an deinem Thron
nach einem selgen Auferstehen
dich ewig, ewig wiedersehen.
Halluja! Halleluja!

Christus ist erstanden!
Wohlan, zum neuen Leben hebt
die Herzen; auf zum Himmel strebt,
wo er mit seinem Vater thront
und unsre Lieb und Treu belohnt.
Halluja! Halleluja!

(Christoph von Schmidt, 1807)

Samstag, 22. März 2008

Triduum Paschale III: Karsamstag

Jesus ist am Kreuz gestorben. Die Trauer bricht sich Bahn, während der Leichnam abgenommen wird. Maria, seine Mutter, die tapfer bis zum Schluß bei ihrem Sohn ausgeharrt hat, empfängt ihn aufs neue, sie birgt ihren zu Tode gemarterten Sohn in ihrem Schoß. Der Apostel Johannes ist da, ein paar entferntere Verwandte. Was muss in Maria vorgegangen sein, als sie ihn sah, als Pilatus ihn schon halbtot gegeißelt und zum Spott mit der Dornenkrone versehen vorführen ließ? Was, als sie ihn auf seinem Weg sah, als er schon zugrunde gerichtet das Kreuz nach Kalvaria schleppen musste? Was als sie die Schläge hörten, als die Nägel durch seinen Körer getrieben wurden? Was als er schrie? Was als sie das Kreuz aufgerichtet sah und ihren Sohn in seiner Qual daran? Sah sie den König der Welt, der erhöht über Jerusalem thront? Nein, sie sah ihren Sohn, von dem sie wusste, dass er von Gott stammt und dass er nichts getan hatte, weswegen man ihn kreuzigen dürfte. Nun darf Marias schneidender Schmerz in Trauer übergehen. Endlich hat die Marter ihres Sohnes ein Ende und sie kann ihn wieder in die Arme schließen. Maria ist eine tapfere Frau, aber eine Mutter wie jede andere auch. Das, was sie erlebt hat, muss unterträglich gewesen sein. Und doch hat sie standgehalten, ist ihrem Sohn bis unter das Kreuz gefolgt, während alle anderen weggelaufen sind.
Zwei Menschen, von denen in den Evangelien nur schattenhafte Umrisse deutlich werden treten nun hinzu: Josef von Arimathäa und Nikodemus. Josef, ein wohlhabender Jude mit guten Verbindungen in allerhöchste Jerusalemer Kreise, war ein Jünger Jesu, der sich aber nie öffentlich dazu bekannte, wohl, um seine gesellschaftliche Position nicht zu gefährden. Nikodemus, eine bedeutender Gelehrer, von Jesus einst als 'Lehrer Israels' angesprochen, hatte einst heimlich bei Nacht ein Gespräch mit Jesus über seine Lehre geführt, das nicht deutlich werden ließ, wie er sich selbst letztlich zu den Antworten Jesu verhalten würde. Nun kommen diese beiden Männer aus der jüdischen Führungsschicht. Josef erbittet von Pilatus den Leichnam Jesu und erhält ihn auch gleich. Josef und Nikodemus wollen ihm die letzte Ehre erweisen. Während des Prozesses haben beide geschwiegen, vermutlich hätten sie zumindest bei den Verhören vor den Hohenpriestern Einfluß nehmen können. Das haben sie aber offenbar nicht getan. Sie haben sich zurück- und rausgehalten. Nun sind sie da, nun, da Jesus tot ist. Zu spät? Vielleicht, wer mag das sagen. Aber gibt es ein zu spät? Vielleicht bedurfte es auch erst des Entsetzens darüber, was geschehen ist, um Josef und Nikodemus die Augen zu öffnen. Beide bestatten den Leichnam Jesu ehrfürchtig in dem Grab, das Josef für sich selbst vorgesehen hatte, Nikodemus bringt 100 Pfund einer Mischung aus Myrrhe und Aloe mit, mit denen Jesus gesalbt wird. Auch Maria wohnt dem Begräbnis bei. Dann wird das Grab verschlossen.
Die Trauer erfüllt den Sabbat, der sich nun anschließt. Die Frauen aus dem Gefolge Jesu beschließen, nach dem Sabbat zum Grab zu gehen, um den Leichnam Jesu die letzte Ehre dadurch zu geben, dass sie an seinem Grab all die Riten durchführen, die an seinem Todestag nicht möglich waren, da nicht viel Zeit zwischen der Kreuzabnahme und dem Beginn des Sabbats war.
Ob jemand an die Worte Jesu denkt "Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein" ? Oder daran wie, er sprach: "Reißt diesen Tempel nieder - in drei Tagen richte ich ihn wieder auf" und, wie der Evangelist schreibt, dabei "den Tempel seines Leibes meinte?"

Kreuzweg: 14. Station - Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

Das Grab, darin man Christus gelegt, der ausgelitten hat und gestorben ist, das Loch, eilig für ihn entsiegelt, damit er seine Nacht dort schlafe, ehe er als Durchbohrter auferstehe und zum Vater aufsteige - das ist nicht nur ein neues Grab, es ist mein Fleisch, es ist dein Geschöpf, der Mensch, der tiefer ist als die Erde! Jetzt, da sein Herz offen steht, da seine Hände durchbohrt sind, gibt es kein Kreuz mehr bei uns, auf das sein Leib nicht paßt, gibt es keine Sünde mehr in uns, der nicht eine Wunde entspricht! Komm also zu uns von dem Altar, wo du verborgen bist, Erlöser der Welt! O Herr, wie steht dir dein Geschöpf nun offen, wie ward es abgrundtief!
(Paul Claudel)

Kreuzweg: 13. Station - Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Hier geht das Leiden zu Ende, es schließt sich an das Mit-Leiden. Christus ist nicht mehr auf dem Kreuz, er ist bei Maria, die ihn empfangen hat. Wie sie in angenommen hat, als er ihr verheißen ward, so empfängt sie ihn, da er vollbracht hat. Vor den Augen aller hat Christus gelitten, jetzt ist er aufs neue im Schoße seiner Mutter verborgen. Für immer birgt die Kirche den Vielgeliebten in ihren Armen. Was Gottes, was der Mutter ist, und was der Mensch getan - als das umhüllt sie für immer mit ihrem Mantel. Sie hat ihn angenommen, sie schaut, sie tastet, sie betet, sie weint, sie bewundert! Sie ist das Leichentuch und die Myrrhe, sie ist der Priester und der Altar, das Gefäß und der Abendmahlsaal. Hier endet das Kreuz, der Tabernakel beginnt.
(Paul Claudel)

Freitag, 21. März 2008

Kreuzweg: 12.Station - Jesus stirbt am Kreuz

Wohl hat er eben noch gelitten, jetzt aber wird er sterben. Leise bewegt sich das große Kreuz in der Nacht: ein Gott atmet auf. Alles ist da. Laßt nur das Werkzeug wirken, das durch die Verbindung der zwei Naturen, unerschöpflich, aus dem Born der Seele und des Leibes und der hypostatischen Vereinigung herauspreßt und herauszieht, was nur an Leidensfähigkeit in ihm ist. Er ist ganz allein wie Adam, als der im Paradiese war. Für drei Stunden ist er allein und kostet, von Gott verlassen, den Wein: die unüberwindliche Unwissenheit der Menschen. Er sinkt in sich zusammen, unser Gast; seine Stirn neigt sich nach und nach. Er sieht seine Mutter nicht mehr, und sein Vater verläßt ihn. Er kostet den Kelch, langsam vergiftet ihn der Tod.
Hattest du denn nicht genug an diesem bittern, mit Wasser gemischten Wein, daß du plötzlich dich aufrichtest und rufst: Sitio, mich dürstet? Du hast Durst, o Herr? Bin ich es, zu dem du sprichst? Hast du mich denn noch nötig und meine Sünden? Fehle ich dir noch, bis alles vollbracht ist?
(Paul Claudel)

Triduum Paschale II: Karfreitag

Man hat es eilig: Schon früh machen sich die Hohenpriester mit ihrem Gefolge auf und bringen den in ihrer Hand befindlichen Jesus zum Palast des römischen Statthalters Pontius Pilatus. Sie haben vor, von ihm ein Todesurteil zu erwirken, das sie selbst nicht verhängen dürfen. Offenbar verbreitet sich die Nachricht von der Verhaftung Jesu wie ein Lauffeuer in der Stadt. Die Leute strömen vor dem Palast des Pilatus zusammen als Jesus und seine Anklänger erscheinen. Was mag sie antreiben, Hannas, Kajaphas und ihre Leute? Schutz dessen, was ihnen heilig ist? Machtbesitz? Vermutlich eine Verbindung aus beidem.
Pilatus kommt zu den Hohenpriestern heraus, da diese für das kommende Passah unrein würden, wenn sie seinen (heidnischen) Palast betreten würden. Pilatus gibt sich gegenüber den Hohenpriestern zuerst distanziert, aber offenbar kennt er Jesus. Er weiß, dass von ihm als dem "König der Juden" gesprochen wird. Als die Hohenpriester dann das Todesurteil verlangen verhört er Jesus allein. Jesus tritt ihm, trotz des nahenden Todesurteils, mit großer Ruhe entgegen. Alle Anschuldigungen könenn ihn nicht reffen, denn er bezieht seine Ehre, seine Kraft und Sendung von seinem Vater im Himmel. Pilatus kann keine Schuld an Jesus finden - welche Gefahr für seinen Bereich, die Ordnung des Staates, soll von jemandem ausgehen, der sich nicht verteidigen lässt und der selbst sagt, er sei zum Zeugnis für die Wahrheit gekommen, doch sein Reich sei nicht von dieser Welt? Pilatus versucht es also mit einem Kompromiss. Da er jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen freilässt, schlägt er dem Volk vor, er könne ja Jesus, der derweil im Palast des Pilatus wartet, freilassen. So könnte er einerseits die Hohenpriester zufrieden stellen, indem er Jesus schuldig spricht, andererseits aber einen letzten Rest Gerechtigkeit wahren, denn er hält Jesus für unschuldig. Doch auf diese Finte lässt sich niemand ein. Barabbas, ein aufrührerischer Straßenräuber - dieser tatsächlich ein Feind des römischen Reiches - er ist es, den das Volk aus dem Kerker geholt haben will. Was für ein Sinnbild - man schickt den Erlöser ans Kreuz, doch den Räuber holt man aus dem Kerker. Pilatus lässt Jesus daraufhin geißeln. Vermutlich wollte er damit die jüdischen Führer zufrieden stellen. Wieder kommen die barbarischen Triebe derer zum Vorschein, in deren Hand Jesus gegeben wird. Sie schlagen ihn, spucken ihn an, stechen ihn, verhöhnen ihn. Und dann geißeln sie ihn. Das Blut fließt, die Wunden überziehen seinen Körper während der angebundene Jesus einen Schlag nach dem anderen mit den Geißeln ertragen muss. Entkräftet, blutig, am Ende seiner Kräfte wird er wieder dem Volk vorgeführt - zum Hohn mit Dornenkrone und Purpur. Doch dieser Hohn kündet von Ferne die Wahrheit. Hier steht nicht ein König, wie ihn sich das Märchen wünscht, kein strahlender Held aus Sagen, Legenden, heidnischen Mythen - hier steht der wahre König der Welt: Geschlagen, bespuckt, verspottet. Doch ein König. Ein wahrer König, vielleicht der einzige wahre König. Hier steht einer, der bereit ist, für das zu leiden, wofür er steht, der ganz und gar davon erfüllt ist, den Willen Gottes zu tun. Nicht, dass ihm Spott, Qual und Unglaube nichts ausmachen würde - doch es geht ihm nicht um menschliche Ehre, sondern um Gottes Ehre. Es geht darum, das Werk der Erlösung zu vollenden. Nichts kann ihn davon abhalten, er ist bereit sich für das Heil der Welt zu opfern.
Als Jesus dort nun also steht, erbarmungswürdig zugerichtet, ist es noch nicht genug: 'Crucifige' - Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm! schallt es aus der Menge. Jesus steht dort, wehrlos, den Blicken der Menge und dem Geschrei, das seinen Tod fordert ausgeliefert. Pilatus ist unentschlossen. Im Grunde ist Jesus ihm egal, aber ein Funken römischen Gerechtigkeitssinns lebt wohl doch in ihm. Die Hohenpriester aber wollen ihr Werk vollenden und Jesus ein für alle mal aus dem Weg räumen - er muss sterben. Wie schon der Hohepriester Kajaphas prophezeit hatte: "Es ist besser ein Mann stirbt für das ganze Volk, als dass das ganze Volk verdirbt." Wie recht auch er hatte. Doch wie anders seine Worte wahr sind, als er es meinte.
Die Ankläger legen nach: 'Er hat sich Sohn Gottes genannt'. Er muss sterben. Ein Hauch von Angst weht Pilatus an. Was wenn es stimmt? Was, wenn dieser so undurchschaubare und geheimnisvolle Mann, den er foltern ließ und den er hinrichten lassen soll, tatsächlich der Sohn Gottes sein sollte? Pilatus steht kurz davor, Jesus laufen zu lassen. Die jüdischen Würdenträger merken, dass es knapp wird. Sie ziehen den letzten Trumpf. Sie lassen rufen: "Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf". 'Freund des Kaiser' war ein römischer Ehrentitel über den man verfügen sollte, wenn man Karriere machen wollte. Die Drohung, dass er ihn verlieren oder gar nicht erst erhalten könnte, dreht die Lage. Was soll's? denkt sich Pilatus. Ist doch wohl ehe nur ein verrückter Wanderprediger. Sollen sie ihn haben! Er überlässt Jesus wieder den Hohenpriestern und gibt Anweisung ihn zu kreuzigen.
Nun bringt man Jesus nach Golgota, was Schädelhöhe bedeutet. Dort wird er, der Herr, ans Kreuz geschlagen und an seinem Marterwerkzeug erhöht. Zum Hohn, und als Reizwort für die Hohenpriester hat Pilatus ein Schild oben am Kreuz anbringen lassen: "Jesus von Nazareth, der König der Juden". Es ist noch immer am Morgen als der Heiland mit zerschundenem Leib, seiner Kleider beraubt am Kreuz auf Golgota am Kreuz hängt. Einzig seine Mutter und der Apostel Johannes sind am Ort des Geschehens. Wie muss er sich fühlen, der Gottessohn? Ans Kreuz geschlagen, ohne Schuld? Verlassen, wo er nie jemanden verließ?
Hier nun am Kreuz erfüllen sich die letzten Prophezeiungen - um seine Kleider wird das Los geworfen. Man gibt ihm Essig zu trinken. Doch das Ungeheurliche geht nicht spurlos an der Schöpfung vorbei. Als Jesus drei Stunden am Kreuz hängt, es ist die zwölfte Stunde, kommt eine Finsternis über das Land. Um die neunte Stunde schreit Jesus auf - und stirbt. Er, der Quell allen Lebens, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, er ist tot.
"Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heilien, die entschlafen waren, wurden auferweckt.Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!" (Mt 27)

Des Königs Fahne tritt hervor, das Kreuz steigt aus der Nacht empor,
an dem das Leben für uns starb und Leben durch den Tod erwarb.

Verwundet hing der Herr daran, aus der durchstochnen Seite rann,
vermischt mit Wasser, heilges Blut, zu löschen unsrer Sünden Glut.

Was David sah im hehren Bild, auf Golgotha hat sich's erfüllt;
das Kreuz ist des Erlösers Thron, vom Kreuz herab herrscht Gottes Sohn.

O schöner Baum, wie stehst du ganz, im königlichen Purpurglanz!
O edler Stamm, o hoher Wert, daß dich so heilge Last beschwert.

Du bist die Waage, welche hält, das Lösegeld der ganzen Welt,
an der die Siegesbeute prang, die Gott der Hölle abverlangt.

O Kreuz, durch das uns Hoffnung sprießt, in deinem Sieg sei uns gegrüßt!
Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat.

Dank sei dir, o Dreifaltigkeit, und Lob und Preis in Ewigkeit,
daß du durch Christi Kreuz und Tod uns hast erlöst aus jeder Not.

Kreuzweg: 11.Station - Jesus wird an das Kreuz genagelt

Nun ist es soweit gekommen: Gott ist nicht mehr bei uns. Er liegt auf der Erde. Wie einen Hirsch hat ihn die Meute in dichten Haufen an der Kehle gepackt. Du bist also gekommen, du bist wirklich einer von uns geworden, Herr! Man hat sich auf dich gesetzt, man preßt dir die Knie auf das Herz. Diese Rechte, die der Henker verdreht, ist die Rechtes des Allmächtigen. Man hat das Lamm an den Füßen gefesselt, man bindet den Allgegenwärtigen an. Man bezeichnet auf dem Kreuz mit Kreide seine Höhe und sein Maß. Und wenn er von unsern Nägeln gekostet, werden wir sein Gesicht sehen! Ewiger Sohn, durch seine Unsterblichkeit einzig umgrenzt - da ist er nun der armselige Erdenfleck, den du bei uns begehrt hast. Siehe da, Elias, der Länge nach auf dem Toten ausgestreckt! Siehe da, Davids Thron und der Ruhm Salomons! Siehe da, unserer Liebe Bett mir dir, gewaltig und hart. Schwer ist es für einen Gott, sich anzupassen unserm Maß. Man zerrt, und halb aus den Gelenken gerissen, kracht der Körper, und schreit. Er ist gespannt wie eine Kelter, schauerlich ist er zurechtgehauen. Damit der Prophet gerechtfertigt würde, der es so vorausgesagt hat: "Sie haben seine Hände und Füße durchbohrt, sie haben gezählt alle seine Gebeine."
Du bist gefangen, Herr, und kannst nicht mehr entweichen. Du bist auf das Kreuz genagelt an Händen und Füßen. Ich habe nichts mehr im Himmel zu suchen mit Ketzern und Narren. Dieser Gott ist mir genug, der da von vier Nägeln eingeschlossen ist.

Donnerstag, 20. März 2008

Triduum paschale I: Gründonnerstag

Ein Tag ungemeiner und bedrückender Dichte: Gründonnerstag.
Am letzten Sonntag hatte Jesus mit seinen Aposteln und Jüngern im Rahmen der jährlichen Wallfahrt zum Passahfest Jerusalem erreicht. Das Volk, das schon von ihm gehört hat, bereitet ihm einen triumphalen Empfang: Hosanna-Rufe erschallen, Palmzweige werden geschwenkt, die Menschen breiten vor ihm auf den Straßen Jerusalems ihre Kleider aus und Jesus reitet nach der Sitte der Könige von Israel und der Prophezeiung des Sacharja auf einem Esel in die Stadt, das Herz des Königreiches Juda, das Zentrum des Volkes Israel hinein. Hier wird die Entscheidung fallen.
Nicht weit von Jerusalem in Bethanien leben die Geschwister Maria, Martha und Lazarus. Lazarus kennen wir vor allem daher, weil der Herr ihn von den Toten auferweckte. Er scheint darüber hinaus ein alter Freund Jesu zu sein, er wird als solcher schon bei den ersten Erwähnungen in der Hl.Schrift benannt. Ich finde es oft bewegend, solche kleinen, aber doch so menschlichen Details über Jesus, unseren Erlöser, zu erfahren. Auch er hat Freunde aus Jugendtagen und er besucht sie nun, im Angesicht dessen, was geschehen wird - was geschehen muß. Zu Beginn dieses letzten großen Waffenganges, den der Herr für uns kämpfen, vielmehr leiden muss, kehrt er noch einmal bei Lazarus, Maria und Martha ein: Er ist bei Freunden.
Die Freundschaft zwischen Jesus und den Geschwister geht tief: Mit Lazarus ist er durch die Auferweckung so eng verbunden, dass man plant, auch ihn zu töten, damit jede Erinnerung an Jesus ausgelöscht werde. Innig aber auch die Verbindung zu Maria, die einst zu seinen Füßen saß und ihn Lehren hörte. Sie spürt, dass das Ende naht und salbt Jesus als einen letzten Freundschafts, ja Liebesdienst, mit dem teuren Salböl, so daß das ganze Haus vom Geruch des Öls erfüllt wird... Doch da fällt der erste Schatten auf das Bild. Judas - das beklemmende Beispiel eines Menschen, der in der unmittelbaren Nähe Jesu lebte und doch zum Verräter wurde - erhebt sich und schillt Maria, denn das Salböl hätte man verkaufen und den Erlös den Armen geben können. Wie sehr muss es Jesus geschmerzt haben, das zu hören? Er, der kurz vor Abschied, Leiden, Qual und Tod steht, ihm wird ein Liebesdienst erwiesen und aus seinem engsten Kreis erhebt sich Widerspruch...
Doch Judas, einst ein lauterer Jünger, doch nun ein Werkzeug Satans geworden, bietet sich den Hohenpriestern an, Jesus auszuliefern und erhält den Lohn, den Sacharja schon vorausgesagte hatte: 30 Silberstücke. Kaum genug für ein paar Tage um zu leben. Er wird bereuen, was er tat. Und er wird nicht wieder zu Jesus finden. Doch nun sinnt er darauf, ihn zu verraten.
Jesus predigt in Jerusalem. Die Lage spitzt sich zu. Er bereitet seine Jünger im kleinen Kreis darauf vor, dass die Zeit des Abschieds gekommen ist. Wir erreichen den Tag, den wir heute begehen. Jesus gibt den Jüngern ein Zeichen: Die Fußwaschung. So wie ich euer Meister und Herr bin, aber doch euer Diener, so sollt auch ihr einander dienen!
Und er stiftet das große Geheimnis der Eucharistie. Sein Leib, sein Blut, die er für uns in den Tod hingibt, in denen er aber auch stets bei uns sein wird. Die Handlung, die er seinen Aposteln auf ewig aufträgt, das Bundesmahl des neuen und ewigen Bundes in der durch alle Zeiten das Opfer, das der Gottessohn am Kreuz gebracht hat, gegenwärtig bleiben wird. So können auch wir ihm leibhaft begegnen und mit ihm eins werden, uns ihm anverwandeln. Tut dies zu meinem Gedächtnis! befiehlt er den Aposteln. Er weiß, dass sie wieder seiner gedenken werden. Aber zu wem sagt er es jetzt? Judas, der Verräter, sitzt mit am Tisch. Petrus schwingt große Sprüche: 'Ich will lieber für dich sterben, Meister!" - doch Jesus weiß, er wird ihn verleugnen. Nicht nur einmal, sondern dreimal, und das schon, ehe der nächste Morgen anbricht. Der Rest derer, die jetzt um ihn versammelt sind, wird schon bei seiner Verhaftung fliehen. Keiner wird bleiben. Kein Einziger. Und der Herr weiß es. Doch er schaut ihnen ins Gesicht, hält Mahl mit ihnen und hält an ihrer Erwählung fest. Er löst die Bindung an seine Jünger nicht. Er trägt ihnen vielmehr auf - tut dies zu meinem Gedächtnis. Ihr bleibt meine Gesandten, meine Apostel, auch über die nächsten Tage hinaus, in denen Schreckliches geschehen wird. Doch nun gilt: Der Hirte wird geschlagen und die Herde wird sich zerstreuen.
Die Gruppe zieht nach dem Dank hinaus nach Getsemani. Ein Ort, an dem sie schon öfter waren. Erinnerungen an frühere Beisammensein. Ein Ort, den sie kennen, den Jesus kennt. Das Bedürfnis, das Ende dort zu erwarten, wo auch der zu Hause ist " der keinen Platz hat, wo er sein Haupt danieder legen kann" - ein wenig jedenfalls. Der Herr sondert sich ein Stück von den anderen ab, er nimmt den engsten Kreis seiner Jünger, seiner Freunde mit: Petrus, Jakobus und Johannes: "Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mir mir!" Der Herr betet, sein Wissen um das Morgen quält ihn, er schwitzt Blut und Wasser und fleht seinen himmlischen Vater an. Doch ebenso ergibt er sich in seinen Willen. Doch die Apostel - sie schlafen ein. Der Herr findet in seinem Leiden keine Stütze. Wie einsam muss er sich gefühlt haben, wie einsam muss er gewesen sein...

Bei stiller Nacht, zur ersten Wacht, ein Stimm begann zu klagen;
ich nahm in acht, was sie da sagt, tat hin die Augen schlagen.

Es war der liebe Gottessohn, sein Haupt hat er in Armen,
viel weiß und bleicher als der Mond, ein Stein es möcht erbarmen.

Ach, Vater, lieber Vater, mein, und muß den Kelch ich trinken?
Und mag's dann ja nicht anders sein, mein Seel nicht laß versinken!

Doch Sinn und Mut erschrecken tut, soll ich mein Leben lassen.
O bittrer Tod, mein Angst und Not ist über alle Maßen.

Ade, ade zu guter Nacht, Maria Mutter milde.
Ist niemand, der dann mit mir wacht, in dieser Wüsten wilde?

Ein Kreuz mir vor den Augen schwebt, o weh der Pein und Schmerzen!
Daran man morgen mich erhebt, das greifet mir zu Herzen.

Zu Gott ich hab gerufen zwar, aus tiefsten Todes Branden:
Dennoch blieb ich verlassen gar, ist Hilf noch Trost vorhanden.

Der schöne Mond will untergehen, vor Leid nicht mehr mag scheinen,
der Stern ohn Glanz am Himmel stehen, mit mir sie wollen weinen.
[Friedrich Spee]

Dann ist es soweit - durch die Nacht näheren sich mit Waffen und Fackeln die Knechte der Hohenpriester an ihrer Spitze Judas, der sie führt. Sie betreten den Hain, man kann sich das Entsetzen der Jünger vorstellen. Es ist soweit, schlagartig wird es allen klar. Es ist soweit. Das Ende, alle Befürchtungen treffen ein. Es gibt keine Chance, Widerstand ist zwecklos, Petrus wird von Jesus zurecht gewiesen. Und Judas küsst den Gottessohn. Den, dem er einst als Jünger voll Freude und Glauben, voll Enthusiasmus gefolgt ist. Für den er alles verließ, der sein Leben war, der Weg, die Wahrheit. Er küsst ihn ein letztes Mal und besiegelt den Verrat. Was muss in ihm vorgegangen sein, in Judas, als er Jesus berührte? Jesus, der auch sein Leben war? Doch nun hat die Finsternis die Macht, es ist ihre Stunde. Als Jesus den Kriegsknechten kampflos entgegentritt fliehen alle Jünger.
Einzig Petrus, das Haupt des Jüngerkreises und Johannes, der Lieblingsjünger, der zur Rechten des Herrn sitzen durfte, folgen in weitem Abstand der Gruppe, die Jesus wegbringt. Es geht zu Hannas. Hannas ist das Haupt der mächtigsten Familie Jerusalems. Obwohl er offiziell nicht mehr Hoherpriester ist (das ist Josef Kajaphas, sein Schwiegersohn) zieht er die Fäden. Zu ihm wird Jesus nun gebracht. Er wird verhört. Er wird geschlagen. Er wird verhöhnt. Ein Teil des Hohen Rates trifft in der Nacht im Palast des Hannas ein. Später wird das Verhör vor dem amtierenden Hohenpriester selbst fortgesetzt. Als Jesus sich schließlich dazu bekennt der Messias, der Sohn Gottes zu sein, wird er angespuckt, geschlagen, geohrfeigt. Endlich hat man ihn soweit. Man lässt sich an ihm aus.
Petrus und Johannes beobachten das Verhör in einigem Abstand vom Hof aus, wo sich auch Jesus befindet. Doch Petrus fällt auf - "Du bist doch auch einer von ihnen!" sagt man ihm. "Nein, nein, nein!" weist er es von sich und verleugnet seinen Herrn, der doch geschunden und unter Lügen angeklagt vor ungerechten Richtern steht, die nichts wollen als seinen Tod. "Ich kenne diesen Menschen nicht" blafft Petrus zum dritten Mal die ihn Fragenden an. Der Hahn kräht. Der Blick Jesu trifft Petrus. Sie schauen sich an. Dieser Blick Jesu, wie mag er aus dem von Schlägen entstellten und verwundeten Gesicht hervorgekommen sein. Welche unendliche Traurigkeit muss darin gelegen haben. Petrus, der gute Petrus, auch er verlässt seinen Herrn. Auch er will ihn nicht mehr kennen. Petrus begreift - und ihm kommen die Tränen.
Der Rest dieser Nacht, in der schon der frühe Morgen heraufdämmert, wird dem dunklen Zwielicht überlassen, das gnädig eine zeitlang verdeckt, dass, wenn die Sonne hoch am Himmel stehen wird, nichts mehr so sein wird, wie es war. Doch nun kehrt ein kurzer Moment der Ruhe ein. Die Ruhe einer Nacht verängstigter, zu tode betrübter, über sich selbst entsetzter Jünger und Apostel. Die Ruhe einer Nacht in der das Gewissen des Verräters zu schlagen beginnt und immer fester hämmert bis er nur noch rufen kann: Nein, was habe ich getan! Die Ruhe einer Nacht, in der Gottessohn geschunden in einem Kerkerloch sitzt und darauf wartet, dass die, die in dieser Finsternis frohlocken, ihr blutiges Werk zu Ende bringen werden. Mag er auch schaudern und zittern, er wird sein Werk morgen vollbringen. Denn nun ist die Stunde da.

Mittwoch, 19. März 2008

Kreuzweg: 10.Station - Jesus wird seiner Kleider beraubt

Da ist nun die Tenne, wo der himmlische Weizen geschrotet wird. Der Vater ist entblößt, der Schleier des Tabernakels ist weggerissen. Die Hand ist an Gott gelegt, das Fleisch des Fleisches erzittert. In seinem Grunde bedroht, erbebt das Waltall bis in seine innersten Eingeweide! Wir aber wollen, da man ihm das Gewand und den Rock ohne Naht genommen hat, unsere Augen erheben, wollen es wagen, Jesus den ganz Reinen, zu betrachten.
Nichts haben sie dir gelassen, Herr, alles haben sie dir genommen. Sogar das Kleid, das am Fleische klebt, so wie sie heutzutage dem Mönch seine Kutte entreißen und der gottgeweihten Jungfrau ihren Schleier. Alles haben sie ihm genommen, es bleibt ihm nichts mehr, sich zu bergen, nichts, um sich zu verteidigen. Nackt wie ein Wurm ist er allen Menschen ausgeliefert und zur Schau gestellt... Was, das ist euer Jesus? Er reizt ja zum Lachen! Er ist bedeckt von Schlägen und Unrat, er gehört zu den Verrückten und ins Polizeigewahrsam. Tauri pingues obsederunt me. Liber ame, Domine, de ore canis. Er ist nicht der Christus, Er ist nicht der Sohn des Menschen. Er ist nicht Gott. Sein Evangelium ist Lüge, und sein Vater ist nicht im Himmel. Er ist ein Narr! Ein Betrüger! Heißt ihn doch reden! Heißt ihn doch schweigen! Der Knecht des Annas gibt ihm einen Backenstreich, und Kenan küsst ihn ... Sie haben alles genommen. Aber es bleibt das scharlachfarbene Blut. Sie haben alles genommen. Aber es bleibt die aufbrechende Wunde. Gott ist verborgen. Aber es bleibt der Mann der Schmerzen. Gott ist verborgen. Es bleibt mein Bruder voller Tränen.
Durch deine Verdemütigung, Herr, durch deine Schmach, habe Mitleid mit den Besiegten, mit dem Schwachen, den der Starke überwältigt. Durch die Schauerlichkeit dieses letzten Kleides, das man dir entrissen, habe Mitleid mit allen, die man zerreißt: mit dem dreimal operierten Kinde, dem der Arzt Mut zuspricht, mit jenem armen Verwundeten, dessen Verband man erneuert, mit dem gedemütigten Gatten, mit dem Sohn neben seiner sterbenden Mutter und mit dieser furchtbaren Liebe, die wir uns aus dem Herzen reißen müssen.

Kreuzweg - 9.Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Ich bin noch einmal gefallen, und diesmal ist es endgültig aus. Selbst wenn ich mich erheben wollte, es gäbe keine Möglichkeit mehr. Denn man hat mich ausgepreßt wie eine Frucht, und der Mensch, den ich auf dem Rücken trage, ist zu schwer! Ich habe das Böse getan, und der tote Mann auf mir ist zu schwer! Laßt mich also sterben, denn leichter ist es, auf dem flachen Bauch zu liegen, als aufrecht zu stehen, leichter zu sterben, als zu leben, leichter auf dem Kreuz zu sein als darunter.
Rette uns vor der dritten Sünde, der Verzweiflung! Denn nichts ist verloren, so lange der Tod noch zu trinken bleibt! Mit diesem Holze bin ich fertig geworden, aber es bleibt noch das Eisen übrig! Jesus fällt zum dritten Male, diesmal auf dem Gipfel des Kalvarienberges.

Montag, 17. März 2008

Kreuzweg: 8.Station - Jesus begegnet den weinenden Frauen

Ehe er nun zum letztenmal auf den Berg steigt, hebt Jesus seinen Finger und wendet sich zu dem Volk, das ihn begleitet: ein paar arme Frauen in Tränen, mit ihren Kindern auf dem Arm.
Und wir, wir wollen Jesus nicht nur anschauen, wir wollen hören, nun er da ist. Es ist ja nicht ein Mensch, der seinen Finger inmitten dieser armen, bunten Zeichnung erhebt, es ist unser Gott, und nicht nur im Bilde hat er um unseres Heiles willen gelitten. Es ist wirklich wahr, dieser Mensch war der allmächtige Gott! Es gab tatsächlich einen Tag, da Gott dies für uns gelitten hat! Was für eine Gefahr ist es denn, von der wir um einen solchen Preis losgekauft wurden? Ist das Heil des Menschen so selbstverständlich, daß der Sohn, um es zu vollbringen, sich aus dem Schoße des Vaters losreißen muß? Wenn es so um das Paradies ist, was ist es dann um die Hölle? Was wird man mit dem dürren Holze tun, wenn man dies mit dem grünen tut?

Aus: Paul Claudel. Kreuzweg, 1947.

Sonntag, 16. März 2008

Beginn der Heiligen Woche

Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche. Zur Besinnung in diesen Tagen kann eine der ältesten Passionshymnen dienen, die uns überliefert sind, das Pange, lingua, gloriosi proelium certaminis des Venantius Fortunatus. Leider konnte ich es nirgends als gesungene Version finden, daher hier nur der deutsche Text:

Preise Zunge, und verkünde
den erhabnen Waffengang;
auf das Kreuz, das Siegeszeichen,
singe den Triumphgesang.
Singe, wie der Welt Erlöser
starb und dennoch Sieg errang.

Denn verblendet aß sich Adam
einst vom Baume das Gericht;
doch der Schöpfer voll Erbarmen
wollte sein Verderben nicht
und hat selbst den Baum erkoren
der den Fluch des Baumes bricht.

Gottes Plan, uns zu erlösen,
hat verlangt die Opfertat,
und des Vaters ew'ge Weisheit
macht zuschanden den Verrat
und verlieh barmherzig Heilung,
wo der Feind verwundet hat.

So war in der Zeiten Fülle
uns gesandt des Vaters Sohn,
er, der Schöpfer aller Welten,
stieg herab vom Himmelsthron
und ward Fleisch und ward geboren
und ward einer Jungfrau Sohn.

Als nach dreißig Erdenjahren
für den Herrn die Stunde kam,
daß er unseres Heiles wegen
Taod und Leiden auf sich nahm,
wurde er erhöht am Kreuze,
dargebracht als Gotteslamm.

Seht den Essig, seht die Galle,
Dornen, Nägel, Speer voll Wut
seinen zarten Leib durchbohren,
Wasser strömt hervor und Blut;
Erde, Meere, Sterne, Welten
werden rein durch solche Flut.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit.

Samstag, 15. März 2008

Juan Donoso Cortés: Ein Blick auf Religion und Politik von den katholischen Höhen

Cortés hält die Rede (bekannt als 'Rede über die Diktatur'), aus der hier nur ein kurzer Auszug zitiert wird, am 4.Januar 1849 als geistiges Haupt der konservativ gesinnten Partei vor dem spanischen Parlament.
Das Fundament aller ihrer Irrtümer, meine Herren (indem er sich gegen die Bänke der Linken wendet) besteht darin, daß Sie nicht wissen, welche Richtung die Zivilisation und die Welt gehen. [...] Die Welt, meine Herren, geht mit eilensten Schritten der Einrichtung eines Despotismus entgegen, des gigantischsten und zerstörerischsten, dessen sich die Menschen erinnern können. Diesem Ziel geht die Zivilisation entgegen; hierhin eilt die Welt. Diese Dinge anzuzeigen, brauche ich kein Prophet zu sein. Es genügt mir dazu, das Angst einflößende Ganze der menschlichen Ereignisse von einem einzigen wirklichen Gesichtspunkte aus zu betrachten, von den katholischen Höhen aus.
Meine Herren, es gibt nur zwei Arten möglicher Unterdrückungen: die eine, die innerlich ist, und die andere, die äußerlich ist: die religiöse und die politische. Die sind aber solcher Natur, daß, wenn das religiöse Thermometer hoch steht, das Thermometer der Unterdrückung tief steht, und wenn das religiöse Thermometer niedrig steht, dann steht das politische Thermometer, die politische Unterdrückung, die Tyrannei hoch. Das ist ein Gesetz der Menschheit, ein Gesetz der Geschichte. [...] Die Freiheit, die wahre Freiheit, die Freiheit aller und für alle, kam nicht in die Welt, als mit dem Retter der Welt. (Sehr gut! Sehr gut!) [...] Mit Jesus Christus, mit dem die religiöse Unterdrückung beginnt, verschwindet die politische Repression vollkommen. Das ist so wirklich wahr, daß, da Jesus Christus mit seinen Schülern eine Gesellschaft gründete, sie auch die einzige Gesellschaft war, die ohne Regierung existierte. Zwischen Jesus und seinen Schülern gab es keine andere Regierung als die Liebe des Meisters zu seinen Schülern und die Liebe der Schüler zum Meister. Das heißt, als die innere Repression vollkommen war, war die Freiheit absolut. [...] Es kommt zu den apostolischen Zeiten [...]. In diesen Zeiten, meine Herren, befand sich die christliche Religion, da heißt die innere, religiöse Repression auf ihrer ganzen Höhe, auf ihrem Apogäum; aber, obschon sie sich auf ihrer höchsten Höhe befand, geschah, was in allen aus Menschen bestehenden Gesellschaften geschieht, daß sich ein Keim zu entwickeln begann, nicht mehr als ein Keim der Schamlosigkeit und der Freiheit von der Religion. [...] Diesem Anfang vom Absteig des religiösen Thermometers entspricht ein Anfang des Aufstiegs im politischen Thermometer. So gab es damals in der christlichen Gesellschaft in der Tat noch keine wirklichen Behörden, sondern Schiedsrichter und freundschaftliche Vermittler, die den Embryo einer Regierung darstellten [...]. Die Christen der apostolischen Zeit hatten keine Prozesse, gingen nicht vor die Tribunale, entschieden ihre Streitigkeiten mit Hilfe von Schiedsrichtern. Und man mag beobachten, meine Herren, wie mit der Verderbnis die Regierung wächst.
Es kommen die feudalen Zeiten, und es befindet sich die Religion immer noch auf ihrer höchsten Höhe, aber bis zu einem gewissen Punkte durch die menschlichen Leidenschaften verderbt. Was geschieht nun, meine Herren, in diesen Zeiten in der politischen Welt? Daß nun schon eine wirkliche effektive Regierung nötig ist: aber die schwächste aller möglichen genügt schon. Und so wird die feudale Monarchie begründet, die schwächste aller Monarchien. [...] Wir kommen, meine Herren, zum 16.Jahrhundert. In diesem Jahrhundert, mit der großen Reformation Luthers, mit diesem großen politischen und auch religiösen Skandal, mit diesem Akt der intellektuellen und moralischen Emanzipation der Völker, fallen folgende neue Institutionen zusammen: in erster Linie werden die feudalen Monarchien von einem Augenblick auf den anderen absolut. [...] Es war notwendig, meine Herren, daß das Thermometer der polititschen Repression höher stieg, weil das religiöse Thermometer fortfuhr, tiefer zu fallen; und in der Tat, es stieg weiter. Und was für eine neue Institution wurde da geschaffen? Die der stehenden Heere. [...] Es genügte den Regierungen nicht mehr, absolut zu sein; sie verlangten und erhielten das Privileg, absolut zu sein und eine Million Arme zu haben. [C. führt die geschichtlichen ausführungen in diesem Sinn weiter...] Meine Herren, das war der Zustand Europas und der Welt, als der erste Ausbruch der letzten Revolution uns allen mitteilte, daß es immer noch nicht genug Despotismus in der Welt gab, denn das religiöse Thermometer zeigte unter Null an [...] Entweder kommt die religiöse Reaktion oder nicht; wenn es eine religiöse Reaktion gibt, dann können Sie gleich sehen, meine Herren, wie mit dem Aufstieg des religiösen Thermometers ganz natürlich, spontan, ohne jegliche Anstrengung der Völker oder der Regierungen oder der einzelnen Menschen das polititsche Thermometer zu sinken beginnt. [...]
Ein einziges Ding kann die Katastrophe vermeiden: ein einziges und kein anderes; dem geht man nicht aus dem Wege, wenn man mehr Freiheiten, mehr Garantien, neue Verfassungen bewilligt. Das vermeidet man, wenn alle, soweit nur unsere Kräfte reichen, eine heilsame religiöse Reaktion hervorrufen. Nun gut, meine Herren: ist eine solche Reaktion möglich? Möglich ist es; aber, ist sie auch wahrscheinlich? Meine Herren, hier spreche ich mit der tiefsten Trauer: ich halte es nicht für wahrscheinlich. Ich habe, meine Herren, viele Individuen gesehen und kennengelernt, die aus dem Glauben austraten und zu ihm zurückgekehrt sind; unfglücklicherweise aber, meine Herren, habe ich niemals ein Volk gesehen, das zum Glauben zurückgekommen ist, nachdem es ihn verloren hatte.
Aus: Juan Donoso Cortés: Drei Reden. Herausgegeben von Johannes Langenegger. Zürich 1948

Freitag, 14. März 2008

Kreuzweg: 7.Station - Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Es ist nicht der Stein unter dem Fuße, noch der Halfter, der zu stark angezogen wird - die Seele ist es, die plötzlich versagt. O unseres Weges Mitte! O Fall, den man ohne Verbedacht begeht! Wenn der Magnet keinen Pol mehr hat und der Glaube keinen Himmel mehr, weil der Weg so weit ist und das Ziel so fern, weil man ganz allein ist und ohne jeden Trost! Länge der Zeit! Geheimer Widerwille, der stetig anwächst gegen das unbeugsame Gebot und gegen den Gefährten aus Holz! Darum streckt man beide Arme zugleich aus, wie jemand, der schwimmen will, nicht allein auf die Knie fällt man, sondern auf das Gesicht. Freilich ist es der Körper der fällt, doch die Seele hat zu gleicher Zeit zugestimmt.
Rette uns vor dem zweiten Falle, den man so leicht aus Überdruß begeht!

Aus: Paul Claudel: Der Kreuzweg. 1947.

Sonntag, 9. März 2008

Juan Donoso Cortés: Theorie der Diktatur

Cortés hält die Rede, aus der hier nur ein kurzer Auszug zitiert wird, am 4.Januar 1849 als geistiges Haupt der konservativ gesinnten Partei vor dem spanischen Parlament.
[...] Meine Herren! Ich glaube, dass die Gesetze für die Gesellschaften gemacht worden seien, und nicht die Gesellschaften für die Gesetze und ich sage, die Gesellschaft, alles für die Gesellschaft, alles durch die Gesellschaft, immer die Gesellschaft, die Gesellschaft unter allen Umständen, die Gesellschaft bei allen Gelegenheiten! (Bravo!Bravo!)
Wenn die Gesetzlichkeit für die Erhaltung der Gesellschaft genügt, dann die Gesetzlichkeit; und wenn sie nicht genügt, dann die Diktatur. Meine Herren, dieses furchtbare Wort (denn furchtbar ist es, wenn auch nicht so sehr wie das Wort Revolution, welches das furchtbarste unter allen ist) (Aufsehen), ich sage, meine Herren, daß die Diktatur unter gewissen Umständen, bei gegebenen Bedingungen, unter Umständen wie den gegenwärtigen, eine gesetzliche Regierung ist, eine gute Regierung, eine vorteilhafte Regierung, eine rationale Regierung, die in der Theorie verteidigt werden kann, so gut wie im praktischen Leben. Und wenn nicht, meine Herren, so schauen Sie, was aus dem sozialen Leben geworden ist. Das soziale Leben besteht wie das Menschenleben aus Aktion und Reaktion, dem Stoß und dem Rückstoß gewisser eindringender und gewisser widerstrebender Kräfte.
Nun gut: die eindringenden Kräfte, im menschlichen Körper Krankheiten genannt, anders aber im sozialen Körper, obschon sie wesentlich ein und dasselbe Ding sind, haben zwei Zustände: es gibt einen, in dem sie durch den ganzen gesellschaftlichen Körper hindurch verbreitet und in dem sie durch die Individuen repräsentiert sind; aber es gibt noch einen zweiten, äußeren heftigen Krankheitszustand, in dem sie sich mehr zusammenballen und sich in politischen Vereinigungen darstellen. Nun also: Ich sage, wenn die widerstehenden Kräfte nicht da sind, im menschlichen Körper so gut wie im sozialen Körper, sondern bloß, um die von außen eindringenden Kräfte zurückzuweisen, so müssen sie notwendigerweise in bezug auf ihren Körper beschafft werden. Wenn die eindringenden Kräfte sich ausgebreitet haben, dann die Widerstand leistenden ebenso, die durch Regierung, die Behörden und die Gerichte existieren; in einem Wort, durch den ganzen sozialen Körper hindurch. Aber wenn diese eindringenden Kräfte sich in politischen Vergesellschaftungen zusammenballen, dann allerdings werden die widerstandleistenden Kräfte notwendigerweise, ohne daß jemand sie daran hindern kann, ohne daß jemand das Recht hat, sie daran zu hindern, von sich aus in einer Hand zusammengefaßt. Das ist die klare, lichtvolle und unbestreitbare Theorie der Diktatur. Und diese Theorie, meine Herren, welche eine Wahrheit in der Ordnung der rationalen Dinge ist, ist zugleich eine stets vorkommende Tatsache in der Ordnung der geschichtlichen Dinge [Cortés führt Beispiele aus Athen, Rom, Frankreich und England an].
Meine Herren! Gott hat bis zu einem bestimmten Punkte den Menschen die Regierung der menschlichen Gesellschaften überlassen und hat für sich allein die Regierung des Weltalls reserviert. Das Weltall wird von Gott regiert, wenn man so sagen kann, und in so erhabenen Dingen Ausdrücke der parlamentarischen Sprache angebracht sein können, verfassungsgemäß (Großes Gelächter auf den Bänken der Linken). Und, meine Herren, die Sache scheint mir überaus klar und von größter Evidenz zu sein. Es wird von gewissen genauen, unentbehrlichen Gesetzen regiert, die man sekundäre Ursachen nennt. Was sind diese Gesetze anderes als Analogien zu denen, die man in bezug auf die menschlichen Gesellschaften die fundamentalen nennt? Nun gut, meine Herren, wenn also in bezug auf diese physische Welt Gott der Gesetzgeber ist, wie es in bezug auf die menschlichen Gesellschaften die Legislatoren sind, wenn auch in einer anderen Art, regiert dann Gott immer mit diesen selben Gesetzen, die er sich selbst in seiner ewigen Weisheit auferlegte, und denen er uns alle untertan machte? Nein, meine Herren, denn manchmal bringt er seinen souveränen Willen direkt, klar und ausdrücklich zum Ausdruck, indem er diese selben Gesetze, die er sich selbst auferlegte, zerbricht und den natürlichen Lauf der Dinge abdreht. Nun, meine Herren, wenn er so vorgeht, könnte man da nicht sagen, wenn die menschliche Sprache auch in bezug auf die göttlichn Dinge anwendbar wäre, daß er diktatorisch vorgehe (Neues Gelächter auf den Bänken der Linken)? Das beweist, meine Herren, wie groß der Wahnwitz einer Partei ist, die glaubt, mit weniger Mitteln als Gott regieren zu können, indem sie sich selbst eines öfters notwendigen Mittels, der Diktatur begibt. Wenn es also steht, meine Herren, dann besteht das auf seinen wahren Kern reduzierte Problem nicht mehr darin, herauszufinden, ob die Diktatur tragbar sei, wenn sie unter gewissen Umständen gut ist; die Frage besteht vielmehr darin, herauszufinden, ob für Spanien diese Umstände eingetroffen oder schon wieder verschwunden sind. [...]

Aus: Juan Donoso Cortés: Drei Reden. Herausgegeben von Johannes Langenegger. Zürich 1948. - 1996 erschien: Über die Diktatur. Drei Reden aus den Jahren 1849/50. Hrsg., aus dem Spanischen übertragen und kommentiert von Günter Maschke. Wien.

Freitag, 7. März 2008

Kreuzweg - 6.Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Alle Jünger sind geflohen, voller Taumel verleugnet selbst Petrus. Da wirft sich eine Frau in die dichtgeballte Gemeinheit, in das Zentrum des Todes. Sie findet Jesus und nimmt sein Gesicht in ihre Hände.
Lehre uns Veronika, der Menschenfurcht die Stirne zu bieten! Denn jeder, dem Christus nicht nur ein Bild ist, sondern eine Wirklichkeit, wird den anderen Menschen sofort unangenehm und verdächtig. Sein Lebenstil ist verdreht, seine Beweggründe sind nicht mehr die ihren. Irgend etwas ist in ihm, das ihnen entgeht und fern von ihnen ist. Ein angesehener Mann, der seinen Rosenkranz betet und furchtlos zur Beichte geht, der freitags kein Fleisch ist, und den man wie die Frauen in der Messe sieht: so etwas macht einen lachen, es chokiert, so etwas ist komisch und aufreizend zugleich. Er soll sich nur in acht nehmen bei seinem Tun, denn man hat ein Auge auf ihn! Ja, jeder Christ ist seines Christus wahres, wenn auch unwürdiges Bild. Und das Gesicht, das er zeigt, ist ein trivialer Widerschein jenes göttlichen Antlitzes in seinem Herzen, in Abscheu und Triumph.
Laß es uns noch einmal auf dem Tuch betrachten, o Veronika, wo du es aufgefangen, jenes Angesicht der heiligen Wegzehrung. - Jenen Schleier aus frommen Linnen, auf dem Veronika geborgen hat das Angesicht des Weinkelteres am Tage seiner Trunkenheit (Ps 78,65), damit auf ewig sein Bildnis daran hafte, wie es gemacht ist aus seinem Blut, seinen Tränen und - aus unserem Anspeien.
Aus: Paul Claudel: Der Kreuzweg. 1947.

Donnerstag, 6. März 2008

Juan Donoso Cortes

Juan Donos Cortes aus einem altadeligen Hause - ein männlicher Stamm geht zurück bis auf Hernan Cortes, den Erober von Mexiko - wurde am 6.Mai 1809 in der Nähe von Benedito in der spanischen Extramadura geboren. Dort wuchs er in einem fortschrittsfreundlichen Millieu auf. Er betrieb zuerst in Salamanca, später in Sevilla, juristische, geschichtliche und literarische Studien. Nach einem Besuch in Madrid kehrte er wieder nach Hause zurück um sich das Gedankengut anzueigenen, das in seiner Zeit aus den Ländern Europas nach Spanien drang: Die Aufklärung. Doch immer mehr drängte sich die seelische Welt seines Heimatlandes ins Bewußtseins, jene seelischen Gehalte, die 1800 Jahre vorher Seneca erfüllten und das Land erst fähig gemacht hatten, einer der Hauptsitze des Christentums zu werden. Dazu geschah es, dass seine Frau starb, als Donoso erst 26 Jahre zählte. Für ihn folgte eine lebenslange Witwerschaft.
Ab 1832 hält Donoso eine zeitlang Vorlesungen am Ateneo in Madrid, bevor er Sekretär der Königin wird. Als Abgeordneter gehört er erst zur Progressistenpartei, wird aber allmählich immer mehr zum Haupt der gemäßigten Partei, wie sich sonderbarer Weise die Ultrakonservativen nannten. Von 1840-1843 dient Cortes als Sekretär der exilierten Könige in Paris. 1843-1849 erlebt er den Höhepunkt seiner parlamentarischen und akademischen Laufbahn. In diese Zeit fällt seine berühmte Rede "Über die Diktatur". Ende 1848 wird er Botschafter in Preußen, befindet sich Ende 1849 aber wieder in Spanien und hält die beiden anderen bedeutenden Reden "Über Europa" und "Über die Lage Spaniens". Kurz darauf erscheint sein Hauptwerk, der Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus. Sodann wird er Botschafter in Frankreich, wo er am 3.März 1853 stirbt.
Donoso entwickelt sich zwischen Wiender Kongreß und Februar-Revolution. Was darüber hinausgeht, ist der Zustand des Vollendetseins, Romantik, Heilige Allianz, Aufkommen und allgemeines Eindringen der Industrie in Europa und den USA, Erwachen und Sichbilden des Proletariats, Erwachen auch der neuen atheistischen "Religion". Darin der junge Donoso Cortes, aus heißem leidenschaftsdurchglühtem Boden, verinnerlicht und intellektualisiert, Spanier und Christ, auftauchend zur Bewußtseinsebene im eleganten, legeren französischen See der Aufklärung, dem von Untiefen des "... nicht als ..." durchsetzten. Dann der große Peitschenhieb des Schicksals, der Tod seiner Gemahlin. Schließlich der zweite seelische Haltepunkt: Die Treue zur Königin, deren vertrautester Diener er wird und der immer stärkeren Berührung mit dem Antagonismus dessen, was ihn mit der gänzlichen inneren Sicherheit hebt und nach oben führt. Die romantische Sensitivität der Zeit, die auch ihn durchzittert, läßt ihn in vollkommener Deutlichkeit das Negative, als noch kaum einer seiner spanischen Zeitgenossen etwas davon merkt wie ein empfindlicher Seismograph wahrnehmen. In diesem Zusammenhang ist besonders sein Gegenbild, der Franzose Proudhon, zu nennen. Donoso Cortes befreite sich aus den liberalen Doktrin und hielt dem Geist seiner Heimat die Treue. Doch mit der Zeit ging Donosos Entwicklung immer mehr nach innen - wäre dies anders gewesen, hätte seine Wirkung und sein Erfolg in der Heimat ein ganz anderer sein können.
Anlässlich seines Todes schreibt der österreichische Gesandte in Paris über ihn: "Ein in den dürren Steppen der Diplomatie verlorener Einsiedler, ein Apostel, der den kulturlosen Wilden in den Salons predigte, ein Asket unter dem goldbestickten Brokat eines Gesandten."
Frei nach: Johannes Langenegger: Juan Donoso Cortes: Drei Reden. Zürich 1948.

John Henry Newman: Das Kreuz Christi, das Herz der Religion

Die große und schauererregende Lehre vom Kreuze Christi kann in der Sprache der Bilder passend das Herz der Religion genannt werden. Das Herz kann als der Sitz des Lebens angesehen werden; es ist das Prinzip der Bewegung, Wärme und Tätigkeit; von ihm aus geht das Blut hin und her in die äußersten Teile des Leibes. Es erhält den Menschen in seinen Kräften und Fähigkeiten; es setzt das Gehirn instand, zu denken; und wenn es angetastet wird, stirbt der Mensch. In ähnlicher Weise ist die heilige Lehre vom Sühneopfer Christi das vitale Prinzip, aufgrund dessen der Christ lebt und ohne das das Christentum nicht ist. Ohne es wird keine andere Lehre mit Nutzen gehalten; an Christi Göttlichkeit zu glauben oder an seine Menschheit oder an die Heilige Dreieinigkeit oder an das kommende Gericht oder an die Auferstehung der Toten ist ein unwahrer Glaube, nicht der christliche Glaube, wofern wir nicht auch die Lehre vom Opfertod Christi annehmen. Sie annehmen andererseits setzt außerdem die Annahme anderer hoher Wahrheiten des Evangeliums voraus; sie schließt den Glauben an Christi wahre Gottheit ein, an seine wahre Menschwerdung und an den natürlichen Sündenzustand des Menschen; und sie bereitet den Weg vor zum Glauben an das heilige eucharistische Mahl, in welchem er, der einmal gekreuzigt worden ist, für immer unserer Seele und unserem Leib gegeben wird, wahrhaft und in der Tat, in seinem Leib und in seinem Blut. Aber wiederum, das Herz ist verborgen vor den Augen; es ist sorgsam und sicher gewahrt; es ist nicht gleich dem Auge in die Stirn gesetzt, alles beherrschend und von allen gesehen; und so in ähnlicher Weise ist die heilige Lehre vom Sühneopfer nicht bloß mit Worten zu besprechen, sondern auf ihrem Grund soll gelebt werden; sie soll nicht ehrfurchtlos dargelegt, sondern im Verborgenen angebetet werden; nicht als ein notwendiges Werkzeug bei der Bekehrung der Gottlosen, oder um den Verständigen dieser Welt zu genügen, gebraucht, sondern den Willigen und Gehorsamen entfaltet werden; Kindern, welche die Welt noch nicht verdorben hat; Sorgenden, die Trost brauchen; Aufrichtigen und Ernsthaften, die eine Richtschnur des Lebens brauchen; Unchuldigen, die Warnung brauchen; und den Gefestigten, die ihre Kenntnis verdient haben.

Mittwoch, 5. März 2008

John Henry Newman: Das Kreuz Christi, das Maß der Welt

Laßt uns fragen: was ist der wirkliche Schlüssel, was ist die christliche Interpretation dieser Welt? Was ist uns durch Offenbarung gegeben, wonach wir diese Welt einzuschätzen und zu messen haben? Das Ereignis dieser Kirchenzeit: die Kreuzigung des Sohnes Gottes. Es ist der Tod des Ewigen fleischgewordenen Sohnes Gottes, der unsere große Lektion ist, wie wir von dieser Welt denken und reden sollen. Sein Kreuz gibt den richtigen Wert einem jeden Ding, das wir sehen, allen Glücksgütern, allen Vorteilen, jedem Rang, allen Würden, allen Vergnügungen; aller Lust des Fleisches und der Lust der Augen und dem Hochmut des Lebens. Es hat einen Sinn gegeben, dem veränderlichen wechselnden Lauf, den Prüfungen, den Versuchungen, den Leiden dieser irdischen Dinge. Es hat zusammengebracht und zusammenhängend alles gemacht, was sich zu widerstreiten und zeitlos zu sein schien. Es hat uns gelehrt, was zu wünschen, was zu hoffen ist. Es ist der Klang, in welchem alle Töne der Musik dieser Welt schließlich sich auflösen sollen.
Geht in die politische Welt: seht die aufeinander eifersüchtigen Nationen, den konkurrierenden Handel, die Armeen und Flotten, die gegeneinander ausgespielt werden. Überblickt die verschiedenen Rangstufen in der Gemeinschaft, ihre Parteien und ihre Kämpfe, das Ringen der Ehrgeizigen, die Ränke der Schlauen. Was ist das Ende des ganzen Tumults? Das Grab. Was ist das Maß? Das Kreuz.
Geht wiederum in die Welt des Verstandes und der Wissenschaft: betrachtet die wundervollen Entdeckungen, die der menschliche Geist macht, die Mannigfaltigkeit der Künste, zu denen seine Entdeckungen führen, die an Wunder grenzenden Taten, durch die er seine Macht zeigt: und dann den Hochmut und das Vertrauen der Vernunft und die alles absorbierende Hingabe des Denkens an die vergänglichen Dinge, die die Folge davon ist. Möchtet ihr ein richtiges Urteil über all dies haben? Blickt auf das Kreuz!
Wiederum: Blickt auf das Elend, blickt auf die Armut und Blöße; blickt auf die Unterdrückung und Gefangenschaft; geht hin, wo die Nahrung karg ist und die Wohnung ungesund. Betrachtet Schmerzen und Leiden, lange und heftige Krankheiten, alles, was furchterregend und empörend ist. Möchtet ihr wissen, wie das alles einzuschätzen ist? Schaut auf das Kreuz!
So begegnen einander im Kreuze und in ihm, der an ihm hing, alle Dinge; alle Dinge liegen ihm unter, alle Dinge brauchen es. Es ist ihr Mittelpunkt und ihre Interpretation. Denn er wurde erhöht an ihm , daß er alle Menschen und alle Dinge an sich ziehe.
Aus dem Buch "Das Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes".

Sonntag, 2. März 2008

Der gerechte Krieg - Das Kriegsrecht des Staates in der katholischen Moral (Bernhard Häring)

(1) Der Krieg muss immer das äußerste, allerletzte Mittel der Politik sein, das erst angewendet werden darf, wenn alles Menschenmögliche und Tragbare zur Schlichtung des Streits versucht ist. Auch im Verhältnis der Staaten untereinander darf nicht nur nackte Gerechtigkeit herrschen, sondern der Geist der Liebe und Versöhnlichkeit.
(2) Der Staat hat grundsätzlich ein Kriegsrecht, freilich nur als Notwehrrecht. Erlaubt ist die gerechte Verteidigung der staatlichen Existenz und eines menschenwürdigen Lebens gegen einen ungerechten Angreifer. Es muss aber abgewogen werden, ob die Übel des Defensivkrieges nicht zweifellos schlimmer sein werden, als die Übel, die das Volk bei Gewaltlosigkeit erleiden wird. Der Grundsatz des absoluten Pazifismus, also der absoluten Gewaltlosigkeit gegenüber dem Angreifer, würde nur den böswilligen Nachbarn in seiner Dreistigkeit ermutigen (Pius XII.).
(3) Der Angriffskrieg im eigentlichen Sinn ist unerlaubt und unmoralisch. Ein Krieg, der einem feststehendem gegnerischem Angriff nur zuvorkommt, ist davon nicht betroffen. Für "Polizeiaktionen" einer Weltautorität (etwa der VN) gilt: Ein Machtgebilde, dass seine Macht restlos missbraucht darf durch die Weltautorität angegriffen werden. Hier ist selbst der Tod vieler ein geringeres Übel als die äußerste Versklavung und Verführung ganzer Völker. Ziel einer solchen Aktion darf aber nur das Recht und die Freiheit der Betroffenen sein. Außerdem muss Aussicht bestehen, dass die Übel durch eine solche Aktion nicht noch vergrößert werden. Immer gilt: Nur Dinge, die das Allgemeinwohl schwerer treffen als die vorauszusehenden oder zu befürchtenden Folgen einer kriegerischen Auseinandersetzung, könnten, die gerechte Sache vorausgesetzt, einen Krieg rechtfertigen.
(4) Jeder Krieg darf nur von der rechtmäßigen Autorität beschlossen werden.
(5) Kriegsrecht ist Notwehrrecht.
Der Krieg darf nie die Schädigung oder gar Vernichtung des Gegners zum Ziel haben. Ein Rachekrieg ist wesentlich unchristlich und unsittlich. Die Kriegführenden müssen stets zu gerechten Verhandlungen bereit sein. Die Forderung der bedingungslosen Kapitulation bei Verhandlungsbereitschaft des Gegners ist ein schweres Verbrechen. Die Bestrafung von Völkern kann nur einer neutralen sittlichen Weltautorität zustehen, keinem Staatenbund von Kriegsmächten, der eigene Ziele verfolgt.
(6) Der Krieg muss nicht nur gerecht sein in seinem Grund, sondern auch gerecht und maßvoll in der ganzen Durchführung. Alle Gewaltakte die nicht der Erreichung des Kriegszieles dienen sind schlecht, derartige Befehle dürfen weder erteilt, noch befolgt werden. In sich böse Mittel dürfen nicht angewendet werden, auch wenn sie zum Sieg führen würden. Die Bombardierung offener Städte ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der so erfolgende Mord an der schutzlosen und schuldlosen Zivilbevölkerung ist ein verwerfliches Mittel, das durch kein gutes Ziel gerechtfertigt werden kann. Während die Zerstörung von Fabriken u.ä. für die Kriegsführung gerechtfertigt sein kann, ist die Sitte massensweiser Geiselerschießungen barbarisch. Gefangene zu töten ist Mord, für Fluchtversuche dürfen sie nicht im eigentlichen Sinn bestraft werden. Der Partisanenkrieg um eines gerechten Zieles willen kann nicht völlig verurteilt werden, bringt aber für die Zivilbevölkerung vielfältige Probleme mit sich.
(7) Die Regierung eines Staates darf im Zweifel über das eigene Recht und die Notwendigkeit des Krieges niemals einen Krieg anfangen. Den Kriegsdienst darf ein Bürger aber nur verweigern, wenn er von der Ungerechtigkeit eines Krieges absolut überzeugt ist und solange dadurch die Existenz des Staates nicht gefährdet wird.
(8) Über allem Kriegsrecht steht das große Gebot der Liebe, das auch dem Staatsfeinde gegenüber gilt. Dies gilt für alle Beteiligten auch gegenüber dem Feindvolk und zwischen den Regierungen. Haßreden und Kriegshetze sind schwere Sünden.
(9) Die internationale Politik muß alles daran setzen, eine möglichst dauerhafte Friedensorganisation zu schaffen, und zwar durch den Schutz der schwachen Völker, durch Schaffung internationaler Schiedsgerichtshöfe und durch internationale Abmachungen zur Rüstungsbegrenzung.
Nach: Bernhard Häring CSSR: Das Gesetz Christi. München 1958. Imprimatur.

Samstag, 1. März 2008

John Henry Newman

John Henry Newman ist das größte theologische Genie in der neueren Kirchengeschichte Englands und einer der bedeutensten katholischen Autoren des 19.Jahrhunderts. Seine grundlegende Haltung beruht auf seiner zur Offenbarung Gottes und zu ihrem Wahrheitsanspruch. Er sieht hier zwei Alternativen: Liberalismus auf der einen Seite, dogmatisches denken auf der anderen. Den Liberalismus zeichnet Newman als einen eher individualistischen, rationalistischen Relativismus. Er selbst tendiert zum dogmatischen Denken: Die Ofenbarung ist in Jesus Christus ergangen, er ist das fleischgewordene Wort Gottes, was vernünftig und klar ausgesagt werden kann und in den sakramentalen Handlungen der Kirche gegenwärtig ist. Newmans Lebensthema wurde die Abwehr des Liberalismus und die vernunftgemäße Begründung des Glaubensaktes und der Glaubensinhalte.
J.H.Newman wurde 1801 als Sohn eines Bankiers geboren. Seine Eltern waren Anglikaner, der Vater eher liberal, die Mutter von tiefer Bibelfrömmigkeit. Newman selbst beschrieb sich nach der räumlichen Trennung von seinem Elternhaus als tugendhaft, aber nicht religiös. Seine Natur war anfällig für Krankheiten, die erste schwere Krankheit ereilte ihn schon 1816, danach zermürbende Leiden besonders 1827 und 1833. Dazu kam der gesellschaftliche und finanzielle Absteig seiner Familie und der Tod seines Vaters 1824. Für Newman bedeuteten diese Entwicklungen und seine schwere Krankheit aber eine Wendung im Denken. Die Existenz Gottes erschien Newman immer selbstverständlicher, er überwand seine bis dahin vorherrschenden materialistischen Ansichten und fand zu einem stark calvinistisch-pietistisch geprägten Glauben innerhalb seiner anglikanischen Kirche. Er gewinnt in dieser Zeit auch den Zugang zu den Kirchenvätern und vernimmt den Ruf zur Ehelosigkeit. Den Papst hält er allerdings für den biblisch prophezeiten Antichristen.
Ende 1816 beginnt Newman in Oxford zu studieren und empfängt dort seine prägenden Eindrücke. Dazu gehörte dieser: "Der heilige Text [der Bibel] sei nie dazu bestimmt gewesen, in einer Lehre zu unterrichten, er sollte nur beglaubigen, und wir müßten uns, um die Lehre kennenzulernen, an die Formulare der Kirche, den Katechismus und das Credo halten". Außerdem erschloß sich ihm die Lehre von der apostolischen Sukzession. Es zeigt sich also eine deutliche Annährung an die katholische Kirche. Als Anglikaner empfängt er aber 1825 die Priesterweihe seiner Kirche. 1826 wird Newman Professor der Theologie in Oxford, wo er ab 1828 auch Pfarrer der Universitätskirche ist, wodurch ihm ein immer größerer Bekanntheitsgrad zuteil wird. Newman beschäftigt sich weiterhin intensiv mit den Kirchenvätern, die ihm die wichtige Rolle der Heilsgeschichte und der Sakramente als Erscheinung einer unsichtbaren Wirklichkeit nahebringen. Newman wandte sich nun besonders gegen den in der Kirche von England zu seiner Zeit vorherrschenden Liberalismus. Er wurde zu einem der Wortführer des Anglokatholizismus, der die anglikanische Kirche als lokale Ausformung der katholischen Kirche betrachtete und nicht in erster Linie als dem Protestantismus zugehörig. Gegen den Liberalismus profilierte er die apostolische Tradition. Newman möchte die englische Kirche auf einen Mittelweg zwischen Katholizismus und Protestantismus führen. Ab 1841 kommt es zu Spannungen zwischen der anglikanischen Kirchenhierarchie und Newman. Andererseits kommt Newman zunehmend von der Idee ab, der Papst sei der Antichrist. Die Beschäftigung mit der Kirchenväterzeit lässt für Newman zunehmend die katholische Kirche als einzige Möglichkeit erscheinen. Er kann sich aber nur nach und nach durchringen, den Papst anzuerkennen, die Verehrung Marias und der Heiligen bleiben problematisch. Am 8.10.1845 wird Newman aber schließlich in die katholische Kirche aufgenommen. Er machte diesen Schritt, weil er im Glauben und Gewissen die volle Identität der Kirche Christi mit der sichtbaren katholischen Kirche erkannte. Der zentrale Punkt seiner Komversion blieb das dogmatische Denken. Es bedeutete für ihn, dass der Mensch die Autorität des sich offenbarenden Gottes anerkennt und die menschliche Vernunft sich ihm öffnet. Newmans Schritt, er war einer der bedeutensten Theologen der anglikanischen Kirche überhaupt, rief großes Aufsehen hervor. Im Mai 1847 empfing Newman die katholische Priesterweihe, 1848 gründet er mit einigen Mitstreitern ein Oratorium des Hl.Philipp Neri in Birmingham, dessen Oberer er bis zu seinem Tod bleibt. Newman beschäftigt sich ab 1850 besonders mit Darstellung und werbender Verteidigung des katholischen Glaubens. Von 1854-1857 war Newman der Rektor der neugegründeten Universität Dublin, auch in Birmingham bemühten sich die Oratorianer um die Hebung des Bildungsniveaus der Katholiken und richteten ein Gymnasium ein. Ab 1865 folgen die wohl berühmtesten Werke Newmans: 1865 Newmans Darlegung über seinen Glaubensweg in der "Apologia pro vita sua", sowie "Die Katholische Marienverehrung". 1870 der "Entwurf einer Zustimmungslehre", eine Schrift die die Vernünftigkeit des Glaubensaktes darlegen soll. Schon 1845 hatte Newman ein anderes bedeutendes Werk "Die Entwicklung der Glaubenslehre" verfasst. 1879 wird Newman zum Kardinal der heiligen römischen Kirche erhoben. Sein Wahlspruch lautet: cor ad cor loquitur - das Herz spricht zum Herzen. Das letzte Lebensjahrzeht verbringt Newman durch Kirche und theologische Wissenschaft hochgeehrt im Oratorium von Birmingham, wo er am 11.8.1890 stirbt. Seine Seligsprechung steht kurz- oder mittelfristig bevor.
Nach: Müller, Gerhard Ludwig: John Henry Newman begegnen. Augsburg 2000.