Samstag, 31. Mai 2008

Einiges interessantes...

... wenn auch nichts weltbewegendes:

Zur Beachtung:

Unter http://politischeliteratur.wordpress.com/ findet der geneigte Leser einen interessanten Blog mit Rezensionen über - vielleicht ist der eine oder andere schon selbst drauf gekommen - politische Literatur, von Schmitt über Horkheimer bis Heinsohn, Raddatz und Wippermann. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass die Seite grade brachliegt.

Unter http://cdu-politik.de/2008/05/30/interview-mit-dr-peter-krausemdl/findet sich im Rahmen des Blogs "CDU-Politik", einer Initiative eher konservativ gesonnener JU'ler, ein interessantes Interview mit Dr.Peter Krause. Krause war designierter Kultusminister von Thüringen, ehe ein Sturm der Entrüstung losbrach, da er vor soundsoviel Jahren in der Zeitung "Junge Freiheit" geschrieben hatte und damit offensichtlich ein lebenslängliches Kainsmal trägt. Krause vermittelt einen sehr guten Eindruck:

"Und je mehr seiner Bürger der Sozialstaat regelrecht alimentiert und also von sich abhängig macht, je geringer der Widerstand wird, um so sicherer werden linke Mehrheiten. Dann, im neuen vormundschaftlichen Staat, wird es keine wirkliche Mitte mehr geben, um die wir kämpfen können."

"Von einem kaum differenzierenden “Kampf gegen rechts” halte ich nichts, weil eine Rechte zum demokratischen Spektrum gehört wie eine Linke."

"Denn weil die Linke intellektuell satt und spießig und ästhetisch runiert ist, lebt sie bequem von Denkverboten. Seit Jahren geht von ihr kein Impuls mehr aus, politisch ist sie erfolgreich, weil sie immer unverblümter populistisch agiert.
"

"Die Union wird mehr Patriotismus wagen, Begriffe wie Heimat, Nation, Identität, Europa positiv besetzen, verteidigen und sinnlich vermitteln müssen."

Schmerzlich vermisst unsereiner allerdings einen Bezug zur christlichen Identität der Partei. Dennoch, sehr zur Lektüre empfohlen!

Donnerstag, 29. Mai 2008

Nepals Weg in eine leuchtende Zukunft

Seit letzter Nacht ist es nun amtlich: Der König von Nepal, Gyanendra, wird abgesetzt und das Land in eine Republik umgewandelt. Dies alles geschieht unter der Federführung der maoistischen Rebellen, die den nepalesischen Staat über Jahrzehnte bekämpft haben.
König Gyanendra (die Standarte der Königsfamilie hier links) hatte tatsächlich in den letzten Jahren unklug agiert und so eine anti-royalistische Stimmung in der Bevölkerung begünstigt. Die geeignete Antwort darauf wäre aber entweder mehr Zurückhaltung des Königs gewesen oder ein Wechsel auf dem Thron. Durch die Republik liefert sich das Land den Maoisten aus. Die sind noch keinem Land gut bekommen, wie man in China und Kambodscha sehen kann. Die Mao-Kollegen vom leuchtenden Pfad in Peru kamen ja nie so richig zum Zug, hinterließen aber zumindest eine Blutspur, wenn sie natürlich auch nicht mit ihren Freunden in Kambodscha oder China, wo die Maoisten die staatlichen Strukturen nutzen konnten, mithalten können.
Nun denn, der Fortschritt nimmt seinen Lauf zur Republik. Wie kann man ernsthaft glauben, die kommunistischen Rebellen würde nun eine freiheitliche Demokratie einführen? Oder einen Rechtsstaat. Aber Hauptsache das Königtum ist beseitigt. Aber Vorsicht, liebe Antiroyalisten: In Kambodscha, wo ebenfalls Maoisten gewütet haben, ist heute ein König Staatsoberhaupt - Norodom Sihamoni.

Dienstag, 27. Mai 2008

Der Heilige Vater

Bilder aus dem Leben des Mannes, den Gott zu seinem leibhaftigen Stellvertreter auf Erden erwählt hat.

I am a Catholic

Mit einem Schmunzeln :)

PS: Gute Katholiken sind natürlich keine Lefebvristen, sondern dem Heiligen Vater treu ergeben!)

Samstag, 24. Mai 2008

Katholikentag 2008 - Teil II

Den Vogel abgeschossen hat mal wieder das übliche Komplott aus Spiegel und Linkskatholizismus. Vielen Dank an frei_sein für den Hinweis! Der Artikel im Spon firmiert unter Spiegel-Standesgemäßer Überschrift: "Welcher Teufel reitet Benedikt?" Der Gedanke, ob sie sich diese Überschrift in einem hypothetischen, vergleichbaren Fall mit dem Islam auch so leisten würden, durchzuckt einen nur noch am Rande und tut auch nichts zur Sache.

Es kommt nämlich noch besser. Die Überschrift hat sich nicht die mythische Praktikantin der online-Redaktion ausgedacht (wer mehr über sie und ihre zahllosen Schwestern wissen möchte, schaut in Harki Städtchen Amyklai vorbei, wo stets Informationen über sie gesammelt werden), sie ist ein Zitat. "Ein Laie, ein einfacher Katholik aus Frankfurt am Main" wie der Spon schreibt (also quasi eine Art Held) rief diese Frage in einem Podium des Katholikentags aus. Nun könnte man ja denken, die anwesenden Katholiken seien irgendwie brüskiert, entrüstet, zumdest peinlich berührt gewesen (es heißt ja: "Katholikentag"). Aber über dieses Stadium ist der deutsche Katholik weit hinaus: Der 'Fragesteller' "erntet großen Beifall auf dem Katholikentag in Osnabrück." Man staunt. Aber man bekommt auch gleich, vom Spon, eine Erklärung mitgeliefert. Die Äußerung fiel nämlich in einem Podium zum Thema der geänderten Karfreitagsfürbitte für die Erleuchtung der Juden. Die geänderte Fürbitte würde nämlich die Auffassung transportieren, der jüdische Glaube sei defizitär. Das ist auch keine völlig abwegige Interpretation. Denn was soll man machen: Wenn Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dann ist der jüdische Glaube nunmal defizitär und der Teufel reitet jedenfalls nicht denjenigen, der liturgische Formulierungen an diesem Glaubensinhalt ausrichtet...

Aber man wurde auch gleich gottesdienstlich und veranstaltete eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier - was immer das auch sein soll. Hört sich nach der üblichen Kopfgeburt irgendwelcher Ökumene-Erzwinger an. Auch S.E.H.H. Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. partizipierte, hatte aber wohl nicht viel zu melden. Sein Pedant war hier, der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, ein Herr Brandt, der sich enttäuscht, frustriert und zornig über die neue Formulierung zeigte. Der Witz bei der ganzen Sache ist ja, dass die alte Formulierung des wiederzugelassenen Ritus deutlich schärfer war. Hätte der Papst sie einfach so gelassen, hätte man sich das ganze nervöse Geflatter erspart, obwohl es sachlich viel weitgehender gewesen wäre als jetzt. Das der Papst den Juden die Errettung nach dem Tod absprechen würde ist natürlich sowieso Blödsinn und ich hoffe mal, dass das wirklich eine Spinn-Spon-Idee war.

Am Ende aber kam es dem Spon wohl fast selbst etwas unheimlich vor - ein Katholikentag, bei dem der Papst keinen einzigen Fürsprecher hat. Irgendwie hat es doch schon etwas eigenartiges, das fällt dann selbst dem Sturmgeschütz unreflektierter Kirchenkritik auf...

Katholikentag 2008 - Teil I

Tata - es ist wieder soweit. Der Deutsche Katholikentag öffnet seine Tore und die Reste des deutschen Katholizismus pilgern dorthin, jedenfalls ein (bestimmter) Teil. Nachdem dem Bistum Essen, das diesen Katholikentag ursprünglich ausrichten sollte, das Geld ausging und der dortige, sehr respektable, Bischof Felix Genn andere Prioritäten setzte als die Ausrichtung besagten Treffens, findet er also nun in Osnabrück statt. Auch dort scheint es Katholiken zu geben.

Nachdem zur Eröffnung, wie ich erzählt bekam, ein paar laue Rythmen erklungen waren, widmet sich die Veranstaltung nun überwiegend sich selbst. Um es katholisch auszudrücken: Man beweihräuchert sich. Wenn doch nur jedermann so schlau und intelligent wäre, wie wir Deutschen. Am Deutschen Wesen soll der Katholizismus genesen. Oder so ähnlich jedenfalls. Auch das Verhältnis der Deutschen zu den Juden ist ja ganz vorbildlich - wäre es nach den Deutschen gegangen, hätte der arme Rabbiner Walter Homolka auch seine Teilnahme am Katholikentag nicht absagen müssen. Er sieht nämlich in der Neufassung der Karfreitagsfürbitte des tridentinischen Ritus eine Aufforderung zur Judenmission. Das ist schon an sich einigermaßen phantasiereich und die Absage dieses Amtsträgers an den Deutschen Katholikentag ist ja auch ein Schlag ins Gesicht seiner potenziellen Verbündeten, der stets und allseits betroffenen deutschen Katholiken - jedenfalls der Katholikentags-Katholiken. In diesem Millieu funktionieren die alten Reflexe noch. Aber auch das nicht mehr lange - entweder das Millieu ändert sich (was auf Kosten besagter Reflexe gehen würde) oder es stirbt aus...

Aber erstmal findet der Katholikentag ja statt - er sieht sich als "spirituelle Tankstelle". Wie kann man das Heilige nur so profanieren! Der Glaube, die Wahrheit als Tankstelle, bei der man mal kurz anhält, wenn man Benzin oder einen kleinen Imbiss braucht und dann weiterfährt. Zurecht interessiert sich für so einen Glauben absolut niemand!

Kirchenpolitisch gibt sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das das Zusammenkommen organisiert, frustiert. Der Vatikan und die bedeutenden Amtsträger hätten sich in den letzten Jahren nicht bewegt. Haben sie auch tatsächlich nicht, warum sollten sie auch. Vielleicht denken unsere verbitterten (durch praktisch nichts legitimierten) Oberlaien einmal darüber nach, ob der Hl.Geist das ZdK oder das Petrusamt gestiftet hat...

Übrigens: Der Katholikentag ist eine schöne, ganz wunderbare Idee. Es gäbe viele Krokodilstränen darüber zu verlieren, was daraus geworden ist. Hier eine Aufnahme vom Katholikentag 1922 in München:

Donnerstag, 22. Mai 2008

Bernard Wills: 'Menschliche Existenz und politische Existenz' - und einige Gedanken dazu.

Bernard Willms in: Philosophie der Selbstbehauptung.

"Die Existenz des Menschen ist nie selbstverständlich. Sie muß immer den Verhältnissen abgearbeitet, abgewonnen werden, menschliche Wirklichkeit ist immer Verwirklichung ihrer selbst."
Jede individuelle Wirklichkeit ist daher erfolgreiche Selbsthauptung, wobei diese sowohl durch Anpassung, als auch mittels Durchsetzung erreicht werden kann.
Der Ort dieses Vorgangs sind Welt und Gesellschaft, die aber erst dafür "in Form" gebracht werden müssen. Dies geschieht nach Willms durch die Menschen und "für diese Arbeit haben die Menschen immer und grundsätzlich nichts anderes zur Verfügung als sich selbst. Die konkrete Beziehung auf sich selbst und nichts anderes muß der Ausgangspunkt aller Überlegungen sein." Die vielen unterschiedlichen Situationen, auf die der Mensch in Welt und Gesellschaft trifft, lassen in ihm ein Bedürfnis nach Orientierung bestehen. Die Lösung dieses Problems lautet: Orientierung durch Ordnung. Sie ermöglicht ihm die Selbstbehauptung (er versteht die Situation, in der er sich zu behaupten hat), doch kann er diese Ordnung wiederum nur selbst herstellen.
Trotz des Zurückgeworfen seins auf sich selbst geschieht doch alle menschliche Selbstbehauptung in der Gesellschaft. Daraus zu folgern, dass, weil wir auf andere angewiesen sind, im Individuum auch eine vernünftige Geselligkeit und eine auf Harmonie auslaufende Existenz angelegt seien, wäre aber falsch. Bemühungen, den Menschen erst hierzu zu erziehen oder dementsprechend im Zaum halten zu wollen (etwa durch politische Systeme) wären dann "von Natur" überflüssig. Aber trotz der Unausweichlichkeit der Gesellschaftlichkeit ist diese eben nicht mit der Natur gegeben, sondern muss immer bewußt geformt und verwirklicht werden. Hierbei erheben sich zwei Probleme: Die Selbstbehauptung des Einzelnen und die notwendigerweise bewußte Gestaltung und Verwirklichung gesellschaftlicher Existenz als Politik. Das Verhältnis von individueller und kollektiver Selbstbehauptung kann spannungsreich sein. Die Vermittlung beider Größen geschieht im Zusammenwirken von gelernten Verhaltensweisen, vorhersehbaren Handlungsabläufen und Situationsorientierungen in der Institutionalisierung. Zweck der Insitutionalisierung ist die dauerhafte kollektive Selbstbehauptung, die aber mit Widerständen der Freiheit rechnen muß und sich auch entwickeln können muss. Zweck der Institutionen ist die Aufgabe, den Einzelnen dafür zu entlasten, seiner individuelle Selbstbehauptung nachgehen zu können. Da es keine natürliche Moral gibt, beruht die Ausgestaltung der Institutionen auf der Freiheit der Einzelnen, diese Institutionen so und nicht anders zu setzen. Dann aber muss die Institution dem Zugriff der Einzelnen relativ entzogen sein, sie erhält Zwangscharakter (Recht, Polizei), der aus ihrer Entlastungsfunktion resultiert. Dabei kann die Institution aber nie mehr als die Grundlage der individuellen Praxis sein. Diese individuelle Praxis führt ihrerseits zu einer steten Weiterentwicklung der Institutionen. Willms beendet diesen Abschnitt aufgrund seiner Ausführungen mit der Erkentnnis: "Menschliche Existenz ist politische Existenz."
(
zu Grunde liegt: Willms, Bernard: Philosophie der Selbstbehauptung. Schnellroda 2007)
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Anmerkungen eines halbgebildeten Lesers (das bin ich): Es handelt sich beim Gegenstand der Zusammenfassung nur um einige Seiten (nämlich 11), die den Auftakt zum etwa 70seitigen Essay "Philosophie der Selbstbehauptung" bilden. Man kann daher vernünftigerweise nicht erwarten, dass jedes Thema umfassend gewürdigt, jede mögliche Linie ausgezogen und alle Einwände entkräftet werden. Andererseits befinden wir uns hier eben doch am Ausgangspunkt eines Denkens und daher dürfte es sich lohnen genau hinzuschauen.
Dass Willms an den Idealismus anknüpft ist so bekannt, wie es auch hier deutlich ist. Descartes Wendung zum Ego wird vorausgesetzt, die Welt konstruiert und konstituiert sich von ihm her. De facto dürfte dies der Situation entsprechen, in der wir uns vorfinden, selbst wenn wir für uns in Anspruch nehmen, einer Welterklärung (und Weltordnung) zu folgen, die - wo auch immer - bereit steht (etwa in der Religion), denn auch dazu entscheiden wir uns selbst. Auch die Notwendigkeit der Behauptung des Individuums in seiner Umwelt dürfte fraglos richtig sein. Willms formuliert hier sozusagen eine Metaphysik der Erkenntnis (Erkenntnis geht vom Ego aus) und eine Art ethischen Imperativ: "Behaupte Dich gegenüber der Umwelt", der darauf hinausläuft, im Bereich der Ethik den Vorgang nachzuvollziehen, der im Bereich der Erkenntnis schon gegeben ist - die Vorherrschaft des Ego. Diese Verbindung erscheint mir aber grundsätzlich nicht zwingend. Es ist gut und sinnvoll, dass sich die Ethik nach der Vernunft richtet. Aber Willms macht die Struktur der Welterkenntnis (das Ego konstruiert die Wirklichkeit) zum grundlegenden ethischen Inhalt. Ich denke nicht, dass man Ethik auf diese Weise aus der Erkenntnislehre ableiten kann. Aber auch wenn man hier skeptisch ist, lohnt es sich Willms weiterzuhören, denn dass die Frage der Selbstbehauptung eine von höchster Relevanz ist, darf trotzdem als offensichtlich gelten. Das die Institutionen in diesem Zusammenhang die Entlastungs- und Ordnungsfunktion ausüben ist klar, hier bin ich völlig einig mit Willms. Doch stellt sich im Anschluß daran die nächste Frage: Können staatliche, gesellschaftliche Institutionen derart in quasi ökonomische Termini gefasst werden, wie Willms das (Hobbes folgend) tut? Geht es wirklich nur um Entlastung bei der und für die Selbstbehauptung? Sicher ist das im Kern richtig, aber geht menschliches Zusammenleben - einfach von den vorliegenden Phänomenen her - auch stets über diese Selbstbehauptung hinaus. Der Mensch ist doch das einzige Wesen, dass eben auch von sich absehen kann, der sich selbst in den Dienst eines Größeren stellen kann. Willms könnte hier einwenden: Ja, aber dass muss er selbst tut, er muss sein Dasein selbst vollziehen. Das stimmt auch, wir können das eigene Ich nicht übergehen. Aber er kann sich eben auch entscheiden, sich selbst in den Dienst eines anderen (etwa Gottes) zu stellen - und so in aller Freiheit seine Selbstbehauptung hintanzustellen. Ethisch problematisch ist dies nur dann, wenn man Willms ethischen Imperativ voraussetzt.
Zwischenstand: Gelingt es Willms überzeugend die idealistische Erkenntnistheorie zur Metaphysik zu machen und aus ihr stringend die Grundlage der Ethik abzuleiten? Der Übergang erscheint mir brüchig. Daraus resultierend (im Grunde aber als Frage an Hobbes): Ist tatsächlich gesellschaftliche Institutionalisierung stets nur Resultat des Erstrebens von Vorteilsmaximierung? Scheint mir nicht der Fall zu sein.
Vorläufige Gegenthese: Selbstbehauptung ist wichtig, aber nicht alleiniges Ziel, wenn sich auch jedes Seiende im Sein erhalten will. Aber warum will es das?

Zu Fronleichnam: Johannes Tauler - Das Wunder der Heiligen Eucharistie

Alle geistlichen Übungen, alle Gaben und Gnaden Gottes, sind nur Weg und Bereitung für den Menschen, um zu Gott zu kommen und sich mit ihm zu vereinen. Diese Gabe des Fleisches und Blutes Christi aber ist schon das Ziel und der Lohn, ist, ohne Mitteldinge, bereits Gott selbst; die Zweiheit ist schon aufgehoben. Ohne Vermittlung gibt sich hier Gott selbst dem Menschen, nicht nur unter einem Gleichnis. Nein, Er eint sich hier völlig unzweideutig und unmißverständlich dem Menschen.
Diese liebenswerte, lebendige Speise des Leibes Christi wird auf eine wunderbare Weise mit dem Menschen eins. Sie zieht den Menschen ganz in sich hinein und verwandelt ihn sich. Was hier geschieht, ist ein Einswerden in einer Weise, die alle menschliche Vorstellung und Erfahrung weit übertrifft, eine Verwandlung über alle denkbaren Verwandlungsmöglichkeiten hinaus. Es ist viel vollkommener als das Eins-Werden eines Tröpfleins Wasser mit hundert Liter Wein; diese Einung ist viel vollkommener als die der strahlenden Sonne mit der hellen Luft oder der Seele mit dem Körper. In dieser Vereinung des Menschen mit dem Leib Christi wird der Geist über all seine Schwäche und natürliche Beschränktheit emporgezogen und erhoben. Er wird hier geläutert und von Licht durchdrungen, wird über seine bisherigen Fähigkeiten erhoben, über sich selbst und seine bisherige Weise, sich zu betätigen. Ein solcher Mensch wird in seinem Sein und Tun von Gott durchwirkt und hinübergeleitet in eine göttliche Weise des Seins und Tuns. Hier erfährt er seine wahre Geburt. Hier wird der Mensch nicht nur Gott gleich im Sinne von vergleichbar, sondern geht ein in eine göttliche Einheit. So wie das Feuer auf das Holz einwirkt, ihm zunächst alle Feuchtigkeit, allen grünen Saft entzieht und alle Klotzigkeit nimmt, ihn dann immer heißer und glühender macht und schließlich sich, dem Feuer, angleicht.
Ebenso zieht die aus Liebe geschenkte Speise des Leibes Christi aus einem Nur-Vergleichbar-Sein in eine Gleichheit und aus einer Gleichheit in ein götliches Einssein. Das ist die Gnade, die ein solcher verklärter Geist empfängt. In diesem Sinn sprach unser Herr zum heiligen Augustinus: 'Ich bin die Speise großer Leute; werde groß und iß mich. Da wirst du nicht mich in dich verwandeln, sondern du wirst ganz in mich verwandelt werden (Bekenntnisse VII,16).

Nach: Eugen Rucker (Hg): Johannes Tauler. Gott in Dir. Bonn 2005.

Sonntag, 18. Mai 2008

Johannes von Damaskus: Der trinitarische Glaube

Zum heutigen Dreifaltigkeitssonntag

Wir glauben an einen Gott, einen Urgrund, der anfanglos, ungezeugt, unvergänglich und unsterblich, ewig, unendlich, unumschränkt, unbegrenzt, endlos, mächtig, einfach, nicht zusammengesetzt, unkörperlich, leidenschaftslos, unwandelbar, unveränderlich, unsichtbar, Quelle der Güte und Gerechtigkeit, geistiges Licht, unzugänglich ist. Wir glauben an eine Macht, die durch kein Maß erkannt, die nur durch den eigenen Willen gemessen wird; den sie kann alles, was sie will. Sie hat alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge erschaffen, sie erhält und bewahrt alles, sorgt für alles, behauptet und beherrscht und regiert alles in unendlicher, unvergänglicher Herrschaft; sie hat keinen Gegensatz. Sie erfüllt alles, ist von nichts umschlossen, umschließt vielmehr selbst alles, hält es zusammen und überragt es; sie durchdringt alle Wesenheiten, ohne befleckt zu werden, steht über allem, ist über jede Wesenheit erhaben und darum überwesentlich, allüberragend, übergöttlich, übergut, übervollkommen. Sie setzt alle Anfänge und Ordnungen fest, ist über jeden Anfang und jede Ordnung erhaben, steht über Wesenheit und Leben und Wort und Gedanken.
Sie ist Selbst-Licht, Selbst-Güte, Selbst-Leben, Selbst-Wesen. Denn sie hat weder das Sein noch sonst etwas von einem anderen, sie ist vielmehr selbst Quelle des Seins für das Seiende, des Lebens für das Lebende, der Vernunft für das Vernünftige und für alle Ursache aller Güter. Sie weiß alles, ehe es geschieht. Wir glauben an eine Wesenheit, eine Gottheit, eine Kraft, einen Willen, eine Wirksamkeit, ein Prinzip, eine Macht, eine Herrschaft, eine Regierung. Sie wird in drei vollkommenen Hypostasen [Personen] erkannt, genießt aber nur eine Anbetung, sie wird geglaubt und verehrt von jedem vernünftigen Geschöpf. Sie [die Hypostasen] sind ohne Vermischung vereint und ohne Trennung unterschieden, was geradezu unglaublich scheint. Wir glauben an den Vater, Sohn und Heiligen Geist, auf die wir auch getauft sind. Denn so hat der Herr seinen Aposteln zu taufen befohlen, da er sprach: "Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!".
Wir glauben an einen Vater, den Ursprung und die Ursache von allem. Er ist aus niemand gezeugt, er ist allein ohne jeden Anfang und ungezeugt. Er ist Schöpfer aller Dinge. Kraft der Natur ist er Vater seines einen, alleinigen, eingeborenen Sohnes, unseres Herrn und Gottes und Heilandes Jesus Christus, und Hervorbringer des allheiligen Geistes. Und wir glauben "an einen Sohn Gottes, den Eingeborenen", unseren Herrn Jesus Christus, "der aus dem Vater gezeugt ist vor aller Zeit, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater, durch den alles erschaffen ist." Gleicherweise glauben wir auch "an einen Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater ausgeht" und ihm Sohne ruht, "der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird", als wesensgleich und gleichewig. Wir glauben an den Geist aus Gott, "den rechten, den vorzüglichen", den Quell der Weisheit, des Lebens und der Heiligung. Er ist und heißt Gott wie der Vater und der Sohn, ungeschaffen, vollkommen, Schöpfer, allherrschend, allwirkend, allmächtig, unendlich, gewaltig. Er herrscht über jedes Geschöpf, wird aber nicht beherrscht. Er vergöttlicht, wird aber nicht vergöttlicht. Er erfüllt, wird aber nicht erfüllt. Er läßt teilnehmen, hat aber nicht teil. Er heiligt, wird aber nicht geheiligt. Er ist Anwalt, denn er nimmt alle Bitten entgegen. In allem ist er dem Vater und dem Sohne gleich. Er geht vom Vater aus, wird durch den Sohn mitgeteilt und von jeglichem Geschöpf empfangen.

Johannes von Damaskus: De fide orthodoxa 1,8

Montag, 12. Mai 2008

Josef Pieper: Prudentia (Klugheit)

Summa: Josef Pieper geht in Anlehnung an den Hl.Thomas von Aquin der Frage nach, was die Tugend der Klugheit bedeutet. Er zieht sie allen anderen Kardinaltugenden dabei als diejenige vor, die es jenen erst ermöglicht, dass sie aktiv werden. Die Klugheit zeigt die Wege auf, auf denen im Rahmen der erkannten Wirklichkeit das vom Gewissen vorgegebene Ziel gerecht, tapfer und maßvoll erreicht werden kann.

Der Klugheit gebührt der Vorrang vor den anderen Kardinaltugenden und dieser Vorrang bildet das ganze Ordnungsgefüge des christlich-abendländischen Menschenbildes. Wie das Sein dem Wahren vorausgeht, so geht das Wahre dem Guten voraus.
Landläufig hat Klugheit heute eine Konnotation von ängstlicher Selbstbewahrung und irgendwie eigensüchtiger Besorgtheit um sich selbst angenommen. Die klassisch-christliche Lehre dagegen besagt: Klug und gut ist der Mensch nur zugleich. Alle Tugend ist notwendig klug. Die Klugheit macht die anderen Tugenden erst zu solchen. Sie verleiht ihnen die Übereinstimmung mit der objektiven Wirklichkeit, die für alles tugendhafte Handeln maßgebend ist. Die in der Erkenntnis der Wahrheit vollendete Vernunft muss das Wollen und Wirken des Menschen innerlich formen und prägen.
Die Möglichkeit der Verwirklichung des Guten setzt also das Wissen um die Wirklichkeit voraus. Die "gute Absicht" alleine reicht nicht aus. Die Verbindung der guten Absicht und der Klugheit findet im Gewissen statt. Die Klugheit bezieht die Regung des Gewissens, das das Gute tun will, auf die jeweilige Situation, indem sie in ihrem Handeln sowohl Unbesonnenheit, als auch Unschlüssigkeit meidet, auch nicht die eigene Selbstbewahrung in den Mittelpunkt stellt, sondern ihren schweigenden Blick auf die Wirklichkeit richtet. Klugheit bedeutet Sauberkeit, Gradheit, Offenheit und Unbefangenheit des Wesens, erhaben über alle Verzweckungen und Unbefangenheiten des Wesens, erhaben über alle Verzwicktheiten und Nützlichkeiten des nur "Taktischen".
Die Erinnerung ermöglicht es ihr dabei, ihr Handeln mit dem Sein der Vergangenheit abzugleichen, die Gelehrsamkeit eröffnet ihr den Horizont für alle Bereiche des Seins und ihre Entschlussfähigkeit (Piper: vollendetes können) ermöglicht es ihr auch gegenüber dem Unvermuteten sachlich zu entscheiden und die Ausrichtung auf das Ziel zu bewahren.
Es ist aber auch Aufgabe der Klugheit nicht nur auf das Geschehene und Geschehende zu blicken, sondern auch auf das zukünftig geschehen Werdende. Klugheit ist auch Voraussicht. Dabei wird der Kluge sich nicht durch falsche Gewißheiten täuschen lassen, er erwartet sie nicht, wo es sie nicht gibt.
Wenn das Gut des Menschen also in seinem Sein gemäß der Vernunft liegt (wobei Vernunft alle Weisen der Wahrnehmung der Wirklichkeit umfasst), so kann die Verwirklichung des Guten nicht in der Einhaltung willkürlich gesetzter Vorschriften bestehen. Die gute Tat muss aus der Erkenntnis geboren werden, oder sie ist keine gute Tat! Wie die Klugheit die drei anderen Kardinaltugenden prägt, kann bei jedem Menschen verschieden sein. Grade in der Lehre von diesem Vorrang der Klugheit liegt der systematische Grund für die Noblesse der Zurückhaltung, der Freiheit und Bejahung, derer sich die Moraltheologie befleißigen sollte. Das unmittelbare Maß des konkreten sittlichen Wirkens ist allein der Befehl der Klugheit des sich entscheidenden Menschen. Es besteht keine Möglichkeit, die Konkretheit der sittlichen Entscheidung eines Menschen von außen her zu fassen. Die Klugheit ist der Inbegriff ethischer Mündigkeit, die Voraussetzung eines sittlichen Lebens sein muss, doch stets auch Belehrbarkeit enthält.
Wenn der Mensch aus seinem Gewissen heraus ein Ziel gewählt hat, so kommt der Klugheit die Aufgabe zu, die angemessenen Wege der Verwirklichung jener Grund-Ausrichtung zu finden. Die Ziele des Gewissens sind vorgegeben. Jeder weiß, dass das Gute zu lieben ist, jeder weiß (ausdrücklich oder nicht), daß es Aufgabe des Menschen ist, gemäß der Vernunft, also der Wirklichkeit zu leben. Jeder weiß auch, dass er gerecht, tapfer und maßvoll sein soll. Die Wege der durch das Gewissen gebotenen Verwirklichung des Guten gemäß der Wirklichkeit aufzuzeigen und dabei Gerechtigkeit, Tapferkeit und rechtes Maß walten zu lassen, ist die Aufgabe der Klugheit und erhebt sie somit auf den höchsten und umfassensten Platz der Tugenden.

(nach: Pieper, Josef - Über die Tugenden, München 2004)

Pfingstliche Propaganda

Dies als mein persönlicher Kommentar zum zur Zeit stattfindenden ökumenischen Gottesdienst.

Sonntag, 11. Mai 2008

Pfingsten II: Cyrill von Jerusalem über den Heiligen Geistes

Der Heilige Geist ist etwas großes, in seinen Gnadenerweisungen etwas Allmächtiges und Wunderbares. Bedenke, wieviele ihr seid, die ihr hier sitzt, wie viele Seelen beisammen sind! In jedem einzelnen wirkt er in entsprechender Weise. Er ist mitten unter uns und sieht das Verhalten jedes einzelnen: er sieht die Gedanken, die Gewissen, was wir reden und sinnen und glauben. Schon damit ist wahrlich viel gesagt, aber doch ist es noch eine Kleinigkeit. Lasse sein Licht in deinen Verstand hineinleuchten und erwäge, wie viele Christen es in unserer ganzen Diözese gibt, wie viele in der ganzen Kirchenprovinz. Dann schaue mit dem Auge des Geistes von der Kirchenprovinz weg auf das ganze römische Reich und von da weg auf die ganze Welt, auf die Stämme der Perser, das Volk der Inder, auf die Goten, die Sauromaten, die Gallier und Spanier und Mauren, die Libyer und Äthiopier und dazu noch die Völker, die wir dem Namen nach nicht kennen; von vielen Völkern ist uns ja nicht einmal der Name bekannt geworden. Denke an die Bischöfe, Priester, Diakone, Mönche, Jungfrauen und ferner die Laien eines jeden Volkes! Dann denke daran, wie der große Führer, der Spender der Gnaden, in der ganzen Welt dem einen Keuschheit verleiht, dem anderen immerwährende Jungfräulichkeit, einem anderen Barmherzigkeit, diesem freiwillige Armut, jenem die Gabe feindliche Geister auszutreiben! Wie das Licht alles mit einem einzigen Strahl erleuchtet, so erleuchtet der Heilige Geist jene, die Augen haben. Hat einer keine Augen und wird er der Gnade nicht gewürdigt, dann tadle er nicht den Geist, sondern seinen eigenen Unglauben.

Nachdem du dir das Wirken des Heiligen Geistes auf der ganzen Welt vorgestellt hast, so beschränke dich nicht auf die Erde. Steige empor zu dem was oben ist. Steige im Geist empor zum ersten Himmel und schaue dort auf die vielen, ungezählten Myriaden von Engeln. Wenn du kannst, steige mit deinen Gedanken noch weiter hinauf. Schaue die Erzengel, schaue die Geister, schaue die Mächte, schaue die Fürsten, schaue die Kräfte, schaue die Throne, schaue die Herrschaften. Über sie alle ist von Gott als Führer, Lehrer und Heiligmacher der Tröster gestellt. Seiner bedarf unter den Menschen Elias, Elisäus, Isaias. Seiner bedarf unter den Engeln Michael, Gabriel. Keines von den Geschöpfen steht ihm an Ehre gleich. Alle Chöre und Heerscharen der Engel zusammengenommen kommen dem Heiligen Geist nicht gleich. Gegenüber der allgültigen Macht des Tröster verdunkeln sie alle. Während sie ausgesandt werden um zu dienen, ergründet der Geist selbst die Tiefe Gottes, wie der Apostel sagt: "Der Geist ergründet alles, selbst die Tiefen Gottes. Wer von den Menschen weiß, was des Menschen ist, außer der Geist, der im Menschen wohnt? So erkennt auch keiner, was Gottes ist, außer dem Geiste Gottes."
(Taufkatechese XVI)

Pfingsten I - Hymne und Sequenz

Samstag, 10. Mai 2008

60 Jahre Israel oder: die Existenz einer unlösbaren Situation

In diesen Tagen besteht der Staat Israel 60 Jahre. Auf wackligem Konsens säkularer und frommer Juden errichtet, scheint er seine Stärke im Grunde aus der feindlichen Umgebung zu beziehen.
Wie hält man es als Deutscher mit Israel? Freundlichkeit ist angebracht. Das ist sie immer, gegenüber den Nachfahren derer, die eine Regierung unserer Vorväter gerne ausgerottet hätte, aber besonders. Kein "Schuldkult" - aber eben auch nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Eine Entschuldigung ist auch heute noch angebracht. Ich sehe es so: Wenn ich den Enkel von jemandem treffe, dem aus meiner Familie vor zwei Generationen großes Leid zugefügt wurde, werde ich ihm gegenüber stets zuvorkommend und freundlich sein, auch sagen, dass es mir Leid tut - unabhängig davon, dass ich selbst am Geschehenen keine Schuld trage. Was aus dieser Beziheung dann wird, hängt allerdings auch von der Gegenseite ab. Soviel dazu.
Der Staat Israel ist aber auch ein Zeichen dafür, dass sich in einem Konflikt kaum weiß und schwarz, gut und böse sauber trennen lassen. Jede Handlung hat ihre "Nebenwirkungen", bisweilen katastrophale, selbst wenn sie gut gemeint ist. Wer wird sagen können, wem das Land, auf dem Israel de facto existiert, wirklich gehört? Den Israelis, weil sie die Nachfahren des Volkes Israel aus dem AT sind? Den Kanaanitern, weil sie noch vorher da waren? Den Palästinensern oder Arabern, weil sie das Land zwischenzeitlich über Jahrhunderte besiedelten? Den neuzeitlichen Israelis, weil man es ihnen völkerrechtlich überlassen hat? Ganz abgesehen von den zwischenzeitlich dort auf- und wieder abgetauchten Herren. Und wie geht man heute damit um - ist es legitim eine Mauer zu bauen, die Palästinenser abzuschotten und so ihre schon stets schwache Wirtschaft ganz abzuwürgen? Aber die Terroranschläge sind seither fast auf null zurückgegangen... Ist es legitim wenn ein großer Teil der Palästinenser und anderer Araber die Israelis ins Meer zurücktreiben will? Nein - aber warum dürfen dann die Palästinenser nicht nach Israel zurück (wohl wegen ihrer hohen Geburtenrate, die bald ein palästinensisches Übergewicht bedeuten würde)? Wie wirkt es auf die Araber, wenn radikale Juden darüber nachdenken, wann sie Damaskus einnehmen?
Die Gründung des Staates Israel war keine saubere Lösung, ebensowenig das Vorgehen aller Beteiligten seither. Vermutlich kann es dort auch keine geben. Es gibt Situationen, die bis zur Unlösbarkeit verheddert sind, in denen man längst nicht mehr sagen kann, wer nun was Schuld ist. Vielleicht ist es ein besonders Zeichen, dass dies gerade im 'Heiligen Land' der Fall ist. Es bleibt die Auforderung: Wünscht Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben; Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen. (Psalm 122)

Tradition (aus "Anatevka")

Hier wird ein Aspekt des Judentums vorgestellt, der dem Katholizismus ausgesprochen wesensverwandt ist :).

Freitag, 9. Mai 2008

Einige Trivia

Borussia Mönchengladbach ist durch das 3:0 gegen Wehen wieder in die 1.Bundesliga aufgestiegen! Da diese Fußballmannschaft bei mir Gegenstand eines Restes von Lokalpatriotismus ist, freut mich das als Niederrheiner von Geburt und Jugend her besonders!










Wo ich schon grade von zu Hause spreche: Vor einiger Zeit habe ich eine Besprechung einer Sendung gelesen, in der es um den Niederrhein ging.

Schön, dass diese stets übersehen Gegend zwischen Ruhrpott und Holland mal bemerkt wird. Ich hatte viele Wiedererkennungseffekte, allerdings wird die Lage arg düster gezeichnet. Sie ist auch nicht rosig, aber der Niederrheiner an sich ist nicht so suizidal, wie er in dem Bericht erscheint. Warum auch - wir sind ja katholisch ...

Mittwoch, 7. Mai 2008

Skandierende Hausfrauen, proteschtierende Verfolgte und mai-singende Studenten ... und das alles in einem Universitätsdorf

Liebe Leser!
Nachdem ich nun schon länger Zeit im Universitätsdorf T. am N. (dem geographischen Mittelpunkt Baden-Württembergs) ansässig bin, dachte ich eigentlich, ich wäre nun soweit, dass mich nicht mehr viel wundern kann. Denn, um ein Wort meines Onkels zu zitieren, nachdem ich mit ihm einmal durch T. gelaufen bin: "Unser Herrgott hat ja allerlei Kostgänger!" Gelegentlich klappt es mit dem wundern aber doch noch, etwa heute.
Bei dem schönen Wetter beschloß ich am Nachmittag, vor dem abendlichen Seminar noch einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Von irgendwoher hört ich eine Stimme durch ein Mikrofon schallen und eine, vor mir ihr Fahrrad schiebende, junge Dame fragte ihre Begleiterin: "Wer quatscht denn da?". Da ich mich selbiges auch fragte, folgte ich dem Schall und erreichte eine Art Demonstration vor St. Georg (so hieß die Kirche, bis sie im 16.Jahrhundert von den Protestanten besetzt wurde). Interessant war das Plakat der Demo (es gab nur eins), auf dem Stand: "Tübingen - lieber bunt als grün". Es dauerte etwas bis mir einfiel, dass "grün" ein Attribut des Oberbürgermeisters von T. (Boris Palmer) ist. Etwas erhöht, auf dem zur Kirche ansteigenden Gelände hin, stand derweil eine Frau, deren Sätze refrainhaft mit der Bemerkung "Damit muss Schluß sein!" endeten. Die Dame war so Anfang vierzig, trug (wenn ich mich recht erinnerte) eine helle Jeans, eine grüne Bluse und eine Perlenkette, zu einer biederen Frisur mittlerer Haarlänge. Sie erinnerte mich spontan an den Typ Frau, der im Pfarrgemeinderat mitarbeitet, gebetsmühlenartig die immerselben zwei Aussprüche des Hl.Eugen Drewermann und der Sel.Uta-Ranke Heinemann in den Raum wirft und monatlich eine Petition zur Aufhebung des Zölibats - wahlweise an den Papst oder an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte - schicken will. Auch wenn die Dame wohl eher nicht einem Pfarrgemeinderat angehört haben dürfte, so gelang es ihr doch keineswegs ihre Ausführungen mit dem kämpferisch gedachten "Damit muss Schluß sein!" auch nur halbwegs so nachdrücklich zu gestalten, wie sich schätzungsweise die Ermahungen anhören, wenn ihre vermutlich exakt zwei Kinder mit dreckigen Schuhen durch den Hausflur laufen. Ihre versucht-kämpferischen Ausführungen weckten also gleichzeitig eine Art Amüsement als auch ein gewisses Mitleid mit ihr. Wer hat die gute Frau da nur hingestellt?
Mittlerweile dämmerte mir auch, welchen Anlaß die Versammlung hatte. Die Fahne der SED-Nachfolger hatte schon von vornherein nichts gutes verheißen. Es ging um das Maisingen. In T. am N. ist es üblich, das sich am 1.Mai einige Hundert Verbindungsstudenten auf dem Holzmarkt (vor St.Georg) versammeln, um einige traditonelle Lieder zu singen. Aus Gründen, die teils im Unklaren liegen und teils für rationale Menschen eher schwer nachzuvollziehen sind, versammeln sich aus diesem Anlaß stets auch einige tausend (!) politisch links stehende Menschen und Menschinnen um die Verbindungsstudenten niederzubrüllen und dem Faschismus die Stirn zu bieten, auch wenn er nicht da ist. Aber will das schon so genau nehmen? Nun, dieses Jahr waren die Linken mal wieder durch ihre Gewalttätigkeit aufgefallen, was zu entsprechenden Gegenmaßnahmen der Polizei geführt hatte. Wie immer demonstrierten jetzt, heute, unsere linken Freunde gegen Gewalt, allerdings natürlich nicht gegen die eigene, sondern gegen den Polizeieinsatz...
Als nächstes sprach der Vertreter des VVN zu uns. Dabei handelt es sich mitnichten um einen Vertreter eines Verkehrs-Vereins-N..., wie ich erstlich dachte, sondern um den etwa vierzigjährigen Abgesandten des "Verbandes der Verfolgten des Nazi-Regimes". Mit welchen arithmetischen und logischen Mitteln das Nazi-Regime ihn und die anderen Mitglieder des Vorstandes des VVN (die wegen Berufstätigkeit leider nicht erscheinen konnten, wie mit Bedauern vermeldet wurde) verfolgen konnten bleibt die offene Frage, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Er legte jedenfalls "Protescht" ein. Er proteschtierte gegen das Maisingen, gegen den Polizeieinsatz und vorsorglich auch gleich gegen eine andere Veranstaltung, von der gehört hatte, dass die Verbindungen sie wohl nächstes Jahr zum 1.Mai durchführen wollen - das "Protescht!" ersetze bei ihm das "Damit muss Schluß sein!" der Vorrednerin. Es bleib zwar unklar, warum er proteschtierte, aber zumindest machte er deutlich gegen was. Man konnte ihm auch besser zuhören als seiner verkrampft-entrüsteten Vorrednerin.
Schließlich wurde mein Glück mit einem dritten Redner komplett gemacht. Da das Ausrasten einer ganzer Reihe linker Kleingruppen wohl nicht weg zu diskutieren war, wurde nun wenigstens die Begründung geliefert. Und man staunt! Der Grund für die 'Ausschreitungen' war, dass die Polizisten durch ihre Schutzkleidung nicht persönlich erkennbar waren und es auch keinen exakten Identifizierungscode auf den Uniformen gibt, mit dem man sie wegen etwaiger Körperverletzung im Amt besser anzeigen könnte. Mit dieser geistreichen Erkenntnis versehen konnte ich nun beruhigt und über die wahren Ursachen gewalttätiger Auseinandersetzung im Bilde meinen Spaziergang zur Fakultät an dieser Stelle fortsetzen ...

Sonntag, 4. Mai 2008

Marienmonat Mai

Der Monat Mai ist in besonderer Weise Maria geweiht. Wie Maria an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund steht, so steht der Mai am Übergang vom Frühling zum Sommer. Wie Maria, die allzeit jungfräuliche Gottesmutter, durch die Geburt des Erlösers reiche Frucht brachte und doch die Blüte ihrer Jungfräulichkeit niemals verlor, so steht auch im Mai die Natur in voller Blüte, doch ist noch nicht verblüht. Es sei auch daran erinnert, dass ein besonders schönes Symbol für Maria die Erdbeere ist, die zugleich blüht und Frucht bringt.
Es besteht die fromme Übung, dass im Mai, besonders an den Sonntagen, Marienandachten abgehalten werden. Heute wird daher vielerorts der Mai als Marienmonat eröffnet.

Altchristliches Marienlob
Glückselig bist du, Maria, denn durch dich sind gelöst die von den Propheten verkündeten Geheimnisse und Rätsel! Mose wies auf dich hin im Dornbusch und in der Wolke, Jakob in der Himmelsleiter, David in der Bundeslade, Ezechiel in der verschlossenen und versiegelten Pforte; jene geheimnisvollen Andeutungen sind erfüllt, da du den Sohn Gottes auf wunderbare Weise geboren hast.
Wir grüßen dich, heilige Mutter, die du geboren den König, der über Himmel und Erde in alle Ewigkeit herrscht.
Selig bist du, denn du hast ihn empfangen.
Selig bist du, denn du hast ihn geboren.
Selig bist du, denn du hast ihn genährt, den Allernährer.
Selig bist du, denn in deinem Schoße hast du den Gewaltigen getragen, der durch seine Macht die Welt trägt, den, der alles lenkt und leitet.
Selig bist du, denn aus deinem Schoß ging ein Glanz hervor, der den ganzen Erdkreis überstrahlt und dein Lob verkündet.
Sei gegrüßt, du Morgenröte des Heils, du Ursache unserer Freude.
Sei gegrüßt, unsere Zuflucht.
Sei gegrüßt, unser Ruhm. Durch dich ist unser Geschlecht zum Himmel erhöht worden.
Bitte Gott, der aus dir geboren wurde: er soll seiner Kirche Schutz verleihen. Durch die Kraft deines Gebetes, o Mutter des Allerhöchsten, möge er der Erde und ihren Bewohnern völligen Frieden schenken.
Lob sei ihm, der kam und aus dir aufging, dich zu seiner Mutter machte und durch dich zum Kinde ward.
Gebenedeit sei der König der Könige, der Mensch geworden ist und das Menschengeschlecht zur Höhe des Paradieses erhoben hat.
Lob sei dem Vater, der ihn gesandt hat zu unserer Erlösung, und Preis dem Heiligen Geiste, der unsere Sünden tilgt. Amen.

Freitag, 2. Mai 2008

Konservativ-subversiv auf dem 68er-Kongreß

In Berlin tagt ein großangelegter, in der ganzen Bundesrepublik beworbener Kongreß zum 40jährigen Jubiläum des Jahres 1968 und den Inhalten, für die dieses steht. Das Motto lautet: "Die letzte Schlacht gewinnen wir".
Diese Drohung schien mir einigermaßen lau als ich vor einigen Wochen einen Flyer der Großveranstaltung (1200 angemeldete Teilnehmer) in der Hand hatte, weil mit den 68er-Parolen in der Regel gar nicht mehr viel zu gewinnen ist. Dennoch: Es ist den 68ern gelungen Land und Gesellschaft einigermaßen zu verwüsten. Man hat sich ihrer zwar irgendwann entledigt, und sei es durch eigene Metarmorphose der Betroffenen, doch aufbauen lässt sich auf dem 68er-Sumpf nur mühsam.
Wie auch immer, die 68ern hatten also nun wohl vor, sich von ihrer verbliebenen Anhängerschaft für ihre "Errungenschaften" feiern zu lassen. Umso größer meine Sympathie für diejenigen, die besagte "Apo-Opas" mit der Realität konfrontiert haben. Die von Götz Kubitschek und Felix Menzel organisierte "Konservativ-subversive Aktion" verschaffte sich Zutritt zum Tagungsort (dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität Berlin), brachte Transparente ("68-Kongreß- die letzte Schlacht ist schon verloren") und Aufkleber an, ließen Flugblätter auf die Tagungsteilnehmer niedergehen, besetzten das Podium und brachten per Megaphon einen Aufruf zu Gehör, der das Ende der 68er-Selbstbejubelung forderte. Tenor: Es gibt nichts zu feiern.
Dem ist in jeder Hinsicht zuzustimmen. Einen Papiertiger wie mich versetzt es ja stets in ein gewisses Erstaunen, wenn es zu solchen Aktionen, wie dieser "konservativ-subversiven" kommt. Dennoch bin ich sehr froh darüber. Die Botschaft ist deutlich: Nicht nur, dass die 68er auf dem absteigenden Ast sind, denn das ist ihnen, wie man dem Tagungsmotto ja entnehmen kann, selbst klar. Sondern: die Rechtskonservativen sind wieder da und sie haben nicht vor, den Linksliberalen weiterhin das Feld zu überlassen.
Die Vorbereitung der Aktion muss gekonnt gewesen sein. Meine Anerkennung.

Weblog der Aktion
Berichterstattung bei der Blauen Narzisse