Donnerstag, 31. Juli 2008

Hl. Ignatius von Loyola - Prinzip und Fundament

Zum heutigen Gedanktag des großen Gründers der Jesuiten, Ignatius von Loyola, wird hier einer seiner berühmtesten Texte wiedergegeben, er findet sich am Beginn der "Geistlichen Übungen"









PRINZIP UND FUNDAMENT

Der Mensch ist geschaffen dazu hin,
Gott Unseren Herrn zu loben, Ihm Erfurcht zu erweisen
und zu dienen,
und damit seine Seele zu retten.

Die anderen Dinge auf der Oberfläche der Erde
sind zum Menschen hin geschaffen, und zwar damit sie ihm bei der
Verfolgung des Zieles helfen, zu dem hin er geschaffen ist.

Hieraus folgt,
daß der Mensch dieselben so weit zu gebrauchen hat, als
sie ihm auf sein Ziel hin helfen, und sie so weit lassen
muß, als sie ihn daran hindern.

Darum ist es notwendig,
uns allen geschaffenen Dingen gegenüber gleichmütig
zu verhalten in allem, was der Freiheit
unseres freien Willens überlassen und nicht verboten ist.
Auf diese Weise sollen wir von unserer Seite

Gesundheit nicht mehr verlangen als Krankheit,
Reichtum nicht mehr als Armut,
Ehre nicht mehr als Schmach,
langes Leben nicht mehr als kurzes,
und folgerichtig so in allen übrigen Dingen.

Einzig
das sollen wir ersehnen und erwählen, was uns mehr zum
Ziele hinführt, auf das hin wir geschaffen sind.

Hl. Ignatius von Loyola

Die Kirche begeht heute den Gedenktag des Hl.Ignatius von Loyola (1491-1556), des maßgeblichen Gründers der Societas Jesu (SJ), der Jesuiten.

Aus den von Luis Gonsalvez überlieferten mündlichen Mitteilungen des heiligen Ignatius

Ignatius war dem Lesen nichtiger und verlogener Bücher verfallen, wie sie über die Taten großer Helden geschrieben werden. Als er sich nach seiner Verwundung wieder gesund fühlte, wünschte er solche Bücher, um sich die Zeit zu vertreiben. Im ganzen Haus jedoch fand sich kein Buch dieser Art. Darum brachte man ihm ein Buch mit dem Titel "Das Leben Christi" und ein anderes "Blüte der Heiligen", beide in seiner Muttersprache.
Durch wiederholtes Lesen dieser Bücher regte sich in ihm ein gewisses Gefallen an ihrem Inhalt. Manchmal jedoch schweiften beim Lesen seine Gedanken zurück zu dem, was er früher gelesen hatte, zu den oberflächlichen Empfindungen des Herzens, die seine Gedanken früher beschäftigt hatten, und zu vielen anderen derartigen Dingen.
Inzwischen aber kam ihm die Barmherzigkeit Gottes zu Hilfe und verdrängte bei neuer Lesung jene Gedanken durch andere. Als er nämlich das Leben unseres Herrn Christus und der Heiligen las, dachte er bei sich nach und folgerte: 'Wie, wenn ich so lebte wie der heilige Franziskus oder der heilige Dominikus?' Vieles Derartiges überlegte er in seinem Herzen, und auch diese Gedanken beschäftigten ihn ziemlich lange. Darauf folgten dann wieder oberflächliche, weltliche Gedanken, mit denen er sich erneut lange Zeit abgab. Dieser Wechsel der Gedankengänge in ihm hielt längere Zeit an.
Bei diesen verschiedenartigen Gedanken jedoch gab es einen großen Unterschied: Wenn er sein Denken auf Weltliches richtete, empfand er großes Vergnügen. Hörte er aber damit ermüdet auf, dann erfaßte ihn Traurigkeit und Trockenheit. Wenn er dagegen über die harten Lebensregeln nachdachte, die er die Heiligen befolgen sah, dann empfand sein Geist Freude, und zwar nicht nur, wenn er sie im Herzen hin und her überlegte, sondern er fühlte sich auch dann noch froh, wenn er von ihnen abgelassen hatte. Zuerst bemerkte und wertete er diesen Unterschied nicht, bis ihm eines Tages die Augen des Herzens aufgingen und er sich über diesen Unterschied zu wundern begann. Denn durch Erfahrung erkannte er, daß bei der einen Art von Gedanken Traurigkeit, bei der anderen aber Freude zurückblieb.
Dies war die erste der Überlegungen, die er über das geistliche Leben anstellte. Später, als er die geistlichen Übungen angefangen hatte, war das die erste Erleuchtung, mit der die Seinen über die Unterscheidung der Geister belehrte.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Erik v. Kuehnelt-Leddihn: Ein Vergleich der Monarchie mit der Demokratie



Zuvor: Das Individuum ist als politischer Faktor innerhalb des demokratischen Systems fast völlig machtlos. Eine ausdrucksfähige Person hat dagegen unter fast allen Regierungsformen eine Gelegenheit, politischen Einfluß geltend zu machen, denn da die Bildung selbst mittelmäßiger Monarchen und denkfauler Bürokraten zumeist über der des Durchschnitts steht, sind sie durch Denker, Schriftsteller und andere geistige Größen tiefer zu beeinflussen.


  1. Demokratie ist ihrer Natur nach Parteienherrschaft, Monarchie ist dies ihrer Natur nach nicht.
  2. Der Monarch ist politisches und gesellschaftliches Oberhaupt der Nation. Er regiert durch Gesetz und Ansehen.
  3. Der Monarch wird von Jugend an auf seine Aufgabe vorbereitet, der demokratische Führer ist in der Regel ein spätberufener Dilettant.
  4. Der auch seelisch und sittlich sorgfältig vorbereitete Erbprinz wird auch weniger geneigt sein, einem Machtrausch zu verfallen, der einem ‚Aufsteiger’ aus einfachem Stand den Kopf eher verdreht.
  5. Die Monarchie ist von religiösem, christlichem Geist durchdrungen, was sich segensreich auf die Achtung der Würde und Rechte der Person und auf eine demutsvolle Haltung des Monarchen auswirken dürfte.
  6. Der Intelligenzdurchschnitt dürfte innerhalb des Hochadels durch Auswahl und Vererbung höher liegen, als im gesellschaftlichen Durchschnitt.
  7. Monarchie als internationale Angelegenheit begrenzt durch ihre Ausrichtung auf die Herrscher die internationalen Konflikte, die nicht zu Volks- und Vernichtungskriegen stilisiert werden.
  8. Zudem ist die Internationalität der Monarchie durch die stets präsenten ausländischen Verwandten gegeben.
  9. So verfügen die Herrscherhäuser auch über gemeinsame Vorfahren, was Rassenwahn fast grundsätzlich ausschließt.
  10. Die Monarchie beruht auf der Einheit (Thomas von Aquin). Die Wahl hingegen bekräftigt die Unterschiede.
  11. Die gesunde Monarchie ist keine Oligarchie.
  12. Die Monarchie passt durch ihr paternalistisches Wesen (pater patriae) gut zum kirchlichen und familistischen Rahmenwerk der christlichen Gesellschaft.
  13. Die Monarchie ist eine „organische Regierung“, denn sie beruht auf Dauer, Liebe und Glauben.
  14. Der ausgebildete und verantwortungsvolle Monarch ist in der Regel eher in der Lage Entscheidungen von großer Reichweite zu treffen als die Massen.
  15. Monarchie als „Herrschaft von oben“ ist in ihrem Wesen nach liberaler als Demokratie, denn durch das fehlende ‚Volksmandat’ ist der Aktionsradius des Herrscher in psychologischer Hinsicht eingeschränkt.
  16. Da in der Monarchie die gesellschaftliche Sicherung des gemeinsamen Nenners in weltanschaulicher Hinsicht nicht notwendig ist, kann ihre Gesellschaft liberaler sein, als die Demokratie.
  17. Die unbegrenzte Dauer ihrer Herrschaft bewahrt die Monarchen zumeist vor Bestechung und Diebstahl, sie benötigen keine persönliche Absicherung.
  18. Demokratie und Republik sind deutlich anfälliger für die Plutokratie als die Monarchie.
  19. Der Monarch muss sich dem Volk nicht fortwährend anbiedern.
  20. Der Monarch ist „jedermanns Herr“ und so auch der Beschützer der schwachen und einflusslosen Minderheiten.
  21. Während die Demokratie auf Anonymität und Verantwortungslosigkeit (des Wahlvorgangs) basiert, ist der Monarch eine verantwortliche Person.
  22. Der Monarch ist eine Art „öffentliches Eigentum“ und somit nicht Angehöriger der obersten Klasse, sondern klassenlos, was sich darin zeigt, dass viele Herrscherhäuser auch nicht im einheimischen Adel heiraten durften, sondern nur im Ausland.
  23. Der Monarch wird vom Gedanken geleitet, das väterliche Erbe zu bewahren, um es weiterzugeben.
  24. Der Monarch und besonders die Dynastie kann weit vorausschauende Pläne entwickeln: „Seitdem die Politik auf innere Gärungen der Völker gegründet ist, hat alle Sicherheit ein Ende.“ (Jacob Burckhardt)
  25. Eine Monarchie mit einer hochqualifizierten Minimalbürokratie ist für unser kompliziertes Zeitalter eine geeignete Regierungsform. Grade der Parlamentarismus hat Schwächen, was die Entscheidungsgeschwindigkeit und die situative Angemessenheit der Entscheidungen angeht.
  26. Die Möglichkeit der Abwahl einer Regierung hat zweifelhaften Charakter. Er setzt das Vertrauen in den Massenentscheid und das Wirken des Zufalls voraus.
  27. In der Demokratie haben seltenst Männer überragenden geistigen oder seelischen Formats führende Positionen inne, der Parlamentarismus bringt überhaupt kaum jemals einen große Staatsmann hervor.
  28. Die Monarchie basiert auch in scheinbar irrationalen Einrichtungen (etwa Erbprinzip) auf einem rationalen Kern.
  29. Die Demokratie ist anfälliger für eine niedrige Finanzmoral und höhere Korruption als die Monarchie.
  30. Die Demokratie bietet durch die weltanschauliche Parteien oder parlamentarische Gruppen, die ethnische Minderheiten vertreten, eine einzigartige Gelegenheit für die Einmischung fremder Staaten in die inneren Angelegenheiten eines Landes.
  31. Stabilität und Demokratie ohne gemeinsamen Nenner sind unvereinbar.
  32. Totalitärer Staat wie plebiszitäre Parteidiktatur und Monarchie schließen sich (bis auf wenige Ausnahmen) aus. Mit Ausnahme Italiens von 1922-1943 waren alle totalitären Staaten Republiken.
(aus: Erik v. Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit. Die Schicksalsfrage des Abendlandes)

Dienstag, 29. Juli 2008

Phillipp II über das Amt des Monarchen

Philipp II. (1527-1598, seit 1556 König des 'Spanischen Weltreiches')

"Ein König ist nichts anderes, als ein Sklave, der eine Krone trägt."

"Das Volk ist nicht für den Herrscher da, sondern umgekehrt, der Herrscher für das Volk. Seine erste und höchste Pflicht bestehe darin, daß er für das ihm anvertraute Volk arbeite und dafür Sorge trage, daß es in Ruhe und Frieden, in Gerechtigkeit und Ordnung zu leben vermöge. Denn dafür wird ihm, dem Herrscher, schließlich Rechenschaft abgefordert werden."
Philipp II. an den Vizekönig von Neapel

nach: M.Vasold: Philipp II.

... für Herrscher, Machthaber und Regierende aller Zeiten zum Bedenken empfohlen, aber auch für unsereinen kleinen Wicht, wenn er mal in seinem Umfeld was zu sagen hat...

Sonntag, 27. Juli 2008

Der Völkerapostel in Europa - Barack I. Obama

Barack Obama war in Deutschland. Er erschien so, wie er immer erscheint - eine Mischung aus Popstar und Messias. Auch in Europa ist man für dieses Phänomen empfänglich - immerhin 200.000 Menschen kamen zusammen um den Präsidentschaftskandidaten am Brandenburger Tor zu hören.
Dabei ist die Begeisterung für Obama einigermaßen inhaltsleer. Man scheint in ihm schlicht den Apostel einer besseren Zukunft zu sehen. Wer interessiert sich schon dafür, wie er sich die Krankenversicherung in den USA vorstellt oder die zukünftige Bestückung des Irak mit US-Soldaten - einem Krieg, an dem wir Deutsche sowieso keinen Anteil haben?
Obama bedient nicht einmal das Bedürfnis nach einfachen Lösungen, er bedient den Wunsch nach einer 'besseren Zukunft' und zwar ganz ohne Lösung. Sein Lichtglanz selbst ist die bessere Zukunft, so scheint es. Die Verblödung, oder sagen wir: Infantilisierung, der Gesellschaft kommt seinem Ansatz entgegen. Von jemandem, von dem man Lösungen erwarten sollte, läßt man sich berauschen.
Obama wird offensichtlich nicht wegen seiner Konzepte bejubelt, sondern - so eigenartig es auch ist - um seiner selbst willen. Dies mag einem Monarchen von Gottes Gnaden zustehen - aber einem Präsidentschaftskandidaten aus Übersee?

(Bildnachweis)

Donnerstag, 24. Juli 2008

Lesehinweis

Auf dem Blog von Mcp findet sich eine interessante Reihe über die Verfassung der Spartaner. Sie wird zur Lektüre empfohlen.

Newman zu seiner Konversion

Der Beginn des letzten Kapitels des Buches Newmans über die Geschichte seiner religiösen Überzeugungen:

Von der Zeit an, da ich katholisch wurde, habe ich natürlich von einer Geschichte meiner religiösen Überzeugungen nicht mehr zu berichten. Indem ich das ausspreche, meine ich nicht, daß mein Geist seitdem müßig gewesen ist oder daß ich das Denken über theologische Gegenstände aufgegeben habe; sondern ich habe keine Veränderungen mehr zu verzeichnen und nie mehr solche Herzensangst ausgestanden. Ich bin in vollkommenem Frieden und völliger Ruhe verblieben; ich habe nie mehr einen Zweifel verspürt. In meinem Bewußtsein vollzog sich bei meiner Konversion keine Wandlung, weder geistig noch moralisch. Ich war mir keines festeren Glaubens an die Grundwahrheiten der Offenbarung bewußt, noch größerer Selbstbeherrschung. Ich habe nicht mehr Eifer verspürt; aber es war, wie wenn man nach stürmischer Fahrt in den Hafen kommt, und mein Glück über meine Landung hat bis zu diesem Tage nie mehr aufgehört.

John Henry Card. Newman: Geschichte meiner religiösen Überzeugungen.

Dienstag, 22. Juli 2008

Elisabeth II - The Queen

Einmal mit dem englischen Königtum befasst, schaute ich nun auch noch den Film über die gegenwärtige Königin, Elisabeth II. ("The Queen"). Ich muss vorausschicken, dass das englische Königshaus für mich einerseits immer "das" existierende Herrscherhaus schlechthin darstellte, aber gleichzeitig auch stets die Karikatur eines solchen in unseren Tagen.
Was ich aus dem Film mitgenommen habe ist allerdings, dass dort auch Menschen sehr ernsthaft ihren Aufgaben nachgehen und dass unter Einsatz ihrer ganzen Person. So etwas nötigt mir stets großen Respekt ab. Auch die stets konservative Linie, ebenso Stichworte wie Würde oder Haltung, finde ich sympathisch. Auch wenn sich die nachrückende Generation der Windsors weniger daran gebunden fühlt. Alles in allem scheint mir das Problem weniger bei den 'königlichen Personen' selbst zu liegen, als bei dem, was aus ihnen gemacht wird. Nur wird die Frage sein, was geschieht, wenn das Amt tatsächlich an Leute wie den momentanen Thronfolger übergeht?

Samstag, 19. Juli 2008

Elizabeth - The Golden Age

Gestern habe ich den genannten Film geschaut. Er ist unterhaltsam und alles in allem ganz lohnenswert. Einige Dingen sprangen mir gleichwohl ins Auge...
1) Die Darstellung Philipp II. Dieser scheint nur mit einem Rosenkranz in der Hand zu existieren und außerdem umgibt ihn eine dauernde Eskorte von etwa zwanzig Mönchen, die lateinische Psalmen singen. Auch seine Äußerungen machen einen völlig überspannten Eindruck. Das scheint die Art und Weise zu sein, wie ein durch seinen Glauben geprägter Mensch - ein Herrscher - dargestellt wird. Philipp II. war ja tatsächlich sehr im Glauben verwurzelt und in seinen Lebensgewohnheiten teils eigenwillig. Im Film wirkt er aber wie der Anhänger einer Sekte, der nicht fähig ist, einen normalen Satz zu sagen.
2) Dagegen die Licht- und Identifikationsgestalt: Elisabeth. Sie verteidigt die Glaubensfreiheit gegen die Inquisition (ob die Katholiken Englands ihrer Zeit diese Freiheit genießen konnten...?). Wie dem auch sei, Elisabeth ihrerseits wird zwar auch immer wieder vor dem Altar gezeigt, allerdings auffälligerweise stets ohne jeden Klerus (frei nach dem Motto: 'Ich bin Kirche', während Philipp ja nur umlagert von Geistlichen erscheint). Ihre Berater sind nicht Priester, noch Bischöfe, sondern vielmehr ein Seeräuber und ein Astrologe. Dieser ist nun der Symapthieträger, ganz anders als die Kleriker-Statisten die immer Hintergrund dabei sind, wenn man den als religiös-überspannt gezeichneten Philipp sieht. Der Astrologe ist, um Elisabeth selbst im Film zu zitieren: "Ein weiser Mann." Was umso mehr wundert, als dass jeder weiß, dass der ganze Esoterik-Schnickschnack nichts als Scharlatanerie ist.

Wieder einmal wird Frömmigkeit und ein Leben aus dem Glauben durch die billigsten Klischees völlig verzeichnet, während halbmagisch-halbwissenschaftliche Praktiken den Sympathiebonus bekommen, wohl auch, weil sie ein esoterischer Hauch umweht. Während die Kirche nur im Zusammenhang mit dem halbverrückten Spanier erscheint, setzt die Wahrsagerei eines Dr.xy offenbar die Freiheit der Königin und ihres ganzes Landes frei. Das scheint die Art und Weise zu sein, wie man Kirche wahrnehmen will oder soll.

Das ist einerseits eine Anfrage an das Drehbuch des Films (der nicht ohne Grund 'Elisabeth' heißt und daher auch eine genügend negative Gegenfigur in Philipp brauchte, schon klar). Andererseits ist es aber auch eine Frage an uns (wahlweise an die) Katholiken. Die katholische Kirche scheint im Kino vor allem als Quell des Bösen präsent (man denke an Dan Brown...).

PS I: Der Film ist nicht so schlecht, wie er hier wegkommt.
PS II: Wie konnte Gott einen katholischen Mann gegen eine protestantische Frau verlieren lassen?

Mittwoch, 16. Juli 2008

Hl.Bonaventura II - Mystische Weisheit

Christus ist der Weg und die Tür, Christus ist die Leiter, er ist das Gefährt, gleichsam der Gnadenthron auf der Bundeslade; er ist "das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten verborgen war." Wer diesem Sühnezeichen sein Angesicht zuwendet, wer Christus, der am Kreuz hängt, anschaut mit Glaube, Hoffnung, Liebe, Hingabe, Bewunderung und Freude, Wertschätzung, Lob und Jubel, der begeht mit ihm das Pascha, den Übergang: er durchschreitet mit dem Stab des Kreuzes das Rote Meer. Er betritt von Ägypten aus die Wüste, wo er das verborgene Manna genießt und mit Christus im Grabe ruht. Äußerlich gleichsam gestorben, erfährt er, soweit es im Pilgerstand möglich ist, was am Kreuz dem Räuber, der Christus anhing, gesagt wurde: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein."
Soll dieser Übergang vollkommen sein, so muß der Geist alle Denktätigkeit einstellen und mit der höchsten Stufe seiner Liebe ganz zu Gott hinübergehen und in ihn verwandelt werden. Doch das ist das Geheimnis der Geheimnisse, das niemand kennt, der es nicht empfangen hat; das keiner empfängt, der sich nicht nach ihm sehnt; nach dem sich niemand sehnt, den das Feuer des Heiligen Geistes, das Christus auf die Erde gebracht hat, nicht bis ins Mark hinein entflammt. Darum sagt der Apostel, diese gehimnisvolle Weisheit sei durch den Heiligen Geist geoffenbart.
Fragts du, wie das geschieht, dann frage die Gnade, nicht die Lehre; die Sehnsucht, nicht den Verstand; das Stammeln des Gebetes, nicht das Studium der Lesung; den Bräutigam, nicht den Lehrer; Gott, nicht den Menschen; die Glut, nicht die Helligkeit; nicht das Licht, sondern das Feuer, das die Seele ganz entflammt und in ekstatischer Ergriffenheit zu Gott hinüberträgt. Dieses Feuer ist Gott selbst, der "in Zion einen Feuerherd hat." In ihm hat Christus die Glut seines brennenden Leidens entfacht. Das kann nur der verstehen, der mit Ijob spricht: "Erwürgt zu werden zöge ich vor, den Tod diesem Totengerippe." Wer diesen Tod liebt, kann Gott schauen; denn es ist ohne Zweifel wirklich so: "Kein Mensch kann Gott sehen und am Leben bleiben."
Laßt uns also sterben und in das Dunkel hineingehen. Laßt uns den Sorgen, Begierden und Einbildungen Schweigen gebieten. Laßt uns mit dem gekreuzigten Christus aus dieser Welt zum Vater hinübergehen, auf daß er uns den Vater zeige und wir mit Philippus sagen können: "Das genügt uns", und mit Paulus hören: "Meine Gnade genügt dir." Laßt uns mit David jubeln: "Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig." "Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit! Amen, ja amen."

aus dem "Weg des Geistes zu Gott" des Hl.Bonaventura (+1274)

Hl.Bonaventura I

Bonaventura wurde 1217 in Bagnoregio bei Orvieto geboren. Aus seiner Jugend ist als einschneidendes Erlebnis bekannt, dass er an einer lebensbedrohlichen Krankheit litt, wegen der seine Mutter die Fürsprache des Hl.Franziskus anrief - worauf der Junge geheilt wurde. 1243 tritt Bonaventura in Paris in den Orden der Minoriten ein, nachdem er 1235 das Studium der Artes liberales begonnen und mit dem Theologiestudium fortgesetzt hatte. Sein am Ende desselben entstandener Sentenzenkommentar gilt als einer der bedeutensten des 13.Jhd. Er verbindet eine breite Kenntnis der Kirchenväter mit profundem Wissen um seine zeitgenössische Theologie und Philosophie. Bonaventura stellt sich ausdrücklich in die die augustinische Tradition. 1253/54 wird er Magister der Theologie. Er entwickelt ein reiches theologisches Schaffen und hinterläßt auch einen großen Fundus an Predigten. Bonaventura - der beste Stilist der Hochscholastik -verfasst in dieser Zeit auch sein theologisch wichtigstes Werk, das "Breviloquium". Oft wird in ihm auch der Schöpfer des "Stabat mater" gesehen. Noch 1257 wird Bonaventura zum Ordensoberen der Franziskaner gewählt, die 30 Jahre nach dem Tod des Hl.Franziskus 30.000 Mitglieder umfassten. Um das Vorbild des Ordensgründers lebendig zu halten verfasste Bonaventura die "Legenda maior" (als Tischlesung gedacht) und die "Legenda minor", beides theologisch durchformte Viten des Hl.Franz.
Sein insgesamt wirkmächtigstes Buch war das "Itinerarium mentis in deum" - die Wegweisung für den geistigen Pilgerweg des Menschen zu Gott. Ab den späten 1260ern ist Bonaventura wieder an der Pariser Universität gefordert, wo häretischer Aristotelismus um sich greift, gegen den Bonaventura das Evangelium verteidigt. Er stellt zu diesem Zeitpunkt in seiner Theologie die vielfältig widerstrahlende Schönheit alles Geschaffenen und seine Transparenz auf die Wirklichkeit Gottes in den Mittelpunkt.
1273 wird Bonaventura zum Kardinalbischof von Albano ernannt und wirkte maßgeblich an der Vorbereitung des kommenden Konzils von Lyon mit, dessen Abschluß er aber nicht mehr erlebte. Er starb am 15.7.1274, während des Konzils. 1482 wurde Bonaventura heilig gesprochen. Vor allem als Autor geistlicher Schriften gehört er zu den einflussreichsten Lehrern des Abendlandes, er ist einer der wenigen, die sowohl im Bereich der Theologie und der Spiritualität einen gleichermaßen hohen Rang einnehmen.

Literatur: Marianne Schlosser: Bonaventura - der Weg zur Weisheit ist die Liebe zum Gekreuzigten. in: Theologen des Mittelalters (Hrsg: U.Köpf).

Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein Lehr-Märchen aus tausend und einer Jurte...

Die Mongolei ist nicht gerade das Zentrum der Weltpolitik oder das Schwungrad der Erde. Dennoch oder deshalb lohnt sich ein Blick auf das, was sich dort gerade abspielt (interessanter Artikel auf faz.net - das Ende ist etwas überspannt).
Die Opposition hat vor den letzten Jahren nämlich gute Erfahrungen damit gemacht, der Bevölkerung vor der Wahl schlicht eine Pro-Kopf-Zahlung im Fall eines Wahlsieges zu versprechen. So gelang es der größten Oppositonspartei die regierenden Post-Kommunisten in eine große Koalition zu zwingen und auch an die Fleischtöpfe der Abgeordnetensitze zu gelangen (die in Ulan Bator offenbar tatsächlich sehr üppig sein müssen!). Da dies einmal funktionierte, war man im nächsten Wahlkampf nicht faul und setzte auf das Motto: Klotzen, nicht kleckern - nun versprach die Demokratische Partei das Zehntausendfache (!) des Betrages, den sie vor der letzten Wahl angesetzt hatte. Und schon damals hatte das Geld im Staatssäckel nicht gereicht. Die Kommunisten wollten diesmal nicht dumm daneben stehen und versprachen noch mehr - pro Nase etwa utopische 140.000 Euro. Nun werden in der Mongolei zwar in größerem Umfang Bodenschätze abgebaut, so dass in letzter Zeit Geld einfließt, aber das Versprechen war natürlich völlig abwegig.
Das Problem war bisher aber gar nicht, dass das Geld nach der Wahl nicht gezahlt werden konnte - die Wahl war erst vor wenigen Tagen und die Kommunisten, die das Höchstgebot abgegeben hatten, haben natürlich gewonnen -, sondern dass die Oppostionspartei, die dieses gespenstische Theater ja ursprünglich mal losgetreten hatte, ihre Niederlage nicht anerkennen will und es so zu gewaltsamen Ausschreitungen in der Hauptstadt Ulan Bator gekommen ist , inbegriffen Verwüstung der Parteizentrale der Kommunisten.
Man kommt sich vor wie in einer Illustration zu Kuehnelt-Leddihns (singemäßer) Bemerkung, Wahlkampf sei organsierte Korruption, nur dass die Wähler in Vorleistung gehen müssen und die Belohnung dann oft nicht bekommen. Wo Wahlen durch utopische, weltfremde Versprechungen gewonnen werden (müssen), akzeptiert natürlich niemand eine Niederlage. Aber werden sie irgendwo nicht auf vergleichbare Weise gewonnen?

Montag, 7. Juli 2008

J.H. Newman: Liberalismus, Puritanismus und die Zukunft

"Was den Liberalismus angeht, denken wir, daß die Formulare der Kirche ihn wohl für immer mit Hilfe einer gütigen Vorsehung an irgendwelchen ernsthaften Überfällen auf den Klerus hindern werden. Übrigens ist er ein zu kalter Grundsatz, um die Menge in Bewegung zu setzen."
Aber wegen der sogenannten evangelikalen Religion oder des Puritanismus hatte man mehr Grund zur Besorgnis. Ich richtete das Augenmerk auf seine Organisation; auf der anderen Seite hatte er keine intellektuelle Grundlage, keine ihm innewohnenden Begriffe, kein Prinzip der Einheit und keine Theologie. "Seine Anhänger", sagte ich, "sind bereits uneins geworden, sie werden schmelzen wie Schnee. Der Puritanismus spricht über keinen Punkt, den er zu lehren bekennt, geradeheraus; und um seine Armut zu verbergen, hat er sich mit einem Labyrinth von Worten umkleidet. Wir haben keinerlei Furcht vor ihm; wir fürchten nur, was er anstrebt. Er steht nicht auf gesicherten Boden, noch täuscht er eine eigene Stellung vor; er hält nur den Zwischenraum zwischen den streitenden Mächten, dem Katholizismus und dem Rationalismus, besetzt. Dann wird erst wirklich ein gewaltiger Kampf ausbrechen, wenn zwei echte und lebendige Prinzipien, einhellig, ganz und zusammenhängend, das eine in der Kirche,das andere von außen, sich endlich aufeinanderstürzen werden, in einem Streit, nicht um Namen und Worte und halbwahre Ansichten, sondern um elementare Grundbegriffe und entscheidende moralische Haltungen.

John Henry Kardinal Newman, Apologia.

Dienstag, 1. Juli 2008

Augustinus: Die Lust des Herzens zieht zum Herrn

Einfach ein besonders schöner Abschnitt aus dem Traktat des Hl. Augustinus über das Johannesevangelium.

"Niemand kann zu mir kommen, wenn ihn der Vater nicht zieht!" Denke nicht, er ziehe dich gegen deinen Willen! Gezogen wird das Gemüt und zwar durch die Liebe. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, wenn uns vielleicht Menschen, welche die Worte auf die Waagschale legen, aber vom Verstehen hochheiliger Wirklichkeiten wei entfernt sind, wegen dieser Frohen Botschaft der Heiligen Schrift tadeln und fragen: Wieso glaube ich mit dem freien Willen, wenn ich doch gezogen werde? Ich antworte: Mit freiem Willen allein - das ist zu wenig - auch durch die Lust wirst du gezogen.
Was heißt das, durch die Lust gezogen werden? "Freu dich innig am Herrn; dann gibt er dir, was dein Herz begehrt." Es gibt eine Lust des Herzens, für die dieses Brot vom Himmel süß ist. Wenn der Dichter (Vergil) sagt: "Einen jeden zieht seine Lust hin", nicht der Zwang, sondern die Lust, nicht die Pflicht, sondern die Freude, mit wieviel mehr Recht dürfen wir sagen, daß der Mensch zu Christus hingezogen wird, wenn er sich an der Wahrheit freut, an der Seligkeit, an der Gerechtigkeit und am ewigen Leben? Denn Christus ist das alles.
Haben etwa nur die Sinne des Leibes ihre Lust, und ist der Geist ohne Lust? Wenn der Geist nicht seine Lust hat, warum heißt es dann: "Die Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel, sie laben sich am Überfluß deines Hauses; du tränkst sie mit dem Stom deiner Wonnen. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht"?
Gib mir einen Liebenden, und er weiß, was ich sage: gib mir einen, der hungert, gib mir einen, der in der Wüste wandert und Durst hat und sich nach der Quelle der ewigen Heimat sehnt; gib mir einen solchen - und er wird verstehen, was ich sage. Wenn ich aber einen Kaltherzigen frage, so versteht er nicht, was ich sage.
Jesus sagt: 'Selig, der hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit'- ich gebe ihm das, was er liebt, ich geben ihm das, worauf er hofft.