Sonntag, 31. August 2008

Der singende Ökumene-Pfarrer von Darmstadt...

.. der evangelischen Landeskirche heißt Clemens Bittlinger. Eben dieser ist auch musikalisch aktiv und schreibt Lieder, die er auch selber singt.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus interessant, dass Pfarrer Bittlinger nun ein Lied namens "Mensch Benedikt" erdichtet hat. Thema dieses Liedes ist zumindest vordergründig das Unverständnis, das Pfr.Bittlinger einigen theologischen Positionen und Aussagen des Papstes entgegen bringt. Tatsächlich ist es allerdings wohl eher so, dass Pfr. Bittlinger weniger sein Unverständnis ausdrücken, sondern eher den Papst mit den üblichen Pauschalvorwürfen überziehen will. Es tauchen nur die üblichen populär-populistischen Vorwürfe auf, teils auch noch einigermaßen theologisch verdreht.

Nur ein Lied, könnte man sagen. Aber immerhin ein Lied eines Ökumene-Pfarrers seines Dekanates. Man stelle sich mal vor, ein katholischer Priester - am besten noch einer, der mit Ökumene-Aufgaben betraut ist - würde ein Schmäh-Lied auf die evangelische Landeskirche oder ihren/ihre Kirchenpräsidenten/in dichten... Das könnte allerdings den Bekanntheitsgrad der/des Besungenen deutlich stiegern, was bei Benedikt nicht nötig ist - ob da ein Hauch von Neid weht, wer weiß...
Wie man gleichermaßen so ein Lied auf das Oberhaupt der Katholiken dichten, singen und verbreiten und zugleich ein gemeinsames Abendmahl geradezu verlangen kann - das verstehe ich nicht. Und ich habe meine Zweifel, ob es zu verstehen ist.

Eine an Pfr.Bittlinger gerichtete Reaktion ist in Arbeit:

Samstag, 30. August 2008

Davila: In jedem befreiten Menschen gähnt ein schläfriger Affe

Die These der Volkssouveränität übergibt jedem Menschen die souveräne Bestimmung seines Schicksals. Einmal souverän, hängt der Mensch nur noch von seinen Launen ab. Einmal gänzlich frei, ist der einzige Zweck seiner Handlungen der unzweifelhafte Ausdruck seines Wesens. Der wirtschaftliche Raubzug gipfelt in einem armseligen Individualismus, in dem die ethische Gleichgültigkeit sich als intellektuelle Anarchie fortsetzt. Die Häßlichkeit einer Zivilisation ohne Stil bestätigt den Triumph der verkündeten Souveränität, als wäre eine schamlose Vulgarität die von den demokratischen Bemühungen ersehnte Trophäe. In die Flammen der albernen Verkündigung wirft das Individuum - als wären es heuchlerische Gewänder - die schützenden Riten, die wärmenden Konventionen, die es erziehen durch traditionelle Gesten. In jedem befreiten Menschen gähnt ein schläfriger Affe und erhebt sich.

Nicolás Gómez Dávila: Texte. Wien 2003.

Freitag, 29. August 2008

Enthauptung Johannes des Täufers

Aus einer Homilie des Beda Venerabilis zum Gedenktag der Enthauptung Johannes des Täufers, den die Kirche heute begeht.

Der Vorläufer des Herrn in Geburt, Predigt und Tod bewies eine Kraft des Kampfes, würdig der Zuschauer im Himmel, wie die Heilige Schrift sagt: Wenn er auch vor den Menschen Qualen erdulden mußte, so ist doch seine Hoffnung voll Unsterblichkeit. Mit Recht feiern wir wieder den Gedächtnistag, den er uns selbst durch sein Leiden zum Fest gemacht und den er mit den rosenroten Leuchten seines Blutes geschmückt hat. Mit Recht verehren wir sein Andeken in geistlicher Freude; denn er hat das Zeugnis für Jesus Christus mit dem Siegel des Martyriums abgeschlossen.
Kein Zweifel: der heilige Johannes hat Gefängnis und Ketten ertragen zum Zeugnis für Jesus Christus, unsern Erlöser. Ihm ging er voran und hat für ihn das Leben hingegeben. Von Johannes verlangte der Verfolger nicht, Christus zu verleugnen, sondern die Wahrheit zu verschweigen; dennoch ist er für Christus gestorben. Christus hat selbst gesagt: "Ich bin die Wahrheit", und so vergoß Johannes sein Blut für Christus, weil er es für die Wahrheit tat. Durch Geburt, Predigt und Taufe legte er Zeugnis ab für Christus, der nach ihm geboren wurde, der nach ihm predigte und von ihm getauft wurde. Auch auf das Leiden Christi wies er hin; denn er hat vor ihm gelitten.
Solche Größe besaß der Mann, der nach dem Leiden einer langen Gefangenschaft sein irdisches Leben im Vergießen seines Blutes beendete. Er, der die Freiheit eines überiridischen Friedens verkündigt, wird von den Gottlosen in Ketten gelegt. Er wird in das Dunkel des Kerkers eingeschlossen, er, der gekommen ist, um Zeugnis abzulegen vom Licht, und den Christus - das Licht selbst - eine brennende und leuchtende Lampe genannt hat. In seinem eigenen Blut wird er getauft, der den Erlöser der Welt taufen durfte, der über ihm die Stimme des Vaters hörte und sah, wie die Gnade des Heiligen Geistes auf ihn herabkam. Doch für solche Menschen wie Johannes war es nicht schwer, nein, es war leicht und der Sehnsucht wert, so für die Wahrheit zeitliche Qualen zu erdulden; denn Johannes wußte, daß sie mit ewigem Glück vergolten werden.
Menschen wie Johannes begehren, durch das Bekenntnis zum Namen Christi mit dem Tod, der ohnehin unvermeidlich ist, die Palme des ewigen Lebens zu empfangen. Treffend sagt der Apostel: "Euch wurde die Gnade zuteil, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden." Daß die Auserwählten für Christus leiden, nennt er deshalb ein Geschenk Christi, wie er auch sagt: "Ich bin überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll."

Donnerstag, 28. August 2008

Juan Donoso Cortés: Die Botin Gottes

All dieses und noch viel mehr ward gegeben dem Menschen; doch während all dieses ihm gegeben ist, ziehen die Gestirne weiter ewig dahin auf ihrer Bahn und im ewigen Rythmus geordneter Kreisläufe, und die Jahreszeiten lösen einander ab in harmonischem Wechsel, ohne sich einzuholen und ohne sich jemals zu vertauschen, und die Erde bedeckt sich heute mit Gräsern, mit Bäumen und mit Saaten, wie sie es schon immer getan hat, seitdem sie von oben die Kraft empfing, fruchtbar zu sein, und alle Teile der physischen Schöpfung erfüllen heute, wie sie gestern erfüllten und wie sie morgen erfüllen werden, die göttlichen Befehle, sich bewegend in ewigem Frieden und in Eintracht, ohne auch nur um Haaresbreite die Gesetze ihres allmächtigen Schöpfers zu übertreten, der mit allgewaltiger Hand ihren Gang angleicht, bald ihr Ungestüm im Zaume hält und bald ihrem Laufe die Zügel läßt.

All dieses und noch viel mehr ward dem Menschen gegeben; doch während all diese Dinge ihm anheimgegeben waren, konnte er nicht verhindern, daß seiner Sünde die Strafe folgte und seinen Verbrechen Züchtigung, seiner ersten Übertretung der Tod und die Verdammnis seiner Verstocktheit, seiner Freiheit die Gerechtigkeit und seiner Reue die Barmherzigkeit, seinen Ärgernissen die Genugtuung und seinen Empörungen die Katastrophen.

Den Menschen ward es gegeben, mit seinen Füßen die Gesellschaft zu treten, die zerissen ward durch seine Zweitracht, dem Erdboden gleich zu machen die festesten Mauern, die reichsten Städte zu plündern, unter Getöse die ausgedehntesten und berühmtesten Reiche zu zerstören, zu schrecklichen Ruinen die herrlichsten Kulturen zu verwüsten und ihren schimmernden Glanz in die dichte Wolke der Barbarei einzuhüllen. Was ihm nicht gegeben war, ist, für einen einzigen Tag, für eine einzige Stunde, für einen einzigen Augenblick die unfehlbare sichere Erfüllung der fundamentalen Gesetze der physischen und der moralischen Welt aufzuhalten, welche die Ordnung in der Menschheit und im Universum begründen. Was die Welt weder gesehen hat noch sehen wird, daß der Mensch, der die Ordnung durch das Tor der Sünde flieht, auf einem anderen Wege zur Ordnung zurückkehrt als durch das Tor der Strafe. Die Strafe ist Gottes Botin und sie erreicht alle mit Seinen Botschaften.

Hl.Augustinus

Heute begeht die Kirche den Gedenktag des Heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Augustinus. Über Augustins Lebenslauf sind wir gut unterrichtet. In den 'Bekentnissen' beschreibt Augustinus seine Irrwege und preist die letztliche Führung Gottes. Als Sohn der Hl.Monika und des Patricius studierte er Rhetorik und lehrte diese in Tagaste, Karthago, Rom und Mailand. Lange Zeit gehörte er zur Sekte der Manichäer. Der Mailand-Aufenthalt war für Augustinus entscheidend. Er wurde mit den den Schriften der Platoniker bekannt und hörte die Predigten des Hl.Ambrosius, der Bischof von Mailand war. In der Osternacht des 24/25.4.387 wurde er getauft. Augustinus kehrte nach Tagaste, seine Heimatstadt, zurück und führte von nun an mit einigen Freunden ein klösterliches Leben. Auf Drängen des Bischofs von Hippo empfing Augustinus schließlich die Priesterweihe, er wurde auch bald darauf sein Nachfolger im Bischofsamt. Aus der religiösen Gemeinschaft, die Augustinus in seinem Lebensumfeld um sich geschart hatte, entstand der Augustinerorden. Augustinus starb 430, während die Vandalen seine Bischofsstadt belagerten.
Augustinus ist der bedeutenste lateinische Kirchenvater. Philosophie, Theologie und Frömmigkeit der westlichen Christenheit stehen bis heute unter seinem Einfluß.

Hierdurch gemahnt, zu mir selbst zurückzukehren, trat ich ein in mein Innerstes unter deiner Führung, und ich vermochte es, denn du standest mir helfend zur Seite. Ich trat ein und sah, so blöde auch das Auge meiner Seele noch war, ob diesem Auge meiner Seele, ob meinem Geiste das unwandelbare Licht, nicht dies gemeine und jedem Fleisch sichtbare, auch nicht, als wenn es größer wäre, jedoch von derselben Art und weit, weit heller noch erglänzend, alles mit seiner Größe erfüllt. Nein, nicht also, sondern anders, ganz anders und gewaltig von alledem unterschieden. Auch war es nicht also über meinem Geiste wie das Öl über dem Wasser, auch nicht wie der Himmel über der Erde, sondern weit erhabener, weil er mich selbst schuf, und ich weit tiefer, weil ich sein Geschöpf war. Wer die Wahrheit kennt, der kennt es, und wer es kennt, der kennt auch die Ewigkeit, die Liebe kennt er. O ewige Wahrheit und wahre Liebe und liebe Ewigkeit , du bist mein Gott und Tag und Nacht seufze ich zu dir.
Und da ich dich erkannte, da nahmst du mich an, auf daß ich sähe, es sei wahrhaftig, was ich sehen könnte, ich aber sei noch nicht imstande zu sehen. Du machtest die Blendung meiner geschwächten Sehkraft zunichte, da du mächtig über mir strahltest, und ich bebte vor Liebe und Schauer, und ich fand, daß ich weit entfernt sei von dir im Abstand meiner Unähnlichkeit; da war mir's, als hörte ich deine Stimme aus der Höhe, die spräche: Ich bin eine Speise der Starken; wachse und du wirst mich genießen. Nicht wirst du mich in dich wandeln, gleich der Speise deines Fleisches, du wirst gewandelt werden in mich.

Ich suchte den Weg zu der beharrlichen Stärke, die da befähigt ist, dich zu genießen, doch ich fand ihn nicht, bis ich den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus umfaßte, der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit, der da spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; der die Speise, für die ich zu schwach war, mit dem Fleisch mischte, denn das Wort ward Fleisch, auf daß unserer Kindheit zu Milch werde deine Weisheit, durch die du alles geschaffen.

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt! Und siehe, du watest im Innern, und ich war draußen und suchte dich dort; und ich, mißgestaltet, verlor mich leidenschaftlich in die schönen Gestalten, welche du geschaffen. Mit mir warst du und ich war nicht mit dir. Die Außenwelt hielt mich lange von dir fern, und wenn diese nicht in dir gewesen wäre, so wäre sie überhaupt nicht gewesen. Du riefest und schriest und brachst meine Taubheit. Du schillertest, glänztest und schlugst meine Blindheit in die Flucht. Du wehtest und ich schöpfte Atem und atme zu dir auf Ich kostete dich und hungre und dürste. Du berührtest mich und ich entbrannte in deinem Frieden.

aus 'Bekenntnisse', aus Buch VII und X. in der Übersetzung von Otto Lachmann.

Mittwoch, 27. August 2008

Juan Donoso Cortés: Politik und Theologie

In der Welt nimmt in genau dem Maß, in dem der Glaube abnimmt, auch die Wahrheit ab und eine Gesellschaft, die Gott den Rücken zukehrt, sieht plötzlich alle Horizonte um sich in schreckenerregende Finsternis gehüllt.
Die Erkenntnis, dass die Religion die Grundlage der menschlichen Gesellschaft ist, zieht sich von Platon über Plutarch bis Polybios zu Cato und Cicero und in die Neuzeit zu Rousseau und selbst Voltaire. Natürlich vermindert die Abnahme des Glaubens nicht die Intelligenz, aber sie verwirrt sie - Irrtum und hoch entwickelte Kultur können einher gehen und sie tun das vor unseren Augen und dies gilt nicht nur von ganzen Gesellschaften, nein, auch von Indivuduen.

Die Gesetze, denen die Regierungen und Gesellschaften unterstehen, kennt der, der Gott kennt. Gott kennt, wer auf seine Offenbarung hört und ihr Glauben schenkt. Die Wissenschaften von Religion, Politik und Gesellschaft sind nur im menschlichen Verstand willkürlich getrennt. Vor Gott bildet dies alles eine Einheit und dieser Einheit können sich Politik und Gesellschaft nicht entziehen, selbst, wenn sie diese Einheit negieren, bleiben sie auf die Einheit bezogen.

Die Frage lautet nicht, ob Staat, gesellschaft und Individuum einem Gott huldigen, sie lautet nur: Welchem?

Recht frei nach Donoso Cortes: Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus, 1.1 Wie jede große politische Frage stets eine große theologische Frage in sich birgt.

Hl. Monika

Die Kirche begeht heute, am Vorabend des Festes eines ihrer größten heiligen Theologen und Kirchenlehrers, Aurelius Augustinus von Hippo, des Fest seiner Mutter, der Hl.Monika.
Schon vor einiger Zeit konnte man hier das Diktum Gertrud von le Forts lesen, dass zu den Müttern hinabzusteigen bedeutet, die Söhne zu begreifen. Dies gilt wohl besonders für dieses Paar: Die Hl.Monika und ihren Sohn, den Hl.Augustinus.

Monika wurde um 332 zu Tagaste in Numidien (heute Algerien) in ein christliches Elternhaus geboren und heiratete den der oberen Mittelschicht entstammenden Heiden Patricius, der sich kurz vor seinem Tod bekehrte. Die religiöse Entwicklung ihres Sohnes Augustinus bereitete ihr Kummer und Sorge. Gott erhörte ihr inständiges Gebet: Augustinus ließ sich taufen. Kurz danach starb Monika im Herbst 387 zu Ostia.

Als aber der Tag nahte, an dem sie aus diesem Leben scheiden sollte, nur dir, nicht uns war er bekannt, da begab es sich durch dein geheimes Walten, daß wir, die Mutter und ich, allein an ein Fenster gelehnt standen, das eine Aussicht auf den Garten unseres Hauses gewährte, dort in Ostia an dem Tiber war es, wo wir in stiller Zurückgezogenheit nach den Beschwerden einer langwierigen Reise uns zum Einschiffen vorbereiteten; ein trautes liebliches Gespräch war es, wir vergaßen, was dahinten ist, und streckten uns zu dem, was da vorne ist, und forschten unter uns bei der Wahrheit, die da gegenwärtig ist und die du bist, nach der zukünftigen Herrlichkeit deiner Heiligen, die kein Auge geschaut und kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gedrungen ist. Sehnsuchtsvoll öffneten wir unsern Mund, Quellwasser von oben, die Quelle des Lebens, die bei dir ist, auf daß wir, nach unserem Fassungsvermögen, von ihr besprengt, solch erhabnen Gegenstand nach allen Seiten hin betrachteten.

Als nun unsere Rede dahin gelangte, daß auch die höchste sinnliche Freude, wie sie das leibliche Auge zu schauen vermag, vor der Wonne jenes Lebens keiner Vergleichung, geschweige denn Erwähnung wert schien, uns in glühender Sehnsucht zu ihm selbst erhebend, durchwandelten wir im Geiste stufenweise alles Sinnliche, ja selbst den Himmel, von welchem Sonne, Mond und Sterne auf die Erde herabglänzen. Dann drangen wir weiter empor im Bedenken, Besprechen und Bewundern deiner Werke und kamen auf unsern Geist, und auch darüber schritten wir hinaus, um das Gebiet unvergänglicher Fülle zu erreichen, wo du Israel weidest reichlich mit der Nahrung der Wahrheit und wo Weisheit das Leben ist, durch welches alles entsteht, Vergangenes und Zukünftiges; sie selbst aber wird nicht, sie ist, wie sie war, und wird immer so sein, denn Vergangenheit und Zukunft ist nicht in ihr, sondern allein das Sein, weil sie ewig ist; gewesen sein und sein werden ist aber nicht ewig. Und während wir so redeten und uns nach ihr sehnten, da berührten wir sie leise mit dem vollen Schlage des Herzens, seufzten und ließen dort gebunden die Erstlinge unseres Geistes zurück und kehrten uns wieder zum Laut unseres Mundes, wo das Wort beginnt und endet. Und was gleicht deinem Worte, unserem Gebieter, das ohne zu altem in sich bleibt und alles erneut?

Solches sprach ich, wenn auch nicht auf diese Weise und mit diesen Worten, so doch, o Herr, du weißt es ja, wie sie an diesem Tage, als wir solches besprachen und unter diesen Gesprächen die Welt mit all ihrer Lust uns feil war, wie sie da also sprach: Mir, mein Sohn, macht auf dieser Erde nichts mehr Freude. Was soll ich hier noch und warum bin ich noch hier, da meine Hoffnung für diese Welt ihr Ziel erreicht hat? Eins war es sonst, warum ich noch in diesem Leben eine Zeitlang zu bleiben wünschte, daß ich dich noch als guten Christen sähe, bevor ich stürbe. Dies hat mein Gott mir über mein Bitten gewährt, da ich dich jetzt das irdische Glück verachten und Gott dienen sehe. Was soll ich hier noch tun?

aus Buch IX der Confessiones des Hl.Augustinus (in der Übersetzung von Otto Lachmann)

Dienstag, 26. August 2008

Erziehung

Nochmal zu einem mittlerweile nicht mehr ganz neue Idol Philipp II. Der kleine Prinzip Philipp (etwa vierjährig) ist oft kränklich und dabei ja bekanntermaßen Thronfolger, weswegen der Hofarzt seiner Verantwortung besonders gewissenhaft nachkommt und ihm dies und das verbietet. Philipp folgt den Weisungen des Arztes selten, was nicht folgenlos bleibt, wie uns sein Biograph Ludwig Pfandl in seiner großen Biographie ("Philipp II.") berichtet. Interessant auch die Kommentierung durch den Verfasser der Lebensbeschreibung:

"Das ist nun ein sympathischer Zug der guten Kaiserin, daß sie im Notfall kräftig zugreift und den eigenwilligen Jungen grundlich verdrischt, mögen auch die zimperlichen Hofdamen 'ob solcher Grausamkeit oft bitterlich flennen,'" wie dem Kaiser schriftlich berichtet wird.

Es scheint Philipp nicht geschadet zu haben.

Sonntag, 24. August 2008

Erzbischof Zollitsch zum Islam in Deutschland

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg, tat kürzlich die bemerkenswerte Äußerung zum Thema "Islam in Deutschland":
Er äußerte in einer Fernsehgesprächsrunde, dass allzuhohe Minarette in der Bevölkerung als aufdringlich empfunden werden sowie Distanz und Argwohn hervorrufen könnten (Junge Freiheit 31-32/08).

Die Erkenntnis leuchtet mir ein und hätte wohl auch schon ein wenig vorher artikuliert werden sollen. Der nächste Schritt wäre nun meines Erachtens, dass die Kirche tatkräftig daran geht, sich mit dem Islam nicht nur äußerlich, sondern inhaltlich zu befassen - und zwar in der Form, dass mittelfristig die eine oder andere Moschee zur Kirche wird, weil sich die Gläubigenzahlen demenstprechend verschieben.

Sonntag, 17. August 2008

Die Königin des Himmels

Heute wird in vielen Gemeinden das Fest der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter Maria (nach-)gefeiert.

"Es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt."
Offb 12,1

Sonntag, 3. August 2008

Lesehinweis: Klassisch ist menschlich

Auf der online-Seite der Jungen Freiheit findet sich ein interessantes Interview mit dem Architekten Rupert Stuhlemmer zu Fragen von Architektur und Städtebau.

daraus:

Architektur sollte ein Mittel sein, um die Welt an den Menschen anzupassen. Für die Moderne aber war sie ein Mittel, um den Menschen zu „befreien“, also einen neuen Menschen in einer schönen neuen Welt zu schaffen. Im Grunde ging es darum, eine Welt zu konstruieren. Aber Menschen fühlen sich in Konstrukten nicht wirklich bei sich, Menschen neigen zu Gewachsenem.


Freitag, 1. August 2008

Günter Rohrmoser: Das Leben als Risiko und dessen Akzeptanz

Im folgend resümierten Aufsatz befasst sich Günter Rohrmoser mit dem Vorhandensein des Risikos im Leben auch des Menschen in den modernen Gesellschaften, seiner Wahrnehmung davon und seinem Umgang damit.

Menschliches Leben und Risiko gehören zusammen, "diese Einsicht gehört zur Tradition des den Religionen zu verdankenden Wissens, das für alle großen Menschheitskulturen durch die Jahrtausende prägend war." Der Mensch ist durch seine Natur vor die Aufgabe gestellt, "auf der Basis eines konstitutiven Mangels sich selber erst die Bedingungen seines Lebens ... zu schaffen." Eine nur durch Handeln zu schaffende Sicherheit bleibt aber stets gefährdet.
Im alten Begriff der Sünde zeigt sich,"dass der Mensch mit seinem Vorkommen in dieser Welt die Neigung, ja die unwiderstehliche Tendenz hat, sich selbst und seine Welt zu bedrohen." Der Mensch erträgt nicht nur Risiken -er ist auch eines, für andere und für sich selbst. Von dieser Riskiertheit menschlicher Existenz aus erhob sich in den Religionen "die Frage nach dem Grund und Sinn" menschlicher Möglichkeiten des Daseins an Gott. Besonders deutlich findet sich dies im griechischen Denken: Gott stellt die durch den Menschen gestörte Ordnung des Kosmos wieder her - was für den Menschen tragische Auswirkungen zeitigen kann.
In den letzten 200 Jahren schien nun die Möglichkeit gegeben, eine Welt, "in der definitive Sicherheit machbar" ist, zu erreichen. Wissenschaft und gesellschaftliche Bedingungen sollten eine "Entkontigentisierung" erreichen, "die Totalität der Bedingungen" menschlicher Existenz (individuell, sozial, eventuell auch spirituell) wirkte greifbar. Man sollte das nicht verteufeln - die positiven Folgen der wissenschaftlichen und industriellen Entwicklung sind enorm. Doch muss man "nüchtern feststellen, dass wir uns zumindestens seit dem Beginn der 70er-Jahre ... in einem epochalen und kulturellen Wandel befinden." Methoden und Ziele des Fortschritts sind fragwürdig geworden und der beispiellose Erfolg der Industriegesellschaft untergräbt die Bedingungen seiner eigenen Möglichkeit. Mittlerweile entspricht der "Handlungszwang, der von den immer gefährdeteren Strukturen ausgeht, immer weniger den menschlichen Handlungsmöglichkeiten und Fähigkeiten".
- die Eingriffe betreffen nicht nur die Natur, sondern auch de kulturellen und sozialen Bedingungen, ohne dass man zum Zeitpunkt des Eingriffs wirklich weiß, worauf man sich einlässt
- die zunehmende Unberechenbarkeit von Folgen lässt Risiken fast unzumutbar erscheinen
- die Gesellschaft ist in einer "Steuerungskrise": Durch die wechselseitigen Abhängigkeiten wird "ein Problem durch ein anderes" substituiert.
Es ist schizophren, an den Wohltaten und Segnungen des technisch-wissenschaftlichen Fortschrittes festhalten zu wollen, jedoch das unvermeidbare, minimalisierte Restrisiko abzulehnen, was "tendenziell zu einer Gesamtparalyse des Systems" führt. Eine Lösung ist aber nur möglich, wenn man bereit ist "nicht nur den Preis des Fortschritts, so prekär auch dieser geworden sein mag, sondern auch den Preis der Freiheit zu zahlen."
Leben und Risiko gehören zusammen. Was brauchen Menschen um in dieser Situation bestehen zu können? Die Antwort des Sokrates-Platon: Tapferkeit. "Tapferkeit ist eine Art des Wissens, ein Wissen um das, was jeweilig zu fliehen und zu bekämpen ist, ein Wissen was zu meiden und um das, was man mutig anpacken muss." Als Wissen gehört Tapferkeit zur Vernunft, diese wird durch die zunehmenden Risisken herausgefordert, vor ihr begründet sich auch das Christentum als "die Alternative sowohl zum Modernismus wie zum Fundamentalismus."

Günter Rohrmoser: Christliches Denken als Fundament des Modernen Konservatismus.

Kurze Bemerkung:
Zwar sind die Schlußbemerkungen zur Weiterführung und Lösung arg allgemein, aber die Analyse finde ich sehr stark.