Montag, 29. September 2008

Christlicher Konservatismus? Die Rechte und die Christliche Religion

Auf der Internet-Seite der Blauen Narzisse erschien am vergangenen Samstag ein Artikel "Christentum und Konservatismus" von Benjamin Hasselhorn. Der Beitrag widmet sich dem Anliegen, dass traditionelle Bündnis von Christentum und Konservatismus zu untermauern. Von theologischer Seite sind gegen den Artikel keine Einwände zu erheben. Sowohl die Theorie der "ecclesia ab Abel" (Kirche seit Abel, St.Augustinus), als auch die Anknüpfung an die "Saatkörner der Wahrheit" (St.Justin der Märtyrer) in anderen Religionen und Kulturen sind theologische Wahrheiten, die ein ernst zu nehmender Theologe kaum bestreiten wird.
Von einer kulturellen "Synthese aus Christentum und Heidentum" zu sprechen, erscheint mir dennoch etwas gewagt, weil da zumindest scheinbar eine Art Gleichrangigkeit mitschwingt - die aus christlicher Sicht eben nicht gegeben ist. Ohne Frage hat das Christentum aber in vielen Kulturen entsprechende Anknüpfungspunkte genutzt und auch das Große und Erhabene der jeweiligen Gesellschaften und ihres Glaubens christlich zu transformieren versucht. Ob man damit einem Neuheiden das Christentum schmackhaft machen kann, seid dahingestellt, wird aber auch im besprochenen Artikel nicht behauptet.

Ein wenig anders würde ich den grundsätzlichen Schwerpunkt im Verhältnis von Christentum und Konservatismus setzen. Eine Offenbarungsreligion, die eben einen bestimmten Bezugspunkt hat (die göttliche Offenbarung), tendiert notwendigerweise zum Konservatismus, da sie sich stets neu auf ihre Tradition beziehen muss. Tut sie es nicht, wird sie überflüssig. Ein - im besten Sinn zu verstehendes -bremsendes Element ist demnach dem Christentum stets eigen. Da grade der Katholizismus auch das Ziel verfolgt, alle Lebensbereiche mit dem Evangelium (also seinem Traditionsgut) zu durchdringen, überträgt sich diese konservative Haltung durchaus auch auf die Haltung der Gläubigen auf die Gemeinschaft und den Staat.

Die Frage bleibt wohl letztlich, ob sich ein Rechter, ein Konservativer zu den Inhalten des Christentums, bekennen kann und will - die Birkenstock-Fraktion, die in allen Kirchen mehr oder weniger vertreten ist, macht es einem Konservativem da nicht unbedingt leicht. Wobei diese Gruppe an ihrer Selbstabschaffung arbeitet.
Eine Religion hat im Grunde jeder Mensch - die Frage ist eben, woran er als das Absolute glaubt. Sehr richtig und erhellend erscheint mir in diesem Zusammenhang die Schlußbemerlung Benjamin Hasselhorns über die Abneigung vieler - auch und grade im rechten Lager - gegen die Demut und die Anerkennung der eigenen Gebrochenheit - woraus doch "im christlichen Abendland eine der größten Kulturen der Weltgeschichte" geschaffen wurde. Dennoch mag ich mich, wenn auch mit einem Zwinkern, dem Schlußsatz von Hasselhorns Beitrag anschließen: "Wenn ein Christ Ernst macht mit seinem Christentum, dann muß er ein Rechter sein!"

Sonntag, 28. September 2008

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Rückkehr zum Ursprung

Amerika würde gut daran tun, wieder zu seinen Ursprungsformen zurückzufinden; Eurpa aber, soweit es noch nicht versklavt ist, steht da einem kategorischem Imperativ gegenüber. Es muß jetzt [1953!] zu sich selbst, zu seinen ewigen Quellen zurückfinden oder untergehen. Dies gilt in gesteigertem Ausmaß für das deutsche Volk, das eine der erhabensten geschichtlichen Überlieferungen besitzt, stand doch noch bis vor kurzem das Karfreitagsgebet für Kaiser und Reich in allen Meßbüchern der Welt. Selbst das große Unglück, das immer wieder über die deutschen Lande hereingebrochen ist - Glaubensspaltung, Dreißigjähriger Krieg, Selbstaufgabe des Reiches, Hingabe an irdische Irrlehren, zweimalig vernichtende Niederlage und Teilung - darf den deutschen Stämmen nicht den Willen rauben, sich ihrer von Gott vorgezeichneten Aufgabe zu unterziehen: dem Abendland und der Welt selbstlos zu dienen. Erneuerung des einzigen und wahren Reiches nach diesem Interregnum zeitweiligster Provisorien, nicht willkürliche Konstruktionen in Verfälschung des einmaligen Vorbildes - dies ist das heutige Anliegen! Hierin sollen die großen Symbole aufrichtend und wegweisen sein: die Krone des Sacrum Imperium in der Wiener Schatzkammer, der Thron im Münster zu Aachen, die Gräber in Speyer, der Dom zu Bamberg, der Römer zu Frankfurt, der Doppeladler, der ost- und westwärts blickt, das schwarz-gelebe Banner, in das man erst später die rote Farbe der Flaggenstange hineingeschmuggelt hatte.
Das wahre Reich schließt auch das beste Preußentum ein, wobei nicht vergessen werden darf, daß Schwarz-Silber den Farben Schwarz-Gold hinansteht und daß das Schwarz der Freiheit dem Gold-Silber Gottes untergeordnet bleibt. Doch das Sichselbstfinden des deutschen Volkes ist nur möglich in der bewußten Wiederaufrichtung des übervölkischen Reiches, nur möglich in einer reuig-aufrichtigen Umkehr zum Vätererbe und zum eigenen Genius, stets willig vom anderen lernend, ohne aber zu würdelos-gedankenlosen Nachahmern fremden Gutes zu werden. Nur dann wird die "kaiserlose, die schreckliche Zeit" überwunden werden.

(aus: Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit)

Samstag, 27. September 2008

Contra Clementem III

An dieser Stelle möchte ich nun die restlichen Punkte aufgreifen, die Pfr.Bittlinger in seinem Lied anspricht.

(1) Du verbietest die Kondome auch den Armen dieser Welt, förderst damit AIDS Verbreitung, auch wenn dir das nicht gefällt.

Das ist wieder die alte linksliberale Milchmädchenrechnung, die noch nie aufging. AIDS verbreitet sich in Afrika so schnell, weil die Promiskuität derart hoch ist und keine Kondome benutzt werden. Da die katholische Kirche aber schon eheliche Untreue und außereheliche Sexualität im ganzen ablehnt, wird jemand, der sich darüber hinwegsetzt, kaum erpicht auf Weisungen aus Rom sein, ob er nun dabei Kondome benutzen soll oder nicht. Man erkennt das ganz einfach an einer Statistik wie dieser hier.

(2) Zwischendurch schaffst du die Vorhölle für ungetaufte Babies ab – hast du im Ernst davor geglaubt, dass der Herrgott so was hat?

Naja, wohl scheinbar nicht, denn sonst hätte er ja nicht so gehandelt. Übrigens hat er sie nicht 'abgeschafft', sondern erklären lassen, dass die Lehre über den Limbus nicht mehr lehramtlich vertreten wird - ein Dogma, also etwas, was die Kirche ihren Gläubigen strikt zu glauben vorgab, war er sowieso nie.

(3) Und da wir, die armen Laien so wieso kaum was verstehn, hören wir demnächst lateinisch, wenn wir in die Messe gehn.

Pfr.Bittlinger scheint in der Messe beheimatet zu sein und sich dabei als Laie zu empfinden - "wir". Diese bittlingersche Phrase ist so ziemlich der Tiefpunkt, weil sich hier offenbar Nichtwissen und Nicht-Wissen-Wollen kreuzen: Weil der Hl.Vater die Feier der Alten Messe für diejenigen wieder erlaubt hat, die dies möchten und hat wissen lassen, dass er mehr lateinischen Gesang und Gebet in den Messen schöner fände, tut Pfr. Bittlinger nun so, als würden den Menschen auf der ganzen Welt nun lateinische Messen aufgezwungen, bei denen sie nichts verstehen. Übrigens: Wer mit der Messe vertraut ist - und das sollte jeder Katholik sein - findet sich in einer lateinisch zelebrierten Messe wunderbar zurecht. Davon abgesehen gibt es, besonders im Alten Ritus, den 'Schott'.
Das hier außerdem der katholischen Kirche eine Geringschätzung der Laien vorgehalten wird, zeugt von gewisser Unkenntnis des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Lehre des römischen Katholizismus.

(4) Jesus sagte: „‚das Reich Gottes bricht bald auf der Erde an!’ Leider kamen nur die Kirchen …“ Und der Kampf um Macht begann. Jener Priester, der das sagte, wurde exkommuniziert, denn in Rom und auch woanders wird man nicht gern demaskiert.

Die katholische Kirche kann sich ihres Lehramtes glücklich schätzen - der Mangel, dem die evangelische Kirche unterliegt, da sie eben dies und eine Hierarchie nicht besitzt, ist offensichtlich - weithin eine vollkommene Ergebenheit gegenüber dem Zeitgeist, und zwar so gut wie jedem. Nach 1945 muss man vielleicht den Zusatz anbringen: Insofern er links weht. Ich bin froh über eine Kirche, die auf den Fels gebaut ist, den Christus dazu bestimmt hat und der seiner Aufgabe nachkommt, das Volk Gottes auf Erden zu behüten und zu leiten - und es vor Irrlehren zu bewahren.

FINIS

Donnerstag, 25. September 2008

Contra Clementem II

Strophe 2:
Warum schmähst du andre Christen?
Warum suchst du offen Streit und sagst:
„Ihr seid keine Kirche, weil ihr fehlerhaft seid?“
Wer im Glashaus wirft mit Steinen endet schnell im Scherbenmeer
und auch viele Katholiken decken diesen Stil nicht mehr.

Kommentar: Diese Strophe umwallt wortreich einen sehr überschaubaren Inhalt. Es geht um die alte Lehre von der Kirche. Seit jeher gilt in der christlichen Kirche der Satz: "Wo der Bischof ist, da ist die Kirche". Die Gemeinschaften der Reformation trennten sich aus verschiedenen, teils theologischen, teils praktischen Gründen von dieser Lehre, die darauf basierte, dass es eine "bischöfliche Nachfolge" gibt. Diese - auch "apostolische Sukzession" genannt - besagt, dass das Bischofsamt durch Handauflegung anderer Bischöfe weitergegeben wird. Diese Kette der Handauflegungen beginnt bei den von Jesus Christus selbst eingesetzten Aposteln. Sie stellt die institutionelle Kontinuität der Kirche durch die Zeiten sicher und die Handauflegung dieser Reihe verleiht das Amtgnade, von der der Apostel Paulus spricht. Die evangelische Kirche lehnt diese Lehre ab und hat die Sukzession nicht weitergeführt. Damit hat sie die institutionelle Gemeinschaft der Kirche nach katholischem Verständnis verlassen. Was Leute wie Pfr.Bittlinger fordern, ist im Grunde nichts anderes, als dass die katholische Kirche ihre Lehre über die Kirche aufgibt und die evangelische annimmt, also die apostolische Sukzession für verzichtbar erklärt. Es geht hier nicht um Herabsetzung evangelischer Christen, sondern um die theologische Frage: Was ist die Kirche? Als examinierter Theologe und Ökumene-Pfarrer solle man das auseinanderhalten können.
Dass grade Pfr.Bittlinger angesichts von Inhalt und Form seines Liedes in eben demselben Stilfragen aufbringt, lässt mich meinerseits an das besagte Glashaus denken...

Dienstag, 23. September 2008

Contra Clementem I

Nachdem sich der Pulverrauch etwas gelegt hat, schauen wir doch mal nach den Einzelheiten, genauer gesagt: nach den Aussagen der ersten "theologischen" Strophe!

Zuerst der Text:
Du warst doch bei den Indianern in Lateinamerika,
Du kennst die Missionsgeschichte und der Christen Größenwahn.
Wie kann einer da wie du vor den Indios stehn
und behaupten ihre Väter hätten Christus still ersehnt.


Kommentar:
Bittlinger leitet aus den Verfehlungen der Missionsgeschichte ab, dass es falsch sei, zu sagen, dass die Vorfahren der Indios, die damals 'betroffen' waren, Christus still ersehnt hätten. Lassen wir das mit der Missionsgeschichte jetzt einfach mal so stehen, man könnte da einiges zu sagen. Bittlingers Kritik läuft ja im Grunde auf den Vorwurf der Taktlosigkeit hinaus. Es muss aber doch möglich sein, gemäß dem christlichen Glauben zu sagen, dass alle Menschen und Kulturen offen für Christen sind und erst durch den Glauben an ihm wirklich auch zu sich selbst kommen. Grade der Zuspruch, dass auch die Indio-Kulturen die Indios auf Christus hin ausgerichtet haben, ist doch im Grunde eine sehr positive Wertung. Und de facto ist es doch so, dass alle Welt sowieso schon - um nicht zu sagen: nur - über die negativen Seiten der Landnahme der Europäer redet. Dass der Einzug des Christentums in Südamerika aus christlicher Sicht etwas positives war, bleibt dabei leider oft auf der Strecke.

Eine andere Interpretation der Strophe, die sich besonders auf die Vokabel "behaupten" stützen könnte, besteht darin, dass Bittlinger den ganzen Vorgang der Mission an sich für verfehlt hält, frei nach dem Motto: Soll jeder nach seiner Façon selig werden. Das wäre nun ein anderes Thema, ich glaube aber nicht, dass darin die eigentliche Stoßrichtung der Strophe zu sehen ist. Wenn doch, empfehle ich einen Blick in das NT mit seinen vielfältigen Aufrufen zur Mission.

Samstag, 20. September 2008

Lepanto

7.Oktober 1571. Vor der Seeschlacht von Lepanto, die mit einem Sieg der von Don Juan de Austria geführten Flotte der Heiligen Liga - bestehend aus Spanien, Venedig und dem Kirchenstaat - über die Türken endet:

Die Türken vollführen, während sie sich in Schlachtordnung aufreihen, mit Geschrei, Trompetenblasen und Gongschlagen einen Heidenlärm. Das ist ihre Art den Kampfgeist zu wecken, die Gemüter aufzuheizen, die Köpfe zu fanatisieren. Bei den Christen ertönt unterdessen ein Kanonenschuß, lautlose Stille tritt ein und auf jedem Schiff wird ein Kruzifix, für alle Augen sichtbar, in die Höhe gehalten. Don Juan, an Bord seines Admiralsschiffes auf erhöhtem Platze stehend, kniet vor dem Kreuze nieder und fleht mit gefalteten Händen um den Sieg. Seinem Beispiel folgt jeder Mann auf jedem Schiff, die Musketiere, indem sie ihre Feuerbüchsen an das Schanzkleid lehnen, die Kanoniere mit den brennenden Lunten in der Hand. Aus Tausenden von gläubigen Herzen steigt die stumme Bitte um die Erhörung zum Gekreuzigten empor. Eine Welle von Gottvertrauen und Siegeszuversicht zittert über die gefalteten Hände und die gebeugten Köpfe der zu Kampf, Sieg und Tod bereiten Scharen hin. Es war nach den Aussagen derer, die es miterlebten, ein erschütternd weihevoller Augenblick; es ist, aus geschichtlicher Entfernung besehen, die machtvolle Kundgebung der Größe einer unsterblichen Idee und der Opferkraft eines im Glauben einigen und geschlossenen Volkes.

aus: Ludwig Pfandl: Philipp II.

Freitag, 19. September 2008

Anti-Islamisierungskongreß in Köln

Der Anti-Islamisierungskongreß, der maßgeblich von proNRW und proKöln veranstaltet wird, hat heute begonnen. Die unvermeidlichen linken Amokläufer sind selbstverständlich auch aufgetaucht.

Da ich im wachsenden Einfluß des Islams in verschiedener Hinsicht tatsächlich ein Problem sehe, bin ich froh über diesen Kongreß, auch wenn ich weder Veranstaltung, noch Teilnehmer im Detail kenne. Sie legen den Finger in die Wunde und weisen darauf hin, dass es Probleme gibt, die es nach vorherrschender Meinung nicht geben darf. Aber das Verhältnis der Linken (-Multi-Kulti-Freunde) zur Realität war schon immer ein differenziertes....

Mittwoch, 17. September 2008

Zum Tod von Günter Rohrmoser

Am Montag starb der konservative Philosoph Günter Rohrmoser. Ich habe seine Analysen sehr geschätzt, besonders weil er in ihnen in einer - nach meiner Auffassung - sehr gekonnten Weise auf Friedrich Nietzsche zurückgriff und dessen Denken als Instrument zur Diagnostik unserer Zeit fruchtbar machen konnte. Auch seine Bezugnahmen auf Carl Schmitt und die Verteidigung eines "Rechtes auf politischen Irrtum" fand ich sehr erhellend.

Rohrmoser stand für einen klaren, konservativen Kurs - auch wenn er manchen nicht klar genug war. Das aber z.B. das Studienzentrum Weikersheim, in dem er lange maßgeblich mitwirkte, auf Distanz zu ihm ging, als es sich nach 'rechts' abgrenzen wollte, zeigt, dass er durchaus eine exponierte Stellung inne hatte.

Es bleibt zu hoffen, dass christlich-konservative Denker seines Formats nachkommen werden.

Dienstag, 16. September 2008

1000 Kreuze

An dieser Stelle ein Veranstaltungshinweis: Am kommenden Samstag, den 20.9. findet in Berlin der 1000 Kreuze-Marsch für das Leben statt. Nähere Informationen dazu beim Bundesverband Lebensrecht.

An jedem Arbeitstag gibt es in Deutschland 1000 Abtreibungen. Das ist das, was das gegenwärtige Strafrecht als Schutz des ungeborenen Lebens gewährleistet. Ich will in diesem Zusammenhang auch nochmal auf die cdl verweisen, die als einzige Lebensrechtgruppe parlamentarisch verankert ist.

Wer, wie ich, nicht am Marsch teilnehmen kann, ist zum Gebet dafür aufgerufen. Dem Gebet sei auch die fraktionsübergreifende Initiative zum Verbot der Spätabtreibungen empfohlen. Hoffen wir, dass es zu einer substanziellen Verbesserungen des Lebensschutzes kommt.

Freitag, 12. September 2008

Mariä Namen - und der Sieg über die Türken vor Wien

Die Kirche begeht heute den Gedenktag der Namengebung Marias. Ihr Name bedeutet soviel wie Meerstern.
Dieser Gedenktag hat aber eine besondere Geschichte, denn er bezieht sich auf ein geschichtliches Ereignis der Neuzeit, nämlich die Belagerung Wiens 1863 durch die Türken. Damals erreichte am 12.9., dem Oktavtag von Maria Geburt, das Entsatzheer unter dem polnischen König Jan Sobietski den Ort des Geschehens und besiegte die türkischen Belagerer, due kurz vor der Eroberung der Stadt standen. Die Einrichtung dieses Gedenktags, als Fest "Mariä Namen" (nach jüdischem Brauch muss dies das Datum des Tages gewesen sein, an dem die Gottesmutter ihren Namen Maria verliehen bekam) geschah zum Dank an die Gottesmutter, dass sie an dem Tag, an dem sie selbst ihren vielsagenden Namen erhielt - schon in diesem erscheint sie uns als der Stern, der uns Orientierung im Leben gibt und uns zeigt, wo wir stehen -der Christenheit so tatkräftige Hilfe erwiesen hat. Hoffen wir auch in unseren Tagen auf ihre stete Fürsprache am Thron Gottes in den Anliegen der angefochtenen Christenheit und der Völker des christlichen Abendlandes.

Maria breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schutz für uns daraus,
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorüber gehn,
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

Maria hilf der Christenheit,
dein Hilf erzeig uns allezeit;
komm uns zu Hilf in allem Streit,
verjag die Feind all von uns weit,
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

O Mutter der Bamrherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr
zu jeder Zeit in aller Gefahr,
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

Donnerstag, 11. September 2008

Die heilige Allianz 1815

"Im Namen der Allerheiligsten und Unteilbaren Dreieinigkeit. Ihre Majestäten der Käiser von Österreich, der König von Preußen und der Kaiser von Rußland haben infolge der großen Ereignisse, die in Europa den Lauf der letzten drei Jahre gekennzeichnet haben, und insbesondere infolge der Wohltaten, welche die göttliche Vorsehung den Staaten erwiesen hat, deren Regierungen ihr Vertrauen und ihre Hoffnung allein auf sie setzen, die innige Überzeugung von der Notwendigkeit gewonnen, in ihren gegenseitigen Beziehungen den Verkehr auf die erhabenen Wahrheiten zu begründen, welche uns die unvergängliche Religion des göttlichen Heilandes lehrt. Sie erklären feierlich, daß der geenwärtige Akt nur den Zweck hat, vor aller Welt ihren unerschütterlichen Entschluß zu bekunden, zur Richtschnur ihres Verhaltens im Inneren ihrer Staaten wie in den politischen Beziehungen zu jeder andern Regierung nur die Gebote dieser heiligen Religion zu nehmen, Vorschriften der Gerechtigkeit, Liebe und Friedseligkeit, welche, weit entfernt, nur für das Privatleben bestimmt zu sein, im Gegenteil besonders die Entschlüsse der Fürsten beeinflussen und alle ihre Schritte lenken sollen, als das einzige Mittel zur Befestigung der menschlichen Einrichtungen und zur Heilung ihrer Unvollkommenheiten. Infolgedessen haben ihre Majestäten folgende Artikel vereinbart (...)."

So kann man die Sache also auch angehen. Allgemein zeigt sich hier die Bedeutung, die einem gemeinsamen Werthorizont zukommen kann. Ich bin immer noch nicht bereit zu glauben, dass es in der Politik nur kurzfristige Interessen geben soll. Ist da ein solider Zusammenschluß ähnlich ausgerichteter Staaten (man kann das wohl auch auf innerstaatliche Gruppen, ja auch einzelne Menschen anwenden) nicht die bessere Alternative? Und welche Grundlage eines Bundes sollte grundsätzlich mehr Kraft besitzen als die Religion? In Zeiten, in denen die Menschen der Religion eher fern stehen, sieht die Sache natürlich wieder anders aus. Aber es bedarf einer soliden Klammer für das menschliche Zusammenleben jeder Art und vielleicht zeigt sich hier auch so etwas wie die Unverzichtbarkeit der Religion, von der wir immer noch zehren. Jedenfalls fällt mir keine dauerhafte Kraft ein, die dem Leben, wie auch einem Lebens- oder Staatsbündnis, in verleichbarer Weise Kraft verleihen könnte.

Vertrag zitiert nach: Carl Schmitt: Das politische Problem der Friedenssicherung.

Mittwoch, 10. September 2008

Juan Donoso Cortés: Was von seiner Person zu lernen ist

Es ist an der Zeit einmal zusammen zu fassen, was Juan Donoso Cortés uns in unserer Situation zu sagen hat. Heute soll es vor allem um seine Person gehen. In wie weit kann sie uns Vorbild sein?

Cortés war jemand, der sich in Zusammenhänge gestellt wußte. Er erkannte sie zum einen in seiner Heimat - Spanien -, als auch in seiner Religion, dem Katholizismus. Entgegen dem heutigen Denken, dass zur Kleinräumigkeit, Spezialisierung und Trennung neigt, herrscht in Donosos Denken ein Bewusstsein davon vor, wie verwoben die Lebensbereiche sind. Eine Trennung von Politik und Religion wäre bei ihm nicht denkbar gewesen, ja auch gar nicht wünschenswert oder überhaupt nur machbar. Gleichzeitig war er aber nicht blind für das Denken und die Entwicklungen seiner Zeit. Er kannte Liberalismus und Aufklärung und hatte beides durchdacht und erlebt. War auch der Katholizismus und das traditionelle Denken für Cortés in seinem Lebensumfeld etwas naheliegendes, so musste er sich doch auch schon dafür entscheiden. Andere entschieden sich in seiner Situation auch anders.

Kennzeichnend für Donoso Cortés war seine große Treue. Sie zeigt sich in seinem Privatleben, wie in seiner öffentlichen Tätigkeit. Nachdem er mit 26 Jahren Witwer geworden war, hielt er seiner verstorbenen Gattin auch über ihren Tod, sein Leben lang, die Treue. Später geht er mit dem Königshaus ins französische Exil. Obgleich sein Verlangen zu einem ruhigen Leben auf seinen Gütern geht, nimmt er die Posten des Gesandten zunächst in Berlin, dann in Paris an. Stets ist er zur Stelle, wenn die konservative Partei seiner Ideen und seiner Rhetorik bedarf.

Donoso teilt sein Leben nicht auf, es ist ein Leben und es gibt keinen Lebensbereich, der nicht dem Anspruch unterworfen wäre, vollkommen vom Ganzen geprägt zu sein. Er steht für Geschlossenheit des Lebens und Handelns, für die er sich bewußt entschieden hat und entscheiden musste. Das verbindet ihn mit uns - auch uns ist nicht vorgegeben, welche Perspektive wir einnnehmen. Sein Aufruf an uns ist demnach zuerst der, sich überhaupt zu entscheiden, und zwar mit unserer ganzen Existenz. Keine halben Sachen! Zum anderen ruft uns Cortés nicht nur zur Entscheidung, sondern er ruft uns auch inhaltlich zur Anknüpfung an die Tradition und zur Prägung durch die höheren Werte der Religion, gleichermaßen zur Skepsis gegenüber der Reduktion des Menschen auf Ratio und Ökonomie.

Dabei predigt er nicht nur, er lebt, was er sagt: Er verlangt nicht nur Treue der Gesellschaft zum König, er stellt sie selbst unter Beweis; er predigt nicht nur den Gehorsam der Gesellschaft gegenüber Gott, sondern er lebt ihn. Und so ergibt sich für ihn zwanglos, dass das, was in einem Menschen aus einer Weltanschauung kommt, nämlich politische Sicht und religiöser Glaube, auch im Staat nicht unvermittelt nebeneinander stehen kann. Damit wären die Inhalte seines Denkens erreicht, die später in Bezug auf unsere heutige Situation erörtert werden sollen.

Montag, 8. September 2008

Konservatismus und Nostalgie

"Dabei ist der Rückgriff auf die konservative Tradition hilfreich, aber nicht im Sinn einer Kostümierung. Die douceur de vivre des vorrevolutionären Frankreich ist ebenso dahin wie der Militärkonservatismus des 19.Jahrhhunderts, die Welt der König-Ludwig-Verehrer ebenso wie die des Juni-Clubs, die des welfischen Bauern ebenso wie die des hanseatischen Bürgers. Kaum etwas kann in unserer Situation so gefährlich werden wie Nostalgie."
Diese Passage aus Karlheinz Weissmanns 'Das konservative Minimum' und einige Gedanken der letzten Tage haben mich zu etwas Selbstrelfexion anläßlich dieses Blogs (und meiner Gedankenwelt) angeregt. Ist es tatsächlich sinnvoll, sich derart breit etwa mit einem Denker wie Juan Donoso Cortés auseinanderzusetzen, dessen Welt nunmal tatsächlich dahin ist? Ist es nicht ein wirklichkeitsfernes sich-versenken, nahezu berauschen an den Vorstellungen einer ('besseren') Gedankenwelt, die keinen Realitätsbezug mehr hat? Die Frage muss, was mich angeht, jedenfalls zum Teil bejaht werden. Hierbei stehen zu bleiben würde der Sache allerdings wohl auch nicht gerecht. Der Rückgriff auf Konzepte und Traditionen, die vergangenen Epochen entstammen und eben nicht sogleich anwendungsbereit für die gegenwärtige Situation sind hat durchaus auch einen Gewinn, neben der persönlichen Erbauung: Zum einen ist es wichtig, sich gelegentlich vor Augen zu halten, dass die Situation, die besteht, keineswegs notwendig ist. Sie ist kontigent, veränderbar, durch Ideen beeinflussbar, genauso wie die Situationen der Vergangenheit dies waren. Zum anderen können auch nostalgisch schimmernde Ideen und Konzepte inhaltliche Anstöße geben, eben grade weil sie nicht auf unsere Gegenwart ausgerichtet sind. Behält man den letzten Aspekt im Auge, so können sie sehr erhellend wirken, nämlich die schwarzen Flecken unserer Wahrnehmung aufdecken und sogar Initialzündungen bewirken. Sie stehen außerhalb unseres im Alltag abgeschliffenen Denkens und führen unserer durch stete Rede-und-Gegenrede eingelullte Aufmerksamkeit neue Impulse zu. Insofern wäre es zwar sträflich so zu tun, als wäre Cortés oder eine beliebige andere Gestalt der konservativen Tradition in der Lage uns konkrete Anweisungen für heute und jetzt zu geben, andererseits wäre es sträflich auf ihre Gedanken und Grundsätze, Erfahrungen und Ansprüche an uns Heutige zu verzichten.

Mariä Geburt

Heute begeht die Kirche das Fest der Geburt der Tochter des Joachim und der Anna, nämlich der Gottesmutter Maria, die der Herr vom Kreuz aus allen Menschen zur Mutter gegeben hat, die also auf diesem Weg auch unsere Mutter ist.
Aus diesem Grund eine Passage aus einer Predigt des Andreas von Kreta über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes.

Das ist der Höhepunkt der Wohltaten, die uns Christus erwiesen hat. Das ist die Offenbarung des verborgenen Geheimnisses. Das ist die Natur, die sich entäußert hat: der Gott und Mensch und die Vergöttlichung der von Gott angenommenen Menschheit. Dieses so strahlend aufscheinende Wohnen Gottes bei den Menschen mußte der Freude Eingang verschaffen, weil uns hier das große Geschenk des Heils zuteil wird. Das meint das heutige Fest, dessen Anlaß die Geburt der Gottesmutter ist, dessen Ziel und Ende jedoch die Vereinigung des Wortes mit dem Fleisch ist. Denn eine Jungfrau wird geboren, gepflegt und herangezogen und zur Mutter geformt für Gott, den König der Ewigkeiten. So singe und tanze also die ganze Schöpfung und trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute wurde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereitete dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus.

Das Institut...

für Staatspolitik ist zwar (noch :)) nicht im Fernsehen - wenn dann nur ganz mittelbar über die KSA - aber immerhin in der Süddeutschen Zeitung. Ein guter Artikel, fern ab des üblichen Heulens und Zähneknirschens über 'Rechts', aber auch keine Lobhudelei (die wohl auch nicht zu erwarten, aber im Grunde auch nicht zu wünschen war). Vielleicht der Beginn einer jedenfalls gelegentlichen differenzierten Berichterstattung über 'die Rechte', besonders das IfS, die KSA etc.
Ansonsten kann man den Artikel von Marc Felix Serrao vielleicht am besten einfach so stehen lassen. Ich verweise aber auf die Kommentare zu diesem Thema im Rahmen der Seiten:

Institut für Staatspolitik
Amyklai
Mit elektrischer Feder

Dienstag, 2. September 2008

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Der Gleichheitswahn

Im Menschen streiten zwei starke Triebe miteinander: Der Herdentrieb und die Liebe zur Vielfalt. Dass die Massengesellschaft dabei Einförmigkeit, Gleichförmigkeit und Nivellierung fördert, dürfte außer Frage stehen, wobei die Tendenz dorthin nicht neu ist: Schon der französischen Revolution hatte der Uniformismus den prägnanten Charakter verliehen.

Jacob Burckhardts Worte bewahrheiten sich in vieler Hinsicht immer deutlicher: "Ich kenne aber auch den modernen Staat, dessen rücksichtslose Allmacht sich dabei auf ganz rohe, praktische Weise zeigen wird. Er wird einfach die ungefähre Majorität in der Stimmung der Massen zum Maßstab nehmen und danach die übrigen maßregeln."

aus und nach: Erik von Kühnelt-Leddihn: Der Gleichheitswahn, in: Freiheit oder Gleichheit?

Montag, 1. September 2008

30 Tage Gebet für die islamische Welt

Eine beachtliche Aktion beginnt heute im Rahmen der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), zu der sich nicht wenige unserer konservativen protestantischen Mitchristen bekennen. Es handelt sich um das "30 Tage Gebet für die islamische Welt".

Der islamischen Fastenmonat dient als Anlaß zur Beschäftigung mit der islamischen Welt und dem Gebet für sie. Im Begleitheft wird jeden Tag eine islamische Region oder eine Volksgruppe vorgestellt und dem Gebet empfohlen. Eine sehr schöne Initiative, wie ich finde. Ich beteilige mich gerne an ihr.