Auf der Internet-Seite der Blauen Narzisse erschien am vergangenen Samstag ein Artikel "Christentum und Konservatismus" von Benjamin Hasselhorn. Der Beitrag widmet sich dem Anliegen, dass traditionelle Bündnis von Christentum und Konservatismus zu untermauern. Von theologischer Seite sind gegen den Artikel keine Einwände zu erheben. Sowohl die Theorie der "ecclesia ab Abel" (Kirche seit Abel, St.Augustinus), als auch die Anknüpfung an die "Saatkörner der Wahrheit" (St.Justin der Märtyrer) in anderen Religionen und Kulturen sind theologische Wahrheiten, die ein ernst zu nehmender Theologe kaum bestreiten wird.Von einer kulturellen "Synthese aus Christentum und Heidentum" zu sprechen, erscheint mir dennoch etwas gewagt, weil da zumindest scheinbar eine Art Gleichrangigkeit mitschwingt - die aus christlicher Sicht eben nicht gegeben ist. Ohne Frage hat das Christentum aber in vielen Kulturen entsprechende Anknüpfungspunkte genutzt und auch das Große und Erhabene der jeweiligen Gesellschaften und ihres Glaubens christlich zu transformieren versucht. Ob man damit einem Neuheiden das Christentum schmackhaft machen kann, seid dahingestellt, wird aber auch im besprochenen Artikel nicht behauptet.
Ein wenig anders würde ich den grundsätzlichen Schwerpunkt im Verhältnis von Christentum und Konservatismus setzen. Eine Offenbarungsreligion, die eben einen bestimmten Bezugspunkt hat (die göttliche Offenbarung), tendiert notwendigerweise zum Konservatismus, da sie sich stets neu auf ihre Tradition beziehen muss. Tut sie es nicht, wird sie überflüssig. Ein - im besten Sinn zu verstehendes -bremsendes Element ist demnach dem Christentum stets eigen. Da grade der Katholizismus auch das Ziel verfolgt, alle Lebensbereiche mit dem Evangelium (also seinem Traditionsgut) zu durchdringen, überträgt sich diese konservative Haltung durchaus auch auf die Haltung der Gläubigen auf die Gemeinschaft und den Staat.
Die Frage bleibt wohl letztlich, ob sich ein Rechter, ein Konservativer zu den Inhalten des Christentums, bekennen kann und will - die Birkenstock-Fraktion, die in allen Kirchen mehr oder weniger vertreten ist, macht es einem Konservativem da nicht unbedingt leicht. Wobei diese Gruppe an ihrer Selbstabschaffung arbeitet.
Eine Religion hat im Grunde jeder Mensch - die Frage ist eben, woran er als das Absolute glaubt. Sehr richtig und erhellend erscheint mir in diesem Zusammenhang die Schlußbemerlung Benjamin Hasselhorns über die Abneigung vieler - auch und grade im rechten Lager - gegen die Demut und die Anerkennung der eigenen Gebrochenheit - woraus doch "im christlichen Abendland eine der größten Kulturen der Weltgeschichte" geschaffen wurde. Dennoch mag ich mich, wenn auch mit einem Zwinkern, dem Schlußsatz von Hasselhorns Beitrag anschließen: "Wenn ein Christ Ernst macht mit seinem Christentum, dann muß er ein Rechter sein!"











