Mittwoch, 29. Oktober 2008
Dienstag, 28. Oktober 2008
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Leo Kardinal Scheffczyk: Aussichten des Katholischen
Der geforderte Mut zum Anderssein, das bewußte Existieren unter den Bedingungen einer kognitiven Minderheit und die Konzentration auf das eigene Wesen werden allerdings wieder den Verdacht des vielbeschworenen "Rückzugs ins Ghetto" oder der "Sektenbildung" wachrufen. Aber zur "Sektenbildung" neigen eigentlich die Formen einer "säkularistischen", einer "politischen" oder "revolutionären" Theologie eher als diejenigen, die einfach katholisch sein wollen; denn jene begrenzen sich von vornherein auf ein Segment des Ganzen und können so der Neigung zur Sekte verfallen. Das Katholische als das dem Ganzen Gemäße schließt dagegen das Sektiererische von seinem Wesen her aus, selbst wenn es faktisch unter den Bedingungen einer Minderheit gelebt wird. Gegen die heute möglicherweise aufkommende Furcht, daß diese Minderheit sich ins Mikroskopische zurückbildet, steht einmal der Glaube an die der Kirche gegebene Verheißung, zum anderen die natürliche Überzeugung, daß es auch in der modernen Welt die Sehnsucht nach dem Transzendenten und nach dem Heiligen gibt, die von der Kirche erfüllt werden muß. Die daraus entspringende Hoffnung ist aber nur der Gemeinde zugesagt, welche die "erste Liebe" nicht aufgibt und beim Ursprung bleibt. Darum darf man die Augen auch vor der anderen Möglichkeit nicht verschließen, daß für eine anders geartete Gemeinde (oder Kirche) " der Leuchter von seinem Platz weggerückt" wird (Apk 2,5).Aus: Leo Scheffczyk - Katholische Glaubenswelt. Wahrheit und Gestalt. 1978.
Montag, 20. Oktober 2008
Heinrich Spaemann: Weg der Reinigung
Erstwichtig ist Gott, ist unsere Verbundenheit mit ihm. Darum dem Gottesdienst nichts vorziehen, den Tag mit Gebet beginnen, nicht mit der Zeitung. Ihn mit Gebet durchdringen und betend beenden.
2. Verzichte nicht verweigern, wofern sie von der Liebe Gottes und des Nächsten nahegelegt sind.
Sorge tragen, daß das vordergründige Vielerlei in unserem Leben nicht überhand nimmt. Auswählen! Bereit sein, um des Evangeliums willen das Bisher, etwa die Behausung, die Beschäftigung, die Gewohnheit, zu lassen. Grundsätzlich hier "wie in Zelten leben." (Hebr 13,14).
3. Der Neigung zu unnötiger, liebeleerer Kritik nicht nachgeben.
Niemand festnageln auf seine Grenzen, sein Ungutes, seine Schuld, weil Jesu Annagelung unsere Befreiung war und ist. Im Bunde sein mit Gottes Güte!
4. Nicht das Auge der Menschen suchen.
Die Aufmerksamkeit anderer nicht auf sein Ich lenken wollen, auch nicht im Leiden oder gar durch Leiden. Vielmehr Gott im Auge haben mit allem Tun und Lassen. Auf dem Fundament Christus, das Gott der Welt und meinem Leben gab, "mit Gold und Edelsteinen bauen" (im Heiligen Geist), nicht mit "Holz, Stroh und Stoppeln" (aus selbstischem Antrieb).
5. Sich nicht ängstlich sorgen, sich nicht selbtisch sichern.
Wenn es gilt, der größeren Liebe zu gehorchen: Gott die Zukunft überlassen, ohne Rücksicht auf Verluste auf Vermögenswerte oder auf den Ruf. Nicht auf Übersicht bestehen. Nichts aufschieben. Und nicht nicht im Hinblick auf mein mögliches Morgen das Heute Gottes versäumen. Drei Kennzeichen eines Gehorsams im Heiligen Geist: sogleich, freudig, ganz.
6. Keine Zeit vertun.
Die Stunde auskaufen (Eph 5,15-20), in jeder verbirgt sich für den Glauben wie die Perle in der Muschel das Selbstgeschenk Gottes im Heiligen Geist.
7. Sich dem Kreuz als dem Geheimnis des letzten Platzes verpflichtet wissen.
Das innere Verhältnis zum letzten Platz in jeder Eucharistiefeier neu zu gewinnen und zu vertiefen suchen. Sich nicht ärgern oder empören, wenn man im eigenen Leben gelegentlich verkannt, hintangesetzt, nicht beachtet, übergangen wird. Darauf gefaßt sein, daß auch berechtigte Wünsche und Vorstellungen durchkreuzt werden, und daß das Gebet oft anders erhört wird, als wir es hier und jetzt erwarten oder erkennen.
Heinrich Spaemann (1904-2001) ist der Vater des Philosophen Robert Spaemann.
Text aus: Und Gott schied das Licht von der Finsternis. Christliche Konsequenzen
Sonntag, 19. Oktober 2008
Hl.Hedwig
Diese Woche beging die Kirche am 16.10. den Gedenktag der Hl.Herzogin Hedwig von Schlesien. Die Hl.Hedwig ist die Patronin Schlesiens und da dort auch ein Teil meiner Wurzeln liegt, erwähne ich sie auch im Gedenken an meine Vorfahren aus Niederschlesien. Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Hl.Hedwig auch besonders Patronin der Vertriebenen, so lautet die Antiphon für die Vesper an ihrem Gedenktag: Hedwig, du große Frau, im Himmelreich vom Herrn gekrönt, vergiß die Heimatlosen nicht in diesem Tal der Tränen.Hedwig wurde 1174 geboren und im Alter von 13 Jahren mit Herzog Heinrich I. von Schlesien vermählt. Sie war die Tante der später heilig gesprochenen Elisabeth von Thüringen.
Sowohl aus ihrer Heimat Andechs kamen schreckliche Nachrichten zu ihr, als auch aus ihrer schlesischen Familie, in der blutiger Streit herrschte. Hedwig erkannte: "Gegensätze müssen durch Gegensätze geheilt werden": Haß durch Liebe, Schuld durch Sühne. Hedwig wurde zur Büßerin, die in ihrer Askese bis an die Grenze der Selbstzerstörung ging. Dennoch war sie eine liebende Gattin und Mutter von sieben Kindern. Sie regierte durch ihren Rat und ihr Gebet; sie diente mit großer Zuneigung den Armen und den Kranken. In Menschen und Dingen ehrte sie den anwesenden Gott. Nach dem Tod ihres Gatten 1238 im Kampf gegen die Mongolen zog sie sich in das von ihr gegründete Zisterzienserinnenkloster Trebnitz bei Breslau zurück, wo sie streng nach der Regel lebte, ohne aber Profeß abzulegen. Sie starb am 15.10.1243.
Aus einer Einleitung zu einer Vita der heiligen Hedwig:
Die Dienerin Gottes wußte, daß die lebendigen Steine, die in den Bau des himmlischen Jerusalem eingefügt werden, in dieser Welt durch Schicksalsschläge behauen werden müssen und daß wir durch viele Drangsale in die ewige Herrlichkeit eingehen müssen. Darum setze sie sich ganz den Fluten des Leidens aus und nahm ihren Leib ohne Mitleid in Zucht harter Kasteiungen. Sie mutete sich täglich so schweres Fasten zu, daß viele Menschen sich wunderten, wie eine so schwache und zarte Frau solches aushalten konnte.
Je mehr sie so in aller Besonnenheit durch ständige Härte ihr Fleisch abtötete, desto mehr nahm sie in der Kraft des Geistes und in der Gnade zu, und desto mehr wuchs in ihr die Flamme der Gottesliebe. Sie wurde oft von einem so glühenden Verlangen emporgehoben und zu Gott getragen, daß sie das Empfinden verlor und nicht mehr wahrnahm, was um sie herum vorging. Wie sie in der Frömmigkeit ihres Herzens immer zu Gott hinstrebte, so neigte sie sich auch durch Werke der Liebe dem Mitmenschen zu und spendete freigebig Almosen. Auch unterstützte sie Kollegien und Ordensleute inenrhalb und außerhalb der Klöster. Den Witwen und Waisen, den Kranken und Schwachen, den Aussätzigen, den in Ketten Geschlagenen und Gefesselten, den Obdachlosen und bedürftigen stillenden Müttern erwies sie Gutes. Ganz allgemein aber ließ sie nicht zu, daß jemand, der um Hilfe zu ihr kam, ohne Trost von ihr wegging.
Weil diese Dienerin Gottes keine gute Tat unterließ, die in ihren Kräften stand, gab ihr Gott die Gnade, aus der Kraft Christi und seines Leidens auch dann alles auszuführen, wenn die Menschen in ihrer Not Dinge ersehnten, die über ihr menschliches Vermögen hinausgingen, so daß ihre Kräfte versagten. Wenn daher jemand zu ihr seine Zuflucht nahm, um von einem leiblichen oder seelischen Leiden bereit zu werden, dann hatte sie die Macht zu helfen - soweit es Gott gefiel und seinem Willen entsprach.
Samstag, 18. Oktober 2008
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Subsidiaritätsprinzip und staatliche Zellwucherung
Dieses gelegentliche Wachsen und Schrumpfen des Staates muß uns nachdenklich stimmen. Es ist kein Zufall, daß in den Hoch-Zeiten des Christentums der Staat auf ein Mindestmaß beschränkt wird, während er unter der Alleinherrschaft des Heidentums oder auch in paganisierten Epochen einer besonderen Zellwucherung unterworfen ist. Das Christentum in seiner Bekräftigung des Personalen wird immer darauf dringen, daß Verantwortung und Entscheidung im Rahmen des vernünftig Erfüllbaren und auch im Hinblick auf den gesellschaftlichen ("sozialen") Charakter des Menschen beim Einzelnen bleiben soll. Nur wo der Einzelne, die Person also, oft schon aus seiner "fragmentarischen" Beschränktheit heraus, nur im natürlich gegebenen Verein mit der Familien (oder engen Freunden) zielgerecht wirken kann, erlischt diese Primäraufgabe des Einzelnen und das Subsidiaritätsprinzip tritt in seine Rechte. Wo die Familie in der Bewältigung notwendiger Aufgaben nicht zureicht, müssen gemeinschaftliche Kräfte herhalten. Erst im äußersten Notfall ist es der Staat, der beim Versagen (oft beim Sich-Versagen!) der Gemeinschaft und ihrer Genossenschaft eingreifen muß. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, daß es Aufgaben gibt, die dem Staat als solchem eigentümlich sind und vom Subsidiaritätsprinzip ausgenommen werden, wie z.B. Krieg und Außenpolitik.Aus: Erik von Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit?
Dienstag, 14. Oktober 2008
Moeller van den Bruck: Liberalismus
Was Kuehnelt-Leddihn den "nihilistischen Liberalismus" nennt - und darunter zurecht aber nicht echte Liberalität versteht - beschreibt Moeller van den Bruck so:Es sind die Zeichen einer geistigen Ansteckung, deren Träger sich durch eine eigentümliche Unempfindlichkeit zu schützen pflegen, während sie die Befallenen völlig zu Grunde richtet. Es ist die zersetzende Anschauungswelt eines Liberalismus, der Auflösung bringt, der eine moralische Erkrankung der politischen Völer verbreitet und in dem Grade, wie er seine Herrschaft in einer Nation antritt, den Charakter derselben verdirbt.
Wir dürfen uns diesen Liberalismus freilich nicht so vorstellen, als ob er an eine bestimmte Partei gebunden sei. Er hat nur seinen Ausgang von derjenigen genommen, die ihm den Namen gegeben hat. Aber er hat in der Folge auf alle Parteien hinübergewirkt, hat die Eindeutigkeit der ursprünglichen Parteistellung verwischt, hat ein zweideutiges, ein zweifelhaftes, ein liberal angeseuchtes Element hineingetragen - und wäre es, daß er die bekannte Gestalt des geschäftigen Parteiführers schuf, der seine Berufung nicht mehr vom unbeugsamen Überzeugungen empfängt, die er durchsetzt, sondern seine Aufgabe in einer glatten Vermittlung sieht, die mit sich reden läßt.
Der Liberalismus ist die Freiheit, keine Gesinnung zu haben, und gleichwohl zu behaupten, daß eben dies Gesinnung ist.
aus: Arthur Moeller van den Bruck: Das dritte Reich.
Montag, 13. Oktober 2008
Denn sie wissen nicht, was sie tun...
Auf die Frage, warum im Vorfeld nicht auf Warnungen gehört wurde:
Die politischen Insitutionen sind von Wahl-, die Banken von Verkaufs- und die Konjunkturforschungsinstitute von Partei- und Verbandsinteressen abhängig. Diese Konflikte sind zu groß, als daß man den Insitutionen vertrauen könnte.
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Um ehrlich zu sein, er [der Bürger] hat praktisch keine Chance, sich adäquat zu informieren. Er wird vom täglichen Informationsmüll erdrückt ... Das Ende vom Lied ist, daß selbst der aufmerksame Zeitungsleser nicht mehr in der Lage ist, den roten Faden aufzunehmen undd as Wahre vom Unwahren, das Wichtige vom Unwichtigen und das Seriöse vom Unseriösen zu trennen.
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Anmerkung von mir: Der Mann hat recht. Das ist offensichtlich. Genauso offensichtlich ist, dass dies nicht nur für Wirtschaftsfragen gilt, sondern für fast alle Lebensbereiche. Ob es unter diesen Umständen angebracht ist, die Geschicke eines Staates in die Hand einer überforderten und desinformierten Masse zu legen, beantwortet sich von selbst.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Aut Deus aut nihil.
Tatsächlich gibt es außerhalb der vom Berge Sinai und der vom Munde des Erlösers gegebenen Gebote keine stichhaltigen Beweisführungen, die uns zwingen würden, Raub, Mord und Verleumdung abzulehnen. Der religiöse Zusammenbruch ist die tiefste Ursache für unseren Verfall. Aut Deus, aut nihil. Dios o nada. Und es war das Nichts, für das sich die Menschheit entschlossen hatte.Jeder Verfall, jede tiefe Umwälzung, jeder Todeskmapf nimmt einmal ein Ende. Und so wird auch die Menschheit eines Tages auf den Pfad zurückkehren, von dem sie in ihrer verbrecherischen Verblendung abgewichen ist. Neues Leben wird aus den Ruinen unserer Zivilisation erblühen. Ob wir selbst diese besseren Tage erleben werden, ist an und für sich unwichtig.
E. v. Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit?
Samstag, 4. Oktober 2008
Arthur Moeller van den Bruck: Konservatismus hat die Ewigkeit für sich
Wir leben, um zu hinterlassen. Wer nicht glaubt, daß wir den Zweck unseres Daseins schon in der kurzen Spanne erfüllen, in dem Augenblicke, in dem Nu, den dieses Dasein nur währt, der ist ein konservativer Mensch.Er sagt sich, daß unser Leben nicht ausreicht, um die Dinge zu schaffen, die sich der Geist, der Wille, die Entschlußkraft eines Menschen vornimmt. Er sieht, daß wir als Menschen, die in eine bestimmte Zeit geboren werden, immer nur fortsetzen, was andere begonnen haben, und daß wiederum dort, wo wir abbrechen, andere abermals aufnehmen. Er sieht den einzelnen Menschen vergehen, aber das Ganze seiner Verhältnisse bestehen. Er sieht lange Geschlechterfolgen im überlieferten Dienste eines einzigen Gedankens. Und er sieht Nationen am Bau ihrer Geschichte.
So gibt der konservative Mensch sich eine Rechenschaft über alles, was flüchtig ist, hinfällig und ohne Bestand, aber auch über das, was erhaltend ist, und wert, erhalten zu werden. Er erkennt die vermittelnde Macht, die Vergangenes an Künftiges weitergibt. Er erkennt mitten im Seienden das Bleibende. Er erkennt das Ueberdauernde.
Und er stellt seine große und räumliche Sehweise über den kleinen und zeitlichen Gesichtspunkt.
aus: Moeller van den Bruck: Das dritte Reich. 1923.
Freitag, 3. Oktober 2008
Zum Tag der deutschen Einheit: Vaterland und Vaterlandsliebe
Der (hoffentlich bald selig gesprochene) Papst Pius XII. zum Vaterland und zur Vaterlandsliebe:Die Kirche Jesu Christi bewahrt mit größter Treue die erzieherische Weisheit Gottes. Daher kann sie nicht daran denken und denkt nicht daran, die für jedes Volk eigentümlichen Sonderwerte anzutasten oder minder zu achten, die von jedem mit empfindsamer Anhänglichkeit und mit begreiflichem Stolz gehegt und als kostbares Vätergut betrachtet werden. … Die Kirche begrüßt freudig und begleitet mit mütterlichem Wohlwollen jede Entfaltung solcher eigengearteter Kräfte und Bestrebungen, die im innersten Eigensein jedes Volkstums wurzeln… Auch der göttliche Meister zeigte durch sein Beispiel, dass er der Heimat und dem Vaterland in besonderer Weise zugetan war. Er weinte ob der drohenden Verwüstung der heiligen Stadt. Rundschreiben Summi pontificatus vom 3.03.1939; Dok. S. 12-13.
Wenn Ihr aber nunmehr frag, wo im Vaterland die „starken Wurzeln Eurer Kraft“ liegen, so lautet die Antwort: sie liegen – nicht allein, aber vor allem anderen – in dem christlichen Unterbau, der das Gemeinwesen, seine Verfassung, seine soziale Ordnung, sein Recht und seine gesamte Kultur trägt, und dieser christliche Unterbau ist durch nichts zu ersetzen, nicht durch Macht und nicht durch politische Höchstleistungen. Ansprache an Schweizer Pilger vom 16.05.1947; Dok. S. 62.
Es handelt sich nicht darum, die Vaterländer abzuschaffen, noch willkürlich die Rassen zu verschmelzen. Die Vaterlandsliebe entspringt unmittelbar den Naturgesetzen, die im überlieferten Text der Gebote Gottes zusammengefasst sind: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass Deine Tage lange werden auf dem Boden, den der Herr, Dein Gott, Dir gegeben hat“. (Ex 20, 12). Ansprache an die Mitglieder des Parlaments der Montanunion vom 3.11.1957; Dok. S. 159
Heute begegnet man mitunter Bürgern, die beinahe Angst haben, sich dem Vaterland besonders ergeben zu zeigen. Wie wenn die Liebe zum Vaterland zwangsläufig Geringschätzung anderer Länder bedeuten, wie wenn der natürliche Wunsch, das eigene Vaterland schön, im Innern blühend, nach außen geachtet und geschätzt zu sehen, unvermeidlich ein Grund zur Abneigung gegen andere Völker sein müsste. Es fehlt sogar nicht an Leuten, die sich hüten, das Wort „Vaterland“ auszusprechen, und es durch andere, unserer Zeit, wie sie meinen, angepasstere Namen zu ersetzen suchen… Gewiss … man muss sagen, dass diese verringerte Liebe zum Vaterland, zu dieser Euch von Gott geschenkten größeren Familie, nicht das letzte unter den Zeichen einer Geistesverwirrung ist… Tut großmütig, was ihr könnt, um … (euch) zusammenzuschmieden zu einer Nation, die in der Ruhe der Ordnung lebt und arbeitet. Ansprache an die picenische (märkische) Volksgruppe Italiens in Rom vom 23.03.1958; Dok. S. 165/66.
Zur Quelle auf "Potsdamer Konferenz"
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Liberalismus
Die psychologischen und philosophischen Triebfedern und Grundlagen der liberalen Einstellung sind bei weitem nicht einheitlich. In einem christlichen Liberalismus werden stets Wohlwollen und Großmut, Generosität und Ehrfurcht vor der Persönlichkeit des Nächsten die Antriebskräfte sein. Es gibt aber auch einen "Liberalismus", wie wir es in den letzten hundert Jahren erfahren mußten, der auf einem erkenntnistheoretischen Nihilismus fußt, ein "Liberalismus", der rundweg erklärt, daß die objektive Wahrheit entweder nur ein Vorurteil, ein Stück geistiger Überheblichkeit, eine Sinnestäuschung ist, oder aber, daß sie menschlich ganz einfach nicht erfaßt werden kann und außerhalb unseres Erkenntnisvermögens steht. So wird dann entweder die Wahrheit selbst oder der Weg zur Wahrheit geleugnet. Es ist klar, daß eine derartige Philosophie der Verzweiflung nicht notwendigerweise zu einer liberalen Einstellung führt; gerade das Gegenteil kann eintreten, und daher hängen die Schlußfolgerungen, die von diesen nihilistischen Prämissen gezogen werden, vom persönlichen Geschmack und vom Temperament ab."Liberalität" bedeutet ursprünglich Freigebigkeit, und es versteht sich von selbst, daß von einem Geben nur dann die Rede sein kann, wenn die Schenkung von einem besitz kommt. Generosität ohne Überzeugung gibt es nicht. Toleranz, die dem Liberalismus wesensverwandt ist, darf mit Gleichgültigkeit nicht verwechselt werden. Sie ist ein opferbereites Ertragen anderer Meinungen in Hinsicht auf eine eigene, echte Überzeugung.
aus: Erik von Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit?

