Mittwoch, 26. November 2008

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Kirche heute

Eine Kirche, die eine seelische und nicht nur eine seelische, sondern auch eine sittliche Kraft darstellt, muß stark profiliert sein - ein Fels sein und nicht ein synthetischer Gummischwamm. An diesem Wandel sind in allen Kirchen gewisse Theologen schuld. Diese haben, wie Günther Rohrmoser schrieb "die Umwandlung der Kirche in ein soziales Institut, in ein sozialkaritatives und psychotherapeutisches Leistungsgewerbe vorangetrieben." Damit wollen sie die Kirche "sozial nützlich machen". Eine solche Kirche wird aber weder seelisch, noch sittlich wirksam sein. Eine Kirche, die ihre eigene Verweltlichung als Ergänzung zur Gefälligkeitsdemokratie den Menschen anbietet, "allen alles sein will", ist keine Kirche. Wilhelm Stählin, evangelischer Altbischof von Oldenburg, sagte sehr richtig: "Eine Kirche, die keine Abstoßungskraft hat, hat auch keine Anziehungskraft." Eine Kirche, die zum Werkzeug der Monarchie wird (was in der Vergangenheit oft geschehen ist), degradiert sich, sie tut es aber genau so, wenn sie sich an Demokratie und Sozialismus anbiedert, wofür vielleicht, wie Louis Bouyer glaubt, Ordensleute aus ihrer Lebensweise heraus ganz besonders anfällig sind. Auch ein fester Ethos tut not, gerade in unserem ... Zeitalter, weil der Bürger als Wähler eine zwar im Effekt mikroskopische, aber personal gesehen schwere sittliche Verantwortung trägt, die früher nur Monarchen und 'herrschende Klassen' getragen hatten. Zu diesem festen Ethos ist aber auch - horribile dictu - Autorität notwendig. Das Problem der Autorität ist nicht bei allen Kirchen gleich und sie kann durch einen Schwindelökumenismus noch weiter untergraben werden. Am Anfang dieses Autoritätsschwundes stehen jedoch die erste und die zweite Aufklärung. Theodort Fontane hat da sehr klug den Geist der Lessingschen Ringparabel als auslösenden Faktor durchschaut.

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Die falsch gestellten Weichen. Wien 1985.

Sonntag, 23. November 2008

Christkönig

Das Kirchenjahr endet heute mit dem Fest Christkönig, das die Herrschaft Christi über das ganze Universum proklamiert. Wie Christus seine Herrschaft ausübt, nämlich als guter Hirte, will er auch jedem Menschen Vorbild sein, wenn er Macht und Einfluß ausübt.

Donnerstag, 20. November 2008

Der Verfassungsvorschlag Erik von Kuehnelt-Leddihns

Erik von Kuehnelt-Leddihn setzt vier Hauptprämissen für seinen Verfassungvorschlag einer konsitutionellen Ständemonarchie: (1) Schutz und Bewahrung der größtmöglichen Freiheit für den Einzelnen, (2) Abschaffung des Parteiensystems wegen seiner totalitären Gefahr, (3) Abschieben der weltanschaulichen Kämpfe in die Privatsphäre und (4) Vorrang des Rational-Utilitärem vor dem Mehrheitswillen, aber Nachordnung gegenüber Glaube und Sitte.
Auf dieser Grundlage schlägt Kuehnelt eine Gleichberechtigung zwischen einem Parlament mit ständischer Grundlage und dem Beamtenapparat vor. Das Ständeparlament wird frei gewählt, der Beamtenapparat rekrutiert sich nach Eignung aus allen Schichten der Bevölkerung. Das Ständeparlament drückt aus, was Wunsch und Wille der einzelnen Stände ist, die Ministerien streben das Nützliche und Erreichbare an. Das Ständeparlament kann Beschlüsse fassen, gegen die das zuständige Ministerium oder der Oberste Gerichtshof aber ein Veto einlegen kann. Analoge Rechte hat das zuständige Ministerium. Das Staatsoberhaupt, am besten ein Monarch um die Kontinuität zu wahren, tritt mit seinem Kronrat als Schiedsrichter und Mittler zwischen Volk und Experten. Er ist das neutrale Element im Staat. Seinen Kronrat ernennt er zum Teil selbst, ein Teil wird durch den Obersten Gerichtshof, den Beamtenstand und die Volksvertretung bestimmt. Auch der Oberste Gerichtshof kann Gesetze vorschlagen (s.o.). Er wird durch die Kirchen und Universitäten besetzt, die Stände müssen die einzelnen Mitglieder bestätigen. Der Oberste Gerichtshof verfügt gegenüber allen Gesetzvorlagen über ein juridisches und ethisch-theologisches Prüfungs- und absolutes Vetorecht.
Auf dieser Grundlage sind die bürgerlichen Freiheit, sowie das föderalistische Prinzip zur Geltung zu bringen. Demokratische Verfahren können (neben dem Ständeparlament) zur Anwendung kommen, wenn die Gefahr der anonymen Vermassung und des Auseinanderklaffens von zu beurteilender Materie und dem Allgemeinwissen beseitigt sind - also in der Verwaltung kleiner Einheiten. Ähnlich wie beim Konstrukt des Kreisauer Kreises wird nachdrücklich das Subsidiaritätsprinzip eingeschärft.

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit?

Sonntag, 16. November 2008

Der Verfassungsentwurf des Kreisauer Kreises

Hiermit beginnt eine kleine Reihe der "Unmöglichen Möglichkeiten" - Entwürfe zu Staats- und Verfassungsaufbau, die im Zeitalter vorherrschender Demokratie entstanden, aber bemüht sind, die charakteristischen Defizite dieser Staatsform zu meiden. Wir beginnen mit dem Verfassungsplan des Kreisauer Kreises (anbei abgebildet: Gut Kreisau), nach dessen "Grundsätze für die Neuordnung" vom August 1943.

Vorgesehen war ein 4-stufiger föderativer Reichsaufbau. Dem Susidiaritätsgedanken folgend sollte jede Körperschaft für die selbständige Erledigung aller Aufgaben zuständig sein, die sie sinnvoller Weise selbst durchführen kann.
Alle Bürger über 21 sollten aktives Wahlrecht zu den Gemeindevertretungen haben, Familienoberhäupter für jedes nichtwahlberechtigte Kind eine zusätzliche Stimme erhalten. Passives Wahlrecht sollte für jeden über 27 bestehen, der eine bestimmte Anzahl Unterstützer seiner Kandidatur aufweisen kann. In selber Form sollten Kreistage gewählt werden.
Die Länder sollten nicht mehr als 3-5 Millionen Einwohner umfassen und landschaftlich, wirtschaftlich und kulturell einigermaßen zusammenpassen. Die Landtage sollten durch die Kreistage gewählt werden (nicht durch die Bürger direkt). Diesem Parlament hätte die Beschlußfassung über Haushalt, Steuern und Landesgesetze oblegen, außerdem hätte er ein Resolutionsrecht zu allen Fragen der Landespolitik gehabt. Der Landtag wählt auch auf Vorschlag des Landesverwesers den Landeshauptmann, der die Landesregierung bildet und dem Landesverweser zur Ernennung vorschlägt. Außerdem sollte es auch einen Landesrat geben, dessen Aufgabe es besondners sein sollte, dem Landtag Kandidaten für das Amt des Landesverweser (Amtszeit: 12 Jahre) vorzuschlagen, der dann auch dem Landesrat vorsteht und die Verwirklichung der Reichspolitik im Land überwacht.
Auf der Ebene des Reiches wird der Reichstag von den Landtagen gewählt. Seine Aufgaben entsprechen denen der Landtage auf Landesebene. Der Reichsverweser beruft mit Zustimmung des Reichstages den Reichskanzler, der wiederum die Reichsregierung bildet. Auch ein Reichsrat sollte gebildet werden (aus Landesverwesern, Reichstagspräsidenten, Präsident der Reichswirtschaftskammer und aus vom Reichsverweser mit Zustimmung der Reichsregierung auf 8 Jahre berufenen Reichsräten), er sollte besonders dem Reichstag Kandidaten für das Amt des Reichsverwesers vorschlagen. Der Reichsverweser (Amtszeit: 12 Jahre) hätte den Oberbefehl über die Wehrmacht und den Vorsitz im Reichsrat. Er sollte mit Gegenzeichnung des Kanzlers das Reich nach außen vertreten und außerdem die Reichsgesetze vollziehen.

nach: Albrecht von Moltke: Die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Kreisauer Kreises innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung. Köln 1989.

Freitag, 14. November 2008

Günter Rohrmoser: Zu den christlichen Voraussetzungen liberaler Kultur

Die Gabe des Geistes der Christen in der Politik ist, dass sie über die Fähigkeit der Unterscheidung verfügen. Indem der Christ unterscheidet, pfuscht er der Politik nicht unmittelbar ins Handwerk, sondern er setzt der Politik ständig die Grenze des Politischen. Die politische, indirekte Verantwortung der Christen in einer liberalen Kultur besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Politik sich innerhalb ihres Bereiches hält und nicht auf das übergreift, was ihrer Verfügung und ihrem Zugriff entzogen bleibt. Die wichtigste gewissensbildende Verantwortung der christlichen Kirche ist, all denen, die politisch tätig werden wollen, das Gewissen für die Einhaltung der Grenze des Politischen einzuschärfen. Wenn der Politik diese Grenze gegenüber dem, was Gottes ist, nicht mehr deutlich gemacht wird, dann steht die Politik in der modernen Welt immer auf dem Sprung, sich zu entgrenzen und damit totalitär zu werden. Dies trifft auf sozialistische, kommunistische wie auf liberalistische Gesellschaften zu. Das so Unterschiedene wird gleichzeitig wieder in Beziehung zueinander gebracht. Die aus der Unterscheidung folgende Position ist das, was in der liberalen Kultur praktiziert wird: die totale Privatisierung der Religion. Indem die Religion zur Privatangelegenheit gemacht wird, wird die Politik allerdings nicht säkular. Indem die Christen ihrer politischen Verantwortung im doppelten Akt der Unterscheidung und Inbeziehungsetzung von Religion und Politik nicht gerecht werden und sich privatisieren, geben sie einen Raum frei, der von quasireligiösen Mächten und Kräften besetzt wird. Diese Kräfte und Mächte hätte Augustin "Dämonen" genannt. Die Fiktion, dass das Leben des Einzelnen oder einer Kultur in diesem Sinne säkular gehalten werden könne, ist eine reine Illusion. Insofern ist die politische Geschichte des 20.Jahrhunderts gebrochen. Wenn die Unterscheidung hinfällig wird, dann ist die Voraussetzung für totalitäre Gebilde gegeben. Der Staatssozialismus hat sich nach der symbolischen Logik der Religion verfasst. Das war ein postchristlicher Versuch, die durch das Christentum aufgehobene Einheit von Politik und Religion wieder unmittelbar herzustellen.

Aus: Günter Rohrmoser: Die liberale Kultur und ihre christlichen Voraussetzungen, in: Ders., Geistige Wende, 2000.

Mittwoch, 12. November 2008

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Vielfalt und Vervielfältigung

Zweifellos sehen wir heute in der kulturellen Entwicklung eine künstliche Steigerung des Herdentriebes im Zeichen der Identität ... Die Entpersönlichung bedroht uns nicht nur von der Seite der Religion, der Kunst, der Dichtung ..., sondern von der zivilisatorischer Vermassung her, wie sie im Politischen von der Demokratie und den totalitären spätdemokratischen Formen bedingt wird. Allerdings dürfen wir hier nicht vergessen, daß nicht nur der diktatorische Totalitarismus, sondern auch die Zivilisation, wie wir sie kennen und die moderne Technik untrennbar verbunden sind ... So verschlingen heute fast 2,5 Mio. Leute eine Nummer des Daily Express, so lächelt ... Marlene Dietrich an einem Abend eine Million Männer zwischen San Francisco und dem Brandenburger Tor an, so besitzen 1,5 Mio. die identische Ford-Limousine ... Hiermit tritt die Vervielfältigung an die Stelle der Vielfalt. Ein besonders unheimlicher Aspekt dieser Entwicklung - einer Uniformierung, die ungeheure Fortschritte macht - liegt jedoch in der Forderung nach Einheit der äußeren Formen, verbunden mit einer sentimental-anarchischen Gleichgültigkeit den Grundwahrheiten gegenüber. So werden Religion, Theologie und Philosophie vorläufig zur "Geschmackssache" erklärt, doch Mode, Lebensführung und politische Anschauungen gesellschaftlichen und staatlichen Gesetzen unterworfen. Dieser mechanisch ausgeübte Zwang ist dann das Ende der Freiheiten, und es ist von geringer Bedeutung, ob dann der Druck auf die Person ... vom "lieben Nachbarn" oder ... durch den Geheimpolizisten ausgeübt wird.

Aus: Erik von Kuehnelt-Leddihn: Freiheit oder Gleichheit.

Sonntag, 9. November 2008

9.November 1918

Zum Jahrestag der Ausrufung der Republik am 9.November 1918


Samstag, 8. November 2008

Aurelius Augustinus: Der Staat und seine Götter

Aber die Verehrer und Liebhaber jener Götter, deren Verbrechen und Schandtaten sie mit Freuden nachahmen, kümmert es nicht im geringsten, wenn der Staat häßlich und abscheulich ist. Wenn er nur, sagen sie, steht, wenn er nur blüht, reich an Schätzen, berühmt durch Siege oder, was noch besser ist, sicher und in Frieden! Was geht uns das andere an? Nein, uns liegt nur daran, daß jeder seinen Reichtum immerfort vermehre. Dann hat man genug für die tägliche Verschwendung, und jeder Mächtige kann sich damit Schwächere untertan machen. Mögen die Armen den Reichen gehorchen, um satt zu werden und unter ihrem Schutz träger Ruhe sich zu erfreuen, mögen die Reichen die Armen zu ihrem Gefolge und Dienern ihres Hochmuts erniedrigen. Die Menge soll nicht denen Beifall klatschen, die ihnen zum besten raten, sondern denen, die ihr zum Vergnügen helfen. Nichts Unbequemes soll befohlen, nichts Angenehmes verboten sein ... Die Provinzen mögen den Königen dienstbar sein, nicht weil sie über die guten Sitten wachen, sondern weil sie über die Erdengüter gebieten und die Genußsucht befriedigen ... Öffentliche Dirnen soll's in Überfluß geben für alle, die sich keine eigenen leisten können, prächtige Häuser soll man bauen, üppige Gelage in Menge veranstalten, jeder soll, wie er mag und kann, Tag und Nacht spielen, saufen, speien, in Saus und Braus leben. Überall ertöne Tanzmusik und die Theater mögen widerhallen von Lärm unanständiger Freude und jeder Art grausamster, schändlichster Lust. Wem dies Glück missfällt soll Staatsfeind heißen, und wenn einer etwas ändern oder abstellen will, mag das freie Volk dafür sorgen, daß er keinen Weg finde zu den Ohren, keinen Platz auf den Sitzen, keinen Raum unter den Lebenden. Das sollen die wahren Götter sein, die diese Glückseligkeit den Völkern erschaffen und erhalten.

Aurelius Augustinus: Der Gottesstaat, Buch II, § 20 in der Übersetzung von W.Thimme.

Mittwoch, 5. November 2008

We Will Be Back In Strength - Reaktionen

Diakon Keith Fournier von catholic-online bekräftigt seine Vorbehalte gegen den künftigen Präsidenten, den er gleichwohl als den seinen ansieht und akzeptiert. Es stellt sich aber die Frage, wie es grade in der Gegnerschaft zur Abtreibung weitergehen kann:

I will join with others in building a new movement which recognizes the failures of both major political parties and seeks to build a new alliance of Americans. This alliance will insist upon the primacy of the fundamental human right to life - not as a single issue - but as the very framework and foundation of a truly just society ... In fact, I predict that the election of this new President with such an extreme approach to this fundamental human rights issue assures a new birth of a new movement unlike this Nation has ever seen. So to my fellow Pro-life Americans who are tired, disappointed, distraught and dismayed, I say never lose hope. Our position concerning the humanity of children in the womb is revealed in the Natural Law and confirmed by medical science. It is true. It will be recognized and prevail as certainly as the truth concerning the intrinsic evil of slavery came to be recognized and prevailed in this Nation...

Man darf gespannt sein. Soviel Tatkraft und Überzeugung wünsche ich uns in Europa auch oft auch oft. Zum ganzen Text. Das die Volksabstimmungen zum Verbot von Abtreibungen in Nord- und Süddakota nicht zum erfolg kamen ist schade, aber das etwa 45% der Bevölkerung ganz gegen Abtreibungen votieren zeigt, das es - dort! - keineswegs aussichtlos ist.

Mike Huckabee schreibt auf der Seite seiner Organisation Huck PAC:
I'm very proud to have supported Senator McCain and the only regret is that more Americans didn't share my conviction that he would have made an outstanding President. I not only recognize, but respect that we are a nation in which the people choose and tonight they have chosen Senator Obama. He was not my choice, but he will be my President and I will pray for him to lead this great nation with God's help and grace. He will face serious challenges to lead our country and he will need all Americans to give him a chance. ... Politics is not an event but a process. We sometimes lose the events but it never gives us the right to stop being faithful to our principles that enlisted us in the process. We shall live to fight another day.

And the winner is...



Barack Obama wird also mit dem Wahlsieg für die beste Vorstellung im Wahlkampf belohnt. Das ist keine Überraschung und wohl auch eine systemimmanente Schwäche. Der Sieg in der Präsidentschaft ist eben in gewisser Weise ein "Oscar der Massen".

Alles weitere wird sich zeigen - Obamas Einstellungen sind bekannt und verheißen wenig Gutes, aber vielleicht gelingt es den Leuten vom Fach, mit Sachverstand und festem Glauben ja doch aus dieser Regentschaft etwas Gutes erwachsen zu lassen.

Mit Gottes Hilfe überstehen wir den auch :).

Dienstag, 4. November 2008

Hl. Karl Borromeus


Die Kirche begeht heute den Gedenktag des Heiligen Karl Borromeus. Carlo Borromeo aus der Familie De`Medici wurde im Jahr 1538 auf der Burg Arona am Südhang der Alpen geboren. So gehörte er einer der vornehmsten Familien ganz Italiens an und wurde standesgemäß erzogen. Mit 7 Jahren wurde er in den Klerikerstand aufgenommen, allerdings war der Grund darin zu suchen, daß ihm so die Einkünfte eines Klosters zufließen sollten und sein Vater ihm eine glänzende kirchliche Karriere zugedacht hatte. An beidem ist gut zu erkennen, wie das Erscheinungsbild der Kirche damals von Mißbrauch und Weltlichkeit geprägt war.

Als Glücksfall erweis sich, daß Carlo aber tatsächlich eine Berufung zum Priestertum in sich verspürte. Das geistlich heruntergekommene Kloster, dem er eigentlich nur nominell vorstehen sollte, wurde von ihm gründlich erneuert und von dem Kopf auf die Füße gestellt, auf seine Einkünfte von dort verzichtete er zugunsten der Armen.

Auf Wunsch des Vaters studierte Carlo aber zunächst die Rechte in Pavia. Auch als Student führt er einen tadellosen Lebenswandel - ganz im Gegenteil zu dem Priester, der ihm eigentlich bestehen sollte. Doch noch bevor Carlo sein Jura-Studium mit "summa-cum-laude" abschloß, starb sein Vater. Nachdem sein älterer Bruder sich überfordert gezeigt hatte, ordnete der noch nicht Zwanzigjährige die unübersichtlichen Erbschaftsangelegenheiten, inklusive politischer Beziehungen zu der Regierung eines Nachbarstaates. Schon früh zeigte sich Carlos organistorisches und intelektuelles Talent, gepaart mit dem sicheren Gefühl dafür, daß vor allem das Leben in der Kirche von Mißständen befreit und erneuert werden mußte.

Nur kurze Zeit nach dem Tod des Vaters wendete sich das Leben Carlos erneut. Ein Bruder seiner Mutter wurde als Pius IV. Papst von Rom. Wie üblich beorderte der neue Papst Familieangehörige in herausragende Stellungen der Kirche und des Kirchenstaates. Pius IV. machte hier keine Ausnahme. Sein Neffe Carlo Borromeo wurde Kardinal, Erzbischof von Mailand, Kanzler der Kirche und Vorsteher der Verwaltung des Kirchenstaates, um nur einiges herauszugreifen. Er verfügte von nun an über einen Hofstaat, der 150 Personen umfaßte und nahm seine Standesrechte wahr. Das große Vertrauen, daß sein päpstlicher Onkel in ihn setzte, erfüllte er voll und ganz. Er arbeitete viel, verantwortungsbewußt und geschickt, galt zudem als unbestechlich. Dies alles machte ihn zur Ausnahmeerscheinung. In dieser Zeit schrieb er: "Das Geheimnis des Erfolges liegt in dem beharrlichen Willen des Schaffenden. Zuerst gilt es mit Klugheit zu überlegen, dann aber mit Kraft auszuführen und niemals während der Arbeit die Arme sinken zu lassen". In seiner spärlichen Freizeit sammelt er die hervorragensten Köpfe Roms um sich, die Aufzeichnungen ihrer Gespräche gelten als wichtiges Zeugnis der Geistesgeschichte jener Zeit.

Einen herben Schlag versetzte ihm in dieser Situation der plötzliche Tod seines Bruders Federico. Der junge Kardinal war fassungslos, spürte aber durch diesen Schicksalsschlag die Nähe Gottes, gerade auch darin. Er beschloß sein Leben zu ändern. Er entsagte den Eitelkeiten seines Standes und übte strenge Zucht. Ein Gesandter schreibt über ihn: "Kardinal Borromeo ist erst siebenundzwanzigjährig, aber kränklich, da er sich durch Studien, Fasten, Nachtwachen und Abstinenz geschwächt hat. Er ist Doktor der Rechtswissenschaft, widmet sich aber der Gottesgelehrtheit mit einem in unseren Tagen seltenen Eifer. Sein Leben ist das ehrbarste der Welt und seine Religiosität ist so groß, daß man mit Fug sagen kann, er nütze durch sein Beispiel dem römischen Hofe mehr als alle Konzilsbeschlüsse... Der Hof liebt ihn wenig und klagt, daß der Kardinal vom Papst wenig erbittet und von dem Seinigen wenig gibt. Aber was das erste betrifft, so hält er es für eine Gewissenssache. Sein Eigenes verwendet er zu Almosen..."

Papst Pius IV. wandte seine Aufmerksamkeit bald dem Abschluß des Konzils von Trient zu. Das Konzil war unterbrochen, aber noch nicht beendet. Dieser Zustand kam vielen Gruppen und Mächten gelegen. Carlos Aufgabe bestand darin, die Fortführung vorzubereiten. Wieder zeigte er unermüdlichen Arbeitseinsatz und den Willen zum Ergebnis. Nach mehrmonatigen Verhandlungen des jungen Kardinals trat das Konzil wieder zusammen, gegen den Widerstand vieler Seiten. Seine Beschlüsse zur kirchlichen Erneuerung fanden in Carlo Borromeo einen eifrigenVollstrecker.

Vorbildlich setzte er sogleich um, was an den Entscheidungen seine Person betraf. Er begann - als Kardinal und Erzbischof - in den römischen Kathedralen zu predigen, was diesem Stand vorher vollkommen fremd, jetzt aber aufgetragen war. Auch gab er ihm verliehene Pfründe an den Papst zurück, da deren Häufung nun als verboten galt. Schließlich entschloß er sich auch, seine Amtsgeschäfte als Erzbischof von Mailand selbst aufzunehmen (er hatte sich dort bislang vertreten lassen) und trat in Rom von seinen Aufgaben zurück.

In Mailand angekommen erwartete ihn eine kirchlich heruntergekommene Diözese. Es herrschten Mißstände, die zwar bis heute bekannt sind, aber jeder Beschreibung spotten. Genauso hart wie Erzbischof Borromeo aber gegen sich selbst sein konnte (seine asketische Disziplin rief gleichermaßen Bewunderung und Spott hervor) konnte er auch durchgreifen. Er visitierte jeden Winkel seines Gebietes, schritt gegen die Mißstände ein und gewann auch Gebiet zurück, das, nicht zuletzt aufgrund der Mißstände, dem Protestantismus anheimzufallen drohte.

Bis heute gilt er deswegen als "Lehrmeister der Bischöfe", sein handeln als vorbildlich. So wurde er in den Vorbereitungen des I.Vaticanums ausgiebig studiert, und auch im 20.Jahrhundert bezogen sich die Päpste Pius XI. und Johannes XXIII. persönlich auf den Erzbischof von Mailand.

Zu seinen Errungenschaften zählten neben der Abschaffung der zahlreichen Mißstände konkret die solide theologische Ausbildung der Priesterschaft, die umfangreiche Einführung einer (Laien-)Katechese und die - nicht zuletzt aus persönlichen Mitteln geförderte - Einrichtung sozialer Institutionen.

Wegen seiner Reformen war Carlo aber zunächst geradezu unpopulär. So schritt er gegen die Auswüchse des Karnevals ein und machte sich daran, Mißstände in der Ordenslandschaft zu beheben. Dies brachte ihm einen Mordanschlag aus den Reihen des Humiliatenordens ein, der - der Legende folgend - wunderhaft abgewendet wurde. Aber auch ansonsten schreckten seine Gegner nicht davor zurück, sich gewaltsam zur Wehr zu setzen, sie waren aber letztlich alle nicht in der Lage der sachlichen Richtigkeit von Borromeos Maßnahmen in Verbindung mit seiner Persönlichkeit zu widerstehen. Problematisch war auch Carlos Verhältnis zu den damaligen spanischen Statthaltern von Mailand, das vielfach als "kalter Krieg" bezeichnet wird. In der langen Zeit vor Erzbischofs Borromeos Amtsausübung hatten diese sich daran gewöhnt, die Kirche Mailands mitzuregieren und einen umfassenden Herrschaftsanspruch zu stellen. Das führte zu dauerhaften Streitigkeiten mit dem neuen Amtsinhaber. Dem Vatikan war diese Entwicklung nicht recht, sah man doch in Spanien einen wichtigen Verbündeten. So kam es auch zu Spannungen zwischen Rom und Mailand, die erst durch den triumphalen Besuch Carlos in Rom bei Papst Gregor XIII. behoben wurden.

Carlo Borromeo hatte aber noch weitere Bewährungsproben zu bestehen. 1570 brach in Mailand eine Hungersnot aus, in der sich der Erzbischof um die Hungernden sehr verdient machte. Sechs Jahre später erschütterte eine Pestepidemie Norditalien und auch Mailand. Nachdem die staatlichen Stellen versagt hatten, übernahm die Kirche die Versorgung der Kranken und die Vorsorgemaßnahmen in der Stadt: "Der Kardinal geht sehr oft ins Lazarett und tröstet die Kranken, ermuntert die Angestellten, besichtigt den Friedhof, in dem die an der Pest gestorbenen bestattet werden, begibt sich in die Barracken, in die verschlossenen Häuser, spricht mit allen, tröstet alle. Für alle sorgt er, so gut er kann. Eine andere Tröstung hat diese Stadt nicht. Es ist fast, als erwecke er mit seiner Gegenwart die Leute zum Leben. Es wäre das größte Unheil, wenn Gott ihn aus diesem Leben abberiefe". Der Bischof führte hygienische Vorschriften ein, dazu fanden Andachten und Prozessionen statt, er selbst tat Buße. Die Pest forderte zwar viele Opfer in Mailand, im ganzen ging sie an der Stadt aber glimpflicher vorbei als an vielen anderen betroffenen Städten.

Schon im Leben erreichte Carlo aus geschenkter Gnade und eigener Willensanstrengung den Ruf der Heiligkeit. Er war ein fieberhafter Arbeiter, seine Freizeit bestand vor allem aus dem Studium theologischer Schriften, dem Gebet, dem Schreiben und Ausarbeiten. Schlaf und Nahrung gönnte er sich nur in einem Maße, das - nach Meinung vieler Zeitgenossen - das notwendige Maß noch unterschritt. Auch trug er den Bußgürtel. Er sagte: "Um anderen Licht zu machen, verzehrt die Kerze sich selber". Sein Ansehen war in höchste Höhen gestiegen. Man sagte, "es war, als sei ein Apostel Christi wieder auf die Erde zurückgekehrt", ein Protestant meinte: "Wenn alle Bischöfe und Priester gewesen wären wie dieser, wäre es nicht zur Glaubensspaltung gekommen". Aber zwanzig Jahre brennenden Eifers forderten ihren Preis. Schon vom herannahenden Tod gezeichnet arbeitete der Kardinal so gut es eben ging und über seine schwindenden Kräfte hinaus. Der Tod ereilte den ausgemergelten Mann im Alter von 46 Jahren am 3. November 1584.

Die Verehrung seines Grabes setzte praktisch unmittelbar danach ein. 1610 wurde er vom Papst heilig gesprochen, seine Verehrung ist in der ganzen katholischen Welt verbreitet.

Zur Vertiefung: G.Kranz "Politische Heilige", Augsburg 1964.

Montag, 3. November 2008

Es war knapp...


Irgendjemand muss viel Rosenkranz gebetet haben, jedenfalls ist die nebenstehende Dame nun doch an der Machtübernahme in Hessen gescheitert. An Hessen ist der Kelch vorübergegangen und vermutlich wird sich das auch die Bundes-SPD eine Lehre sein lassen - jedenfalls erstmal. Auf die Dauer wird sie wohl kaum der einzigen sich bietenden Möglichkeit für die Übernahme von Regierungsverantwortung widerstehen können. Es sei denn im Wahlvolk breitet sich Vernunft aus, was aber nie eine besonders wahrscheinlich Variante war.
Es handelt sich um einen Etappensieg, wenn es darum geht, die Radikal-Linken von der Macht fern zu halten. Näher zu einer wirklichen (christlich-)konservativen Politik sind wir dadurch allerdings auch nicht gekommen. Aber für das Leben bis dahin gilt: Lieber ohne Frau Ypsilanti und rot-rot-grün in Hessen als mit dieser Konstellation.

Sonntag, 2. November 2008

Barack Hollywood Obama


Auch wenn man, wie ich, eine tiefe Abneigung gegen Obama hat, muss man doch festhalten, dass der Mensch ein Phänomen ist.

Europa befindet sich im Obama-Taumel. Angeblich jedenfalls. Es mag an meiner selektiven Wahrnehmung oder meinem selektierten Freundeskreis liegen, dass ich davon nichts bemerke, ich weiß es nicht. Eines aber ist klar: Die Europäer hätten Obama vielleicht ganz gerne als Präsident der USA, aber niemals als Regierungschef oder Staatsoberhaupt im eigenen Land. Nach Amerika, da passt er gut hin, direkt zwischen den Tellerwäscher, der Millionär wurde und den Irakkrieg, zwischen Hollywood und Wallstreet. McCain ist zwar auch ein Amerikaner,wie klein Europa sich ihn vorstellt, aber doch eher einer, den man akzeptieren muss und ihm einen widerwilligen Respekt entgegen bringt, als dass man ihn liebt.
Das ist auch der Eindruck, den ich von der Wahl in den USA habe - die "Hollywoodisierung" des Wahlkampfes spült Obama nach oben. Es entspricht dem Gefühl das viele Menschen im Westen haben - das Leben als ein einziges Hollywood. Die Landung in der Realität ist regelmäßig unsanft. Das dürfte sie auch werden, wenn Barack Obama die Wahl gewinnt. Hoffen wir für die USA und die ganze westliche Welt, das Abendland, das beste. Es handelt sich trotz und wegen Finanzkrise immer noch um das machtvollste Amt, dass hier zu vergeben ist - nach dem Papst :).