Donnerstag, 29. Oktober 2009

"Glauben sie an den Glauben?"

"Glauben sie an den Glauben?" - so empfängt einen die Seite www.katholisch-werden.de. Sie zeigt uns - sozusagen "verdichtet" um mich einer Modevokabel zu bedienen - wie der bundesrepublikanische Staatskatholizismus cum granu salis auftritt: Langweilig, trocken, bürokratisch, inhaltlsleer. Schon der zitierte Empfangssatz zeigt es an - niemand weiß, was er bedeutet und die Diffusität, die er versprüht, ist wohl beabsichtigt und irgendwie ja auch ein Zeichen der kirchlichen und theologischen Lage in Westeuropa.
Neben der Frage nach dem Glauben empfängt den Besucher der Seite auch ein Hintergrundbild: Eine stille Wasseroberfläche mit vier Holzstäben, die von geometrischen Formen gekrönt werden. Irgendwo am Horizont kann man ein Ufer oder eine Küste erahnen - mit etwas gutem Willen mag man an einen Hafen denken, aber darauf wird die übergroße Mehrheit der Besucher der Seite nicht kommen. Jede erkennbare christliche Symbolik fehlt. Dafür Holzstäbe im Wasser. Erinnert mich ein wenig an einen von Mitvierzigerinnen gestalteten Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen oder ähnliches...
Man bemerke auch, dass die Seite in keiner Weise werbend für den Katholizismus auftritt. Das scheint verpönt. Nichts gegen ein gewisses Understatement - aber wenn weder inhaltlich, noch durch einladende Formen geworben wird, frage ich mich doch, ob eine Seite mit dem Titel "katholisch-werden" nicht einen wesentlich Teil ihres Auftrags verpasst.
Es gibt dann drei Unteroptionen, kurz gesagt: Wiedereintritt, Taufe, Konversion. Sehr interessant scheinen mir die "Anlässe" zu sein, mit denen man auf "katholisch-werden" rechnet: "Taufpate", "Hochzeit", "Beerdigung". Davon, dass jemand katholisch werden will um katholisch zu sein, weil er das für richtig und wahr hält, ist nirgends die Rede. Vielmehr scheint man nur katholisch zu werden, weil man ein anderes Ziel verfolgt. - Aber Vorsicht: Es gibt ja auch noch die Spalte "Motive" und dort findet sich tatsächlich auch der "Glaube an Gott". Aber auch dort ist alles so allgemein gehalten, dass man auch Hindu werden könnte und dass die Mehrheit der Weltbevölkerung an eine "jenseitige Wirklichkeit" glaubt, reißt nun wirklich niemanden vom Hocker...

Keine Werbung für den Glauben, schon gar nicht für die Kirche - maximal eine Hilfe zum bürokratischen (Wieder-)Eintritt in die Volkskirche, damit die Statistik stimmt. Weitgehend farb- und lieblos. Bleibt zu hoffen, dass man über die dort angebotenen Links schnell etwas Ansprechenderes finden kann.

Ein gelungenes Gegenbeispiel ist http://www.catholicscomehome.org aus Übersee. Wer die beiden Seiten vergleicht, versteht sofort, was ich meine...

Vgl. zu diesem Thema auch: http://elsalaska.twoday.net/stories/6017806/

2 Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Ich kann mich Deinen Ausführungen nur anschließen.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Wo kann ich unterschreiben?
Du hast vollkommen recht!
Die ganze Seite wirkt hasenfüßig, fast schon entschuldigend, als wenn den Machern der Seite der eigene Katholizismus peinlich wäre. Von Jesus Christus ist da sehr wenig die Rede, wenn ich mal so fundamental ansetzen darf.
Höchst peinlich