Mittwoch, 28. Januar 2009

Bischof Williamson im Rampenlicht

Bischof Richard Williamson ist einer der vier Bischöfe, deren Exkommunikation vor wenigen Tagen durch Kardinal Hoyos mit Zustimmung des Papstes aufgehoben wurde. Drei Tage vor der Aufhebung der Exkommunikation wurde im schwedischen Fernsehen, in welchem Zusammenhang auch immer, ein Interview mit ihm gesendet, in dem Bischof Williamson kund tat, dass er nicht die Existenz von Gaskammern glaube und er die Zahl der im Zuge der NS-Gewaltherrschaft getöten Juden mit 200.000 - 300.000 einschätze, mithin wesentlich unter der weithin kolportierten Zahl von etwa 6 Millionen.

Nun bin ich der Auffassung, dass es jedem gestatet sein soll, seine eigene Auffassung über die Dinge der Welt zu haben, so abwegig diese auch sein mag. Eine staatliche Strafverfolgung scheint mir daher unangemessen, obwohl ich natürlich weiß, dass unsere Gesetze diese vorsehen. Ich bin aber dafür, dass sich jeder auf die Weise unmöglich machen können soll, die ihm gefällt - denn genau das hat der Bischof getan. Es spricht nicht für die Priesterbruderschaft Pius X. (FSSPX), dass jemand mit derartig eigentümlich-abwegigen Ansichten wie Richard Williamson (der auch einen Blog, inklusive Karikatur seiner selbst betreibt) dort zum Bischof aufsteigen kann. Wem Bischof Williamson nun am meisten geschadet hat - sich selbst, der FSSPX oder Rom, kann man noch nicht ausmachen.

Nun wurde in den vergangenen Tagen häufig die Aufhebung der Exkommunikation und Bischof Williamsons Sichtweise des Holocaust in Verbindung gebracht. Zwischen beiden besteht aber kein Zusammenhang. Die Aufhebung der Exkommunikation war eine Geste der Annährung und Väterlichkeit gegenüber der FSSPX, von der unter anderem auch Bischof Williamson betroffen war, hatte aber natürlich keinesfalls etwas mit dessen Äußerungen zu tun. Die Problematik der FSSPX wird aber durch Bischof Williamson deutlich. Andererseits darf man sich durch solche privaten Äußerungen eines Einzelnen zu säkularen Themen auch nicht davon abbringen lassen, den Weg der Einheit weiter zu gehen oder gar die ganze FSSPX jetzt unter Generalverdacht zu stellen. Als regulärer, römisch-katholischer Bischof ist Williamson allerdings wohl kaum vorstellbar. Er gilt auch in der FSSPX als Hardliner und Exponent des rechten Randes innerhalb der Bruderschaft.

Dass auch nach den heutigen Klarstellungen von Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz und auch des zunächst zurückhaltenden Generaloberen der FSSPX, Bischof Fellay (der im weiteren Bischof Williamson bis auf weiteres Äußerungen zu politischen und historischen Themen untersagt hat) und des deutschen Destrikoberen, Pater Schmidberger (der sehr deutliche Worte gefunden hat) das jüdische Oberrabinat in Israel die Kontakte nach Rom abbricht, verstehe ich unter diesen Umständen nicht, ebensowenig wie die Äußerungen des ZdJ. Für jedermann, der sich ein wenig mit der Sache beschäftigt muss wohl klar sein, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Dinge handelt - die Exkommunikation steht mit den Äußerungen Williamsons in keinem Zusammenhang, er wurde nicht als Holcuast-Leugner rehabilitiert, sondern als einer der Bischöfe der FSSPX. Allein das zeitliche Zusammentreffen gibt interessierten Kreisen die Möglichkeit, die Sache hochzuspielen und seinen Einlasung und dem Bischof selbst eine Bedeutung zuzumessen, die weder seine Äußerungen, noch er selbst haben.

Zur Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X.

Der Heilige Vater Benedikt XVI. hat am vergangenen Samstag (24.1.2009) die Exkommunikation der vier Bischöfe der schismatischen Priesterbruderschaft Pius X. (FSSPX) durch den Präsidenten der Kommission "Ecclesia Dei" aufheben lassen. Die Bitte um diesen Akt hatte am 15.12.2008 der Obere der FSSPX an den Präsidenten eben dieser päpstlichen Kommission, Kardinal Dario Castrillón Hoyos, gerichtet.
Vor dem Hintergrund der öffentlich zugänglichen Informationen erstaunt mich der Schritt der Aufhebung der Exkomunikation. Die Bischöfe Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta wurden am 30.6.1988 gegen die ausdrückliche Weisung Papst Johannes Paul II. durch Erzbischof Marcel Lefebvre zu Bischöfen geweiht und zogen sich dadurch mit ihrem Konsekrator die Exkommunikation, also den Ausschluß aus der katholischen Kirche, zu. Meines Wissen hat sich keiner der vier Bischöfe, deren Weihe zwar gültig, aber nicht erlaubt war, bisher von diesem Schritt distanziert. Eine gewisse Reue über den Akt, der die Exkommunikation herbeigeführt hat, scheint mir jedoch Voraussetzung oder jedenfalls höchst sinnvoll für deren Aufhebung zu sein. Zudem hat die FSSPX sich bisher nicht dadurch ausgezeichnet, römisches Entgegenkommen ihrerseits zu honorieren.
Andererseits beinhaltet das Dekret Kardinal Hoyos über die Aufhebung der Exkommunikation eine Passage diesen Wortlauts (Quelle): In dem erwähnten Brief [Bitte von Bischof Fellay um die Aufhebung der Exkommunikation] erklärt Mons. Fellay unter anderem: „Wir sind immer festen Willens entschlossen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche unseres Herrn Jesus Christus einzusetzen, welche die römisch-katholische Kirche ist. Wir akzeptieren ihre Lehren mit kindlichem Herzen. Wir glauben fest an den Primat des Petrus und an seine Ansprüche, und darum leiden wir sehr unter der gegenwärtigen Lage.
Diese Äußerung, verbunden mit dem Umstand, dass man im Rom um die Aufhebung der Exkommunikationen gebeten hat - diese also wohl doch anerkannt hat - und überhaupt ein Ersuchen an Rom richtet zeigt andererseits scheinbar auch eine Annährung der FSSPX an Rom.
Aus meiner Sicht bleibt der Vorgang zunächst für zwei Verläufe offen: (1.) Die FSSPX nutzt die Rücknahme der Exkommunikation für ihre Zwecke, also um ihr Dasein zu verfestigen und zwar außerhalb Roms oder (2.) die FSSPX steuert tatsächlich zurück in die römisch-katholische Kirche. Die jüngsten Äußerungen (s.o.) stimmen mich leicht positiv in die zweite Richtung, ich bleibe aber skeptisch, zumal die FSSPX und ihre Gemeinden lange und intensiv eine antirömische Propaganda betrieben haben, die man nicht von jetzt auf gleich ausblenden kann, schon gar nicht in ihren Wirkungen. Dennoch kann dies ein großer Schritt in Richtung der Rückkehr der verlorenen Söhne, der FSSPX, in die römisch-katholische Kirche und die Einheit mit dem Nachfolger Petri sein.

Samstag, 24. Januar 2009

Hl.Franz von Sales

Kein Heiliger ist wie der andere. Der beherrschende Zug im Wesen Franz von Sales ist Güte und Milde, jene Eigenschaft einer liebenswürdigen Menschlichkeit, die schon St.Paulus zu den besonderen "Früchten des Geistes" zählte. Güte und Sanftmut, schon von Natur mitgegeben, machten es ihm leicht, sich in Menschen jeder Art einzufühlen, sie zu verstehen, mit ihnen zu leiden und sich mitzufreuen, jeden nach seinen besonderen Verhältnissen zu beurteilen und zu führen. Das Übernatürliche war auch bei Franz von Sales, wie bei allen Vorbildern wahrhaft christlichen Lebens, nicht Zerstörung, sondern Erfüllung dessen, was die Natur gegeben. Denn beide Ordnungen sind von Gott und beide dienen seiner Ehre.
Der 1877 zum Kirchenlehrer erklärte Heilige wurde am 21.8.1567 auf Schloß Sales in Savoyen geboren. Er war der Erstgeborene von 13 Kindern und von der frommen Mutter schon am Tage der Geburt dem Herrn geweiht. Der kleine Franz von Sales zeigte sich schon im zarten Alter empfänglich, nicht nur für die Einflüsse eines glücklichen Familienlebens und landschaftlicher Schönheit, sondern auch für die höheren Empfindungen aus jener anderen Welt.
Die Ausbildung des Hl.Franz von Sales sollte in Paris stattfinden, wo seine Wahl nicht auf die altberühmte Sorbonne fiel, sondern auf das aufstrebene Kolleg der Jesuiten, von dem er sich neben Wissenschaft auch Charakter- und Herzensbildung versprach. Seinen dortigen Lehrern bleib er Zeit seines Lebens dankbar ergeben. Auch die unmittelbare Berührung mit der "Welt" mit ihren vielen gesellschaftlichen Beziehungen war ihm nicht zum Schaden.
Franz hatte seine Kämpfe vornehmlich auf einem anderen Gebiet zu kämpfen - zu seiner Zeit wurde die Frage der göttlichen Gnadenwahl oft diskutiert. Das war für Franz nicht nur eine Schulfrage, sondern eine existienzielle. Wochenlang grübelte er darüber, ob er zur Erlösung oder zur Verdammung bestimmt sei. Schließlich wurde ihm im Gebet die erlösende Erkenntnis zuteil: "Laß alle Sorge um Dinge, die zu ergründen nun einmal nicht in menschlichen Kräften stehen! Lebe so mit gutem Willen, daß du vertrauen kannst, in Gottes Gnade zu sein! Im übrigen denke, daß Gott die Liebe ist und Christus wahrhaft dein Erlöser!" Er übereignete sich also auf Gnade und Ungnade Gott und war von nun an frei und fröhlich, zog aber den Schluß aus seinem Erlebnis, dass der Mensch tatsächlich mit seinem freien Willen seines Glückes Schmied ist, wobei Gott jedoch mit ihm sein muss.
Franz setzte seine juristischen Studien in Padua fort und schloß sie mit glänzenden Noten ab. Doch hatte er dort, durch Umgang mit vorbildlichen Menschen ermutigt, den Entschluß gefasst Priester zu werden. Nach anfänglichem Widerstand des Vaters wurde Franz am 18.12.1593 zur Freude seiner Familie und seiner ganzen Heimat zum Priester geweiht. In dieser Rolle wusste er bei den Armen und Ungebildeten, wie auch die Reichen und Gelehrten dadurch zu bestechen, dass er jedem auf die geeignete Art zu begegnen konnte. Nach kurzer Zeit schon besaß er die besondere Achtung und Liebe des Volkes.
Die besondere Mission des Heiligen war aber die Landschaft Chablais, die nach langer Zugehörigkeit zur Schweiz und zum Calvinismus wieder an den katholischen Herzog von Savoyen gefallen war, der das katholische Bekenntnis wieder herstellen ließ - teils mit Güte, teils mit Gewalt. In dieser schwierigen und durch Kampfbereitschaft auf beiden Seiten geprägten Lage meldete sich Franz von Sales freiwillig als Seelsorger in die Grafschaft Chablais. Zunächst schlug ihm von den Einheimischen äußerstes Misstrauen entgegen. Als sich dann doch erste Erfolge einstellten, trachtete man Franz von Seiten der kalvinistischen Geistlichen nach dem Leben.
Langsam aber sicher mehrte sich jedoch die Zahl herausragender Perönlichkeiten, die von Franzens Predigt und seinem reinen und liebevollen Wesen den Weg gewiesen bekamen. Schließlich drängten die Kalvinisten zur Entscheidung. Franz wurde zu einem Redekampf herausgefordert. Die Ruhe, Klarheit und Beredsamkeit des hl.Franz trug einen glänzenden Sieg davon. In Scharen meldeten sich die Leute zur Konversion.
Die Arbeit wurde ergiebiger denn je. Die Pflege von Pestkranken brachte Franz selbst fast ins Grab. In jener Zeit beeindruckte der hl.Franz durch seine Milde gegenüber den ehemalige Verfolgern der Kirche, auch erste Wunder sind überliefert.
Schließlich wurde der Heilige Coadjutor des greisen Bischofs von Genf-Annecy. Er reiste nach Rom und Paris, wo man ihm Ehrungen zuteil werden ließ, schlug aber einen Bischofsstuhl in Paris aus, gewann in jener Zeit aber nochmals sehr an Welt- und Lebenskenntnis. Außerdem entfaltete er in den mannigfachen gesellschaftlichen Beziehungen sein besonderes Talent für persönliche Seelenleitung, worin er immer Meister blieb.
1602 wurde Franz Bischof von Genf-Annecy, im Alter von erst 35 Jahren. Sein Augenmerk lag auf der Einführung eines regelmäßigen Katechismusunterrichtes für Kinder, außerdem auf der Ausbildung "weniger, aber guter Priester". Seine durchaus standesgemäße, aber einfache Lebensweise und seine unermüdliche Tätigkeit, seine Bereitschaft, sich in alles und jeden hineinzuversetzen wirkten anziehend auf viele. In dieser Zeit entstanden auch seine beiden berühmtesten Schriften: Die "Philoteia" und der "Theotimus". Namentlich die Philoteia wurde zum Wegweiser für viele, die auch in einem Leben in der Welt Gott dienen wollen.
Auch als Ordensgründer wurde Franz aktiv: Er war zusammen mit der Hl.Johanna Franziska von Chantal der Gründer des schnell wachsenden, halb-beschaulichen Ordens der Gefährtinnen der Heimsuchung.
Als er - nunmehr ehrwürdiger Bischof - schließlich sein Ende nahe fühlte, überkam ihn noch einmal die Sehnsucht nach den Höhen der Heimat, in die er sich begab, er bezog eine Einsiedelei. Mit ruhiger Gelassenheit verfügte er über sein Sterben, wie er sein Leben auch gelebt hatte. Am 28.12.1622 starb der Heilige im Alter von 65 Jahren. 1661 wurde er selig, 1665 heilig gesprochen.
Keine bessere Zusammenassung seines Lebens hätte es geben können, als sie in den Worten des hl.Vinzenz von Paul aufscheint: "O Gott, wie gut mußt erst du sein, da schon der Bischof von Genf so gut ist!"

frei nach: Otto Karrer: Philoteia. Anleitung zum religiösen Leben.

Der Hl.Franz von Sales gehört zu einer Reihe von großen katholischen Heiligen, die ihr Wirken nach dem Konzil von Trient vollbrachten. Die Zeit nach dem Tridentinum war für den Katholizismus außerordentlich fruchtbar, man denke neben Franz von Sales nur an Ignatius von Loyola, Theresa von Avila, Karl Borromäus, Franz Xaver, Philipp Neri und andere. Etwas unruhig stimmt mich, dass ich eine solche geistliche Erweckung nach dem II.Vatikanum nicht ausmachen kann.

Freitag, 23. Januar 2009

Obama für Deutschland - Lale Akgün sagt uns, wie es laufen soll

In einem Beitrag für die FAZ, schreibt die SPD-Abgeordnete Lale Akgün und spricht darin einige Wahrheiten treffend aus, die einem öffentlich meistens nicht in Gesicht werden:

Barack Obama ist nun der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er ist der „erste schwarze Präsident“, wie vielerorts geschrieben wird. Dabei vereinigt der Sohn eines schwarzen Kenianers und einer weißen Amerikanerin die Vielfalt, die Amerika zu diesem starken Staat macht (...)

Obama kann ein Präsident sein, von dem sich die große Mehrheit der Amerikaner vertreten fühlt. Denn nicht nur 95 Prozent der Schwarzen und zwei Drittel der Latinos haben ihn gewählt, sondern auch fast die Hälfte der weißen Wählerinnen und Wähler (...)

Denn hierzulande sind wir noch weit davon entfernt, Einwanderer in die höchsten Sphären des Staates aufsteigen zu lassen. Im Bundestag sitzen nur wenige Migranten, und die politischen Parteien tun sich nach wie vor schwer damit, ihre Tore für Zuwanderer zu öffnen. Dabei ist Deutschland schon seit mehr als 50 Jahren ein Einwanderungsland: Seit 1954 sind rund 32 Millionen Männer und Frauen hierhin gekommen (allerdings sind andere wieder abgewandert). Heute leben zwischen Kiel und Konstanz rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, und in den Städten hat fast jedes zweite Kind eine Zuwanderergeschichte, auf die ganze Bundesrepublik übertragen, jedes dritte. Man muss also kein Hellseher sein, um zu begreifen, dass Deutschland in Richtung einer Fifty-fifty-Gesellschaft steuert - Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu etwa gleichen Teilen. Kurzum: Unser Land ist multiethnisch und wird noch vielfältiger.

Daher ist es nur folgerichtig, wenn die Eliten unseres Landes die Bevölkerungsstruktur in Zukunft besser widerspiegeln werden, als sie dies bisher tun. Natürlich sollten dann Ministerpräsidenten, Bundesministerinnen oder eine Bundespräsidentin mit türkischen, russischen oder polnischen Wurzeln kein Problem mehr für unsere Gesellschaft sein (um nur die größten Einwanderergruppen zu nennen). Denn wir sind schon heute eine Gesellschaft, die sich über ihren gemeinsamen Wertekanon bestimmt - die Werte des Grundgesetzes - und nicht mehr über die Herkunft der einzelnen Hauptpersonen.

Das würde auch den Hardlinern jedweder Couleur den Wind aus den Segeln nehmen: zum Beispiel jenen Migrantinnen und Migranten, die sich in ihre ethnischen Nischen zurückziehen, statt sich für die gemeinsame Gesellschaft einzusetzen, und dafür als Entschuldigung angeben, sie würden diskriminiert. Aber auch jenen Deutschen, denen eine buntere Republik aus rassistischen und volksromantischen Gründen ein Dorn im Auge ist. Bislang dient Rassismus beiden Seiten dazu, ihre Pfründe und Gewohnheiten gegen Veränderungen einer pluralistischen Gesellschaft zu verteidigen. Ein deutscher Barack Obama könnte zu einer Normalisierung beitragen und verhärtete Fronten aufweichen.

Mit Symbolpolitik ist es jedoch nicht getan. Vor allem die Realpolitik muss sich an den Erfordernissen einer multiethnischen Gesellschaft ausrichten.

Migranten in den obersten politischen Etagen Deutschlands wären ein großer Schritt nach vorne: Sie könnten mehr Einwanderer für Parteien und Politik interessieren. Die Parteien wiederum würden - schneller als sie dies derzeit tun - das Wählerpotential der Migranten erkennen: Schon bei der Bundestagswahl 2005 waren immerhin rund 3,3 Millionen Eingebürgerte und bis zu 450.000 Spätaussiedler wahlberechtigt, das sind sechs Prozent aller Wahlberechtigten. Und wer diese Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen möchte, muss auch Realpolitik für sie betreiben.

Damit würden sich Parteiprogramme anpassen: Einführung des kommunalen Wahlrechts für Drittstaatsangehörige, die mindestens fünf Jahre rechtmäßig in Deutschland leben, Erleichterungen von Einbürgerungen, Anerkennung ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse, eine zukunftsgerichtete Einwanderung in unseren Arbeitsmarkt dort, wo Bedarf besteht - Migranten würden zu einer politischen Kraft, die nach und nach in der deutschen Gesellschaft aufgeht. Das wäre gelebte Integration. Unserem Land würden viele Barack Obamas gut tun.

Ja, so einfach ist das.

Frau Akgün übersieht allerdings wohl geflissentlich, dass Obama eben nicht der Kandidat der Schwarzen sein wollte, sondern immer alle Amerikaner repräsentieren wollte. Eben kein Proporz-Kandidat, den man jetzt mal wählen muss, weil das mal dran ist (mag sein, dass so ein Denken den Amerikanern sowieso eher fremd ist).

Richtig interessant sind aber doch wirklich mal die Daten, die hier gegeben werden, während sonst ja eher runtergerechnet wird: 15 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, jedes 2.Kind in der Großstadt mit eben diesem, jedes 3.Kind in ganz Deutschland. Die 50:50-Gesellschaft wird angesteuert, die Hälfte Deutsche: die Hälfte Migranten, Tendenz für die Deutschen: fallend.
Hier spricht ein neues Selbstbewusstsein. Wurden bisher solche Daten eher verschleiert ("soviele sind das gar nicht") und heruntergerechnet, wird jetzt ganz deutlich aufgetrumpft: Ministerpräsidenten mit Migrationshintergrund sollen her, was meines Erachtens schon jetzt kaum ein Problem wäre, wenn sie jemand adäquates finden würde.

Dann das Geplapper mit dem Wertekanon - welche Werte eigentlich? Die der Polen, der Türken, der russlanddeutschen Mennoniten, die aus Rom oder der Linkspartei, die der dekandeten Mehrheitsbevölkerung?

Schließlich dann die Abfolge, die bisher auch eigentlich eher hinter vorgehaltener Hand besprochen wurde, jetzt aber offenbar spruchreif ist: Je mehr Migranten wählen dürfen, desto mehr müssten ihnen die Politik und ihre Wahlprogramme entgegen kommen, ihnen besondere Förderungen zubilligen und noch mehr Ausländern das Wahlrecht erlauben ...

"Migranten würden zu einer politischen Kraft, die nach und nach in der deutschen Gesellschaft aufgeht." Fragt sich nur, was dass dann für eine Gesellschaft sein soll, die Frau Akgün da anstrebt und wer in wem aufgeht... ob da "deutsch" noch das richtige Wort ist? Nicht zuletzt - ob die Ausländer eine solche Gesellschaft überhaupt wollen? Von den Deutschen ist hier im Artikel ja sowieso keine Rede...

Montag, 19. Januar 2009

Matthias Eberhard: Der Turmbau zu Babel

Was war es um diesen stolzen Bauplan und dieses Prachtgebäude, diese Stadt Babel, daß Gott grollte und in seinem Zorn niederfuhr, das Werk zu hindern? Bekommen wir eine Antwort auf diese Frage? Ja, wir bekommen die Antwort aus dem Munde der alten Erbauer. Die Heilige Schrift hat uns ihre Worte aufbewahrt. Sie sagen zuerst: "Wir wollen uns einen Namen machen." Sie haben sich allerdings einen Namen gemacht, aber was für einen Namen? Keine Sache ist bekannter als Babel und der babylonische Turm. Aber der Name, den sie zuwege gebracht haben, heißt "Verwirrung". An diesen Namen hängen sich überall Schmach, Spott und Gelächter. Wie manchem schon hat Gott sein Streben und Jagen nach Name und Rag in der Welt verbittert und vergällt! Wie manchem statt der erwarteten Ehre Schmach und Schande gegeben! Die Ehre gleicht dem Schatten. Sie folgt dem, der sie flieht. Und vieles, was augenblicklich noch groß scheint - an dem großen Tag der Ankunft des Herrn, der ins Verborgene blickt, am Licht dieses Tages, am Licht Gottes, wird es als verächtliches Spinnengewebe schmählich zerflattern und zerrinnen!

Matthias Eberhard: Homiletischer Vortrag über das erste Buch des Mose.

Samstag, 17. Januar 2009

George Quabbe: Edmund Burkes Lehre vom Staat

Ich [G.Q.] fasse seine [scilicet Burkes] Lehre kurz zusammen: Der Staat ist die Gemeinschaft der Lebenden, die die Aufgabe hat, die überkommene Kultur als Treuhänderin zu bewahren, um sie der nächsten Generation unangetastet dem Wesen nach, ergänzt und verbessert in Einzelheiten, weiterzureichen. Für die Güte des Überkommenen und für die Notwendigkeit der Verbesserung ist nicht das Glück der lebenden Individuen Maßstab, wie es überhaupt einen Herrn und Nutznießer des Staates weder in der Summe der Individuen noch in der einzelnen Person des patrimonialen Herrschers gibt. Die Stellung des Lebenden, die es natürlich in der Hand haben, den Staat nach ihrem Belieben zu formen, ist oder soll sein wie eine Blutsgemeinschaft, eine große Familie in bezug auf das weltliche und geistige, ihr überkommenes Erbe. Das Volk behandelt seine Aufgabe unter den Gemüts- und Denkbedingungen einer Familie mit Ehrfurcht vor Tradition und Sitte und dem natürlichen Zuge der Pietät, das Werk der Vorfahren so zu achten, wie sie selber wünscht, von den Nachkommen betrachtet zu werden; sie braucht und sucht wie jede Gemeinschaft zur Erfüllung dieser Zwecke eine Autorität, aber es ist ein revolutionärer Aberglaube, daß diese Autorität, nämlich die Regierung, und die Regierten in einem natürlichen Gegensatz zu einander stehen.
Es ist ferner ein Irrtum zu glauben, daß es eine abstrakte, zu findende und planmäßig durchzuführende Wahrheit über die beste Art der Verfassung und Verwaltung gäbe; die Nation selbst sorgt dafür, daß die Verfassungsformen früher oder später zur Harmonie mit den Verfassungszuständen gelangen, in einer langsamen, den Zeitgenossen selbst unbewusten, aber darum nicht weniger weisen, Gewohnheitsrecht bildenden Veränderung des gegebenen Rechts. Sowohl im allgemeinen wie namentlich in der Frage des Verfassungsrechtes ist es unsinnig, das Wesen des Menschen, seine Wünsche und seine Interessen durch Satzungsrecht erschöpfen oder gar ändern zu wollen; dagegen sind natürlich in exekutiven Dingen Entschlüsse zu fassen, und dann haben die verantwortlichen Autoritäten der lebenden Generation sich nach den "leitenden Prinzipien", den besonderen Idealen der Weltanschauung, Ethik und Politik im konkreten Staate zu richten, und diese mit den praktischen Aufgabe der Staatspolitik in Einklang zu bringen. Über Allem schwebt das moralische Gesetz Gottes, das den Zusammenhang alles Daseins verbürgt und beherrscht.

aus: Georg Quabbe: Tar a Ri. Variationen über ein konservatives Thema. 1927/2007.
Bild oben: Edmund Burke

Sonntag, 11. Januar 2009

Günther Rohrmoser: Aufklärung, Meinungsfreiheit und Christentum

Im Namen der Aufklärung und der Durchsetzung der universalen Prinzipien wird heute jedem eine moralische Einstellung abverlangt, die zum ersten Mal seit mehr als 60 Jahren die Ächtung politischer Randgruppen impliziert. Man fragt sich, ob die Christen die Ächtenden sein sollen. Sollen die Christen diejenigen sein, die dieses Gebot der Ächtung erfüllen oder gehören die Christen nicht immer auf die Seite derer, die geächtet werden? Hätten sie nicht, als die Juden geächtet wurden, an deren Seite stehen müssen? Werden sie nun aus dieser schrecklichen Erfahrung wieder nichts gelernt haben und sich von neuem mobilisieren lassen? Kann unsere liberale Demokratie noch wirklich im Sinne und der großen Tradition der Aufklärung aufgeklärt und liberal bleiben, wenn bestimmte Einstellungen, Gesinnungen, Überzeugungen, Theorien und Meinungen nicht mehr erlaubt sind? Was ist das Herzstück der Aufklärung? Es ist die Durchsetzung der Freiheit des Geistes. Es liegt die Befreiung des Menschen darin, dass er denken darf, was wer will und dass er das Recht hat, das, was er denkt, auch öffentlich zu äußern. Wir sind alle durch die Aufklärung hindurchgegangen und dennoch ist kaum einer bereit, die besten Resultate der Aufklärung, zu denen z.B. die geistige Freiheit, die Meinungsfreiheit, das Recht auf uneingeschränkte Teilnahem an öffentlicher Diskussion gehören, zu verteidigen. Wenn nicht die Christen jetzt auch die größten Errungenschaften der Aufklärung gegen neue Formen ihrer Einschränkung und potentiellen Abschaffung verteidigen, dann fürchte ich, dass es nicht mehr viele geben wird, die die Aufklärung noch verteidigen werden. Denn auch das Christentum lebt von der Freiheit zum Zeugnis. Der missionarische Auftrag des Christentums kann nur erfüllt werden, wenn jeder Christ in Freiheit vor der ganzen Welt sein Zeugnis ablegen kann. Mit der Bestreitung dieser Freiheit zieht sich auch das Christentum wieder in die Katskomben zurück. Die großen, auch christlicher Erfahrung und Einsicht sich verdankenden Errungenschaften der Aufklärung müssen wir heute gegen diejenigen verteidigen, die im Namen der Aufklärung die ersten Schritte tun, um sie abzuschaffen.

Aus: Günther Rohrmoser: Geistige Wende. München 2000.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Literatur: "2034 Abschied vom Abendland"

"2034 Abschied vom Abendland" - der Titel erinnert natürlich an George Orwells "1984". Die Parallele des unter dem Pseudonym "Max Eichenhain" publizierten Werkes zum berühmten Namensvetter ist allerdings nur über einen Umweg zu erreichen.

Thema ist die zukünftige gesellschaftliche und politische Entwicklung Deutschlands - und die Warnung davor, dass das Abendland seinen Abschied geben könnte. Zu Grunde gelegt wird dabei eine Fortschreibung der gegenwärtigen Trends, was nahe liegt, aber natürlich dadurch, dass jeder Trend eine Gegenreaktion hervorruft, nicht unproblematisch ist. Dennoch gilt: Um die Probleme der gegenwärtigen Ausrichtung von Politik und Gesellschaft aufzuzeigen ist dieser Weg durchaus gut geeignet, weil er ermöglicht, ihre weitreichenden späteren Folgen darzustellen und manches durch Überspitzung deutlich zu machen.

2034 ist grundsätzlich als Roman angelegt, der aber (fast) nur die Aufgabe hat, die Rahmenhandlung für die Informationen abzugeben, die das Buch vermitteln will. Diese rein belletristischen Teile des Buches sind weitgehend schwach. Und doch trifft jedenfalls auf mich zu, dass ich ein Werk, dass lediglich die Informationen bieten würde, die 2034 vorstellt, wohl ohne die lockere Erzählform, die die Rahmenhandlung ermöglicht, nicht zur Hand genommen hätte. Das wiederum wäre durchaus ein Verlust gewesen, weswegen ich gerne über den streckenweise gestelzten Stil der Erzählpassagen hinwegsehe.
Die eigentliche Essenz des Buches findet sich aber in den Kapiteln, in denen in Form von erzählten Gesprächsrunden sehr wissenswerte Analysen oder Ideen vermittelt werden. Der Bogen ist hier weit gespannt. Dominierend ist über weite Strecken der Bereich Islam/Einwanderung/Bevölkerungsentwicklung, aber auch die Themen Wirtschaft, Demokratie, Globalisierung kommen zum Zug. Es werden in der Regel die Probematik aufgezeigt und auch Lösungsansätze vorgestellt. Grade zu diesen kann man kontrovers eingestellt sein, aber jedenfalls ist die Lektüre durchaus anregend. Eine zentrale Rolle kommt bezüglich der meisten Problemfelder die Rolle der Familien oder Familienförderung zu.

Die Perspektive, aus der die Probleme beleuchtet werden, kann man als gesellschaftspolitisch konservativ, wirtschaftspolitisch liberal und im ganzen national oder patriotisch einstufen.

Dass die Handlung im Jahr 2034 spielt ist kein zentrales Thema, die Ausrichtung auf diese Jahrezahl hat wohl eher symbolischen Charakter und will den Blick des Lesers auf die Gestaltung der Zukunft lenken. Was das angeht, hat das Buch auch einiges zu sagen und eignet sich, auch da oft auch verschiedene Blickwinkel referiert werden, gut als Diskussionsgrundlage, was zusammen mit der durch die Erzählform erreichten guten Lesbarkeit dazu führt, dass ich empfehle, dieses Buch zur Hand zu nehmen (9,80 € sind auch ein günstiger Preis).

PS: Es gibt auch eine Webseite: www.2034-abschied.de . Der Besucher bilde sich selbst ein Urteil, meine Begeisterung über die Seite ist eher verhalten, was dem Buch keinen Abtrag macht.

Freitag, 2. Januar 2009

Hl. Gregor von Nazianz: Die Feier der Geburt des Herrn

Die ganze Kirche begeht heute den Gedenktag des Hl.Gregor von Nazianz (329-390), eines der vier großen Lehrer der östlichen Christenheit. Da wir uns noch in der Weihnachtszeit befinden, soll er hier durch die Wiedergabe einiger seiner Ausführungen zur Feier der Geburt des Herrn geehrt werden.

Christus wird geboren: verherrlicht ihn! Christus kommt vom Himmel: gehet ihm entgegen! Christus erscheint auf Erden: erhebet euch! "Singet dem Herrn alle Lande!" Um beides zusammenzufassen: Es freue sich der Himmel und frohlocke ob des Himmlischen, der nunmehr auch Erdenkind ist. Christus ist im Fleische: freuet euch mit Zittern und Jubel: mit Zittern wegen der Sünde, mit Jubel wegen der Hoffnung. Christus ist der Sohn der Jungfrau: seid jungfräulich, ihr Frauen, damit ihr Christi Mutter werdet! Wer betet den nicht an, der von Anbeginn war? Wer verherrlicht den nicht, der das Ende ist? ... Das ist unser Fest, das feiern wir heute: das Kommen Gottes zu den Menschen, damit wir zu Gott kommen oder, besser gesagt, zu ihm zurückkehren; damit wir den alten Menschen ablegen und den neuen anziehen und, wie wir in Adam gestorben sind, so in Christus leben, indem wir mit Christus geboren, gekreuzigt und begraben werden und mit mit ihm wieder auferstehen. Denn diese schöne Umkehr soll ich an mir erfahren. wie nach dem Besseren das Traurige gekommen ist, so soll nach nach dem Traurigem wieder das Bessere kommen. "Denn wo die Sünde überschwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher." Und wenn der Genuß Verdammnis brachte, um wieviel mehr hat das Leiden Christi uns Rechtfertigung verliehen. Darum laßt uns das Fest nicht weltlich feiern, sondern göttlich, nicht irdisch, sondern überirdisch, nicht was unser ist, sondern was dessen, der der Herr ist; nicht was zur Krankheit, sondern was zur Heilung dient, nicht was zur Erschaffung, sondern was zur Neuschaffung dient. Wie hat das zu geschehen? Laßt und nicht die Türen bekränzen und nicht Reigentänze aufführen, nicht die Straßen schmücken, nicht das Auge ergötzen, nicht das Ohr mit der Flöte vergnügen, nicht den Geruch verweichlichen, nicht dem Genuß fröhnen, nicht das Gefühl erfreuen. Laßt uns nicht üppig sein in weichlicher, ringusm herabwallender Kleidung, wovon das Schönste ohne Nutzen ist, nicht in glänzenden Steinen, nicht in strahlendem Gold, nicht in glänzenden Steinen (...) Nicht sollen Land und Meer ihren kostbaren Schmutz uns zum Geschenk bringen; denn nur diesen Ehrennamen weiß ich für den Luxus. (...)
Solches wollen wir den Heiden überlassen und den heidnischen Festen und Feierlichkeiten. Wir aber, die das Wort anbeten und uns freuen sollen, wollen uns freuen im Wort, im göttlichen Gesetz und in Erzählungen, die zum heutigen Fest in Beziehung stehen, damit unsere Freude dem Feste angemessen sei und dem nicht fremd, der uns berufen hat.

Gregor von Nazianz: Über die Geburt Christi 1.4-6

Donnerstag, 1. Januar 2009

Vertrauen als Weggeleit ins Neue Jahr

"Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater." (Gal 4,6)

An die Schwelle des neuen Jahres setzt die Kirche das Wort des Galaterbriefes: Ihr seid Söhne, in denen der Geist Abba ruft. Sie legt uns diese Stelle vor als ein Wort des Vertrauens, das uns helfen soll, getrost in eine Zukunft zu hineinzugehen, um deren Wege wir nicht wissen können. Auch der folgende Satz will Geleit ins Kommende geben: Als Söhne sind wir frei und als Söhne sind wir Erben. Damit soll der letzte Inhalt unserer Zukunft aufgedeckt werden: Wir werden Herren des Alls sein als Erben Gottes. Mehr kann man eigentlich dem Menschen nicht voraussagen. Dennoch wird es uns schwer, uns die Hoffnung dieses Textes zu eigen zu machen. Uns fehlt die Naivität, die uns Abba stammeln ließe. Ja, es gibt einen Widerstand gegen das Vater-Sagen in uns, der unserem Verlangen nach Mündigkeit entspringt. Der Vater erscheint uns nicht mehr, wie Paulus, als Garant der Freiheit, sondern als ihr Widerspruch. Nur der Partner gilt, der Vater erinnert an "Herrschaft". Wir bewegen uns in der Marschrichtung des jüngeren Sohnes, der sich sein Erbe auszahlen läßt und keinen Vater mehr kennen will, sondern nur die Zukunft, die er sich selber schafft. So kann ein einziger kleiner Text, der Neujahrsgruß, den uns die Kirche mitgibt, die ganze Mühsal des Christseins heute aufdecken. Es steht quer zu vielem, was uns selbstverständlich scheint, es verlangt Umkehr. Dennoch - (...) Wer zum Herrn des Ganzen "Vater" sagen darf, hat wirklich Grund zum Vertrauen. Ihm gehört die Zukunft. Warum sollte es uns nicht möglich sein, die ansteckende Kraft dieses Vertrauens auch in unserer Zeit zu leben?