Samstag, 28. Februar 2009

Deutschland und Polen: Causa Steinbach

Als Mitglied der Landsmannschaft Schlesien (meine Vorfahren verließen 1922 ihre Heimatstadt Antonienhütte, polnisch: Wirek, nachdem die Stadt an Polen gefallen war) möchte ich auch einige Worte zur Causa Steinbach verlieren, allerdings nicht ohne zuvor auf den grade erschienen Artikel von Karl-Heinz Weißmann auf der Sezession im Netz hinzuweisen.

Mir geht es aber weniger um die generelle Frage der Vertriebenen und der Ostgebiete, sondern speziell um die grade virulente Problemlage: "Steinbach oder Nicht-Steinbach - das ist hier die Frage". Während sich bezeichnenderweise in Deutschland kaum jemand für diese Frage an sich interessiert (sondern nur im Zusammenhang mit polnischen Reaktionen), scheint es in Polen ein Anliegen der nationalen Identität zu sein, gegen Frau Steinbach zu opponieren, koste es was es wolle (danke an Harki für diesen Link).

Mir erscheint es durchaus sinnvoll, dass es zwischen Deutschland und Polen Kontakte auch in Bezug auf das geplante Zentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" gibt, denn gute zwischenstaatliche Kontakte sind wichtig und dass dieses Thema Polen tangiert ist eine offensichtliche Gegebenheit.

Das Vorgehen der polnischen Regierung und des überwiegenden Teils der medialen Öffentlichkeit geht aber nicht nur zu weit, sondern kann mit den Worten des BdV unerträglich genannt werden. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn aus Polen Bedenken geltend gemacht werden, aber diese Mischung aus Drohungen gegenüber der deutschen Regierung und Hetze gegen Frau Steinbach kann in zwischenstaatlichen Beziehungen (angeblich) befreundeter Länder keinen Platz haben. Es kann nicht angehen, dass maßgebliche Gruppen in Polen versuchen, Art und Weise des deutschen Gedenkens an die Opfer von Flucht und Vertreibung zu dominieren.

Natürlich sollen polnische Instanzen und Bürger ihre Meinung dazu haben und es ist auch klug, sie nach dieser zu fragen. Aber Polen muss akzeptieren, dass ein deutscher Verband wie der BdV seine Plätze in einem Gremium mit den Leuten besetzt, die er für richtig hält, zumal das Bild, das von Frau Steinbach gezeichnet wird, in vielen polnischen Medien offenbar abenteuerlich verzerrt wird. Grundlage für das Vorgehen Polens in dieser Angelegenheit ist die Aufrechterhaltung einer Sichtweise der Historie, die den vertriebenen Deutschen maximal pro forma zubilligt, Unrecht erlitten zu haben, aber im Ganzen ein gnadenloses schwarz-weiß-Schema aufrecht erhält. Wenn sich grundsätzlich das deutsch-polnische Verhältnis ändern soll, muss hier angesetzt werden.

Zum Beginn der Fastenzeit: Der einzige Weg (J.H.Newman)

Geben wir also die nichtigen Entschuldigungen auf, und anstatt uns nach äußeren Ereignissen umzusehen, die unseren Lebenswandel ändern sollten, laßt uns davon überzeugt sein, daß unser Leben, wenn es geändert werden soll, von innen geändert werden muß. Gottes Gnade bewegt uns von innen, und so tut es auch unser eigener Wille.
Äußere Vorkommnisse haben keine wirkliche Macht über uns. Wenn wir Gott nicht lieben, kommt es daher, daß wir in nicht lieben wollten, nicht versucht haben, ihn zu lieben, nicht gebetet haben, ihn zu lieben... Wir scheuten die Mühe, den Anlauf von innen zu nehmen, wir waren wie Leute, die es nicht fertigbringen, des Morgens aufzustehen, und wir begehrten und erwarteten das Unmögliche, daß wir ein für allemal umgewandelt würden, auf einen Schlag, durch einen starken Antrieb von außen oder durch irgendein großes Ereignis oder zu einer besonderen Festzeit... Wir verlangen nach irgendeiner wunderbaren Warnung, oder wir bekalgen uns, daß wir nicht in glücklicheren Verhältnissen leben, daß wir so viele Sorgen oder so wenig religiöse Gnadenmittel haben: oder wir schauen uns nach einiger Zeit um, wo die Religion uns so leicht wird wie etwas Selbstverständliches ...
Erheben wir uns, und handeln wir wie vernünftige Menschen, ehe es zu spät ist: lernen wir eine der ersten Wahrheiten der Religionen zu begreifen, daß Liebe zum Himmel der einzige Weg zum Himmel ist. Sehen allein bewegt uns nicht; warum denn sonst blieb Judas sogar in der Gegenwart Christi bei seinem Geiz? Warum blieb das Herz Balaams verschlossen, dessen Augen doch geöffnet wurden? Warum ist Satan gefallen, wo er doch ein lichter Erzengel war? Auch die Vernunft wird uns nicht beugen, warum denn sonst war das Evangelium schon im Anfang "den Griechen eine Torheit"? Noch werden gehobene Gefühle und bekehren, denn es gibt solche, die "das Wort Gottes hören und es alsbald mit Freuden aufnehmen", jedoch "keine Wurzeln in sich haben, sondern unbeständig sind". Noch wird eigenes Interesse etwas über uns vermögen: denn sonst wäre der reiche Mann, dessen "Acker Früchte in Fülle trug", klüger gewesen und hätte bedacht, daß "in dieser Nacht noch seine Seele von ihm gefordert werden" könnte. Lernen wir begreifen, daß einzig und allein die Liebe zu Gott uns dahin bringen kann, an Ihn zu glauben oder Ihm zu gehorchen; wir wollen Den bitten, der "denen, die ihn lieben, unsichtbare Güter bereitet hat, daß er unseren Herzen eine solche Liebe zu Ihm eingieße, daß wir Ihn über alles lieben und so Seine verheißenen Güter erlangen, die alle unsere Wünsche übersteigen".

John Henry Card. Newman, aus den Predigten; nach J.H.Newman: "Worte Des Herzens", hrsg. von Josef Mann 1981.

Donnerstag, 26. Februar 2009

G. Quabbe: Das materielle Ideal der Demokratie - die Apotheose der menschlichen Gattung

... besteht in "der 'Apotheose der menschlichen Gattung", d.h. aus jedem Bürger eine gleich intelligente, gleich patriotische und gleich uneigennützige Person zu machen, soweit er es nicht schon ist. Dieses Ideal ist nicht nur unerreichbar - das ist jedes Ideal - sondern eine platte Albernheit. Unkonservativ ist es im höchsten Grade, denn es vergewaltigt die Natur, die die Menschen in den Fingerpitzen unterschieden und damit wohl genügend ihren Abscheu gegen die Gleichheit der Seelen zum Ausdruck gebracht hat. Es ist nicht einmal dann und auch nicht annährend zu erreichen, wenn man die demokratischen Theorien auf etwas so Technisches wie das wirtschaftliche Gebiet beschränkt und entweder annährend gleichen Besitz oder die Abwesenheit großer Besitzdifferenzen vorschlägt. Wenn es sich nur um diese wirtschaftliche Gleichstellung handeln würde, ließe sich theoretisch darüber reden, da aber die demokratischen Philosophen eine Art Ehrgeiz in der innerlichen Uniformierung - übrigens als Superlativ gedacht und deswegen höchst schmeichelhaft - setzen, brauchen wir uns wirklich nicht über diese Fata Morgana aufzuregen. In der Linie dieses Demokratismus liegt die zwangsweise erfolgende Vernichtung auch des Guten, wenn es sich in den Rahmen nicht fügen will, und die völlige Außerachtlassung aller irrationalen Werte. Es sind die "intelligenten Menschen", die nach Wells die Erde bestmöglich in Verwaltungsgebiete einteilen, diesen bestmögliche Regierungsformen geben und dafür Sorge tragen, daß alles gut durchgeführt werde. Ich sehe sie schon marschieren, die Heere intelligenter Menschen. Ich weiß wirklich nicht, ob die einfältige Dummheit vieler unserer Gesinnungsgenossen nicht ungefährlicher ist als dieser gelehrte Unsinn. Aber er ist ein Gottessegen, und möchte er doch überall außer in Deutschland in die Regierungen einziehen. Die alte Aufklärung ist in ihm aufs schönste lebendig geworden; Nationalismus, Revolutionen, Weltkrieg, nichts ändert ihren heiligen Glauben, daß die letzten Dinge dieses Lebens sich in einen sauberen Begriff einpacken und über die Erde versenden lassen.

Aus: Georg Quabbe: Tar a Ri. Variantionen über ein konservatives Thema. 1927/2007.

Freitag, 20. Februar 2009

Philipp Missfelder und der Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie

Philipp Missfelder ist einer der wenigen, die ab und zu für eine klare Aussage zu haben sind. Eine solche war:

«Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.»

Cum granu salis - völlig ok. Dass er da natürlich etwas zurückrudern muss, ist auch klar und macht nichts. Die Sache zeigt, dass er sich ein natürliches Empfinden in der Sache erhalten hat. Missfelder ist genauso klar, wie jedem anderem auch, dass nicht jeder Harz-IV-Empfänger die Erhöhung in Alkohol und Spirituosen umsetzt. Aber darum gehts auch nicht. Man muss auch mal was sagen können, was nicht schon tausendmal weichgespült ist.

Davon abgesehen ist es irgendwie auch ein schlechter Witz, dass eine Äußerung, die Missfelder während einem Frühschoppen eines Halterner Ortsverbandes gemacht hat, heute abend in der Tagesschau kommt...

Missfelder ist ok. Wer in der Lage ist, den Inhalt eines Satzes zu verstehen, der nicht unbedingt (nur) in der reinen Buchstabenabfolge liegt, wird zugeben, dass diese Aussage genauso den Nagel auf den Kopf getroffen hat, wie die Sache mit den Kniegelenken für 85jährige vor ein paar Jahren.

(Quelle des Fotos)

PS: Die Aussage passt auch irgendwie zum von den UN für heute ausgerufenen Welttag der sozialen Gerechtigkeit :).

Donnerstag, 19. Februar 2009

Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Die Vereinten Nationen haben in diesem Jahr zum ersten mal (?) aus mir nicht bekanntem Grund einen "Welttag der sozialen Gerechtigkeit" ausgerufen. Es handelt sich um den 20.2.

Aus diesem Anlaß sei hier an einige Ausführungen des geschätzten Erik von Kuehnelt-Leddihn erinnert:

Man glaube ja nicht, daß dieser Drang zur versorgungsstaatlichen Sicherung immer lauterer Menschlichkeit entspringt! Hier ist allzu häufig ein ganz parasitäres "Establishment" am Werk, das seinen bürokratischen Futtertrog gefunden hat. Helmut Schelsky hatte in seinem ausgezeichneten Vortrag über die "verborgene Herschaftsgier" der Betreuer gesprochen und zugleich auch richtig vermerkt, daß der Gegensatz zwischen dem selbständigen und dem betreuten Menschen "weittragender sei als der veraltende Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus". Das ist schon deswegen nicht verwunderlich, weil die (westliche) Demokratie, die man gerne mit dem Kapitalismus identifiziert, nur ein Rahmen ist, in den man durch Wahlen die verschiedensten Bilder hängen kann. ... Die modernen Menschen - alle? viele? - rufen lautstark nach Freiheit, meinen aber trotz ihrer vielgepriesenen "Mündigkeit" eine infantile Existenz der paternalistischen Versorgung und Betreuung. Damit nehmen sie Abschied von den Tugenden, die der Theologe die "natürlichen", der heutige Volksmund die "bürgerlichen" nennt.

Aus: Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn: Gleichheit oder Freiheit? Demokratie - ein babylonischer Turmbau? Tübingen u.a. 1985

Eklat! - Abweichende Meinung geäußert! ... Vaclav Klaus vor dem EU-Parlament

In seiner heutigen Rede vor dem EU-Parlament hat der tschechische Präsident einige Gedankengänge geäußert, die nicht auf allgemeines Gefallen gestoßen sind. Auf die Infragestellung des status quo wurde sogar teils ziemlich empfindlich reagiert, wie hier zu lesen ist. Man spricht von einem Eklat - hat Klaus etwas anderes in Anspruch genommen, als das, was die EU tagaus, tagein in ermüdender Eintönigkeit von Russland über China bis Tonga und Zimbabwe fordert: Das Zulassen von Kritik am herrschenden System? Denjenigen, die per Dekret den Bürgern der EU-Staaten ihre diesseitge Glückseligkeit diktieren wollen, scheint ihr eigener status quo jedenfalls ziemlich unanfechtbar und diesen anzufechten hat gradezu sakrilegischen Charakter.

Anschließend ein paar Passagen aus der Rede, den Wortlaut findet man hier:

Ich stelle hier daher die eher rhetorische Frage, ob Sie sich – bei jeder Ihrer Abstimmungen – sicher sind, dass Sie über Sachen entscheiden, die gerade hier in diesem Saal und nicht näher am Bürger, das heißt in den einzelnen europäischen Staaten, entschieden werden müssen? (...)

Wenn ich gesagt habe, dass es für uns keine Alternative zu einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union gab und gibt, ist das nur die Hälfte von dem, was dazu zu sagen ist. Die zweite Hälfte ist ganz logisch die Behauptung, dass es für die Methoden und Formen der europäischen Integration im Gegenteil eine Reihe möglicher und legitimer Varianten gibt, genauso wie es sie auch in der letzten Jahrhunderthälfte gegeben hat. Die Geschichte hat kein Ende. Den Status quo, d.h. die gegenwärtig vorhandene institutionelle Anordnung der EU, als ein für alle Male nicht kritisierbares Dogma zu betrachten, ist ein Irrtum, der sich leider immer mehr verbreitet, obwohl es im absoluten Widerspruch sowohl mit der rationellen Denkweise als auch mit der mehr als zwei Jahrtausende dauernden Geschichte der Entwicklung der Europäischen Union ist. Ebenso ein Irrtum ist die a priori postulierte, und deshalb ebenso nicht kritisierbare Annahme über eine einzige mögliche und richtige Zukunft der Entwicklung der europäischen Integration, die in der „ever-closer Union“ oder in dem Fortschreiten der immer tiefer gehenden politischen Integration der Mitgliedsländer besteht.

Weder der vorhandene Zustand, noch das Postulat der Unbestreitbarkeit des Beitrags einer ständigen Vertiefung der Integration sind für keinen europäischen Demokraten unanzweifelbar bzw. sollten nicht unanzweifelbar sein. Ihr Erzwingen durch diejenigen die sich – mit den Worten des berühmten tschechischen Schriftstellers Milan Kundera gesprochen – als „Besitzer der Schlüssel“ zur europäischen Integration sehen, ist unannehmbar. (...)

In einem normalen parlamentarischen System gibt es einen Teil der Abgeordneten, der die Regierung unterstützt und einen oppositionellen Teil. Doch das ist im Europäischen Parlament nicht der Fall. Hier wird nur eine Alternative durchgesetzt und wer über andere Alternativen nachdenkt, wird als Gegner der europäischen Integration angesehen. In unserem Teil Europas lebten wir noch bis vor kurzem in einem politischen System, in dem jegliche Alternative unzulässig war und wo es aus diesem Grund auch keine parlamentarische Opposition gab. Wir haben die bittere Erfahrung gemacht, dass dort, wo es keine Opposition gibt, die Freiheit verkommt. Deshalb muss es politische Alternativen geben. (...)

Mit Bezug auf die Nichtexistenz eines europäischen Demos – europäischen Volkes – stellt auch eine eventuelle Stärkung der Rolle des Europäischen Parlaments keine Lösung für diesen Defekt dar. Im Gegenteil. Es würde das Problem nur verstärken und würde zu einem noch größeren Gefühl der Entfremdung der EU-Bürger von den Institutionen der Union führen. Weder das weitere Anfachen des Feuers unter dem „melting pot“ des bisherigen Typs der europäischen Integration, noch die Unterdrückung der Rolle der einzelnen Mitgliedstaaten unter dem Motto einer neuen multikulturellen und multinationalen europäischen bürgerlichen Gesellschaft sind eine Lösung dafür. Das sind Versuche, die in der Vergangenheit immer gescheitert sind, weil sie nicht ein Ausdruck der spontanen historischen Entwicklung waren. (...)

Es muss offen gesagt werden, dass das heutige wirtschaftliche System der EU ein System des unterdrückten Marktes und der kontinuierlichen Stärkung der zentralen Lenkung der Wirtschaft ist. Und obwohl uns die Geschichte mehr als ausreichend gezeigt hat, dass der Weg nicht in diese Richtung führt, begeben wir uns heute erneut auf diesen Weg.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Konservative Gefahr...

Der Konservative, allgemein gesprochen geneigt, "zu erhalten", wird beim Theoretisieren leicht verführt, ein Ideal von dem zu geben, was er erhalten sehen will; das Schlimmste ist aber, daß sein Blick retrospektiv eingestellt ist, daß er etwas als vorhanden sieht, was schon stirbt, daß er, ohne es zu wollen, das Ideal einer untergehenden oder schon untergegangenen Welt zeichnet.

Aus: Georg Quabbe: Tar a Ri.Variationen über ein konservatives Thema. 1927/2007.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Piusbruderschaft in der Kirche - na und?

Denken wir doch nur einen kurzen Moment, nein besser: nur einen ganz kurzen Moment, daran, was passiert, wenn der mit Heulen und Haare-raufen befürchtete Super-GAU eintritt: Die FSSPX wird wieder mit Rom vereint, bekommt eine Personalprälatur und Rom gibt sich damit zufrieden, dass die FSSPX'ler eine halbgare Zustimmung zum Vatikanum II unterschreiben ... Na und? Was passiert den denjenigen, die mit der FSSPX keinen Kontakt pflegen wollen - nichts! Auch in 10 Jahren wird es keine Verfügung geben, die Volksaltäre an die nächste Wand zu schieben, die Messe Paul VI. wird nicht abgeschafft, die Ministrantinnen werden nicht rausgeschmissen, die modernen Liederbücher nicht verbrannt... Wovor haben die (angeblich) 'Liberalen' Angst?

Vor einigen Tagen sagte mir jemand, dass die Entwicklung hin zur Entscheidungskirche und das Wiedererstarken der Konservativen problematisch konvergieren würden. Woran das wohl liegen könnte?

Samstag, 7. Februar 2009

Georg Quabbe: Konservative und fortschrittliche Anlage

Eine derartige Anlage ist auch die konservative, und zwar in dem eminenten Nebensinnn, daß sie eine Einrichtung der Natur selbst ist, von dieser zu ihrer eigenen Aufrechterhaltung in die menschliche Seele gelegt; ihr gegenüber - nach Rang und Wichtigkeit ebenbürtig - steht die fortschrittliche Anlage. Ist ihre Aufgabe eine drohende Stagnation, das Einschalfen des Lebens zu verhindern, so wirkt die andere als retardierendes Moment, um die Uhr des Lebens nicht abrasen zu lassen. Jede dient ihrer Aufgabe, indem sie die andere wütend bekämpft, und dieser Kampf gewährleistet, solange die Natur Menschen beider Art noch hervorbringen kann, den Bestand geistigen Lebens.

aus: Georg Quabbe: Tar a Ri. Variationen über ein konservatives Thema. 1927.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Lesenswertes zu Papst, Piusbruderschaft und dem derzeitigen Wirbel

1) Ein Essay von Peter Seewald auf kath.net: Der Papst und die Bruderschaft

2) Ein Kommentar von Gabriele Kuby auf kath.net: Die Stunde der Heuchler

3) Drei Artikel von Andre F. Lichtschlag auf dem Internetportal der Zeitschrift "eigentümlich frei" über Papst Benedikt, die "Piusbrüder, Richard Williamson und die politische Korrektheit".

4) Brief von Prälat Dr. Christoph Bockamp, dem Regionalvikar des Opus Dei in Deutschland, an die Mitglieder und Freunde des Opus Dei: Dem Heiligen Vater zur Seite stehen.

5) Zenit: Der Präsident der jüdischen Stiftung „Pave the Way" stellt sich gegen die Kritik am Papst

6) Ein Kommentar von Dieter Stein in der 'Jungen Freiheit': Seine Autorität soll fallen.

7) Aus der Online-Nachrichten der Zeitung 'Junge Freiheit': Kritik an Papst-Maßregelung der Kanzlerin wächst

8) Ein Artikel von Karl-Heinz Weißmann in der 'Sezession im Netz': Katechontisch.

9) Ein Artikel von Günther Bannas in der FAZ: Ein Beichtgespräch nach der Kritik am Papst?

10) Ein Artikel von Robert Spaemann aus der Tagespost: Die Aufhebung der Exkommunikation ist ein absolut unpolitischer Akt.

Sammlung hinter dem Hl.Vater

Pro Missa Tridentina, Una Voce Deutschland und Pro Sancta Ecclesia rufen mit folgender Erklärung zur Unterschriftensammlung für den Hl.Vater auf.

Solidarität mit Papst Benedikt XVI.

Die Kampagne gegen Papst Benedikt XVI. sprengt inzwischen alle nachvollziehbaren Proportionen. Die unverantwortlichen Äußerungen eines Weihbischofs der Priesterbruderschaft St. Pius X. vom November des vorigen Jahres sind offensichtlich nur ein willkommener Anlaß zu einer wirklich schamlosen Hetze.

Was hat der Papst verbrochen? Er hat der inständigen Bitte von vier Bischöfen der Piusbruderschaft stattgegeben und die Exkommunikation aufgehoben, die sie sich vor 20 Jahren durch den Empfang unerlaubter Bischofsweihen zugezogen hatten. Das Gleiche hatte er ohne jedes Medienecho zuvor getan, als er den Kirchenbann gegen die meisten chinesischen Bischöfe der sog. „patriotischen Vereinigung“ aufhob, die aus demselben Grund exkommuniziert waren.

Der Papst verdiente nicht die Anrede „Vater“, wenn er die Aufhebung der Exkommunikation abhängig machen würde von Sympathie, von politischen Erwägungen oder dem politischen Wohlverhalten des Betroffenen, der übrigens ja inzwischen von seiner Bruderschaft gemaßregelt wurde.

Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation? Sie bedeutet nur, daß der Betroffene wieder in der Beichte die Lossprechung erhalten und daß er die heilige Kommunion wieder empfangen darf, außerdem muß er nicht ohne die Tröstung durch die Sakramente der Kirche sterben. Das ist alles.

Wir, die Unterzeichner, erklären in dieser Stunde unsere Solidarität mit dem Heiligen Vater und unsere Enttäuschung über die teils redselige, teils schweigende Entsolidarisierung vieler unserer Glaubensbrüder angesichts dieser geballten Medienkampagne, die offensichtlich als konzertierte Aktion vorbereitet und jetzt bei passender Gelegenheit perfekt inszeniert wurde.

Die Möglichkeit sich an der Aktion zu beteiligen gibt es hier. Ich bitte alle wohlmeinenden Leser darum, sich daran zu beteiligen.

Eine in der deutschen Variante etwas holprig daherkommende, aber gewiß auch lohnenswerte Aktion läuft auch, hier kann man sich online eintragen.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Nicht integrierbar und daher bundeskanzlerisch abgemahnt: Martin Hohmann und Benedikt XVI.

Die FAZ hat einen Gedanken gebracht, der mit heute auch im Kopf umherging: Martin Hohmann.

Hohmann streifte die Themen Holocaust und Judentum. Obwohl man ihm im Grunde nicht nachsagen konnte, etwas verfassungsfeindliches, antisemitisches oder sonstwie verwerfliches gesagt zu haben, reichte allein die in die Welt gesetze Idee, er habe sich nun irgendwie gegen das staatliche Tabu versündigt aus, ihn letztliches aus der Partei zu werfen. Er wollte haltlosen Anschuldigungen nicht nachgeben und keine Unterwerfung aus absurden und fadenscheinigen Gründen vollziehen, nur weil viele Leuten an medialen und politischen Scharnieren das Thema, an dem er gerührt hat, zum Tabu erklärt haben. Frau Merkel war opportunistisch genug, ihn fallen zu lassen.

Ähnlich nun: Papst Benedikt wird vorgeworfen die Aufhebung der Exkommunikation über Bischof Williamson vollzogen zu haben, obwohl dieser absurde Thesen über den Holocaust verbreite. Es ist jedem völlig klar, dass letzteres mit der Aufhebung der Exkommunikation nichts zu tun hat und jeder kennt die persönliche Haltung des Papstes zum Holocaust. Aber das nützt auch ihm nichts: Man will ihn nicht ohne vollkommene Unterwerfung laufen lassen, denn er hat ja - irgendwie und mittelbar und versehentlich - nun auch am Tabu-Thema gekratzt und das ruft den leitlinienkompetenten Bundesengel deutscher Sprachkonvention, Angela Merkel, auf den Plan, die aufgrund des ungebührlichen Verhaltens des Papstes das fordert, was es schon längst gibt, eine Klarstellung. Auch der Papst wird zwar klarstellen, aber nicht zurückrudern. Sein plus gegenüber Hohmann ist seine Unabhängigkeit.

Noch eine Parallele dürfte darin liegen, dass sowohl mit Hohmann, als auch mit Benedikt XVI. von den Mainstream-Medien Leute unmöglich gemacht und sturmreif geschossen werden sollen, die einfach nicht in das wohltönende Multi-Kulti-laissez-faire-Konzert integrierbar sind.

Montag, 2. Februar 2009

Tübingens "Katholische Front"

... die gab es wirklich! Natürlich zu besseren Zeiten (= früher :), schwerpunktmäßig wohl in den 60ern). Die vermutlich bekanntesten Mitglieder der (später unter dem Titel "konservative" statt "katholische" firmierenden) Front waren die Brüder Marcel und Robert Hepp. Vielleicht kann ich noch ein wenig über diese Gruppe herausfinden. Einstweilen nur ein kurzer Auszug aus einem Flugblatt, denn ich hier gefunden habe:

Lest euren Nietzsche, Nihilisten,
da steht die letzte Konsequenz.
Die Gegenlosung für die Christen,
ergibt sich aus der Pfingstsequenz:
sine tuo nomine
nihil est in homine

(Bild: Theologicum)