Als Mitglied der Landsmannschaft Schlesien (meine Vorfahren verließen 1922 ihre Heimatstadt Antonienhütte, polnisch: Wirek, nachdem die Stadt an Polen gefallen war) möchte ich auch einige Worte zur Causa Steinbach verlieren, allerdings nicht ohne zuvor auf den grade erschienen Artikel von Karl-Heinz Weißmann auf der Sezession im Netz hinzuweisen.Mir geht es aber weniger um die generelle Frage der Vertriebenen und der Ostgebiete, sondern speziell um die grade virulente Problemlage: "Steinbach oder Nicht-Steinbach - das ist hier die Frage". Während sich bezeichnenderweise in Deutschland kaum jemand für diese Frage an sich interessiert (sondern nur im Zusammenhang mit polnischen Reaktionen), scheint es in Polen ein Anliegen der nationalen Identität zu sein, gegen Frau Steinbach zu opponieren, koste es was es wolle (danke an Harki für diesen Link).
Mir erscheint es durchaus sinnvoll, dass es zwischen Deutschland und Polen Kontakte auch in Bezug auf das geplante Zentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" gibt, denn gute zwischenstaatliche Kontakte sind wichtig und dass dieses Thema Polen tangiert ist eine offensichtliche Gegebenheit.
Das Vorgehen der polnischen Regierung und des überwiegenden Teils der medialen Öffentlichkeit geht aber nicht nur zu weit, sondern kann mit den Worten des BdV unerträglich genannt werden. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn aus Polen Bedenken geltend gemacht werden, aber diese Mischung aus Drohungen gegenüber der deutschen Regierung und Hetze gegen Frau Steinbach kann in zwischenstaatlichen Beziehungen (angeblich) befreundeter Länder keinen Platz haben. Es kann nicht angehen, dass maßgebliche Gruppen in Polen versuchen, Art und Weise des deutschen Gedenkens an die Opfer von Flucht und Vertreibung zu dominieren.
Natürlich sollen polnische Instanzen und Bürger ihre Meinung dazu haben und es ist auch klug, sie nach dieser zu fragen. Aber Polen muss akzeptieren, dass ein deutscher Verband wie der BdV seine Plätze in einem Gremium mit den Leuten besetzt, die er für richtig hält, zumal das Bild, das von Frau Steinbach gezeichnet wird, in vielen polnischen Medien offenbar abenteuerlich verzerrt wird. Grundlage für das Vorgehen Polens in dieser Angelegenheit ist die Aufrechterhaltung einer Sichtweise der Historie, die den vertriebenen Deutschen maximal pro forma zubilligt, Unrecht erlitten zu haben, aber im Ganzen ein gnadenloses schwarz-weiß-Schema aufrecht erhält. Wenn sich grundsätzlich das deutsch-polnische Verhältnis ändern soll, muss hier angesetzt werden.







