Dienstag, 31. März 2009

HDJ - das war knapp!

Bundesinnenminister Schäuble hat die "Heimattreue Deutsche Jugend" verboten. Das war auch bitter nötig, wie man schon klar erkennen kann, wenn man den zugehörigen Wikipedia-Artikel liest und man weiß ja, dass die Wiki von Faschos unterwandert ist!
Wir lesen dort also, dass die HDJ hundert Mitglieder hatte. Bundesweit! Lieber Leser, können Sie sich diese gewaltige Masse vorstellen - 100 im ganzen Bundesgebiet. Das macht ja im Durchschnitt so circa 7-8 Mitglieder pro Bundesland. Eine echte, wirkliche Gefahr, welcher der Staat in Person des Bundesinnenministers heldenhaft entgegen tritt und der ganz gewiß nur durch ein Verbot überhaupt begegnet werden kann. Immerhin hat die HDJ ja in ihrem knapp 20jährigen Bestehen pro Jahr etwa 5 Mitglieder gewonnen. Das sind ja schon in jedem dritten Bundesland einer in zwölf Monaten! Ein ganzer! Alarmierend!
Aber es wird noch besser - die HDJ hielt Schulungen ab, die Themen wie der Vertreibung der Deutschen nach 1945 und dem Bombenangriff auf Dresden gewidmet waren. Das ist ja nun wirklich unerhört. Wie kann man sowas nur thematisieren, frage ich Sie, lieber Leser? Am Schluß heißt es noch, dass es deutsche Opfer gab und nicht jeder Deutscher der bei Kriegsende lebte ein Verbrecher war - wenigstens ein potenzieller!
Und dann: Man liest, dass die Jungen ein Grauhemd oder eine Jngenschaftsjacke trugen und die Mädchen eine Mädelbluse und einen blauen, langen Rock. Waren die nicht gender-gemainstreamt? Werden sie etwa nicht durch die diesbezgüliche EU-Richtlinie 4711/0815 im Gewissen gebunden? Mindestens die Hälfte der Jungen hätte Röcke tragen müssen!
Aber glücklicherweise haben wir ja einen law-and-order-Innenminister Schäuble, der ja neben moslemischer Kultubereicherung auch mal wieder was verbieten muss: Und da macht sich ein kleines Verbot in einem Bereich, der keine Lobby hat, doch ganz gut und Applaus aller Seiten ist sicher. Außerdem erinnern wir uns auch immer gerne an unsere Heldin Andrea Röpke, der es gelungen ist unter Einsatz von (fast) Leib und Leben die HDJ der Öffentlichkeit vorzustellen. Und Frau Röpke muss es wissen, immerhin lebt sie von echten und vermeintlichen Neo-Nazis, indem sie entrüstet darüber berichtet. Aber nun ist die Gefahr gebannt, das Sommerlager der HDJ in Güstrow oder anderso fällt aus und die Republik atmet auf und der "Kampf gegen Rechts" hat wieder einen kleinen Lebensimpuls sowie ein Stückchen Existenzberechtigung gewonnen - imerhin gibt es mehrere Leute pro Bundesland, die der HDJ angehört haben! Also, die linken Reihen fest geschlossen - wo ist der nächste imaginäre Feind?

(Mag gut sein, dass es um die HDJ nicht schade war, ich habe keine Ahnung. Aber dass sich hier mal wieder ein Kämpfchen gegen Rechts austobt, das ziemlich viele äußerst gewünschte Nebeneffekte hat, dürfte klar sein. Ob es die eigentlichen, konkreten Maßnahmen auch gäbe, wenn man auf die gewollten Begleiterscheinungen verzichten wollte - man darf darüber nachdenken.)

Montag, 30. März 2009

Josef Pieper: Der Staat als vornehmlichste Gemeinschaft

Der Staat nimmt ... in der Stufenreihe, die sich zwischen dem Einzelnen und der Gesamtmenschheit auspannt, in der Tat eine einzigartige Stelle ein; in ihm stellt sich das "soziale Ganze" auf unvergleichliche Weise dar; ihm ist der Begriff des Gemeinwohls in ausgezeichnetem Sinn zugeordnet. Das staatlich geordnete Volk (inmitten der Völker) ist die eigentliche, geschichtlich-konkrete Gestalt des menschlichen Gemeinlebens. Communitas politica est communitas principalissima, "die politische Gemeinschaft ist die vornehmlichste Gemeinschaft". Nur der Staat ist im vollen Sinn Träger, Verwirklicher, Verwalter des bonum commune. Das bedeutet nicht, daß für die Verwirklichung des Gemeinwohls die Familie, die Gemeinde, die freien Verbände, die Kirche nicht gleichfalls ihre unauswechselbar notwendige Gemeinschaft allein eine Einbegreifung, eine Integration nahezu aller menschlichen Funktionen stattfindet; hier allein ist Souveränität, also letzte Verüfgungsgewalt in der Wahrung des bonum commune, "Gewalt" im vollen Sinn, die auch die eigentliche Strafgewalt einschließt. "Wie der Staat vollkommene Gemeinschaft ist, so besitzt der Herrscher im Staat vollkommene Zwangsgewalt; daher kann er irreparable Strafen verhängen wie Tod oder Verstümmelung". "Der Vater aber oder der Herr, die der Hausgemeinschaft vorstehen, welche eine unvollkommene Gemeinschaft ist, haben auch nur eine unvollkommene Zwangsgewalt." Mit einem Wort: der Staat ist in einem sonst nirgends antreffbaren Maße die Repräsentation des "sozialen Ganzen", des Wir.

Quelle: Josef Pieper: Über die Tugenden. München 2004.

Sonntag, 29. März 2009

J.Pieper: Gerechtigkeit IV - Zuteilende Gerechtigkeit

Von der "zuteilenden Gerechtigkeit" sprechen heißt von der Gerechtigkeit der Machtausübung sprechen. Es handelt sich um die rechte Ordnung im Verhältnis derer, die Macht haben, zu denen, die dieser Macht anvertraut oder auch ausgeliefert sind. Das ist der Grund, weswegen die Erörterung der iustitia distributiva die Mitte der Lehre von der Gerechtigkeit ist. Wir rufen uns die Bauform der zuteilenden Gerechtigkeit noch einmal in die Erinnerung: der Einzelne steht nicht einem Einzelnen, auch nicht vielen Einzelnen gegenüber, sondern dem sozialen Ganzen. Damit ist schon klar, daß beide Partner nicht gleichen Ranges sind, und dies nicht bloß deswegen nicht, weil Viele mehr sind als Einer, sondern weil das Gemeinwohl von anderer, höherer Ordnung ist als das Wohl des Einzelnen. Dennoch ist der Einzelne in diesem Verhältnis der forderungsberechtigte Partner; er ist es, dem etwas zusteht. Das bedeutet, daß andererseits das soziale Ganze der verpflichtete Partner ist - höheren Ranges und dennoch verpflichtet. ...
Der Mensch als Verwalter des Gemeinwohls ist in Anspruch genommen; er wird darauf verpflichtet, den einzelnen Gliedern des Ganzen zu geben, was ihnen zusteht. ... Daß wir auf Anhieb wenig geneigt sind, den Verwalter des Gemeinwohls überhaupt noch als einen möglichen Adressaten solchen Anspruchs zu denken, daß wir dabei kaum noch eine "ansprechbare", personale Gestalt vor Augen haben, eher schon so etwas wie eine antlitzlose Maschinerie - dies zeigt, in welch bedrohlichem Maße wir bereits von kollektivistischen Denkformen bestimmt sind. ... Die Vorstellung, daß da eine das Gemeinwohl verwaltende Instanz sei, welche kraft eigenen Rechts darüber soll entscheiden können, was und wieviel mir zusteht - diese Vorstellung verknüpft sich nahezu uvnermeidlich mit der anderen Vorstellung der Entrechtung und Versklavung des Einzelnen, während daneben als vorgeblich einzig verbleibende Möglichkeit ein mehr oder weniger utopisches Bild von "Demokratie" zu erscheinen pflegt, das keinen Raum läßt für echte Herrschaft (und somit wiederum Gewaltherrschaft entweder schon bedeutet oder im Gefolge hat). Angesichts dieser tödlichen Alternative ist es entscheidend, daß wir das Richtbild der iustitia distirbutiva in seiner wahren Aussage erkennen und realisieren. In diesem Richtbild verbindet sich beides: die Bejahung wirklicher Herrschaft und die Anerkennung des Rechtes der Einzelperson, welcher von seiten des sozialen Ganzen das unabdingbar Zustehende zu geben ist. ...
Dem Einzelnen steht, sofern er Glied des Ganzen ist, unabdingbar zu, daß die Zuteilung der Güter wie der Lasten gerecht geschehe, gerecht auf die Weise der iustitia distributiva. ... Alles in der Welt kommt darauf an, daß die Regierenden gerecht seien ... [Allerdings fügt Donoso Cortés an,] echte Herrschaft setze nicht allein voraus, daß es Männer gebe, die sich für Regierungsämter eignen; vielmehr sei auch eine bestimmte innere Verfaßtheit des Volkes vorausgesetzt, daß nämlich das Volk an der Gerechtigkeit des Regierens teilnehme, indem es der gerechten Verwaltung des bonum commune [Gemeinwohl] seine Zustimmung gebe. ... Was heißt dann: die iustitia distributiva verwirklichen? Es heißt: die einzelnen Gleider des Volkes an der Verwirklichung des konkret nicht endgültig fixierbaren bonum commune teilnehmen lassen. Hieran teilzunehmen, nach den Maßen der je verschiedenen dignitas, Eignung, Fähigkeit - dies ist es, das den Einzelnen zusteht.

Quelle: s.o.

Samstag, 28. März 2009

Bambi erschießen

"Irgendetwas gegen den Dalai Lama zu sagen, kommt in manchen Kreisen dem Versuch gleich, Bambi zu erschießen".

Der südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel im Zuge des Streites in der südafrikanischen Regierung über die Ablehnung des Einreisevisums für den Dalai Lama.

J.Pieper: Gerechtigkeit III - Tauschgerechtigkeit

Gerecht in der Weise der Tauschgerechtigkeit ist der Einzelne, der dem Anderen, dem nicht schon Verbundenen, dem Fremden gibt, was ihm zusteht - nicht weniger, aber auch nicht mehr ... Die im Richtbild der iustitia commutativa enthaltene Forderung besagt, daß der Mensch es fertig bringe, gerade den Fremden anzuerkennen, den tatsächlich fernstehenden oder auch den innerlich als fremd empfundenen, vielleicht plötzlich als "Konkurrenz" und Bedrohung eigener Interessen gesehenen Mitmenschen, der ihn im Grunde "nichts angeht"; den er nicht "mag"; bei dem ihm der Gedanke, etwas zu schenken, gar nicht kommt; gegen den er sich vielmehr gerade zu behaupten und durchzusetzen hat - gerade ihm das Zustehende zu geben, und nicht mehr, aber auch nicht weniger: dies sei Gerechtigkeit. ... Der Zustand der Ausgeglichenheit, dieser dem Wesen des Menschen eigentlich entsprechende, "paradiesische" und insofern wirklich ursprüngliche, "frühere" ZUstand des mitmenschlichen Lebens, wird immer wieder gestört und muß durch den Akt der Gerechtigkeit immer "wiederhergestellt" werden. Die Störung braucht nicht ausschließlich als Ungerechtigkeit verstanden zu werden - wiewohl, wenn der Akt der Gerechtigkeit restitutio genannt wird, die Ungerechtigkeit in der Welt der Interessengegensätze, des Machtkampfes und des Hungers als das durchschnittlich sich Ereignende vorausgesetzt ist: eben die Heilung und Ordnung dieses nicht leichthin sich schlichtenden Gegeneinanders von Interessen, die ja wirklich einander im Weg zu sein pflegen und sich durchweg nicht glatt miteinander in Einklang bringen lassen; eben die sozusagen jeweils "nachträgliche" Ordnung dieses Bereichs sei das Amt und die Leistung der ausgleichenden Gerechtigkeit.

Es folgt: Ausgleichende Gerechtigkeit

Freitag, 27. März 2009

Wort von J.H.Newman in die Fastenzeit: Gemeinsame Zeugenschaft

Wie können wir vor der Welt für Gott Zeugen sein und doch ohne Anmaßung, Affektiertheit oder große und unschickliche Schaustellung?
Zum ersten könnte nun viel gesagt werden über jene Art von Zeugenschaft für Christus, die in der Angleichung an Seine Kirche besteht. Wer einfach täte, was die Kirche ihm zu tun gebietet, würde ein gutes Bekenntnis vor der Welt ablegen, und zwar eines, das nicht verborgen bleiben kann; zugleich tut er es mit ganz geringer oder gar keiner Schaustellung seinerseits ...
Wenn sich dagegen ein Mensch auf seinen eigenen Grund stellt und sich selbst als Einzelperson zum Zeugen für Christus erklärt, dann kränkt und stört er tatsächlich den sanften, uns von Gott verliehenen Geist. Gottes barmherzige Vorsehung aber hat uns bewahrt vor dieser Versuchung und uns verboten, sie zuzulassen. Er gebietet uns, uns zu einer Einheit zu versammeln, und unser persönliches Bekenntnis unter der Autorität der Gemeinschaft zu bergen. Während wir uns so der Welt als Licht zeigen - weit wirksamer, als wenn wir abgesondert in einsamer Wildnis ohne Verbindung mit den anderen glimmen - , handeln wir zugleich mit weit größerer Verschwiegenheit und Demut ...
Ich bin sicher, daß wir, wenn wir wirklich und in der Tat die Erkenntnis der Wahrheit verbreiten wollen, es auf diese Weise weit nachhaltiger und lauterer tun, als wenn jeder vereinzelt zum Zeugen wird.

Quelle: s.o.

Dienstag, 24. März 2009

Josef Pieper: Gerechtigkeit II - Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Was die Gerechtigkeit von der Liebe unterscheidet, ist gerade dieses: daß in der Situation der Gerechtigkeit die Menschen einander als getrennt "Andere", fast als Fremde gegenübertreten. Gerechtsein heißt: den Anderen als Anderen gelten lassen; es heißt: da anerkennen, wo man nicht lieben kann, Gerechtigkeit sagt: es gibt den Anderen, der nicht ist wie ich, und dem dennoch das Seinige zusteht. Der Gerechte ist dadurch gerecht, daß er den Anderen in seinem Anderssein bestätigt und ihm zu dem verhilft, was ihm zusteht ... Gerecht sein heißt: etwas schulden und die Schuldigkeit leisten. ... Wer aber sollte - "der Andere" sein? ... Der Partner kann - erstens - verstanden werden als die Gemeinschaft, das "soziale Ganze". Zweifellos habe ich es nicht bloß dann mit dem Gemeinwohl zu tun, wenn ich staatliche Gesetze befolge oder verletze, wenn ich Steuern zahle oder zur Wahlurne gehe; das Gemeinwohl ist gleichfalls im Spiel, wenn ich, anscheinend ganz "privat", zuchtlos bin oder träge. Das Gemeinwohl bedarf des Gutseins aller Einzelnen. "Das Gut jeder Tugend ist beziehbar auf das Gemeinwohl, welchem die Gerechtigkeit zugeordnet ist. Und demgemäß können die Akte aller Tugenden zur Gerechtigkeit gehören. Umgekehrt können alle Verfehlungen in bestimmten Sinn "Ungerechtigkeit" heißen. ... Die Aussage, alles sittliche Tun habe die Bauform der Gerechtigkeit, kann - zweitens - auch dies bedeuten: wer immer das Gute oder das Böse tut, steht Gott als einem "Partner" gegenüber, dem er das Geschuldete leistet oder vorenthält. Es gehört zur allgemeinen Gerechtigkeit, das Gute zu tun, das geschuldet ist im Verhältnis zur Gemeinschaft oder zu Gott. ...
Die Verwirklichung der Gerechtigkeit geschieht vornehmlich in einem äußeren Tun; "im Bezirk von Gerecht und Ungerecht kommt es erstlich darauf an, was der Mensch nach außen hin tut." ... Diese Eigentümlichkeit der Gerechtigkeit aber, daß sie vor allem und zunächst in einem äußeren Tun sich verwirklicht (worauf es ankommt, ist, daß ich meine Schulden bezahle - ob ich es gern tue oder nicht, ob ich selbst bedürftig bin oder nicht, ob mein Gläubiger reich ist oder arm) - dieses unterscheidende Merkmal der Gerechtigkeit ist aufs genaueste in Zusammenhang damit, daß sie es wesentlich mit dem "Anderen" zu tun hat. ... Alles äußere Tun gehört zum Bezirk der Gerechtigkeit; was immer einer nach außen hin tut, ist, ebendadurch, gerecht oder ungerecht.
Gesagt ist also, es brauche einer nicht schon gerecht zu sein, um das "Gerechte" zu tun; woraus folgt, daß man auch, ohne ungerecht zu sein, etwas Ungerechtes tun könnte ... Wo [aber] im vollen Sinn Gerechtigkeit geschieht, da ist das äußere Tun Ausdruck einer inneren Bejahung; der Andere wird anerkannt und bestätigt in dem, was ihm zusteht.

Aus: siehe Gerechtigkeit I

Montag, 23. März 2009

Josef Pieper: Gerechtigkeit I - Suum cuique und Warum gerecht sein?

Durch einen schon etwas zurückliegenden Artikel von Erik Lehnert auf der Seite der Sezession im Netz: Wertealternativen: Die Tugend, kam ich darauf, meine Ausführungen über Josef Piepers Sicht der Kardinaltugenden zu vervollständigen. Ich konnte erfreut feststellen, dass mittlerweile alle Kardinaltugenden vertreten waren, bis auf eine - die Gerechtigkeit. Der Grund wurde mir auch schnell klar: Piepers Ausführungen zu dieser Tugend, sind die bei weitem umfangreichsten. Daher werde ich sie auf mehrere Blogeinträge aufteilen.

Unter den Dingen, die uns heute bewegen, scheint es nicht viele zu geben, die nicht auf eine sehr genaue Weise mit der Gerechtigkeit zu tun haben. Man braucht nur Umschau zu halten. Es zeigt sich das dringlichste aller Anliegen: auf welche Weise wieder echte Herrschaft in der Welt begründet werden könne. Es meldet sich das Thema "Menschenrechte", die Frage des "gerechten Krieges" und der Kriegsverbrechen, das Problem der Verantwortlichkeit im Falle eines ungerechten Befehls; das Recht des Widerstandes gegen ungesetzliche Gewalt; Todesstrafe, Zweikampf, politischer Streik, Gleichberechtigung von Mann und Frau. Jeder dieser Begriffe ist heute, wie man weiß, ein Streitbegriff; und jeder besitzt eine sehr unmittelbare Zuordnung zum Begriff der Gerechtigkeit. ... So sehr aber auch, wenn Gerechtigkeit gedacht wird, eine schlechthin nicht zu bewältigende Vielfalt vor den Blick kommt - es ist dennoch ein Gedanke von äußerster Einfachheit, auf den diese Vielfalt sich zurückführt. Platon spricht ihn bereits als etwas von weit her Überkommenes aus. Es ist der Gedanke, daß einem Jeden das Seine zu geben sei. Daß der Mensch dem Menschen das ihm zustehende gebe - hierauf ist alle gerechte Ordnung in der Welt gegründet. ... Von diesem Gedanken des "suum cuique", der von der Urzeit her über Platon, Aristoteles, Cicero, Ambroisus, Augustin, vor allem über das Römische Recht zum Gemeingut der abendländischen Überlieferung geworden ist - hiervon soll im folgenden gesprochen werden. Genauer gesagt, es soll die Rede sein von der wilentlichen Haltung, die den Menschen Jedem das seine geben lässt. Es soll gehandelt werden von der Tugend der Gerechtigkeit. "Gerechtigkeit ist die Haltung, kraft deren einer standhaften und beständigen Willens einem Jeden sein Recht zuerkennt."
Der Gerechtigkeit liegt das Recht voraus. Wenn einem Menschen etwas als sein Eigen zusteht - dies Zustehen selbst kommt nicht durch die Gerechtigkeit zustande. Zum Beispiel: Einer leistet für einen anderen eine Arbeit ... Aufgrund der Arbeitsleistung entsteht auf der Seite des Arbeitenden ein ihm Zustehendes. ... Nun aber ist es für jedermann deutlich, daß es Rechte gibt, die nicht durch Arbeit zustande kommen; daß dem Menschen etwas als ein Seiniges zusteht, ohne daß der Grund dafür in einem Tun des Menschen liegt. Niemand zweifelt etwa daran, daß es ein Recht auf das eigene Leben gibt. ...
[Diese Rechte resultieren daraus, dass] der Mensch Person ist, das heißt, ein geistiges, in sich ganzes, für sich und auf sich hin und um seiner eigenen Vollkommenheit willen existierendes Wesen - darum steht dem Menschen im unabgeschwächten Sinn etwas zu, darum hat er unabdingbar ein suum, ein Recht, gegen jdermann vertretbar, jeden Partner verpflichtend. ... Der Mensch hat deswegen unabdingbare Rechte, weil er durch göttliche, das heißt, aller menschlichen Diskussion entrückte Setzung als Person geschaffen ist. Dem Menschen steht letzten Grundes deswegen etwas unabdingbar zu, weil er creatura ist. Und: als creatura hat der Mensch die unbedingte Verpflichtung, dem Anderen das ihm Zustehende zu geben. Diesen Sachverhalt hat Kant so ausgedrückt: Wir haben einen heiligen Regierer, und das, was er den Menschen als heilig gegeben hat, ist das Recht der Menschen.

aus: Josef Pieper. Über die Tugenden. München 2004. Außerdem zu Josef Pieper hier ein Link, der mir schon vor längerer Zeit zugeschickt wurde.

Samstag, 21. März 2009

St. Benedikt von Nursia

Zum heutigen Gedenktag des Heiligen Benedikt von Nursia, des Gründers des Beneditkinerordens, einige Worte aus dem Prolog, den er seiner Ordensregel vorangestellt hat:

Höre, mein Sohn, auf die Weisungen des Meisters, und neige das Ohr deines Herzens; nimm die Mahnung des gütigen Vaters willig auf, und erfülle sie durch die Tat, damit du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurückkehrst, von dem du durch die Trägheit des Ungehorsams abgewichen bist. An dich also richtet sich jetzt mein Wort, wer immer du sein magst: Du entsagst den Regungen des Eigenwillens und ergreifst die starken und herrlichen Waffen des Gehorsams, um dem Herrn Jesus Christus, dem wahren König, als Soldat zu dienen ...

Üben wir also unser Herz und unseren Leib für das Dienen als Soldat im heiligen Gehorsam gegenüber den Weisungen! Weil wir das aber mit unserer natürlichen Kraft nicht vermögen, wollen wir den Herrn bitten, daß er uns die Hilfe seiner Gnade schenke. Und wenn wir den Peinen der Hölle entrinnen und zum beständigen Leben gelangen wollen, so müssen wir jetzt, solange es noch Zeit ist und wir in diesem Leib weilen, dies alles in diesem Leben und Licht erfüllen. Jetzt also müssen wir eilen und tun, was uns für immer von Nutzen ist ...

Was gibt es Beseligenderes, liebste Brüder, als diese Stimme des Herrn, der uns einlädt? Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben. Umfürten wir also unsere Lenden mit Glauben und der Übung, Gutes zu tun, und wandeln wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege, damit wir den zu schauen verdienen, der uns in sein Reich gerufen hat.

(zitiert nach: Benedikt von Nursia - Wort der Weisung. Freiburg 1992/1999)

Donnerstag, 19. März 2009

St. Josef

Die Kirche begeht heute das Hochfest des Hl.Josef, des Stief- und Nährvaters des Erlösers. Aus einer Betrachtung des heutigen Papst Benedikt XVI.:
Vor kurzem sah ich in der Wohnung von Freunden eine Darstellung des heiligen Josef, die mich nachdenklich machte. Es war ein Relief aus einem portugiesischem Altar aus der Barockzeit und zeigte die Nacht vor der Flucht nach Ägypten. Da war ein großes, offenes Zelt, von oben her naht ein Engel, in der Öffnung des Zeltes liegt Josef - schlafend, aber angetan mit dem Gewand eines Pilgers, eines Reisenden mit großen Stulpenstiefeln, wie man sie für eine schwierige Wanderung braucht.
Josef schläft, aber zugleich ist er fähig, den Engel zu hören (vgl. Mt 2,13f). Es geht von ihm sozusagen das aus, was das Hohelied einmal sagte: Ich schlief, aber mein Herz wachte (Hld 5,2). Die Sinne ruhen, aber der Grund der Seele ist offen. Das offene Zelt wird zum Bilde des Menschen, der in die Tiefe, nach innen und nach oben hören kann, der offen genug ist, daß das Leben Gottes und seiner heiligen Engel an das Ohr seines Herzens dringt. In der Tiefe berührt sich eines jeden Menschen Seele mit Gott. Von innen her will er zu jedem von uns sprechen, ist er einem jeden von uns nahe. Aber wir sind ja meistens vollgestellt mit Geschäften, mit Sorgen, mit Erwartungen und Wünschen aller Art. Wir sind so voll mit Bildern und Bedrängnissen, die der Tag an uns heranträgt, daß wir bei aller Wachheit des Äußeren die innere Wachheit verloren haben, daß wir die Stimme vom Grund unserer Seele her nicht mehr zu vernehmen vermögen. Die Seele ist gleichsam mit Gerümpel so vollgestellt, so viele Mauern sind vor die Nähe Gottes vorgebaut, daß er und seine leise Stimme nicht mehr durchdringen können.

Aus: Heiligenpredigten (hrsg von Stephan von Horn). Donauwörth 1997.

Mittwoch, 18. März 2009

Wort von J.H. Newman in die Fastenzeit: Meinen, was wir sagen

Vermeiden wir Geschwätz jeglicher Art, ob bloß leeres Gerede oder tadelndes Reden, eitle Bekenntnisse oder Dispute über die Lehren des Evangeliums, Prahlerei mit Philosophie oder den Anspruch, ein glänzender Redner zu sein. Hüten wir uns vor Frivolität, vor der Sucht nach Angeberei, vor der Sucht, zum Gesprächsstoff zu werden, aufzufallen, originell zu erscheinen. Trachten wir danach, wirklich zu meinen, was wir sagen, und zu sagen, was wir meinen. Mühen wir uns, darüber klar zu werden, wann wir eine Wahrheit verstehen und wann nicht. Wenn wir sie nicht verstehen, so wollen wir sie im Glauben annehmen und wollen bekennen, so zu tun. Nehmen wir die Wahrheit in Ehrfurcht auf und bitten wir Gott, uns einen guten Willen zu geben und göttliches Licht, damit sie Frucht bringen in uns.

Aus: John Henry Newman (Hrsg.: Josef Mann): Worte des Herzens. Freiburg 1981.

Linke Logik...

Die Junge Freiheit berichtet:
Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion kritisierte das Zentrum gegen Vertreibungen als „Teil einer Strategie des Bundes der Vertriebenen, sich auch für die nächsten Jahrzehnte eine Existenzberechtigung zu sichern — und seinen Funktionären ein erträgliches Einkommen”. Steinbach sei lediglich eine „Bekenntnisvertriebene“ und stehe für eine Generation, „die die Umsiedlung der Deutschen aus Osteuropa gar nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, sagte Jelpke.

Diese verquere Logik sollte man mal - einfach aus Interesse an der Reaktion - auf die "respektablen" Opfer des Dritten Reiches (Juden, Kommunisten ...) anwenden...

Links der Mitte ist man verpeilt wie immer. Zudem wird das Anliegen des Vertriebenenzentrums offenbar mit dem eigenen "Kampf gegen Rechts" verwechselt...

Dienstag, 17. März 2009

Jugendkriminalität - Herr Pfeiffers neue Studie...

Wer kennt ihn nicht, Herrn Pfeiffer vom Kriminoligischen Forschungsinstitut Niedersachsen, den Experten für jede Straftat bundesweit? Nun haben wir eine neue Expertise von ihm und seinen tapferen Mannen von der Umfragefront: Jugendkriminalität - passt ja!

Wir werden also Zeugen mitreißender Ergebnisse: Die Jugendkriminalität ist nicht gestiegen, es gab aber mehr Anzeigen. Das ist schon möglich, läßt aber das eine oder andere Fragezeichen offen. Fünf von sechs Gewalttaten begehen Jungen, was ich auch ohne Umfrage hätte sagen können. Nichtdeutsche Staatsangehörige verüben im Durchschnitt dreimal mehr Straftaten als Deutsche, was vermutlich auch nicht neu ist, aber zumindest mal gesagt werden darf. Natürlich nicht ohne den relativierenden Hinweis, dass Straftaten von Ausländern häufiger angezeigt werden als von Deutschen - irgendwo musste man ein bisschen deutsche Mitschuld wohl unterbringen, und sei es in der Bosheit, etwas bei der Polizei anzuzeigen...

Und dann: 43% der Schüler berichten, von ihren Mitschülern manchmal gehänselt zu werden. Damit sollte man wohl leben können. 3% erleben Hänselein mehrmals die Woche. Das ist für die 3% traurig, aber man muss wohl sehen, dass dieser minimale Prozentsatz einfach normal ist. Ob man da von einem 'Mobbing'-Problem sprechen kann, weiß ich nicht.

Nicht fehlen darf natürlich der Kampf gegen Rechts: Ein neues Bedrohungszenario: Unter den Jungen sind angeblich genausoviele in rechtsextremen Gruppierungen organisiert, wie in Parteien oder sozialen Verbänden: Gemeingefährliche 4,9%! Ich finde diese Zahl in Bezug auf die Parteien wesentlich interessanter als auf angebliche Rechtsextreme, denn die bleiben immer noch unter der '5%-Prozent-Hürde' - aber die etablierten Parteien eben auch. Jedenfalls bei den 15jährigen. Das Herz der Finsternis ist auch schnell ausgemacht: Ost- und Süddeutschland (Regionen, wie sie eigentlich unterschiedlicher kaum sein können), denn dort ist der Anteil der (Zitat): "rechtsextrem vernetzten Neuntklässler" deutlich höher als anderswo. Doch keine Angst, der Retter naht: "Der zweite Teil des Forschungsberichts, der Ende dieses Jahres vorliegen soll, will die Ursachen für die großen regionalen Unterschiede beleuchten." Das ist auch unbedingt nötig, Herr Pfeiffer muss uns retten...

Aber nochwas: "Täterschaft" geht "zumeist mit Schuleschwänzen und einem ebenfalls delinquenten Freundeskreis einher". Hätten wir das gedacht, lieber Leser? Also ich dachte ja, Gewalttäter schwänzen die Schule nie und haben nur brave Freunde. Aber wir haben noch eine Offenbarung des pfeifferschen Propheten vor uns: "Der Besuch eines Gymnasiums verringert für Jugendliche aller Nationalitäten das Risiko der Täterschaft; Bildung schützt also vor Konflikten mit dem Gesetz." Gar lustig - könnte es vielleicht auch sein, dass nicht die Bildung schützt, sondern dass die gleichen Konstanten, die den Gymnasiums-Besuch ermöglichen, auch zu geringerer Straffälligkeit führen? Aber soviel Einfluß auf ihre Kinder wollen wir den Familien ja doch nicht zu billigen, gelle (man sehe mir das süddeutsche Idiom nach, ich bin nicht rechtsextrem und auch nur zugezogen...)?

"Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass es Verfehlungen Jugendlicher in jeder Epoche und in jeder Gesellschaft gegeben habe, sie also keine aktuelle „Verfallserscheinung“ seien. Zugleich hätten die Taten Jugendlicher oftmals Bagatellcharakter; die Bereitschaft zum Normbruch sinke mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter quasi von selbst."
Natürlich nicht, quasi alles in Ordnung! Denn der Multi-Kulti-68er-Beglückungs-und-Versorgunsstaat läuft ja auf Hochtouren. Da kann nicht schief gehen, eigentlich nie.

Montag, 16. März 2009

Ein paar Tage danach - Winnenden II

Die medialen Wellen um den Amoklauf von Winnenden legen sich, die Finanzkrise rückt wieder in die erste Reihe der Schlagzeilen. Die Diskussionen in den Medien waren teils recht einsichtig, teils wie gewohnt geschwätzig. Der letzteren Kategorie zweifellos zuzuordnen sind die Forderungen nach Verschärfungen des Waffenrechts (hier mal wieder herausragend: Claudia Roth, die dagegen ist, große Mengen an Waffen zu Hause zu lagern - ob ihr klar ist, dass eine Waffe völlig reicht?) oder nach einer Verschärfung der Regeln für die Waffenaufbewahrung: Wäre die Waffe nach geltendem Recht aufbewahrt worden, wäre der Schütze ja gar nicht herangekommen. Der auch-nach-der-Wahl-nicht-Bundeskanzler Frank Walter betreibt ein bisschen Zahlenakrobatik: 20x mehr Waffen seien in Deutschland in der Hand von Privatbesitzern als bei der Polizei. Ähnliche Gedanken machen sich zur Zeit vermutlich auch die Machthaber in Pakistan. Da in Deutschland aber momentan kein Sturm auf die Hauptstadt ansteht, ist mir unklar, wo Franks Problem liegt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich den Bezug zur Amoktat nicht sehe und man sich mit Waffen übrigens auch verteidigen kann.

Ganz schräg auch die neuste Idee aus Niedersachsen: Das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" soll eine neue Altersfreigabe erhalten: Nicht mehr wie bislang ab 12 Jahren soll es gespielt werden dürfen, sondernerst ab 18 Jahren. Irgendwie scheint das auch mit Winnenden zu tun zu haben - wie erschließt sich mir nicht. Außerdem seien 3% der Jugendlichen in Deutschland online-spiel-süchtig, was man darunter auch immer verstehen mag (vermutlich nur, dass sie zuviel am PC sitzen). Der Leiter der fraglichen Studie, die dieses bahnbrechende Ergebnis gebracht hat, empfiehlt das Beispiel Südkoreas: "Dort würden mehr als tausend Berater eingesetzt, um Schüler, Lehrer und Eltern über die Gefahren von Computerspielen zu informieren. Fast hundert Kliniken behandelten Betroffene." Also mir fallen da eine Menge echter Gefahren ein, über die man aufklären könnte. Wie wäre es, wenn man mal mit MultiKulti anfängt, mit Gendermainstreaming weitermacht und sich fragt, wie sich die große Zahl von Patchwork-Familien auf die Gesellschaft auswirkt?
Allerdings ist auch zu sehen, dass sich vielerorts die Einsicht durchsetzt, dass Amokläufe nicht verhindert werden können, dass es totale Sicherheit auch nicht durch den Versuch totaler Prävention gibt.

Im näheren Bezug auf den konkreten Amoklauf wird nun ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Täters geführt, weil er die Tatwaffe nicht weggeschlossen hat. Es gibt vermutlich zur Zeit niemandem, dem klarer ist, dass es besser gewesen wäre, die Waffe wegzuschließen, als ihn. Davon abgesehen finde ich es aber relativ normal, dass ein Vater nicht davon ausgeht, dass sein Sohn mit Vaters Pistole Amok läuft. Dazu kommt, dass man sich mit einer weggeschlossenen Waffe natürlich kaum verteidigen kann. Aber zugegeben: Die Nachlässigkeit des Vaters hatte in diesem Fall verheerende Wirkung, auch wenn sie sicher nicht vorauszusehen war.

Jenseits von Erklärungen und Präventions-tauglichem Aktionismus macht man auf dem Blog der Zeitschrift eigentümlich-frei aber auf zwei Sachverhalte aufmerksam, die durch den Amoklauf berechtigterweise bedacht werden sollten: Wie ist die Stellung und Akzeptanz heranwachsender Männer in unserer Gesellschaft gegenüber den speziell geförderten Frauen? Ist da nicht mittlerweile eine problematische Situation eingetreten (hier könnte man allerdings wohl noch mehr Gründe anführen, als es im ef-Beitrag geschieht: Insbesondere der Mangel an echten, guten Vorbildern)? Zum zweiten: Auch in der eigenen Familie gibt es oft einen Mangel an echter Bindung aneinander, was einen Mangel an Geborgenheit und Orientierung nach sich zieht.
Ich denke, grade den letzten Punkt kann man auch ausdehnen. Es gab gewiß auch früher Zeiten, in denen Familien eher wenig Geborgenheit und Orientierung vermittelten. Aber heute kommt zum häufigen Scheitern familiärer Bindungen auch die Orientierungslosigkeit der Gesellschaft. Selbst die "Grobsteuerung" fällt weg. Man kann familiäre Bindungslosigkeit und gesellschaftliche Orientierungslosigkeit nicht per Dekret bekämpfen. Auch das Problem der heranwachsenden Männer, ihren Platz als ebensolche zu finden, wird kein Gesetzgebungsverfahren lösen. Nach der 68er-Gesellschaftskonstruktion sollte man nun aber nicht eine Um-Konstrutkion anfangen, sondern schlicht neu auf das natürliche, wesentliche, naheliegende blicken. Das würde der Gesellschaft helfen. Ob es dann keine Amokläufe mehr geben würde, weiß ich nicht.

Freitag, 13. März 2009

Winnenden - Mythos oder Erklärung?

Zwei Tage nach der Untat von Winnenden zeichnet sich das typische Verhaltensmuster ab: Man sucht Erklärungen und will so das Ereignis irgendwie handhabbar machen. Die üblichen Erklärungen und Vorschläge scheinen - obgleich vermutlich oft ein Quentchen Wahrheit dabei ist - aber schon im Grundsätzlichen das Ziel zu verfehlen: "Ego-Shooter" spielen Hundertausende, ohne jemals auf einen Menschen zu schießen, für Horrorfilme gilt analog dasselbe. Für einen 17jährigen im Grunde keine unüblichen Beschäftigungen. Und auch wenn eine Schußwaffe wohl die conditio sine qua non für eine Tat diesen Ausmaßes ist - es gibt massenhaft Schusswaffen, die niemand für dergleichen benutzt. Sicher, es mag eine Beziehung bestehen zwischen diesen Größen und der begangenen Tat, aber die eigentlichen Auslöser sind sie keinesfalls. Der Grund, warum sie die Debatte beherrschen ist darin zu sehen, weil man hier ein Feld für Reglementierungen hat und Schuldige suchen kann. Aber verschärfte Gesetze würden hier nur an den Symptomen herumdoktern. Auch mehr Schulpsychologen sind wohl kaum eine Lösung, wie ja grade dieser Fall zeigt: Zum einen war der Täter ja in psychologischer Behandlung, darüber hinaus aber wohl so unauffällig, dass man gar nicht auf ihn aufmerksam geworden wäre.

Dennoch bleibt es wichtig, die Gründe für die Tat aufzudecken. Das bedeutet nicht, sie zu entschuldigen und auch nicht unbedingt, vorzeigbare Lehren für die Zukunft daraus ziehen zu können, aber es verortet die Tat im hier und jetzt und zeigt vielleicht auch manches über uns und die Gesellschaft im ganzen auf.

Man kann in diesem Fall wohl davon ausgehen, dass sich die Tat in einer Gemengelage aus psychischer Krankheit, innerer Einsamkeit, aufgestautem Frust und Waffenkenntnis ereignete. Alle diese Dinge entziehen sich aber staatlicher Kontrolle und im wesentlichen überhaupt bewusster Steuerung. Man kann psychische Krankheiten nicht verbieten, Außenseitern keine Freunde verordnen, Lebensfreude befehlen und jede Art von Waffen verschwinden lassen. Daher ist der Versuch, den Staat als Verhinderer von Amokläufen einzusetzen, wieder einmal ein Zeichen seiner Überschätzung. Man kann das Durchbrennen der Sicherung bei diesem 17jährigen letztlich nicht erklären. Und man kann sie wohl auch nicht verhindern.

Die Frage nach der Erklärung einer solchen Tat, also nach dem Warum? der durchgebrannten Sicherung, stellte sich den Menschen immer schon. Antworten gab es letztlich nie. Der Schöpfungsmythos kennt die Schlange - aber warum ist die böse? Das Buch Ijob kennt dessen Fragen an Gott - die dieser letztlich zurückweist. Für manche Dinge gibt es keine Erklärung und keine Lösung.

Mittwoch, 4. März 2009

Deutschland wie es leibt und lebt - Stiftungsbeirat ohne Erika Steinbach...

Es war vielleicht absehbar, aber nun ist es mal wieder so gekommen, wie es nicht kommen müßte: Die maßgeblichen Stellen in Deutschland sind vor Polen eingeknickt und der BdV lässt - leider - die Stelle von Frau Steinbach im Stiftungsbeirat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" erstmal frei.

Die den folgenden Überlegungen zugrunde liegenden Fakten entnehme ich maßgeblich zwei Artikeln der FAZ (hier und hier).

Nach dem Verzicht von Frau Steinbach - interessanterweise genau einen Tag, nachdem amtlicherseits das Besetzungsverfahren eröffnet wurde - ließ sich auch die Bundeskanzlerin hören, allerdings nur über einen Sprecher. Ob es ihr die Sprache verschlagen hat? Als es um den Papst, Bischof Williamson und den Holocaust ging, ließ sie sich noch ganz gut vernehmen. Aber offenbar rechnet es sich mittlerweile auch in der CDU leichter mit dem Papst ab, als dass Frau Merkel dem polnischen Gegenüber verbal seine Grenzen aufzeigt. Ihr Sprecher, ein Herr Steg, verblüffte jedenfalls heute mit dem Kommentar, dass das Stiftungsprojekt nun im Geiste der Versöhnung, Verständigung und des Einvernehmens realisiert werden könne. Vielleicht müsste man mal schauen, was der Regierungssprecher unter diesen drei Begriffen versteht, jedenfalls: was da in den letzten Tagen aus Polen und Teilen der deutschen Linken kam, war alles andere als Versöhnung, Verständigung und Einvernehmen - es war Hetze, Erpressung und eine böswillige Kamapagne, gegenüber Frau Steinbach, dem Bund der Vertriebenen, aber auch zwischenstaatlich. Vor diesem Hintergrund die neue Entwicklung auch noch einen "honorigen Schritt" Steinbachs zu nennen, erscheint gradezu zynisch.

Wie nicht anders zu erwarten, hat man in Polen nun auch zum Rückzieher von Fr.Steinbach eine Meinung. So sei die Entwicklung ein Erfolg für die polnischen Bemühungen, die Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg nicht zu verzerren. Wo die Wahrheit über den 2.WK verzerrt werden sollte, bleibt unklar und wird auch nicht klarer werden, da es sich offenbar um eine inhaltsleere Phrase handelt. Die Krönung stellt aber die Aussage des Fraktionschefs der Präsidentenpartei "Bürgerplattform" dar, dass sich die diskrete Diplomatie als wirksamer erwiesen habe, als das Säbelrasseln der polnischen Opposition. Wenn Herr Bartoszewski in den letzten Tagen diskrete Diplomatie betrieben haben sollte, wäre wirklich die Frage an der Reihe, was bei unseren östlichen Nachbarn über diese Form von diskrete Diplomatie hinausgeht? Verblüffend ebenso Bartoszewskis heutige Einlassung (nach dem Verzicht), er wolle innere Angelegenheiten Deutschlands nicht kommentieren - man staunt, nachdem B. in den letzten Tagen ja nachweislich praktisch nichts anderes tat! Dazu gehört auch, dass er - nachdem Bundestagspräsident Lammert und der Freiburger Erzbischof Zollitsch Frau Steinbach gegen die polnischen Ausfälle in Schutz genommen hatten - darauf mit der Aussage reagierte: „Wenn jemand sich blöd stellt, hilft auch nichts mehr“. Außerdem ließ er wissen, dass er beobachte, dass man in Deutschland sehr empfindlich auf die Personalprobleme eines Vereins reagiere. Ist der Mann so realtitätsfremd (was ich nicht glaube) oder einfach auch nur zynisch? Der halbe polnische Staat läuft Amok gegen Erika Steinbach und er bescheinigt den Deutschen Empfindlichkeit wegen angeblichen Personalproblemen eines Vereins?

Die ganze verquere Weltsicht, die manche Teile Polens offenbar befällt, wenn von Deutschland die Rede ist, zeigt sich, wenn auf Seiten der Oppostionspartei - die ja bis vor nicht allzulanger Zeit regierte - mehr Härte im Umgang mit Deutschland gefordert wird und man dem Stiftungsprojekt unterstellt, es stelle die Nord- und Westgrenze Polens in Frage, was jedenfalls keine Meinung ist, die einen Bezug zur Realität hat - sowas muss wohl träumen.

Schwenk zurück nach Deutschland. Einer meiner orangenen Lieblingspolitiker, Ronald Pofalla, zollt Frau Steinbach nach dem Verzicht "hohe Anerkennung" und lobt sie im Namen der CDU ansonsten derart über den grünen Klee, dass man denke könnte, sie sei gestorben ("menschliche Größe und politische Weitsicht" blabla...). Ganz offenbar hat die Führungsriege der CDU ihren Willen bekommen, auch wenn am Montag ein paar harmlose und inhaltsleere Solidaritätsadressen von Herrn Pofalla gegen die "persönlichen Angriffe" auf Frau Steinbach zu vernehmen waren, die offenbar erst kamen, als die Sache einigermaßen verloren war, um sich die Stimmen aus dem Vertriebenenlager nicht völlig entgehen zu lassen.

Treffend aus meiner Sicht einzig die Äußerung des mir bisher unbekannten, Siegfried Schneider, Chef der bayrischen Staatskanzlei (bezeichnenderweise ein Mann aus der zweiten Reihe): Er nehme den Verzicht Steinbachs „mit Bedauern, aber Respekt“ zur Kenntnis. „Ich halte es für falsch und für eine erhebliche Einschränkung der Qualität des Stiftungsrats, wenn ihm Erika Steinbach nicht angehört.“ Sie habe sich über Jahrzehnte mit ihrer Arbeit im BdV für die Versöhnungspolitik stark gemacht. Ihr Rückzug sei „letztlich die bedauerliche Folge eines Kesseltreibens der deutschen Linken und von Ressentiments polnischer Nationalisten“. Auch einige andere CSU-Politiker äußerten sich mit dieser Tendenz.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Oppermann ist hingegen erleichtert und kommentiert die Absicht des Bundes der Vertriebenen, die für Steinbach vorgesehene Position aus Protest unbesetzt zu lassen mit den Worten: „Wenn sie keinen haben, können sie niemanden schicken“. Nach dieser geistreichen Bemerkung sollte man sich fragen, ob die SPD nicht vielleicht lieber die Stelle des parlamentarischen Geschäftsführers unbesetzt gelassen hätte.

Fastenzeit: Lead me to the Cross