Montag, 27. April 2009

Joseph Ratzinger: Selbsthass des Abendlandes

[Ein Punkt, der für alle Kulturen grundlegend ist, ist] die Ehrfurcht vor dem, was dem anderen heilig ist und die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott, die sehr wohl auch demjenigen zumutbar ist, der selbst nicht an Gott zu glauben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen wird, geht in einer Gesellschaft Wesentliches zugrunde. In unserer gegenwärtigen Gesellschaft wird gottlob jemand bestraft, der den Glauben Israels, sein Gottesbild, seine großen Gestalten verhöhnt. Es wird auch jemand bestraft, der den Koran und die Grundüberzeugungen des Islams herabsetzt. Wo es dagegen um Christus und um das Heilige des Christen geht, erscheint die Meinungsfreiheit als das höchste Gut, das einzuschränken die Toleranz und die Freiheit überhaupt gefährden oder gar zerstören würde. Meinungsfreiheit findet aber ihre Grenze darin, dass sie Ehre und Würde des anderen nicht zerstören darf; sie ist nicht Freiheit zur Lüge oder zur Zerstörung von Menschenrechten. Hier gibt es einen merkwürdigen und nur als pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes, das sich zwar lobenswerterweise fremden Werten verstehend zu öffnen versucht, aber sich selbst nicht mehr mag, von seiner eigenen Geschichte nur noch das Grausame und Zerstörerische sieht, das Große und Reine aber nicht mehr wahrzunehmen vermag.
Europa braucht, um zu überleben, eine neue - gewiss kritische und demütige - Annahme seiner selbst, wenn es überleben will. Die immer wieder leidenschaftlich geforderte Multikulturalität ist manchmal vor allem Absage an das Eigene, Flucht vor dem Eigenen. Aber Multikulturalität kann ohne gemeinsame Konstanten, ohne Richtpunkte des Eigenen nicht bestehen. Zu ihr gehört es, dem Heiligen des anderen ehrfürchtig zu begegnen, aber dies können wir nur, wenn uns das Heilige, Gott, selbst nicht fremd ist.

aus: Joseph Kardinal Ratzinger: Europas Identität. In: Werte in Zeiten des Umbruchs. Freiburg 2005.

Sonntag, 26. April 2009

Robert Spaemann: Gute Staatsverfassung und schöner Lebensvollzug

Eine gute Staatsverfassung ist von der Art, daß jeder bei der Sache, die er macht, sich am besten befindet, wenn er sie gut macht, ohne sich um seinen Gewinn noch eigens bemühen zu müssen. Die Teleologie [Zielgerichtetheit] der einzelnen Handlungen in diesem Staat ist gerade so ausgerichtet, daß aus ihr die Reproduktion eines sinnvollen Gesamtzusammenhanges menschlichen Lebens hervorfließt. Warum aber soll geschehen, was einem solchen Zusammenhang förderlich ist? Platons Antwort ist: um eines schönen Lebens im Ganzen willen. ...
Das telos [Ziel] des Menschen ist nicht irgendein endlicher Zweck, sondern das schöne Leben im Ganzen. Hier herrscht ein optimales Gleichgewicht der Zwecke, wo kein Zweck die anderen auf sich hin zu bloßen Mitteln funktionalisiert. Dies gilt für den Staat und seine Gerechtigkeit ebenso wie für das einzelne Individuum. Platon gibt so eine teleologische [auf ein Ziel gerichtete], eine funktionale Begründung einer nicht-funktionalen Ethik. Es ist ein Probierstein moralischer Normen, ob sie sich funktional auf die Erhaltung eines guten Gemeinwesens beziehen lassen. Aber das gute Gemeinwesen ist seinerseits ein solches, das seine Rechtfertigung nicht in seiner puren Selbstbehauptung, sondern in seinem schönen Lebensvollzug findet, im harmonischen Verhältnis aller Zwecke und aller zweckgerichteten Künste zueinander.

Robert Spaemann/Reinhard Löw: Natürliche Ziele. Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens. Stuttgart 2005.

Freitag, 24. April 2009

Habemus Papam - Jahrestag der Thronbesteigung Benedikt XVI.

Heute jährt sich zum vierten Mal das Datum der Besteigung der Cathedra Petri durch unseren verehrten und geliebten Papst Benedikt XVI. Möge Gott ihm auch weiterhin Milde, Weitsicht und Kraft schenken um die Christenheit durch diese Zeiten zu führen und zu stärken - nie im Gehorsam gegenüber der Welt, aber stets demütig seinem göttlichen Auftrag folgend.

Die Anklage auf Tyrannei wird vor allem gegen die römische Kirche erhoben. Unsinnigerweise vergleicht man sie manchmal mit dem politischen Absolutismus. Gegen sie richten sich sogar die Einwände vieler Christen, obwohl diese die Notwendigkeit einer sichtbaren Autorität anerkennen. Dagegen meint der Katholik vor allem sie, wenn er von der Kirche als Mutter spricht. Gleich der Überlieferung betrachtet er sie nämlich als "Wurzel und Mutter der katholischen Kirche", als "Mutter und Herrin aller Kirchen", als "Mutter und Herrin aller Gläubigen Christi". Ihr Haupt sieht er als "Haupt des Episkopates", als "den Vater des ganzen Christenvolkes" und, wie der hl.Ignatius von Loyola sagte, als "den Herrn des ganzen Hauses Christi" an. der Römische Stuhl ist für ihn der "Heilige Stuhl", der "Apostolische Stuhl" schlechthin. Er weiß, daß Petrus nicht allein die Lämmer anvertraut worden sind; daß Jesus selber darum gebeten hat, Petrus möge in seinem Glauben nicht wanken; daß Er Petrus die Schlüssel des Himmelreiches übergeben und ihm geboten hat, all seine Brüder zu stärken. Er versteht, daß Petrus die ganze Kirche verkörpert und daß, wie jeder Bischof der Gemahl seiner besonderen Kirche ist, Petrus als Bischof von Rom auch der Gemahl der allumfassenden Kirche genannt werden darf. Im Gegensatz zu einem Einwand, der auf Verkennung beruht, begreift der Katholik auch, daß dieser sichtbare Grundstein Christus als dem einzigen Grundstein ebensowenig Abbruch tut wie der sichtbare Hirt dem 'Guten Hirten'; denn jener zählt nicht neben diesem (...).
Der Katholik anerkennt und begreift nicht nur, sondern freut sich auch darüber, daß sich die Kirche gleichsam in Petrus verdichtet. Er läßt sich von denen nicht beirren, die ihm begreiflich machen wollen, er habe "den Sinn für die Ganzheit der Kirche verloren", und finde sich aus Gehorsam gegenüber der päpstlichen Gewalt damit ab, nur einen Glauben auf Befehl und aus Konvention zu haben (...). Wird die Existenz des Kreises dadurch aufgehoben, daß man die Notwendigkeit seines Mittelpunktes zeigt? Wird der Leib dadurch zerstört, daß man sein Haupt anerkennt? Diesen äußerlichen Erklärungen, die einer optischen Täuschung entspringen, begegnet der Katholik mit der Evidenz seines Glaubens (...).
Ohne die kleinlichen Vorbehalte, welche die Gallikaner gemacht haben, anerkennt der Katholik also, daß dem Papst "die allumfassende Kirche anvertraut ist". Deshalb betrachtet er ihn als "den höchsten Richter der Gläubigen" und als den Träger "der Fülle der Gewalt" in der Kirche. Deshalb sagt er mit dem hl.Ambrosius "Ubi Petrus, ibi Ecclesia". In Petrus sieht er sowohl den unerschütterlichen Felsen, auf dem seine eigene Festigkeit beruht, wie "den Mittelpunkt der Wahrheit und der katholischen Einheit", den einzigen sichtbaren Mittelpunkt aller Kinder Gottes. In der Autorität des Petrus sieht er die Stütze seines Glaubens und das Unterpfand seiner Verbundenheit. Seine Treue zum christlichen Glauben verkörpert sich also in seiner Treue zu Petrus, seine Liebe zur christlichen Einheit in seiner Liebe zu Petrus. Unabhängig vom äußeren Geschehen hängt er an ihm mit allen Fibern seines Herzens.
Henri de Lubac: Betrachtungen über die Kirche. Graz 1954.

Donnerstag, 23. April 2009

Zum Gedenktag des Hl.Georg: Unter dem Banner des Kreuzes unbesiegbar

Aus einer Predigt des Hl.Petrus Damiani zu Ehren des heiligen Georg, dessen die Kirche heute gedenkt.

Meine Lieben, das heutige Fest verdoppelt die Freude über die Osterherrlichkeit. Es ist wie eine kostbare Perle, die das Gold, in das sie eingefügt wird, mit dem Schimmer ihres eigenen Glanzes überstrahlt.
Von einem Kriegsdienst trat Georg über zu dem andern, weil er den irdischen Dienst eines Kriegsobersten mit dem Bekenntnis zum Kriegsdienst Christi vertauschte. Wie ein wahrhaft entschlossener Ritter gab er zuerst seine Habe den Armen und tat die Last irdischen Besitzes von sich ab. Auf diese Weise frei und ungehindert, mit dem Panzer des Glaubens angetan, stürzte sich der Krieger Christi begeistert in das dichte Getümmel des Kampfes. So werden wir zuverlässig belehrt, daß keiner tapfer und erfolgreich für die Verteidigung des Glaubens kämpfen kann, der sich vor dem Verlust irdischer Güter fürchtet.
Vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt und unter dem Schutz des Kreuzesbanners, war der heilige Georg unbesiegbar. Er begann den Kampf mit dem bösen König, um den Fürsten alles Bösen in seinem Vasallen zu besiegen und um den Geist der Krieger Christi zu tapferen Kämpfen anzueifern.
Der höchste, der unsichtbare Kampfrichter war zugegen. Darum durften nach dem Willen der Vorsehung die Hände der Bösen wüten. Gott überließ den Händen der Henker die Glieder seines Zeugen. Doch der Seele gab er als unbezwingliche Feste die Burg des Glaubens und wachte über sie mit dem unbesiegbaren Schutz seiner Obhut.
Liebe Brüder, darum genügt es uns nicht, diesen Kämpfer im Kriegsdienst des Himmels bloß zu bewundern, wir müssen ihn auch nachahmen. Schon jetzt soll sich der Geist erheben und zum Siegespreis der himmlischen Herrlichkeit aufschauen. Wenn das Herz in der Betrachtung fest darauf gerichtet ist, wird es uns nicht kümmern, ob die Welt schmeichlerisch zustimmt oder mit Feindschaft droht und schreckt, was sie sicher tun wird.

Novalis: Staat und Eigennutz

(…) Das Prinzip des alten berühmten Systems ist, jeden durch Eigennutz an den Staat zu binden. Die klugen Politiker hatten das Ideal des Staates vor sich, wo das Interesse des Staats, eigennützig, wie das Interesse der Untertanen, so künstlich jedoch mit demselben verknüpft wäre, dass beide einander wechselseitig beförderten.

An diese politische Quadratur des Zirkels ist sehr viel Mühe gewandt worden; aber der rohe Eigennutz scheint durchaus unermesslich, antisystematisch zu sein. Er hat sich durchaus nicht beschränken lassen, was doch die Natur der Staatseinrichtung notwendig erfordert. Indes ist durch diese förmliche Aufnahme des gemeinen Egoismus, als Prinzip, ein ungeheurer Schade geschehen und der Keim der Revolution unserer Tage liegt nirgends, als hier.

Mit wachsender Kultur mussten die Bedürfnisse manigfacher werden, und der Wert der Mittel ihrer Befriedigung um so mehr steigen, je weiter die moralische Gesinnung hinter allen dieser Erfindungen des Luxus, hinter allen Raffinements des Lebensgenusses und der Bequemlichkeit zurückgeblieben war. Die Sinnlichkeit hatte zu schnell ungeheures Feld gewonnen. In eben dem Verhältnisse, als die Menschen auf dieser Seite ihre Natur ausbildeten, und sich in der vielfachsten Tätigkeit und dem behaglichsten Selbstgefühl verloren , musste ihnen die andere Seite unscheinbar, eng und fern vorkommen. Hier meinten sie nun den rechten Weg der Bestimmung eingeschlagen zu haben, hierher alle Kräfte verwenden zu müssen. So wurde grober Eigennutz zur Leidenschaft, und zugleich seine Maxime zum Resultat des höchsten Verstandes; und dies machte die Leidenschaft so gefährlich und unüberwindlich (…) Durch Betrogenwerden lernt man Betrügen und wie bald ändert sich da nicht das Blatt, und der Meister wird Schüler seines Schülers. Ein dauerhaftes Glück macht nur der redliche Mann, und der rechtliche Staat. Was helfen mir alle Reichtümer, wenn sie sich bei mir nur aufhalten, um frische Pferde zu nehmen und schneller ihre Reise um die Welt zurückzulegen? Uneigennützige Liebe im Herzen und ihre Maxime im Kopf, das ist die alleinige, ewige Basis aller wahrhaften, unzertrennlichen Verbindung (…)


Novalis: Glauben und Liebe oder: Der König und die Königin, Nr. 36

Montag, 13. April 2009

Frohe Ostern und Abwesenheit

Christus hat uns erlöst und ist auferstanden! Daher von Herzen allen Lesern frohe Ostern!

Die ganz Gewitzten unter der denen, die diesen Blog regelmäßig aufsuchen, haben vermutlich gemerkt, dass ich letzte Woche nichts geschrieben habe, was weniger eine Folge intensiver Frömmigkeit, als mehr die Folge der Situation war, ohne Internet-Anschluß zu sein. Das wird vermutlich auch etwa noch zwei Wochen so bleiben. Nur Ende der Woche werde ich mal kurz reinschauen können.

In diesem Sinne bis dann!

Sonntag, 5. April 2009

Zur Karwoche: Romano Guardini: Vollendung

Wenn wir hören, wie Jesus feierlich in Jerusalem einzieht und mit Wort und Handlung seinen Willen offenbart, als Messias erkannt zu werden, so erwarten wir, ihn während der nächsten Tage in heftigem Kampf zu sehen. Lesen wir aber dann die Berichte, so sind wir überrascht. Wie soll man die Haltung Jesu während dieser Tage ausdrücken? Was tut er eigentlich? Kämpft er? Sicher gibt er nichts preis. Bis zuletzt hält er seinen Anspruch aufrecht. Bis zuletzt sogar die Möglichkeit, daß er gehört werden könne. Immer noch kann das Reich kommen. Die führenden Persönlichkeiten können ihn noch aufnehmen; das Volk kann sich ihm zuwenden. Er sieht aber auch, daß tatsächlich die Entscheidung gefallen ist, und sein Weg in den Tod führt. Er kämpft nicht, um das Volk auf seine Seite zu bringen, oder dessen Führer zu gewinnen; zieht sich aber auch nicht in eine bloße Bereitschaft zurück, die auf das Schicksal wartet. Was tut eigentlich Jesus?
Es ist wohl nicht anders auszudrücken: Er bringt das Aufgetragene zu Ende. Immer wieder sagt er, was gesagt werden muß. Immer aufs neue bezeugt er, worum es geht. Immer wieder stellt er die Forderung Gottes hin. Dabei hat er keinen vorgefaßten Plan, sondern folgt der Stunde, wie sie sich bildet. Weder weicht er aus, noch greift er an; weder verzichtet er, noch ist er geschäftig, um zu gewinnen. Er vollendet. Er tut, was seinen letzten Ausdruck in den Worten vor seinem Tode finden wird: "Es ist vollbracht" (Joh 19,30). Daher das Mächtige, Entscheidungsgesättigte dieser Tage - und zugleich ihre eigentümliche Stille. Etwas wird klargestellt. Etwas von schlechthinniger Bedeutung wird endgültig ins Klare gebracht.

aus: Romano Guardini: Der Herr. Freiburg 1980.

Samstag, 4. April 2009

Johannes Calvin: Maria - unser Vorbild

Zum 500. Geburtstag des schweizer Reformators Johannes Calvin hier ein Teil aus einer aus einer Bibelauslegung über die Gottesmutter:
Lernen wir, der Jungfrau solche Autorität zu geben, wie ihr zukommt, denn sonst könnten wir unseres Heiles nicht gewiß sein: man muß nicht auf ihr Verdienst schauen, wie auch sie uns ermahnt in dem Wort, daß Gott nur auf ihre Niedrigkeit geschaut und sie aus reiner Gnade erwählt habe. Aber es soll, uns genügen, daß Gott sich ihrer an dieser Stelle bedienen wollte. Und wir sollen auch erkennen, daß wir sie als Lehrmeisterin annehmen und halten, und bei der Lehre, die aus ihrem Zeugnis hervorgeht, bleiben müssen. Denn es ist gewiß, daß der heilige Lukas diese Dinge nur gekannt hat durch ihre Vermittlung zur gegebenen Zeit, so daß (also) selbst die Apostel ihre Schüler waren! Aus welchem Grunde? Weil Gott ihr diesen unermeßlichen Schatz zur Bewahrung anvertraut hat. Denn wie wir sehen werden und schon kurz angedeutet haben, ist hier (Luk 1,26-30), die ganze Summe unseres Heils enthalten! So haben die Apostel nichts gewußt von einer so hohen und herrlichen Sache, außer durch die Belehrung der Jungfrau Maria. Gott hat also den Stolz der Welt demütigen wollen an dieser Stelle, damit wir in aller Demut all das im Glauben umfangen, was wir von ihr erfahren, wiewohl es auch nur durch den Mund einer Frau verkündet wird! ... Tun wir es (doch) der Jungfrau Maria gleich und sagen (auch) wir: Herr, "mir geschehe nach deinem Wort!" ... Dahin müssen wir kommen ..., daß sein Wort vor uns hergehe und uns führe. Und dann sollen wir wissen, daß es zu seinem Ziele kommen wird, daß es nichts enthält, was Gott nicht erfüllen würde und das er nicht ausführe, wie es ihm gut scheint. Wir haben also den Unterricht, den uns die Jungfrau Maria gibt, die uns eine gute Lehrmeisterin ist, sofern wir aus ihrer Schule Nutzen ziehen, wie es sich gehört, indem wir bitten, es möge uns nach dem Wort Gottes geschehen.

Johannes Calvini Opera, Band 46. nach: Tappolet, Walter: Das Marienlob der Reformatoren.
Außerdem zum Thema: FAZ.

Freitag, 3. April 2009

Attende Domine

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.
Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

Ad te Rex summe, omnium Redemptor, oculos nostros
sublevamus flentes: exaudi, Christe, supplicantum preces.

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

Dextera Patris, lapis angularis, via salutis,
ianua caelestis, ablue nostri maculas delicti.

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

Rogamus, Deus, tuam maiestatem: auribus sacris
gemitus exaudi:crimina nostra placidus indulge.

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

Tibi fatemur crimina admissa: contrito corde
pandimus occulta: tua, Redemptor, pietas ignoscat.

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

Innocens captus, nec repugnans ductus; testibus falsis
pro impiis damnatus quos redemisti, tu conserva, Christe.

Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

---

GL 160 wird oft als deutsche Version von Attende domine ausgegeben, wird aber lediglich auf die Melodie gesungen und ist ihm thematisch verwandt. Daher im folgenden eine eigene Rohübersetzung, völlig unpoetisch.

Wende dich uns zu Herr, und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.
Wende dich uns zu Herr , und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Zu dir, dem höchsten König, unser aller Erlöser, erheben wir unsere Augen
Unter Tränen: Höre, Christus, das Bußgebet!

Wende dich uns zu Herr, und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Rechte Hand des Vaters, Eckstein, Weg der Erlösung,
Pforte des Himmels, wasche ab die Schande unsere Sünde.

Wende dich uns zu Herr, und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Wir ersuchen dich, Gott, in deiner Majestät, mit deinen heiligen Ohren
Höre unser Seufzen: Vergib in Milde unsere Frevel.

Wende dich uns zu Herr , und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Dir bekennen wir unsere begangenen Sünden mit zerknirschtem Herzen
Wir decken die verborgenen Dinge auf, in deiner Güte, Erlöser, beachte sie nicht.

Wende dich uns zu Herr, und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Der Unschuldige, gefangen, widerstrebte nicht hingerichtet zu werden, anhand falscher Zeugen wurde er durch Frevler verurteilt. Die du erlöst hast, bewahre sie, Christus.

Wende dich uns zu, und erbarme dich, denn wir haben gegen dich gesündigt.

Größenwahn bis zum Schluß, oder: Goebbels über Franco

Wenn mir beim Arbeiten in der Bibliothek ganz langweilig lese ich immer ein paar Seiten aus den von Rolf Hochhuth herausgegebenen Tagebüchern von Jospeh Goebbels von 1945.
Das ist aus mehreren Gründen recht interessant: (1.) Man kann sehen, wie man sich selbst belügen kann, (2.) man bekommt ein bisschen Einblick in das mit- und gegeneinander von Hitlers Hofschranzen, (3.) man sieht wie der so stolze Goebbels letztlich nur noch darauf schielt, welcher ausländische Staatsschef oder welches feindliche Parlament vielleicht eine Wortwahl benutzt haben könnte, die unter Umständen vermuten ließe, dass sie eventuell einem Friedensschluß geneigt sind, (4.) Goebbels schaut genau auf den Kriegsverlauf in seiner Heimat, die so einigermaßen auch meine ist, daher bekomme ich ein Bild von den Kämpfen in meiner Heimatgegend.

Goebbels bringt aber auch ein paar echte Schoten, er motzt sehr gerne über Leute, von denen er gern hätte, dass sie helfen, was sie aber seiner Ansicht nach nicht genug tun - irgendjemand muss ja Schuld sein und nach der Lektüre der Tagebücher weiß man, dass Goebbels sich jedenfalls nicht für den Schuldigen hielt (und Hitler schon gar nicht...). Also schreibt er, besonders verwegen: am 2.3.1945 in sein Tagebuch, also einige Wochen vor seinem Selbstmord und dem totalen Zusammenbruch des Deutschen Reiches, über Franco, der danach immerhin noch dreizig Jahre regiert hat:


"In Spanien macht man jetzt in Falangismus. Es sind ein paar von Kommunisten ermordete Falangisten beerdigt worden. Die spanische Presse nimmt das zum Anlaß eine ausgesprochen antibolschewistische Kamapagne zu starten. Aber dahinter steht natürlich kein politischer Ernst. Franco ist eine ausgesprochene Krampfhenne. Er bläht sich, wenn ihm die Gelegenheit günstig erscheint, ungeheuer auf: wenn die Gelegenheit aber vorbeigegangen ist; dann wird er wieder kleinlaut und feige."


Man könnte ja denken, dass Goebbels angesicht der Lage die Idee kommen würde, dass Franco vielleicht etwas richtig machte, was zu den Dingen gehörte, die Hitler & Goebbels falsch machten. Diese Idee blieb aus. Die Realität war fern und Goebbels talentiert und verrückt wie immer.

Mittwoch, 1. April 2009

Josef Pieper: Größe und Würde der Herrschaft

Es ist eine unserem "sozialtechnischen" Denken naheliegende Illusion, zu meinen, die rein organisatorische Vervollkommung des politischen Lebens, etwa durch den Einbau selbsttätiger Kontrollorgane, könnte jemals die Gerechtigkeit als Tugend überflüssig machen, das heißt, den beständigen Willen [des Einzelnen, natürlich!], einem Jedem das Seine zu geben. Wenn es freilich eine utopische Erwartung ist, daß es gerechte Herrschaft in der Welt geben könnte, und wenn es eine utopische Zielsetzung ist, daß die menschenbildnerische Anstrengung eines Volkes sich vornehmlich darauf richten sollte, die junge Generation, vor allem den Führungsnachwuchs, zu gerechten Männern zu machen - dann gibt es keine Hoffnung. Dies allerdings ist unerläßlich; daß der Sinn für die Größe und Würde der Herrschaft und des Regierens dem Gemeinbewußtsein zurückgewonnen wird - nachdem die "Intellektuellen" der vergangenen hundert Jahre geradezu definiert gewesen sind durch die Ironisierung sowohl der "Obrigkeit" wie des "Untertanen" mit dem Resultat, daß selbst die Worte kaum noch unbefangen ausgesprochen und aufgefaßt werden können. ... Wenn das politische Leben seine Würde wiedererlangen soll, dann muß im Volke das Gefühl für die Größe des Regierens und für den damit verknüpften hohen menschlichen Anspruch wiederhergestellt werden. Dies bedeutet präzis das Gegenteil totalitärer Machtverrlichung. Gemeint ist, daß durch eine immer wieder neu zu leistende Bemühung des Lehrens und Bildens im Volke eine verbindliche Vorstellung geschaffen werde von den menschlichen Voraussetzungen der Machtausübung. Es müßte zum Beispiel auch für das schlichteste Denken klar und selbstverständlich sein, daß, wo Klugheit und Gerechtigkeit fehlen, die entscheidende menschliche Tauglichkeit für eine sinnvolle Machtausübung nicht da ist.

Quelle: siehe oben.