Sonntag, 31. Mai 2009

Gloria in excelsis deo - Pfingsten und Haydn

Zum Lobe Gottes für die Aussendung des Hl.Geistes und zur Erinnerung an Joseph Haydn, dessen 200.Todestag heute ist, ist hier das Gloria aus Haydns "Harmoniemesse" zu hören.

Samstag, 30. Mai 2009

Gebet zu Pfingsten



Das Schlußgebet der Pfingstnovene:

Allmächtiger Vater, der Heilige Geist entflamme uns mit dem Feuer, das unser Herr Jesus Christus auf die Erde gebracht, auf dass es mächtig entbrenne. Wir rüsten uns zum Festtag, an dem der Heilige Geist uns als Gabe geschenkt wurde. Entzünde in uns die Sehnsucht nach den himmlischen Gütern, damit wir nach ihm dürsten, der die Quelle des Lebens ist.

Freitag, 29. Mai 2009

Europawahl 2009: Christa Meves und AUF

Wir brauchen eine neue Partei, die es den Bürgern dieser Republik möglich macht, wieder Mut zu fassen und die verdrängte Wahrheit auf so vielen Gebieten unseres Lebens nicht länger zu vergraben. Menschen mit einem gesunden Menschenverstand, die sich für die Zukunft unserer Kinder und Enkel mitverantwortlich fühlen, spüren, dass wir eine Regierung brauchen, die sich für dieses Wohl dergestalt einsetzt, dass wir auf Erfolg hoffen können.

Es ist nicht auf Erfolg zu hoffen, wenn Abtreibung praktisch erlaubt (weil von den Krankenkassen bezahlt) wird; denn dadurch fehlen uns jetzt bereits 8 Millionen arbeitsfähige Menschen, die den Alten die Renten erarbeiten. Die AUF-Partei wird deshalb eine klare Einhaltung des Grundgesetzes durchsetzen.

Es ist nicht auf Erfolg zu hoffen, wenn der wichtigste aller Berufe, die Mutterschaft weiter so ins Abseits gestellt wird und Mütter in der unvernünftigsten Weise benachteiligt, ja diskriminiert werden. Die AUF-Partei wird der Familie, als der unaufgebaren Keimzelle der Gesellschaft, wieder zu ihrem Recht, der notwendigen Unterstützung und Anerkennung verhelfen.

Es ist nicht auf Erfolg zu hoffen, wenn man die Kinder bereits vom Säuglingsalter ab der familiären Liebe und des familiären Nestes beraubt. Die AUF- Partei wird dafür sorgen, dass diese wichtigste aller Arbeiten so honoriert wird, das Trennungen von den kleinen Kindern nicht geschehen müssen, damit die Familie genug Brot hat. Die AUF-Partei wird dafür sorgen, dass praktiziertes Christentum wieder zur ethischen Grundlage unserer Gesellschaft wird; denn die Geschichte hat gelehrt, entsittlichte, sexualisierte Gesellschaft ohne Gott bewirkt ihren Ruin und ihren Untergang.

Es ist nicht auf Erfolg zu hoffen, wenn man die Kinder einem verwirrenden Schulchaos ohne ethische und pädagogische Linie aussetzt. Mit absinkendem Leistungsniveau lässt sich Konkurenz mit anderen Gesellschaften nicht halten. Das Programm der AUF-Partei ist deshalb ein Rettungsprogramm, das in später Stunde dringend nötig ist. Die Zukunft lässt sich nur so gewinnen. Deshalb stehe ich voll hinter diesem wohl begründeten Anfang und wünsche der neuen Partei, dass sie rasch wächst - auf dem Boden der Einsicht von vielen besorgten Bürgern unseres Landes.

Grußwort von Christa Meves zum Auftakt der zentralen Europa-Kampagne der AUF-Partei.

Samstag, 23. Mai 2009

Günter Rohrmoser: Die Rückkehr der Religion und der Rechten?

Für uns heute [ist es] selbstverständlich, dass die Modellform, nach der wir unsere Verfassung und unseren Staat gestalten, die säkulare Gesellschaft ist. In der säkularen, der religionsfreien Gesellschaft verschwindet die Religion nicht, aber sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und wird eine Privatangelegenheit, so wie ein Mensch sich entscheidet, entweder einem Taubenzüchterverein, oder einem anderen Verein anzugehören. Das heißt, dieses Selbstverständnis, dass wir noch glauben, uns voll auf der Schiene und in der Perspektive der Moderne auf eine Welt der reinen und totalen Säkularität hin zu bewegen, ist eine extreme Anomalie. Dazu brauchen wir gar nicht die Welt im Ganzen, sondern wir brauchen nur die Wahlergebnisse der Länder um uns herum zur Kenntnis nehmen. Wir mögen zwar Herrn Berlusconi nicht, aber dass eine Rechte-Mitte-Partei den größten Zuwachs errungen hat und aus dem Parlament Italiens alle kleinen sozialistischen bis linken Parteien verschwunden sind, bedeutet für die politische Entwicklung Italiens eine revolutionäre Veränderung, und zwar nicht nach links, sondern nach unseren Sprachregelungen nach rechts. Und wenn wir an den Sieg von Sarkozy in Frankreich denken, dann vergessen wir, dass Präsident Sarkozy seinen Sieg errungen hat mit dem Ziel, das Erbe der Achtundsechziger in Frankreich zu liquidieren. Er versucht jetzt eine Diskussion in Frankreich in Gang zu bringen, die das laizistische Grundverständnis des französischen Staates zu einem positiveren Verhältnis zur Religion hin verändern will. Oder nehmen wir England. Da liegt trotz ihrer erwiesenen Leistungen die Labourpartei bei 22 Prozent, und die Konservativen, rechts von der Mitte, bei 44%. Oder wenn man nach Russland kommt und an der Debatte teilnimmt, in der die Frage nach dem geistigen Fundament des neuen Russland gestellt wird. Wer fragt denn bei uns noch nach dem geistigen Fundament dieses Staates? dann lautet die Antwort von Putin, dass das drei entscheidende Prinzipien sind: Geschichte, Religion und Nation. Ein klassischeres, konservativeres Programm kann man sich überhaupt nicht denken, und das in einem Land, in dem der Kommunismus 60 Jahre lang die radikalste Form angenommen hat. Auch in Amerika könnten wir genauso erstaunliche Dinge beobachten. In Südamerika ein Vordringen der Pfingstler mit geradezu Massenbewegungscharakter, das heißt, wohin wir schauen, kehrt die Religion zurück. Das wird die Politik und die Weltgeschichte ganz anders gestalten, als wir uns das vor 20-30 Jahren noch vorgestellt haben. Es ist ein weltgeschichtlicher Umbruch, der sich da vor unseren Augen vollzieht.

aus: Der Artikel mit dem die Kirche steht und fällt, Gesellschaft für Kulturwissenschaft 2008.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Friedrich Wilhelm Graf zum "Fall Kermani" oder: Ein Theologe schwafelt

In der online-FAZ findet sich ein Aufsatz des Münchner "systematischen Theologen" (katholisch würde man sagen: Dogmatiker) Friedrich Wilhelm Graf. Professor Graf ist einer der letzten (der letzte?) Jünger Friedrich Schleiermachers. Graf stellt sich in der fraglichen Kontroverse gegen Kardinal Lehmann und den eh. Kirchenpräsidenten Steinacker auf die Seite Navid Kermanis. Es ist wohl nicht uninteressant zu Wissen, dass Grafs "Leuchtturm" Schleiermacher, die Kreuzestheologie hintan stellte und einen einerseits sehr philosophierenden, andererseits rein auf das Gemüt beschränkten Glauben lehrte. Mir geht es im Grunde aber gar nicht um die Auseinandersetzung um den hessischen Kulturpreis, sondern um die Art und Weise, die Graf benutzt, um sich zu artikulieren: Er schwafelt.

Kermani sei ein "Religionsintellektueller" - was das wohl sein mag? Jedenfalls beschäftigt er sich - nach Gräf - mit den "in sich spannungsreichen christlichen Symbolwelten". Es scheint heute zum guten Ton zu gehören, dass man Dinge, die es nur einmal gibt, trotzdem im Plural anführt. Einen Sinn kann ich darin nicht entdecken, außer dass es sich vielleicht für einen Religionsintellektuellen (wie Graf?) bestimmt gut anhört... Kermani nun jedenfalls schreibe "wie viele christliche Gottsucher der Moderne" "als behutsam Tastender, aber auch provokativ Zuspitzender". Wortgeklingel und eine eigenartige Verbindung. Ich hätte für die christlichen Gottsucher der Moderne übrigens einen Hinweis: Gottes Selbstoffenbarung in Jesus Christus. Falls das für einen Religionsintellektuellen nicht zu trivial ist. Sollte Kermani also Probleme mit einem Kruzifix haben, so ist doch daran zu denken, dass "in den Bilderstürmen der Reformation Tausende von Christusbildern und Kruzifixen," zerstört wurden, weil die Anhänger der Reformatoren "in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen". Na, dann muß es ja stimmen. Aber halt - war nicht Luther persönlich aus seinem Versteck gekommen, um diesem Treiben einhalt zu gebieten? Aber Luther ist nicht Gräfs Anhaltspunkt. Dann doch eher Hegel. ...
"Man wird von einem Kardinal keine innere Distanz zu volksfrommer katholischer Bildmagie, der Anbetung Christi im Kreuzesbild, erwarten dürfen." Ah, mal wieder ein Griff in die Trickkiste antikatholischer Polemik. Fragt sich nur, ob Herr Gräf es nicht besser weiß oder hier einfach ein bisschen rumpöbeln will. Ich empfehle einen Gang in die katholische Abteilung der theologischen Bibliothek, Schlagwort "Frömmigkeit/Spiritualität und Kruzifix". Möglich wäre auch "religiösea Bild". OPAC macht den Rest, nur Mut!
"vom protestantischen Kirchenpräsidenten wünschte man sich schon ein wenig gebildetes Verständnis dafür, dass „das Kreuz“ ein polyvalentes, in der Christentumsgeschichte fortwährend umstrittenes Symbol ist." Herr Gräf erliegt hier der Täuschung, dass eine Diskussion über eine Sache gleichzeitig bedeutet, dass alle Meinungen gleich richtig oder jedenfalls gleich tolerierbar für jeden sein müssen. Aber ein hübsches Fremdwort: "polyvalent".
"Kermanis These, der Jude Jesus von Nazareth sei „nicht Sohn Gottes“, haben zahlreiche Theologen vertreten." Graf lässt hier bewusst offen, wer das gewesen ist. Damit tut er aus seiner Sicht das richtige - denn alle Theologen, die das vertreten haben, haben sich aus dem Grundkonsens des Christentums verabschiedet. Sich ausdrücklich auf einen solchen zu berufen, würde deutlich machen, dass im christlichen Glauben eben doch nicht alles geht.
"Kein anderes Problemfeld christlicher Lehre ist so umstritten wie die Soteriologie, die begrifflich voraussetzungsreiche Lehre von der Heilsbedeutung Jesu Christi und seines Kreuzestodes." Problemfeld, umstritten... Nur weil Herr Graf mit der seit alters her überlieferten Lehre nicht klar kommt, ist diese noch lange nicht umstritten. Und selbst wenn - eine Diskussion um eine Sache bedeutet nicht "anything goes". Aber es mag sein, dass Professor Graf mit seiner Auffassung des Kreuzestodes Kermani näher steht als dem, was der christliche Glaube uns überliefert.
"Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag „das Kreuz verehrt“. Ich dachte bisher, dass für Christen nicht „das Kreuz“, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist." Bitte beim Besuch in der katholischen Seminarbibliothek dieses Thema auch gleich nachschauen. Bitte besonders Wert darauf legen, dass man Kreuz und Gekreuzigten nicht trennen kann und christlicher Glaube, insbesondere katholischer Ausprägung, eben kein "drüber nachdenken und vielleicht für richtig halten" ist, sondern ein bauen des Lebens auf die Inkarnation des Gottessohnes, mit allem, was dazu gehört.
Kermani nimmt den Gekreuzigten ernst, indem er in Renis Christus den idealen Repräsentanten der sterblichen Menschheit sieht: „jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort“ . "Ernst nehmen" ... Sonst: Damit wären wir dann wieder bei der "Solidarität Gottes angekommen". Es bleibt die Frage: Was habe ich davon, wenn es Gott auch schlecht geht?".
Selbst seine [Kermanis] Behauptung „die katholische Vorstellungswelt erscheint mir heidnisch“ („Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. Mai) entspricht nur altem reformatorischem Urteil. Reformatorischem Unverständnis wäre wesentlich passender. Ich wüßte jetzt übrigens auch ein paar alte katholische Urteile über die Reformation. Will Herr Graf tatsächlich dorthin zurück, um Kermani zu decken?
"vielen christlichen Theologen zu den eigenen Überlieferungen nur noch hohle Formelsprache, lebensferner Klerikaljargon einfällt." *Heiterkeit* Ob Herr Graf, als Religionsintellektueller, seine eigene Formelsprache, seinen lebensfernen Jargon nicht mehr bemerkt?
"Lehmanns Unterstellung, dass Kermani noch kein relevantes Lebenswerk vorzuweisen habe, ist christlich ruinös. Ein Blick aufs „Ganze“ eines Menschenlebens steht selbst einem Kardinal nicht zu Gebote." Ach, Herr Graf, welche unsinnige Verbindung...
Am Schluß dann noch ein paar Zeilen, in denen er Roland Koch irgendwie als politischen Sklaven des Vatikans hinstellen will. Schwach, Herr Graf, ganz schwach. Aber sich preisverdächtig.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Der Erzengel Michael - Patron der Deutschen

„Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die in der Welt umhergehen, um die Seelen zu verderben, durch die Kraft Gottes in die Hölle“
Papst Leo XIII.

Sonntag, 17. Mai 2009

Günter Rohrmoser: Gott nach Auschwitz?

Wir waren der Meinung, ein Gott der Auschwitz zulässt, ist nicht mehr glaubwürdig. Es hieß: Ist Gott allmächtig, dann hätte er Auschwitz verhindern müssen und ist Gott gnädig, dann hätte er es auch tun müssen. Er hat es aber zugelassen, also ist er weder allmächtig noch gnädig, und es ist die Pflicht jedes Menschen, sich von einem Gott abzuwenden, der so etwas geschehen lässt, obwohl er es verhindern könnte. Große Philosophen unserer Zeit haben sich dieses Rätsel verdeutlicht, indem ein Mann wie Hans Blumenberg sagt, dass das Kreuzesgeschehen der Ort ist, an dem Gott seines Scheiterns an seiner eigenen Schöpfung geständig geworden ist. Eine Auflehnung gegen das Kreuz. Welch ein Wahnsinn! Wie kann ein guter Gott einen schuldlosen Menschen so elendig zu Grunde gehen lassen, um dann dies, was der gewonnen hat, anderen anzurechnen? So wie Michel Friedman vor Jahren rief: „Nehmt den Jesus vom Kreuz! Holt ihn herunter!“ Da nähern wir uns dem Kern der Herausforderung, vor der heute nicht nur das Lutherische, Evangelische, sondern das Christentum insgesamt steht. Es ist der entscheidende Punkt und ich will dazu nur sagen: Wenn wir Gott an diesen Maßstäben messen, die wir selber aufgerichtet haben, dann schreiben wir Gott vor, wie er sich verhalten muss, damit wir bereit sind, ihn anzuerkennen. Das heißt, dann machen wir uns selber zu Gott. Dann richten wir über Gott und kommen zu dem Ergebnis, wir sind viel besser als dieser Gott. Wir moralisch anständigen Menschen würden so was nicht zulassen. Aber ein Gott, der bemessbar ist an den Maßstäben und letztlich an dem moralischen Urteil des Menschen, das ist ein Götze, eine Fiktion, das ist kein Gott. Wir stehen vor diesem Geschehen und keiner kann sagen, warum Gott das zugelassen hat. Darauf gibt es keine Antwort, denn da stehen wir vor dem dunklen, rätselhaften Gott. Luther meinte dazu: Glauben ist, diese Spannung auszuhalten des Stehens zwischen dem Gott des Heils und dem sich verstellenden und verdüsternden Gott in den Geschicken dieser Welt und auch in den persönlichen Schicksalen der Einzelnen, die genauso grauenhaft von den Betroffenen empfunden werden wie die großen Weltereignisse. Diese Spannung ausstehen heißt, dass der Glaube nur lebendig bleibt in der Anfechtung. Nicht der Zweifel ist das Problem, sondern die Anfechtung. Ein Glaube, der sich nicht der Welt und ihren Erfahrungen aussetzt, ist kein Glaube im Sinne der Reformation Luthers. Die Anfechtung ist das Entscheidende. Er rettet sich aus dem unbegreiflichen Zuschlagen Gottes in die Gewissheit, dass Gott als der treue Gott zu seinem Heil und seiner Heilszusage steht. Und der große Humanist und manchmal Heide, Goethe, hat über sein Leben in „Dichtung und Wahrheit“ den Satz geschrieben: „Nemo contra Deum, nisi Deus ipse“ – Niemand vermag etwas gegen Gott, es sei denn Gott selbst.


Auszug aus einem Vortrag von Günter Rohrmoser in der Evang. Friedenskirche Reudern am 7. Mai 2008: "Der Artikel, mit dem die Kirche steht und fällt", den mir dankenswerter Weise ein treuer Leser aus dem schwäbischen zur Verfügung gestellt hat. Der gesamte Vortrag ist zu beziehen bei der Gesellschaft für Kulturwissenschaften, Publikationen.

Freitag, 15. Mai 2009

Verbot der Werbung für Alkohol?

Das "Blaue Kreuz" fordert ein Verbot der Alkoholwerbung, die maßgebliche Begründung liegt in der Empfänglichkeit von Jugendlichen in der Pubertät für Alkoholwerbung.

Ist es nicht auffällig, dass in unseren Tagen, wo moralisch bestenfalls der Grundsatz "Erlaubt ist, was gefällt" Geltung haben soll, auf der anderen Seite eine Art Verbotswahn um sich greift? In Auswahl: Tabakwerbung (inkl. dieser Aufkleber auf Zigarettenpackungen), nun Alkoholwerbung, "Killer"-PC-Spiele, Waffenbesitz, Rauchen in Gaststätten, eigene Kriterien beim Umgang mit seinem Besitz (genannt: "Antidiskriminierung").

Die "neue Moral" ist rigoros gleichmacherisch, sie greift ohne schlechtes Gewissen in Lebensauffassungen und Besitzverhältnisse ein, ist dezidiert materialistisch/leibzentriert und von einem Machbarkeitswahn geleitet, der eine Gesellschaft konstruieren will.

Dienstag, 12. Mai 2009

Zum Jahrestag des Kriegsendes: Als Deutschland ein Straflager war (III)

So wie man heute vielleicht über die Lage im mittleren Asien Bescheid weiß, so kannte man sich damals aus in der deutschen Geographie. Es gab nur Gerüchte, deren Zuverlässigkeit schwer zu prüfen war. Die Gerüchte wußten einiges über die Eigenarten der Besatzungszonen, was auch im Rückblick standhält.
Russische Besatzungszone: Vergewaltigt und geplündert wird nicht mehr. Aber es geht arm zu. Nicht mal die Besatzungssoldaten haben genug zu fressen (dafür zu viel zu saufen). Die russische Besatzungszone wird ein kommunistischer Staat - das ahnten die Aufmerksamen schon 1945.
Amerikanische Besatzungszone: Dort lebt sich's am üpigsten. Aber die Amis kultivieren den Entnazifizierungs-Tick am hemmungslosesten. Wer auch nur Zugführer im Jungvolk war, mußte ihrer Zone fernbleiben.
Französische Besatzungszone: Gegen sie spricht alles. Die hausen wie die Russen und geben sich dabei pingelig wie die Amis. Aber mit einzelnen Franzosen "fraternisiert" sich's leicht.
Britische Besatzungszone: Nordwestdeutschland muß 1945 ein paar Millionen Einwohner dazugewonnen haben. Die britische Zone galt, an der Gerüchtebörse, als die beste aller Zonen. Zwar geht es auch dort recht ärmlich zu, denn das Mutterland der Besatzungssoldaten sei so reich wie einst nicht mehr; aber auch die schlichtesten Gefreiten noch betrügen sich als Gentleman.

Quelle: Siehe (I).
Ende der Reihe.

Sonntag, 10. Mai 2009

Zum Jahrestag des Kriegsendes: Als Deutschland ein Straflager war (II)

Amerikanische Kanoniere warfen Bonbons aus ihren Panzern; marrokanische Füsiliere suchten die Frauen in ihren Schlupfwinkeln und zwangen sie in die Betten. Das habe ich erlebt, das weiß ich. Wenn mir jemand erzählte, er habe Amerikaner und Marrokaner der französischen Armee in ganz anderen, in vielleicht vertauschten Rollen erlebt - ich sähe keinen Grund, es für unwahr zu halten. Wenn die Hölle los ist, dann machen sogar die Engel eine schlechte Figur.
Bis Ende Mai war in den meisten Dörfern und vor allem in den Städten eine Art Ordnung wieder errichtet. Besatzungsbefehle wurden an den Häuserwänden angeschlagen; und irgendwo fanden sich immer ein paar deutsche Bewohner, denen die ausländischen Soldaten trauten, trauen mußten, weil sie ja selber in Fragen der Verwaltung oft recht hilflos, auch der Landessprache nicht mächtig waren. Für die höheren Positionen hatten allierte Geheimdienste schon lange Namen gesammelt.
Auf den Straßen ging der Krieg noch eine Weile weiter. Was damals alles über Land zog! Soldaten und Zivilisten, Deserteure und Marodeure verschiedenster Nationalitäten, Flüchtlinge aus Gefängnissen und Arbeitslagern, Verzweifelte, die schon so viel amtlichen Schrecken und Terror erlebt hatten, daß es ihnen auf ein bißchen privaten Terror nicht mehr ankam.
Sie trugen Kleidungsstücke, denen man ansah, daß es Uniformen gewesen waren. Es fiel nicht weiter auf. Alle Männer trugen damals solche Jacken und Hosen, von Khakibraun über Feldgrau, Jägergrün, Luftwaffenhellblau bis zum tiefen Marineblau.
Keinem sah man an, wo er herkam, wer er war. Deswegen ging nichts ohne Papiere. Wer sich nicht ausweisen konnte, wurde festgenommen. Kaum den Lagern entflohene endeten wieder in einem Lager. Überall gab es Lager: die einen hießen "Kriegsgefangenenlager", die anderen "DP-Lager", die gefüchtetsten schlicht "Lager"; dort kamen ehemalige Parteifunktionäre hin und überhaupt alle, die der reeductation bedürftig erschienen.
Als Sprache der Obrigkeit drang Englisch-Amerikanisch in den deutschen Westen ein. Für all die vielen Ausländer, die, aus welchen Gründen auch immer, meist unter Hitler als Zwangsarbeiter nach Deutschland geholt worden und nun in gewisser Freiheit sich selber überlassen waren, hatte diese Sprache die Formel displaced persons bereit. In ein DP-Lager zu kommen, galt als günstig. Das zweitbeste waren die Kriegsgefangenenlager, sagte man. (Es stimmte für Schleswig-Holstein zum Beispiel, aber auf den Rheinwiesen verhungerten die Soldaten zu Hunderten.) Die über die Straßen zogen jedoch, meist nachst, um von den Militrästreifenwagen nicht eingefangen zu werden, wollten frei bleiben. Nur wenigen gelang es.

Fortsetzung folgt.
Quelle: siehe I

Samstag, 9. Mai 2009

Zum Jahrestag des Kriegsendes: Als Deutschland ein Straflager war (I)

Das Ende des Krieges kam für die einen schon früh, für andere spät in diesem Jahr, offiziell kam es am 8.Mai 1945. [Anfang 1945 dürften etwa 80 Prozent der Deutschen das Kriegsende herbeigesehnt haben:] zwanzig, weil sie den Krieg überhaupt und diesen besonders von Anfang an gehaßt haben; zwanzig, weil sie jetzt, jetzt endlich wußten, daß er verloren war; vierzig, weil sie einfach müde waren, zermübt, fertig. ... Schon lange kursierte der zynische Spruch: Genießt den Krieg, der Frieden wird schrecklich. Wenn in einem auf deutsche Weise, also perfekt, geordneten Staat, die staatliche Ordnung zuammenbricht, dann ist die Unordnung furchtbar.
In jeder Stadt, in jedem Dorf wiederholte es sich, so oder ähnlich: ehe aus dem Nordwesten die Engländer, aus Westen die Amerikaner und Franzosen, aus Osten die Russen einrückten, plünderten die Leute die Geschäfte, versuchten Mädchen und Männer, ihren eigenen Frieden zu schließen, mit den vorrückenden Feinden, die sie - ein bißchen naiv - zu Freunden sich machen zu können glaubten durch demütiges Verhalten; erschossen Restkampfgruppen, die oft, aber nicht immer zur SS gehörten, jeden, der für sie ein Feigling war. Die große Stunde der Taktiker war gekommen: Ein Führerbild, fünf Minuten zu spät entfernt, ein Bettlaken fünf Minuten zu früh als Zeichen der Kapitualtion aus dem Fenster gehängt, konnte entscheiden über Leben und Tod. Der schöne deutsche Gruß "Guten Tag" wurde nie wieder so häufig gehört wie am 9.Mai 1945; am häufigsten gebrauchten ihn alle diejenigen, die zwölf Jahre lang morgens, mittags und abends nur "Heil Hitler" gesagt hatten.

Fortsetzung folgt.
aus: "Als Deutschland ein Straflager war" von Rudolf Walter Leonhardt, in: "Der Krieg ist aus - und nun?" Hg. von Sybil Gräfin Schönfeldt, München 1985.

Sonntag, 3. Mai 2009

Romano Guardini: Freiheit - praktisch

Drei Wege führen zur Freiheit: Erkenntnis, Zucht und Gemeinschaft. ... Einer steckt umso tiefer in der Knechtschaft, je weniger er weiß, daß er Knecht ist. Geht es ihm auf, ist sie bereits etwas gebrochen. Es gilt also, sich selbst zu verstehen: "Wo sind meine äußeren Verhältnisse Fesseln, die ich beseitigen kann, ohne Pflichten zu verletzen? Bin ich von den Menschen abhängig durch Nachahmung, Eitelkeit, Menschenfurcht? Bin ich Knecht der Dinge durch Habsucht, Neid, Begehrlichkeit? Bin ich Knecht meiner Natur? Durch Leidenschaft, Fehler, Unordnung? ..." So muß man langsam ein Bild von sich selbst bekommen. ... Mit alledem meine ich gewiß nicht, wir sollten immer auf uns selbst blicken, uns beobachten und zergliedern. Das würde unser Gemüt zerrütten. Ängstlichkeit, die überall Fehler sieht; Skrupelhaftigkeit, die überall meint, schuldig zu sein, ist fast noch schlimmer als unbefangene Blindheit, denn sie verfälscht das Gewissen und macht es unsicher. Aber klar sehen zu wollen ist nötig. Dazu muss man sich von Zeit zu Zeit prüfen. Nur muß es in Wahrhaftigkeit geschehen, mit einem Blick, der auch wirklich sehen will, unbestechlich das Böse bös nennt, das Wichtige wichtig. Der nicht beschuldigt und beschönigt, sondern Klarheit sucht. Daraus kommt jene Wahrheit, die frei macht.
Mit Einsicht allein ist es nicht getan; es gehört auch handeln dazu: Zucht und Opfer. Wahre Freiheit wächst nur aus der Zucht ... Beständiger Kampf gegen die Fesseln von außen und vor allem von innen gehört dazu, Tag um Tag. Beständige Selbstüberwindung gehört dazu. ... Das ist rechte Zucht: Fest anfassen, tapfer kämpfen, immer wieder ansetzen. Und richte dich von Anfang auf lange Zeit ein. Kleinigkeiten, zum Beispiel irgendeine Unart, kannst du bald wegschaffen. Aber die wirklichen Fehler sitzen so tief im Menschengewächs, daß du Jahre brauchst, um mit ihnen fertig zu werden. ... Eine besondere Art von Zucht ist noch wichtig: Die Ordnung. Es mag seltsam klingen, wo man sich doch gewöhnt hat, den freiesten Menschen im ungebundenen Vaganten zu sehen, der immer nur aus dem Augenblick lebt und sich an nichts bindet. Frei sein heißt aber, daß unser Inneres unabhängig sei vom Äußeren, das Tiefe vom Oberflächlichen, das Ewige vom Augenblick, das Edle vom Wertlosen. Das Edle, Ewige, Innere muß aber geschützt werden, damit das Wertlose, der Augenblick, Oberfläche und Äußerlichkeit es nicht überrennen. Um die Ordnung ringen, bedeutet also für ihn ein Ringen um die Freiheit; ein Ringen des Geistes gegen die Unordnung im eigenen inneren ... Nicht engherzig, aber streng. ... Noch ein dritter Weg führt zur Freiheit: Die Gemeinschaft. ... Schon, daß einer mit Andersgearteten leben und auf sie Rücksicht nehmen muß, löst Fesseln. Wer immer allein geht, verspinnt sich in seine Eigenart, bis er überhaupt nicht mehr herauskann. ... Wie oft geht einem erst auf, daß ein Fehler doch recht häßlich ist, wenn man ihn an anderen sieht. Wie oft wird man irgendeiner guten Kraft so recht froh, wenn man sieht, wie sie anderen fehlt, oder aber, was andere aus ihr machen. ... Die beste Gemeinschaft ist die mit dem rechten Freund und Kameraden. Das Wesen der Freundschaft besteht doch darin, daß der eine den anderen gut haben will, vollkommen. Das Wesen der Kamneradschaft, daß der eine den anderen tüchtig haben will im gleichen Werk. So muß er aufrichtig gegen ihn sein und sagen, wo es fehlt. Eine Freundschaft steht so hoch im Wert, als der eine wahr ist gegen den anderen und dieser des anderen Aufrichtigkeit annimmt. ...
Noch einen Helfer gibt es zur Freiheit: Den Gegner. Eine Meisterleistung freilich, ihn zu nutzen! Denn zunächst wollen Zorn, Empfindlichkeit, Sorge, Rachsucht einem den Blick ganz verschließen und in dem Gegner nur den leibhaftigen Teufel sehen. Aber weißt du, Haß sieht scharf, Abneigung läßt sich nicht täuschen. Wer zu nutzen weiß, was die sehen und sagen, der wird viel Wahrheit über sich hören. Harte, böse, unerfreuliche, aber Wahrheit! Oft klarer und unbestochener, als der beste Freund sie bietet. Die "Gemeinschaft der Feindschaft" - das ist wohl des Freiheitswillens Meisterprobe!
So kommen wir der Freiheit näher. Langsam; aber wir kommen voran. Vom Tiefsten freilich der Freiheit habe ich noch gar nicht gesprochen: Vom Freisein für Gott. Davon, daß ein Mensch allmählich die Anhänglichkeit an die Dinge überwindet, um Gott gehören und Gott besitzen zu können. Aber davon zu reden wäre eine Sache für sich.

Quelle: siehe Romano Guardini: Freiheit - theoretisch.

Freitag, 1. Mai 2009

Romano Guardini: Freiheit - theoretisch

Wann also verdient einer, daß man in frei nenne? Wenn er äußerlich Herr seiner Entschließungen ist. Wenn er sich von den Einflüssen der Menschen und Dinge unabhängig macht und aus dem eigenen Inneren heraus handelt. Vor allem aber, wenn das Tiefste in ihm, das Gewissen, Herr ist über die ganze Welt der Leidenschaften und Triebe.
Die erste Freiheit ist gut und wohl wert, daß man für sie kämpfe. Sie gibt offenen Raum, freie Bahn, bleibt aber auch äußerlich. Wichtiger ist die zweite Freiheit; sie sitzt schon tief drinnen. Ohne sie ist die erste nichts wert. Sie macht den Menschen frei für sein eigenes Wesen; daß er nicht lebe und handle wie seine Umgebung, sondern wie sein eigenes Sein es will; daß er er selber sei; daß er empfinde, wie es in ihm liegt; denke, wie es in ihm angelegt ist Erst diese zweite Freiheit macht die erste wertvoll. Die Entscheidung aber fällt erst im dritten Bereich, im Innersten: Ob der Mensch zur sittlichen Freiheit durchbricht. Ob sein Gewissen, ... , die Herrschaft gewinnt, nicht aber Trieb, Leidenschaft und Selbstsucht. Ob er Persönlichkeit wird. ... Frei sein heißt, sich selbst gehören, mti sich eins sein. Mein eigentliches Ich ist aber das Gewissen; dem muß alles gehören und mit dem muß ich einig gehen, soll ich frei sein. Diese Freiheit gibt erst der äußeren ihren Wert; denn sie macht, daß es Menschenfreiheit ist, nicht aber die eines Vogels. Sie gibt auch der zweiten ihren Wert, denn sie macht, daß [sie nicht nur] ein bloßes austoben natürlicher Kräfte [ist]. Sie erst macht alle Kraft und allen Treib edel und fruchtbar.
Ist also der Mensch schon von Natur aus frei? Nein, er soll es erst werden. Ja, in der Weise ist er es wohl, daß er an der Wegkreuzung rechts gehen kann, oder links, wie er will. Aber die eigentliche Freiheit, die geistige, muß errungen werden. Und sie kostet einen zähen, unendlich mühsamen Kampf. Es ist merkwürdig, sieht man sich die Leute einmal näher an, die so laut von Freiheit reden, dann merkt man oft, daß sie vom eigentlichen Freisein blutwenig wissen. Die wirklich wissen, wie es damit steht, die sich wirklich danach sehnen und im harten Kampf erlebt haben, wie wenig der Mensch es besitzt, die reden nicht viel davon.

Romano Guradini: Briefe über Selbstbildung. Würzburg 1930.
Teil 2: "Freiheit - praktisch," folgt.