Freitag, 26. Juni 2009

Edgar J. Jung: Das Bild Europas und Deutschland seit dem Weltkrieg

Diese jetzt sterbende Epoche wurde vor 500 Jahren eingeleitet durch ein neues Ich-Gefühl: aus dem demütigen Geschöpfe Gottes wird der Herr der Schöpfung. Mit faustischem Drange durchpflügt er die Weltmeere, entdeckt neues Land, hebt die Schätze der Erde, findet Naturgesetze, macht sich die Naturkräfte untertan. In rasendem Zeitmaße verändert die Erdoberfläche besonders in den letzten 150 Jahren ihr Aussehen, ein neuer technischer Zustand hebt an, grundverschieden von dem, wie er mehrere Jahrtausende hindurch bestand. Der Sinn des Lebens tritt zurück hinter der Suche nach den letzten Ursachen allen Lebens; die gedankliche Abstraktion feiert ihre Triumphe, entfernt den Menschen von der Natur und erweckt in ihm den Glauben an eine Zeit, da er willkürlich sein Schicksal gestalten könne ... .
Diese geistige Verfassung des modernen Menschen beeinflußt auch seine gesellschaftliche. Das Gefühl für Unter- und Überordnung, für Rang und Wert, in Zeiten innerlichen Zusammenhangs mit Gott und der Natur, demütig als richtungsweisend empfunden, weicht illusionärem und souveränem Verachten der ewigen Grundtatsachen allen menschlichen Seins: Die Menschen werden "gleich", sie werden "gut", sie "bestimmen ihr Schicksal selber". Der metaphysische Trieb pervertiert ins Diesseitige, die gewaltige Epoche der Säkularisation bricht an, gipfelnd in der modernen Massendemokratie, dem größtmöglichen Glück aller. Die Persönlichkeit, jener einzig mögliche Ausdruck des göttlichen Funkens im Menschen, wird gefesselt oder erstickt vom platten Wohlsein der Masse, das zum sturen Idol einer naturfremden und gottverlassenen Menschheit wird. Das geht so lange, bis die letzten metaphysischen Stützen, Erbstücke des christlichen Mittelalters, im sozialen Gebüde der abendländischen Menschheit morsch werden und zerbrechen. Damit fällt das ordnende Prinzip, das immer metaphysischer Herkunft ist, schlechthin. Die ganze aus Vernunft und Vorteil mechanisch konstruierte "Ordnung" ... zerreißt. Im Weltkrieg vernichtete sich die sinnlos aufgespeicherte Materie, so wie das jetzt sinnlos aufgespeicherte Gold die Fäden der Weltwirtschaft zerschneidet. Mit den Massenheeren, die in Materialschlachten zusammengetrommelt werden, wird der Gedanke der Demokratie ad absurdum geführt. Die soziale Ordnung, jener künstliche Ersatz der Nächstenliebe, begeht Selbstmord, indem sie die schaffende Wirtschaft lähmt und mühsam erarbeitete Güter unproduktiv verzehrt. Die gewaltigen Kollektivorganisationen, seien sie kapitalistischer oder - was dasselbe ist - gewerkschaftlicher Art, verfallen in Ohnmacht. Sie verfügen über keine schöpferische Kraft mehr, ihre Eigengesetze werden aufgehoben durch die Macht der natürlichen Entwicklung, die nur meistern kann, wer als schöpferische Persönlichkeit in Demut ausführt, was der geschichtliche Augenblick erheischt. Der "Kapitalismus", jenes mechanische Wirtschaftssystem, welches seine Gesetze statt vom Menschen vom Geld erhält, bricht zusammen. Die Demokratie gräbt sich ihr eigenes Grab. Das soziale Massenglück schlägt um in Massenelend. Der menschliche Übermut der Gottlosen rächt sich in einem wüsten Aberglauben, der die Menschen zu Wunderdoktoren und zu Moskauer Apsoteln treibt. Die Freiheit versackt in seelischer Versklavung und Herrschaft des Polizeiknüppels. Die rohe Gewalt des Versailler Friedensdiktates, verbrämt von ewigen Friedensreden wirkt gewitterbildend und läßt den baldigen Kampf Aller gegen Alle ahnen.

Edgar Julius Jung: Deutschland und die konservative Revolution. In: Deutsche über Deutschland. 1932

Mittwoch, 24. Juni 2009

Der Weg aus der Krise: Das Edelbauerntum

Das Edelbauerntum.
Von Gräfin Treuberg, Ehrwang (1932).

"Der Begriff 'der dumme Bauer' ... hat ein Gift in unser Volksleben getragen, das in seiner vernichtenden Wirkung den ganzen Volkskörper siech und krank macht: Landflucht, Arbeitslosigkeit, Verkommenheit und Verbrechen." Daher kommt das also, die Gräfin kennt sich aus! "Die Auffüllung der Großstädte, die sonst aussterben würden, durch gesundes Menschenmaterial vom Land, dient aber leider nicht zur körperlichen und moralischen Gesundung, sondern die gegen die Großstadtluft weniger gefeite Landjugend wird zu einem großen Prozentsatz bald hoffnungsloses Großstadtproletariat" Naja, dazu muss sie heute in der Regel in der Großstadt nicht erst umerzogen werden. Nun aber das Gegenbild: "Nicht Siedler, nicht Ökonomen, nicht Großgrundbesitz - nein, der Edelbauer, der stolz und selbstbewusst das Bauerntum als geheiligten Stand als seiner angehängten Lumpen entkleidet, mit klarem Kopf, hellen Augen und starken Muskeln. ... Siedlung ist Surrogat ... Bauerntum ist Erbheimat echten Deutschtums." Konkret: "Ein kleines Haus mit 2-3 Tgw. Grund ist das Eigentum und Arbeitfeld des Edelbauern, nicht in kümmerlicher Beschränktheit, sondern wie es den Bedürfnissen seiner Lebensstellung, Geburt und seines Willens angemessen ist. Edelbauer kann jeder sein... Das Haus ist neu [nungut, Gräfin Treuwang, als verarmte Adlige, hätte sicherlich auch gegen ein kleines Gut mit Tradition nichts einzuwenden...], keine Villa, ein richtiges Landhaus, so praktisch gebaut und eingerichtet, daß keine Diensboten gehalten [!] werden brauchen. Das geht heute ohne Überlastung der Hausfrau." Na, Gott sei Dank!
"Es gibt auf dem Edelbauernhof alles, von der Kuh bis zur Biene, vom Pfirsich bis zur Zwiebel - und wenn möglich ein Auto. Alles greift ineinander und alles muß verstanden und gelernt sein." Und schließlich, wir ahnen es: "Der Edelbauernhof gehört nicht vor die Tore der Großstadt, sondern in die Nähe landschaftlicher schöner, wirtschaftlich strebsamer Landstädte mit guten Schulen".

So, damit ist fast alles klar. Weg mit dem Bibliotheksausweis, her mit Spaten. Jedenfalls alle außer mir :).
PS: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen können nicht ausgeschlossen werden... :)

aus: Deutsche über Deutschland. Die Stimme des unbekannten Politikers, hg. von Edgar J. Jung, München 1932.

Dienstag, 23. Juni 2009

Armin Mohler: Medien in Versuchung

Es soll nicht behauptet werden, es gebe keine neonazistischen Gruppierungen in der Bundesrepublik (auch wenn ihre Bedeutung meist gewaltig überschätzt wird). Aber es zeigt sich auch in diesem Fall, wie schillernd alle Vorgänge im Umkreis der VB [=Vergangenheitsbewältigung] sind. Eine sich als "neonazistisch" gebärende Aktion kann echt sein. Sie kann ... von einem Desinformationsdienst getürkt sein. Und sie kann - leider - von Medien manipuliert sein. Der Schreibende weiß, was er da sagt - es ist ihm zweimal gelungen, solche von Medien versuchte Fälschungen zu entlarven. Der eine Fall ist in meinem Buch "Von rechts gesehen" (...., S.273ff) dargestellt: es ist der 1966 von der größten französischen Illustrierten "Paris-Match", unternommene Versuch, durch in Münchner Bars angeheurte und beim Kostümverleiher in SS-Uniformen gesteckte Statisten eine geheime Naziverschwörung vorzuspiegeln. Der zweite Vorgang war weniger spektakulär, aber sehr typisch und wird, in wechselnden Variationen, immer wieder aufgeführt. Er sei darum hier festgehalten. Ich war 1979 als Experte zu einer Diskussionsrunde über "Neonazismus" im WDR-Fernsehen geladen, unter Moderator Ivo Frenzel. Zu Beginn wurde ein Dokumentarfilm über "Neonazis in Berlin" vorgeführt. Da mir mit diesem Film irgendetwas nicht zu stimmen schien, fragte ich versuchsweise den neben mit sitzenden Autor des Films: "Wieviel habt ihr denn diesen beiden Deppen fürs Nazi-Spielen gezahlt?" Da er mich, wegen der Sitzordnung, für einen "vom Haus" hielt, grinste er: "165 Mark". ... Kaum war unsere Runde auf Live-Sendung geschaltet, nützte ich das, um dem Fernsehpublikum mitzuteilen, daß der Hersteller des voraufgehenden "Dokumentarfilmes" mir soeben gestanden habe, zwei Berliner Halbstarken 165 DM für das das Mimen von "Nazis" gezahlt zu haben. Der zur Salzsäule erstarrte Sünder war so erschrocken, daß er nicht die Geistesgegenwart hatte, zu leugnen - er stieß bloß mit hochrotem Kopf hervor: "Ja, aber 165 DM für beide zusammen ... " Herr Frenzel hat mich nicht mehr zu einer seiner Sendungen eingeladen.

aus: Armin Mohler: Der Nasenring. Im Dickicht der Vergangenheitsbewältigung. 1989

Samstag, 20. Juni 2009

Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche (II)

Der demütige Priester wird nicht versucht sein, mir etwas anderes vorzuhalten als Gottes Wort für mich; der eifrige wird nicht dulden, daß ich angesichts dieses Wortes auskneife. Er hält mich bei der Stange und ich kann ihm vorwerfen, aufdringlich zu sein; auf- und eindringlich in Wahrheit ist nur das Wort Gottes selbst. Wenn ich den Gesuchten finde, kann ich ihm nicht vorhalten, er trete mir gegenüber mit einer Sicherheit auf, die einem Menschen nicht zukommt. Als dürfte er nur Vermutungen äußern, in welcher Richtung mein Weg zu Gott vielleicht verläuft, müßte es mir und meinem persönlichen Gewissen überlassen, diese Vermutungen zu prüfen, sie anzunehmen oder zu verwerfen. Sein Auftrag erlaubt ihm keine falsche Bescheidenheit, vorausgesetzt, er hat seine Existenz in seine Vollmacht preisgegeben. Andernfalls wird er Autorität in der Kirche nur partiell und getrübt darstellen. Gelingt die Transparenz oder Hingabe, des gottvereinten Gebetes, der Demut im Durchgeben, dann kann auch das Wunder gelingen, daß im kirchlichen Heiligen Geist echte Weisung von Gott ergeht, die ich, so unbequem sie ist, nicht überhören darf. Dem einfältig Unbetonten allein ist die Gnade der Sicherheit anvertraut. Er darf mit den Fröhlichen fröhlich sein, mit den Trauernden trauern, aber nirgends wird ihm erlaubt, mit den Schwankenden und Unsichern aus Solidarität mitzuschwanken. Seine Erfahrung mit Gott hat ihn gelehrt, was die Dunkelheit ist, in der man sich nur noch an den Wänden entlangtasten kann, und auch diese weichen im Finstern zuweilen zurück, und dann tappt man im Leeren herum, solche Erfahrung ist dem Priester gegeben, damit er beim Bruder demütig, aber stärkend aushalten kann.

Quelle: siehe oben.

Freitag, 19. Juni 2009

Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche (I)

Zum Beginn des Priesterjahres, heute am Fest des Heiligstens Herzens Jesu, beginnt eine kleine Reihe mit Abschnitten aus dem Essay "Der Priester, den ich suche" von Hans Urs von Balthasar.

Diese erste Eigenschaft müßte er haben, der Priester, den ich suche; denn ein Priester müßte er sein, oder doch ein von oben, von Christus, Beauftragter und Bevollmächtigter, mir Gottes fleischgewordenes Wort vorzuhalten, so, daß ich sicher bin, nicht selber darüber zu verfügen, es nicht psychologisch-exegetisch-entmythologisierend vorweg so entmannt zu haben, daß es in mich hinein nicht mehr zeugen kann, was ihm paßt; so, daß ich seiner Forderung nicht entrinnen kann, weil sie mir in der Konkretheit kirchlicher Autorität entgegentritt, die im Dienst die Konkretheit der göttlichen aktualisiert. Aber es genügt nicht, daß mich jemand unerbittlich vor die Forderung des Wortes an mich stellt, um mich dann dort stehen zu lassen. Er muß mir auch helfen auszuhalten, nicht davonzurennen, indem er neben mir ausharrt, mit einer unerbittlichen Liebe. Einer schrecklichen Liebe, die mir immer wieder sagt: "Das ist es doch, was du eigentlich willst." Einer Liebe, der man im tiefsten dankt, weil sie durch gar nichts ersetzbar ist. Ein solcher gleicht, in bestimmten Stunden, dem Engel am Ölberg, der ins Alleinsein mit Gott hinein stärkt. Die Kraft, mit der dieser Mensch das tut, stammt zwar aus seinem Auftrag (der die Stärke und Unerbittlichkeit Gottes in sich hat), aber zugleich aus seiner eigenen Stärke, die ihm aus seinem Alleinsein mit Gott zugewachsen ist. Gleichzeitig aus Auftrag und aus Erfahrung kann er beides, die Unerbittlichkeit und die Liebe, die in Gottes Willen liegt, verkörpern, so daß man nicht mehr ausweichen will noch kann.

aus: Hans Urs von Balthasar: Der Priester, den ich suche. In: Klarstellungen. 1971.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Jürgen Habermas als intellektuelles Wirtschaftswunder oder: Todesurteile für Ideen

Zum 80.Geburtstag von Jürgen Habermas zeigt uns Jürgen Kaube heute in der FAZ, wie er (Kaube) die intellektuelle Lage Deutschlands nach dem Ende des Krieges und des Hitlerismus sieht:

Es gab in den fünfziger Jahren nicht nur das Wirtschaftswunder, es gab auch ein Wunder in den Geisteswissenschaften. Als Deutschland 1945 selbstverschuldet in Trümmern lag, schienen alle seine intellektuellen Traditionen vergiftet. Denn fast keine, sie wäre denn von jüdischen Autoren geprägt gewesen, war vom Zugriff irgendeiner nationalsozialistischen Fraktion verschont geblieben. Es hatte nationalsozialistische Kantianer ebenso gegeben wie Hegelianer und „bewaffnete Fichteaner“ (Heinrich Heine) sowieso, Phänomenologen wie Positivisten, Romantiker wie Antiromantiker, Idealisten wie Materialisten, Lutheraner wie äußerst römische Katholiken, George- wie Rilke-Verehrer, Feinde wie Freunde des Privateigentums, der Technik, des Abendlands, der sozialen Schichtung. Von fast jeder Idee und von ihrem Gegensatz gab es NS-Aneignungen. Anders formuliert: Von fast keinem Gedanken war gewiss, ob er nicht soeben furchtbar versagt hatte.
  • "selbstverschuldet in Trümmern lag" - etwas weniger Trümmer hätten es vielleicht auch getan. Der de facto schon so gut wie gewonnene Krieg schien der willkommene Anlaß für - jedenfalls manche - Führer der Allierten zu sein, Deutschland in Trümmer zu legen. Damit wird nicht bestritten, dass Deutschland den zweiten Weltkrieg und so weiter und so fort...
  • "von fast jeder Idee und von ihrem Gegensatz gab es NS-Aneignungen." Es bleibt eine absurde Idee, dass alles, was nicht anti-nationalsozialistisch war, nun auf ewig kontaminiert wäre. Weil eine Idee irgendwie im NS verbraten wurde, muss man sie ja nicht gleich hinrichten... Das hat nun wirklich weder Hand noch Fuß und ist auch gar nicht realisierbar - daher beschränkt man sich darauf, jeweils unangenehme Ideen auf diese Weise platt zu machen.
  • Es bleibt dann ein bisschen Reden über den herrschaftsfreien Diskurs (Herrschaft gab es ja auch unter Hitler = böse, nein, geh weg!). Wirkt auf mich ein bisschen so, als würde ein spätsozialistisches Philosophieseminar sich den Himmel auf Erden ausmalen - vorausgesetzt, man hat selbst im herrschaftsfreien Diskurs das Sagen.
SiN zum 80.Geburtstag von Habermas:
Gehlen und Habermas
Das Klappern der Mühle. Habermas ist 80.

Dienstag, 16. Juni 2009

Iran - wer fälscht was? Der Schein der Erkenntnis.

Einige Gedanken:

(1.) Soweit ich sehe, gibt es seit den Wahlen keine belastbaren Indizien für einen Wahlbetrug. Dennoch haben wir in unseren Medien eine Entwicklung. Vom "Vorwurf des Wahlbetrugs", sind wir über die "vermutlich gefälschten Wahlen" nun zur "Scheindemokratie" gekommen. Es gibt aber gar keine neuen Erkenntnisse. Man kann hier auch sehr schön sehen, wie die Medien Wirklichkeit erschaffen. Mag sein, dass die Wahlen gefälscht waren - unserer Erkenntnis entspricht das nicht.

(2.) Es gab im Iran durchaus schon überraschende Regierungswechsel nach Wahlen (Chatami, Ahmadinedschad). Das heißt nicht, dass die Wahlen diesmal nicht gefälscht waren, aber wohl, dass man nicht grundsätzlich davon ausgehen kann, dass im Iran alle Wahlen von vornherein entschieden sind. Dazu kommt, dass die Mullahs Ahmadinedschad eigentlich nicht wollten - sie wollten damals Ayatollah Rafsandschani. Man sollte nicht voreilig sagen, dass sie A. - koste es, was es wolle - im Amt halten wollen.

(3.) Der Westen wollte Mussawi. Vermutlich v.a. weil er eher westlich aussieht. Ahmadinedschad sieht aus, als hätte man ihn grade vom Feld geholt und die Kleidung der schiitischen Geistlichen ist ja auch eher fremd. Aber Mussawi hätte man auch in New York rumlaufen lassen können. Man muss aber schon die Augen offen halten - auch wenn er irgendwann offenbar mehr oder weniger kalt gestellt wurde, war eher unter Chomeni acht Jahre Ministerpräsident. Ich glaube nicht, dass seine alten Kampfgefährten ihn, nachdem sie ihn als ernstzunehmenden Kandidaten erst zur Wahl zugelassen haben, dann per Wahlbetrug wieder rauskürzen.
Man kann sich auch fragen, ob eine gewisse Sympathie für Mussawi nicht die schnelle Übernahme des Wahlbetrug-Vorwurfs - ohne nähere Belege - forciert hat. Dazu gehört auch die These, Achmadinedschad würde v.a. auf dem Land gewinnen. Das mag stimmen - aber wie passt das damit zusammen, dass er Bürgermeister Teherans war?

Fragen kann man sich wie letztlich das Verhältnis und die Machtverteilung zwischen Ahamdinedschad und dem schiitischen Klerus ist und ob es denkbar wäre, dass A. die Wahl selbst hat fälschen lassen, und die Mullahs keine andere Möglichkeit haben (oder sehen) als das abzunicken. Aber wie geschrieben - es gibt, abgesehen vom Vorwurf - für eine Wahlfälschung bislang keinen echten Beweis, soweit ich sehe. Und selbst wenn - das wäre Sache der Iraner. Wenn die ihre Regierung loswerden wollen, müssen sie das selbst fertig bringen.

Sonntag, 14. Juni 2009

Mauro Piacenza: Die gesellschaftliche Athmosphäre - und der Priester

Aus einem Interview mit Erzbischof Mauro Piacenza, Sekretär der vatikanischen Kleruskongregation, anläßlich des Priesterjahres 2009/2010.

"Sicherlich stellt die derzeitige kulturelle Athmosphäre an sich schon eine stete Herausforderung an das priesterliche Leben und an das priesterliche Amt dar; es herrscht in der Tat ein Klima von extremem Pansexualismus, von Irenismus und von Indifferentismus, das in einem fast allergischen Antidogmatismus mündet, für den es ein einziges, absolutes, gewichtiges und beherrschendes Dogma gibt: seine Majestät, den "Relativismus"! In dieser vorherrschenden Athmosphäre, die die Luft vergiftet, die wir alle einatmen, auch die Seminaristen und die Gott geweihten Personen, muss der Priester durch sein Leben und durch sein Amt die ewige Wahrheit predigen, die für das Heil des Menschen entscheidend ist ... Um so mühsam gegen den Strom zu rudern, braucht der Priester eine kräftige Muskulatur, die er sich durch Festhalten am Lehramt, durch Selbstdiziplin und durch Enthaltsamkeit zulegen kann. Das ganze bewegt von übernatürlicher Liebe. Auch in diesem Fall hilft uns die Gestalt des heiligen Pfarrers von Ars, der Abstand gewann, indem er alles gab und nichts für sich behielt. In dieser Logik der pastoralen Liebe stellen Armut, Keuschheit und Gehorsam eine Einheit dar, die auf wunderbare Weise mit der priesterlichen Ontologie Jesu, des Guten Hirten, übereinstimmt."

aus: Vatican 5/2009.

Freitag, 12. Juni 2009

Armin Mohler: 1968 muß bewältigt werden

"Hitler haben wir, wenn auch vielleicht nicht endgültig, bewältigt. Nicht bewältigt aber haben wir die Bewältigung Hitlers, wie sie zur Studentenrebellion von 1968 und zu den fundamentalen Umwertungen der Folgezeit geführt hat. 50 Jahre nach der Machtergreifung ist Hitler für uns ein Gegenstand der Geschichte, unser Problem aber ist die Antwort auf ihn, wie sie in den sechziger Jahren gegeben worden ist. Die Wende, die wir benötigen, besteht nicht darin, daß wir ein weiteres Mal 1933 oder 1945 verdauen, sondern daß wir den nachträglichen Ungehorsam gegen Hitler überwinden. Wir haben uns geschichtlich von uns selbst entfremdet und müssen nun versuchen, diese Entfremdung aufzuheben." (Ludolf Herrmann)
Die Warnung des CDU-Publizisten [Was man als CDU-Publizist damals alles so schreiben konnte!]. ist deutlich: er warnt vor der Kulutrrevolution der Endsechziger Jahre, die mit ihrem "Antifaschismus" die Gesellschaft nicht schützen, sondern zerstören will. Und die schon viel von den Vorstellungen und Institutionen zerstört hat, ohne die kein Staat und keine Gesellschaft lebensfähig sind - und das unter dem Vorwand, daß sie ja auch im Dritten Reich Geltung gehabt und gepflegt worden seien. Kenenzeichnend ist ein 1984 erschienenes Buch der Politologen Dudek und Jeschke über den "Rechtsextremismus". Auf dem Umschlag bildet es eine Art von Altar oder Gesetzestafel ab, auf der verzeichnet ist, was da, unter dem Beifall der Zunft, zum Abschuß freigegeben wird: "Vaterland - Ordnung - Ehre - Reinheit - Fortschritt - Moral - Nation - Heimat - Treue - Boden - Sitte - Kraft - Reich - Natur - Wachstum - Anstand - Kameradschaft." Wir haben der Reihe nach zitert, wie es auf dem Umschlag zu lesen ist; kein Wort wurde hinzugefügt und keines wurde weggelassen.

aus: Armin Mohler: Der Nasenring. 1989.

Dienstag, 9. Juni 2009

9.Juni: Hl.Ephraem der Syrer

Die Kirche begeht heute den Gedenktag des heiligen Diakons und Kirchenlehrers Ephraem.

Aus einer Predigt des heiligen Kirchenlehrers über die göttliche Heilsordnung als Abbild der Welt des Geistes:
Herr, vertreibe die nächtliche Finsternis unseres Geistes und laß es in ihm Tag werden durch das Licht deiner Weisheit. Erleuchte unseren Geist, damit er dir diene in neuer Reinheit. Wenn die Sonne am Himmel ihren Lauf beginnt, beginnt für den Menschen sein Tagewerk. Herr bereite in unseren Herzen einen Platz für den Tag, der kein Ende kennt. Gib, daß wir an uns selbst das Leben erkennen können, das uns die Auferstehung gebracht hat, und daß nichts unsern Geist von der Freude an dir abwende. Herr, drücke uns das Siegel jenes Tages auf, der nicht vom Sonnenlauf bestimmt ist. Gib, daß wir ständig auf dich gerichtet sind.
In deinen Sakramenten umfangen wir dich täglich und nehmen dich auf in unseren Leib. Mach uns würdig, an uns selbst die Auferstehung zu erfahren, die wir erhoffen. Durch die Taufe bergen wir in unserem Leib deinen Schatz. Mehre ihn am Tisch deiner heiligen Geheimnisse, Herrn, an deinem Tisch gib uns Freude über deine Gnade. Wir tragen dein Gedächtnis in uns, das wir von deinem geistlichen Tisch empfangen haben. Gib es uns zum vollen Besitz in der kommenden Welt.
Welche Schönheit wir haben, das laß uns aus jener geistlichen Schönheit erkennen, die dein unsterblicher Wille in unserer Sterblichkeit weckt.
Deine Kreuzigung, du unser Erlöser, war das Ende des leiblichen Lebens. Gib uns die Gnade, daß wir unseren eigenen Willen kreuzigen, damit das geistliche Leben in uns geboren wird. Deine Auferstehung, o Jesus, lasse den geistlichen Menschen in uns wachsen. Was wir in der Feier deiner Geheimnisse feiern, sei uns ein Spiegel in dem wir ihn, den geistlichen Menschen, erkennen.
Deine göttliche Heilsordnung, du unser Erlöser, ist ein Abbild der Welt des Geistes; gib, daß wir in ihr leben als Menschen des Geistes.
Herr beraube unser Herz nicht der Zeichen deiner geistlichen Gegenwart und unseren Leib nicht der Wärme deiner Güte. Die unserem Leib eigene Sterblichkeit ist für uns eine Quelle der Verderbnis. Das Wasser deiner göttlichen Liebe reinige unser Herz von den Auswirkungen unserer Sterblichkeit. Herr, laß uns hineilen zu unserer Stadt, und wie du sie dem Mose vom Gipfel des Berges aus zum besitz gabst, so gib, daß wie sie besitzen, indem du sie offenbarst.

Samstag, 6. Juni 2009

Europawahl 2009: AUF-Partei bei Radio Vatikan

Neue C-Partei stellt sich zur Europawahl

Im Januar 2008 gegründet, tritt jetzt in Deutschland die christliche Partei für „Arbeit, Umwelt und Familie“, kurz „AUF-Partei“, erstmals bei den Europawahlen an. Sie verspricht sich einen Stimmenanteil von ein bis zwei Prozent. „Das wäre ein erster Achtungserfolg“, sagt der Parteivorsitzende, Peter Schneider, im Gespräch mit Radio Vatikan.

Bei der Europawahl ginge es der AUF-Partei zunächst um öffentliche Aufmerksamkeit. Sie wolle vor allem ihre politischen Konzepte bekannt machen:

„Dass ein Erziehungsgehalt ins Gespräch kommt, dass die derzeit mangelnde Anerkennung von Erziehungsleistung ins Gespräch kommt, dass hier Bewegung reinkommt in neue Konzepte zur Förderung von Familien, das ist unser Anliegen. Und bei ein bis zwei Prozent oder mit einer Eins vor dem Komma haben wir die Hoffnung, dass genau das passieren wird, nämlich dass Familienpolitik auch wieder aus anderen Gesichtspunkten betrachtet wird. Dann wäre auch das Ziel für die Europawahlen erreicht.“

Christlichen Werten wieder ein Profil verschaffen -das sei das Ziel der AUF-Partei in Deutschland und Europa. Als neue C-Partei unterscheide sie von den etablierten christlichen Parteien die wirtschaftspolitische Ausrichtung:

„Wir legen auch den Schwerpunkt auf die soziale Marktwirtschaft nach der Freiburger Schule, die sehr stark vom christlichen Menschenbild geprägt ist. Wir wollen die soziale Marktwirtschaft ausbauen zu einer ökologisch sozialen Markwirtschaft. Hier haben wir ein sehr klares marktwirtschaftliches politisches Profil, um auch das Thema Arbeit - Arbeit muss sich wieder lohnen - anzugehen.

Kernforderung der AUF-Partei im Bereich der Familienpolitik ist das so genannte sozialversicherungspflichtige Erziehungsgehalt. Damit solle die Entscheidung über Kinderbetreuung wieder stärker in die Verantwortung der Eltern gelegt werden, erklärt Peter Schneider:

„Uns geht es darum, dass die Eltern sowohl ihre Verantwortung wahrnehmen, aber auch vom Staat unterstützt werden, dass Erziehungsleistung wieder mehr anerkannt wird. Und dass Eltern in der Lage sind zu entscheiden, Kleinkinder auch selbst zu betreuen, ohne wirtschaftliche Nachteile zu haben."

Quelle

6.Juni: Gedenktag des Hl.Norbert von Xanten

Aus einer Lebensbeschreibung des heiligen Bischofs Norbert (Vita S. Norberti):
Nobert von Xanten zählt mit Recht zu denen, die sich erfolgreich für die Reform Papst Gregors VII. einsetzten. Er bemühte sich vor allem um einen Klerus, der nach dem Evangelium lebt und zugleich dem Apostolat dient, um einen keuschen und armen Klerus, der als Kleid und Zier den neuen Menschen anzieht, das eine im Mönchsgewand, das andere in der priesterlichen Würde. Er wollte einen Klerus, der danach strebt, der Heiligen Schrift zu folgen und Christus zum Führer zu haben. Dem Klerus pflegte er dreierlei zu empfehlen: Reinheit am Altar und beim Gottesdienst, im Schuldkapitel Beseitigung von Auswüchsen und Nachlässigkeiten, Sorge für die Armen und Gastfreundschaft.
Zu den Priestern, die im Kloster die Stelle der Apostel vertraten, gewann er nach dem Vorbild der Urkirche eine so große Zahl von gläubigen Laien, Männern und Frauen, hinzu, daß viele versicherten, seit den Tagen derApostel habe niemand mehr in so kurzer Zeit für Christus so viele Nachfolger für das vollkommene Leben geworben wie er durch seinen Orden.
Als er Erzbischof geworden war, rief er seine Mitbrüder und beauftragte sie, das Land der Wenden zum Glauben zu führen. Den Klerus seines Bistums versuchte er, ohne Rücksicht auf Lärm und Aufregung des Volkes, für die Reform zu gewinnen.
Sein besonderes Bemühen war es, unter Wahrung freier kirchlicher Wahlen die Eintracht zwischen dem Apostolischen Stuhl und dem Kaisertum zu festigen und zu fördern: Papst Innozenz II. schrieb ihm: "Der Apostolische Stuhl beglückwünscht sich aus vollem Herzen, in dir einen so treuen Sohn zu haben", und der Kaiser machte ihn zum Erzkanzler des Reiches. In alldem bewies er eine unerschrockene Treue. Man sagte von ihm: Norbert zeichnet ich aus durch Treue wie Bernhard von Clairvaux durch Liebe. Dazu kam seine Liebenswürdigkeit in der Unterhaltung! Denn er war groß unter den Großen und unter den Kleinen ganz klein; gegen alle liebenswert. Schließlich ist seine hohe Beredsamkeit zu erwähnen, das glühende Gotteswort, das die Laster ausbrannte, die Tugenden schärfte, eine liebende, die Seele bereichernde Weisheit, die das Göttliche schaute, unablässig betrachtete und ohne Furcht verbreitete.

Freitag, 5. Juni 2009

Europawahl 2009: Warum die AUF-Partei eine Mitgliedschaft der Türkei ablehnt






Europa ist nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft. Die AUF-Partei ist sich der Wichtigkeit der gemeinsamen Wurzeln in der jüdisch-christlichen Tradition der Mitgliedsstaaten bewusst. Dies ist die Basis für ein Europa der Bürger, mit dem sich die Menschen identifizieren können. Die Erweiterungs-Politik der letzten Jahre hat dieses Bedürfnis weitgehend außer Acht gelassen.

Es wurden mehr und mehr Länder in die EU aufgenommen, ohne dass zuvor Reformen die notwendigen Voraussetzungen für diese Erweiterung geschaffen haben. Europa wurde dadurch noch komplizierter und die Entfremdung der Menschen vom Gedanken der Europäischen Integration wurde größer.


Einen Beitritt der Türkei lehnen wir als AUF-Partei entschieden ab. Die weltanschaulichen Grundlagen von vorwiegend islamisch geprägten Staaten lassen sich nicht mit der Tradition und den Wurzeln der heutigen EU verschmelzen, ohne dass die bisherigen Mitgliedsstaaten ihre Identität aufgeben würden. Zudem erfüllt insbesondere die Türkei auch zahlreiche Kriterien und EU-Standards nicht, wie z.B.bei der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten. Auch wirtschaftlich würde die Aufnahme der Türkei die Europäische Union überfordern. Die Zusammenarbeit mit der Türkei muss sich deshalb im wesentlichen auf eine privillegierte wirtschaftliche Zusammenarbeit beschränken. Dies muss der Türkei auch eindeutig gesagt werden, damit die Zielvorgabe bei den mit der Türkei geführten Gesprächen klar ist.


Sowohl in ihrem Grundsatz-Programm als auch im Europa-Programm formuliert die AUF-Partei deshalb:

Islamisch geprägte Staaten können nicht vollwertig in die EU aufgenommen werden, weil ihre weltsanschauliche Grundlage mit den oben genannten Punkten in einem unaufhebbaren Widerstreit ist.

Die Türkei kann jedoch aufgrund ihrer sich von Europa stark unterscheidenden kulturellen Traditionen und historischen Erfahrungen kein vollwertiges Mitglied werden.

Quelle

Donnerstag, 4. Juni 2009

Obama Tours: Buchenwald

Nur so ein Gedanke: Was will der Mann in Buchenwald? Wenn er auf seinen familiären Spuren wandeln will, ist ein Staatsbesuch wohl der falsche Zeitpunkt. Bleiben nur zwei Dinge: Beweihräucherung der glorreichen US-Kriegsführung im 2.Weltkrieg und die Erinnerung an die Deutschen, den Schuld-Kult nicht zu vergessen. Herr Obama, seine Sie ohne Sorge: Es besteht da keine Gefahr.
Aber wie steht es eigentlich mit der Haltung des weltverbessernden Präsidenten zum amerikanischen Bombenkrieg 1943-1945? Man darf auf seinen Auftritt in Dresden gespannt sein. Dass ein US-amerikanischer Präsident mal nur vor der eigenen Tür kehrt, erscheint zu viel verlangt. Das kann man nur den Deutschen auferlegen.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Hans Urs von Balthasar: Vollmacht und Dienst - Der Segen des Petrusamtes

Der Katholik kann sich drehen, wie er will, er kann nicht hinter das I.Vatikanum zurück, das im II. feierlich bestätigt worden ist (Lumen Gentium 22). Es gibt, wie nach Definitionen immer, nur den Weg der Integration in ein größeres, umgreifendes Ganzes. Und dieses Ganze steht längst bereit: es ist die Indefektibilität der gläubigen Kirche im Ganzen, von der die Indefektibilität des Petrusamtes nur ein besonderer, theologisch sichernder und die Konkretheit des einigenden Heiligen Geistes einschärfender Aspekt ist. Man kann sagen, daß das I.Vatikanum hier eine Tür so kunstvoll verriegelt hat, daß niemand sie mehr aufbringt, ohne die ganze Wand, das ganze katholische Gefüge einzureißen. Tun, als ließe diese Tür sich spielend öffnen, ist Unwahrhaftigkeit. Aber auch das biblische Wort "Vollmacht" (exousia) krampfhaft umgehen und es durch das Wort "Dienst" ersetzen, ist nutzlos, weil jede biblische Volmacht nur für den Dienst da sein kan, ja dem Gottesvolk nur dann ein nutzbringender Dienst geleistet wird, wenn "Vollmacht" - zu authentischer Verkündigung, Lenkung, Sakramentenspendung - effektiv vorhanden ist. Zwischen Vollmacht und Dienst eine Kluft aufzureißen, ist wiederum Unwahrhaftigkeit. Auch wird, heute mehr als je, die kirchliche Unentbehrlichkeit einer die Einheit der Offenbarungsauslegung verbürgenden Instanz um so dringlicher, als die ehemals naiv Integrität des biblischen Textes durch die Exegese zerstört ist und die Interpretation nach allen Seiten auseinanderstrebt, falls nicht konkrete Autorität - hier die Autorität des gesamtes Amtes: der Bischöfe mit dem Papst in ihrer Mitte - im Wirrwarr der Meinungen und Hypothesen einen nicht nur praktischen gangbaren, sondern objektiv verbürgten rechten Weg weisen kann. Weder der Bibeltext noch Konfessionsformeln des 16.Jahrhunderts oder späterer Zeiten können diese Autorität ersetzen.

aus: Hans Urs von Balthasar: Der antirömische Affekt. Freiburg 1974.

Dienstag, 2. Juni 2009

Der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH), die Giordano-Bruno-Stiftung und die Kirchen

Wer sich auch nur ein klein wenig mit dem Bereich eines missionarischen, teils aggressiven Atheismus vertraut gemacht hat, kennt die Giordano-Bruno-Stiftung. In ihrem Newsletter wird heute breit über die Entschädigungsforderung der ehemaligen Heimkinder aufgrund einer (angeblich) von systematischen Menschenrechtsverletzungen gekennzeichneten Heimerziehung in evangelischen und katholischen Institutionen der 50/60er Jahre berichtet (25 Milliarden Euro Entschädigungsforderung, Größenwahn lässt grüßen). Ich erspare mir und Ihnen, verehrter Leser, jetzt eine seitenlange Einlassung darüber, wie schwerwiegend die Vorfälle damals waren und wie leid mir das alles tut. Nun ist aber "Menschenrechtsverletzung" ja heute ein Zauberwort, das schnell bei der Hand ist und die Frage, ob das Problem tatsächlich in erster Linie bei den kirchlichen Trägern lag wäre eine zweite Frage.
Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte ist, dass der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder (VEH) der Vorsitzende der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung ist: Der Unternehmer Herbert Steffen, der die Kirchen hier mit märchenhaften Entschädigungsforderungen überzieht.
Die Frage, ob hier etwas instrumentalisiert wird, ist damit nicht unbedingt positiv beantwortet, liegt aber auf der Hand.

Montag, 1. Juni 2009

Zu Pfingsten: Augustinus - Die Bezeugung des Hl.Geistes

In der ersten Zeit kam der Heilige Geist auf die Gläubigen herab und sei redeten in Sprachen, die sie nicht gelernt hatten, wie der Heilige Geist es ihnen gab, zu sprechen. Dieses Zeichen war der Zeit angemessen. Denn füglich kann der Empfang des Heiligen Geistes so im Sprachwunder zum Ausdruck, weil das Evangelium Gottes seinen Weg über den ganzen Erdkreis hin durch alle Sprachen nehmen sollte. Jenes war Zeichen dafür und verging. Erwartet man etwa heute von denen, welchen die Hand zum Empfang des Heiligen Geistes aufgelegt wird, ein Reden in Zungen? Oder erwartet einer von euch, da wir diesen Neugetauften die Hand auflegten, daß sie in Zungen reden würden? Oder war einer aus euch so verkehrten Sinnes, daß er, da dies nicht geschah, sagte: Diese haben den Heiligen Geist nicht empfangen; denn wenn sie ihn empfngen hätten, würden sie wie einst die Gläubigen in Zungen reden!?
Wenn jetzt die Gegenwart des Heiligen Geistes keine Bezeugung durch solche Wunder erfährt, woran erkennt einer dann, daß er den Heiligen Geist empfangen hat? Er befrage sein Herz: Wenn er den Bruder liebt, bleibt der Geist Gottes in ihm. Er sehe und prüfe selber vor den Augen Gottes. Er sehe, ob in ihm die Liebe zu Friede und Einheit ist, die Liebe zu der über den ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche. Er achte nicht darauf, nur den Bruder zu lieben, den er vor sich sieht; denn wir sehen viele unserer Brüder nicht und sind doch in der Einheit des Geistes verbunden. Ist das nicht erstaunlich, wo sie doch nicht bei uns sind? An einem Leibe sind wir, ein Haupt haben wir im Himmel. Nur unsere Augen sehen sich nicht, kennen sie gleichsam nicht. Wenn also alle, die mit dir Gott lieben, ein Ziel mit dir haben, dann achte nicht darauf, daß du dem Leibe nach örtlich, von ihnen getrennt bist; die Spitze des Geistes, den Grund eurer Seele, habt ihr zusammen auf das Licht eurer Wahrheit geheftet. Wenn du also wissen willst, ob du den Heiligen Geist empfangen hast, so befrage dein Herz: damit du nicht etwa das Sakrament hast und die Kraft des Sakramentes nicht hast. Befrage dein Herz: wenn da die Bruderliebe ist, so sei ohne Sorge! Die Liebe kann nicht ohne den Geist Gottes sein; denn Paulus sagt: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." [Röm 5,5]

Homilien zum 1.Johannesbrief 6,10