Sonntag, 29. November 2009

Alfred Delp: Advent

Advent ist einmal eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst. Die Voraussetzung des erfüllten Advent ist der Verzicht auf die anmaßenden Gebärden und verführerischen Träume, mit denen und in denen sich der Mensch immer wieder etwas vormacht. Er zwingt so die Wirklichkeit, ihn mit Gewalt zu sich zu bringen, mit Gewalt und viel Not und Leid.
Das erschütterte Erwachen gehört durchaus in den Gedanken und das Erlebnis des Advents. Aber zugleich gehört viel mehr dazu. Das erst macht ja die heimliche Seligkeit dieser Zeit aus und zündet das innere Licht in den Herzen an, dass der Advent gesegnet ist mit den Verheißungen des Herrn. Die Erschütterung, das Aufwachen: Damit fängt das Leben ja erst an, des Advents fähig zu werden. Gerade in der Herbheit des Aufwachens, in der Hilflosigkeit des Zusichselbstkommens, in der Erbärmlichkeit des Grenzerlebnisses erreichen den Menschen die goldenen Fäden, die in diesen Zeiten zwischen Himmel und Erde gehen und der Welt eine Ahnung von der Fülle geben, zu der sie gerufen und fähig ist.
Der Mensch soll immer wieder einmal das innere Auge schauen und das Herz schweifen lassen. Er wird dem adventlichen Ernst und dem adventlichen Segen dann auch noch anders begegnen. Er wird Gestalten sehen, gelungene und gekonnte Menschen dieser Tage und aller Tage, in denen die Adventsbotschaft und der Adventssegen einfach da sind und leben und beglückend oder erschütternd, tröstend und erhebend den Menschen anrufen und anrühren.
Menschen dieser Tage und aller Tage, habe ich gesagt. Drei Typen meine ich vorab: den Rufenden in der Wüste, den kündenden Engel; die gesegnete Frau.
(Fortsetzung folgt)
Aus: Alfred Delp SJ: Im Angesicht des Todes. Ignatianische Impulse 21.

Mittwoch, 25. November 2009

Hl.Katharina von Alexandrien

Der Legende nach war Katharina die Tochter des Königs Costus von Zypern. Als der Sohn des Kaisers die schöne, hochgebildete und unermesslich reiche Frau heiraten wollte, sah diese in einem Spiegel, dass ihr der Bewerber nicht an Adel, Schönheit, Reichtum und Weisheit entspreche. Auch andere Männer wies sie stolz ab. Ein Einsiedler wies sie auf Jesus Christus als den richtigen Bräutigam hin. Sie ließ sich taufen und erlebte in einer Vision, wie das Jesuskind ihr den Verlobungsring an den Finger steckte.

Katharina reiste nach Alexandria. Als der römische Kaiser Maxentius während eines Militärzugs in die Stadt heidnische Opfer auch von den Christen verlangte, intervenierte sie und fragte, warum der Kaiser nicht seinem Aberglaube abschwöre und sich zu Christus bekenne. Der Kaiser verlangte auch von ihr das Götzenopfer; Katharina weigerte sich und bestand darauf, ihr Recht und ihre besseren Argumente in einer Diskussion zu beweisen. Der Kaiser lud die 50 besten Philosophen ein, die aber allesamt gegen die kluge Argumentation Katharinas die Waffen strecken mussten und sich dann selbst taufen ließen; dafür wurden sie vom wütenden Kaiser verbrannt. Nun bot der selbst Katharina die Ehe an; sie weigerte sich, worauf der Kaiser ihr die Kleider vom Leib riss; er ließ sie mit bleikugelbesetzten Geißeln ausgepeitschen und ins Gefängnis werfen. Im Kerker brachte ihr eine weiße Taube Nahrung, ein Engel tröstete sie, worauf die Wachmannschaft sich bekehrte.

Schließlich sollte Katharina gerädert und gevierteilt werden, doch die Räder brachen und töteten statt dessen die Folterer. Dieses Wunder brachte das Volk, die Garde und die Kaiserin auf ihre Seite. Als seine eigene Frau ein Bekenntnis über die Macht des Christengottes ablegte, ließ der Kaiser Katharinas Brüste abreißen und seine ganze von ihr bekehrte Garde umbringen. Wenig später ließ er Katharina enthaupten, doch aus ihrer Halswunde strömte kein Blut, sondern Milch; Engel ergriffen ihren Leib und entführten sie auf den Berg Sinai, wo das um 550 entstandene Kloster des brennenden Dornbusches - nach 2. Mose 3, 2 - 4 - nun nach ihr benannte wurde.

Der Sarkophag mit dem angeblichen Leichnam Katharinas befindet sich im nach ihr benannten Kloster auf dem Sinai in der von Kaiser Justinian erbauten Basilika.

Samstag, 14. November 2009

Edgar J. Jung: Erkenntnis und Glaube

Erkenntnis verhält sich zu Religion wie Wissen zum Glauben. Wissen gründet immer auf Glauben, niemals Glauben auf Wissen. Umgekehrt verlangt Glauben, soll er nicht der letzten Erfüllung entbehren, des Wissens um den letzten Grund der Dinge, der religiösen Schau. Glauben und unmittelbares Wissen bilden als den Bereich des menschlichen Geistes, der übersinnlich bestimmt ist. Religiöse Erlebniskraft und Vernunft sind sonach eine Ganzheit übersinnlichen Ursprungs. Die stärkere Betonung des einen oder anderen dieser Teile bestimmt das religiöse Bild eines Menschen oder einer Zeit. Denn Vernunft führt nur zur Idee des Göttlichen; dessen Erfüllung geschieht durch die Offenbarung. Wohl ergreift die Vernunft im Denken die Ganzheit; diese geforderte Ganzheit muß aber für die Vernunft immer Summe von Einzelheiten bleiben. Das Gefühl dagegen kündet die Ganzheit im Erlebnis. Ihre Erfüllung bietet also nur die Religion.

Edgar Julius Jung: Die Herrschaft der Minderwertigen. Berlin 1930.

Mittwoch, 11. November 2009

Konservativ-subversive Aktion

Anläßlich des Jahrestages des Waffenstillstandes nach dem 1.Weltkrieg und der Reise der deutschen Bundeskanzlerin anläßlich dieses Datum zu den Feierlichkeiten in Paris findet zur Zeit eine neue Konservativ-subversive Aktion statt.

Informationen auf dem Weblog der Blauen Narzisse.

Dienstag, 10. November 2009

Martin Luther: Maria, die Gottesmutter

Heute hat Martin Luther Geburtstag. Aus diesem Anlaß einige Worte von ihm, mit denen er die Gottesmutter lobt:
Die großen Dinge sind nicht anders, denn daß sie Gottes Mutter ist worden, in welchem Werk so viele und große Güter ihr gegeben sind, daß sie niemand begreifen kann. Denn da folget alle Ehre, alle Seligkeit, und daß sie im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person ist über alle, der niemand darin gleich ist, daß sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind, hat. Und sie selbst kann ihm keinen Namen geben vor überschwänglicher Größe und muß es dabei lassen bleiben, daß sie heraus brünstet und schäumet, es seien große Dinge, die nicht auszusprechen seien noch zu messen. Darum, in einem Wort, hat man alle ihre Ehre begriffen, so man sie Gottes Mutter nennet; kann niemand Größeres von ihr noch zu ihr sagen, wenn er gleich so viele Zungen hätte, als Laub und Gras, Sterne am Himmel und Sand am Meere ist. Es will auch mit dem Herzen bedacht sein, was das sei, Gottes Mutter sein. (1522)

Ein Gesprächsforum...

Ein sich interessant anlassendes Gesprächsforum, auf das ich in Absprache mit dem Betreiber hier verweise, findet sich hier:

Das Gesprächsforum

Es gehört zur unten verlinkten Seite "Das Gespräch". Dieser Werbeblock ist als Einladung zu verstehen...

Sonntag, 8. November 2009

Edgar J. Jung: Das Stoffliche als Herrscher der Welt

Der Geist des Menschen hatte im Lauf einer jahrhundertelangen Entwicklung seine innere Einheit eingebüßt. Der Mensch der Zivilisation leugnete die göttliche Vernunft und löste sich von seinen seelischen Wurzeln, um im Stofflichen zu versinken. So zog das Zeitalter des Materialismus herauf, gipfend im Weltkriege. Wehrhaftigkeit des Volks, im Ursprung ein sittlicher Opfergedanke, entartete zur Massenvernichtung; Technik führte aus Beherrschung zur Vernichtung des Stoffes. Es scheint im Kosmos das Gesetz zu walten, daß Stoff sich selbst vernichtet, wo er statt Diener Herrscher ist.

aus: Die Herrschaft der Minderwertigen. 1930.

Donnerstag, 5. November 2009

Karl Borromäus: Die Kerze kann nur Licht geben, indem sie sich selbst verzehrt

Gestern (4.11.) beging die Kirche den Gedenktag des Hl.Karl Borromäus, Bischof von Mailand zur Zeit der Umsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient. Ein Mann großer Bescheidenheit und Frömmigkeit, aber auch Schaffenskraft, der es verstand die tridentinischen Reformen wahrhaft fruchtbar für die Kirche zu machen. Recht bekannt ist, dass er stets einen Totenschädel als ein eindrückliches memento mori auf dem Schreibsttisch stehen hatte. Mir besonders wichtig geworden ist aber sein Ausspruch: Die Kerze kann nur Licht geben, indem sie sich selbst verzehrt.

Zur Biographie des Hl.Karl Borromäus beim Heiligenlexikon oder
Eine Biographie, die ich auf dieser Seite letztes Jahr verfasst habe

Es ist das vielleicht nachdrücklichste Symptom unseres kirchlichen Zustandes, dass jedenfalls der Kirche unserer Weltgegend das große Aufleben der Heiligkeit in den letzten Jahrzehnten nach dem II.Vatikanum fast völlig fehlt oder auf kleine Kreise beschränkt ist. Nach dem Tridentinum war das anders.