Samstag, 27. Februar 2010

Siehe, nun sind die Tage des Heils

Gebet zur Fastenzeit:

Siehe, nun hat begonnen die wohlgefällige Zeit. Siehe, nun sind die Tage des Heils. Laßt uns bestellen unsere Sache in großer Geduld und vielem Fasten und durch die Werke der Gerechtigkeit in Gottes Kraft. Bewähren wir uns als Diener Gottes in großer Geduld und beständigem Fasten.
In Fasten und Weinen sollen die Priester flehen und sprechen: Schone, Herr, schone deines Volkes und gib dein Erbe nicht dem Untergang preis.
Wir wollen wiedergutmachen, was wir in Torheit gesündigt, damit wir nicht, plötzlich vom Tage des Todes überrascht, Zeit zur Buße suchen und nicht finden können. Stehe uns bei, o Gott, unser Heiland, und um der Ehre deines Namens willen erlöse uns, o Herr.
Verlassen soll der Frevler seinen Weg und heimkehren zum Herrn; er wird ihm gnädig sein. Denn gütig ist und voller Huld und dem Sünder zugeneigt der Herr, unser Gott. Der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er umkehre uns lebe.
Brich dem Hungernden dein Brot. Wer darbt und ohne Brot ist, den führe in dein Haus. Und siehst du einen nackt, so kleide ihn. Bewähren wir uns als Diener Gottes im Heiligen Geiste und in ungeheuchelter Liebe.
Des Paradieses Pforten hat uns aufgetan die Zeit der Fasten. Lasset sie uns halten mit Gebet und Flehen, damit wir am Tage der Auferstehung verherrlicht werden mit dem Herrn.
Denn die Krone hat der Herr verheißen denen, die da wachen. Amen.

Montag, 22. Februar 2010

Elische: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Elische (Elisäus) Wardapat, war ein theologischer Lehrer (arm.: Wardapat) und Wanderprediger in Armenien. Er lebte im 5.Jahrhundert (Todesjahr: AD 480). Er war Schüler der beiden großen Armenier Sahab und Mesrob. Er wurde Bischof von Amatunik und nahm an der Nationalsynode von Artaschat teil, die sich mit Maßnahmen gegen den vordringen Parsismus beschäftigte. Sein bekanntestes Werk ist die "Geschichte des Wardanschen Krieges", die den Kampf der Armenier unter dem Fürsten Wardan gegen den Perser Jazdegerd II., für ihre christliche Religion und gegen den persischen Zoroastrismus, beschreibt. Außerdem verfasste Elische auch theologische und exegetische Schriften, unter anderem eine Auslegung des Vater Unser, aus der im folgenden zitiert wird:

Dieser Hoffnung unseres Glaubens wollen wir einen sicheren Anker (Hebr 6,19) bewahren in unserer Seele und in unserem Leibe. Wie die Säule die Stütze des Gebäudes ist, so ist der Glaube des Menschen seine Grundfeste vor Gott. In dieser Zuversicht kann er rufen und sprechen: "Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."
Das ist ein wahres Gebet, vernünftig und wirksam. Wenn du deine Forderungen nicht von deinem Nächsten für dich verlangst, dann wird Gott auch dir alle Übertretungen erlassen zur Befreiung von Sünden. Höre, was Petrus vom Herrn vernahm: Er wollte die Verfehlungen des Bruders siebenmal verzeihen, unser Herr aber erklärte siebzigmal siebenmal. Petrus stellte sich als Mensch eine Grenze auf; unser Herr bestimmte für die Wohltätigkeit der Menschenliebe seiner Gottheit keine Grenzen. Immerdar sündigen wir in unseren Worten und Werken; Gott sieht es und schaut hinweg, um uns in seiner Langmut zur Buße zu führen (Römer 3,4). Nicht zu sündigen ist Sache des Menschen in vollendeter Gerechtigkeit. Wenn man aber wie ein Mensch gesündigt hat, so beeile man sich in Zerknirschung Buße zu tun. Offen stehen die Pforten seiner Erbarmung. Er verschließt sie nicht vor jenen, die Buße tun. Besonders diejenigen, welche voll Glauben zu beten wissen, die können auch mit Tugendstärke sich üben in den Anstrengungen des Geistes. ... Auch du sollst, wenn du dem Nächsten seine Schuld erlässest, dies tun, nicht als hassest du dein Eigentum, sondern daß um deiner geringen Barmherzigkeit, die du übtest, Gott dir deine vielfältigen Verschuldungen, die du vor ihm hast, erlasse. Folge diesem Worte! Wenn du deinem Nächsten Nachlass gewährst, wirst auch du des Nachlasses würdig werden.

Quelle: s. Johannes Mandakuni

Sonntag, 21. Februar 2010

Fastenzeit: Umkehr und Bedrängnis

Die Lesehore ist eine kirchliche Gebetszeit (meist am frühen Morgen absolviert), die den Beter durch drei Psalmen, eine Lesung aus der Hl.Schrift und eine Väterlesung führt. Die Lesung ist eine Bahnlesung, man liest meist also einfach ein biblisches Buch nach und nach durch. Heute ist Exodus 5 zu lesen. Gott will, dass die Israeliten Ägypten verlassen, doch der Pharao zieht die Zügel immer mehr an. Er bürdet ihnen immer mehr Arbeit auf um sie zu zermürben und bringt das auserwählte Volk so in eine immer üblere Lage.
Ist es nicht so, dass wir, wenn wir (besonders in der Bußzeit) aus "unserem Ägypten", also der Abgötterei und Sünde, ausziehen, auch besonders bedrängt werden? Die Gegenseite läßt uns nicht einfach so ziehen - im Gegenteil, sie verstärkt den Druck, verdoppelt ihre Fesseln. Doch Gott spricht zu Mose am Ende der heutigen Lesung: "Jetzt wirst du sehen, was ich dem Pharao antue. Denn von starker Hand gezwungen wird er sie ziehen lassen, ja, von starker Hand gezwungen wird er sie sogar aus seinem Land ausweisen." Mag die Bedrängung bei unserem Auszug aus Ägypten noch so groß sein - wir wissen, dass der Sieg durch die Gnade Gottes unser sein kann.
Dazu passt es, wenn es in der Väterlesung aus einer Schrift des Hl. Augustinus heißt:
"Unser Leben kann auf dieser Pilgerschaft nicht ohne Anfechtung sein; denn unser Fortschreiten braucht die Anfechtung. Niemand erkennt sich selbst, der nicht versucht wurde. Keiner wird gekrönt, wenn er nicht siegt. Er kann nicht siegen, wenn er nicht kämpft, und er kann nicht kämpfen, wenn er keinen Feind und keine Anfechtung hat."

Freitag, 19. Februar 2010

Johannes Mandakuni: Das wohlgefällige Gebet II

Doch obwohl wir dies nun alles wissen, so erscheinen wir dennoch vor Gott in großer Geringschätzung, wir halten es mit dem bösen Feinde, der uns durch allerlei Gedanken verwirrt und in Unordnung bringt und unsere Gedanken hinlenkt auf Zerstreuungen der Welt. Während wir im Gebete begriffen sind, das uns Hilfe und Nutzen bringen soll, geben wir uns schlechten und bösen Gedanken hin. Wir werfen uns zwar während des Gebetes innen auf die Knie, aber unser Geist ist draußen, gibt sich allerlei Träumereien hin und schweift umher. Denn während des Gebets denken wir an Haus und Felder; während des Gebets berechnen wir den Ertrag der Felder und die Früchte der Reben, wieviel Pfund Brot und wieviel Maß Wein ich erhalten könnte; oder wir denken während des Gebetes an Rinder- und Schafherden, wieviele Ochsen und wieviele Schafe es sind. Dann denken wir an die Arbeiten und an den Lohn der Arbeiter, überlegen ob dieses Geräusch aus unserem Haus kommt. Ferner denken wir während des Gebetes an das Gericht, das den Nächsten treffen wird und sprechen uns so dort das Urteil in Gottes Gegenwart. Und während wir dem Gebete obliegen, beschäftigen wir uns in Gedanken mit Anklagen gegen den Mitbruder. Kaum aus der Kirche entlassen, fangen wir alsbald auch wieder an, Klage zu erheben gegen den Feind und verbittern die Süßigkeit des Gebets wie mit Galle. So reißt Satan unseren Geist mir fort, bis er uns an unlautere Gedanken während des Gebets erinnert.
Aus: Johannes Mandakuni: Das wohlgefällige und das nicht wohlgefällige Gebet.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Zum Todestag Martin Luthers: Sein Lob der Reinheit Mariens

[AD 1523:] Seht, was für einen reinen Geist die fromme Jungfrau hat, daß sie sich der hohen Ehre und Güter keines rühmt: wie könnt' eine größere Ehre sein, als daß ein Weib dahin kommen soll, daß sie soll eine Mutter Gottes sein? Sie überhebt sich des nicht, wär's wohl zufrieden gewesen, wenn's gleich wieder von ihr wär' genommen worden; und wir armen Leut' bekümmern uns so heftig, wenn uns etwa einmal ein Gulden oder zehn, ja sogar nur ein Heller genommen wird! Ei, was für unreine Geister sind wir! Ferner jammern wir, wenn uns Gesundheit, Kraft und dergleichen genommen wird! Was macht's? Der unsaubere Geist der in uns ist, der sich beschmutzt und behenkt mit den Kreaturen, und nicht bloß an Gottes Gnad und Barmherzigkeit klebt. Aber das ist die rechte Reinheit oder Jungfrauschaft Mariens, daß sie allein auf den Herrn vertraut und (ihn) preist. Hierher gehört, daß Christus sagt "Beati mundo corde", "Selig sind die, die eines reinen Herzens sind".
[AD 1521:] Siehe, wie rein trägt sie alle Dinge zu Gott, wie gar maßt sie sich kein Werk an, keine Ehre, keinen Ruhm an, tut doch eben wie vorhin, da sie deren keines hatte, fragt auch nicht mehr nach Ehren denn vorhin, brüstet sich nicht, erhebt sich nicht, ruft nicht aus, wie sie Gottes Mutter worden sei, fordert keine Ehre, geht hin und schafft im Haus wie vorher, melkt die Kühe, kocht, wäschet Schüsseln, kehret, tut wie eine Hausmagd oder Hausmutter tun soll in geringen, verachteten Werken, als wäre ihr nichts um solch überschwängliche Güter und Gnaden. Sie ist unter andern Weibern und Nachbarn gehalten (als) nichts Höheres denn vorher, sie hat's auch nicht begehrt, ist eine arme Bürgerin geblieben unter dem geringen Haufen. O wie ein einfältig, rein Herz ist das!
Aus: Das Marienlob der Reformatoren.

Johannes Mandakuni: Das wohlgefällige Gebet

Geh also in dich und lege ab die eitle Einbildung des Geistes und der Zierden! Dann tritt hin vor Gott und höre! Wenn die des Todes Schuldigen vor die Könige hintreten machen sie keinerlei Prunk, sondern bitten und flehen nur; wenn Verwundete ins Spital gehen, kümmern sie sich auch nicht um das oder jenes, sondern suchen nur ein Heilmittel für ihre Wunden und Stillung ihrer Schmerzen. So darf auch der, welcher durch Sünden verwundet und von den Leiden der Gesetzesverletzungen betroffen ist, nicht im Schmuck und mit unreinen Gedanken in die Kirche gehen (...) Im Gegenteil soll man den Leib züchtigen und seine Gedanken reinigen, in ärmlicher Erscheinung, mit zerknirschtem Herzen, und demütig bei sich selbst soll man hintreten und vor Gott stehen und soll mit vielen Bitten bitterlich seufzen und weinen; ohne Unterlaß soll man unter Seufzen flehen und beten; an seine Brust muß man schlagen; die Arme ausbreiten, Tränen vergießen, mit zerknirschtem Herzen Herzen seine Vergehen bekennen mit bescheidener Sprache, mit Beschämung im Antlitz, mit Trauer im Tone, mit mitleiderweckender Sprachersoll man sich mit Gott aussöhnen und Nachlaß seiner Sünden erlangen.
Gebet und Bitten von solcher Art zeigt sich der Herr geneigt und erhört sie; daraufhin vergibt er die Vergehen und tilgt die Sünden; dadurch werden wir geläutert und gereinigt von den bösen Leidenschaften, der Unreinigkeit und von teuflischen Gedanken; dadurch erlangen wir das Reich und die Freunden des unvergänglichen Lebens.

aus: Johannes Mandakuni: Über das wohlgefällige und nicht wohlgefällige Gebet.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Laktanz: Hilfe und Trost der Buße

Zum Aschermittwoch:
Der Zustand der menschlichen Gebrechlichkeit gestattet niemand, ohne Sünde zu leben. Es ist daher als letztes Heilmittel noch die Zuflucht zur Buße übrig, und diese nimmt nicht den untersten Platz unter den Tugenden ein. Denn die Buße ist die Zurechtweisung seiner selbst, indem wir nach einer möglichen Verschuldung in Wort oder Werk sogleich wieder zu uns kommen, unseren Fehltritt eingestehen und Gott um Verzeihung bitten; und diese wird er nach seiner Barmherzigkeit niemand versagen, sondern nur denen, die in der Verirrung verharren. Groß ist die Hilfe der Buße und groß der Trost. Sie ist die Heilung für die Wunden der Sünden, sie ist die Hoffnung und der Hafen des Heils. Wer die Buße wegnimmt, versperrt sich den Weg zum Leben; denn niemand kann so gerecht sein, daß im niemals die Buße notwendig wäre. Wir aber müssen uns, wenn wir keine Übertretung auf uns hätten, doch vor Gott als Schuldner bekennen und immer wieder für unsere Pflichtversäumnisse Abbitte leisten und Gott Dank sagen auch in Widerwärtigkeiten. Diesen Dienst der Unterwürfigkeit wollen wir immer Gott darbringen; denn die Demut ist in den Augen Gottes teuer und liebenswürdig. Wenn Gott lieber den geständigen Sünder aufnimmt als den stolzen Gerechten, um wieviel lieber wird er dann den bekennenden Gerechten aufnehmen und ihn für seine Verdemütigung im himmlischen Reich erhöhen. Das sind die Gaben, die der Diener Gottes opfern muss. Das sind die Schlachtopfer, dies das Opfer der Versöhnung, das er darbringen soll. Das ist die wahre Verehrung, wenn der Mensch das kostbarste seines Herzens auf den Altar Gottes legt. An einem solchen Verehrer erfreut sich jene höchste Majestät, ihn nimmt sie als Sohn auf und verleiht ihm zukommende Belohung der Unsterblichkeit.

Laktanz: Abriß der göttlichen Unterweisungen.

Samstag, 13. Februar 2010

Armenische Kirchenväter: Johannes Mandakuni

Da ich vorhabe, zur Fastenzeit hier auch einige Gedanken armenischer Kirchenväter vorzustellen, möchte ich schonmal damit anfangen, die Leserschaft mit ihnen bekannt zu machen. Heute: Johannes Mandakuni

Johannes Mandakuni war (vermutlich) von 484/485 - 498/499 Katholikos (Oberbischof) der apostolischen Kirche von Armenien. Er soll ein ausgesprochen hohes Alter erreicht haben, so dass seine Geburt in das beginnende 5.Jahrhundert zu datieren sein wird. Seine Familie stammt aus Tsachnot und gehörte zu den edlen Geschlechtern Armeniens. Vor ihm war schon sein Onkel Giut Katholikos, der ihn auch zum Bischof weihte. Giuts Regierungszeit fiel in eine Zeit der Protektion der persischen Religion in Armenien, da dieses seine Souveränität an die Sassaniden verloren hatte. Im Zuge dieser Wirren wurde auch Giut, der entschiedenen Widerstand leistete, als Katholikos abgesetzt, konnte aber wohl durch seinen Neffen und späteren Nachfolger Johannes die Geschäfte weiterführen.
Zu Beginn des Katholikats des Johannes kam es zu der glücklichen Wendung, dass ein Aufstand der Armenier diesen die teilweise Souveränität zurückerlangte. Dazu gehörte auch, dass die persischen Herren auf die Verbreitung ihrer Feuerreligion verzichteten. Katholikos Johannes weilte während der Kämpfe im Lager der Armenier. Nun befasste sich Johannes mit der Wiederherstellung der armenischen Kirche. Er wurde zum Kirchenbauer, zum Erneuerer der religiösen Zucht und des Glaubensernstes. Er förderte feinsinnig den Gottesdienst, führte die Priester zu einem Leben der Heiligung und hütete beharrlich die Einheit der Kirche.

Im Vorwort zur deutschen Edition heißt es:
"Noch heute sind die Reden dieses armenischen Kirchenvaters ergreifende Anregungen zum christlichen Leben. Sie sind voll zündenden Feuers. Der tiefe Ernst, der ihren Verfasser für die Werke der Gottesverehrung, für den Wandel nach den Gesetzen der christlichen Sittenlehre und für die unerläßliche Buße für Sünde und Verirrung erfüllt, muß auf den christlich denkenden Leser einen tiefen Eindruck machen. Daß die Stimme aus einer Zeit erschallt, die um 14 Jahrhunderte hinter uns zurückliegt und doch so kraftvolle und fortgeschrittene Forderungen an das christliche Leben stellt, verstärkt diesen Eindruck nachhaltig."

Die Quelle für die Texte wird sein: "Ausgewählte Schriften der armenischen Kirchenväter", herausgegeben von Dr.Simon Weber. München.1927.

Freitag, 12. Februar 2010

Corneliu Codreanu: Politische Tätigkeit und christlicher Glaube

Ich wurde gefragt, ob unsere bisherige Tätigkeit in Richtung des orthodoxen Glaubens liege. Ich antwortete: Wir machen einen großen Unterschied zwischen unserer Lebensanschauung und derjenigen der christlichen Auffassung, die bedeutend höher liegt als unsere. Sie erreicht das Vollkommene und Erhabene. Wir können diese hohe Auffassung nicht erniedrigen, um unsere irdischen Taten zu erklären. Wir sind aber durch unser ganzes Tun und Handeln mit all unseren Gedanken darauf ausgerichtet. Wir ringen danach, uns zu ihr zu erheben, soweit die Last der menschlichen Schuld es uns gestattet und soweit die Erbsünde, die auf uns liegt, uns dies erlaubt. Es wird sich erst später zeigen, wieweit wir mit unseren irdischen Kräften imstande waren, uns dieser ewigen, übermenschlichen Lebenslinie zu nähern.
Aus: Eiserne Garde.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes

Maria Bernadette Soubirous in einem Brief an Pater Gonrad:
Eines Tages ging ich mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute um nach der Wiese. Aber die Bäume bewegten sich nicht. Da schaute ich zu der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz.
Als ich das sah, rieb ich mir die Augen, weil ich dachte: Du täuscht dich! Ich tat die Hände in den Busen meines Kleides, wo ich meinen Rosenkranz fand. Ich wollte mir auch das Kreuz auf die Stirn machen. Aber ich konnte die Hand nicht hochbringen, sondern sie fiel mir herunter. Als aber die Dame das Kreuzzeichen machte, da versuchte ich es auch mit zitternder Hand, und da konnte ich es. Zugleich begann ich den Rosenkranz zu beten, indessen auch die Dame die Perlen gleiten ließ, aber ohne die Lippen zu bewegen. Als ich mit dem Rosenkranz fertig war, verschwand die Erscheinung sofort.
Ich fragte die beiden Mädchen, ob sie etwas gesehen hätten. Das verneinten sie, fragten aber, was ich ihnen zu enthüllen hätte. Da teilte ich ihnen mit: ich hätte eine Dame in weißen Kleidern gesehen, wisse aber nicht, wer sie sei. Ich kam am Sonntag wieder, weil ich mich hingezogen fühlte...
Erst beim dritten mal sprach die Dame zu mir und fragte mich, ob ich vierzehn Tage lang zu ihr kommen wolle. Ich sagte: Ja! Sie setze hinzu, ich solle die Priester auffordern, dort eine Kapelle bauen zu lassen. Dann hieß sie mich, aus der Quelle zu trinken. Da ich keine Quelle sah, ging ich zum Gave-Fluß. Aber sie gab mir zu verstehen, sie spreche nicht von dem Fluß, und zeigte mit den Fingern auf die Quelle. Als ich hinging, fand ich nur ein bisschen lehmiges Wasser. Ich hielt die Hand hin, konnte aber nichts fassen. Darum fing ich an zu scharren und konnte schließlich ein wenig schöpfen. Dreimal schüttelte ich es weg. Doch beim vierten mal konnte ich es trinken. Darauf entfernte sich die Erscheinung, und ich ging weg.
Vierzehn Tage ging ich hin, und jeden Tag erschien die Dame, außer an einem Montag und einem Freitag. Jedesmal trug sie mir auf, die Priester an den Bau der Kapelle zu mahnen. Jedesmal forderte sie mich auf, mich in der Quelle zu waschen und um die Bekehrung der Sünder zu bitten. Öfters fragte ich sie, wer sie sei, aber sie lächelte nur. Zuletzt sagte sie mir, die Arme und die Augen zum Himmel erhoben: "Ich bin die unbefleckt Empfangene".

Samstag, 6. Februar 2010

Hl. Paul Miki und Gefährten

In den Verfolgungen, denen die Christen in Japan ab 1587 ausgesetzt waren, erlitten am 6.Februar 1597 sechsundzwanzig Christen - Ordensangehörige und Terziaren - in Nagasaki den Märtyrertod.

In dem Bewusstsein, in hohen Ehren vor den Augen all derer zu stehen, die ihm einst angehört hatten, erklärte unser Bruder Paulus Miki den Umstehenden, er sei Japaner und gehöre zur Gesellschaft Jesu, er müsse sterben wegen der Verkündigung des Evangeliums und danke Gott für diese außerordentliche Wohltat. Dann fügte er hinzu: "Da es nun mit mir dahin gekommen ist, denke ich, niemand von euch wird von mir glauben, dass ich die Wahrheit verhehle. So erkläre ich denn euch allen, dass es keinen anderen Weg zum Heil gibt, als den der Christen. Dieser Weg lehrt mich, den Feinden zu verzeihen und allen, die mich beleidigt haben. Darum vergebe ich gerne dem König und allen, die an meinem Tod schuldig sind und ich bitte sie, die christliche Taufe zu empfangen." Dann richtete er seine Augen auf die Gefährten und begann ihnen für den Höhepunkt dieses Kampfes Mut zuzusprechen. Auf dem Gesicht aller erschien ein Aufleuchten der Freude, besonders bei Ludwig. Als ihm ein anderer Christ zurief, er werde bald im Paradies sein, lenkte er durch eine von Freude erfüllte Bewegung der Finger und des ganzen Leibes auf sich. Antonius, neben Ludwig, richtete seinen Blick zum Himmel und rief die heiligen Namen Jesus und Maria und sang den Psalm: "Lobet, ihr Knechte des Herrn!", den er im katechetischen Institut von Nagasaki gelernt hatte, wo man große Mühe darauf verwendet, den Knaben einige Psalmen beizubringen. Andere riefen mit frohem Angesicht immer wieder: "Jesus, Maria!" Einige ermahnten sogar die Umstehenden, ein eines Christen würdigeres Leben zu führen. Durch diese und andere Handlungen zeigten sie ihre Bereitschaft zu sterben.
Da zogen die vier Henker die Schwerter, wie sie bei den Japanern im Gebrauch sind. Bei diesem schrecklichen Anblick schrieb die Gläubigen: "Jesus! Maria!", und ein Wehklagen erhob sich, das den Himmel selbst rühren mußte. Die Henker töten sie nacheinander mit einem oder einem zweiten Stoß.
Aus der Geschichte des Martyriums des heiligen Paul Miki und seiner Gefährten, von einem Zeitgenossen

Donnerstag, 4. Februar 2010

Johannes Tauler: Zeiten der Traurigkeit

Der Mensch muss sich darauf gefasst machen, dass er, obwohl er nur Gott in allem sucht, Zeiten innerer Ängste zu durchleben hat und dass Traurigkeit über ihn kommt, wo er meint, er habe es eigentlich gar nicht auf Gott abgesehen und es sei für ihn alles verloren, so dass er einer inneren Unruhe verfällt. Solche Anwandlungen können von einer angeborenen Neigung zur Schwermut kommen, aber auch von den Gestirnen, der Athmosphäre und der Wetterlage, oder aber vom bösen Geist. Solche Anwandlungen soll man mit Sanftmut zu beruhigen und zu bewältigen suchen. Manche wollen aus einem solchen Zustand stürmisch und mit Gewalt ausbrechen; aber sie schädigen nur ihre Nerven. Oder sie laufen zu Fachleuten des geistlichen Lebens oder zu einem Gottesfreund, ohne dort viel Hilfe zu erfahren. Ja es kann sein, daß sie danach noch weniger wissen, wie sie dran sind.
Wenn ein solches Unwetter in einem heraufzieht, sollte man sich verhalten wie die Leute bei Gewitter, Regenschauer oder Hagel. Sie flüchten sich unter ein Dach und warten bis das Gewitter vorbei ist. Genau so soll sich auch ein Mensch verhalten, der in der Einfalt seines Herzens beschlossen hat, nichts anderes zu begehren und zu wollen als Gott, und der auch jetzt willens ist, diesem Entschluß treu zu bleiben. Wenn die oben angezeigten Anwandlungen über ihn kommen, soll er nichts anderes tun, als diese Versuchungen an sich auswirken zu lassen, bis er wieder seine Fassung gefunden hat. Er soll sich in Gelassenheit so annehmen, wie er ist, mit Ruhe diese Zustände erleiden und in seiner inneren Bedrängnis auf Gott warten. Wer weiß, wo und unter welchen Umständen Gott kommen will, um ihm seine Gnade zu schenken. Der Mensch bewahre also den Geist der Sanftmut und bleibe unter dem Dach des göttlichen Willens. Das ist für ihn hundert mal besser als großartige Aufschwünge durch ideales, tugendhaftes Wirken oder reiche innere Erleuchtungen, so wie er sie sich gern wünschte.
Denn in Zeiten der Traurigkeit kann der Mensch sich keine Eigenleistung und Eigenerfahrung zum inneren Halt machen; was aber möglich wäre, wenn er sich auf eigene Vorsätze und Erlebnisse verlassen könnte. Sofort wäre da das natürliche Empfinden zur Stelle und maßte sich in lustvoller Selbstzufriedenheit Gottes Gaben an. Diese Lust würde aber die Seele verunreinigen; denn Gottes Gaben sind nie Gott selbst. Seine Lust aber soll der Mensch allein in Gott haben, nicht in dem, was er schenkt. Das leidige Streben der Menschennatur geht aber dahin, sich auf die Gottesgaben zu stürzen und sich zu sich selbst hinzubeugen. Unbemerkt schleicht sich diese Neigung ein und maßt sich an, was nicht dem Menschen gehört. So ist gott daran gehindert, in ihm sein edles Werk zu wirken.
Aus: Johannes Tauler. Gott in Dir. Taulers spirituelles Programm. Übertragen und eingeleitet von Eugen Rucker SVD