Montag, 29. März 2010

Hans Urs von Balthasar: Die Wandlung in das Ersehnte

Wähne nie, du hättest erreicht; vergiß, was hinter dir liegt, dehne dich aus nach dem, was vor dir liegt; in der Wandlung, in der du das Erraffte verlierst, wirst du endlich verwandelt werden in das, was du sehend begehrst.
Trau der Zeit ... Die Zeit ist so lang wie die Gnade. Überlaß dich der Gnade der Zeit. Du kannst Musik nicht unterbechen, um sie zu fangen und einzuheimsen: laß sie fließen und fliehen, anders begreifst du sie nicht. Du kannst sie nicht im schönen Akkord zusammenballen und ein für allemale besitzen. Geduld ist die erste Tugend dessen, der vernehmen will. Und die zweite Entsagung. Denn sieh: du begreifst den Schwung der Melodie nicht früher, als bis der letzte Ton verklang ... erst was im Ohre unterging, geht auf im Herzen.

H.U. von Balthasar: Das Herz der Welt.

Sonntag, 28. März 2010

Zum Beginn der Heiligen Woche

... sei der Text der Hymne der Lesehore zur Meditation empfohlen:

Preise, Zunge, und verkünde
den erhabnen Waffengang;
auf das Kreuz, das Siegeszeichen,
singe den Triumphgesang.
Singe, wie der Welt Erlöser
starb und dennoch Sieg errang.

Denn verblendet aß sich Adam
einst vom Baume das Gericht;
doch der Schöpfer voll Erbarmen
wollte sein Verderben nicht
und hat selbst den Baum erkoren,
der den Fluch den Baumes bricht.

Gottes Plan, uns zu erlösen,
hat verlangt die Opfertat,
und des Vaters ew'ge Weisheit
macht zuschanden den Verrat
und verlieh barmherzig Heilung,
wo der Feind verwundet hat.

So ward in der Zeiten Fülle
uns gesandt des Vaters Sohn,
er, der Schöpfer aller Welten,
stieg herab vom Himmelsthron
und ward Fleisch und ward geboren
und ward einer Jungfrau Sohn.

Als nach dreißig Erdenjahren
für den Herrn die Stunde kam,
daß er unseres Heiles wegen
Tod und Leiden auf sich nahm,
wurde er erhöht am Kreuze,
dargebracht als Gotteslamm.

Seht den Essig, seht die Galle,
Dornen, Nägel, Speer voll Wut
seinen zarten Leib durchbohren,
Wasser strömt hervor und Blut;
Erde, Meere, Sterne, Welten
werden rein durch solche Flut.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn geweiht,
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit. Amen.

Freitag, 26. März 2010

Romano Guardini: Judas - ein Teufel kann man werden

Als Judas bei Jesus blieb, begab er sich in eine schreckliche Gefahr. Das heilige Dasein, das ganz von Gott her denkt, urteilt und handelt, ist nicht einfach zu ertragen. Sehr töricht, zu meinen, es müsse ohne weiteres schön sein, in der Nähe des heiligen Menschen, gar des Sohnes Gottes zu leben: dabei könne man nicht anders als gut werden. Ein Teufel kann man werden. Der Herr selbst sagt es: "Habe ich nicht euch zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel." Judas war es nicht von vornherein, wie das Volk meint; er ist es geworden, und zwar in der Nähe des Erlösers. Sagen wir ruhig: an der Nähe des Erlösers, denn "dieser war gesetzt zur Auferstehung und zum Fall". Besonders nach Kafarnaum muß die Situation für ihn unerträglich geworden sein. Immerfort diese Gestalt vor Augen zu haben; immerfort diese übermenschliche Reinheit zu fühlen; immerfort, und das war das schwerste, diese Gesinnung des Opfers, diesen für die Menschen sich hingebenden Willen zu empfinden - das konnte nur ertragen, wer Jesus liebte. Es ist schon schwer genug, menschliche Größe zu ertragen - eigentlich sollte man sagen: zu verzeihen - , wenn man selbst nicht groß ist. Wenn es aber göttliche Größe ist? Göttliche Opfergröße? Die Größe des Erlösers? Ist dann keine reine Bereitschaft des Glaubens und des Liebens da, so muß sich alles vergiften.

aus: Romano Guardini: Der Herr.

Donnerstag, 25. März 2010

Johannes Mandakuni: Ungerechtigkeiten, die der Buße bedürfen

Manche sind erkaltet in der Liebe zu Gott und haben sich entfernt vom Geiste der Gnade, oder nehmen im Stand der Unreinheit teil an dem heiligen Sakramente und halten sich ganz nach Belieben davon ferne; beide machen sich der schwersten Strafen schuldig; Satan aber läßt das als geringfügig erscheinen, damit sie nicht Buße tun. Manche verachten ihre Taufe und ihre Hoffnung auf die Auferstehung, verzweifeln wie die Heiden ... Aber auch das läßt Satan als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun. ... Manche Religiosen sind nicht aus Gottesfurcht sittsam, sondern sie stellen sich nur vor den Menschen enthaltsam. Sie lassen sich betören durch das Laster eitler Streberei, während sie Gott dabei vergessen; solche trifft noch ein härteres Urteil als Unzüchtige und Trunkenbolde. Manche belästigen und schmähen ihre Mitbrüder durch ihre Lastertaten und Entartung; dadurch werden sie aber zu Feinden Gottes, denn sie lästern das Werk seiner Hände; dadurch nämlich, dass man das Werk lästert, wird man auch zum Feind an dem Schöpfer. Manche schauen voll Neid und Eifersucht auf den Fortschritt des Mitbruders und finden ihre Genugtuung und Freude daran, wenn er zu Fall kommt und verarmt, das sind furchtbare Sünden und abscheuliche in den Augen Gottes. Doch auch das läßt Satan in unseren Augen als geringfügig erscheinen, damit wir nicht Buße tun.

aus: Johannes Mandakuni: Über die furchtbaren Hagelschläge.

Mittwoch, 17. März 2010

John Henry Newman: Christus entgegenwachen

Was heißt es: Christus entgegenwachen? ... Ich meine, es läßt sich auf folgende Weise erklären. Kennt ihr wohl aus eigener Erfahrung dieses Lebens das Gefühl, das ihr hegt, wenn ihr auf einen Freund wartet, auf seine Ankunft, und er zögert? Wißt ihr, was es heißt, in unangenehmer Gesellschaft zu sein und sich zu wünschen, die Zeit möge verfliegen, und es möchte die Stunde schlagen, da man sich freimachen kann? Wißt ihr, was es heißt, in Angst zu sein, es könne etwas eintreten, das kommen kann oder nicht, oder in Spannung sein auf ein wichtiges Ereignis, das das Herz schon beim bloßen Gedanken daran schlagen läßt und das euer erster Gedanke am Morgen ist? Wißt ihr, was es heißt, einen Freund in einem fernen Land zu haben, von ihm Nachrichten erwarten und Tag für Tag darauf gespannt sein, was er jetzt gerade tut und ob es ihm gut geht? Wißt ihr, was es heißt, mit einem Menschen, den man um sich hat, so zusammenleben, daß euer Auge dem seinigen folgt, daß ihr in seiner Seele lest, daß ihr jeden Wechsel in seinem Antlitz beobachtet, seine Wünsche erahnt, daß ihr lächelt, wenn er lächelt, trauert, wenn er trauert, gedrückt seid, wenn er bedrängt ist, und seiner Erfolge euch freut? Für Christus wach sein ist ein Gefühl wie all diese, soweit Gefühle dieser Welt imstande sind, die einer anderen Welt widerzuspiegeln. Der ist wach für Christus, der ein empfindendes, sehnsüchtiges und fühlendes Herz besitzt: der wach, lebendig, hellsichtig, eifrig darauf bedacht ist, Ihn zu suchen und zu ehren, der in allem, was geschieht, nach Ihm ausschaut und nicht überrascht, nicht über-erregt oder überwältigt wäre, wenn er entdeckte, daß er plötzlich käme.Und der wacht mit Christus, der in die Zukunft, zugleich aber auch in die Vergangenheit blickt, der bei der Betrachtung dessen, was sein Erlöser für ihn erwarb, nicht vergißt, was Er für ihn gelitten hat. Der wacht mit Christus, der den Gedanken an Christi Todesangst und Kreuz stets in sich trägt und in seiner eigenen Person nacherfährt.
Das also heißt wachen: vom Gegenwärtigen losgelöst sein und im Unsichtbaren leben; im Gedanken an Christus leben, wie er einst kam und wie er wiederkommen wird; nach seiner zweiten Ankunft verlangen in liebevollen und dankbaren Gedanken an seine erste.

aus: Parochial and Plain Sermons IV (übersetzt von Josef Mann)

Sonntag, 14. März 2010

Johannes Mandakuni: Gottes Menschenliebe besiegt unsere Bosheit

Mag sein, daß du über und über mit Kot beschmutzt bist, aber du hast auch eine Tränenquelle, welche dich reinigt und läutert. Bist du auch in unentschuldbaren Schmutz der Sünden gestürzt worden, so zögere wenigstens nicht und bleibe nicht in deinem Sturz und du findest Nachlassung und Rettung. Wenn du auch entstellt bist von schwarzer Gottlosigkeit, nahe dich Christus mit heißen Tränen, er wird dich läutern und verklären. Magst du ihn auch heftig erzürnt haben, dadurch dass du auf deinen verderblichen und finsteren Pfaden verbleibst, raffe dich auf zum Bekenntnis und du findest Aufnahme wie der verlorene Sohn. Wärest du auch schwer verwundet von den Füßen an bis zum Haupte, du kannst dennoch Heilung finden durch Erbarmen und Mitleid mit den Armen. Magst du auch durch die Ketten Satans gefesselt sein und dich verstrickt haben in seine Schlingen, strenges Fasten und dein inniges Gebet zerreißen die Fallstricke der Sündenbanden Satans. Mögen deine furchtbaren Lastertaten dich hinabgezogen haben in die finsteren Abgründe und in die Tiefen. Dein Gebet, dein Seufzen, deine freiwillige Buße entreißen dich wieder der tiefen Finsternis und tragen dich empor zum himmlischen Gewölbe, wo die Güter für die Gerechten bereitstehen. Magst du durch deine pestgleiche Unzucht eine Wohnung der finsteren Dämonen geworden sein, so reinige dich jetzt von der häßlichen Fäulnis, gehe in Sack und Asche und unter Gebeten ins Haus Gottes. Mag deine Bosheit auch gar schlimm sein, seine Menschenliebe siegt darüber. Magst du auch unreiner sein als selbst ein Götzenopfer und ein Aas, durch ein tugendhaftes Leben kannst du dich reinigen und wohlgefällig werden vor Gott. Magst du durch den widerwärtigen Unrat der Sünden deinen Leib auch in bösem Siechtum entstellt haben, und magst du befleckt und verunreinigt dastehen in Lasterhaftigkeit, dennoch tilge sie in dir durch ein demütiges und zerknirschtes Herz, und sofort wirst du erleuchtet von der Gnade des Heiligen Geistes.

Johannes Mandakuni: Aus der Rede über jene, welche die Sünde der Bestialität begehen. Über Weichlinge und Päderasten.

Agios o Theos

Heiliger Gott
Heiliger starker Gott
Heiliger unsterblicher Gott
Erbarme dich unser.

Donnerstag, 11. März 2010

Hl.Josemaria Escriva de Balaguer: Buße

Vergrabe durch die Buße deine Nachlässigkeiten, Beleidigungen und Sünden in der tiefen Grube, die deine Demut öffnet. Denn so vergräbt auch der Bauer die faulen Früchte, die trockenen Äste und das gefallene Laub am Fuße des Baumes, der sie hervorbrachte. Was unfruchtbar, ja, was schädlich war, trägt nun wirksam zu neuer Fruchtbarkeit bei.
Lerne, Schwung aus dem Sturz zu holen: Leben aus dem Tode.
aus: Der Weg (211)

Dienstag, 9. März 2010

Elische: Eile, eile geschwind, o Bruder, dich zu retten

Wohlan denn also, verlaß die Welt! Der du einst in sie tratest, trenne dich von ihrem Unrat. Wirf weit von dir die Gewandung dieser Welt voll Schmerz. Wie ein Athlet entkleide dich, salbe dich mit dem Öle Christi, damit nicht gegen dich kämpfen die Hände des Tapfersten. Wenn die Heiden, welche geleitet werden von vernünftiger Weisheit, nicht allein ihre Besitztümer verlassen, sondern sich auch von den gewöhnlichen Speisen enthalten, sich mit kurzem unbereitetem Trunk stärken und mit heldenmütigem Tod ihr vollbrachtes Leben abschließen, wieviel mehr müssen wir ähnlich werden den Lieblingen Christi, die nach den Regeln der Engel sich verhielten und sich den Chören der Überirdischen beigesellt haben.
Gehen auch wir, o Anachoreten, nach dem Gesetz der Feinde, treten wir in unser Besitztum wie in ein fremdes Land, hauen wir aus die Pflanzung des Feindes, um sie auszurotten. Wie Gefangene wollen wir unsere Habe für die Bedrängten verwenden, nicht als ob wir unsere Angehörigen haßten, sondern um unsere Liebe zu den Armen zu üben, welche die Truppe Christi sind und die wahren Fürsprecher. Du fesselst dich hier selbst durch die Güter und begibst dich in eine Gefangenschaft ohne Umkehr, aus welcher es kein Lösegeld gibt. Eile, eile geschwind, o Bruder, dich zu retten vor solcher erbarmungslosen Hölle, auf daß du hingelangen kannst zur sicheren Stadt, wo kein Argwohn und keine Furcht mehr dich drückt vor dem Falle und vor dem Lose der Gefangenschaft.

Bischof Elische in seinem "Worte der Ermahnung an die Einsiedler"

Montag, 8. März 2010

Unsere Antwort: Buße

Ohne Zweifel wird der Kirche zur Zeit durch die Medien und ihre Feinde übel mitgespielt. Man kann sich darüber ohne Probleme auf katholischen Seiten im Internet und gelegentlich auch in einzelnen Artikeln der Welt oder FAZ informieren. Vieles ist übertrieben, in böswilliger Absicht vorhergekramt, verfälschend dargestellt, durch Sensationsgier und Haß auf die Kirche entstellt.

Und dennoch bleibt es: Menschen aus unseren Reihen haben Unrecht getan. Wie wir als Kirche eine Gemeinschaft des Heiles sind, so kann es uns auch nicht kalt lassen, wenn ausgehend von den Unseren Unrecht geschieht. Es ist nicht unsere Aufgabe, uns an der öffentlichen Hysterie zu beteiligen oder medienwirksam unsere Betroffenheit zur Schau zu stellen. Unsere Antwort ist die Buße, für uns und als Sühne für andere. Verdrängen wir nicht das Geschehene dadurch, dass wir unseren Blick darauf richten, dass vieles verzerrt und aufgebauscht wird. Das geschieht, aber es entlastet uns als Gemeinschaft nicht von dem, was tatsächlich stattgefunden hat.

Gott führt seine Kirche zur Buße. "Tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!" Wir werden diese Krise nicht überwinden durch die Medien, durch Beauftragte oder Runde Tische, sondern nur durch eine Haltung der Buße und des Vertrauens auf den Herrn der Kirche selbst. Deshalb: Besinnen wir uns, tun wir Buße, sühnen wir.