Wir warten auf bessere Zeiten?
vor 10 Stunden
ultramontan - reaktionär
Der Demut gegenüber steht die Selbstgefälligkeit. Der selbstgefällige Mensch schreibt sich die Vorzüge zu, die in Wahrheit nicht in ihm sind, oder wenn in ihm, es doch nicht wert sind, daß man sich etwas darauf zugute tue: vornehme Familie, Gunst der Großen, öffentliches Ansehen und dergleichen sind Dinge, die nicht an uns, sondern an unseren Vorfahren oder an fremden Urteil liegen. Es gibt Menschen, die fühlen sich fast wie Halbgötter, weil sie auf einem guten Pferd reiten, eine schöne Feder auf dem Hut oder ein teures Tuch auf dem Leib haben. Wer sieht hierin nicht die Narrheit? Wenn es jemand gäbe, der in solchen Fällen stolz sein könnte, so wäre es das Roß, der Vogel oder der Schneider. Von ihnen also leihst du deine Herrlichkeit? Geh, schäme dich! ...
Von allen dogmatischen Bindungen scheint mir die auf religiösem Gebiet am meisten wünschenswert... Es gibt fast keine menschliche Wirksamkeit, so sehr sie auch auf einen einzelnen Gegenstand beschränkt sein mag, die nicht in einer ganz allgemeinen Vorstellung ihren Ursprung hätte, die die Menschen sich von Gott, von seiner Beziehung zum Menschengeschlecht, von der Natur ihrer Seele und von ihren Pflichten ihresgleichen gegenüber gemacht haben...
Die Demokratie liebt Verallgemeinerungen. Es ist dies eine Folge der Gleichheit: in ihrem Zeichen scheinen dem Menschen all die Wahrheiten, die auf ihn selbst anwendbar sind, in gleicher Weise auch auf alle seine Mitbürger Anwendung zu finden.
Es ist leicht einzusehen, daß es keine Gemeinschaft gibt, die ohne Ähnlichkeit der religiösen Bekenntnisse gedeihen oder überhaupt bestehen könnte; denn ohne Gemeinsamkeit des Denkens gibt es keine Gemeinsamkeit des Handelns - und ohne Gemeinsamkeit des Handelns gibt es zwar Menschen, aber keine Gemeinschaft. Damit eine solche existiert, und noch mehr, damit sie gedeiht, müssen alle Bürger in ihrem Denken stets durch einige grundlegende Ideen verbunden und zusammengeschweißt sein.
Das Unzeitgemäße und Inaktuelle gewinnt seine Bedeutung nicht einfach in Opposition zum Aktuellen oder gar als dessen Negation, wohl aber aus entschiedener Andersheit im Verhältnis zum Aktuellen.