Samstag, 19. Juni 2010

Lesehinweis: All die schönen Pferde (Cormack McCarthy)

Die Wüste war rot, und rot war der Staub, den er aufwirbelte, der feine Staub, der die Beine der Pferde bepuderte, des Pferdes, das er ritt und des Pferdes, das er führte. Abends kam Wind auf und rötete vor ihm den Himmel. Nur wenig Vieh gab es hier, denn das Land war wahrhaftig öde; einmal stieß er auf einen einzelnen Bullen, er wälzte sich vor dem blutroten Sonnenuntergang im Staub wie ein Opfertier in seiner Todesqual. Blutroter Staub wehte aus der Sonne herab. Er gab seinem Pferd die Hacken und ritt weiter. Die Sonne verkupferte sein Gesicht, vom Westen her blies der Wind übers abendliche Land, die kleinen Wüstenvögel flatterten zwitschernd durchs dorre Farnkraut, Pferd und Reiter und Pferd zogen weiter, ihre langen Schatten glitten hintereinander dahin, wie der Schatten eines einzigen Wesens. Glitten verblassend dahin ins dunkelnde Land, in die künftige Welt.

Der letzte Abschnitt aus dem sehr ansprechenden Roman "All die schönen Pferde" von Cormack McCarthy.

Montag, 14. Juni 2010

Ein Link zur WM: Cacau + Glaube

Auf seiner Homepage hat der deutsche Fußballnationalspieler (brasilianischer Abstammung) Cacau (eigentlich: Claudemir Jeronimo Barreto) sein christliches Lebenszeugnis veröffentlicht. OK, es ist evangelikal, liebe Leser lauft nicht gleich über, aber ich finde es sympathisch, wenn er für den christlichen Glauben wirbt. Dass einen konservativen Katholiken oft in gewisser Hinsicht mit einem glaubensmäßig konservativen Protestanten mehr verbindet als mit einem Spät-68er, der sich im Verbandskatholizismus tummelt, ist eigentlich auch kein Geheimnis.

Hier also der Link zum Glaubenszeugnis von Cacau.

PS: Harki - immer ruhig bleiben ;).

Freitag, 11. Juni 2010

Hochfest Herz Jesu: Die erste Offenbarung Jesu an die Hl. Maragreta Maria Alacoque

Aus dem Bericht der Hl.Maragareta Maria Alacoque über die erste Offenbarung des Herrn an sie. Sie wird auf den 27.12.1673 datiert, das Fest des Apostels Johannes, des Lieblingsjüngers.

"Er [Jesus] sagte zu mir: Mein göttliches Herz brennt so vor Liebe zu den Menschen und besonders zu dir, daß es die Flammen des Feuers nicht mehr in sich verschließen kann. (...) Es muß sich offenbaren, um die Menschen mit den kostbaren Schätzen zu bereichern, die ich dir entdecke. Sie bergen die Gnaden, die ihnen zum Heile dienen und sie vom Abgrund des Verderbens zurückreißen. Dich, die du ein Abgrund der Unwürdigkeit und Unwissenheit bist, habe ich zur Ausführung dieses großen Planes ausersehen, damit ich allein es sei, der dieses Werk vollbringt."
Dann forderte er mein Herz von mir. Ich bat ihn inständig, es zu nehmen. Er nahm es und versenkte es in das seine. Dort sah ich es wie ein winziges Stäubchen, das sich in dieser brennenden Glut verzehrte. Wie eine herzförmige Flamme sah es aus, als er es wieder herausnahm und an den Ort zurückversetzte, von wo er es genommen hatte. Dabei sprach er zu mir: "Hier hast du, meine Vielgeliebte, ein kostbares Unterpfand meiner Liebe. Ich habe einen kleinen Funken ihrer heißesten Flammen in deine Brust eingeschlossen, der dir künftighin als Herz dienen soll. Seine Glut wird nie erlöschen ... Doch wird er dir mehr Demütigungen und Leiden bringen als Erleichterung. Ich wünsche deshalb, daß du einfach darum bittest, damit du ausführst, was dir befohlen wird, und den Trost habest, dein Blut am Kreuz der Verdemütigungen zu vergießen ... Bisher hast du dich nur meine Sklavin genannt, doch nun verleihe ich dir den Namen der vielgeliebten Jüngerin meines Herzens."

Aus: Heilige Margareta Maria Alacoque. Leben und Offenbarungen. 1994.
Das Bild zeigt ein Herz-Jesu-Feuer im Ötztal.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Fasten - Anbeten - Beichten: Die "Aktion Ninive" beginnt

Papst Benedikt XVI. schreibt in seinem Hirtenbrief an die Kirche von Irland vom März 2010 anläßlich der Aufdeckung früherer Missbrauchs- und Misshandlungsfälle:

Ich möchte Euch nun auch einige konkrete Initiativen zum Umgang mit dieser Situation vorschlagen. Am Ende meiner Begegnung mit den irischen Bischöfen habe ich darum gebeten, dass diese Fastenzeit für das Gebet um die Ausgießung der Barmherzigkeit Gottes und der Geistesgaben der Heiligkeit und Stärke über die Kirche in Eurem Land genutzt wird. Ich lade Euch alle ein, dass dies für die Dauer eines Jahres, von jetzt bis Ostern 2011, die Intention Eurer Freitagsopfer sei. Ich bitte Euch, Euer Fasten, Euer Gebet, Eure Schriftlesung und Eure Werke der Barmherzigkeit dafür aufzuopfern, dass Ihr die Gnade der Heilung und der Erneuerung für die Kirche in Irland erlangt. Ich ermutige Euch, das Sakrament der Versöhnung für Euch neu zu entdecken und häufiger die verwandelnde Kraft seiner Gnade zu nutzen.
Besonderes Augenmerk sollte auch auf die eucharistische Anbetung gelegt werden, und in jeder Diözese sollte es Kirchen oder Kapellen geben, die dafür zur Verfügung stehen. Ich bitte die Pfarreien, Seminare, Ordenshäuser und Klöster, Zeiten eucharistischer Anbetung zu organisieren, so daß alle daran teilnehmen können. Durch intensives Gebet vor dem wahrhaft gegenwärtigen Herrn könnt Ihr Wiedergutmachung leisten für die Sünden des Mißbrauchs, die so viel Schaden angerichtet haben. Gleichzeitig könnt Ihr so die Gnade neuer Stärke und ein tieferes Sendungsbewußtsein aller Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen erflehen.
Ich bin zuversichtlich, daß diese Initiativen zu einer Neugeburt der Kirche in Irland in der Fülle von Gottes Wahrheit führen werden, denn es ist die Wahrheit, die uns frei macht (vgl. Joh 8,32).

In Deutschland hat Kirche in Not ein an diesen Grundsätzen orientiertes Projekt ins Leben gerufen: Die Aktion Ninive. Sie beinhaltet ab dem Herz-Jesu-Freitag (morgen, 11.6.) auf ein Jahr für die Teilnehmenden:
  • Jeweils am Herz-Jesu-Freitag eines Monats, also in der Regel am 1. Freitag des Monats, besuchen Sie möglichst vor Ort eine Kirche, eine Kapelle, ein Kloster, wo die eucharistische Anbetung angeboten wird und schließen sich dem Gebet an. Wo das nicht möglich ist, besuchen Sie eine Kirche und beten vor dem Tabernakel für die Erneuerung der Kirche. Manche haben auch die Möglichkeit, Gebetssendungen auf katholischen Radio- und Fernsehsendern zu verfolgen.
  • Außerdem denken Sie insbesondere am Herz-Jesu-Freitag an Ihr Freitagsopfer. Das kann der Verzicht auf Fleischspeisen sein oder der freiwillige Verzicht auf eine andere Annehmlichkeit.
  • Bemühen Sie sich, in dem „Ninive-Jahr“ monatlich das heilige Sakrament der Versöhnung zu empfangen.
    Wer die Möglichkeit hat, sollte die eucharistische Anbetung und das Freitagsopfer entsprechend dem Wunsch des Heiligen Vaters möglichst jeden Freitag pflegen.
  • An den übrigen Tagen des „Ninive-Jahres“ können Sie in dem Anliegen der Erneuerung der Kirche täglich das Gesätz des Rosenkranzes beten: „Der für uns gekreuzigt worden ist.
  • Gewinnen Sie Ihre Angehörigen, Freunde, Bekannten, Ihre Pfarrei und Gemeinschaften für dieses „Ninive-Jahr“. Initiieren Sie selber eine eucharistische Anbetung. Anregungen zum Gebet in der Pfarrei kann das Heft „Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft“ geben, das bei KIRCHE IN NOT, Lorenzonistr. 62, D-81545 München bezogen werden kann.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Hl. Ephräm: Einübung in der Abwehr der Versuchung

Zum heutigen Gedenktag des heiligen Diakons Ephräm:
Kommt mir ein böser Gedanke in den Sinn, so rufe ich mit Tränen zum Herrn: "Herr, sei mir Sünder gnädig und verzeihe mir, Menschenfreund. Herr, vertreibe den Bösen von uns!" Gott kennt ja die Herzen und weiß die Gedanken, die aus boshafter Gesinnung entstehen, aber auch jene, due uns vom bitteren Grimm der Dämonen eingegeben werden. Doch wisse: je mehr du kämpfst und aushälst im Dienste des Herrn, desto mehr werden dein Sinn und deine Gedanken gereinigt. Denn unser Herr Jesus Christus hat gesagt: "Jeden Zweig an mir, der Frucht bringt, werde ich reinigen, damit er noch mehr Frucht bringe." Habe nur den ernsten Willen, selig zu werden! Denn der Herr liebt und unterstützt mit seiner Hilfe jene, die sich eifrig bestreben, das Seelenheil zu erlangen. Vernimm nun ein Gleichnis in bezug auf die schändlichen Gedanken. Wird die Traube vom Weinberg gelesen und in die Kelter geworfen und zertreten, dann gibt sie ihren Wein her, der in Gefäße geschüttet wird. Und dieser Wein gärt anfangs so stark, als werde er vom heftigsten Feuer in einem Kessel gesotten; selbst die besten Gefäße vermögen die Gewlat nicht zu ertragen, sondern zerspringen wegen der Hitze. So geht es mit den Gedanken der Menschen, wenn sie sich von dieser eitlen Welt und ihrer Sorge zu den himmlischen Dingen erheben. Denn die bösen Geister, denen dieser Eifer unerträglich ist, verwirren auf mannigfache Weise den Geist der Menschen, indem sie in ihm einen düsteren Sturm erregen wollen, damit das Gefäß, d.h. die Seele, verdirbt und zerreißt, d.h. ungläubig wird und verzweifelt.

aus: Ephräm der Syrer: Mahnreden an ägyptische Mönche. Ein weiterer Text Ephräms findet sich hier.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Zu Fronleichnam - Joseph Ratzinger: Ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen

Die Erklärung dessen, was Eucharistie ist, faßt Augustinus in einer Predigt für die in der Osternacht Neugetauften in folgenden Worten knapp zusammen: "Es muß euch klar gemacht werden, was das ist, das ihr empfangen habt. Hört also kurz, was der Apostel oder vielmehr Christus durch den Apostel über das Sakrament des Herrenleibes sagt. 'Ein Brot sind wir, die Vielen.' Siehe: das ist das Ganze; rasch habe ich es euch gesagt; aber wägt die Worte, zählt sie nicht!"
In diesem einen Satz des Apostels ist nach seiner Ansicht das ganze Mysterium dessen, was sie empfangen. Es ist nicht viel an Worten, aber schwer im Gewicht. Hier wird ersichtlich, wo der Schwerpunkt der Eucharistielehre liegt: Die Eucharistie ist der Vorgang, durch den Christus sich seinen Leib auferbaut und uns selber zu einem einzigen Brote, zu einem einzigen Leibe macht. Der Inhalt, das Geschehen der Eucharistie ist Vereinigung der Christen aus ihrer Getrenntheit in die Einheit des einen Brotes und des einen Leibes. Eucharistie ist also vollkommen dynamisch-ekklesiologisch verstanden. Sie ist das lebendige Geschehen, durch das sich immer wieder die Kirche-Werdung der Kirche zuträgt.
Kirche ist Eucharistiegemeinschaft. Sie ist nicht einfach ein Volk: Aus vielen Völkern, in denen sie besteht, wird ein Volk, durch den einen Tisch, den der Herr uns allen gedeckt hat. Die Kirche ist sozusagen ein Netz von Eucharistiegemeinschaften und sie wird immer wieder vereint durch den einen Leib, den wir alle empfangen.

Dienstag, 1. Juni 2010

Justin der Märtyrer: Widerlegung des Verhängnisglaubens

Zum heutigen Gedenktag Justin des Märtyrers ein Auszug aus seiner Apologie:
Damit niemand aus unserer Bemerkung, was geschieht, sei vorhergewußt den Schluß ziehe, wir behaupten, es geschehe nach der Notwendigkeit des Verhängnisses, so wollen wir diese Schwierigkeit lösen. Daß die Strafen und Züchtigungen wie auch die Belohnungen nach dem Wert der Handlungen eines jeden zugeteilt werden, darüber sind wir von den Propheten belehrt worden, und wir verkünden es als wahr. Wäre das nicht der Fall, geschähe alles nach dem Verhängnis, so gäbe es gar keine Verantwortlichkeit. Denn wenn es vom Schicksal bestimmt ist, so ist der eine so wenig zu loben wie der andere zu tadeln. Und wiederum: wenn das Menschengeschlecht nicht das Vermögen hat, aus freier Wahl das Schändliche zu fliehen und sich für das Gute zu entscheiden, so ist es unschuldig an allem, was es tut. Daß es aber nach freier Wahl sowohl recht als auch verkehrt handelt. dafür führen wir folgenden Beweis. Man sieht ein und denselben Menschen zum Entgegengesetzten übergehen. Wäre es ihm nun vom Schicksal bestimmt, entweder schlecht oder gut zu sein, so wäre er niemals für das Entgegengesetzte empfänglich und änderte sich nicht so oft.
Auch verdiente der Mensch weder Strafe noch Lohn, wenn er nicht aus sich das Gute wählte, sondern dazu geboren wäre; und ebenso könnte er, wenn er böse wäre, nicht mit Recht der Strafe verfallen, da er nicht aus sich so wäre, sondern nichts anderes sein könnte, als wozu die Natur ihn gemacht hat.
Die Sache liegt vielmehr so: Weil Gott die zukünftigen Handlungen aller Menschen vorausweiß und weil es sein Grunsatz ist, jedem der zukünftigen Menschen nach dem Verdienst seiner Handlungen zu vergelten, so sagt er durch den prophetischen Geist vorher, was ihnen nach dem Wert ihrer Handlungen von seiner Seite begegnen werde. Dadurch führt er das Menschengeschlecht allezeit zur Überlegung und Besinnung, indem er ihm zeigt, daß er sich um die Menschen kümmert und Vorsorge für sie trifft.