Donnerstag, 29. Juli 2010

Götz Aly und das "neue Nationalgefühl"

Während der Fußballweltmeisterschaft sahen wir freudigen, gemeinschaftlichen Stolz, der nach der Niederlage gegen Spanien sofort verschwand. Wir erlebten gemeinsame Augenblicksgefühle, sonst nichts.
Das ist so etwa das, was sie Götz Aly unter Patriotismus (er lehnt das Wort allerdings ab) vorstellt: Gemeinsame Augenblicksgefühle. Davon kann es bekanntermaßen jede Menge geben, aber jeder weiß auch, dass ein Augenblicksgefühl keine echte Haltung oder Beziehung begründen kann, wenn es sich nicht im Alltag in etwas Grundlegendes verwandelt.
Dieses "Patriotismus-Konzept" ist so strukturiert wie eine rein sexuelle Bezeihung, bei der sich die Partner vollkommen egal sind.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Keine Stierkämpfe mehr in Katalonien

Erste Reaktion: Augenrollen. Warum soll man täglich tausende Tiere in Schlachthöfen massakrieren dürfen (was ich im wesentlichen in Ordnung finde - Tiere sind Tiere) und sich dann über ein paar Stiere aufregen, die - nach einem allermeist viel besseren Leben als ein fettgefüttertes Hausschwein - einen sehr stilvollen Abgang haben?

Andererseits muss man jetzt wohl auch nicht den Weltuntergang ausrufen: Traditionen haben immer mal geschwächelt, manche sind ganz geschwunden und hier gibt es wohl eine ganz eingenartige Koalition aus gutmenschlichem Liebreiz und katalonischem "Mir san mir". Schade nur für die Stiere, die werden nun gleich im Extremtempo gemästet und um ihren großen Auftritt in der Arena gebracht - stattdessen erwischt es sie mit tausend anderen Viechern im Schlachthof bevor sie verspachtelt werden.
Hat irgendwie aber auch etwas symbolisches.

Samstag, 24. Juli 2010

Rene Guenon - Tradition, Civilization and the Modern World

Hitler - Stalin - Mussolini

Offensichtlich steht Hitler in der Reihe der Diktatoren des zwanzigsten Jahrhunderts irgendwo zwischen Mussolini und Stalin - und zwar, bei genauerem Hinsehen, näher bei Stalin als bei Mussolini. Nichts ist irreführender als Hitler einen Faschisten zu nennen. Faschismus ist Oberklassenherrschaft, abgestützt durch künstlich erzeugte Massenbegeisterung. Hitler hat wohl Massen begeistert, aber nie, um dadurch eine Oberklasse abzustützen. Er war kein Klassenpolitiker, und sein Nationalsozialismus war alles andere als ein Faschismus. Wir haben bereits im vorigen Kapitel gesehen, daß seine "Sozialisierung des Menschen" genaue Entsprechungen in sozialistischen Staaten wie etwa der heutigen Sowjetunion und DDR hat - Entsprechungen, die in faschistischen Staaten höchstens kümmerlich entwickelt sind und mitunter ganz fehlen. Von Stalins "Sozialismus in einem Lande" unterschied sich Hitlers Nationalsozialismus (man beachte die terminologische Identität!) freilich durch das weiterbestehende Privateigentum an Produktionsmitteln, für Marxisten ein gravierender Unterschied. Ob er in einem totalitären Befehlsstaat wie dem Hitlerschen wirklich so gravierend ist, bleibe dahingestellt. Aber die Unterschiede zum klassischen Faschismus Mussolinis sind jedenfalls noch gravierender: keine Monarchie, daher keine Absetzbarkeit und Auswechselbarkeit des Diktators, keine feste Hierarchie in Partei oder Staat, keine Verfassung (auch keine faschistische!), kein wirkliches Bündnis mit den traditionellen Oberklassen, am wenigsten irgendwelche Hilfsdienste für sie. Eine Äußerlichkeit ist symbolisch für vieles wesentliche: Mussolini trug ebenso oft Frack wie Parteiuniform. Hitler trug Frack nur gelegentlich in der Übergangszeit 1933/34, solange Hindenburg noch Reichspräsident war und Hitler sein Scheinbündnis mit Papen noch aufrechterhalten musste; danach immer nur Uniform - wie Stalin.

Aus: Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler. München 1978.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Patriotismus - die nützliche Emotion?

Die JU Rems-Murr verfügt über eine Arbeitsgruppe Patriotismus. Das ist etwas ungewöhnlich, aber warum nicht. Diese Arbeitsgruppe hat ein Grundsatzpapier veröffentlicht, auf das ich bei cdu-politik.de gestoßen bin. Ich denke es ist eine gute Grundlage, einen Blick auf die Patriotismusdebatte zu werfen.

Man findet es hier.

Der Versuch ist anerkennenswert, wenn es auch in den bekannten Bahnen der Patriotismus-Debatte verbleibt (Stütze der Demokratie, mehr Sprachkenntnis für Zuwanderer, mehr Flaggen, nicht nur 3.Reich im schulischen Geschichtsunterricht - gerade letzteres ist ja auch gar nicht der Fall).

Worauf ich allerdings besonders hinweisen will - es kommt in der Regel so rüber, als ob Patriotismus vor allem ein emotionaler Zustand sei. Das ist er auch. Patriotismus muss sich aber auch vernunftmäßig ausweisen und auch (politisch) umgesetzt werden, abseits von Jubelfeiern und Symbolen. Symbole - im JU-Artikel zurecht betont - stehen ja für etwas. Die Frage ist aber: für was.

Abwarten oder: Die Unlust sich mitzuteilen

Dem geneigten Leser wird vermutlich aufgefallen sein, dass ich hier in letzter Zeit kaum noch schreibe. Der Hauptgrund liegt darin, dass ich eine gewisse Unlust verspüre, mich mitzuteilen.

Was den politischen Bereich angeht, bin ich mittlerweile einigermaßen defätistisch eingestellt. Es gibt im Grunde keine Handlungsoptionen. Natürlich liegt meine Sympathie manchmal mehr auf der einen oder der anderen Seite. Fraglos bin ich auch immer noch rechtsdrehend und werde es auch bleiben. Aber mein Ausflug ins Trutzburg-Forum hat mich da etwas auf den Boden geholt (auch wenn man da vieles interessante lesen kann). Mein Eindruck ist der, dass ohne eine grundlegende Umwälzung politisch nichts zu erreichen ist. Aber die Umwälzung steht nicht an. Gesellschaftlich ist die Trägheit so groß, dass nicht so sehr gefürchtet wird, wie eine Infragestellung des status quo, mögen die Argumente auch so gut sein, wie sie mögen. Aber selbst, wenn es eine grundsätzliche Änderung geben würde - sie wäre wohl kaum derart, das sie mir zusagen würde. Wozu also viel Elan investieren?

Religiös habe ich weder Lust, hier die Anti-Katholiken (z.T. aus der RKK) mit Steinen (wohl eher: Steinchen) zu bewerfen, noch kann ich mich zur Zeit aufraffen, hier viele spirituelle Texte zu posten. Im Moment lese ich sie lieber selbst und habe nicht das Gefühl, dass ich da dem Rest der Welt viel mitzuteilen hätte.

Sonntag, 4. Juli 2010

Nichtraucher-Volksentscheid in Bayern

Heute besteht in Bayern die Möglichkeit den Einführern der Erziehungsdiktatur einen kleinen Nadelstich zu verpassen - also auf zur Wahlurne und mit "Nein" gestimmt :).