Donnerstag, 26. August 2010

26. August 1789: Erklärung der Menschenrechte in Frankreich - und ihre Ambivalenz

Am 26. August 1789 wurde in der französischen Nationalversammlung im Zuge der französischen Revolution die "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" verabscheidet.

In Artikel 2 dieser Erklärung findet sich der Satz:
Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte.

Die Menschenrechte sind demnach letztes Ziel jedes politischen Handelns schlechthin.

Im Jahr 2008 hat die russisch-orthodoxe Kirche ein Papier herausgebracht, das den Namen trägt: "Grundlagen der Lehre der Russischen Orthodoxen Kirche über Würde, Freiheit und Rechte des Menschen (Bischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche)." Hier finden sich einige bedenkenswerte Anmerkungen zur Thematik der Menschenrechte, der auch ihre Ambivalenz nicht vergisst.

- Zunächst wird die Grundlegung der Würde des Menschen in seiner Gottebenbildlichkeit festgehalten, daraus aber eben auch der Bezug zur Sittlichkeit abgeleitet: Als Ebenbild Gottes muss man sich auch dieser Würde entsprechend verhalten.
- Es reicht nicht die Wahlfreiheit für die Menschen zu proklamieren. Vielmehr muss die gesellschaftliche Ordnung neben der Wahlfreiheit auch auf die Freiheit ausgerichtet sein, losgelöst von der Sünde zu handeln, da in einer reinen Wahlfreiheit etwa "Abtreibung, Selbstmord, Unzucht, Perversion, Zerstörung der Familie und ein Kult der Brutalität und Gewalt nicht mehr angemessen sittlich bewertet, sondern unter Berufung auf ein verzerrtes Verständnis menschlicher Freiheit gerechtfertigt werden" können, was es ja auch gab und gibt.
- Die Würde kommt jedem einzelnen Menschen als Abbild Gottes zu, wodurch aber kein schrankenloser Inidividualismus gerechtfertigt werden darf. "Die individuellen Rechte des Menschen können den Werten und Anliegen des Vaterlandes, der Gemeinschaft und der Familie nicht zuwiderlaufen. Die Verwirk­lichung der Menschenrechte darf nicht zur Rechtfertigung für Anschläge auf religiöse Heiligtümer, kulturelle Werte und auf die Eigenständigkeit eines Volkes werden." Die von Gott gesetzten Normen und das auf ihnen beruhende Ethos muß gewahrt bleiben.
- Die Menschenrechte unterlagen und unterliegen einer Entwicklung. Daher können sie nicht auf einem bestimmten Stand verabsolutiert werden.

Sehr schön zu sehen ist die Einordnung der Menschenrechte in ein größeres Ganzes, das Grenzen mit sich bringt, quasi eine "Dialektik der Menschenrechte".
Es folgt dann eine Behandlung der Menschenrechte im Einzelnen. Der Text ist auf bogoslov.ru veröffentlicht und sehr lesenswert: bogoslov.ru

Mittwoch, 25. August 2010

Hl.König Ludwig IX, von Frankreich

Aus dem Testament an seinen Sohn:
Lieber Sohn, an erster Stelle möchte ich dich lehren, den Herrn, deinen Gott, aus deinem ganzen Herzen und aus allen Kräften zu lieben; denn ohne das gibt es kein Heil. Mein Sohn, du sollst dich vor allem hüten, wovon du weißt, daß es Gott mißfällt, das heißt, vor jeder schweren Sünde. Eher sollst du dich jeder Art von Martyrium unterwerfen als eine Todsünde begehen.
Wenn Gott zuläßt, daß dich ein Unglück trifft, mußt du es bereitwillig ertragen und bedenken, daß es dir zum Guten ausschlägt und daß du es vielleicht durchaus verdient hast. Schenkt Gott dir aber Wohlergehen, sollst du ihm demütig danken. Hüte dich, daß du nicht schlechter wirst, sei es durch eitle Ruhmsucht oder auf irgendeine andere Weise; denn dur darfst nicht mit den Gaben Gottes gegen Gott streiten oder ihn beleidigen.
Gern und fromm höre den Gottesdienst der Kirche. Wenn du im Gotteshaus bist, hüte dich umherzuschauen und führe keine leeren Gespräche. Vielmehr bete zu Gott mit Worten des Mundes oder in der Betrachtung des Herzens.
Dein Herz sei gütig gegen die Armen, Elenden und Betrübten. Komm ihnen nach Möglichkeit entgegen und tröste sie! Danke Gott für alle Gaben, die er dir verliehen hat, damit du noch größerer würdig wirst. Sei gerecht gegenüber deinen Untertanen. Halte den Weg der Gerechtigkeit ein und weiche nicht zur Rechten oder zur Linken ab! Schlag dich stets eher auf die Seite der Armen als auf die der Reichen, bis du sicher bist, die Wahrheit gefunden zu haben. Sei sorgfältig darauf bedacht, daß alle deine Untertanen im Schutz der Gerechtigkeit und des Friedens leben können, besonders kirchliche Personen und Ordensleute.
Sie unserer Mutter, der römischen Kirche, und dem Papst als dem geistlichen Vater ergeben und gehorsam. Bemühe dich, daß aus deinem Land alle Sünden verschwinden, besonders Gotteslästerung und Irrlehre.
Lieber Sohn, ich gebe dir jeden Segen, den ein liebender Vater seinem Sohn geben kann. Die heilige Dreifaltigkeit und alle Heiligen mögen dich vor allem Bösen bewahren. Der Herr gebe dir die Gnade, seinen Willen ganz zu erfüllen, so daß du ihm dienst und ihn ehrst und daß wir nach diesem Leben gemeinsam die Gnade erlangen, ihn ohne Ende zu schauen, zu lieben und zu loben.

Mittwoch, 4. August 2010

Francisco Franco

In seinem Palast, fern vom Lärm Madrids, regierte Franco mehr nach der Art von aufgeklärten Despoten des 18.Jahrhunderts, denn von Diktatoren seiner Epoche. Es gab nur wenige Ansammlungen von Volksmassen - es sei denn, es ging darum, dem Ausland zu zeigen, daß das Volk seinem Anführer folge. Es gab nur wenige hochtrabende Reden, kein theatralisches Gehabe, sondern nur praxisorientierte Arbeit mit seinen Ministern, denen Franco übrigens breiten Handlungsspielraum ließ, Beratungen mit verschiedenen Experten sowie, im Anschluß daran, eine bedächtige Überlegung, die zu einer Entscheidung führte, welche, wenn nötig, später korrigiert werden konnte, wie etwa im Fall der Aufgabe der Autarkie, um die spanische Wirtschaft zu liberalisieren. Zum Soldaten gesellte sich der Pragmatiker, der jedoch absolut keine Kompromisse schloß, wenn es um Spanien oder um die Religion ging.

Claude Martin: Franco. Eine Biographie. Graz 1995.