Samstag, 25. Dezember 2010

Heute ist der wahre Friede vom Himmel zur Erde herabgekommen

Heute ist der wahre Friede vom Himmel zur Erde herabgekommen; heute leuchtet der Himmel freundlich über der ganzen Welt.
Laßt uns froh sein: Heute ist unser Retter geboren, Traurigkeit hat keinen Raum am Geburtstag des Lebens, das uns die Angst vor dem Sterben genommen hat und uns die Freude über die verheißene Ewigkeit bringt.
Niemand wird von der Fröhlichkeit ausgeschlossen, alle haben den einen Grund zur Freude gemeinsam: Denn unser Herr, der Sünde und Tod vernichtet hat, fand keinen, der von Schuld frei war. Deshalb kam er, um alle zu befreien. Der Heilige juble, weil ihm die Siegespalme winkt. Der Sünder freue sich, weil er zur Versöhnung eingeladen ist. Der Heide atme auf; denn er ist zum Leben gerufen.
Leo I.

FROHE WEIHNACHTEN

Dienstag, 7. Dezember 2010

Bernhard von Clairvaux: Der Advent, der dem Heil dient

Liebe Brüder, der Name Advent ist wie der aller übrigen Feste in der Welt hinreichend berühmt und bekannt. Mit seiner Bedeutung könnte es aber anders sein. Denn die unglücklichen Kinder Adams haben es aufgegeben, nach Wahrheit und Heil zu forschen. Sie suchen nach hinfälligen und vergänglichen Dingen. Mit wem sollen wir die Menschen dieser Generation vergleichen, die sich nicht von irdischen und leiblichen Trost losmachen und trennen können? Wahrhaftig, sie gleichen Menschen, die in Gefahr sind zu ertrinken. Man sieht, wie sie sich zu halten versuchen und um keinen Preis das Erste und Beste loslassen wollen, das ihnen in die Hände geraten ist, was immer es ist und wenn es auch in keiner Weise helfen kann. Kommt ihnen jemand zur Hilfe so packen sie ihn manchmal und klammern sich an ihn, so daß er weder sich noch sie retten kann. So gehen diese Unglücklichen auf dem großen und weiten Meer zugrunde. Sie sind hinter dem Vergänglichen her und verlieren das Unvergängliche, das sie ergreifen müßten, um auftauchen und ihr Leben retten zu können. Denn nicht vom Vergänglichen, sondern von der unvergänglichen Wahrheit heißt es: "Ihr werdet sie erkennen, und sie wird euch befreien."
Liebe Brüder, ihr seid die Kleinen, denen Gott offenbart, was er den Weisen und Klugen verborgen hat. Verweilt in eifrigem Nachdenken bei dem, was wirklich dem Heil dient. Überlegt, was dieser Advent bedeutet. Fragt auch, wer da kommt, woher und wohin, wozu und wie er kommt. Eine solche Wißbegierde ist sicherlobenswert und heilbringend. Die ganze Kirche würde den gegenwärtigen Advent ja nicht mit solcher Hingabe feiern, wäre in ihm nicht ein so großes Geheimnis verborgen.

Freitag, 3. Dezember 2010

Lev Sestov: Der Sieg der Wissenschaft

Die Wissenschaft hat sich die menschliche Seele nicht unterworfen, indem sie alle ihre Zweifel zuließ und auch nicht, wie die meisten Gebildeten glauben, indem sie die Unmöglichkeit einer befriedigenden Zerstreuung dieser Zweifel nachwies. Sie verführte die Menschen nicht durch Allwissenheit, sondern durch Bequemlichkeiten des Alltags.

Aus: Lev Sestov: Apotheose der Heimatlosigkeit. 1905.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Aelred von Rievaulx: Es ist Advent des Herrn, der war und der kommen wird

Jetzt ist die Zeit, liebe Brüder, das Erbarmen und die Huld Gottes zu besingen. Denn es ist Advent des Herrn, der war und der kommen wird, des Allmächtigen. Warum kommt er? Damit jene, die ihn nicht kannten, erkennen; die nicht glaubten, glauben; die ohne Gottesfurcht waren, Gott fürchten; die nicht liebten, lieben. So kam er, der seinem göttlichen Wesen nach schon da war, nun mit seiner Huld, damit er als Mensch erkannt, als Gott geglaubt, als Mächtiger gefürchtet, als Gütiger geliebt werde. In unserer Schwachheit erschien er als Mensch, in seinen Wundern als Gott; mächtig, wenn er die Dämonen beherrscht, gütig und barmherzig, wenn er die Sünder aufnimmt; menschlich war sein Hungern, göttlich die Vermehrung der Brote; menschlich sein Schlaf im Fischerboot, göttlich sein Befehl an das Meer. Menschlich war sein Sterben, göttlich war es, wenn er die Toten erweckte. In seiner Macht trieb er die Händler aus dem Tempel, in seiner Güte nahm er Zöllner und Sünder an. Mit seiner Allgewalt schreckte er die Dämonen, in seiner Güte sprach er die Ehebrecherin frei. Zuletzt stürzten vor seiner Erhabenheit die Häscher zu Boden, die ihn gefangen nehmen wollten, und in seiner Liebe heilte er das Ohr des Knechtes. Dies alles gehört zu der Huld seines ersten Kommens. Da deine Güte bei deinem ersten Kommen so groß war, will ich dir singen, Herr. Erbarmen war es, daß du Mensch wurdest, unsre Schwäche auf dich nahmst ... Alles entströmte dem Quell deiner Barmherzigkeit.