Auf diesem Blog ist es seit längerem eher ruhig. Das liegt an einem gewissen Maß an Unlust und anderweitiger Beschäftigung meinerseits, aber insbesondere auch daran, dass ich mich immer weniger veranlasst fühle, in aktuelle Diskussionen einzusteigen. Sowohl politisch, als auch kirchenpolitisch. Die Politik - soweit sie sich sowieso nicht nur noch mit der Verwaltung bürgerlicher Lebensbedürfnisse befasst - verfolge ich mit einem gewissen Kopfschütteln, aber mittlerweile eher so, dass ich mich den Vorgängen kaum noch verbunden fühle. Es gibt auch de facto einfach keine Alternativen.
Die Kirchenpolitik ist maßgeblich durch eine scharfe Frontlage gekennzeichnet, wobei beide Lager der Ansicht sind, dass sie so sehr recht haben, dass sich weiteres nachdenken erübrigt. Ich weiß schon selbst sehr genau, in welches Lager ich gehöre, aber auch uns Konservativen täte etwas mehr Demut gut. Über dieses Memorandum - schlecht und oberflächlich, wie es ist - kann ich mich nicht mehr wirklich aufregen, denn dass viele (deutsche) Theologieprofessoren so denken, ist nun wirklich kein Geheimnis. Im Grunde müsste man die Forderungen theologisch demontieren, aber hier zeigt sich dann wieder, dass die "Forderer" sich so sicher sind (weil sie sich mit der überwältigenden Bevölkerungsmehrheit einig wissen), dass sie sich auf den theologischen Diskurs kaum einlassen wollen. Andersherum gilt, dass auch das Wedeln mit einem vatikanischen Dokument nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Diskussion ist.
Lassen wir es also an uns vorüberziehen und konzentieren wir uns auf das Wesentliche.
Belehrungen und Gebete für eine gute Wallfahrt
vor 5 Stunden


Kommentare:
Nichts für ungut. Aber klingst als wolltest Du dich heute noch, oder spätestens morgen, zum sterben niederlegen.
Mir hilft zur Zeit die Lekture des Buches "Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten", in dem "Ausgewählte Sprengsätze" von Dávila zusammengetragen worden sind, durch dieses Jammertal des ewig gleichen Gezeters und Gezerres der ewig gleichen Leute. Interessanter Mann, interessantes Vorwort (Mosebach), interessantes Denken.
Nichts von dem "interessanten" Denken ist katholisch.
Ein katholischer Mann hat bis zuletzt seinen Mann zu stehen.
Punkt.
Sonst verliert er seine Seele.
@ Nikodemus
Guter Beitrag von dir. Sehe das ähnlich. Habe selber noch was dazu geschrieben:
http://benjaminbenoni.blogspot.com/2011/02/katholische-kirche-ein-leichnam-im.html
@Mcp:
alles schön und gut, aber auch sehr ungnädig.
Dávila ist einer der eher unentdeckten, höchst katholischen Denker und Schriftsteller Lateinamerikas.
Der Davila-Leseempfehlung schließe ich mich vorbehaltlos an, jedoch mit der Warnung, dass sie den uns naheliegenden Zynismus noch verstärkt und in deiner Gemütslage wohl eher zur weiteren Weltabkehr führen wird....
Aber warum nicht mal etwas geistiges in den Block stellen, jenseits der Tagespolitik?
Was mir in der ganzen Situation fehlt ist wirklich, dass es mal zu einem Dialog kommt. So wie das abläuft, ist es völlig sinnlos. Es geht ja nur darum, die Themen warm zu halten. Sachlich halte ich diese Anfragen für völlig schief und größtenteils falsch. Allerdings gefällt mir eben auch die Art und Weise nicht, mit der manche Konservative darauf reagieren. Das Problem ist aber wohl tatsächlich, dass die Progressiven Kirchenkampf spielen wollen und die konservativen sich darauf einlassen.
Leider gibt es keinen Reformvorschlag der Konservativen. Das Gegen-Papier ist keiner, sondern nur ein notwendiges STOP.
Dabei brauchen wir in Deutschland dringend Reformen in der katholischen Kirche, Reformen für mehr Hinwendung zum Glauben und weniger Beliebigkeit.
Falls sich welche finden die wirklich etwas theologisch wert- und inhaltsvolles mitformulieren wollen, ich bin gerne mit dabei.
Ach ja ... man erreicht mich unter: sttn@sttn.de
Quietismus - ein sehr schönes Wort. Als Begriff würde ich diesen gerne subjektiv aufnehmen und in einen intersubjektiv adressierten Text einbauen.
Meine Vermutung (keine Theorie, siehe Nassim Nicholas Taleb) ist: Das Leben ist gegeben, die menschliche Sozialstruktur (oder auch z.B. System zu nennen) ist im Prinzip immer die Selbe. Es gibt nichts Neues unter der Sonne, alles kommt wieder, in bestimmten Wellen und Varianten etc.
Meine Folgerung aber daraus: Die Struktur ist gegeben. (Gerade) Dadurch wird eventuell das Verhalten der Akteure wieder "entscheidend" bzw. das Einzig Flexible. Nutzen wir unseren "Spielraum" (den man idealistisch überhöht auch Freiheit nennt, aber dabei meist übertreibt) und "spielen" wir "unser" Spiel auf der gegebenen Spielwiese der sozialen Strukturierung/der vorgegebenen Gegebenheiten.
Wenn es schon nichts ändert, am "System" der menschlichen Sozialwesenheit der Vermutung nach nicht - vielleicht nicht mal bei uns selbst (weil unser kleiner gedachter Spielraum vielleicht auch Illusion ist) - dann ist es doch vielleicht hoffentlich gelegentlich unterhaltsam und wir finden den Sinn in den Akteuren (Familie, Freunde etc.) und nicht im Stürmen und Drängen gegen die unveränderliche Struktur, also gegen die Spielwiese selbst.
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