Donnerstag, 7. April 2011

Einige Gedanken zur Kernkraft (und zur "Haltung der Kirche" dazu)

Niemand ist mehr für die Kernkraft. Das muss kein Schaden sein, denn die Frage des radioaktiv strahlenden Mülls ist ja wirklich ungelöst. Sie bleibt es auch - der Müll ist ja schon reichlich da und daher bleibt das ein hübscher Angriffspunkt der jeweiligen Opposition auf die jeweilige Regierung. Wie dem auch sei, man will nun also ohne Kernkraft weitermachen, möglichst schnell. Dass die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden und man dann Atomstrom aus Frankreich und Tschechien bezieht ist so verrückt, dass man darüber eigentlich kein Wort verlieren müsste - wenn es nicht scheinbar doch irgendwie darauf hinauslaufen würde.
Die Idee mit der regenerativen Energie ist sehr schön und nachhaltig, wird sich aber wohl kaum auf den Anteil der Atomkraft an der deutschen Energiegewinnung steigern lassen. Es wird wohl auf einen höheren Import jeglicher Energie (Atomstrom, Öl, Gas) hinauskaufen. Kann man machen, aber man muss sich bewusst sein, was man tut. Und die Debatte zu diesem Thema zeigt meines Erachtens, dass "man" sich nicht bewußt ist, was man tut und welche Folgen die jeweiligen "Wünsche" haben. Hier sieht man auch das Problem, das auftritt, wenn der diffuse Wille der Allgemeinheit maßgebend in Dingen ist, die er nicht überschaut und oft auch gar nicht überschauen will.

Auch die katholischen Bischöfe haben zu diesem Thema ihre Meinung, etwa Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt und Erzbischof Reinhard Kardinal Marx aus München-Freising. Die dürfen sie selbstverständlich haben. Sie sollten aber nicht den Eindruck erwecken, dass sie hier eine Haltung der römisch-katholischen Kirche zur Atomkraft oder ihrer jeweiligen Bistümer repräsentieren. Pro oder contra Atomkraft ist keine Frage des depositum fidei. Daher wäre mehr Zurückhaltung hier angebracht - sonst stehen sie in einer Reihe mit Politikern, die die Abschaffung des Zölibats fordern. Das Gefühl, endlich mal mit dem Mehrheitswillen übereinzustimmen mag schön sein, aber politische Neutralität erscheint mir wichtiger. Dazu mag es sein, dass sich der Wind mittelfristig durchaus wieder dreht.