Die Kirche begeht heute den Gedanktag des Hl.Bischofs John Fisher und des Hl. Lordkanzlers und Thomas Morus, die zur Zeit des Abfalls Englands von der Kirche unter König Heinrich VIII. die Einheit mit dem Papst höher achteten als ihr eigenes Leben. Thomas Morus, ein wahrhaft großer Geist in Theorie und Praxis des Lebens, schrieb damals an seine Tochter Margarita:
Liebe Margarita! Ich bin mir zwar bewußt, daß mein bisheriges Leben reichlich schlecht war und daß ich vollauf verdient hätte, von Gott verlassen zu werden. Dennoch werde ich nicht aufhören, stets auf seine grenzenlose Güte zu vertrauen und bester Hoffnung zu sein. Wie er mir bis jetzt durch seine heilige Gnade die Kraft gegeben hat, eher alles herzlich zu verachten, Besitz, Einkommen, ja das Leben selbst, als daß ich gegen mein Gewissen schwöre, so hat er in seiner gütigen Absicht dem König eingegeben, mich bis jetzt nur der Freiheit zu berauben ..., davon verspreche ich mir seelischen Fortschritt. Dieselbe Gnade wird das Herz des Königs bewegen, mir nicht etwas aufzuerlegen, was noch schwerer ist, oder sie wird mir die Kraft geben, alles noch so Schwere geduldig, tapfer und wilig zu ertragen.
Mit unserem Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden ... wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren.
Liebe Margarita, ich will Gottes Güte nicht mißtrauen, sosehr ich fühle, wie schwach und gebrechlich ich bin. Wenn ich in Schrecken und Verwirrung sehen sollte, daß ich vor dem Fallen stehe, werde ich an den heiligen Petrus denken, der bei einem einzigen Windstoß aus Mangel an Glauben zu sinken begann, und dann werde ich tun wie er. Ich werde rufen: "Herr, rette mich!" Denn ich hoffe, er wird seine Hand ausstrecken, mich ergreifen und nicht untergehen lassen.
Sollte er es aber zulassen, daß ich noch darüber hinaus die Rolle des Petrus spiele, daß ich ganz und gar falle, schwöre und leugne - Gott wende es in seinem Erbarmen von mir ab; ein solcher Fall soll mir eher Schaden als Nutzen bringen - dann hoffe ich dennoch, daß er mich mit dem vollen Blick seines Auges anschaut wie den Petrus und mich wieder aufrichtet, damit ich aufs neue die Wahrheit bekenne und mein Gewissen entlaste. Die Strafe und die Beschämung der früheren Verleugnung will ich dann tapfer ertragen.
Liebe Margarita, schließlich habe die Erfahrung, daß Gott mich ohne Schuld nicht verläßt. So überlasse ich mich ihm in aller Hoffnung und mit vollem Vertrauen. Wenn er mich wegen meiner Sünden untergehen läßt, dann wird wenigstens seine Gerechtigkeit in mir gepriesen. Ich hoffe aber, ich hoffe es ganz fest, daß seine Milde und Güte mich bewahren wird. Er wird es fügen, daß den Menschen durch mich mehr sein Erbarmen als seine Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, liebe Tochter, und sorge dich nicht so sehr um mich, was mir auch immer in dieser Welt zustößt. Es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft das Beste.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen