Das Urteil dieses [jüngsten] Gerichts ist endgültig, denn es ist Wahrheit. Und zwar hat es im letzten nur zwei Formen: Annahme oder Verwerfung.Der frühe Mensch hat das ohne weiteres verstanden, denn er wußte um den Unterschied zwischen dem, was endgültig ernst, und dem, was es nicht ist. Dem neuzeitlichen Menschen klingt die Lehre fremd und hart. Er hat sich gewöhnt, die Welt sehr ernst zu nehmen und für die Ordnung der irdischen Dinge die strengsten Maßstäne aufzustellen; dafür sind ihm Ewigkeit und ewiges Schicksal unwichtig geworden. Sie sind in ein Halbdunkel zurückgewichen, das er selbst gern als Ehrfurcht bezeichnet; richtiger würde er es Gleichgültigkeit und Feigheit nennen. Es macht ganz ratlos, wenn man bei irgendeiner Gelegenheit plötzlich sieht, was der neuzeitliche Mensch ernst und was er lässig nimmt. Manchmal scheint es, als wögen die Dinge ihm um so leichter, je mehr sie sich dem Kern seines Daseins nähern. Die Offenbarung sagt: Unser so unzulängliches Leben hat absoluten Sinn, und die Handlungen der Erde entscheiden über ewiges Dasein. Das kommt in der Lehre zum Ausdruck, daß der Spruch des Gerichtes auf Erfüllung oder Verlorenheit geht.
aus: Romano Guardini: Die letzten Dinge. hier: Die Läuterung nach dem Tode.


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