Mittwoch, 30. März 2011

Romano Guardini: Die Andersartigkeit des Christlichen.

Wer ist doch dieser Gott, der nicht die Macht zu haben scheint, seinem Sohn die Aufnahme zu verschaffen, die Er braucht? Welch seltsam beunruhigender Eindruck von Schwäche ... Welch böse, zähe Kraft in dem Ding, "Welt" geheißen, daß es im Stande ist, sich gegen den Ruf Gottes zu verhärten, und den Gottesboten kaltblütig zu erledigen!
Was ist das doch für ein Gott, der davor schweigt? Wir leben in einer solchen Gedankenlosigkeit, daß wir das Unerhörte gar nicht mehr fühlen. Wie denken denn die Menschen, daß es zugeht, wenn Göttliches erscheint? Die Mythen reden vom machtvollen, strahlendem Hervorbrechen. Buddha ist wohl Asket, aber er thront in überköniglichem Ansehen. Lao-tse ist ein göttlich verehrter Weiser. Mohammed zieht erobernd vor seinen Heeren durch die Welt. Hier aber wird Gott selbst Mensch. Er hat also, um so zu reden, ein göttlich-ernstes Interesse an dieser Menschenexistenz. Seine Ehre ist mit ihr im Spiel, hinter seinem Ernst steht seine Macht - und alles geht so! Die ganze Führung des Alten Testamentes auf den Messias hin bringt als Endergebnis diese Verhärtung des Volkes und dieses Schicksal des Gottgesandten ... Was ist doch Gott, wenn seinem Sohne das widerfährt?
Hier fühlen wir wohl das Andersartige des Christlichen! Jene anderen "Göttlichkeiten" waren Mächte von dieser Welt, und die Welt erkennt und liebt, was von ihr ist. Hier kommt wirklich etwas von anderswoher - da antwortet sie anders! So ahnen wir auch, was es heißen muß, Christ zu sein: ein Verhältnis zu jenem Gott des Geheimnisses zu haben; mitten in der Welt, die ist, wie sie ist. Das muß ein Fremdwerden in der Welt bedeuten, um so größer, je vertrauter man mit diesem Gott wird. Und nicht wahr, "Welt" bedeutet nicht nur das um uns herum! Welt sind auch wir selbst. Uns selbst ist das in uns fremd, was mit diesem Gott vertraut ist. Und wir haben alle Veranlassung zu der christlichen Furcht, es möchte sich in uns wiederholen, was damals geschah; der zweite Sündenfall: daß wir uns vor Gott verschließen.

aus: Romano Guardini: Der Herr. Über Leben und Person Jesu Christi. 1949.

Montag, 28. März 2011

Der erste grüne Ministerpräsident

... steht uns ins Haus: Winfried Kretschmann. Von seiner Existenz hörte ich erstmals letzte Woche etwas durch einen Artikel in der FAZ.

Was mich selbst irritiert: Mich freut die Sache durchaus ein bisschen. Zweifellos hätte ich ihn nicht gewählt - auch dann nicht, wenn ich wählen gehen würde (was ich aus grundsätzlichen Erwägungen in der Regel nicht tue). Aber dennoch macht er einen sympathischeren Eindruck als die ewig gleichen Gesichter von CDU/CSU, SPD und FDP, deren Politik sich wenig unterscheidet, die sich aber umso lauter beschimpfen (müssen). Geben wir ihm mal eine Chance, dem neuen MP und schauen mal, was aus der "Bürgergesellschaft" wird, die er anstrebt. Das Wort weckt jedenfalls Erwartungen! Hoffen wir mal, dass es nicht nur bedeutet, hier und da einen Volksentscheid durchzuführen, sondern auch mehr echte Verantwortung für den Einzelnen - für sich selbst und für die Gemeinschaft. Bisher standen die Grünen dafür nicht unbedingt.

Freitag, 25. März 2011

Welchen Nerv der Zeit trifft Margot Käßmann?

NÜRNBERG - Wer so geliebt, wer so verehrt wird, der braucht eigentlich kein Amt. Donnerstag, Werktag, nachmittags um drei: Die Lorenzkirche ist voll. 800 Karten wurden im Vorverkauf abgegeben. Restkarten? Fehlanzeige. In der Alpha-Buchhandlung hatte eine Frau sogar mit dem Kirchenaustritt gedroht, sollte sie keine Karte bekommen.

Vergebens. Schon zwei Stunden vorher wurde die Kirche geschlossen, damit kein Besucher einfach sitzenbleibt. Es hat auch keinen Zweck, heißt es, sich draußen anzustellen, um vielleicht noch einen Platz auf dem harten Boden im Gang zu erhaschen – so wie das auf Kirchentagen üblich ist, wenn sie kommt. So war es schon, als sie noch in Amt und Würden war. Als Landesbischöfin, als Ratsvorsitzende der EKD, als Deutschlands oberste Protestantin. Das ist sie längst nicht mehr, seit dieser einen Autofahrt im Februar 2010. Doch den Menschen, die zu ihr strömen, geht es nicht darum, was sie ist. Sondern allein darum, wer sie ist: Margot Käßmann, (geistlicher) Superstar.
Man wundert sich. Neben dem üblichen, etwas herablassenden Hochziehen der Augenbrauen über solche "Ereignisse", muss man sich aber vielleicht auch mal fragen, welchen Nerv der Zeit Fr.Käßmann denn nun eigentlich trifft, dass sie derart umjubelt wird. Mir ist das unklar. Oder ist es doch vor allem ihre mediale Bekanntheit?

Sonntag, 6. März 2011

Am Sonntagmorgen

Was der Diözesananhang alles so hergibt:

Dein Tag, o Herr, uns hell anbricht
nach dieser Woche Sorgen.
Es strahlt uns auf in seinem Licht
ein neuer Ostermorgen
und kündet, daß wir sind erlöst
durch deinen Tod und neu getröst
durch deine Auferstehung.

Ein Tag des Friedens hebt nun an,
der Gnade und der Güte.
Dein Heil, das du uns kundgetan,
in uns allzeit behüte.
Und gib, daß deiner Wahrheit Licht
in unserm Leben aufgericht
und wachsam sei geborgen.

Laß uns empfangen, Herr, dein Wort
in gläubigem Vertrauen.
Und auch dein Brot, der Liebe Hort,
laß kosten uns und schauen.
Und daß wir eines Sinnes sei'n,
dich unsern Herrn, zu benedein,
das schenke uns in Güte.

Gelobet seist du, Gott und Herr,
am Tage deiner Gnaden.
Dein Heil zu schaun und deine Ehr,
hast du uns all geladen.
Dir, ewger König aller Zeit,
sei Preis und Ruhm und Herrlichkeit
im Himmel und auf Erden.

(Marie Luise Thurmaier, 1941)