Mittwoch, 29. Juni 2011

Papst Benedikt - 60. Jahrestag seiner Priesterweihe

Zum diamantenen Priesterjubiläum einige Zeilen aus seiner Autobiographie ("Aus meinem Leben"):

Ich war glücklich, mich wenigstens die letzten zwei Monate ganz der Vorbereitung auf den großen Schritt widmen konnte: die Priesterweihe, die uns Kardinal Faulhaber im Dom zu Freising am Peter- und Paulstag 1951 spendete. Wir waren über vierzig Kandidaten, die auf den Aufruf hin "Adsum" sagten: Ich bin da - an einem strahlendem Sommertag, der als Höhepunkt des Lebens unvergeßlich bleibt. Man soll nicht abergläubisch sein. Aber als in dem Augenblick, in dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein - vielleicht eine Lerche - vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg. Nun folgten vier Sommerwochen, die wie ein einziges Fest waren. Am Tag der ersten heiligen Messe leuchtete unsere Pfarrkirche St.Oswald in ihrem schönsten Glanz und die Freude, die den ganzen Raum greifbar ausfüllte, zog alle in die lebendigste Weise "aktiver Teilnahme" am heiligen Geschehen hinein, die keiner äußeren Geschäftigkeit bedurfte. Wir waren eingeladen, den Primizsegen in die Häuser zu tragen, und wurden überall, auch von ganz unbekannten Menschen, mit einer Herzlichkeiten empfangen, die ich mir bisher nicht hatte vorstellen können.
Dahin werden die Gedanken des Hl.Vaters wohl auch heute zurückgehen.

Montag, 27. Juni 2011

Romano Guardini: Das Opfer

Was bedeutet das Opfer? In ihm bringt der Mensch etwas, was ihm gehört und ihm wertvoll ist - die Gabe soll fehlerfrei sein - dar. Er gibt es weg; gibt es Gott. Es soll Gott gehören. Damit dieses Nicht-mehr-gehören und Gott-gehören zum Ausdruck komme, wird die Gabe zerstört; der Trank, den der Mensch selbst trinken könnte, wird auf die Erde gegossen; die Erstlinge der Ernte werden verbrannt, das Tier wird getötet, vom Feuer verzehrt und so gleichsam hinübergebracht ... Man wird einwenden, was denn Gott mit solchen Gaben solle? Alles, was es gibt, sei doch von ihm geschaffen und gehöre ihm; im übrigen bedürfe Gott keines endlichen Dinges. ... Das ist wahr und wird von den Propheten selbst betont. Die Gabe in sich ist vor Gott nichts. Aber die gegebene, von der Gesinnung des Opfers erfüllte Gabe? Diese Gesinnung bedeutet Anbetung, Dank, Bitte, Reue, Lobpreis. Sie bekennt den Herrn, der über alles herrscht; den Anfang, aus dem alles kommt; das Ende, zu dem alles geht. Sie bekennt, handelnd und entsagend, dass Gott Gott ist. ... Die Gesinnung des Opfers sagt: Eigentlich seiend ist Gott, das Geschaffene nur von seinen Gnaden. So soll er auch der sein, der herrscht. Die Dinge sollen zurücktreten und ihm Raum lassen, damit seine Majestät hervortrete. Es ist die Gesinnung, die sich im Wort der Apokalypse ausspricht: "Dein ist die Danksagung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht" (Offb 5,13). Hinter den Gaben aber steht etwas Anderes, der Mensch selbst. Das Bewußtsein, daß der Mensch Gott gehöre, hat in der Geschichte einen furchtbaren Ausdruck gefunden: im Menschenopfer. Darin hat sich die reine Wahrheit höllisch verkehrt; dennoch ist sie da. Das Opfer spricht: "Nicht ich, Mensch, sondern Du, Gott!" Im Opfer löscht der Mensch sich gleichsam aus, damit Gott alles sei. Das drückt sich in jener Vernichtung aus. Aber es ist keine Vernichtung einfachhin, sondern ein Hinübergang zu Gott. Die Verbennung bedeutet, daß die Gabe in den Besitz Gottes hinübergetragen wird. Im Tiefsten meint das Opfer den Hinübergang in das Leben Gottes durch den Verzicht auf das Leben hier.
aus: Romano Guardini: Der Herr.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Fronleichnam - Corpus Christi



Laß deinen Glauben an die heilige Eucharistie immer mehr wachsen. - Wie unaussprechlich staunenerregend ist doch diese Wirklichkeit! Gott ist unter uns, wir können uns jeden Tag mit Ihm vereinen und, wenn wir wollen, mit Ihm vertraute Gespräche führen: wie mit einem Freund, mit einem Bruder, mit dem Vater - mit der Liebe.

Hl. Jose Maria Escriva: Im Feuer der Schmiede 268.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Thomas More: Seine Hinrichtung und die Kirchenspaltung (1535)



Die Kirche begeht heute den Gedanktag des Hl.Bischofs John Fisher und des Hl. Lordkanzlers und Thomas Morus, die zur Zeit des Abfalls Englands von der Kirche unter König Heinrich VIII. die Einheit mit dem Papst höher achteten als ihr eigenes Leben. Thomas Morus, ein wahrhaft großer Geist in Theorie und Praxis des Lebens, schrieb damals an seine Tochter Margarita:

Liebe Margarita! Ich bin mir zwar bewußt, daß mein bisheriges Leben reichlich schlecht war und daß ich vollauf verdient hätte, von Gott verlassen zu werden. Dennoch werde ich nicht aufhören, stets auf seine grenzenlose Güte zu vertrauen und bester Hoffnung zu sein. Wie er mir bis jetzt durch seine heilige Gnade die Kraft gegeben hat, eher alles herzlich zu verachten, Besitz, Einkommen, ja das Leben selbst, als daß ich gegen mein Gewissen schwöre, so hat er in seiner gütigen Absicht dem König eingegeben, mich bis jetzt nur der Freiheit zu berauben ..., davon verspreche ich mir seelischen Fortschritt. Dieselbe Gnade wird das Herz des Königs bewegen, mir nicht etwas aufzuerlegen, was noch schwerer ist, oder sie wird mir die Kraft geben, alles noch so Schwere geduldig, tapfer und wilig zu ertragen.
Mit unserem Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden ... wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren.
Liebe Margarita, ich will Gottes Güte nicht mißtrauen, sosehr ich fühle, wie schwach und gebrechlich ich bin. Wenn ich in Schrecken und Verwirrung sehen sollte, daß ich vor dem Fallen stehe, werde ich an den heiligen Petrus denken, der bei einem einzigen Windstoß aus Mangel an Glauben zu sinken begann, und dann werde ich tun wie er. Ich werde rufen: "Herr, rette mich!" Denn ich hoffe, er wird seine Hand ausstrecken, mich ergreifen und nicht untergehen lassen.
Sollte er es aber zulassen, daß ich noch darüber hinaus die Rolle des Petrus spiele, daß ich ganz und gar falle, schwöre und leugne - Gott wende es in seinem Erbarmen von mir ab; ein solcher Fall soll mir eher Schaden als Nutzen bringen - dann hoffe ich dennoch, daß er mich mit dem vollen Blick seines Auges anschaut wie den Petrus und mich wieder aufrichtet, damit ich aufs neue die Wahrheit bekenne und mein Gewissen entlaste. Die Strafe und die Beschämung der früheren Verleugnung will ich dann tapfer ertragen.
Liebe Margarita, schließlich habe die Erfahrung, daß Gott mich ohne Schuld nicht verläßt. So überlasse ich mich ihm in aller Hoffnung und mit vollem Vertrauen. Wenn er mich wegen meiner Sünden untergehen läßt, dann wird wenigstens seine Gerechtigkeit in mir gepriesen. Ich hoffe aber, ich hoffe es ganz fest, daß seine Milde und Güte mich bewahren wird. Er wird es fügen, daß den Menschen durch mich mehr sein Erbarmen als seine Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, liebe Tochter, und sorge dich nicht so sehr um mich, was mir auch immer in dieser Welt zustößt. Es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft das Beste.

Dienstag, 21. Juni 2011

Romano Guradini: Ausharren in Zweifel und Ungewissheit

Es kann sein, daß die tiefsinnigste Darlegung nichts sagt, eine schlichte Mahnung aber oder die Großmut eines Menschenherzens das Licht bringen. Es kann im Augenblick kommen; vielleicht muß man aber auch Jahr und Tag in der Unklarheit ausharren.
Wenn man nur ausharrt und wahr bleibt! Es ist besser, die Ungewissheit weiterzutragen, als sich selbst in eine Entschiedenheit zu überreden, die doch keinen wirklichen Stand hat. Die erste, echte Bereitschaft enthält schon den Glauben, die Unwahrheit hingegen, mit der man sich in eine Überzeugtheit, die man noch nicht hat, hineintäuscht und die Gewaltsamkeit, mit der man sich zu einem Bekenntnis zwingt, das noch nicht im Herzen wurzelt, enthalten schon den Keim der Zerstörung.

Montag, 20. Juni 2011

Aufrichtigkeit, die schlimmer ist als Falschheit

Ein Teil dieser (heutigen) Generation ist stolz auf seine Seichtheit. Die Darstellung der Aufrichtigkeit ist alles. Aufrichtig und leer, total leer. Eine Aufrichtigkeit, die in alle Richtungen geht. Eine Aufrichtigkeit, die schlimmer ist als Falschheit, und eine Unschuld, die schlimmer ist als Verdorbenheit. Und all die Habgier unter dieser Aufrichtigkeit. Und unter dieser Ausdrucksweise. Diese wundervollen Ausdrücke, die sie gebrauchen - und an die sie scheinbar selbst glauben. Sie sprechen von ihrem "Mangel an Selbstwertgefühl", und dabei glauben sie in Wirklichkeit, dass ihnen alles zusteht. Ihre Schamlosigkeit nennen sie Zärtlichkeit, und Rücksichtslosigkeit wird als "verlorene Selbstachtung" getarnt. Auch Hitler hatte keine Selbstachtung. Das war sein Problem. Diese Jungs und Mädels haben einen großangelegten Betrug gestartet. Die Überdramatisierung der banalsten Gefühle. Beziehung. Meine Beziehung. Meine Beziehung klären. Sie brauchen nur den Mund aufzumachen, und ich könnte die Wände hochgehen.
aus: Philip Roth: Der menschliche Makel.