Sonntag, 14. August 2011

Hl.Maximilian Kolbe: Glückseligkeit

Zu seinem 70.Todestag - seinem Martyrium - ein Auszug aus seiner Schrift "Jedem ist der Weg gewiesen", wie er sich heute im Brevier findet, leicht angepasst.
Es gibt keinen Menschen unter der Sonne, der nicht das Glück suchte. Bei allem, was wir tun, haben wir das Glück in dieser oder jener Form als Ziel vor Augen und streben ihm von Natur aus zu. Das Glück aber, das nicht auf der Wahrheit gegründet ist, kann ebensowenig von Dauer sein, wie die Unwahrheit von Dauer ist. Allein die Wahrheit ist das zuverlässige Fundament des Glücks, für den einzelnen Menschen wie für die gesamte Menschheit.
Der Blick des Ungläubigen reicht nicht weiter als bis zum Sarg. Er kann der rein stofflichen Welt nicht entrinnen. Schaut euch diese Menschen an, die im tiefsten Materialismus befangen sind: Sie wagten es, der Menschheit das Glück zu verheißen. Alles, was die Welt geben kann, reicht doch für den Menschen nicht aus. Alle diese Güter haben doch ihre Grenzen. Sie enttäuschen und wecken das Verlangen nach einem größeren, dauerhaften Glück.
Die Gottesmutter sagte in der Stunde der Verkündigung: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast." Wie Gott es will, so soll es geschehen. In diesem Wort ist die ganze Glückseligkeit, aber auch unsere Aufgabe hier auf Erden eingeschlossen.

Dienstag, 9. August 2011

Hl.Edith Stein





















Das lange Ringen um ihre persönliche Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus fand erst 1921 ein Ende, als sie bei einer Freundin das autobiographische ”Leben der heiligen Teresa von Avila“ zu lesen begann. Sie war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende: ”Als ich das Buch schloß, sagte ich mir: Das ist die Wahrheit“! Die ganze Nacht hindurch hatte sie gelesen bis zum Aufgang der Sonne. In dieser Nacht hat sie die Wahrheit gefunden, nicht die Wahrheit der Philosophie, sondern die Wahrheit in Person, das liebende Du Gottes. Edith Stein hatte die Wahrheit gesucht und Gott gefunden. Sie ließ sich unverzüglich taufen und in die katholische Kirche aufnehmen.
Aus der Ansprache von Papst Benedikt zum heutigen Fest der Hl.Edith Stein, Schwester Theresia vom Hl.Kreuz. Vor allem den vorletzten Satz finde ich bewegend:
Edith Stein hatte die Wahrheit gesucht und Gott gefunden

Samstag, 6. August 2011

Verklärung des Herrn

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!
Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

(nach Matthäus)

Was kommt mir dazu in den Sinn? ... Es ist - mal ganz wertfrei ausgedrückt - immer wieder erstaunlich, dass alle Zeichen, die Jesus getan hat, nicht verhinderten, dass seine Jünger am Ende so sehr an ihm zweifelten, dass sie ihn verrieten. Nicht, das ich anders wäre. Aber schauen wir grade auf das heutige Ereignis: Verklärung des Herrn. Hier erweist Jesus seine Macht und Herrlichkeit nicht an anderen, etwa in dem er sie heilt. Diesmal ist es er selbst - er selbst erscheint in seiner Macht und Herrlichkeit, im Lichtglanz Gottes. Gesetz und Propheten bezeugen ihn und werden gleichermaßen von ihm überstrahlt, wie sie in seinen Glanz mit hineingenommen werden. Wir sehen Christus, wie er wirklich ist: Der Gottmensch.
Als Menschen sind wir schwach. Genau die gleichen Jünger, die Jesus mit auf den Tabor (den Berg der Verklärung) nahm, nahm er auch mit auf den Ölberg. Sie hatten ihn in seiner Herrlichkeit gesehen. Doch weder in Gethsemane noch bei der Verhaftung, im Prozeß, bei der Hinrichtung waren sie ihm eine Hilfe. Sie konnten es nicht sein. Und doch bleibt auch uns der Wunsch, dass uns die Herrlichkeit des Herrn, die Erfahrung seiner Verklärung, dann hilft, wenn uns das Kreuz gegenübertritt.

Dienstag, 2. August 2011

Guardini: Die Ordnung des religiösen Daseins in Raum und Zeit

Von einem unmittelbar religiösen Gesichtspunkt aus entsteht eine Gesamtordnung des Daseins im Kult. Dieser vollzieht im jeweiligen geschichtlichen Augenblick durch symbolische Formen immer neu das ewig gültige Heilsgeschehen.
Seine architektonisch-raumhafte Gestalt ist der Bau der Kirche; vor allem jener des Bischofssitzes, der Kathedrale, welche zu den anderen Kirchen des Bistums in einem Verhältnis der Überordnung und Herleitung steht. Letztere breiten ihrerseits ihren Bedeutungsraum durch Friedhöfe, Kapellen, Wegkreuze usw. in den freien Raum aus und schaffen den Zusammenhang des geheiligten Landes. Was den Kirchenbau selbst angeht, so zeigt der Ritus seiner Weihe, daß er das Ganze der Welt symbolisiert. Aber auch innerhalb seiner ist alles, von der Richtung seiner Achse bis zum einzelnen Gerät, mit symbolischen Bedeutungen gesättigt, in denen Elementarbilder der Existenz mit solchen des Heilsgeschehens verschmelzen. Hinzu kommen die zahllosen figürlichen Darstellungen heilsgeschichtlicher Gestalten und Vorgänge durch Plastik, Malerei und Fensterkunst. Aus alledem entsteht ein Ganzes, welches dem Schauenden die Welt der Glaubenswirklichkeit vor Augen bringt.
Das gleiche geschieht im Nacheinander der Feste und Zeiten des Kirchenjahres. Letzteres verbindet den Jahreslauf der Sonne mit seinen Rhythmen, das Jahr des Lebens mit seinen Gezeiten und das Leben Christi als den Lauf des "sol salutis" zu einer unerschöpflichen Einheit. Sie wird noch einmal dadurch bereichert, daß zu den Festen Christi jene der Heiligen kommen, in denen sich gewissermaßen die christliche Geschichte zusammenfaßt. Dieses Ganze vollzieht sich Jahr um Jahr in der Liturgie jeder Kirche und bildet den Zeitrhythmus der Gemeinde. Indem sich aber auch die Ereignisse der Familie und des Einzellebens, Geburt, Hochzeit und Tod, Arbeit und Ruhe, das menschliche Geschehen der Jahreszeiten, Wochen und Tage in den Lauf des Kirchenjahres eingliedern, wirkt dessen Ordnung bis in die letzte Bewegung des Lebens.

aus: Romano Guradini: Das Ende der Neuzeit. Würzburg 1950.