Freitag, 6. April 2012

Guardini: Karfreitag

Darin, daß Gott gestorben ist, ist Alles anders geworden. Von dorther leben wir, soweit wir wirklich, vor Gott, lebendig sind.
Wenn jemand fragt: Was ist denn sicher? So sicher, daß man darauf leben und sterben kann? So sicher, daß alles dahinein verankert werden kann? - dann lautet die Antwort: die Liebe Christi ... Das Leben lehrt uns, daß dieses Letzte nicht Menschen sind, und seien es die Besten und Liebsten; auch nicht Wissenschaft, oder Philosophie, oder Kunst, oder was sonst Menschenkraft hervorbringt. Auch nicht die Natur, so voll tiefen Truges; oder die Zeit, oder das Schicksal ... Nicht einmal einfachhin Gott; denn über Sünde ist ja Gottes Zorn erwacht - und wie könnten wir ohne Christus wissen, was wir von Ihm zu erwarten haben? Sicher ist nur die Liebe Christi. Wir können nicht einmal sagen: die Liebe Gottes, denn daß Gott uns liebt, wissen wir endgültig nur durch Christus. Und wenn wir es selbst ohne Christus wüßten - Liebe kann auch unerbittlich sein, um so härter, je edler sie ist. Erst durch Christus wissen wir, daß Gott verzeihend liebt. Nein, fest steht nur, was sich am Kreuz offenbart hat: die Gesinnung, die da lebt; die Kraft, die jenes Herz erfüllt. Es ist schon wahr, was so oft in so unzulänglicher Weise verkündet wird: das Herz Christi ist Anfang und Ende von Allem. Und was sonst feststeht - da, wo es sich um ewiges Leben und ewigen Tod handelt - steht fest von Ihm her.

aus: Romano Guradini: Der Herr.

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