
Mali - ein Land, das die überwiegende Zahl der Deutschen vermutlich nicht mal dem Namen nach kennt. Bisher war das auch keine wirkliche Bildungslücke. Der Konflikt der sich dort in diesem Jahr abspielt, hat aber doch etwas bemerkenswertes.
Seit Januar erheben sich die Tuareg im wüstenhaften Norden Malis (mal wieder) gegen die Zentralregierung. Diesmal sind aber viele dabei, die in Gaddafis Libyen militärisch ausgebildet wurden. Aus Libyen haben sie auch starke Bewaffnung mitgebracht. Außerdem haben sie diesmal eine Allianz mit den Islamisten geschmiedet. Sie rücken also recht erfolgreich vor. Die Zentralregierung tut wenig. Zu wenig - die eigene Armee putscht deswegen im beginnenden Bürgerkrieg gegen den Präsidenten. Im darauf folgenden Übergangsstadium - die letzten Wochen - rücken Tuareg und Islamisten so richtig vor und erobern das legendäre Timbuktu. Sie kontrollieren jetzt etwa die Hälfte des Landes.
Damit aber nicht genug. Die Islamisten wenden sich jetzt ihrerseits gegen die (angeblich laizistischen) Tuareg und vertreiben sie aus Timbuktu, nachdem sie in den anderen eroberten größeren Städten schon vorher die Oberhand bekommen hatten. Der Norden Malis scheint de facto unter der Vorherrschaft der Islamisten von Al Qaida des islamischen Maghreb zu stehen.
Wieder ein Land am Ende der Welt, das in sich zusammenfällt und in dem die Islamisten die Oberhand gewinnen. Die westafrikanischen Staaten (ECOWAS) verhalten sich konfus. Sie zwingen einerseits die Putschregierung (die ja die Islamisten bekämpft) in die Knie und bereiten andererseits eine mobile Eingreiftruppe gegen die Aufständischen Tuareg/Islamisten vor. Aber auch die westliche Einschätzung, dass die Tuareg militärisch deutlich stärker wären als die Islamisten - und eventuell auch als die Zentralregierung - scheint völlig daneben zu liegen.
Einmal mehr scheint der Westen lieber einem verqueren Demokratie-Ideal nachzuhängen, als seinen Interessen nachzugehen und die islamistische Umformung ganzer Staaten (wie sie jetzt auch in Arabien ansteht) abzuwehren. Man muss nicht alles verstehen, aber man darf sich wundern.


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