Montag, 9. April 2012

Guardini: Auferstehung

Wir sind beim Auferstehungsglauben vor ein Entweder - Oder gestellt, das bis auf den Grund geht.
Sobald wir uns selbst zum Maßstab nehmen: unser menschliches Dasein, wie es ist: die Welt, wie sie um uns besteht; die Weise, wie unser Denken und Fühlen vorsichgeht - und von dort aus Jesus Christus beurteilen, dann müssen wir den Auferstehungsglauben als ein Ergebnis bestimmter religiöser Erschütterungen, als ein Erzeugnis anfangender Gemeindebildung , das heißt aber als Täuschung ansehen. Und dann ist es nur eine Frage der Konsequenz, wie schnell man ihn samt seinen Voraussetzungen und Folgerungen ausscheidet und ein "reines Christentum" herauszuarbeiten versucht. Das freilich wird nicht viel mehr sein, als eine dünne Ethik und Frömmigkeit...
Oder aber es wird uns klar, was die Christusgestalt fordert, nämlich Glaube. Wir erkennen, dass sie nicht gekommen ist, um uns neue Erkenntnisse und Erfahrungen innerhalb der Welt zu bringen, sondern uns vom Bann der Welt zu befreien. Wir hören ihre Forderung und gehorchen ihr. Wir nehmen die Maßstäbe, von denen aus über Christus gedacht werden muß, von Ihm selbst entgegen. Wir sind bereit, zu lernen, daß Er nicht mit edleren oder innerlicheren Werten und Kräften die Welt weiterführt, sondern daß mit Ihm das neue Dasein beginnt. Wir vollziehen jene Achsendrehung, die eben "Glauben" heißt und nach welcher nicht mehr von der Welt her über Christus nachgedacht wird, sondern von Ihm her über alles sonst. Dann sagen wir nicht mehr: In der Welt gibt es kein Lebendigwerden eines Gestorbenen, also ist die Auferstehungsbotschaft ein Mythos - sondern: Christus ist auferstanden, also ist die Auferstehung möglich und seine Auferstehung die Grundlage der wahren Welt.

aus: Romano Guradini: Der Herr.

Freitag, 6. April 2012

Guardini: Karfreitag

Darin, daß Gott gestorben ist, ist Alles anders geworden. Von dorther leben wir, soweit wir wirklich, vor Gott, lebendig sind.
Wenn jemand fragt: Was ist denn sicher? So sicher, daß man darauf leben und sterben kann? So sicher, daß alles dahinein verankert werden kann? - dann lautet die Antwort: die Liebe Christi ... Das Leben lehrt uns, daß dieses Letzte nicht Menschen sind, und seien es die Besten und Liebsten; auch nicht Wissenschaft, oder Philosophie, oder Kunst, oder was sonst Menschenkraft hervorbringt. Auch nicht die Natur, so voll tiefen Truges; oder die Zeit, oder das Schicksal ... Nicht einmal einfachhin Gott; denn über Sünde ist ja Gottes Zorn erwacht - und wie könnten wir ohne Christus wissen, was wir von Ihm zu erwarten haben? Sicher ist nur die Liebe Christi. Wir können nicht einmal sagen: die Liebe Gottes, denn daß Gott uns liebt, wissen wir endgültig nur durch Christus. Und wenn wir es selbst ohne Christus wüßten - Liebe kann auch unerbittlich sein, um so härter, je edler sie ist. Erst durch Christus wissen wir, daß Gott verzeihend liebt. Nein, fest steht nur, was sich am Kreuz offenbart hat: die Gesinnung, die da lebt; die Kraft, die jenes Herz erfüllt. Es ist schon wahr, was so oft in so unzulänglicher Weise verkündet wird: das Herz Christi ist Anfang und Ende von Allem. Und was sonst feststeht - da, wo es sich um ewiges Leben und ewigen Tod handelt - steht fest von Ihm her.

aus: Romano Guradini: Der Herr.

Donnerstag, 5. April 2012

Gethsemane

Das war die Stunde von Gehtsemane: daß Jesu Menschenherz und -geist in die letzte Erfahrung dessen eintrat, was die Sünde vor dem richtenden und rächendem Antlitz Gottes bedeutet. Daß sein Vater von ihm forderte, Er solle diese Sünde als die seine auf sich nehmen. Und daß Er, wenn man so sagen darf, den Zorn des Vaters wider die Sünde gegen sich, der sie auf sich genommen, gerichtet sah und die Abwendung des Ihn "verlassenden" heiligen Gottes erfuhr. (...)
Gebe der Herr, daß jene Stunde jene Stunde an uns (...) nicht verloren sei. In ihr hat Er den Willen des Vaters angenommen und den Seinen hingegeben. "Sein" Wille war nicht, sich gegen Gott zu behaupten; das wäre ja die Sünde gewesen. Dieser "Wille" war wohl nur der Schauder eines so lebendigen und reinen Wesens davor, im Stand des Sünders stehen und - nicht aus persönlichem Tun, aber aus der unendlichen Verselbigung der stellvertetenden Liebe - Jener sein zu wollen, auf dem der Zorn Gottes lag. Das anzunehmen war wohl der Inhalt seiner Worte: "Nicht was Ich will, sondern was Du".
Das alles ist durchkämpft worden. Was nachher kam, war der Vollzug dieser Stunde. In ihr wurde alles vorweggenommen; was nachher kam, war nur das Vollbringen.
Und in welcher Einsamkeit! So groß, daß wir fühlen, den Jüngern sei im Grunde gar kein Vorwurf zu machen. An dem Unendlichen, was da geschah, mußte ihr kleines Mitfühlen-können so abgleiten, wie das Herz eines Kindes, wenn die Erwachsenen etwas Schreckliches durchleben: es wendet sich ab, fängt an zu spielen, oder schläft ein. Gerade, daß es nicht anders geht, zeigt wie hoffnungslos die Einsamkeit ist.
Wie Jesus da das Dasein gesehen hat, hat es keiner sonst gesehen; nicht vor ihm und nicht nach ihm. Da wurde die Welt aus dem Trug gehoben (...), da geschah Wahrheit. Und der Anfang wurde gesetzt, von dem aus auch wir aus den Trug durchdringen können. Denn das bedeutet ja doch Erlöstwerden, dorthin zu treten, wo Christus steht, in irgendeinem Maße seinen Blick auf die Welt, sein Grauen vor der Sünde mitzuvollziehen. Dazu willens und bereit zu sein, dahinein den Punkt der Entscheidung, das Ende und den Anfang zu setzen - das macht christliches Dasein aus.

aus: Romanu Guardini: Der Herr.

Mittwoch, 4. April 2012

Mali auf dem Weg zum Gottesstaat

Mali - ein Land, das die überwiegende Zahl der Deutschen vermutlich nicht mal dem Namen nach kennt. Bisher war das auch keine wirkliche Bildungslücke. Der Konflikt der sich dort in diesem Jahr abspielt, hat aber doch etwas bemerkenswertes.

Seit Januar erheben sich die Tuareg im wüstenhaften Norden Malis (mal wieder) gegen die Zentralregierung. Diesmal sind aber viele dabei, die in Gaddafis Libyen militärisch ausgebildet wurden. Aus Libyen haben sie auch starke Bewaffnung mitgebracht. Außerdem haben sie diesmal eine Allianz mit den Islamisten geschmiedet. Sie rücken also recht erfolgreich vor. Die Zentralregierung tut wenig. Zu wenig - die eigene Armee putscht deswegen im beginnenden Bürgerkrieg gegen den Präsidenten. Im darauf folgenden Übergangsstadium - die letzten Wochen - rücken Tuareg und Islamisten so richtig vor und erobern das legendäre Timbuktu. Sie kontrollieren jetzt etwa die Hälfte des Landes.
Damit aber nicht genug. Die Islamisten wenden sich jetzt ihrerseits gegen die (angeblich laizistischen) Tuareg und vertreiben sie aus Timbuktu, nachdem sie in den anderen eroberten größeren Städten schon vorher die Oberhand bekommen hatten. Der Norden Malis scheint de facto unter der Vorherrschaft der Islamisten von Al Qaida des islamischen Maghreb zu stehen.

Wieder ein Land am Ende der Welt, das in sich zusammenfällt und in dem die Islamisten die Oberhand gewinnen. Die westafrikanischen Staaten (ECOWAS) verhalten sich konfus. Sie zwingen einerseits die Putschregierung (die ja die Islamisten bekämpft) in die Knie und bereiten andererseits eine mobile Eingreiftruppe gegen die Aufständischen Tuareg/Islamisten vor. Aber auch die westliche Einschätzung, dass die Tuareg militärisch deutlich stärker wären als die Islamisten - und eventuell auch als die Zentralregierung - scheint völlig daneben zu liegen.

Einmal mehr scheint der Westen lieber einem verqueren Demokratie-Ideal nachzuhängen, als seinen Interessen nachzugehen und die islamistische Umformung ganzer Staaten (wie sie jetzt auch in Arabien ansteht) abzuwehren. Man muss nicht alles verstehen, aber man darf sich wundern.

Dienstag, 3. April 2012

Henri de Lubac: Die Menschheit von ihren Gipfeln begrieifen.

Im übrigen besteht die einzig wirksame Methode, das Wahre, wo es sich verbirgt, zu erkennen und das aufkeimende Gute nicht zu ersticken, im planmäßigen Willen, mit verständnisvoller Liebe uns in die Gedanken, die uns am fernsten liegen, zu vertiefen, und uns bei diesem Studium an die höchsten Erscheinungen, wie selten sie auch sein mögen, zu halten. Von ihren Gipfeln aus muss man die Menschheit zu begreifen suchen. Man wird die Ebenen, die Niederungen immer noch früh genug kennenlernen.


Henri de Lubac SF: Katholizismus. Einsiedeln/Köln. 1943.

Montag, 2. April 2012

Vor 30 Jahren: Der Falklandkrieg

Heute vor 30 Jahren begann der Falklandkrieg. Argentinien besetzte und annektierte die Falklandinseln und einige benachbarte kleine Inselgruppen, die zu Großbritannien gehörten und gehören. Das Vereinigte Königreich schlug zurück und vertrieb die Argentinier wieder von der Inselgruppe.

Ich frage mich, ob Great Britain zu einer solchen Reaktion heute noch in der Lage wäre. Oder ein anderer westeuropäischer Staat.