tag:blogger.com,1999:blog-6727968530778775714.post-61687341270710787252008-03-21T09:28:00.000-07:002008-03-22T11:20:26.012-07:00Triduum Paschale II: KarfreitagMan hat es eilig: Schon früh machen sich die Hohenpriester mit ihrem Gefolge auf und bringen den in ihrer Hand befindlichen Jesus zum Palast des römischen Statthalters Pontius Pilatus. Sie haben vor, von ihm ein Todesurteil zu erwirken, das sie selbst nicht verhängen dürfen. Offenbar verbreitet sich die Nachricht von der Verhaftung Jesu wie ein Lauffeuer in der Stadt. Die Leute strömen vor dem Palast des Pilatus zusammen als Jesus und seine Anklänger erscheinen. Was mag sie antreiben, Hannas, Kajaphas und ihre Leute? Schutz dessen, was ihnen heilig ist? Machtbesitz? Vermutlich eine Verbindung aus beidem.<br />Pilatus kommt zu den Hohenpriestern heraus, da diese für das kommende Passah unrein würden, wenn sie seinen (heidnischen) Palast betreten würden. Pilatus gibt sich gegenüber den Hohenpriestern zuerst distanziert, aber offenbar kennt er Jesus. Er weiß, dass von ihm als dem "König der Juden" gesprochen wird. Als die Hohenpriester dann das Todesurteil verlangen verhört er Jesus allein. Jesus tritt ihm, trotz des nahenden Todesurteils, mit großer Ruhe entgegen. Alle Anschuldigungen könenn ihn nicht reffen, denn er bezieht seine Ehre, seine Kraft und Sendung von seinem Vater im Himmel. Pilatus kann keine Schuld an Jesus finden - welche Gefahr für seinen Bereich, die Ordnung des Staates, soll von jemandem ausgehen, der sich nicht verteidigen lässt und der selbst sagt, er sei zum Zeugnis für die Wahrheit gekommen, doch sein Reich sei nicht von dieser Welt? Pilatus versucht es also mit einem Kompromiss. Da er jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen freilässt, schlägt er dem Volk vor, er könne ja Jesus, der derweil im Palast des Pilatus wartet, freilassen. So könnte er einerseits die Hohenpriester zufrieden stellen, indem er Jesus schuldig spricht, andererseits aber einen letzten Rest Gerechtigkeit wahren, denn er hält Jesus für unschuldig. Doch auf diese Finte lässt sich niemand ein. Barabbas, ein aufrührerischer Straßenräuber - <span style="font-style: italic;">dieser</span> tatsächlich ein Feind des römischen Reiches - er ist es, den das Volk aus dem Kerker geholt haben will. Was für ein Sinnbild - man schickt den Erlöser ans Kreuz, doch den Räuber holt man aus dem Kerker. Pilatus lässt Jesus daraufhin geißeln. Vermutlich wollte er damit die jüdischen Führer zufrieden stellen. Wieder kommen die barbarischen Triebe derer zum Vorschein, in deren Hand Jesus gegeben wird. Sie schlagen ihn, spucken ihn an, stechen ihn, verhöhnen ihn. Und dann geißeln sie ihn. Das Blut fließt, die Wunden überziehen seinen Körper während der angebundene Jesus einen Schlag nach dem anderen mit den Geißeln ertragen muss. Entkräftet, blutig, am Ende seiner Kräfte wird er wieder dem Volk vorgeführt - zum Hohn mit Dornenkrone und Purpur. Doch dieser Hohn kündet von Ferne die Wahrheit. Hier steht nicht ein König, wie ihn sich das Märchen wünscht, kein strahlender Held aus Sagen, Legenden, heidnischen Mythen - hier steht der wahre König der Welt: Geschlagen, bespuckt, verspottet. Doch ein König. Ein wahrer König, vielleicht der einzige wahre König. Hier steht einer, der bereit ist, für das zu leiden, wofür er steht, der ganz und gar davon erfüllt ist, den Willen Gottes zu tun. Nicht, dass ihm Spott, Qual und Unglaube nichts ausmachen würde - doch es geht ihm nicht um menschliche Ehre, sondern um Gottes Ehre. Es geht darum, das Werk der Erlösung zu vollenden. Nichts kann ihn davon abhalten, er ist bereit sich für das Heil der Welt zu opfern.<br />Als Jesus dort nun also steht, erbarmungswürdig zugerichtet, ist es noch nicht genug: 'Crucifige' - Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm! schallt es aus der Menge. Jesus steht dort, wehrlos, den Blicken der Menge und dem Geschrei, das seinen Tod fordert ausgeliefert. Pilatus ist unentschlossen. Im Grunde ist Jesus ihm egal, aber ein Funken römischen Gerechtigkeitssinns lebt wohl doch in ihm. Die Hohenpriester aber wollen ihr Werk vollenden und Jesus ein für alle mal aus dem Weg räumen - er muss sterben. Wie schon der Hohepriester Kajaphas prophezeit hatte: "Es ist besser ein Mann stirbt für das ganze Volk, als dass das ganze Volk verdirbt." Wie recht auch er hatte. Doch wie anders seine Worte wahr sind, als er es meinte.<br />Die Ankläger legen nach: 'Er hat sich Sohn Gottes genannt'. Er muss sterben. Ein Hauch von Angst weht Pilatus an. Was wenn es stimmt? Was, wenn dieser so undurchschaubare und geheimnisvolle Mann, den er foltern ließ und den er hinrichten lassen soll, tatsächlich der Sohn Gottes sein sollte? Pilatus steht kurz davor, Jesus laufen zu lassen. Die jüdischen Würdenträger merken, dass es knapp wird. Sie ziehen den letzten Trumpf. Sie lassen rufen: "Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf". 'Freund des Kaiser' war ein römischer Ehrentitel über den man verfügen sollte, wenn man Karriere machen wollte. Die Drohung, dass er ihn verlieren oder gar nicht erst erhalten könnte, dreht die Lage. Was soll's? denkt sich Pilatus. Ist doch wohl ehe nur ein verrückter Wanderprediger. Sollen sie ihn haben! Er überlässt Jesus wieder den Hohenpriestern und gibt Anweisung ihn zu kreuzigen.<br />Nun bringt man Jesus nach Golgota, was Schädelhöhe bedeutet. Dort wird er, der Herr, ans Kreuz geschlagen und an seinem Marterwerkzeug erhöht. Zum Hohn, und als Reizwort für die Hohenpriester hat Pilatus ein Schild oben am Kreuz anbringen lassen: "Jesus von Nazareth, der König der Juden". Es ist noch immer am Morgen als der Heiland mit zerschundenem Leib, seiner Kleider beraubt am Kreuz auf Golgota am Kreuz hängt. Einzig seine Mutter und der Apostel Johannes sind am Ort des Geschehens. Wie muss er sich fühlen, der Gottessohn? Ans Kreuz geschlagen, ohne Schuld? Verlassen, wo er nie jemanden verließ?<br />Hier nun am Kreuz erfüllen sich die letzten Prophezeiungen - um seine Kleider wird das Los geworfen. Man gibt ihm Essig zu trinken. Doch das Ungeheurliche geht nicht spurlos an der Schöpfung vorbei. Als Jesus drei Stunden am Kreuz hängt, es ist die zwölfte Stunde, kommt eine Finsternis über das Land. Um die neunte Stunde schreit Jesus auf - und stirbt. Er, der Quell allen Lebens, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, er ist tot.<br />"Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heilien, die entschlafen waren, wurden auferweckt.Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: <span><span>Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!</span></span><span style="font-style: italic;"><span style="font-weight: bold;">"</span></span><span><span> (Mt 27)<br /><br /><span style="font-style: italic;">Des Königs Fahne tritt hervor, das Kreuz steigt aus der Nacht empor,<br />an dem das Leben für uns starb und Leben durch den Tod erwarb.<br /><br />Verwundet hing der Herr daran, aus der durchstochnen Seite rann,<br />vermischt mit Wasser, heilges Blut, zu löschen unsrer Sünden Glut.<br /><br />Was David sah im hehren Bild, auf Golgotha hat sich's erfüllt;<br />das Kreuz ist des Erlösers Thron, vom Kreuz herab herrscht Gottes Sohn.<br /><br />O schöner Baum, wie stehst du ganz, im königlichen Purpurglanz!<br />O edler Stamm, o hoher Wert, daß dich so heilge Last beschwert.<br /><br />Du bist die Waage, welche hält, das Lösegeld der ganzen Welt,<br />an der die Siegesbeute prang, die Gott der Hölle abverlangt.<br /><br />O Kreuz, durch das uns Hoffnung sprießt, in deinem Sieg sei uns gegrüßt!<br />Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat.<br /><br />Dank sei dir, o Dreifaltigkeit, und Lob und Preis in Ewigkeit,<br />daß du durch Christi Kreuz und Tod uns hast erlöst aus jeder Not.<br /><br /></span></span></span><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6727968530778775714-6168734127071078725?l=unzeitgemaesse-betrachtungen.blogspot.com'/></div>Nikodemushttp://www.blogger.com/profile/08622344321134568878noreply@blogger.com4